„Gutmenschen-Duce Claudia Roth hat in Köln mittelbar mitvergewaltigt“

Der lustige Karnevalist Sven Tritschler und die Kölner AfD im sehr rechten Fahrwasser…

Von Roland Kaufhold

Der Protest gegen den geplanten Bundesparteitag der AfD im Kölner Maritim-Hotel wird immer stärker. Ob der Parteitag tatsächlich stattfindet bleibt abzuwarten. Um den Druck abzumildern hat das Maritim-Hotel inzwischen, offenkundig aus taktischen Gründen, für Höcke ein Hausverbot erteilt. Die Proteste und Auftragsstornierungen gegen das Hotel lassen jedoch nicht nach.

Dass der Parteitag ausgerechnet in der liberalen Großstadt Köln, mit ihrer 25-jährigen „Arsch-Huh-Tradition“ gegen Ausgrenzung und Rassismus, ausgerichtet wird dürfte mehr als ein Zufall sein: In Köln hat die äußerste Rechte seit Jahrzehnten ein festes Wählerreservoir von gut fünf Prozent. Rassistische, antisemitische und geschichtsverleugnende Ausfälle aus diesen Kreisen haben in Köln schon immer dazu gehört. Ein Anlass, sich einige Vertreter der in Köln weitgehend „im Verborgenen“ agierenden Kölner AfD genauer anzusehen – mit beunruhigenden Beobachtungen. Heute steht der 1981 im Schwarzwald geborene Sven Tritschler im Mittelpunkt, seit 2015 einer der beiden Bundesvorsitzenden der Jungen Alternative. Es handelt von einem biografisch schwer belasteten Menschen, der bereits als Jugendlicher in der baden-württembergischen Provinzstadt Waldkirch laut Selbstauskunft sehr unter einem 68-er Sozialarbeiter zu leiden hatte. Ein bitteres deutsches Schicksal, welches irreparable politisch-menschliche Schäden hinterlassen zu haben scheint…

Der Biedermanni Sven Tritschler

„Gutmenschen-Duce Claudia Roth hat in Köln mittelbar mitvergewaltigt. Kein Zweifel“. Eine durchaus nicht aus dem Rahmen fallende Twittermeldung des Kölner AfD-Funktionärs Sven Tritschler vom 29.1.2016. Tritschler ist zugleich einer der beiden Bundesvorsitzenden der sehr rechten AfD-Jugendorganisation Junge Alternative. In der Presse, so auch in einem ZEIT-Beitrag, gilt er als relativ gemäßigt – im Vergleich zu seinem Kollegen Markus Frohnmaier. Doch dieser Eindruck täuscht.

Öffentlich präsentiert er sich gerne als Biedermann – wobei dieser Begriff in Köln schon vergeben ist: Als Biedermanni galt in Köln langjährig der sehr rechte Verleger und ehemalige Kölner Stadtratsabgeordnete der Deutschen Liga für Volk und Heimat sowie später von Pro-Köln, Manfred Rouhs. Sein langjähriger Kölner Freund beim Ring freiheitlicher Studenten in den 1980er Jahren, der Rechtsanwalt Markus Beisicht, hatte ihn 2011, so war zu vernehmen, nach Berlin vertrieben, wo dieser seitdem als Chef der Sektenpartei Pro Deutschland fungiert. Beisicht hingegen, so hart sind deutsche Schicksale, entzweite sich von seinen treuen Parteifreunden von Pro Köln und erhielt dort sogar ein Hausverbot. Es soll, so wird erzählt, sogar zu einer Prügelei im Parteibüro gekommen sein.

Ein Blog – biedermanni-verliert – wurde Rouhs zu Ehren gegründet. Er würde auch für Tritschler gut passen. Optisch und was die ausgrenzende Rhetorik und Inszenierung betrifft könnte Tritschler als der geistige Nachfolger Rouhs in Köln gelten – unter neuem Parteinamen.

