Die neuen Fernsehtipps

Vom 01. bis 15. Mai 2017…

Mo, 1. Mai · 00:20-01:40 · Das Erste (ARD)
45 Minuten bis Ramallah

Rafik (Karim Saleh), ein Palästinenser aus Ostjerusalem, hat keine Lust, sich von seinem autoritären Vater tyrannisieren zu lassen. Lieber arbeitet er als Tellerwäscher im fernen Hamburg. Nur der Mutter zuliebe kommt er zur Hochzeit seines kleinen Bruders Jamal (Navid Navid) nach Israel. Auf der Familienfeier gerät er prompt wieder in einen Streit mit seinem alten Herrn, der für ihn eine Ehe arrangieren will. Als sich Rafik vehement weigert, fällt der zornige Vater tot um. Sein Letzter Wille sorgt dafür, dass die Probleme für Rafik nicht abreißen: Der Verstorbene hat verfügt, in seinem Geburtsort Ramallah beigesetzt zu werden. Kein leichter Auftrag für die zerstrittenen Brüder, die dafür den Leichnam über schwer bewachte Grenzübergänge ins palästinensische Autonomiegebiet schmuggeln müssen. Aus der kurzen Fahrt wird eine irre Odyssee für Rafik und Jamal: Erst wird ihr Wagen samt Leiche geklaut, dann geraten sie in die Hände rivalisierender Dschihadisten und schließlich werden sie wider Willen als Selbstmordattentäter rekrutiert. Unerwartete Hilfe kommt von der schönen Prostituierten Olga (Julie Engelbrecht). Frech spielt die Nahost-Satire mit kulturellen Klischees und dem Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Das atemlose Roadmovie verknüpft Elemente des Buddy Movies mit einer ordentlichen Portion schwarzen Humors. Cast und Crew der Culture-Clash-Komödie sind international zusammengestellt: Der französisch-libanesische Schauspieler Karim Saleh, bisher unter anderem als Nebendarsteller aus Hollywood-Produktionen wie „München“ und „Iron Man 2“ bekannt, in der Rolle des geckenhaften Aufschneiders und der iranisch-stämmige Navid Navid als Einfallspinsel verkörpern zwei liebenswürdige Charaktere, die man auf diesem irrwitzigen Trip nach einem Drehbuch des in Israel geborenen Gabriel Bornstein gerne begleitet. Wie schon in seinem gefeierten Debüt „Salami Aleikum“ verknüpft der aus dem Iran exilierte Regisseur Ali Samadi Ahadi Cartoon-Einlagen mit Slapsticks zu einer originellen Filmsprache, die mit orientalisch klingendem Pop abgerundet wird.

Mo, 1. Mai · 22:00-23:45 · ZDF
Monuments Men – Ungewöhnliche Helden

Professor Frank Stokes (George Clooney) tritt mit einem ungewöhnlichen Anliegen an Präsident Roosevelt heran. Stokes sorgt sich um die Kunstschätze Europas, die in den Wirren des Zweiten Weltkriegs verloren gehen oder zerstört werden könnten. Ihm ist bewusst, dass die Nationalsozialisten aus den besetzten Ländern bereits zahlreiche Kunstgegenstände, darunter berühmte Gemälde und Skulpturen, verschleppt und versteckt haben. Roosevelt lässt Stokes gewähren. Der stellt ein Team von sechs Männern unter seiner Führung zusammen. Als erstes gewinnt Stokes die Unterstützung eines Freundes, des Restaurators James Granger (Matt Damon). Außerdem stoßen aus den USA Richard Campbell (Bill Murray), Walter Garfield (John Goodman) und Preston Savitz (Bob Balaban) dazu. Aus Frankreich und England kommen zwei weitere Männer: der Brite Donald Jeffries (Hugh Bonneville), der Franzose Jean Claude Clermont (Jean Dujardin) und aus Deutschland der junge Sam Epstein (Dimitri Leonidas). Die Truppe ist nicht zum Kampfeinsatz vorgesehen, doch da in ganz Europa die Rückzugsgefechte der Deutschen und die Offensiven der Alliierten laufen, gerät Stokes‘ Truppe, die sogenannten „Monuments Men“, immer wieder in lebensgefährliche Situationen. Einige können sie entschärfen, andere fordern Opfer. Als im April 1945 die deutsche Kapitulation kurz bevorsteht, sind Jeffries und Clermont bereits gefallen. Vorher hatten die „Monuments Men“ zahlreiche Kunstwerke aufspüren können. Darunter nicht nur Museumseigentum, sondern auch Bilder, die Privatleuten gehörten und in jüdischen Haushalten hingen. Mit dem herannahenden Kriegsende müssen die „Monuments Men“ die Kunst nicht nur finden, sondern sie auch vor der Zerstörung durch die Deutschen oder der Übernahme durch die Russen retten. Die Deutschen wollen den Siegern verbrannte Erde hinterlassen, die Sowjets nehmen die Kunst mit nach Russland. Stokes‘ Grundidee ist es jedoch, die Kunstobjekte nach dem Krieg wieder dorthin zu geben, wo sie gestohlen wurden. Durch die Bekanntschaft mit Claire Simone (Cate Blanchett), einer Pariser Museumsangestellten, die nach dem Rückzug der Deutschen aus der französischen Hauptstadt kurz in Haft saß, erlangt James ein ganzes Verzeichnis aus einem Museum geraubter Schätze. Und es kommt noch besser: Durch eine Karte, die ihnen in die Hände fällt, werden Stokes und seine Männer auf eine Reihe von Salzbergwerken und verlassene Stollen aufmerksam. Dort haben die Nazis Gold, aber auch Beutekunst versteckt. Obwohl sich Stokes angesichts der vielen Toten und der Gräuel des Krieges immer wieder fragen muss, ob seine kleine Mission überhaupt einen Sinn macht, kann er die Frage für sich schließlich mit einem Ja beantworten, denn die Kunstschätze sind ein Erbe der Menschheit, gehören der Allgemeinheit und schreiben die Geschichte des Menschen fort, lange, nachdem ihre Schöpfer gestorben sind. Die „Monuments Men Foundation“ ist bis heute aktiv. Am 14. Dezember 2016 berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ unter der Überschrift „Amerikaner geben Nazi-Teppich zurück“ über einen aktuellen Fall. Die Tochter eines amerikanischen Besatzungsoffiziers gab dem Freistaat Bayern einen aus dem 16. Jahrhundert stammenden Bildteppich zurück, den ihr Vater aus einem Haus auf dem Obersalzberg in die Staaten mitgenommen hatte. Die Affäre um die zahlreichen Gemälde, die sich im Besitz Cornelius Gurlitts in einer Münchener Mietwohnung befanden, machte 2013, 69 Jahre nach Kriegsende, Schlagzeilen, und zeigt, dass das Thema, dem sich Clooney in den „Monuments Men“ zuwandte, immer noch aktuell ist. Zur Freude deutscher Fans und der deutschen Klatschpresse drehte Hollywood-Star George Clooney „Monuments Men“ 2014 fast komplett in Deutschland, im Potsdamer Studio Babelsberg und im Harz. Abends aß er gern in Berlin beim Italiener – die Hauptstadt stand Kopf. Einer von Georges Restaurantbesuchen schaffte es sogar in die Tageszeitungen: Der höfliche George zahlte dem Gast am Nebentisch das Essen, weil er glaubte, dieser sei womöglich durch seine etwas laute Truppe gestört worden.

Mo, 1. Mai · 22:45-00:15 · BR
Landauer – Der Präsident

Die Geschichte des Fußballfunktionärs Kurt Landauer. Mit der Machtergreifung der Nazis verliert der Jude Landauer trotz großer Erfolge seinen Posten als Präsident des FC Bayern und wird in Dachau interniert. Aus der Haft entlassen, flieht er in die Schweiz. Nach dem Krieg kehrt er nach München zurück und entscheidet sich zu bleiben und nicht wie so viele in die USA auszuwandern. Dabei muss er sich als Nazi-Opfer mit den noch immer vorhandenen Ressentiments gegen Juden auseinandersetzen. Kurt Landauer: eine lebende Legende, eine Respektperson. Spätestens mit der gewonnenen Meisterschaft 1932 hat der Präsident des erfolgreichen Fußballklubs Bayern München seinen Status als einer der wichtigsten Söhne seiner Stadt sicher. Doch mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 verliert der Jude Landauer seinen Posten. Er wird 1938 in Dachau interniert. Zwei Monate später wird er entlassen und flieht in die Schweiz. Nach dem Krieg kehrt er nach München zurück und wählt den Wiederaufbau, obwohl er seiner Heimatstadt, Deutschland und dem FC Bayern den Rücken kehren und wie so viele in die USA auswandern könnte. Dabei muss er sich als Nazi-Opfer mit den Deutschen, den Bayern und seinen ehemaligen Freunden, ihrer Kriegsvergangenheit und ihren Ressentiments gegen Juden auseinandersetzen.

