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Yudisher Theriak

Im Oktober 2016 veröffentlichte Dr. Morris M. Faierstein, früherer Militärrabbiner der US Air Force und derzeit wissenschaftlicher  Mitarbeiter beim Meyerhoff Zentrum für jüdische Studien an der Universität von Maryland das Werk  „Yudisher Theriak“, das er vorher übersetzt und auch kommentiert und durch eine umfassende Einführung ergänzt hatte, die die ursprüngliche Arbeit in ihrem historischen Zusammenhang  darstellt…

Von Israel Schwierz

Der Yudisher Theriak ( Jüdischer Theriak) von Zalman Zwi aus Aufhausen , der zuerst 1615 in Hanau veröffentlicht worden war, war die Reaktion auf eine anti-jüdische Arbeit mit dem Titel „Jüdischer abgestreifter Schlangenbalg“, verfasst von dem zum Christentum übergetrenen Juden Samuel Friedrich Brenz, die 1614 in  Nürnberg und Augsburg veröffentlicht worden war. Das Buch von Brenz war Teil  einer ganzen Reihe anti-jüdischer Bücher und Schriften, die in deutscher Sprache erschienen waren und sich an Christen richteten, die vorgaben zu enthüllen, wie die Juden das Christentum verspotteten und darüber lästerten, wie sie ihre christlichen Nachbarn verfluchten  und sich gezielt der Zauberei und Hexerei bedienten, um deren Leben und Eigentum zu schädigen. Der Name der Arbeit von Zalman Zvi  ist ein direkter Hinweis auf den Titel des Buches von Brenz, aber er verfolgt auch noch ein anderes Ziel: Theriac ist ein griechischer und lateinischer Begriff der bedeutet „ Gegenmittel gegen den Biss einer giftigen Schlange“. Vielleicht hoffte Zvi, dass sein Buch auch als Gegenmittel gegen die Geißel des Anti-Judaismus, die in seiner Zeit Gang und Gebe war, dienen könnte.

Der „Yudisher Theriak“ zeigt ein sehr interessantes Bild, wie ein gebildeter und gelehrter Jude auf die vielen Angriffe gegen Juden und das Judentum, die in der damaligen Zeit typisch waren und von Autor zu Autor weitergegeben wurden, reagieren könnte. Der „Yudisher Theriak“ ist eine vorübergehende Erscheinung unter den meisten wissenschaftlichen Büchern und den vielen Beiträgen, die über die christlich-jüdischen Beziehungen geschrieben wurden. Sein Vorhandensein ist bestätigt und gelegentlich wird eine Tatsache oder eine Idee aus dem Werk zitiert, seine Aussagen und Ansichten wurden jedoch nicht Bestandteil der wissenschaftlichen Literatur über dieses Gebiet. Ein Grund, warum dies nicht der Fall ist war die Sprache: es wurde in einer Art frühen modernen Jiddisch verfasst, welches mehr durch das Deutsche beeinflusst war und daher weniger vertraut war als die damals mehr gebräuchliche osteuropäische  Sprachvariante. Dazu kommt noch, dass Zalman Zvi ein gebildeter Jude war, der in seinem Werk  hebräische Redewendungen, rabbinische Terminologie und Anspielungen auf rabbinische Literatur verwendete.

Das Ziel der Arbeit von  Morris Faierstein ist es nicht, auf alle diese Hinweise und Anspielungen in der wissenschaftlichen Literatur eine Antwort zu finden, die sich auf den Originaltext bezieht, sondern die Arbeit so zu übersetzen, dass sie als ein nützliches Mittel beim Studium der christlich-jüdischen Beziehungen in der frühen modernen Zeit dienen kann und darüber hinaus verstärkt bei den historischen und kulturellen Beschäftigungen mit dem frühen  modernen Judentum. Die Auswertung und die Verdeutlichung der vielen Probleme, die im „Yudisher Theriak“ angesprochen wurden bedürfen noch weitere wissenschaftlicher Beschäftigung. Rabbi Faierstein hat den ersten Schritt unternommen um diese Arbeit einer größeren Hörerschaft zugänglich zu machen, der größer ist als das sehr schmale Band der  Sachverständigen auf dem Gebiet der frühen modernen jiddischen Literatur.

Gelehrte und Studenten  auf dem Gebiet der christlich-jüdischen Beziehungen und der frühen modernen jüdischen geschichtlichen wie kulturellen Studien werden das Vorhandensein des bis jetzt nicht verfügbaren  Werkes sehr begrüßen.

Rabbi Dr. Morris M. Faierstein ist mit der Übersetzung und Veröffentlichung seines Werkes , das leider bisher nur in Englischer Sprache vorhanden ist, ein ganz wesentlicher Schritt auf dem Gebiet der christlich-jüdischen Beziehungen, aber auch auf dem der frühen modernen Studien gelungen. Für diese seine äußerst verdienstvolle Arbeit gebührt ihm höchste Anerkennung und größter Lob aller, denen die Beschäftigung mit dem Judentum ein Herzensanliegen ist. Es ist zu hoffen, dass sein Buch bald auch in anderen Sprachen – vor allem in Deutsch – erscheinen möge.

YUDISHER THERIAK, An Early Modern Yiddish Defense of Judaism, 200 Pages, 6 illustrations, ISBN 978-0-8143-4249-7.

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