Seit der letzten Kommunalwahl hat es im Kölner Stadtrat eine Umgruppierung der Sitze im rechten Lager gegeben: Hatte Pro Köln vorher fünf Sitze inne so sind diese seit 2014 auf zwei Sitze zusammengeschrumpft. Die verbliebenen drei Sitze fielen an die Kölner AfD. Politisch hat sich im rechten Lager Kölns seitdem jedoch nichts geändert…

Eine frühe rechtsnationale Karriere oder: Angela Merkel als „bürgerlich geschminkte Prostituierte“

Der 35-jährige Tritschler blickt gleichfalls auf eine schon recht lange Karriere im rechten, nationalistischen Lager zurück: Zuvor war er in der FDP, aber dort vor allem Bundesvorsitzender des nationalliberalen „Stresemann-Clubs“; eine seit 2009 eher im Verborgenen arbeitenden Kleinstgruppierung, deren Vorgänger selbstredend Alexander von Stahl und Klaus Rainer Röhl waren. Das seit Tritschlers Parteiwechsel offenkundig inaktive rechtsliberale Netzwerk erinnerte politisch an den tief im Nationalsozialismus verstrickten ehemaligen  FDP-Abgeordneten der 60er Jahre, Ernst Achenbach. 2013 sah Tritschler dann die Chance einer äußerst rechten Partei und schloss sich der AfD und deren Jungen Alternative an. Sein Geld verdiente der ehrgeizige Parteifunktionär zuerst als Referent des AfD-Europaabgeordneten und NRW-Landesvorsitzenden Marcus Pretzell, dessen Flügel er aufgrund gegebener Abhängigkeiten zur Zeit angehört. Heute ist er Referent der EFN-Fraktion im Europaparlament in Brüssel.

Der gedrungen, teils grobschlächtig wirkende Jungfunktionär verstand sich früh auf eine AfD-Spezialdisziplin: Er profilierte sich, im Geiste und Stile Höckes, als ein „Tabubrecher“ – was so gar nicht zur multikulturellen Millionenstadt Köln passt: So lud Tritschler bereits im März 2014, noch zu Luckes Zeiten, den Chef der rechtsextremen UKIP, Nigel Farange, in ein Kölner Hotel als Starredner ein. Veranstaltungsort war selbstredend das Kölner Maritim Hotel. Köln gegen Rechts spricht deshalb schon von einer „privilegierten Partnerschaft“ zwischen der Maritim-Hotelkette und der AfD. 2014 galt der Schulterschluss mit Farange in der AfD noch als eher unpassend.

Die Vernetzung der europäischen äußersten Rechten, aber auch enge Kontakte mit russischen Nationalisten – der Spiegel (23.4.2016) spricht von der „jungen Garde der Putin-Partei Einiges Russland“ – , ist die Herzensangelegenheit des in Brüssel tätigen Trump-Verehrers. Unterstützung erfahren er und Frohnmaier hierbei vom Russlandfreundlichen AfDler Alexander Gauland. So verwundert es nicht, dass Teile der Jungen Alternative sogar gemeinsam mit der rechtsradikalen, vom Verfassungsschutz beobachteten Identitären Bewegung auftreten. Diese hatte am 28.12.2016 mit 14 Teilnehmern zur Mittagszeit in einer generalstabsmäßig durchgeführten Aktion auch auf dem Dach des Kölner Hauptbahnhofs ein Banner mit der Aufschrift: „Nie wieder Schande von Köln! #Remigration“ aufgehängt und dies medial groß vermarktet.

Angela Merkel bezeichnet der Kölner Karnevalist Tritschler auch schon mal als eine „bürgerlich geschminkte Prostituierte“. Auf Facebook postet der AfD-Funktionär gerne Fotos von weiteren europäischen Rechtsextremen wie Borghezio von der Liga Nord. Per Twitter beleidigt er gelegentlich Regierungsmitglieder als Teil einer „verkommenen und selbstverliebten Bande“.