Di, 2. Mai · 00:15-00:45 · BR
Landauer – gefeiert, verbannt, vergessen

Der Bayer und Jude Kurt Landauer war legendär und vielleicht der wichtigste Präsident des FC Bayern München. Doch vieles in seiner Lebensgeschichte liegt bis heute im Dunkeln. Der Filmautor Nick Golüke schließt diese Lücken und beschreibt erstmals das einzigartige und exemplarische Leben Kurt Landauers mit seiner grundlegenden Bedeutung für die Geschichte des FC Bayern und des deutschen Fußballs und seiner Wirkung bis in die heutige Zeit. Das bis heute der Öffentlichkeit fast unbekannte Leben Kurt Landauers ist die unglaubliche Heldengeschichte eines Mannes, der seine persönlichen Gefühle zurückstellt für das Wohl eines Vereins und das eines Landes, in dem er in ein Konzentrationslager gesteckt wurde, in dem seine Geschwister ermordet wurden, und wo ihm alles genommen wurde – nur eines nicht: sein Fußball, sein FC Bayern. Nick Golüke beschreibt dieses dramatische Leben zwischen Triumph und Verfolgung, Konzentrationslager, Exil und Heimkehr, Vergessen und Wiederentdeckung. Er erzählt eine jüdische Biografie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor dem Hintergrund des Nationalsozialismus und geht der Frage nach, warum so viele Stationen dieses Lebens so lange im Dunkeln geblieben sind. Dabei versucht der Filmautor sich dem zwiegespaltenen Verhältnis des FC Bayern München zu seinem vielleicht größten Präsidenten zu nähern und der Frage, warum der Verein so lange den Mantel des Schweigens über diesen zentralen Zweig seiner Geschichte gebettet hat.

Di, 2. Mai · 02:40-04:35 · Das Erste (ARD)
Rosa Luxemburg

„Wie kommt das, dass Menschen über andere Menschen entscheiden dürfen?“ Im Gefängnis notiert Rosa Luxemburg eine Frage, die sie ihr Leben lang umgetrieben hat: als politische Autorin, Rednerin, Führerin der deutschen Sozialdemokratie und des revolutionären Spartakusbunds. Margarethe von Trottas passioniert inszenierter historischer Film sucht nach den utopischen Versprechen in der Vita einer Frau, die für die einen die „blutige Rosa“, für die anderen eine politische Ikone war. Ein Gefängnis in Warschau, 1906. Die „Vorwärts“-Redakteurin Rosa Luxemburg (Barbara Sukowa) ist unter dem Eindruck der Ersten Russischen Revolution nach Polen gekommen, um mit ihrem Geliebten Leo Jogiches (Daniel Olbrychski) die Ideen der Arbeiterbewegung zu verbreiten. Es ist nicht ihre erste Haft. Geboren 1871 als Tochter einer wohlhabenden, polnisch-jüdischen Kaufmannsfamilie, hatte Luxemburg früh begonnen, sich politisch zu exponieren. Nach ihrer Promotion zum Dr. jur. ließ sie sich in Berlin nieder und trat der SPD bei. Innerhalb der deutschen Sozialdemokratie, neben Figuren wie August Bebel (Jan-Paul Biczycki) und Karl Kautsky (Jürgen Holtz), wirkte sie wie ein Paradiesvogel: eine eigenwillige, dem Leben zugewandte Frau, kompromisslos im Privatleben und in ihrer Politik. Nachdem Bebel ihre Freilassung aus der Warschauer Zitadelle erkauft hat, gerät die hoch begabte Journalistin und Rednerin in Konflikt mit der zunehmend staatstragenden Linie ihrer Partei. Verbündete findet sie in Clara Zetkin (Doris Schade), mit deren Sohn Kostja (Hannes Jaenicke) sie ein Verhältnis beginnt, und schließlich in Karl Liebknecht (Otto Sander), dem einzigen Reichstagsabgeordneten, der 1914 gegen die Kriegskredite stimmt. Luxemburgs leidenschaftliche Reden gegen den Krieg führen zum Zerwürfnis mit der SPD, zu Prozessen und weiteren Haftstrafen. Aber weder Isolation noch Krankheit brechen ihren Geist. Als Mitbegründerin des „Spartakus“-Bunds und Redakteurin der „Roten Fahne“ setzt sie nach dem Krieg ihre Arbeit unter veränderten Vorzeichen fort. Den Optimismus ihres Genossen Liebknecht, der auf eine deutsche Revolution hofft, teilt sie allerdings nicht. Und die Ereignisse geben ihr auf furchtbare Weise recht: In der Nacht vom 15. auf den 16. Januar 1919 werden Luxemburg und Liebknecht verhaftet und ermordet. Margarethe von Trottas „Rosa Luxemburg“ ist eines der wenigen herausragenden Porträts heroischer Frauen im westdeutschen Kino. Glänzend gespielt, sorgfältig recherchiert und mit immenser Leidenschaft entfaltet der Film die Biografie einer Politikerin und Intellektuellen, die auch für die Linke der Siebziger und Achtziger noch so etwas wie eine Ikone war: die Repräsentantin eines „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“. Barbara Sukowas beeindruckende Leistung in der Hauptrolle wurde mit dem Darstellerpreis von Cannes gewürdigt.

Di, 2. Mai · 20:15-21:45 · arte
Eine Blutspur durch Frankreich – Die SS-Panzer-Division „Das Reich“

6. Juni 1944: D-Day. Nach der Landung der Alliierten an den Stränden der Normandie setzte sich die bis dahin unweit von Montauban stationierte SS-Panzer-Division „Das Reich“ in Richtung Norden in Bewegung. Ihr Befehl lautete, die Résistance auszumerzen, sich am Ziel der Schlacht in der Normandie anzuschließen, um deren Ausgang zu beeinflussen. Die Widerstandskämpfer, unter ihnen auch die 23-jährige Violette Szabo, und die von London entsandten Sondereinsatztruppen versuchten, den Vormarsch um jeden Preis zu verzögern. Auf ihrem Weg lieferte sich die SS-Division immer wieder blutige Kämpfe mit der Résistance und verübte grausame Massaker an Zivilisten. Mit Farbaufnahmen aus jener Zeit illustriert der Dokumentarfilm in der Art eines Roadmovies diese für den Ausgang des Zweiten Weltkriegs entscheidenden Wochen. Parallel zu den geschichtlichen Fakten schildert er den Werdegang der schon an der Ostfront in Massenmorde verwickelten SS-Offiziere, aber auch das Schicksal von Menschen wie Violette Szabo, deren Auftrag es war, die Pläne der Nazis zu durchkreuzen. Deutlich wird dabei auch das heillose Chaos der letzten Kriegsmonate. Der Film führt dem Zuschauer das ganze Grauen der größten je auf französischem Boden verübten Massaker vor Augen und erweist den unbekannten Helden, denen Frankreich die Befreiung verdankt, eine bewegende Hommage.

Di, 2. Mai · 22:40-23:35 · arte
Hitlers Madonna und die Retter der Raubkunst

Eine tonnenschwere Bombenlast droht zu explodieren, um einen unermesslichen Kunstschatz zu vernichten. Dieses Endzeitszenario im österreichischen Salzbergwerk Altaussee am Ende des Zweiten Weltkrieges beleuchtet die Dokumentation. Knapp 6.500 Kunstwerke lagen hier, darunter unzählige Meisterwerke der europäischen Kunstgeschichte: Michelangelos Brügger Madonna, der Genter Altar, Werke von Vermeer, Rubens, Rembrandt, Brueghel, Tintoretto. Es war Hitlers Sammlung für das geplante „Führermuseum“ in Linz. Zum größten Teil bestand sie aus geraubter Kunst. Später berichteten die Retter, dass sogar die Mona Lisa von Leonardo da Vinci darunter gewesen sein soll. Ganz Europa hatte Hitler dafür plündern lassen, bevor er seine Schätze ab 1943 im Salzbergwerk kriegssicher verstecken ließ. Es war der größte Kunstschatz, der jemals an einem Ort gelagert wurde. Kurz vor Kriegsende drohte seine Zerstörung. Der fanatische Gauleiter August Eigruber hatte die Bomben im Bergwerk deponieren lassen. Dem Feind sollte nach der absehbaren Niederlage keines dieser unschätzbar wertvollen Werke in die Hände fallen. Wer waren die Retter des Kunstschatzes in Altaussee? Was waren ihre Motive? George Clooney erzählt die Geschichte in seinem Film „Monuments Men“ natürlich hollywoodtauglich dramatisiert. Seine Helden retten die Kunst unter Einsatz ihres Lebens. Nach 1945 gab es viele, die behaupteten, den Schatz in der Salzmine Altaussee gerettet zu haben: Österreichische Widerstandskämpfer, ausgebildet vom Britischen Geheimdienst, die Bergwerksleitung ebenso wie die Restauratoren und Kunstexperten, die die Sammlung betreut hatten. Selbst Ernst Kaltenbrunner, Leiter des Reichssicherheitshauptamtes und einer der wichtigsten Männer Nazi-Deutschlands, stilisierte sich zum Retter dieser Kunstsammlung. An der Geschichte dieser Rettung lässt sich vieles ablesen. So wird das Bergwerk in den letzten Tagen des Krieges zum Mikrokosmos des Deutschen Reichs. Auf engem Raum werden die existenziellen Fragen der Zeit verhandelt: Leistet man Befehlsgehorsam bis zum Tod oder lehnt man sich gegen die Terrorherrschaft der Nazis auf? Und ist das Kulturgut mehr wert als das eigene Leben?

