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Was tun mit Hitlers Geburtshaus?

Darüber scheiden sich die Geister in Braunau am Inn seit langem. Dabei gibt es ein kluges Konzept für die Nutzung, das Bund und Land sich nur zutrauen müssten…

Salzburger Vorstadt 15 ist die Adresse des Hauses, das im 17. Jahrhundert erbaut wurde und unter Denkmalschutz steht. Am 20. April 1889 wurde darin Adolf Hitler geboren. Nach Kriegsende wurde zunächst eine Ausstellung über Konzentrationslager gezeigt, später wurde das Haus als Bücherei und Schule und zuletzt 30 Jahre lang von der Lebenshilfe Österreich als Heim- und Werkstätte für Menschen mit Behinderung genutzt.

Die private Eigentümerin hatte einen behindertengerechten Umbau des Hauses abgelehnt, was letztlich dazu führte, dass die Lebenshilfe einen anderen Standort bezog. Seit über fünf Jahren steht das Haus nun leer und verschiedene Gremien und Kommissionen diskutieren, wie es weitergehen soll. Von Abriss bis Gedenkstätte, die Meinungen gehen stark auseinander.

Vom Abriss ist man letztlich abgekommenabgekommen, und das natürlich richtig, denn dem Stigma von Hitlers Geburtsort, so das Argument für den Abriss, würde Braunau auch durch einen Abriss nicht entkommen. Im Dezember 2016 verabschiedete das österreichische Parlament ein Gesetz zur Enteignung der bisherigen Besitzerin. Nach Sanierung soll das Haus nun für eine Nutzung wie etwa wiederum als Behindertenwerkstätte zur Verfügung gestellt werden.

Aber ist das wirklich die richtige Lösung? Die Argumente dafür sind nachvollziehbar, das Haus soll kein weiteres Holcaust-Museum werden, die „ganz normale“ Nutzung soll verhindern, dass der Ort zu einem „Wallfahrtsort“ für Rechtsextreme wird. Aber eine Nazipilgerstätte war der Ort sowieso nie.

Baunau hat sich in der Vergangenheit durchaus seiner Geschichte gestellt. Im Jahr 2000 gründete sich die Initiative „Braunau setzt ein Zeichen“. Ein Zeichen gibt es zwar bisher noch nicht, aber der Historiker Andreas Maislinger hat in der Diskussion mit der Initiative ein hervorragendes Konzept für das Haus entwickelt, das man sich nur noch umzusetzen trauen müsste.

Kein Museum, kein Gedenkort soll entstehen. Der Historiker plädiert für ein „Haus der Verantwortung“. Ein Ort der Begegnung für junge Menschen aus der ganzen Welt, die in Braunau „gegenüber der Vergangenheit im Erdgeschoss, in der Gegenwart im ersten Stock und für die Zukunft im zweiten Stock“ Verantwortung übernehmen können.

Maislinger gibt zu bedenken: „Die Stadt Braunau am Inn wird immer Geburtsort von Adolf Hitler bleiben, könnte jedoch mit dem Haus der Verantwortung das „Hitler-Haus“ verlieren und weltweit zur Stadt der Verantwortung werden.“ Ein solches Haus, am historischen Ort, an dem junge Menschen aus aller Welt zusammenkommen und einander begegnen, miteinander sprechen, einander verstehen lernen, wäre einen riesige Chance, geradezu eine Antithese zu Hitlers Ideologie und in Zeiten wie diesen ein großer und mutiger Schritt.

Unterstützung für das „Haus der Verantwortung“ und weitere Informationen: www.hrb.at

Bild oben: (c) hrb.at