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„Nur mit Vorbehalt zu den Ariern zu rechnen“

Deutschland gilt als das Land beispielloser Verfolgung von Roma und Sinti. Allein im 20. Jahrhundert ermordeten Deutsche mehr als eine halbe Million Angehörige dieser Gruppen. Folglich muss irgendetwas die Deutschen derart enthemmt haben, dass sie wider sämtliche Ge- und Verbote ihrer christlichen Religion Schwerstverbrechen begehen konnten. Ganz konsequent verdient es jenes Bild, welches Deutsche sich von „Zigeunern“ vor dem Völkermord machten, näher untersucht zu werden…

Von Robert Schlickewitz

Mehrere Ansätze sind hierbei denkbar: entweder forscht man z. B. in der deutschen, darstellenden Kunst, oder in der Presse (einschließlich der Karikatur), oder in der Belletristik (einschließlich der Märchen), oder in der wissenschaftlichen (bzw. pseudowissenschaftlichen) Literatur, oder – in den anerkannten deutschen Nachschlagewerken.

Wir entschieden uns für letztere und wählten das Meyers Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, erschienen 1893-1897 aus. 

Deutsche Nachschlagewerke standen lange Zeit über in hervorragendem Ruf. Brockhaus oder Meyer hatten für andere Länder sogar Vorbildcharakter und wurden in ihrer Auslegung, teilweise auch inhaltlich, mehrfach kopiert. Noch um 1990 galten Einträge der namhaften deutschen Lexika als zitierfähig in Dissertationen und wissenschaftlichen Aufsätzen.

Aber, waren diese deutschen, mehrbändigen Kompendien des Allgemeinwissens tatsächlich so hochwertig wie lange geglaubt wurde?

Stand bei ihnen tatsächlich lediglich die objektive Vermittlung von Informationen im Vordergrund? Oder werteten sie auch, weil sie vielleicht politischen, religiösen oder anderweitigen Einflüssen Folge leisten mussten? Waren die Lexikonredakteure in der Lage anderen Kulturen oder Religionen unvoreingenommen gegenüberzutreten? Oder ließen sie sich vielmehr von schwankenden Stimmungen, Vorurteilen oder Stereotypen mitreißen?

Sehen wir uns den ausgewählten Eintrag im Meyer einmal näher an. Als ausgesprochen hilfreich erweist sich dessen klare Gliederung. Einer knappen Einleitung folgen Abschnitte zu Name der „Zigeuner“ in europäischen Ländern bzw. Sprachen, zu Herkunft und erstem Auftreten in Europa und Übersee, zu Statistiken für Europa, Russland und die Türkei, zu Aufnahme der Gruppe in verschiedenen Ländern bzw.  zu Begegnung von jeweils sehr unterschiedlichen Kulturen.

Bereits eingangs wird der Leser mit Wendungen konfrontiert, die eine gewisse Stimmung erzeugen sollen, wie „rätselhaftes Wandervolk“ und „über die ganze Welt zerstreut“. Mit ihnen wird Heimatlosigkeit angedeutet, möglicherweise auch Mangel an Kultur, auf gar keinen Fall Gleichwertigkeit. Vor allem aber wird unterschlagen, dass zur Zeit des Erscheinens dieses Lexikons bereits zahlreiche Roma in mehreren Ländern, auch Sinti in Deutschland, sesshaft geworden waren und eben nicht mehr wanderten. Mit Bezeichnungen wie „Tataren“, „Heiden“ und „Bohémiens“ werden weitere klar negative Assoziationen geweckt: Invasoren (Mongolen), unchristlich, zurückgeblieben, müßiggängerisch, faul, fremd, feindlich.

In Zusammenhang mit den Eigenbezeichnungen der Roma wird die begonnene Abwertung fortgesetzt, indem von einer „unreinen Kaste“ als Ursprung die Rede ist.

Im Abschnitt zu den Wanderungen, den Zwischenstationen und dem Ersterscheinen der „Zigeuner“ an bestimmten Orten bzw. Ländern lautet der auf Deutschland bezogene Teil: „In Deutschland, … wurden sie … freundlich aufgenommen und unterstützt, bald aber als Diebe und Betrüger verfolgt.“ „Zigeuner“ erwiesen sich demnach bereits früh Deutschen gegenüber als undankbar, unwürdig und ganz offensichtlich als charakterlich minderwertig.

Bei der Nennung der Zahlen für „Zigeuner“ in verschiedenen Ländern, werden für Deutschland lediglich 2000 Individuen, also eine kleine, überschaubare Menge angegeben, jedoch durch die mehrfach verkündete Unsicherheit über die tatsächlichen Zahlen, ein Gefühl der Verunsicherung beim Leser erzeugt. Sind es nun 1 Million oder fünf Millionen Zigeuner weltweit? Der Lexikonredakteur entscheidet sich, offensichtlich gefühlsmäßig, für 2 Millionen.

Die Verunsicherung erfährt eine Steigerung durch Passagen wie: „Zahl weit größer als die angegebene“, „sind sie besonders zahlreich“, „darunter die wilden und rassereinen Zapari, und dann Mohammedaner“, „Am stärksten sind jedoch die Z. in Ungarn vertreten“.