Der Kölner Karnevalist der Prinzen-Garde: Burka und Gesichtsmasken

Dennoch suchte – und fand – der Kölner Biedermann Anschluss an bürgerliche Kreise. 2008 schloss Tritschler sich der traditionsreichen Kölner Karnevalsgruppe der Prinzen-Garde an, bald saß er in deren Elferrat und hatte dort die Funktion des Regimentskoches inne. Auf das auch innerhalb der Prinzen-Garde aufbrechende starke Unbehagen an ihrem rechtsnationalen und spaltenden Mitglied – einige Mitglieder sollen sogar so weit gegangen sein, ihm nicht mehr die Hand zu geben – reagierte Tritschler am 11.8.2016 reflexhaft in der Art aller die eigenen geschichtlichen Naziverbrechen gezielt instrumentalisierenden Geschichtsleugner und –fälscher: Es sei „leider traurige Realität geworden“, dass man „für das falschen Parteibuch inzwischen mit dem bürgerlichen Tod bedroht“ werde, postete der Ausländer, Andersgläubige und Kriegsflüchtlinge öffentlich fortgesetzt verhöhnende Kölner Karnevalsjeck auf seiner Facebookseite. Seine Prinzen-Garde sei „unpolitisch“ und „führe keine Säuberungen durch“, fügte das selbsternannte Opfer hinzu. Dass die Kölner Prinzen-Garde, dessen Präsident Dino Massi aus einer italienischen Familie stammt, einen solchen rechtsnationalen Demagogen, der fortgesetzt gegen Minderheiten wie auch gegen Kölner Karnevalisten hetzt, weiterhin in seinen Reihen duldet, ist schwer nachvollziehbar. Als taktischen Kompromiss lässt Tritschler für ein Jahr seine Mitgliedschaft ruhen. Dino Massi habe nicht erkennen lassen, dass er etwas gegen seine ausgrenzenden politischen Aktivitäten einzuwenden habe, verkündete er anschließend. Und fügte in grotesker Realitätsverkennung hinzu: „Die Toleranz, die wir als AfD zeigen, erwarte ich nun auch uns gegenüber.“

Welches bizarre karnevalistisches Selbstverständnis der Kölner Tritschler hat demonstrierte der 2013 zur AfD Gestoßene in der liberalen Millionenstadt Köln mehrfach öffentlich: Am 30.7.2016, unmittelbar vor der Pro-Erdogan-Demonstration in Köln-Deutz, inszenierte er, ganz in der Tradition von Pro Köln bzw. der extrem rechten „Identitären Bewegung“, gemeinsam mit knapp 20 Funktionären der Jungen Alternative in der Kölner Fußgängerzone und unmittelbar vor dem Kölner Dom eine besonders abstoßende Aktion. Die Teilnehmer zogen, teilweise vermummt mit Burka und Gesichtsmaske, durch die Innenstadt. Sie hielten Schilder hoch mit Aufschriften wie „Scharia statt Grundgesetz“, „Assimilation ist Völkermord“, Allahu Akbar“ und „Kein Terrorist ist illegal“. Tritschler selbst hielt  ein Schild gegen „Erdowahn“ hoch. 

Siehe Bild oben, (c) Köln gegen Rechts

Auf Twitter wünschte der rechte Karnevalist Tritschler „den 200 Bussen mit Erdogan-Fans eine gute Heimreise an den Bosporus.“ Ein weiterer Beteiligter war der rührige Kölner Carlo Clemens, Vorsitzendes des Bezirksverbandes der Jungen Alternative, der über einige Jahre in sehr rechten Publikationen wie der Blauen Narzisse, Sezession und der Jungen Freiheit publiziert hat und den nationalliberalen Think Tank Hayek Club leitet.

