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Generation Herzl

Max Bodenheimer, David Wolffsohn und die Anfänge des Zionismus in Köln…

Von Ursula Reuter

Auf dem 10. Zionisten-Kongress 1911 blickte David Wolffsohn, seit 1905 Präsident der Zionistischen Organisation, auf die noch junge Geschichte der Bewegung zurück.

Diese Bewegung teilte er in zwei Perioden ein: „Die erste, die Glanzperiode mit Herzl an der Spitze, spielte sich in Wien ab. (…) Die größten praktischen Arbeiten sind gerade in diesem Zeitabschnitt geleistet worden: Die Organisation selbst, der Kongress, die Jüdische Kolonialbank, die Anglo Palestine Company und der Jüdische Nationalfonds (…). Allerdings waren diese Schöpfungen, wie es auch nicht anders sein konnte, noch nicht fest gefügt, da uns damals doch noch jede Erfahrung auf diesem ganz neuen Gebiet gefehlt hat. Erst der zweiten Periode, die ich als die ,Kölner‘ bezeichnen will, ist die Festigung und der Ausbau dieser Institutionen Vorbehalten geblieben.“ (1)

Die Kölner Periode wurde vor allem von zwei Männern geprägt – von David Wolffsohn und Max Bodenheimer. Sie gehörten zur „Generation Herzl“ – zu den Zionisten, die durch die Politik und Persönlichkeit des charismatischen Gründers der Zionistischen Organisation geprägt wurden.

David Wolffsohn und Max Bodenheimer lernten sich in dem Kölner „Verein für jüdische Geschichte und Literatur“ kennen. Wolffsohn stammte aus dem Russischen Reich. Bodenheimer dagegen war in Stuttgart geboren und aufgewachsen. Der Holzhändler und der studierte Rechtsanwalt gehörten zu den wichtigsten Gründergestalten des Zionismus – und das, obwohl sie in einer Stadt lebten, die weit entfernt von den Zentren zionistischer politischer Aktivität lag und in der sie nur wenige Anhänger für ihre Ansichten fanden.

So gründeten sie im Jahr 1894 gemeinsam den „Verein behufs Förderung der jüdischen Ackerbaukolonien in Syrien und Palästina“ und kurze Zeit später die „National-Jüdische Vereinigung Köln“ – die Keimzelle der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Diese erließ Anfang 1896 einen Aufruf zur Sammlung aller deutschen Zionisten, die sogenannten Kölner Thesen, in denen es unter Punkt 2 heißt:

„Die staatsbürgerliche Emancipation der Juden innerhalb der anderen Völker hat (…) nicht genügt, um die soziale und kulturelle Zukunft des jüdischen Stammes zu sichern, daher kann die endgültige Lösung der Judenfrage nur in der Bildung eines Staates bestehen; denn nur dieser ist in der Lage, die Juden als solche völkerrechtlich zu vertreten und diejenigen Juden aufzunehmen, die in ihrem Heimatland nicht bleiben können oder wollen. Der natürliche Mittelpunkt für diesen auf legalem Wege zu schaffenden Staat ist der historisch geweihte Boden Palästinas. „(2)

Ungefähr zur gleichen Zeit erfuhren Bodenheimer und Wolffsohn von einer Neuerscheinung, in der ganz ähnliche Ideen vertreten wurden: „Der Judenstaat“, die berühmte Broschüre des Wiener Journalisten Theodor Herzl. Die Kölner waren elektrisiert. Im Folgenden arbeiteten sie eng mit Herzl zusammen, und nach dessen frühem Tod 1905 wurde Wolffsohn zum Präsidenten der Zionistischen Organisation gewählt. Das Amt übte er bis 1911 aus. Während dieser Zeit befand sich das Hauptbüro der Zionistischen Organisation in Köln, und die zionistische Presse residierte in der Südstadt.

Die Historikerin und Judaistin Dr. Ursula Reuter ist wissenschaftliche Geschäftsführerin des Salomon Ludwig Steinheim-Instituts für deutsch-jüdische Geschichte in Essen (www.steinheim-institut.de) und engagiert sich seit vielen Jahren im Kölner Lern- und Gedenkort Jawne (www.jawne.de).

(1) Zit. nach Erez Israel. Mitteilungen des Hauptbureaus des Jüdischen Nationalfonds. Wolffsohn-Gedenknummer, Den Haag o.J. (1914), S. 2.
(2) Zit. nach Jehuda Reinharz (Hg.), Dokumente zur Geschichte desdeutschen Zionismus 1882-1933, Tübingen 1981, S. 37f.

Bild oben: v.l. Max Bodenheimer, Theodor Herzl, Max Nordau, David Wolffsohn

Max Bodenheimer, 1911
Max Bodenheimer, 1911

Köln als Hauptstadt des Zionismus

Dr. Max Isidor Bodenheimer war Jurist und einer der wichtigsten deutschen Zionisten. Unter seiner Führung wurde 1894 die erste National-Jüdische Vereinigung in Köln gegründet. Die von Bodenheimer mit verfassten „Kölner Thesen“ wurden zur Grundlage des „Baseler Programms“, das auf dem ersten Zionistenkongress 1897 verabschiedet wurde und das die Ziele der zionistischen Bewegung schwarz auf weiß darlegte. Für die neue Bewegung wurde Köln zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur „Hauptstadt“ des Zionismus.

Dazu gehörte auch, dass die zionistische Wochenzeitung „Die Welt“ zwischen 1906 und 1911 in Köln herausgegeben wurde. 1907 wurden die Hauptbüros des Keren Kayemeth von Wien nach Köln verlegt. Beim JNF-KKL übernahm Bodenheimer eine wichtige Aufgabe: als zweiter Präsident der noch jungen Organisation wirkte er ganz konkret darauf hin, dass die Grundlagen für einen jüdischen Staat geschaffen wurden. Der Erste Weltkrieg bedeutete jedoch einen tiefen Einschnitt: Bodenheimer verließ 1914 Köln eine Stunde vor Schließung der Grenze und ging mit allen wichtigen KKL-Dokumenten nach Den Haag, was schließlich der dritte Standort des Jüdischen Nationalfonds wurde. 1933 floh er schließlich vor den Nationalsozialisten aus Europa und immigrierte 1935 nach Palästina. Die Gründung des Staates Israel erlebte er nicht mehr: Dr. Max Bodenheimer starb 1940 in Jerusalem.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Dr. Ursula Reuter und dem Jüdischen Nationalfonds e.V. JNF-KKL.

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