Die Nennung der Mohammedaner in diesem Zusammenhang unterstützt noch die Intention, Ängste zu schüren, denn fast mehr noch als heute wurde um 1900 von der bürgerlichen Gesellschaft ‚der‘ Muslim als der Erbfeind der Christenheit, als der furchterregende, ewige Gegner der braven Christenmenschen seit den Zeiten Karl Martells und bis in die damalige Gegenwart des 19. Jahrhundert (z. B. Christenmord in Damaskus, 1860) wahrgenommen.

Das Attribut „rasserein“ in einer Publikation von lange vor dem Nationalsozialismus belegt, dass der unselige Rassismus der Deutschen, befeuert von einer ebenso zweifelhaften wie unseriösen Rasselehre, schon geraume Zeit sein Unwesen in deutschen Köpfen getrieben hat. 

Auch der Abschnitt „Sprache“ enthält Termini aus dieser Lehre: „zeigte … ihre Zugehörigkeit zur nordwestlichen Gruppe der arisch-indischen Sprachen“ und wiederholt jene Unterstellungen, die „Zigeunern“ pauschal Delinquenz zuwiesen: „Der Bildung dieser Dialekte blieben die Diebessprachen der verschiedenen Nationen nicht fremd, und auch die Z. eigneten sich manches aus dem europäischen Rotwelsch an.“ Rotwelsch galt als ‚die‘ Diebessprache und in diesem Sinne war das Wort auch vom Lexikonredakteur intendiert.

Nachdem die pseudowissenschaftlichen Rasselehrer die Angehörigen des deutschen Volkes als sog. „Arier“, zur Krone der Schöpfung erklärt hatten, musste es die Vertreter ihres Weltbildes erheblich stören, dass auch das als kulturlos und als ganz und gar nicht gleichwertig erachtete Schmuddelvolk der „Zigeuner“ aus der gleichen Linie hervorgegangen war. Daher war hier eine erneute Abgrenzung gefragt: „Ethnologisch sind die Z. wohl als ein Mischvolk zu bezeichnen, das man nur mit Vorbehalt zu den Ariern rechnen darf.“

Bei der Beschreibung der Physis der „Zigeuner“ im Meyer fällt auf, dass es anscheinend nur einen einzigen Typus der Menschen dieser Gruppe gab, und diesem werden überraschenderweise fast ausschließlich positive Züge verliehen, selbstverständlich geht dies nicht ohne eine Einschränkung ab, denn das Fazit lautet: „Aus den etwas schief gegen die Schläfen aufsteigenden und lang gewimperten, schwarzen, höchst lebendigen Augen blitzt Schlauheit, Furcht und Haß.“ – Ganz und gar nicht vertrauenserweckende Individuen also, vor denen man sich lieber in acht nimmt.

Den großen Abstand zwischen Mensch und „Zigeuner“ soll die Aufzählung der „typischen“ Speisen der Angehörigen der Gruppe aufzeigen: „spärliche Nahrung“, „meist nur Brot und Wasser“, „Der Igel ist das Nationalgericht“, „recht fettes Schweinefleisch lieben sie sehr“, „Pferdefleisch essen die englischen Z. niemals“, „dass sie Menschenfleisch verzehren, ist ihnen oft, doch sehr mit Unrecht, nachgesagt worden, …“.

Letztere Formulierung ist alles andere als eine eindeutige Distanzierung vom Vorwurf Kannibalen zu sein.

Der Menschenfleisch-Satz endet: „…, wie sie auch keine gewohnheitsmäßigen Kinderräuber sind.“ Und er wird ergänzt: „Solche Fälle stehen vereinzelt da.“ Ein weiteres Mal grenzt der Redakteur „Zigeuner“ aus der Mehrheitsgesellschaft aus, indem er ihnen barbarische Sitten und Unzivilisiertheit unterstellt.

Die Fortsetzung der Charakterisierung der „Zigeuner“ weist in die gleiche Richtung: „Branntwein ist ihr Lieblingsgetränk“, „fast immer in Lumpen gehüllt“, „Die Wohnung der Z. ist ein schlechtes Zelt, das sie stets in dem mit einem elenden Pferd … bespannten Wagen mit sich führen. Der seßhafte Z. lebt meist in einer sehr armseligen Hütte … oder in tiefen Löchern mit einem Strohdach“.

Bei den den Angehörigen der Gruppe zugeschriebenen ‚typischen‘ Berufen rangieren die als unehrenhaft erachteten, die gesellschaftlich geächteten, die moralisch-sittlich verwerflichen an erster Stelle: „Ihren Unterhalt erwerben sie sich am liebsten durch Betteln und Stehlen…“. Erst danach werden von der christlich-bürgerlichen Mehrheitsgesellschaft akzeptierte, handwerkliche Tätigkeiten aufgezählt: „doch sind sie außerordentlich geschickte Schmiede in Eisen und Kupfer, Kesselflicker, Drahtflechter, Holzschnitzer u.a.“.

