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Zwei Tote bei Unruhen in Beduinendorf

Umm al-Hiran hat heute die Nachrichten in Israel bestimmt. Der Ort ist seit langem ein Brennpunkt des schwierigen Umgangs des Staates mit den Beduinen im Negev. Polizeikräfte waren am Mittwoch Morgen angerückt, um einen gerichtlichen Beschluss zur Zerstörung illegal gebauter Häuser durchzusetzen. Dabei kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Einwohnern, Demonstranten und Polizisten…

Am frühen Morgen mit Beginn des Abriss und der Polizeiaktion in diesem Zusammenhang kam es zu einem fatalen Zwischenfall. Ein Beduine hatte mit seinem Auto einen Polizisten überfahren und wurde daraufhin erschossen. Die Polizei sprach von einem Terrorakt. Augenzeugen behaupteten, der Fahrer habe die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren, nachdem auf ihn geschossen wurde. Aufnahmen einer Überwachungsdrohne scheinen zu bestätigen, dass zumindest ein Polizist auf den Wagen geschossen hatte noch bevor dieser auf die Gruppe von Polizisten beschleunigte.


Der Abriss wurde später unter starkem Polizeischutz fortgeführt. Unter den Demonstranten befanden sich auch mehrere arabische Knesset-Abgeordnete. Ayman Odeh, Abgeordneter der Gemeinsamen Liste, wurde von einem Gummigeschoss am Kopf verletzt.

Etwa 15 Häuser wurden abgerissen, gut 70 Häuser standen am Nachmittag noch. Der Ort ist Heimat von 700 Beduinen, Nachkommen eines Beduinenclans, der 1956 aus seinem ursprünglichen Dorf umgesiedelt wurde. Das jetzige Dorf soll durch eine neue Stadt ersetzt werden, die Berichten zufolge 2400 Wohneinheiten haben soll, weitgehend für die Bewohner aus dem nahelegenen jüdischen Meitar.

Den Beduinen aus Umm al-Hiran wurde mitgeteilt, sie würden Familiengrundstücke in der nahegelegenen Stadt Hura erhalten, die 1989 erbaut wurde, um Beduinen aus sog. nicht anerkannten Dörfern aufzunehmen. Alles das ist Teil eines sehr umstrittenen Entwicklungsplans der Regierung für die halbnomadisch lebenden Beduinen im Negev.

Die Klage der Dorfbewohner gegen die geplante Umsiedlung wurde abgewiesen mit der Begründung, sie könnten auch in der neuen Stadt leben. Auch ein Appell an das Oberste Gericht wurde nun negativ beschieden. Dem Abriss des Dorfes steht damit nichts mehr im Weg – außer den Demonstranten.

Der getötete Polizist, Eres Levi, 34, aus Yavne (im Bild oben), wurde am frühen Abend beerdigt. Er hinterlässt seine Frau und zwei kleine Kinder. Der Fahrer des Wagens wurde als der 47jährige Lehrer Yaqoub Mousa Abu Al-Qia’an identifiziert. Er hinterlässt eine Frau und 12 Kinder. Sein Haus wurde am Morgen abgerissen. Eine Untersuchung des Vorfalls steht noch aus.