Meine 7000 Nachbarn

Eva Ruth Wemme berichtet in diesem schon 2015 im Verbrecher Verlag erschienenen Buch über ihre ehrenamtliche Arbeit mit Roma-Familien in Berlin, vom Teufelskreis aus Arbeits- und Wohnungslosigkeit, von Diskriminierung und Ausgrenzung. Ein beklemmender Bericht, der die ganze Hoffnungslosigkeit der Roma in Berlin aufzeigt…

Auf etwa 7000 wird die Zahl der Roma in Berlin geschätzt. Eva Ruth Wemme begleitet einen Teil von ihnen seit 2011 durch die Hürden des Alltags. Als Übersetzerin für rumänische Literatur beschloss sie, sich ein wenig von ihrem Schreibtisch „und aus der Zone der stillen Künste“ wegzubewegen und zu helfen. Sie spricht mit Ärzten, Behörden, Polizisten, sie geht mit den Roma aufs Amt, in den Kindergarten und ins Krankenhaus und was sie erlebt, bereitet „Kopfschmerzen, Schwindel, Empörung, manchmal Freude, oft Schmerzen.“ 

Unglaubliche Energien muss Eva Ruth Wemme haben, um diese geballte Ladung an Ungerechtigkeiten auszuhalten, in hoffnungslosen Situationen hochschwangeren Frauen beizustehen, die nicht versichert sind, Briefe ans Gericht zu formulieren, gegen Miethaie anzukämpfen und nebenbei noch mit den Kindern Hausaufgaben zu machen. Man liest zunehmend fassungslos. 

Dabei will die Autorin gerade nicht, was sich der Leser wahrscheinlich von diesem Buch erwartet, nämlich den Roma eine Stimme verleihen. Es geht ihr gerade nicht darum, hier schwarz auf weiß für sie zu sprechen, sondern im Gegenteil, sie dreht das Bild um, die „Kamera“ um, sie schreibt „was sie mit uns zu tuna haben und wo die Grenze verläuft, die wir alle zusammen überwinden müssen.“

Ein ausgesprochen leseswertes Buch, das tatsächlich hilft, die „7000 Nachbarn“ ein wenig kennenzulernen und zu verstehen!

Eva Ruth Wemme, Meine 7000 Nachbarn, Verbrecher Verlag 2015, 160 S., Euro 14,00, Bestellen?

Leseprobe und Interviews mit der Autorin

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