Den Abschnitt beenden jene alten Klischees und Stereotypen, ohne die ein deutscher Lexikoneintrag (von vor 120 Jahren) wohl kein deutscher Lexikoneintrag wäre: „die alten Frauen sind Wahrsagerinnen, die jungen Mädchen vortreffliche Tänzerinnen.“

Das bodennahe Niveau des „Zigeuner“-Eintrags reflektiert die Beschreibung des sexuellen Bereichs, der den Angehörigen der Gruppe unterstellt wird: „Der Vorwurf der Sittenlosigkeit darf nur den Zigeunern einzelner Länder gemacht werden.“ Weitere Einzelheiten oder Zuordnungen bleibt der Redakteur schuldig und ruft damit beim Leser Ratlosigkeit hervor. Denn, welchen verwertbaren Informationsgehalt besitzt seine Aussage (?).

Der Umgang der beschriebenen Gruppe mit dem Tod wird genauso wie deren Religiosität instrumentalisiert, um zu belegen, ‚sie‘ gehören nicht zu uns: „vor den Abgeschiedenen haben sie eine abergläubische Furcht, wiewohl sie an kein Fortleben nach dem Tode glauben.“ – „Eine wirkliche Religion besitzen sie nicht, doch schließen sie sich mit Leichtigkeit jedem Bekenntnis ihrer Umgebung an.“ Zwei Wertungen, die zu einer Zeit, als noch über 95 % der Deutschen Mitglied einer der beiden großen christlichen Konfessionen oder Mitglied einer christlichen Sekte waren, die ganz besondere Verwerflichkeit des „Zigeuner“-Charakters geradezu unter Beweis gestellt haben müssen.

Zu den wenigen Aspekten des „Zigeuner“-Lebens, die das Meyersche Konversationslexikon relativ positiv schildert, das war zunächst ein eher gefälligeres Äußeres und dann gewisse handwerkliche Qualitäten, gesellt sich noch ein weiterer dritter, der Gesichtspunkt der künstlerischen Begabung: „Die geistigen, insbes. künstlerischen Anlagen der Z. sind nicht gering…“ Allerdings hält der Redakteur an seinem Prinzip – keine Aufwertung ohne Einschränkung – fest: „… Bedeutendes haben sie nur in der Musik geleistet, wo sie eine Reihe tüchtiger Meister, vor allem Bihary, aufweisen können. Doch leisten nur die ungarischen, nächst ihnen die russischen Z. Hervorragendes…“

An anderer Stelle werden noch zwei weitere prominente Namen, der des Malers Solari und der des (christlichen) „Denkers“ John Bunyan erwähnt, deren behauptete Romaherkunft aber in Zweifel gezogen.

Die Verfolgungsgeschichte der „Zigeuner“ versucht der Meyer-Redakteur offensichtlich mit vorangegangenen „Betrügereien und Diebstählen“ zu rechtfertigen. Er erkennt unerwartet ehrlich, zumindest für ein historisches deutsches Nachschlagewerk – ehrlich, an, dass die Verfolgungen „auf das grausamste“ erfolgt seien, wenngleich er anmerkt: „ohne daß man jedoch das unheimliche Volk auszurotten vermochte“. – War demnach der eliminatorische Antiziganismus längst vor Hitler in Erwägung gezogen worden?

Nicht weniger staunt der moderne Leser über die Aufzählung einiger offensichtlich geglückter Versuche der Assimilierung bzw. Integration der Gruppe in europäischen Ländern („wogegen die Regierung in Polen 1791 alles erreichte, was sie nur wollte“) und – er hätte gerne mehr darüber gewusst.

Von deutschen Bemühungen um Verbesserung der Lage der „Zigeuner“ ist an keiner Stelle die Rede, auch nicht von den zum Teil ganz besonders grausamen Verfolgungen des 17. bis 19. Jahrhunderts in deutschen Ländern.

Der Eintrag im 1897er Meyer endet mit einer kommentierten, sehr reichhaltigen Auflistung der damals für relevant und aktuell erachteten internationalen Sach-Literatur und der Nennung von Namen von Autoren der Weltliteratur, die sich in ihrer Lyrik oder Prosa den „Zigeunern“ angenommen hatten.

Man mag die Auskünfte dieses deutschen Elite-Nachschlagewerkes zu „Zigeunern“ als „zeittypisch“ abtun und zur Tagesordnung übergehen, jedoch hoffentlich doch nicht ohne eine gehörige Portion schlechten Gewissens!

Wie war es nur möglich, dass sich die eigenen deutschen Vorfahren derart überheblich, arrogant, ignorant und unmenschlich in einem Lexikon mit Vorzeigecharakter über Menschen auslassen konnten, die seit 600 Jahren fester Bestandteil ihrer Identität, Geschichte und Kultur waren, die gemeinsam mit ihnen Schicksalsschläge und glückliche Momente durchlebt hatten, die dieselbe Sprache wie sie sprachen, und schließlich, die ihr Deutschsein dadurch bekundeten, dass sie (bereits ab dem 19. Jahrhundert) zunehmend in Deutschland sesshaft wurden? Wie war so etwas nur möglich?

