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Die Einsamkeit der jüdischen Toten

Wer am 7. Januar durch die TV-Kanäle zappte, musste mal wieder feststellen, dass jüdische Tote nicht telegen sind. Jedenfalls werden sie nicht gern gesehen…

Von Ramona Ambs

Man gedachte nämlich in zahlreichen Medienberichten den Anschlägen auf das Satiremagazin Charlie Hebdo und vergass dabei zu erwähnen, dass auch der jüdischer Supermarkt an der Porte de Vincennes danach noch zum Anschlagsziel wurde. Allenfalls als Randnotiz wurde in einigen Berichten daran erinnert. In anderen fiel es vollkommen unter den Tisch. Offenbar gehörten die jüdischen Opfer dort nicht zum bevorzugten Kreis der zu bedauernden Terroropfer. Was gehen die auch koscher einkaufen?

Am 8. Januar dieses Jahres nun folgte ein Terroranschlag nach Berliner Vorbild in Jerusalem. Ein Lastwagen raste in eine Gruppe Menschen und tötete – medial gesehen- die Falschen. Es sind nämlich wieder jüdische Tote. Die hat man einfach nicht so gern. Und deswegen verwundert hierzulande die mediale Reaktion auch nicht weiter. Wie viele andere schreibt auch der Spiegel dazu: „Armon Hanaziv liegt in dem 1967 von Israel eroberten Teil Jerusalems. Die Palästinenser beanspruchen das Gebiet als Teil einer künftigen Hauptstadt für sich. Israel sieht jedoch ganz Jerusalem als seine „ewige, unteilbare Hauptstadt“, was natürlich ungeheuer wichtig ist. Der Weihnachtsmarkt hingegen befand sich in Berlin und nicht in Armon Hanaziv. Das ist was ganz anderes.

Die taz weiß sogar, wer eigentlich schuld ist an dem Anschlag: „Terror ist Terror ist Terror – doch wenn Israels Premier Benjamin Netanjahu Jerusalem mit Berlin vergleicht, entzieht er sich seiner Verantwortung. (…) Anstatt dem Terror konstruktiv zu begegnen, entzieht sich Netanjahu seiner Verantwortung, wenn er ein Bild von Jerusalemern und Berlinern malt, die im gleichen Boot sitzen.“

Eben. Da war nirgends ein Boot. Und dieser ewige Jude,- äh- Mangel an Konstruktivismus von jüdischer Seite muss auch einfach mal angesprochen werden dürfen.

Die Süddeutsche weiß denn auch schon, wohin der mangelnde Konstruktivismus führt: „Erfahrungsgemäß führen solche blutigen Anschläge in Israel oft zu harten Reaktionen. Dies dürfte zu einer neuen Verhärtung der Fronten zwischen Israelis und Palästinensern führen, nachdem in den vergangenen drei Monaten die Zahl der Angriffe deutlich zurückgegangen war.“

Zum Glück ist Deutschland viel konstruktiver und empathischer.

Und deswegen werden auch diesmal die jüdischen Toten beerdigt – ohne deutsches Mitgefühl.