Mi, 3. Mai · 00:20-00:40 · 3sat
Rolf Lyssy

Rolf Lyssy hat mit „Die Schweizermacher“ den bisher erfolgreichsten Schweizer Film auf die Kinoleinwand gebracht. Doch das Leben des Filmemachers war nicht stetig von Erfolg gekrönt. Trotz Rückschlägen und einer schweren Depression hat er das Filmen nie aufgegeben und steht mit 80 Jahren wieder auf dem Set. Denn eines wusste er bereits früh: Er wollte zum Film. – Reporterin Samira Matta über den erfolgreichsten Filmemacher der Schweiz. Rolf Lyssy ist in Herrliberg bei Zürich aufgewachsen, damals noch ein kleines Bauerndorf am Zürichsee. Er war der einzige jüdische Bub in der Gemeinde – und erst noch aus der Stadt zugezogen Der große Erfolg von „Die Schweizermacher“ brachte dem Regisseur auch Neid und Missgunst. Trotz zermürbender Auseinandersetzungen mit Fördergremien drehte er viele Filme und schaut heute auf ein bewegtes Leben zurück. In den 1990er-Jahren erkrankte er nach einem gescheiterten Filmprojekt und der Trennung von seiner Frau an einer schweren Depression. Er wies sich in die psychiatrische Klinik ein. Es war die schwärzeste Zeit seines Lebens. Und doch hat Rolf Lyssy nie aufgegeben, hat sich seinen Humor und die feine Ironie bewahrt. Immer war der Filmemacher an Themen mit gesellschaftlicher Relevanz interessiert, zum Beispiel Sterbehilfe. Davon handelt sein neuester und – wie er sagt – bestimmt nicht letzter Film.

Mi, 3. Mai · 21:15-21:45 · MDR
Die Spur der Ahnen: Vaters Flucht vor den Nazis

Von einem auf den andern Tag wurde die Familie von Akiba Zwick auseinander gerissen. Nun kehrt der heute 85-Jährige zurück nach Leipzig, um zu verstehen, was damals mit seinen Eltern und seiner Schwester geschah. Denn während er mit zwei Geschwistern den Nazis mit Hilfe eines Kindertransportes entkommen konnte, überlebten sie den Holocaust nicht. Sie wurden von den Nationalsozialisten ins KZ deportiert und ermordet. Akiba Zwick wuchs in einer glücklichen Familie auf. Aus dieser Zeit besitzt er nur noch wenige Fotos: von seiner Schwester Leni, von sich und seinem Bruder Moritz, von seinen Eltern Fanny und Jakob. Der Rest ist Erinnerung. Denn von einem auf den andern Tag wurde die Familie im Jahr 1938 auseinander gerissen. Das Kind von einst kehrt zurück Akiba Zwick war damals zehn Jahre alt – ein Kind, das nicht verstand, was um ihn herum geschah. Heute ist er ein Mann von 85 Jahren, der sich auf den Weg macht. Von Israel aus bricht er auf zurück nach Leipzig. Seine Suche beginnt im Waldstraßenviertel. Denn dort lebte die Familie. Der Vater betrieb einen Pelzhandel am Brühl, den er nach der Reichspogromnacht von 1938 jedoch bald aufgeben mussten. Juden durften im Zuge der Arisierung keine eigenen Unternehmungen mehr führen. Heute will Akiba wissen, wie genau es seinen Eltern und seiner Schwester in den letzten Tagen und Monaten ihres Lebens erging, er möchte verstehen, warum er überlebte. Ihn quälen viele offene Fragen: Warum floh sein Vater damals zunächst alleine, ohne die Familie? Was genau geschah mit ihm? Was passierte mit seiner Mutter, was mit der Schwester? Vor ihm liegt eine äußerst emotionale Reise in die Vergangenheit, eine Reise, bei der Akiba erfährt, wie stark und selbstlos seine Eltern waren. Seiner Mutter gelang es noch, drei ihrer Kinder auf einen der letzten Kindertransporte weg aus Deutschland zu schicken … Lehrstück über die Kraft der Familie Im Leipziger Waldstraßenviertel, dort wo heute schick sanierte und begehrte Altbauwohnungen stehen, trugen sich damals viele solcher Tragödien zu. In der sehr persönlichen Geschichte von Akiba Zwick bekommt der Holocaust ein Gesicht: Aus einst namenlosen Opfern werden Eltern, Söhne und Töchter, Nachbarn oder Freunde mit konkreten Geschichten. Sie zeigen eindringlich, wie perfide und total die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung durch die Nazis war. Doch nicht „nur“ davon erzählt der Film. Akibas Familiengeschichte ist auch ein Lehrstück über die Kraft der Familie, über Liebe in schwerster Zeit, über einen sympathischen Mann, der seinen Lebensmut nie verlor. Er hat die Stärke seiner Eltern weitergegeben. Das Vermächtnis von Fanny und Jakob Zwick, den beiden Leipzigern, die die Nazis ermordeten, lebt in ihren Enkeln und Urenkeln fort. Akiba Zwicks Familie prägt bis heute ein starker Zusammenhalt und so begleiten ihn seine Angehörigen an die Orte seiner Kindheit, um zu erfahren, woher sie kommen …

Do, 4. Mai · 00:00-00:45 · ARD-alpha
alpha-Forum: Götz Aly

Im alpha-Forum kommen Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft, Religion und Kultur in 45 Minuten ausführlich zu Wort. In hintergründigen Zwiegesprächen entstehen Porträts der Interviewten, in denen genügend Zeit für Details und Nuancen bleibt. Nicht das kurze, mediengerechte Zitat, sondern der Lebensweg des Gesprächspartners mit all seinen Erfolgen und Rückschlägen steht im Mittelpunkt von alpha-Forum. Dr. Götz Aly ist Journalist und Historiker. Er war Redakteur bei der taz und der Berliner Zeitung und ist heute freier Autor. Ein Schwerpunkt seiner Veröffentlichungen ist die Geschichte des Nationalsozialismus. Dr. Götz Aly ist Journalist und Historiker. Er war Redakteur bei der taz und der Berliner Zeitung und ist heute freier Autor. Ein Schwerpunkt seiner Veröffentlichungen ist die Geschichte des Nationalsozialismus. „Das ist der entscheidende Punkt. Beim niederschwelligen Antisemitismus lehnen sich die Menschen nicht aus dem Fenster und schreien: ‚Juda verrecke!‘ Sie sagen stattdessen: ‚Die Juden nehmen sich zu viel heraus!‘ Wenn ich mit meinen Lesern darüber spreche, was deren Großmutter über die Juden gesagt hat, dann erfahre ich, dass sehr viele gesagt haben: ‚Bei uns im Dorf früher hat es vier Juden gegeben. Und das erste Auto im Dorf hatte auch ein Jude!‘ Das ist immer das, was den Leuten dazu einfällt bzw. eingefallen ist. Oder ein anderer erzählt, dass seine Großmutter gesagt habe: ‚Die Juden waren eigentlich ganz nett. Aber sie haben sich schon sehr viel herausgenommen!'“ Götz Aly

Do, 4. Mai · 22:45-00:20 · RBB
Boxhagener Platz

1968, in Ostberlin: Ein ungeklärter Nachbarschafts-Mord bringt die verlässliche Ruhe auf dem Ostberliner Boxhagener Platz in Aufruhr. Oma Ottis Verehrer und Altnazi Fisch-Winkler ist tot. Ottis Enkel, der zwölfjährige schüchterne Holger, nutzt die Chance, um als Hobbydetektiv auf Mördersuche bei den Bolzfreunden sein schlechtes Image als Sohn des linientreuen „Abschnittsbevollmächtigten“ aufzupolieren. Er erhofft sich – sollte er den Fall lösen – endlich den langersehnten ersten Kuss von seinem heimlich verehrten Mädchen. Karl Wegner, der neue Liebhaber von Holgers umschwärmter Oma Otti, entpuppt sich für Holger als Quell der Erkenntnis in Sachen Liebes- und Lebensfragen. Vor allem jedoch kennt der 80-jährige Ex-Spartakus-Kämpfer Karl eine Menge spannender politischer Geheimnisse. Natürlich macht sich der naive Holger vor seinen Kumpels damit wichtig, was die Polizei auf den Plan ruft: Karl wird festgenommen. Als er in U-Haft an Herzversagen stirbt, schwört Holger sich tiefgetroffen, nie wieder andere für den eigenen Vorteil in Gefahr zu bringen. Denn in dem menschenverachtenden System, in dem er lebt, kann solch ein Spiel fatale Folgen haben. Er entschließt sich, wenn er erwachsen ist, in Karls Fußstapfen zu treten und irgendwann wenigstens eine „tiefrevolutionäre Rede zu halten, die den Mächtigen da oben Angst und Bange macht“, auf die sein Opa in spe stolz gewesen wäre.