Man erinnere sich daran, dass die Deutschen gegen Ende des vorletzten Jahrhunderts alles andere als ein Niemand waren. Das deutsche Kaiserreich war eine aufstrebende Industrie-, Export-, und Militärmacht mit kolonialen Ambitionen. Das Land konnte auf eine Reihe bedeutender Ahnen in Kunst, Musik, Literatur und Wissenschaft zurückblicken. Aber all das machte es offensichtlich nicht gefeit vor den Anmaßungen eines pubertierenden Halbstarken, oder sollte man treffender vom Wüten eines Elefanten im Porzellanladen sprechen? Man kann nicht anders als sich schämen für solche Vorfahren, die maßloser Stolz bzw. dünkelbehafteter Hochmut blind machte gegenüber den Geboten (und Verboten!) des eigenen, und (damals noch) über alles verehrten und vehement verteidigten christlichen Wertesystems.

Die Verteufelung der Sinti und Roma begann lange vor dem 19. Jahrhundert. Das hier zitierte Lexikon bezog weite Teile seiner Informationen zu „Zigeunern“ aus Vorgängerwerken sehr ähnlichen Inhalts und sehr ähnlicher Intention. Da die Ausgrenzung der Angehörigen der Gruppe in vielen anderen Lebensbereichen gleichfalls mehrere Jahrhunderte früher einsetzte, muss man feststellen:

Für die versuchte Ausrottung der europäischen „Zigeuner“ im 20. Jahrhundert ist nicht allein die sog. „Kriegsgeneration“ der Deutschen verantwortlich zu machen, sondern auch mindestens ein Dutzend Generationen deutscher Menschen, die vor ihnen lebten. Gleichgültigkeit, Gedankenlosigkeit und allzu rasche Bereitschaft sich unkritisch Meinungsmehrheiten anzuschließen (der so verhängnisvolle deutsche Herdentrieb), somit die alten, und längst nicht überwundenen, deutschen Charaktermängel, machten die Katastrophe des Porajmos längerfristig möglich.

 

Meyers Konversations-Lexikon, 5. Auflage, Leipzig und Wien 1897:

Zigeuner, ein rätselhaftes Wandervolk, das über fast ganz Europa und einen großen Teil Asiens verstreut ist und auch in Afrika und Amerika angetroffen wird. Die Namen, die die Z. bei anderen Völkern tragen, sind sehr mannigfaltig.

Da sie angaben, aus Kleinägypten zu kommen, worunter Hopf den Peloponnes vermutet, so nannte man sie in Griechenland Gyphtoi (Gifti), in Albanien Evgit, in Ungarn Pharao nepe (Pharaos Volk), in Holland Egyptiers, Egyptenaaren, Giptenaers, auch Heidenen, Heidens, in England Egipcions, dann Gipsies, in Frankreich Egiptiens (jetzt Bohemiens), in Spanien Egipcianos, jetzt Gitanos; den letztern Namen führen sie auch in Portugal.

Andre mit dem griechischen Atsinkanos oder Athinganos zusammenhängende sind bei den Türken Tchingiane, bei den Bulgaren Cinganin, bei den Litauern Cingonas, bei den Rumänen Ciganu, bei den Ungarn Cigany, bei den Deutschen  in alten Chroniken Ziginer, Zigeiner, Zegeiner, niederdeutsch Suyginer, Zigöner, jetzt Z., bei den Franzosen Tsiganes, bei den Schweizern Heidenen, Heiden, bei den Italienern Zingani, Zingari.

In Deutschland nannte man die Z. (bei den Niederdeutschen und Friesen auch noch heute) Tataren, weil man bei ihrer Erscheinung glaubte die Mongolen , die das Volk Tataren nannte, seien wiedergekommen. Die ältesten Chronisten geben den Zigeunern die latinisierten Namen Secani, Cingari, Zingari u. nennen sie auch Cigäwnä. Die Z. nennen sich selbst Rom (Schwarm, Stamm, weiblich Romni) mit dem altindischen Namen einer unreinen Kaste, auch Romane tschawe, Romani tschel, Sinte (Sinde), Manusch (Mensch), Kale oder Mellele (Schwarze).

Dass die Z. aus Indien stammen, wird heute allgemein angenommen. Sie wanderten von dort wahrscheinlich auf zwei verschiedenen Wegen aus; die einen folgten den Küsten, die anderen zogen durch das Binnenland von Persien, Syrien, Kleinasien. Der Nordküste Afrikas folgend, müssen die Z. schon sehr früh nach Spanien gekommen sein. In Byzanz finden wir sie zu Anfang des 9. Jahrh.; auf Kreta sind sie durch den Franziskaner Simon Simeon 1322 nachgewiesen, vor 1346 auf Korfu, um 1370 in der Walachai, 1398 durch Hopf in Nauplia, ohne dass bekannt wäre, wann sie an jedem der genannten Orte zum erstenmal erschienen.

Als das Datum ihres ersten Auftretens in Ungarn wird 1417 angegeben, während böhmische Annalen schon 1416 von Zigeunern erzählen, ohne dieses Volk als etwas früher nicht Gesehenes zu bezeichnen. In Rußland treten sie seit 1500 auf, in Polen wahrscheinlich unter Wladislaw Jagello eingewandert, werden sie zuerst 1501 erwähnt. In Dänemark erscheinen sie zuerst 1420, in Schweden werden sie erst 1512 erwähnt. Im Lande der Basken werden sie vor 1538 nicht genannt; 1447 erschienen sie vor Barcelona, 1430 in England, 1492 in Schottland, wo man sie sehr gut aufnahm.