Die Aktion erinnerte in ihrer menschenverachtenden Symbolik an die dunkelste Zeit des Kölner Karnevals Mitte der 30er Jahre: Bereits 1934 war auf dem Kölner Rosenmontagszug der sogenannte „Palästinazug“ mitgezogen, der die 11.000 Kölner Juden unter dem Motto „Die Letzten ziehen ab“ verhöhnte. Dies waren schon mehr als deutliche, gleichfalls öffentlich zelebrierte Vorboten der deutschen Shoah. Zwei Jahre später waren auf Karnevalswagen Karnevalisten als Juden im Stile des Stürmers kostümiert. Und es wurden antisemitische Karikaturen präsentiert. Führend daran beteiligt war seinerzeit selbstredend Tritschlers Prinzen-Garde. Sie verkündete intern die Direktive, „dass die Führer der amtlichen Stellen in den Reden unangetastet“ bleiben müssten. Für Aufmärsche wurde die Kapelle der SA-Brigade 71 verpflichtet. Sitzungen der „Großen Karnevalsgesellschaften“ wurden mit dem Hitlergruß und dem Horst-Wessel-Lied eröffnet.

(c) NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln

Gleichfalls im Juli 2016 bezeichnete Tritschler im Stile von Pro Köln den Islam als eine „verbrecherische Ideologie“, die sich „immer mehr ausbreite“. Zugleich hetzte der abgebrochene Jurastudent gegen Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien, denen er „Feigheit vor dem Feind“ vorwarf. Und er legte in einem Zeitungsinterview noch einmal demagogisch nach: „Einige mimen den Flüchtling, während zuhause gestorben wird“. Der Karnevalist schwadronierte noch von „moralischer Verkommenheit“ und „vollkommen enthemmter Raffgier“, denen man „endlich Einhalt zu gebieten“ habe. Dabei sprach er jedoch, so bleibt zu befürchten, nicht von sich selbst und seinen Parteifreunden, sondern von traumatisierten syrischen Kriegsflüchtlingen.

Tritschler als Kölns Kulturbotschafter in Thüringen vor der AfD und Pegida: In Köln „wird jeder Diebstahl und Mord weggeleugnet und ignoriert“

Diese Ausfälle der einflussreichen Kölner AfD-Politikers Tritschler können jedoch keineswegs als – verzeihliche – „Ausrutscher“ gelten. Sie sind ein gezieltes Kalkül. Zutiefst antidemokratische Formulierungen wie das „Machtmonopol der Altparteien“ und die „Verkommenheit unserer politischen Klasse“ gehören zu Tritschlers rhetorischem Basisinstrumentarium bei Volksreden.

Bereits am 13.1.2016, unmittelbar nach den schockierenden Silvester-Übergriffen am Kölner Hauptbahnhof, präsentierte sich der Vorsitzende der Jungen Alternative in Thüringen vor mehreren Tausend Pegida- und AfD-Demonstranten als ein besonders prädestinierter Kulturbotschafter für Köln: Dort trat Tritschlers gemeinsam mit Höcke und ganz in dessen demagogisch-nationalistischen Stil als Starredner „gegen Köln“ auf. Seine verstörende demagogische Rede vor den ostdeutschen „Wutbürgern“ und „Lügenpresse“-Protagonisten steht bis heute im Netz und wurde vieltausendfach aufgerufen:

Veranstalter war laut Selbstbeschreibung die AfD Thüringen. Tritschler wusste als „Kulturbotschafter Kölns“ seine Wutbürger rhetorisch geschickt, ganz in Höcke-Manier, aufzuheizen. Er bezeichnete Köln im Januar 2016 zum Gelächter der anwesenden Pegida-Wutbürger als „inoffizielle Hauptstadt der Willkommenskultur“. In Köln habe man „jeden Diebstahl“, ja Mord „weggeleugnet und ignoriert“. Viele Flüchtlinge seien – Tritschler wusste sich juristisch abzusichern – „keine Bereicherung“ für Deutschland, sie seien auch keine Fachkräfte. Aber sie brächten, so wusste der heitere karnevalistischen Menschenfreund zu verkünden, „die Steinzeit“ nach Deutschland: „Offenbar fliehen sie auch nicht vor einem Krieg sondern sie bringen einen Krieg in unser Land“ rief er der johlenden Menge zu, die dies mit grellenden Pfiffen und spontanem Gebrüll „Abschieben“ quittierten. In Deutschland dürften „wir“ unsere politischen Entscheidungen nicht von „Mitleid und Gefühlsduselei“ abhängig machen. Es sei niemandem damit gedient, „wenn die wehrfähigen Syrer und Iraker in deutschen Turnhallen übernachten“ rief er angesichts der brutalen Zerstörungsbilder von Alleppo, was erneut ein fanatisches, nicht enden wollendes „Abschieben!“-Gebrüll der sich permanent unverstanden fühlenden, offenkundig noch vom Kommunismus geprägten Wutbürger auslöste. Und Tritschler fügte, ganz im Stile der NPD und von Pro Köln, hinzu: „Wir haben nichts gegen Ausländer, solange sie nicht millionenfach auftreten, einer ehrlichen Arbeit nachgehen und sich vor allem unserer Kultur anpassen.“