Do, 4. Mai · 23:15-00:00 · HR
Mörderisches Finale

Im Frühjahr 1945 erreicht der NS-Terror noch einmal einen grausamen Höhepunkt. Die einen hoffen auf die nahe Befreiung, die anderen noch immer auf den versprochenen Endsieg. Zehntausende werden in den letzten Tagen und Wochen vor Kriegsende noch zum Opfer des NS-Terrors, viele zu Tätern. In den Justizakten sind über 400 solcher Endphasenverbrechen dokumentiert. Die Autorin Christine Rütten schildert einige davon und nimmt die Ermittlungen gegen die Täter journalistisch wieder auf. Es ist ein schmaler Grat zwischen Leben und Tod in diesen Tagen. Im Frühjahr 1945 erreicht der NS-Terror noch einmal einen grausamen Höhepunkt. Die einen hoffen auf die so nahe Befreiung, die anderen noch immer auf den versprochenen Endsieg. Ein Hitlerjunge im hessischen Wetterfeld erhält vom Bürgermeister im April 1945 einen Mordauftrag. Er soll einen angeblichen Verräter aus dem Weg schaffen. „Der Bürgermeister befiehlt das, das muss gemacht werden. Nicht denken, Klappe zu. Befehl und Gehorsam“, erinnert der damals 16-Jährige sich. In Brettheim bei Rothenburg ob der Tauber nehmen einige Bürger vier Hitlerjungen die Waffen ab und werden vor ein SS-Standgericht gestellt. Martha Gillessen sitzt im Gestapo-Keller in Dortmund, weil sie eine Jüdin versteckt hat. Zusammen mit ihrer Tochter und 300 Widerstandskämpfern und Kriegsgefangenen bangt sie um ihr Leben. Werden die Alliierten rechtzeitig kommen? „Sie hat immer allen Mut gemacht“, erinnert sich die Tochter. Im Arresthaus von Beerfelden im Odenwald sitzt ein junger Wehrmachtssoldat wegen Fahnenflucht fest. Auch ihm droht ein Standgericht. Zehntausende werden in den letzten Tagen und Wochen vor Kriegsende noch zum Opfer des NS-Terrors, viele zu Tätern. In den Justizakten sind über 400 solcher Endphasenverbrechen dokumentiert. Die Autorin Christine Rütten schildert exemplarisch einige davon und nimmt die Ermittlungen gegen die Täter journalistisch wieder auf. Die Täter kommen in den Nachkriegsprozessen mit milden Strafen davon. Die überlebenden Opfer und die Kinder der Toten sind bis heute traumatisiert. Und in vielen Dörfern wird bis in die dritte Generation über das mörderische Finale geschwiegen.

Sa, 6. Mai · 21:00-21:45 · PHOENIX
Das Jesusrätsel

Heute sind sich die Wissenschaftler einig: Jesus hat wirklich gelebt. Er war Jude, lebte in Galiläa, wuchs in Nazareth auf. Aber je mehr wir über seine Zeit und die Entstehung der Bibel wissen, desto deutlicher wird, dass sich nicht alles so abgespielt haben kann, wie es die Autoren der Heiligen Schrift berichten. Der Film fragt: Wer war der historische Jesus wirklich? Fast zwei Milliarden Menschen bekennen sich heute zum Glauben an Jesus Christus. Sie folgen damit dem Leben eines Mannes, von dem die Bibel schreibt, er sei am Kreuz gestorben, um die Menschheit zu erlösen. Begleitet von namhaften Fachleuten begibt sich Petra Gerster in Galiläa auf die Suche nach dem Menschen Jesus. Höchstens drei Jahre soll er öffentlich gewirkt haben. Vor allem am See Genezareth war der Wanderprediger und Wundertäter aktiv. Wissenschaftler sagen: Sein Aktionsradius betrug maximal 20 Kilometer. Genug, um in seinem Heimatland für Aufsehen zu sorgen? An vielen Stellen widerspricht das Bild, das die Evangelisten von Jesus Christus zeichnen, den wissenschaftlichen Erkenntnissen über den historischen Jesus von Nazareth. Selbst renommierte Jesusforscher bekennen, dass alle Informationen, die wir über Jesus gesichert wissen, auf eine Postkarte passen.Unter den überlieferten Jesusworten werden am ehesten die Gleichnisse aus der Lebenswelt der Hirten und Bauern als echt angesehen. Der Beginn seiner Bekehrungsarbeit hing offenbar mit dem Wirken von Johannes dem Täufer zusammen – einem, der in der Jordanlandschaft Peräa am Toten Meer seine Endzeit-Botschaft vom baldigen „Feuergericht“ verkündete und zur Umkehr in letzter Stunde aufrief. Anders als Johannes der Täufer war Jesus allerdings kein Asket. Matthäus berichtet, er habe sogar im Ruf gestanden, ein „Schlemmer und Trinker, ein Fresser und Säufer“ zu sein. Wie muss man sich die Welt vorstellen, in der Jesus wirkte? Wovon lebt ein Wanderprediger? Was wissen wir über das Verhältnis Jesu zu seiner Familie? Warum folgten ihm die Jünger überhaupt? Und was war sein Alleinstellungsmerkmal in der Masse der Wanderprediger und selbsternannten Reformatoren des Judentums? Schritt für Schritt werden im Film die biblischen Berichte vom Leben Jesu auf den Prüfstand gestellt – so dass hinter dem Jesus der Evangelisten der historische Jesus erkennbar wird.

Sa, 6. Mai · 22:30-00:00 · PHOENIX
Das radikal Böse

Wie werden aus ganz normalen jungen Männern Massenmörder? Warum töten ehrbare Familienväter Frauen und Kinder? Warum verweigerten so wenige den Befehl, obwohl es ihnen freigestellt war? Wie konnten systematische Erschießungen jüdischer Zivilisten durch deutsche Einsatzgruppen in Osteuropa möglich sein? Das Nonfiction-Drama von Stefan Ruzowitzky sucht die Ursache des Bösen in einer stilistisch innovativen Herangehensweise. Der vergessene Holocaust: Rund zwei Millionen jüdische Zivilisten sind von den sogenannten Einsatzgruppen und Polizeibataillonen ab 1941 ermordet worden. Dies geschah am helllichten Tag, öffentlich, zum Teil vor Zuschauern, mit Gewehren und Pistolen, von Angesicht zu Angesicht. Bis heute verbinden die meisten Menschen mit dem Holocaust vor allem Gaskammern und Konzentrationslager, die grauenhaften „Neuerungen“ der Nazimörder. Dass dem ein konventioneller, aber um nichts weniger grausamer Genozid vorangegangen war, mit unglaublichen zwei Millionen Opfern, ist kaum ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gedrungen. Ein Grund für die geringe Bekanntheit dieser Verbrechen war die Gründlichkeit der Mörder. In dem kleinen Städtchen Bibrka, das Stefan Ruzowitzky und sein Team als einen beispielhaften Ort besuchten, sagte der ehemalige Bürgermeister auf die Frage, wie viele Juden von den Nazis ermordet worden seien: „Genau so viele, wie laut Aufzeichnungen hier gelebt hatten.“ Keine Überlebenden, keine Zeugen, niemand der der Opfer gedenkt.In „Das radikal Böse“ kommen zwei Männer zu Wort, die sich um das Erinnern dieser Verbrechen beziehungweise der Opfer besonders verdient gemacht haben. Benjamin Ferencz, der als junger Jurist durch Zufall auf die „Ereignismeldungen“, die grauenhaften Auflistungen der Massenmorde gestoßen war. Er hat gegen alle Widerstände noch einen Prozess in Nürnberg durchgesetzt. Und der französische Priester und Holocaustforscher Père Desbois, der mit seiner Organisation Yahad-In Unum in detektivischer Kleinarbeit die Massenexekutionen der Nazis in Osteuropa untersucht, die letzten Zeitzeugen interviewt, Massengräber aufgespürt und die Namen der Opfer vor dem Vergessen bewahrt hat. Während später in den Konzentrationslagern das Morden durch ein perfides System gleichsam abstrahiert war, standen bei den „Sonderaktionen“ Soldaten und Hilfspolizisten ihren Opfern noch von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Sie schossen auf Frauen, Kinder, Babys. Wie war das möglich? Wie konnten liebevolle Familienväter, nette, junge Männer, brave Bürger zu mitleidlosen Massenmördern werden? Wieso haben sie nicht verweigert, da, wie wir hören, doch schlimmstenfalls Rügen, Schimpfworte und zusätzliches Wacheschieben drohte? Welcher Mix aus politischen, soziologischen und psychologischen Faktoren macht einen Genozid möglich? Was bringt normale Menschen zu solch unvorstellbaren Grausamkeiten? Tagebuchaufzeichnungen, Briefe und Gerichtsprotokolle erlauben uns, einen Eindruck von der Gedankenwelt der Mörder zu gewinnen. Schauspieler wie Volker Bruch, Alexander Fehling, Benno Fürmann, Hanno Koffler, Lenn Kudrjawizki, Andreas Schmidt, Simon Schwarz, Devid Striesow, Arndt Schwering-Sohnrey, Sebastian Urzendowsky und Nicolette Krebitz lassen uns durch ihre Interpretation miterleben, wie ein Moment der Feigheit, sich zu exponieren, sich zu verweigern, sich außerhalb der Gruppe zu stellen, die Soldaten in einen mörderischen Abgrund reißt. Wie sie beim ersten Massaker angewidert und traumatisiert sind, sich aber bald an das tägliche Morden gewöhnen.