In Deutschland, wo sie unter der Führung ihrer „Herzöge“ und „Grafen“ mit Schutzbriefen des Kaisers Siegmund zuerst 1417 erschienen, wurden sie in vielen Städten freundlich aufgenommen und unterstützt, bald aber als Diebe und Betrüger verfolgt.

In die Schweiz kamen sie 1418, nach Bologna 1422. Von Europa ergossen sie sich über die anderen Erdteile. Besser bekannt ist die Verbreitung der Z. nur in Europa, doch gehen auch hier die Angaben zuweilen weit auseinander. Nach den Ermittlungen Guido Coras u.a. leben gegenwärtig in den einzelnen europäischen Ländern:

Griechenland                                                10 000

Türkei                                                            67 000

Bulgarien                                                       50 000

Serbien                                                          34 000

Rumänien                                                      250 000

Österreich                                                      16 000

Ungarn (1893)                                               169 906

Siebenbürgen (1893)                                    105 034

Bosnien                                                             18 000

Rußland                                                            58 000

Polen                                                                  15 000

Schweden und Norwegen                              1 500

Dänemark und Niederlande                         6 000

Deutschland                                                     2 000

Großbritannien                                                12 000

Frankreich                                                         2 000

Italien                                                                32 000

Spanien                                                            40 000

Mit den in andern europäischen Staaten wohnenden Zigeunern ergibt sich eine Zahl von 905 000, die wahrscheinlich zu niedrig ist. Dasselbe gilt für die Angaben für die asiatische Türkei (67 000), Persien (15 000), Indien (20 000), Sibirien (1500), Transkaukasien (3000), endlich für Afrika, Amerika und Australien (nach einigen nur 35 000, nach andern 166 000). Während einige die Gesamtzahl aller Z. auf nur 1 Mill. berechnen, gehen andre bis 5 Mill., das Richtige dürfte 2 Mill. sein.

In Griechenland sind die Z. zum Teil hellenisiert, bedienen sich aber überall der hellenischen Sprache, so daß ihre Zahl wahrscheinlich weit größer ist als die oben angegebene.

In der Türkei sind sie besonders zahlreich in den Wilajets Adrianopel (22 500) und Kossowo (21 500). Sie sind entweder seßhaft und dann (außer in Konstantinopel) meist Christen, oder Nomaden, darunter die wilden und rassereinen Zapári, und dann Mohammedaner. Beide Klassen unterscheiden sich durch Sprache und Sitten sehr wesentlich voneinander. Über sie schrieb in erschöpfender Weise Paspati, »Études sur les Tchingianes ou Bohémiens de l’empire Ottoman« (Konstantinopel 1870).

Die Z. Rumäniens wachsen seit ihrer Emanzipation (früher waren sie Leibeigne der Krone, der Klöster oder der Privaten) beständig an. Sprachlich gehört zu ihnen auch ein Teil der serbischen und der russischen in Belgorod (Kursk) und bei Taganrog am Asowschen Meer. Vgl. Kogalnitschan, Skizze einer Geschichte der Z. (deutsch von Casca, Stuttgart 1840); Vaillant, Grammaire, dialogues et vocabulaire de la langue des Bohémiens ou Cigains (Paris 1868); Constantinescu, Probe de limba si literatura Tiganilor din Romania (Bukarest 1878), wovon einige deutsch erschienen im »Literarischen Merkur«, 1886, Nr. 10–12.

Am stärksten sind jedoch die Z. in Ungarn vertreten, namentlich in Siebenbürgen und im Banat. Die Literatur ist sehr beträchtlich, namentlich ist viel geschrieben worden über die transsilvanischen Z. von Wlislocki („Haideblüten. Volkslieder der transsilvanischen Z.“, Leipzig 1880; „Die Sprache der transsilvanischen Z.“, daselbst 1884; „Märchen und Sagen der transsilvanischen Z.“, Berlin 1886; „Vom wandernden Zigeunervolk“, Hamburg 1890; „Volksdichtungen der siebenbürgischen und südungarischen Z.“, Wien 1890; „Volksglaube und religiöser Brauch der Z.“, Münster 1891; „Aus dem innern Leben der Z.“, Berlin 1892), H. v. Meltzl (»Jile Romane. Volkslieder der transsilvanisch-ungarischen Z.«, Klausenburg 1878), Schwicker (»Die Z. in Ungarn und Siebenbürgen«, Teschen 1883), in den »Mitteilungen der K. K. geographischen Gesellschaft in Wien« (1896), von Bornemisza (»Über die Sprache der Z.«, ungar., Pest 1853), Kalina (»La langue des Tsiganes slovaques«, Posen 1882), R. v. Sowa (»Die Mundart der slowakischen Z.«, Göttingen 1887).

In Österreich finden wir die Z. namentlich in der Bukowina, in Böhmen und Mähren. Über die mährisch-böhmische Zigeunersprache schrieben Puchmayer (»Románi Czib«, Prag 1821, eine Grammatik und Wörterbuch der Zigeunersprache) und Jesina (»Romáňi čib oder die Zigeunersprache«, 3. Aufl., Leipzig 1886).