Und dann bezeichnete er, erneut im Stile von Geschichtsverleugnern und Shoah-Relativieren, die syrischen Flüchtlinge als „Neandertaler“, die sich aufführten „wie die schlimmsten Besatzungssoldaten.“ Der Islam sei eine „Steinzeitreligion“, unsere „Frauen und Töchter“ würden sich „nicht mehr auf die Straßen trauen wie in den dunkelsten Tagen unserer Geschichte.“ Geschichtsverleugnung ist für Tritschler und den Geschichtslehrer Höcke eine Herzensangelegenheit. Fortgesetzt fühlen sie sich an die „dunkelsten Tage unserer Geschichte“ erinnert, wenn sie „dem Fremden“ begegnen. Offenkundig war die deutsche Shoah eine Spezialdisziplin in Syrien und dem Irak.

Ein „von Merkel geleitetes Freiluftbordell“

Kanzlerin Merkel habe „den Eindruck erweckt“, dass „unser Land ein einziges Freiluftbordell“ sei, in dem sich „jedermann austoben“ dürfe, wusste der als „liberaler AfDler“ geltende Tritschler zu vermelden. Frau Merkel verfüge „über das Talent, ein solches Etablissement zu leiten.“ Sie müsse zurücktreten, „denn wir werden unsere Frauen nicht zum Freiwild machen.“ Sie müssten angesichts der Liberalität Kölns „Angst haben“, insistierte er: „Das Tor steht weit offen für Heerscharren von Kriminellen.“ Der Karnevalist Tritschler genoss erkennbar das kollektive Gebrüll „Widerstand! Widerstand!“, wie man es ansonsten nur von hardcore-Nazi-Kundgebungen kennt, wie sie am 7. und 14.1.2017 durch Köln marschiert sind.

Als sich die Mehrzahl der Kölner Karnevalisten im Februar 2017 sehr eindeutig gegen den AfD-Parteitag in Köln positionierten zeigte der forsch-nationalistische AfD-Jungpolitiker sein die Gesellschaft spaltendes Karnevalsverständnis: Die Kölner Künstler, die nun protestieren, „wollen sich offensichtlich profilieren“. Nur „weil sie gut singen können“ heiße das nicht, „dass sie Ahnung von Politik haben“, beleidigte Tritschler seine Kölner Karnevalsfreunde öffentlich.

Der bisherige Geschäftsführer der Kölner AfD-Fraktion, Thomas Traeder, war Ende Januar aus Protest gegen vulgär antisemitische Äußerungen von AfD-Politikern sogar aus der AfD ausgetreten. Über Tritschler, mit dem er seit 2013 nahezu täglich Kontakt hatte, äußert er sich in mehr als deutlicher Weise: Sven Tritschler sei „zur Verfolgung seiner eigenen Karrierechancen Mitglied der AfD“ geworden. Er habe „keinerlei Skrupel, mit seinen Reden auch den rechtsradikalen Parteiflügel um Björn Höcke und Alexander Gauland zu bedienen“, wenn ihm dies „persönlich nutze“. Beispielhaft hierfür sei dessen Formulierung bei seiner Erfurter Rede im Januar 2016: „Das Deutschland, das man meiner Generation hinterlässt, wartet leider nur darauf, verhöhnt, bestohlen und geschändet zu werden.“