So, 7. Mai · 02:15-03:00 · PHOENIX
Marlene Dietrich gegen Zarah Leander

Mehr als 100.000 Reichsmark will Propagandaminister Joseph Goebbels 1936 dem deutschstämmigen Hollywoodstar Marlene Dietrich für jeden Film zahlen – wenn sie nach Deutschland zurückkäme. Dazu freie Auswahl der Stoffe und Regisseure. Goebbels sucht eine schöne Schauspielerin für seine Nazi-Propaganda. Doch die Dietrich lehnt ab. So bietet Goebbels diese höchste Gage aller UFA-Stars schließlich einer jungen Schwedin an, die sich mit Musicals einen Namen gemacht hat. Zarah Leander willigt ein. Marlene Dietrich und Zarah Leander – zwei Diven des 20. Jahrhunderts, deren Lebenswege völlig gegensätzlich verlaufen. Auf der einen Seite die Berlinerin Marlene, die als Weltstar dem NS-Regime erbitterten Widerstand leistet. Auf der anderen Seite die schwedische Sängerin, deren Durchhaltelieder Millionen Deutsche in die Kinos locken, selbst als rundherum alles in Schutt und Asche fällt. Die Erfolge beider Schauspielerinnen sind legendär. Marlene Dietrich wird nach dem Kassenschlager „Der blaue Engel“ der höchstbezahlte weibliche Hollywoodstar der 30er Jahre. Zarah Leander steht dem kaum nach. Allein ihren Film „Die große Liebe“ sehen 27 Millionen Zuschauer in ganz Europa. Es ist nicht nur die Politik, die die beiden Schauspielerinnen zu Konkurrentinnen der Filmwelt macht. Auch persönlich ist der Unterschied zwischen ihnen groß. Zarah Leander hält ihr Privatleben geheim und gibt sich als Star zum Anfassen. Marlene Dietrich lebt ihre zahllosen Affären mit Frauen und Männern aus und hält mit ihren Launen die Studios auf Trab. Doch vor allem stehen die beiden Frauen stellvertretend für den Kampf zweier Systeme – Demokratie gegen Diktatur. Während sich die eine durch das Dritte Reich laviert und ihren eigenen Vorteil über moralische Erwägungen stellt, tritt die andere offen als Gegnerin Hitlers auf. Ein Duell, das weit mehr ist als die Konkurrenz zweier Diven.

So, 7. Mai · 20:15-22:30 · arte
Nirgendwo in Afrika

Ab 1938 darf Walter Redlich (Merab Ninidze) seinen Beruf nicht mehr ausüben. Der jüdische Anwalt flieht nach Kenia, wohin seine ebenfalls jüdische Frau Jettel (Juliane Köhler) ihm widerstrebend nachfolgt. Jettel fühlt sich in erster Linie als Deutsche und dann erst ihrer Religion zugehörig. Sie glaubt nicht, dass man sie in ihrer Heimat verfolgen wird. Für sie ist die Reise nach Afrika zunächst ein kurzer Ausflug. Mit dem bescheidenen Dasein im Busch, wo ihr Mann als Verwalter einer maroden Farm arbeitet, kann sie sich nicht anfreunden. Dagegen blüht ihre introvertierte Tochter Regina (Karoline Eckertz) auf. Sie verfällt dem Zauber Afrikas, lernt die Sprache und findet in dem einheimischen Koch Owuor (Sidede Onyulo) einen Freund. Mit Ausbruch des Kriegs treffen schockierende Nachrichten aus Deutschland ein. Jettel, die sich von Walter immer mehr entfernt hat, wird bewusst, dass das Leben im Exil ein Geschenk ist. Allmählich findet das Paar wieder zueinander. Nach Kriegsende wird Walter ein Posten als Richter in Frankfurt angeboten. Bis dahin sind zwölf bewegte Jahre vergangen, in denen Jettel und Regina Kenia schätzen gelernt haben. Die beiden wissen nicht so recht, ob sie in das Land zurückkehren wollen, in dem noch die Mörder ihrer Verwandten leben. Caroline Links eindrucksvolle Verfilmung des autobiografischen Bestsellers von Stefanie Zweig zeichnet ein realistisches Bild vom Leben jüdischer Flüchtlinge im Exil. Nicht zuletzt dank Gernot Rolls beeindruckender Landschaftspanoramen wurde „Nirgendwo in Afrika“ mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet.

So, 7. Mai · 23:55-01:15 · MDR
Kein Platz zum Leben

1993 stößt der US-amerikanische Forscher Chris Nicola bei der Erkundung eines ukrainischen Höhlensystems auf Spuren von Menschen: Knöpfe, ein Frauenschuh, ein alter Schlüssel sind die stummen Zeugen der Vergangenheit. Von Ortsansässigen erfährt er, dass einige jüdische Familien während des Zweiten Weltkriegs in den Höhlen Zuflucht vor den Nazis gesucht hatten. Nicola stellte Nachforschungen an und nach über neun Jahren der Suche gelingt es ihm tatsächlich, einige der Überlebenden zu finden. Sie berichten, wie sie in dem Höhlenkomplex den Holocaust überleben konnten und reisen zum ersten Mal zurück an den Ort des Geschehens. 1942, auf der verzweifelten Suche nach einen Versteck, entdecken fünf jüdische Großfamilien ein gigantisches Höhlensystem – die elftgrößte Höhle der Welt: 124 Kilometer lang, mit fünf unterirdischen Seen. 38 Juden – vom Baby bis zum Greis und mit nichts als ihren Kleidern am Leib – verstecken sich hier vor den Nazis. In der Tiefe kämpfen sie mit der absoluten Isolation, dem Verlust ihrer Sinne und der permanenten Gefahr des Verhungerns. Sie leben, schuften, essen und schlafen direkt unter den Füßen ihrer Feinde. Jedes Mal, wenn sie auf der Suche nach Feuerholz und Nahrung die Höhle verlassen müssen, riskieren sie ihr Leben. Doch als sich die Nationalsozialisten im April 1944 zurückziehen, entsteigen alle ihrer Höhle: schlammverkrustet, in zerlumpter Kleidung und geblendet vom grellen Sonnenlicht – aber am Leben. Der 90-minütige Film erzählt anhand von Interviews, Reenactment und Archivmaterial die beeindruckende, wahre Geschichte dieser jüdischen Familien. Es ist ein Film über den Wert von Familie und Freundschaft, über Mut, Ausdauer, Stärke und Liebe.

Mo, 8. Mai · 23:05-01:45 · MDR
Die Abenteuer des Werner Holt

Die letzten Tage des II. Weltkrieges: Während der junge Soldat Werner Holt (Klaus-Peter Thiele) im Unterstand verzweifelt versucht, Funkverbindungen zu anderen Einheiten herzustellen, ziehen in seinen Gedanken die letzten Jahre vorüber. Die Kindheit und Jugend unter dem Hakenkreuz, seine Freundschaft mit Gilbert Wolzow (Manfred Karge), einem Offizierssohn und fanatischen Hitleranhänger, die ersten sexuellen Erlebnisse und schließlich die erschütternden Erfahrungen im Krieg, als die beiden Freunde beim Arbeitsdienst in der Slowakei zur Niederschlagung eines Partisanenaufstandes eingesetzt und dabei Zeugen unbeschreiblicher SS-Grausamkeiten werden. Werner Holt ist durch diese Jahre ein anderer geworden. Als er schließlich mit den Resten seiner Einheit in einem kleinen Ort liegt und nur noch einer, nämlich sein Vorgesetzter Wolzow, für den Endsieg kämpft, handelt Holt nach seinen neuen Einsichten. In einer dramatischen Aktion entwaffnet er Wolzow und schießt auf die eingreifende SS-Mannschaft. Ernüchtert und erschöpft tritt Holt den Weg in die Gefangenschaft an.