Die Angaben für Deutschland werden von einigen viel zu hoch, auf 30,000, angegeben. Tatsächlich sieht man in vielen Teilen jahrelang keine Spur von ihnen; in ganz Preußen (im Osten und Westen) lassen sich nicht 1100 nachweisen. Vgl. Bischoff, Deutsch-zigeunerisches Wörterbuch (Ilmenau 1827, unzuverlässig); Graffunder, Über die Sprache der Z. (Erfurt 1835); Liebich, Die Z. in ihrem Wesen und in ihrer Sprache (Leipzig 1863); Pischel, Beiträge zur Kenntnis der deutschen Z. (Halle 1894).

In Rußland, wo die Gesetzgebung die Z. stets als Reichsbürger, nicht als Fremde betrachtete, hat man sie in neuerer Zeit zur Seßhaftigkeit gezwungen, daher viele nach Rumänien und Bulgarien auswanderten. Die Mehrzahl lebt in Bessarabien. Über die Sprache der Z. in Rußland schrieben Böhtlingk (»Die Sprache der Z. in Rußland«, St. Petersburg 1852), über die der Z. in Transkaukasien Patkanow („Die Z. Einige Worte über die Dialekte der transkaukasischen Z.: Bosa und Karači“, russ., daselbst 1887).

In Großbritannien sind die Z., obwohl durchaus unbelästigt, in neuester Zeit an Zahl sehr zurückgegangen, namentlich in Schottland, wo es vor nicht langer Zeit noch 100 000 gab. Vgl. Leland, The English Gypsies and their language (4. Aufl., London 1894); Borrow, Romano Lavo-Lil. Wordbook of the Romany (das. 1874); Smart und Crofton, The dialect of the English Gypsies (das. 1875).

Spanien, namentlich der südliche Teil desselben, ist stets das Land gewesen, in dem die Z. sich am wohlsten gefühlt haben. Unter den über sie erschienenen Werken sind hervorzuheben: Borrow, The Zincali, or an account of the Gypsies of Spain (London 1841 u. öfter, 2 Bde.); D. A. de C., Diccionario del dialecto Gitano (Barcelona 1851); Campuzano, Orijen, usos y costumbres de los Jitanos y diccionario de su dialecto (2. Aufl., Madrid 1851); Sales Mayo und Quindalé, El Gitanismo, historia, costumbres y dialecto de los Gitanos (das. 1870).

Über die Z. in den Niederlanden schrieb Dirks: Geschiedkundige onderzoekingen aangaande het verblijf der Heidens of Egyptiers in de noordelijke Nederlanden (Utrecht 1850), über die in Dänemark: Dyrlund, Tatere og Natmandsfolk i Danmark (Kopenhagen 1872); über die in Norwegen: Sundt, Beretning om Fante eller Landstrygerfolket i Norge (2. Aufl., Christiania 1852).

Die Sprache der Z. zeigt uns nicht allein, wo ihre ursprünglichen Stammsitze lagen, sie weist auch den Weg und die Etappen, die sie in Asien und Europa gemacht haben. Nachdem Rüdiger 1732 und Grellmann 1783 vorgearbeitet hatten, bewies Pott 1844 überzeugend, daß die Zigeunersprache mit dem Zend verwandt ist, und Miklosich zeigte 1878 ihre nähere Zugehörigkeit zur nordwestlichen Gruppe der arisch-indischen Sprachen, den Sprachen der Darden, Kafiristans und der Stämme des Hindukusch.

Auf ihrer Wanderung durch Westasien und ganz Europa nahmen die Z. Sprachbestandteile aller Völker an, mit denen sie in Berührung kamen, und je nach deren Aufnahme bildeten sich verschiedene Idiome, die sich in Europa heute, nach Colocci, auf 14 nachstehende Mundarten verteilen: die griechisch türkische, die rumänische (zu der die Sprache der südrussischen Z. gehört), die ungarische, die slawonische, die deutsche, die polnisch- litauische, die russische, die finnische, die skandinavische, die angelsächsische, die welsche, die italienische, die baskische und die spanische.

Sie sind zum größten Teil in den oben angeführten Werken wissenschaftlich dargestellt. Dagegen sind die Mundarten der Z. Afrikas und Amerikas wenig oder gar nicht gekannt. Der Bildung dieser Dialekte blieben die Diebessprachen der verschiedenen Nationen nicht fremd, und auch die Z. eigneten sich manches aus dem europäischen Rotwelsch an. Trotzdem ist der Bau des Zigeunerischen in allen seinen zahlreichen Mundarten der gleiche, und dieses übertrifft, nach Ascoli, an Adel selbst die Palisprache.

Ethnologisch sind die Z. wohl als ein Mischvolk zu bezeichnen, das man nur mit Vorbehalt zu den Ariern rechnen darf. Sie sind meist mittelgroß, schlank, von schöner Muskulatur der Schultern, Arme und Beine; Füße und Hände sind klein. Fettleibigkeit kommt nur bei alten Weibern vor. Die Hautfarbe ist braungelb, die gewöhnlich wohlgeformte Nase etwas gebogen, der Mund fein mit schönen, geradestehenden weißen Zähnen, das Kinn rund, die Stirn hoch, häufig aber durch das lange, straffe und starke Haar bedeckt. Aus den etwas schief gegen die Schläfe aufsteigenden und lang gewimperten, schwarzen, höchst lebendigen Augen blitzt Schlauheit, Furcht und Haß.