Tritschler mangele es erkennbar, betonte sein ehemaliger Parteifreund Traeder, an „jeglichem Verantwortungsbewusstsein für das friedliche Zusammenleben in unserem Land.“  

Hendrik Rottmann, Roger Beckamp und die Kölnische Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit

Die Kölner AfD-Stadtratsmitglieder, insbesondere der, laut Spiegel,  für den MAD arbeitende Offizier Hendrik Rottmann, sowie der Fraktionsvorsitzende Roger Beckamp, dies sei an dieser Stelle nur angedeutet, stehen gleichfalls ganz in Sven Tritschlers sehr rechter, offen spaltender Position. So wundert es nicht, dass es ausgerechnet die Kölner AfD war, die den neu-Entdecker des „jüdischen Tätervolkes“, den 2003 wegen seiner antisemitischen Rede aus der CDU-Bundestagsfraktion ausgeschlossenen Martin Hohmann, im August 2016 zu einem Vortrag nach Köln-Nippes einlud. Seine Rede trug selbstredend den Titel „Der deutsche Schuldkomplex – Auswirkungen auf die Politik der Altparteien“. Und die Kölner AfD demonstrierte auch ihr demokratisches Selbstverständnis, indem sie den Veranstaltungsort geheim hielt.

Dem Kölner AfD-Fraktionsvorsitzendem Roger Beckamp gelang es sogar kürzlich, die traditionsreiche, 1958 u.a. von Heinrich Böll gegründete, in der Öffentlichkeit eher zurückhaltend auftretende Kölnische Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit mit ihren ca. 950 Mitgliedern öffentlich in einem selbstgedrehten Video auf unterstem Niveau zu beleidigen.

Die Kölner Synagogengemeinde mit ihren 4500 Mitgliedern hat sich früher selten öffentlich politisch positioniert. Nun jedoch hat sie, als Reaktion auf zahlreiche antisemitische Ausfälle zahlreicher AfD-Vertreter, in einem an  die Leitung der Maritim-Kette gerichteten Brief appelliert, auf die geplante Ausrichtung des AfD-Parteitags im Kölner Maritim Ende April zu verzichten: „Nach der umstrittenen Dresdner Rede des thüringischen AfD-Landeschefs Björn Höcke“ könne die Direktion die Veranstaltung „nicht mehr ruhigen Gewissens in ihrem Hause stattfinden lassen“, heißt es in einem offenen Brief der Kölner Jüdischen Gemeinde.

Juden in Köln, Nordrhein-Westfalen und ganz Deutschland seien „entsetzt darüber, dass Sie die große Bühne bieten für Menschen wie Björn Höcke und die AfD, die nur Unzureichendes gegen ihren eigenen hetzenden antisemitischen und fremdenfeindlichen Aufstachler unternimmt“ heißt es dort weiter. Falls das Haus die Ausrichtung des AfD-Parteitags am 22. und 23. April nicht absage, werde man „die Geschäftsbeziehungen mit der Hotelkette kritisch überdenken“, schreibt die Jüdische Allgemeine (2.3.2017).

Hintergrundinfos zur (Kölner) AfD

Jugendclub Courage Köln e.V. (Hg., Februar 2017): Die AfD in Köln. Eine Partei am rechten Rand. Internet: http://www.jc-courage.de/wp-content/uploads/2017/02/Die_AfD_in_Koeln.pdf

Hans-Peter Killguss (2016): Die „Alternative für Deutschland“. Materialien zu Entwicklung, Inhalten und Anhängerschaft einer völkisch-nationalistischen Partei, haGalil, 28.11.2016: http://www.hagalil.com/2016/11/alternative-fuer-deutschland/

Roland Kaufhold (2016): Eine Rechte für Israel? Israelsolidarität von rechts aus historischer Sicht, haGalil, März 2016: http://www.hagalil.com/2016/03/eine-rechte-fuer-israel/