Schwamm drin oder Schwamm drüber?

In der Fontanepromenade 15 in Berlin-Kreuzberg weist seit 2013 nur eine Stele auf die „Zentrale Dienststelle für Juden“ hin, die dort ab November 1938 Juden zum „Geschlossenen Arbeitssatz“ vermittelten. Nachdem bekannt wurde, dass das Gebäude im vergangenen Jahr an einen Investor verkauft wurde, beklagte die Stadtteilinitiative „Wem gehört Kreuzberg“ in einem offenen Brief, dass „ein solcher Geschichtsort der Immobilienspekulation geopfert wird und nicht als Gedenkort/Museum zur jüdischen Zwangs-arbeit und zum Holocaust öffentlich genutzt wird“…

Von Lothar Eberhardt

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und die Senatsverwaltungen haben sich dazu bisher nicht öffentlich zu Wort gemeldet. Aber mittlerweile lud der Kultur-Senat zum ersten Sondierungsgespräch zum Gedenkort Fontanepromenade 15 ein, die Bezirskverordnetenversammlung befasste sich in ihrer konstituierenden Sitzung damit, das Bezirksamt stellte in Aussicht, Stellung zunehmen und bot zwischenzeitlich zwei Gesprächstermine an, die zum Treffen mit den Akteuren, die einen sofortigem Baustopp forderten, Anfang Februar führte.

Aber der Reihe nach.

Die Initiative „Gedenkort Fontanepromenade 15“(G.I. F 15) hat sich am 18. Januar im Nachbarschaftshaus Urbanstrasse mit den Eigentümern des „Baudenkmal Fontanepromenade 15“ getroffen. André Schmitz-Schwarzkopf, der stellvertretender Vorsitzender der Inge Deutschkron-Stiftung und an der Bürgerinitiative beteiligt ist, moderierte die Sitzung. Das Treffen fand statt im Anschluss an die Berichterstattung der TAZ Bremen (15.1.17), in der der Bremer Investor und Architekt Marc Brune in Aussicht stellte, einen Teil des Gebäudes, als Gedenkort zu nutzen und dafür zu einem örtsüblichen Mietzins zu vermieten. 

Im Gespräch gewann die G.I.F 15 einhellig den Eindruck, dass Marc Brune und Partnerin ein Glücksfall für den Erwerb des Hauses sind. Er und sein fachkompetentes Team legten dar, dass das Haus „maximal noch 4 bis 5 Jahre durchgehalten hätte“. Die Einladung auf die um die Ecke liegende Baustelle wurde ausgesprochen. Die mündlichen Schilderungen wurden praktisch erfahrbar: Schwammdurchsetzte Balken lagen da herum, die marode Dachkonstruktion war auch für den Laien sichtbar. Der aktuelle Stand der Sanierung wurde vom Polier erläutert. Die Inaugenscheinnahme überzeugte.

Ein weiteres Gespräch mit dem Nachbarschaftshaus Urbanstrasse (NHU) fand statt, bei dem über inhaltliche Veranstaltungen und die Einbeziehung der Anwohner des „Sozialraumes“ in die konzeptionellen Überlegungen des Gedenkortes nachgedacht wurden. Als weiteres Mitglied der G.I.F 15 konnte außerdem mittlerweile die Synagogengemeinde Fränkelufer gewonnen werden, vertreten durch ein Gemeindemitglied, die auch Historikerin ist. Eva, ihre Mutter musste sich immer in der Schickandpromenade melden, die seit Jahren soziale Arbeit in der jüdischen Gemeinde macht, bringt den Schwerpunkt der Zeitzeugenschaft und die Netzwerke zu sozialen und historischen Institutionen mit ein.

Beim ersten Gespräch am 25. Januar bei der Senatskulturverwaltung wurden die Grenzen der „strukturellen Gewaltenteilung“ dargelegt und die Vertreter der Initiative, die aus Zeitzeugen, geschichts- und erinnerungspolitischen Erfahrenen, so wie Kultur- und Kunstschaffenden und sich um das historische Berlin Interessierte besteht. Die Initiative wird nun ein Konzept erarbeiten und mit dem Ergebnis wieder an den Kultursenat herantreten.

Bezirk und Senat haben sich bisher noch nicht öffentlich zu den Forderungen der Inititaitve geäußert und die beiden offenen Briefe unbeantwortet gelassen. Schwamm drüber wäre den Vertretern der parlamentarischen Demokratie wohl lieber nach dem der Schwamm im Baudenkmal erfolgreich saniert wird.

Dokumentation der Arbeit zum „Gedenkort Fontanepromenade 15“

Bilder: (c) Kappa Photo 

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