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Der Fall Ethel und Julius Rosenberg

Sina Arnold und Olaf Kistenmacher haben ein dünnes Taschenbuch publiziert, in dem sie die Literatur über diesen Fall rezipieren. Wer sich – so wie ich – neue Erkenntnisse erwartet hat, wurde enttäuscht… 

Rezension von Karl Pfeifer

Unbestreitbar gab es „Antikommunismus, Antisemitismus und Sexismus in den USA zu Beginn des kalten Krieges“. Doch mir scheint, dass einige Differenzen zum in der gleichen Periode stattgefundenen Verfahren gegen Slansky und Genossen in der CSSR im Buch nicht scharf genug herausgearbeitet werden.

Daher weise ich auf folgende Tatsachen hin. Im Fall Ethel und Julius Rosenberg gab es wirkliche Spionage, die nach den damaligen Gesetzen mit Tod bestraft wurde. Ihre jüdische Abstammung wurde den Angeklagten im Prozess nicht vorgeworfen. Die Regierung der USA versuchte nicht antisemitische Emotionen in der Bevölkerung aufzupeitschen. Ob Ethel Rosenberg wirklich unschuldig war, ist bis heute nicht bewiesen. Zumal ja, die entsprechenden sowjetischen Archive auch während der Zeit Jelzins nicht geöffnet wurden und bis heute unabhängigen Historikern nicht zugänglich sind.

Ganz anders im Fall des Verfahrens gegen den ehemaligen Generalsekretär der tschechoslowakischen KP Rudolf Slansky und Genossen. Nicht nur, dass Major Smola, der die Angeklagten verhörte, offen Hitler lobte und der Staatsanwalt von einer „typisch kosmopolitischen Fratze“ des Angeklagten Slansky sprach, kam es zu –  von der KP geförderten – antisemitischen Ausbrüchen bei den obligaten Versammlungen der Arbeiter.

Die Regierung der USA brauchte für gesellschaftliche Missstände keine Juden oder „Zionisten“ als Sündenböcke. Die Kommunisten in Osteuropa und in der Sowjetunion hingegen taten genau dies. Denn es war sicher kein Zufall, dass Stalin nach 1945 in der CSR, in Ungarn, Polen und Rumänien jüdische Funktionäre bevorzugte, die dann als Sündenböcke verwendet wurden, um abzulenken von der gesellschaftlichen Wirklichkeit.

51lfxabivql-_sx304_bo1204203200_Die Kommunisten der USA und in den kapitalistischen Ländern benutzten den Fall Rosenberg, um vom antisemitischen Charakter der Prozesse in Osteuropa und der sowjetischen Innenpolitik abzulenken, tatsächlich mit Erfolg. Denn während wegen der Unterdrückung der ungarischen Revolution 1956 und der sowjetischen Intervention in der CSSR 1968 viele Genossen ihre Partei verließen, war das am Höhepunkt der realsozialistischen antisemitischen Kampagnen nicht der Fall.

Sina Arnold / Olaf Kistenmacher: Der Fall Ethel und Julius Rosenberg. Antikommunismus, Antisemitismus und Sexismus in den USA zu Beginn des Kalten Krieges, Edition Assemblage 2016, 96 S., 12.80 EUR [D], Bestellen?

Foto oben: Julius und Ethel Rosenberg nach ihrer Verurteilung, 1951, (C) Library of Congress Prints and Photographs Division. New York World-Telegram and the Sun Newspaper Photograph Collection.

Die üblichen Verdächtigen