Die Nahrung der Z. ist spärlich, meist leben sie von Brot und Wasser. Der Igel ist das Nationalgericht, recht fettes Schweinefleisch lieben sie sehr, Pferdefleisch essen die englischen Z. niemals. Daß sie Menschenfleisch verzehren, ist ihnen oft, doch sehr mit Unrecht, nachgesagt worden, wie sie auch keine gewohnheitsmäßigen Kinderräuber sind. Solche Fälle stehen vereinzelt dar.

Branntwein ist ihr Lieblingsgetränk, Tabak wird von Männern wie Weibern gleich eifrig geraucht.

Ihre Kleidung besteht fast immer in Lumpen, doch kleiden sie sich gern, wenn sie es können, in prunkende, auffallende Farben, wobei Grün, bei den ungarischen Zigeunern Rot bevorzugt wird. Die spanischen Z. kleiden sich wie die Pferde- und Maultierhändler Andalusiens, mit denen sie auch das Geschäft teilen.

Die Wohnung der Z. ist ein schlechtes Zelt, das sie stets in dem mit einem elenden Pferd (in der Türkei und Italien auch mit einem Esel) bespannten Wagen mit sich führen.

Der seßhafte Zigeuner lebt meist in einer sehr armseligen Hütte aus Lehm und Zweigen oder in tiefen Löchern mit einem Strohdach. Die Feuerstätte befindet sich stets in der Mitte. Ihr Küchen- und Tischgerät ist das allereinfachste, gern sucht der Zigeuner einen silbernen Becher zu erwerben als Erbstück in den Familien.

Ihren Unterhalt erwerben sie sich am liebsten durch Betteln und Stehlen, doch sind sie außerordentlich geschickte Schmiede in Eisen und Kupfer, Kesselflicker, Drahtflechter, Holzschnitzer u. a., Goldwäscher, Pferde- und Viehhändler, die alten Frauen sind Wahrsagerinnen, die jungen Mädchen vortreffliche Tänzerinnen.

Der Vorwurf der Sittenlosigkeit darf nur den Zigeunern einzelner Länder gemacht werden. Die Ehe schließen sie sehr rasch und in sehr frühem Alter; Ehebruch ist selten, der Kinderreichtum ein großer.

Die Leichenbestattung ist überaus einfach, vor den Abgeschiedenen haben sie eine abergläubische Furcht, wiewohl sie an kein Fortleben nach dem Tode glauben. Eine wirkliche Religion besitzen sie nicht, doch schließen sie sich mit Leichtigkeit jedem Bekenntnis ihrer Umgebung an.

Die geistigen, insbes. künstlerischen Anlagen der Z. sind nicht gering, Bedeutendes haben sie aber nur in der Musik geleistet, wo sie eine Reihe tüchtiger Meister, vor allen Bihary, aufweisen können. Doch leisten nur die ungarischen, nächst ihnen die russischen Z. Hervorragendes, und Franz Liszt (s. d.) hat in seiner Schrift »Les Bohémiens et de leur musique en Hongrie« die Musik wie die Nationaltänze der Ungarn als von den Zigeunern herstammend bezeichnet, eine Ansicht, die von Bühler bestätigt, aber ungarischerseits heftig angegriffen wurde, so namentlich von Thewrewk de Ponor im »Journal of the Gipsy Lore Society«, Bd. 1, ohne aber Liszt zu widerlegen. Das Lieblingsinstrument ist die Geige.

Ob der berühmte Maler Solari (geb. 1382) und der Denker John Bunyan (geb. 1628) zu den Zigeunern zu rechnen sind, bleibt zweifelhaft.

Die Dichtungen der Z. sind, abgesehen von einigen spanischen, wenig bedeutend und lassen das Volk mehr sinnlichen Reizen als moralischen Empfindungen zugeneigt erscheinen.

Die Z. fanden, wie schon gezeigt, anfangs überall eine gute Ausnahme, wurden aber infolge ihrer Betrügereien und Diebstähle bald auf das grausamste verfolgt, ohne daß man jedoch das unheimliche Volk auszurotten vermochte.

Nur in Ungarn und auch in Rußland fanden sie eine zweite Heimat. Als aber Maria Theresia und Joseph II. durch menschliche Behandlung und Ansiedelung der Unterdrückten gute Erfolge erzielten, machte auch Karl III. von Spanien 1788 denselben Versuch, der freilich nicht das gleiche Ergebnis hatte, wogegen die Regierung in Polen 1791 alles erreichte, was sie nur wollte.

In England bildete sich 1827 eine Gesellschaft zur Hebung der Z., dagegen lebten dieselben in Rumänien in den traurigsten Verhältnissen, bis, nachdem Alexander Ghika 4000 Zigeunerfamilien in Freiheit gesetzt hatte, 1855 die Leibeigenschaft in der ganzen Walachei aufgehoben wurde, ein Beispiel, dem die Moldau bald folgte.

