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Der Dizengoff Platz kommt wieder auf den Boden

Die Stadt Tel Aviv revidiert eine ihrer größten Bausünden, die Anhebung des Dizengoff Platzes…

Zina Dizengoff in den 1920er Jahren
Zina Dizengoff in den 1920er Jahren

Der Platz war bereits im sog. Geddes-Plan, dem ersten Bebauungsplan der Stadt, der Ende der 1920er Jahre durch den schottischen Stadtplaner Sir Patrick Geddes ausgearbeitet wurde, als einziger großer Kreisverkehr mit Freifläche angelegt. Benannt wurde er nach Zina Dizengoff, der Ehefrau von Tel Avivs erstem Bürgermeister Meir Dizengoff. Sie starb 1930 im Alter von 58 Jahren. Das Paar gehörte zu den Gründern der Stadt und erhielt bei der Auslosung der Parzellen zum ersten Wohnviertel „Achusat Bajt“ ein Grundstück am Rothschild Boulevard. Meir Dizengoff wurde zum Vorsitzenden der Gemeinschaft gewählt und mit der Anerkennung der Unabhängigkeit Tel Avivs, wie sich das Viertel bald nannte, zum ersten Bürgermeister. Nach dem Tod seiner Ehefrau übergab er das gemeinsame Haus am Rothschild Boulevard der Allgemeinheit. Es beherbergte das erste Kunstmuseum, 1948 rief David Ben Gurion dort die Unabhängigkeit des Staates Israel aus.

Die Gestaltung des Platzes stammt von der Architektin Genia Awerbuch, die mit ihrem Vorschlag mit komplimentär gehaltenen gleichförmigen Häuserfronten im internationalen Stil 1934 die Ausschreibung für sich entscheiden konnte. Alle Häuser um den Platz wurden nach Awerbuchs Vorgaben erbaut, wenn auch von unterschiedlichen Architekten. Zu den bekanntesten Bauten am Platz zählt das Gebäude des Kino Esther, wo heute das Cinema Hotel beherbergt ist, des Architekten und Stadtplaners Jehuda Magidowitch.

Der Dizengoff Platz in den 1940er Jahren
Der Dizengoff Platz in den 1940er Jahren

1938 eingeweiht wurde der Platz schnell zu einem belebten Mittelpunkt der Stadt mit Cafes und Kinos in den umliegenden Häusern. Sein Durchmesser von 66 Metern ließ ausreichend Platz für einen Springbrunnen und Rasenflächen, Blumenbeete und Baumbestand in der Mitte, so dass der Platz ein beliebter Treffpunkt im Zentrum war. Der Platz war auch Ort für Veranstaltungen, wie etwa die Buchwoche, und Feierlichkeiten, zum Beispiel zum Unabhängigkeitstag.

In den 1960er und 70er Jahren wurde der Platz zunehmend unpopulärer, vor allem aufgrund des zunehmenden Verkehrs. Der damalige Bürgermeister Shlomo Lahat setzte sich für eine Lösung ein, die die Verkehrsprobleme im Viertel lösen sollte. 1978 wurde der neu gestaltete Platz schließlich eingeweiht. Für Fußgänger war eine Ebene geschaffen worden, die über dem ursprünglichen Platz lag, so dass der Verkehr darunter ungestört fließen konnte. Der Brunnen wurde einige Jahre später mit einem kinetischen Werk ersetzt, „Wasser und Feuer“ von Jaakow Agam, das heute zu den bekannten Attraktionen der Stadt zählt.

Die Kritik an dem Projekt war jedoch groß. Der neu geschaffene Platz hatte den ursprünglichen Charme des öffentlichen Raums verloren. Ein Jahr zuvor war nur einige Meter weiter das Dizengoff Center, ein Einkaufszentrum, eingeweiht worden, das ebenfalls zum Niedergang der ursprünglichen Atmosphäre der Straße und des Viertels beitrug.

Im Zuge der 100-Jahr-Feier der Stadt kam die Idee auf, den Dizengoff Platz in seiner ursprünglichen Form wieder herzustellen. Nach langen Vorarbeiten ist es nun soweit. Im Dezember beginnen die Bauarbeiten zum Abriss der Fußgänger-Ebene. Der Brunnen von Jaakow Agam wird auch am neu gestalten Dizengoff Platz bleiben, ein Umstand, der zu gemischten Gefühlen der Bürger bei den Versammlungen zum Thema geführt hat, genau wie notwenige Baumfällungen und die Führung der Radwege.

Bleibt zu hoffen, dass nach überstanden Umbauarbeiten der neue Dizengoff Platz tatsächlich so schön wird, wie im Promo-Video der Stadt zu sehen ist.

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Der Flohmarkt, der Dienstags und Freitags am Dizengoff Platz stattfand, existiert übrigens weiter, in der Givon Straße, nahe der Cinematheque, zu denselben Uhrzeiten.

Bild oben: (C) Felix Rubinstein

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