Mo, 8. Mai · 23:15-00:10 · NDR
Stille Retter – Überleben im besetzten Frankreich

Frankreich 1940. Mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht befinden sich jüdische Menschen in Lebensgefahr. Doch drei von vier überleben den Holocaust. Mehr als in anderen von Nazi- Deutschland besetzten Ländern. Und trotz einer französischen Regierung und Polizei, die sich aktiv an der Verfolgung beteiligen. Dieser Film erzählt erstmals von den Umständen ihrer Rettung – und vom zivilen Widerstand der vielen „Stillen Retter“, die dies ermöglicht haben. Es sind Geschichten von tödlicher Bedrohung und selbstloser Hilfsbereitschaft. Von Angst und Verzweiflung – und von Mut und Mitmenschlichkeit. Mit der Machtübernahme des Naziregimes 1933 begann die systematische Verfolgung der Juden in Deutschland. Der Boykott jüdischer Geschäfte und die gesellschaftliche Ächtung 1933, die Nürnberger Gesetze 1935 und die Novemberpogrome 1938 markierten die Eskalation. Tausende „rassistisch“ Verfolgte flohen ins Ausland, vor allem nach Frankreich, ins Land der Revolution und der Erklärung der Menschenrechte. Doch nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht 1940 begann auch dort für sie der Überlebenskampf. Die Verfolgten waren mehr denn je auf Hilfe der nichtjüdischen Bevölkerung angewiesen. In den abgelegenen ländlichen Gebieten der sogenannten Freien Zone entstanden in diesen Monaten Netzwerke von „ganz normalen“ Franzosen, die bereit waren, ihr Leben zu riskieren, um jüdischen Menschen zu helfen. Frauen, die elternlose Kinder auf der Reise zu einem Unterschlupf begleiteten, Familien, die Schutz boten, Fälscher von Ausweisen und sonstigen Papieren, Fluchthelfer, Spione, Geldboten, Überbringer von Nachrichten, Geldgeber. Und das Erstaunliche ist: Obwohl es viele Mitwisser gab, wurden sie nicht verraten. Dieser Film erzählt erstmals von den Umständen ihrer Rettung und vom zivilen Widerstand der vielen „Stillen Retter“, die dies ermöglicht haben. Es sind Geschichten von tödlicher Bedrohung und selbstloser Hilfsbereitschaft. Von Angst und Verzweiflung, und von Mut und Mitmenschlichkeit. Die Protagonisten des Films berichten hiervon aus eigener Anschauung. Gerettete und Nachfahren der Retter. Darunter Prominente wie Alfred Grosser, der Doyen der deutsch-französischen Verständigung. Robert Badinter, Jurist und ehemaliger französischer Justizminister. Oder Georges-Arthur Goldschmidt, der international renommierte Schriftsteller. Außerdem Boris Cyrulnik, der französische Neurologe, Psychiater und Verhaltensforscher, sowie die Pariser Kunsthistorikerin Pascaline Magnard.

Di, 9. Mai · 00:10-01:45 · NDR
Sarahs Schlüssel

Es ist der 15. Juli 1942, als an der Wohnungstüre der Familie Starzynski Krach geschlagen wird. Geistesgegenwärtig versteckt die zehnjährige Sarah (Mélusine Mayance) ihren kleinen Bruder im Geheimversteck hinter einer Tapetentür. Ganz schnell wird sie wieder bei ihm sein, das verspricht sie ihm hoch und heilig. Doch Sarah muss ihre Sachen packen und wird mit ihren Eltern in ein überfülltes Pariser Radstadion abtransportiert. Auf Anweisung der Nazis schickt das kollaborierende Vichy-Regime von hier aus über 10.000 französische Juden in den sicheren Tod. Wie durch ein Wunder kann Sarah entkommen. Bei einem hilfsbereiten Bauernehepaar kommt das von den Strapazen gezeichnete Mädchen wieder zu Kräften und kehrt endlich in die Wohnung zurück. 60 Jahre später arbeitet die Journalistin Julia (Kristin Scott Thomas) an einem Artikel über die große Razzia, die im Juli 1942 stattfand. Bei ihren Recherchen findet sie heraus, dass in der Pariser Wohnung ihrer Schwiegereltern früher einmal Juden gewohnt haben. Je näher Julia der Wahrheit kommt, desto mehr erfährt sie über die Familie ihres zukünftigen Mannes, über ein finsteres Kapitel französischer Geschichte und schließlich über sich selbst.

Di, 9. Mai · 21:00-21:45 · PHOENIX
Verbotene Filme – Das Erbe des Nazi-Kinos

Weit über tausend Spielfilme wurden in Deutschland während der Zeit des Nationalsozialismus hergestellt. Über 40 NS-Filme sind bis heute nur unter Auflagen zugänglich – sie sind „Vorbehaltsfilme“. Volksverhetzend, kriegsverherrlichend, antisemitisch und rassistisch – so lauten die Begründungen, warum die Filme für die Öffentlichkeit nicht frei zugänglich sind. Urheberrecht und Jugendschutz sind dabei die juristischen Hebel, denn das deutsche Grundgesetz erlaubt keine Zensur. Der Umgang mit ihnen ist umstritten: Bewahren oder entsorgen, freigeben oder verbieten? „Verbotene Filme“ stellt die „Nazifilme aus dem Giftschrank“ vor und macht sich auf die Suche nach ihrem Mythos, ihrem Publikum und ihrer Wirkung heute – in Deutschland wie im AuslandEine Reise zur dunklen Seite des Kinos. Über die Brisanz der Propagandafilme des Dritten Reichs und ihre Idee eines angemessenen Umgangs damit, geben unter anderem Oskar Roehler, Moshe Zimmermann, Rainer Rother, Margarethe von Trotta, Jörg Jannings, Sonja M. Schultz, Götz Aly sowie Aussteiger aus der Nazi-Szene und Überlebende der Shoah Auskunft.

Di, 9. Mai · 22:05-22:48 · MDR
Kriegskinder, 1/3, Vater muss jetzt an die Front

„Kriegskinder“ geht dem Schicksal einer ganzen Generation auf den Grund, die bislang kaum über ihre Erlebnisse gesprochen hat. Im Mittelpunkt der Filme stehen ausschließlich die Kriegskinder selbst, also jene, die aus eigenem Erleben darüber erzählen können, was mit und in ihnen geschah. Keine Draufsicht, sondern Innensicht, keine Analyse, sondern Erleben, keine Häppchen-Zitate, sondern Zuhören. Ganz bewusst beschränkt sich die Reihe nicht ausschließlich auf das Schicksal der 15 Millionen deutschen Kinder, sondern geht auch den Geschichten der Jüngsten in den überfallenden und besetzten Ländern nach, insbesondere denen in Polen, Frankreich, England und in der Sowjetunion. Der internationale Blickwinkel ist neu und öffnet das Erzählspektrum und den Ereignishorizont auf diese ganze – europäische – Generation. Für die Kinder in Deutschland ist der Krieg zu Anfang ein Abenteuer. Vom Einmarsch in Polen erfahren sie im heimischen Wohnzimmer aus dem Volksempfänger. „Wir waren die Guten und haben doch nur zurückgeschossen, so hat Hitler das gesagt, und so haben wir es auch geglaubt“, berichtet Wolfgang Pickert (Jahrgang 1930). In der Schule ist von Siegen und Heldentaten der Soldaten zu hören. Auf der Landkarte markieren die kleinen Fähnchen ein immer größer werdendes Deutschland. Nur die Großeltern und Eltern sind, zur Überraschung der kleinen Pimpfe, manchmal weit weniger begeistert. Besonders dann, wenn der Einberufungsbefehl für den Vater ankommt. „Meine Mutter saß in der Küche und weinte verzweifelt“, erinnert sich Karlheinz Radatz (Jahrgang 1933), „und ich hab immer ihr Knie gestreichelt und gar nicht verstanden, warum sie so traurig ist.“ In Großbritannien erfahren gleich zu Beginn hunderttausende Kinder, was es bedeutet, in Kellern zu hocken und wehrlos den Bomben ausgeliefert zu sein. Die erste groß angelegte Evakuierung der gefährdeten Kinder aus den südenglischen Industriemetropolen in sichere ländliche Regionen beginnt schon im Herbst 1939 – und damit eine Trennung von den Eltern auf unbestimmte Zeit. Für die Kinder in Polen und in Frankreich ist der Krieg von Anfang an verbunden mit Terror, Gewalt und Tod. Jan Kapinski, damals 12 Jahre alt, wird von seinen Eltern getrennt und landet mutterseelenallein im Ghetto von Krakau. Stephanie Santamaria aus dem französischen Abbevillle verliert bei einem Bombenangriff ihre Mutter und ihren linken Arm. Die Kinder in Stuttgart und Leipzig aber fiebern nach wie vor jeden Sonntag mit der Wochenschau im Kino mit, plappern von „Lebensraum“ und „Untermenschen“, singen „Bomben auf Engeland“. (ARD 16.03.2009)

