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Wiener Mosaik

Kurzberichte aus Österreich…

Von Peter Stiegnitz

Neuer ÖIG-Präsident

Peter Florianschütz heißt der neue Präsident der „Österreichisch-Israelischen Gesellschaft“ (ÖIG). Im Jargon der österreichischen Volks- und Parteipolitik kann man sagen: Auf „schwarz“ folgt „rot“. Der bisherige Präsident Richard Schmitz war ÖVP-Mitglied, der neue Präsident ist SPÖ-Mitglied und –Funktionär. Auf diesen „Polit-Tausch“ angesprochen erklärte der neue ÖIG-Präsident in einem „wina“-Interview: „Die ÖIG ist ja eine Organisation von vorwiegend nichtjüdischen Menschen, die zu Israel stehen und solidarisch sind. Bei der Gründung durch Otto Probst hat man sich entschlossen, dass die beiden damals großen Parteien das tragen sollten, und so erben wir das.“  Die nächsten Unterstützer des Präsidenten sind Susi Shaked, die Generalsekretärin der Gesellschaft und Inge Dalma, welche die ÖIG-Zeitung „Schalom“ redigiert. Die ÖIG hat jetzt rund 500 zahlende Mitglieder. Die prinzipielle Aufgabe der Gesellschaft umreißt der Präsident: „Unsere Aufgabe ist Solidarität mit Israel und Inschutznahme Israels gegen antisemitische Angriffe.“ Der 1960 geborene Wiener ist seit 2007 Landtagsabgeordneter der SPÖ und dort in den Bereichen Jugend, Bildung und Integration tätig. Er gehört dem Freundeskreis von Givat Haviva an.

Jüdisches Museum in Wien

Das außerordentlich aktive Jüdische Museum in Wien präsentiert auch im heurigen Herbst ein vielschichtiges Programm: Nur wirkliche Kenner des Lebens von Theodor Herzl wissen, dass er ein passionierter Radfahrer war. Einer der ersten „Radler“ wurde von Adam Opel entwickelt, der sein Produkt „Victoria Blitz“ nannte. So heißt auch das das neue Buch von Museums-Direktorin Daniela Spera und Hannah Landsmann („Unterwegs mit Victoria Blitz“). Dabei führen die beiden Autorinnen die Leser zu den Wirkungsstätten von Sigmund Freud, Theodor Herzl und Fanny von Arnstein in Wien. Burgschauspieler Heinz Zuber las aus dem Buch, „das jungen Menschen von 3 bis 120 Jahren die jüdische Geschichte Wiens näherbringt“  – so eine Aussendung von „Stalzer und Partner Public Relations“. Ernster und leider auch tragischer ist der Film „Defiant Requiem“, der gleichfalls im Museum vorgestellt wird. Der Film beschreibt die Geschichte des Widerstands jüdischer Gefangener im KZ- Theresienstadt. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Häftling und Komponist Rafael Schächter, dem es gelang im KZ einen Chor zu bilden und studierte mit ihnen unter anderem Verdis „Requiem“ ein, als Zeichen des inneren Widerstandes. Und noch eine Buchvorstellung im Museum: „Der arme Trillionär. Aufstieg und Untergang des Inflationskönigs Sigmund Bosel“ von Georg Ransmayer. Bosel verdient anfänglich gut und viel, doch überschätzt er sträflich seine Mittel und Möglichkeiten und macht Bankrott. Dieser jüdische Glücksritter, dr auch zahlreiche Einleger mit in das Nichts reißt, in den 20-er Jahren des vorigen Jahrhunderts von den lautstarken Antisemiten zum „Sündenbock“ abgestempelt.

Jüdische Kultur

Die „Burgenländische Forschungsgesellschaft“ hatte mit viel Erfolg den „Europäischen Tag der Jüdischen Kultur im Burgenland“ veranstaltet. Das dritte Mal fand dieser Europäische Tag in diesem östlichsten Bundesland Österreichs statt. Neben geführten Rundgängen – unter anderem in der Landeshauptstadt Eisenstadt auch in Kittsee und Mattersburg – wurden heuer zwei neu errichtete Erinnerungsstätten  vorgestellt. In der Ortschaft Frauenkirchen war es der „Garten der Erinnerung“ am Standort der ehemaligen Synagoge und in Mattersburg wurde der Erinnerungsweg eröffnet, der durch die jüdische Geschichte des Ortes führt.

Platon und Judas

Die Freunde der jüdischen Literatur haben auch diesmal zwei Werke zu „Büchern der Woche“ erklärt. Carlos Fraenkel: „Platon in Palästina“ (Hanser) und Amos Oz: „Judas“ (Suhrkamp). Der jüdische Philosoph Carlos Fraenkel ist heute ein anerkannter Experte der politischen Philosophie und der Religionsphilosophie von der Antike bis zur Frühen Neuzeit. So stellte er auch in seinem Buch „Platon in Palästina“ die Frage, ob die Philosophie in der Lage ist, Rezepte gegen die großen, weltumspannenden sozialen Probleme zu erstellen. Interessant in seinem Buch sind auch die, sehr persönlich gehaltenen Gespräche mit seinen muslimischen Studenten, ausgehend von den philosophischen Erkenntnissen des Judentums und des Islam. Oz, der weltbekannte, auch im deutschen Sprachraum gern gelesene Autor, lässt im „Judas“ die Geschehnisse des damals noch geteilten Jerusalems in den fünfziger Jahren Revue passieren. Die Zeit seines Romans ist das Ende der Ära Ben Gurions. Die Titelfigur des Romans ist der junge Schmuel Asch, der aus finanziellen Gründen sein Studium abbrechen muss und als Gesellschafter für einen behinderten Mann Arbeit und Unterschlupf findet. Hier lernt er die schöne Atalja kennen. Die Handlung des Romans dreht sich um diese drei Personen und beleuchtet den politischen Hintergrund dieser Zeit in Jerusalem.

Klezmer-Session

In mehreren Konzerten bewies die Wiener Klezmer-Szene ihre hohe musikalische Qualität im Filmarchiv. Dabei hörten die begeisterten Zuhörer nicht nur die altbekannten, sondern auch die modernen Melodien und Tänze der jüdischen Lieder. Hier traten mit Erfolg verschiedene Klezmer-Gruppen auf, denen es meisterhaft  gelang, die Essenz des jiddischen Geistes, die ewige Hoffnung auf eine bessere Zukunft, wiederzugeben.

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