Die Literatur über die Z. ist sehr reich; eine Aufzählung der einschlägigen Arbeiten enthält das »Verzeichnis von Werken und Aufsätzen, welche in älterer und neuerer Zeit über die Geschichte und Sprache der Z. veröffentlicht worden sind« (Leipzig 1886) und die »Orientalische Bibliographie« (Berlin 1888 ff.).

Hervorzuheben sind außer den oben bei den einzelnen Ländern bereits genannten Schriften: Grellmann, Historischer Versuch über die Z. (Göttingen 1787), worin zuerst auf Indien als die Heimat der Z. hingewiesen ist; Predari, Origine e vicende dei Zingari (Mailand 1841); v. Heister, Ethnographische und geschichtliche Notizen über die Z. (Königsberg 1842); Bataillard, De l’apparition et de la dispersion des Bohémiens en Europe (Paris 1843–44), Nouvelles recherches sur l’apparition des Bohémiens en Europe (daselbst 1849; umgearbeitet im »Journal of the Gipsy Lore Society«, Bd. 1 u. 2) und Les derniers travaux relatifs aux Bohémiens dans l’Europe orientale (daselbst 1873); Pott, Die Z. in Europa und Asien (Halle 1844–45, 2 Bde.); Ascoli, Zigeunerisches (daselbst 1865); Reinbeck, Die Z. (Salzkotten 1861); Liebich, Die Z. (s. oben S. 1023); Hopf, Die Einwanderung der Z. in Europa (Gotha 1870); v. Miklosich, Über die Mundarten und die Wanderungen der Z. Europas (Wien 1872–80, 12 Tle.); Derselbe, Beiträge zur Kenntnis der Zigeunermundarten (daselbst 1874–78, 4 Tle.); de Goeje, Bijdrage tot de geschiedenis der Zigeuners (Amsterdam 1875; englisch von Mc Ritchie in den „Accounts oft he Gypsies of India“ London 1886); von Leland (s. oben) noch »Gypsy sorcery and fortune-telling« (daselbst 1891); Erzherzog Joseph, Czigány nyelvtan. Románo czibákero sziklaribe (Budapest 1888); Colocci, Gli Zingari (Turin 1889); »Journal of the Gipsy Lore Society« (Edinburgh 1888–92), in dessen Band 2 die berühmten vier Blätter von J. Callot (gest. 1635), »Les Bohémiens«, erschienen, und der Aufsatz von Guido Cora im »Ausland« 1890.

Die Dichtung hat sich die Z. oftmals zum dankbaren Vorwurf genommen, so Cervantes, Scott, Merimée, James, George Eliot, Puschkin u. a.

Hervorhebungen – entsprechen dem Originaltext.


Glossar:

Bihary = Janos Bihary, 1764-1827, ungarischer Komponist und Roma-Violinist; „bedeutender Vertreter der ‚Zigeunermusik‘ “ (de.wiki).

Bohémiens https://de.wikipedia.org/wiki/Boh%C3%A8me#Begriffsherkunft

Brockhaus https://de.wikipedia.org/wiki/Brockhaus_Enzyklop%C3%A4die

John Bunyan https://en.wikipedia.org/wiki/John_Bunyan

Callot = Jacques Callot, 1592-1635, lothringischer Zeichner, Kupferstecher und Radierer.

Cora = Guido Cora, 1851-1917, bedeutender italienischer Geograph.

Heiden https://de.wikipedia.org/wiki/Heidentum#Wandlung_des_Begriffs

Hopf = Karl Hopf, 1832-1873, deutscher Historiker und Byzantinist; hier wird aus seinem Werk Die Einwanderung der Zigeuner in Europa, Gothe 1870, zitiert.

Karl Martell, um 690-741, fränkischer Adeliger, Heerführer, christlicher Gewalt-Missionierer, der bei Tours und Poitiers die muslimischen Araber besiegte („Retter des Abendlandes“).

Kaste https://de.wikipedia.org/wiki/Kaste#Reinheit_und_Unreinheit

Meyer https://de.wikipedia.org/wiki/Meyers_Konversations-Lexikon

Mohammedaner https://de.wikipedia.org/wiki/Muslim

Palisprache = eine mittelindische Sprache, möglicherweise nur Literatursprache.

Paspati = Dr. Alexander G. Paspati (Alexandros Giorgios Paspatis), 1814-1891, griechischer Arzt und Byzantinist.

Rotwelsch https://de.wikipedia.org/wiki/Rotwelsch

Solari = Antonio de Solario, genannt lo Zingaro (Der Zigeuner) italienischer Maler, lebte um 1500; das angegebene Geburtsjahr 1382 erwies sich als falsch; seine Biografie gilt als nicht ausreichend belegt.

Tataren https://de.wikipedia.org/wiki/Tataren#F.C3.A4lschliche_Bezeichnung_der_Mongolen_in_Europa_als_Tartaren

unrein https://de.wikipedia.org/wiki/Rituelle_Reinheit#Moral_und_Religion

Zend = auch „Send“, im 19. Jahrhundert fälschlich die Sprache der Avesta nach deren älterer Bezeichnung Zend-Avesta.

Zigeuner https://de.wikipedia.org/wiki/Zigeuner