Di, 9. Mai · 22:45-00:15 · RBB
Die Hälfte der Stadt

Der Film „Die Hälfte der Stadt“ erzählt die Geschichte des jüdischen Fotografen und Gemeindepolitikers Chaim Berman. Vor Ausbruch des 2. Weltkrieges engagiert er sich für ein friedliches Nebeneinander von Polen, Juden und Deutschen in seiner polnischen Heimatstadt. Der Film erzählt die bewegende Geschichte eines Mannes, dessen Überzeugungen fortschrittlicher waren als die Welt in der er lebte. Chaim Berman kommt 1890 im polnischen Städtchen Kozienice zur Welt. Bereits sehr früh begeistert er sich für Fotografie und lernt sein Handwerk vom eigenen Vater. Bald beginnt er damit, die Bewohner von Kozienice zu porträtieren – es sind Polen, Juden und Deutsche, die hier weitestgehend friedlich nebeneinander leben. Während sich das politische Klima in den 1930er Jahren verfinstert, kämpft Berman weiter für ein Zusammenleben der verschiedenen Bevölkerungsgruppen und vermittelt in seiner Eigenschaft als Stadtrat immer wieder zwischen den Kulturen und Religionen. Bis zum Schluss weigert er sich, Polen zu verlassen, da er an eine friedliche Lösung glaubt. Diese Haltung wird ihm zum Verhängnis, als die Nazis seine Heimat überfallen. Bermans vermeintliche Freunde werden plötzlich zu seinen Feinden, während Menschen, die er vorher nicht sonderlich schätzte, ihn und seine Familie zu retten versuchen. Der polnische Nachbar Bermans, Antoni Kaczor, hält ihn in einem winzigen Keller versteckt. Als der Fotograf von einer tückischen Krankheit befallen wird, die sein Gehirn angreift, beginnt er, laut zu schreien, und bringt damit die Familie seines Retters in Lebensgefahr. Antoni Kaczor muss bald eine Entscheidung treffen. „Die Hälfte der Stadt“ nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise durch die Gezeiten eines turbulenten europäischen Jahrhunderts und erzählt die bewegende Geschichte eines Mannes, dessen Überzeugungen fortschrittlicher waren als die Welt, in der er lebte.
Bild oben aus dem Film

Mi, 10. Mai · 01:25-01:55 · MDR
Der Georgi-Schacht Wansleben

Um einen Salzbergschacht in dem kleinen Dorf Wansleben in Sachsen-Anhalt ranken sich viele Gerüchte. Ab 1943, als die Bombardierungen deutscher Städte zunahmen, diente der Georgi-Schacht im Mansfelder Land den Nazis als Versteck wertvoller Kunstgüter wie den historischen Büchern und Handschriften der Hallenser Leopoldina und später als unterirdisches Konzentrationslager zur Produktion von V2-Waffen. * Was ist dran an den Gerüchten um die geheime Schatzkammer der Nazis? Was passierte mit den Häftlingen unter Tage und warum war die Staatssicherheit so an dem alten Stollen interessiert? Um einen Salzbergschacht in dem kleinen Dorf Wansleben in Sachsen-Anhalt ranken sich viele Gerüchte. Ab 1943, als die Bombardierungen deutscher Städte zunahmen, diente der Georgi-Schacht im Mansfelder Land den Nazis als Versteck wertvoller Kunstgüter wie den historischen Büchern und Handschriften der Hallenser Leopoldina und später als unterirdisches Konzentrationslager zur Produktion von V2-Waffen. Nach Kriegsende kamen erst die Amerikaner, die das Lager befreiten und dann Soldaten der Roten Armee, die den Schacht räumten und die Bücher als Reparationszahlungen in die Sowjetunion brachten. Verpackt von jungen Mädchen aus dem Dorf, die mitansahen, wie Dorfbewohner zuvor noch wertvolle Stiche und Zeichnungen aus den Büchern rissen. KZ-Häftlinge sollen in den letzten Kriegstagen noch unzählige Kisten in den Schacht gebracht haben. Weder die Kisten noch die Häftlinge wurden je wieder gesehen. Die Dorfbewohner konnten nur vermuten und die Stasi wollte mehr wissen. 1962 starteten sie unter dem Codenamen „Aktion Licht“ eine große Befragungsaktion. Übrig geblieben sind 4.000 Aktenseiten. Doch dann wurde der Schacht 1966 zugeschüttet. Warum, ist bis heute unklar. Die Akten der Forschungsgemeinschaft „Junge Historiker“ der POS Wansleben, die sich in den 1970er Jahren mit der Geschichte des ehemaligen Konzentrationslagers beschäftigte, wurden nach der Wende – aus Versehen, wie es heißt – verbrannt. Bis heute liegt im Dunkeln, was sich genau im Schacht abspielte und welche Kunstschätze noch immer in den kilometerlangen Gängen und Kammern unter der Erde verborgen sind. Die meisten Dorfbewohner erinnern sich nicht mehr. Doch einige wenige, wie der Dorfchronist Dieter Michaelis, haben spannende Geschichten zu erzählen. Andreas Tautrim, dem das Gelände gehört, hat nun auf der Industriebrache eine Gedenkstätte errichtet, die an das berüchtigte Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald erinnert. Er sammelt die Erinnerungen der Zeitzeugen und will endlich die Geheimnisse des Georgi-Schachts aufdecken. Was ist dran an den Gerüchten um die geheime Schatzkammer der Nazis? Was passierte mit den Häftlingen unter Tage und warum war die Staatssicherheit so an dem alten Stollen interessiert? Für die Reihe „Der Osten – Entdecke wo du lebst“ suchte ein MDR-Team nach Antworten.

Mi, 10. Mai · 21:15-21:45 · MDR
Die Spur der Ahnen< Das erfundene Leben

Gregor Kaufmann interessiert sich sehr für seine Familiengeschichte und hat bereits eine Chronik verfasst, doch von den Jahren in Pommern fand er dafür nur wenig Verwertbares. Deshalb macht er sich zusammen mit seinem Enkel Thomas (32) auf die Reise nach Poznan, um den Spuren seines Vaters zu folgen. Er wird erkennen: Nichts ist, wie es schien. Die Familiengeschichte muss neu geschrieben werden. Gregor Kaufmann (76) schätzt seinen Vater Heribert (Jahrgang 1912) sehr. Der starb 1972 und hatte immer behauptet, er habe als Bauführer unter Albert Speer an einem geheimnisvollen Schloss in Posen/Pommern mitgearbeitet. Dies sei streng geheim gewesen. Fest steht, er verdiente dabei viel Geld. Weiter erzählte er seiner Familie, er habe Juden, Katholiken und Kirchenschätze in der NS-Zeit gerettet, wäre dann denunziert und verurteilt worden. Und natürlich musste er mit der Wehrmacht auch in den Krieg ziehen. Allerdings gelang ihm bereits im Mai 1945 die Flucht aus amerikanischer Gefangenschaft. Er fand seine Familie wieder, die inzwischen aus Pommern nach Böhlen bei Leipzig geflüchtet war.

Do, 11. Mai · 23:15-00:00 · HR
Verräterkinder – Die Töchter und Söhne des Widerstands

Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus wurde von vielen Gruppen und Personen getragen. Doch für die Männer und Frauen der Widerstandsgruppen, die unter dem Begriff ‚Rote Kapelle‘ zusammengefasst werden, gab es keine öffentliche Ehrung. Kein Bundespräsident, kein Regierender hat sie je gewürdigt. Ihnen hing der Makel der kommunistischen Bewegung an. Die Dokumentation untersucht dieses Kapitel deutscher Geschichte aus der Perspektive der Kinder der Widerstandskämpfer. Der Männer des 20. Juli 1944 werden heute verehrt als Helden, die ihr Leben im Widerstand gegen Hitler geopfert haben. Für ihre Kinder ist der gewaltsame Tod des Vaters eine Katastrophe, an deren Folgen sie bis in die Gegenwart zu tragen haben. Christian Weisenborn zeigt in seinem Film Verräterkinder“ erschütternde Begegnungen mit Kindern von Verschwörern des 20. Juli. Axel Smend ist heute noch tief bewegt, wenn er sich daran erinnert, wie seine Mutter mit verweinten Augen vom Elternsprechtag in der Schule zurückkam. Der Lehrer hatte von Axels schlechten Noten in Latein gesprochen und hinzugefügt: Vom Sohn eines Verräters könne er nichts anderes erwarten. Der Vater, Günther Smend, war 1944 hingerichtet worden. Christian Weisenborn blickt aber auch auf die eigene Familiengeschichte. Seine Eltern waren Mitglieder eines großen Freundeskreises von Antifaschisten, den die Gestapo Rote Kapelle“ nannte. Es waren Künstler, Arbeiter, Kommunisten, Adlige, Ärzte und Offiziere. Männer und Frauen. Sie verbreiteten schon 1942 Flugblätter, die vom Völkermord an den europäischen Juden berichteten, und sie versuchten, Kontakt zu den Sowjets und zu den Amerikanern aufzunehmen. Weisenborns Eltern überlebten, aber 52 ihrer Freunde wurden 1942/43 in Plötzensee hingerichtet. Auch Töchter und Söhne von ihnen hat Weisenborn interviewt. Die Angestellte Erika von Brockdorff war 32 Jahre alt, als sie unter dem Fallbeil starb. Sie hinterließ eine sechsjährige Tochter. Saskia von Brockdorff quälte sich jahrzehntelang mit der Frage, warum hat die Mutter sich in solche Gefahr begeben? Warum hat sie mich verlassen? Erst 60 Jahre später, als auch die Rote Kapelle einen Platz in der Gedenkstätte des Widerstands bekam, erreichte sie der Abschiedsbrief, den ihr die Mutter 1943 schrieb. Er ist voller Liebe und Schmerz. Behutsam lässt Weisenborn die Zuschauer teilhaben an der Versöhnung, die Saskia von Brockdorff durch diese Zeilen endlich möglich war. Von der Trauer um die toten Mütter und Väter erzählen auch Alfred von Hofacker und Hans Coppi. Wie schwierig, voller Fragen und widerstreitender Gefühle es war, einen Zugang zu den Toten, ihren hingerichteten Vätern oder Müttern zu finden. Das private Trauern vollzog sich jahrzehntelang vor dem Hintergrund des Kalten Krieges. Die Verräterkinder“ mussten erdulden, wie politische Interessen in Ost und West zur Verleumdung ihrer Eltern führten. Widerstandskämpfer wurden vereinnahmt, ausgestoßen oder passend gemacht. 1954 ehrte Bundespräsident Heuss zum ersten Mal die Männer des 20. Juli. In der DDR wurden sie zu diesem Zeitpunkt als Reaktionäre gebrandmarkt, denen es vor allem um den Machterhalt für Adel, Großgrundbesitz und Militär gegangen sei. Erst in den 1970er Jahren begann eine vorsichtige Umorientierung. Die Rote Kapelle“ wurde in der DDR anfangs verschwiegen, dann zu einer kommunistischen Kundschaftertruppe umgedeutet und propagandistisch aufgebauscht zum Vorbild des Mielke-Apparates gemacht. Im Westen wurde sie jahrzehntelang als fünfte Kolonne Moskaus diffamiert. Erst 2009 hob der Deutsche Bundestag die Todesurteile wegen Kriegsverrats“ auf. Vor diesem Hintergrund zeigt Christian Weisenborns Film eindrucksvolle, hoch emotionale Momentaufnahmen aus dem Leben der Kinder des Widerstands. Damit würdigt der Filmemacher die Courage der Eltern und gibt ihnen einen historisch gerechten Platz.

Fr, 12. Mai · 23:20-00:40 · arte
Asaf Avidan in Concert im Pariser Folies Bergère

Er wird von der Presse häufig mit Janis Joplin verglichen: Asaf Avidan. Nach dem Hit „One Day/Reckoning Song (Wankelmut Remix)“ brachte der israelische Folkrock-Musiker sein erstes Solo-Studioalbum …

So, 14. Mai · 11:15-11:45 · arte
Hitler in der Hölle – Das Vermächtnis des Malers Joseph Steib

Joseph Steib (1898-1966), ein bescheidener, kränkelnder Angestellter aus der elsässischen Stadt Mulhouse, malte während des Zweiten Weltkriegs heimlich zornige Bilder gegen den Nationalsozialismus. Zwischen 1940 und 1945 entstanden 57 Gemälde in der Küche seines Hauses. Er überschrieb sie mit dem sarkastischen Titel „Salon des Rêves“ (Salon der Träume). Es war eine naive und gleichzeitig radikale Vision zwischen Wut und Verzweiflung, Halluzination und Verschwörung. Manche dieser Bilder spiegelten die Besetzung seiner Heimatregion durch die Nazis wider, andere träumten bereits ab 1940 die Befreiung herbei. Aber die meisten richteten sich direkt gegen den Diktator Hitler, gaben ihn – an einem Baum erhängt oder in der Hölle schmorend – dem Spott preis. Die Gemälde des „Salon des Rêves“ wurden zu Steibs Lebzeiten nur ein einziges Mal ausgestellt: während der Befreiungsfeierlichkeiten 1945. Doch niemand wollte das gerade überwundene Grauen mehr sehen. Steibs Bilder gerieten völlig in Vergessenheit und wurden nach seinem Tod in alle Winde zerstreut. Die ersten wurden erst vor wenigen Jahren durch Zufall wiederentdeckt und feiern seitdem Erfolge in bedeutenden Museen wie dem Pariser Musée d’Art Moderne oder dem Guggenheim-Museum in Bilbao. Inzwischen wurden mehr als 30 Gemälde des Salons wieder aufgefunden. Gemeinsam mit François Petry, dem der „Salon des Rêves“ sowohl seine Wiederentdeckung als auch eine angemessene Einordnung in die Kunstgeschichte verdankt, setzen sich in der Dokumentation die Psychotherapeutin Marie Pesenti, der Kunsthistoriker Klaus Gallwitz, der Kunstprofessor Alexander Roob und der Pariser Museumsdirektor Fabrice Hergott mit Steibs Werk auseinander.

Mo, 15. Mai · 14:00-14:45 · One
So isst Israel – Von der Wüste nach Jerusalem

In der ersten Folge von ‚So isst Israel‘ reist Tom Franz von der Wüste Negev nach Jerusalem. Die kulinarische Tour beginnt in einer Wüstenoase an der Südspitze des Landes: der Dattelplantage des Kibbuz Samar. Tom Franz hilft bei der Dattelernte und Freiwillige aus Deutschland erzählen ihm dabei begeistert, wie das Leben in der Wüstenkommune funktioniert. Über das Essen öffnet Tom Franz auch das Tor zur Heiligen Stadt: Ist Humus, dieses urorientalische Streetfood, eigentlich ein israelisches Essen oder ein arabisches? Mit Dvir Hollander, dem engagierten Führer durch den Souk der Altstadt klärt Tom die Humus-Frage. In der ersten Folge von ‚So isst Israel‘ reist Tom Franz von der Wüste Negev nach Jerusalem. Die kulinarische Tour beginnt in einer Wüstenoase an der Südspitze des Landes: der Dattelplantage des Kibbuz Samar. Tom Franz hilft bei der Dattelernte und Freiwillige aus Deutschland erzählen ihm dabei begeistert, wie das Leben in der Wüstenkommune funktioniert. Über das Essen öffnet Tom Franz auch das Tor zur Heiligen Stadt: Ist Humus, dieses urorientalische Streetfood, eigentlich ein israelisches Essen oder ein arabisches? Mit Dvir Hollander, dem engagierten Führer durch den Souk der Altstadt klärt Tom die Humus-Frage. Sein Fazit: ‚Gutes Essen vereint die Menschen, es gehört niemandem!‘ 1.200 Synagogen, 158 Kirchen und 73 Moscheen geben ein Gefühl dafür, warum Jerusalem die Heilige Stadt heißt. Wo die Wege zu den Heiligtümern der Christen, Muslime und Juden sich kreuzen, liegt das Österreichische Hospiz mit seinem Wiener Kaffeehaus, ein Ort der Stille. Dort trifft Tom den deutschen Benediktinerpater Nikodemus, seit mehr als zehn Jahren ein ebenso überzeugter wie kritischer Bewohner der Hauptstadt Israels. Pater Nikodemus lädt Tom ein zum Besuch seines Klosters, der Dormitio Abtei. Alles in Jerusalem scheint irgendwie mit Religion und Politik zu tun zu haben. Tom trifft die ‚Chefs for Peace‘, eine Gruppe jüdischer, christlicher und muslimischer Köche, die sich für den Frieden im Land engagieren. Die renommierten Chefs nutzen ihre Kochkunst, um Menschen unterschiedlichen Glaubens zusammenzubringen und eine Brücke zur gegenseitigen Akzeptanz zu schlagen. Am Mahane Yehuda Markt, einem Eldorado orientalischer Genüsse, kocht Shabi, der Chef des Restaurants Azura, traditionelle jüdische Shabbat-Gerichte. Nur wenige Schritte entfernt ist das Machneyuda Restaurant, Keimzelle der jungen wilden Köche Israels. Das kulinarische Abenteuer endet vor den Toren Jerusalems: Nur ein paar Kilometer entfernt landet Tom Franz in einer einzigartigen Naturlandschaft, den Judäischen Hügeln. Mittendrin Israels ältestes Gourmetrestaurant: Rama’s kitchen. Der Israelin Rama Ben Zvi gelang es, Tomer Niv als Chefkoch zu gewinnen. Er hat in den besten Restaurants der Welt in Kopenhagen und London gearbeitet. Muslime und Juden kochen hier friedlich am selben Herd und schaffen in ihrer Küche das, wovon die Weltpolitik seit Jahrzehnten träumt: ein Stückchen Frieden in Nahost.

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