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Die neuen Fernsehtipps

Vom 01. bis 15. Oktober 2016…

Sa, 1. Okt · 23:50-02:25 · RBB Berlin
Die Blechtrommel

An seinem dritten Geburtstag verweigert der 1924 in Danzig geborene Oskar Matzerath weiteres Wachstum und Teilnahme an der Welt der Erwachsenen. Auf seiner Blechtrommel artikuliert das ewige Kind seinen Protest gegen Nazis und Mitläufer, und erst nach Kriegsende fasst er den Beschluss, wieder zu wachsen, um mitzubestimmen.

Mo, 3. Okt · 18:30-20:00 · Das Erste (ARD)
Die lange Welle hinterm Kiel

Auf einer luxuriösen Kreuzfahrt kommt es im Indischen Ozean zur schicksalhaften Begegnung zweier Menschen, die sich seit Jahrzehnten nicht gesehen haben. Professor Martin Burian ist ein renommierter Arzt, der Ende des Zweiten Weltkriegs als tschechischer Regierungsbevollmächtigter unter den verhassten Sudetendeutschen ein Blutbad anrichtete. Dabei kam auch Margarete Kämmerers damaliger Ehemann ums Leben. Als Margarete erfährt, dass der Mörder ihres Gatten an Bord ist, will sie diesen endlich zur Rechenschaft ziehen. Doch kennt sie die ganze Wahrheit? Auge um Auge: Mario Adorf und Christiane Hörbiger spielen zwei erbitterte Todfeinde, die sich ihren Lebenslügen stellen. Veronica Ferres und Christoph Letkowski komplettieren die hervorragende Besetzung dieser packenden Adaption des gleichnamigen Romans von Pavel Kohout. Die exzentrische Millionärin Margarete Kämmerer (Christiane Hörbiger) geht 1990 in Jakarta an Bord eines luxuriösen Kreuzfahrtschiffes. Es ist die letzte Reise der unheilbar Kranken, sie hat Krebs im Endstadium. Ihr junger Neffe Sigi (Christoph Letkowski) soll nach ihrem Tod die Asche seiner Tante ins Meer streuen – in die lange Welle hinter dem Kiel. Eines Abends weckt in ihr die Stimme eines älteren Herrn am Nachbartisch schmerzhafte Erinnerungen. Die Nachforschungen ihres Neffen bestätigen, dass mit Martin Burian (Mario Adorf) tatsächlich jener Tscheche an Bord ist, der 1945 im Sudetenland viele Deutsche liquidieren ließ – darunter Margaretes erster Mann Sepp Pichler (Michael Steinocher). Um ihren Seelenfrieden zu finden, muss Margarete dessen Mörder richten. Doch Sigi will das Unglück abwenden und weiht Burians Schwiegertochter Sylva (Veronica Ferres) in die Rachepläne seiner Tante ein. Sylva, die von ihrem Mann verlassen wurde und seither Selbstmordgedanken hegt, stellt ihren Schwiegervater zur Rede. Dabei erfährt sie eine ganz andere Version der damaligen Ereignisse: Pichler war ein strammer Nazi, der Burians Bruder auf dem Gewissen hatte. Bei dem Versuch, zwischen den Todfeinden zu vermitteln, kommen Sigi und Sylva einander näher und verbringen die Nacht miteinander. Am nächsten Morgen sind Margarete und Martin spurlos verschwunden. Schuld und Sühne, Liebe und späte Vergebung: Das sind die Themen dieses ungewöhnlichen Melodrams nach dem gleichnamigen Roman des tschechisch-österreichischen Schriftstellers Pavel Kohout. Die „Traumschiff“-Kulisse täuscht eine Idylle vor: Christiane Hörbiger und Mario Adorf spielen zwei erbitterte Todfeinde, die sich im Zuge der Auflösung der politischen Machtblöcke im Jahr 1990 ihrer quälenden Vergangenheit stellen. Die Rolle der Schwiegertochter ist glänzend besetzt mit Veronica Ferres. Christoph Letkowski, der mit dem Überraschungserfolg „Parkour“ bekannt wurde, spielt eine weitere Hauptrolle. Nikolaus Leytner, mehrfach ausgezeichnet für „Ein halbes Leben“, inszenierte nach dem Buch von Klaus Richter. Gedreht wurde in Wien und Umgebung sowie in Sri Lanka.

Mo, 3. Okt · 20:15-21:59 · arte
Schtonk!

Der pfiffige Kunsthändler Fritz Knobel macht seit seiner Kindheit blühende Geschäfte mit der Leicht- und Gutgläubigkeit seiner Mitmenschen. Als kleiner Junge dreht er seiner Kundschaft selbst fabrizierte „Führer“-Andenken an, später verlagert er seinen Schaffensbereich als Maler und Kunstfälscher „Professor Dr. Knobel“ an die Staffelei. Seinen größten Coup landet er allerdings, als er dem sensationslüsternen Klatschreporter Willié die „Hitler-Tagebücher“ unterjubelt. Beide wittern das Geschäft ihres Lebens, bis sie eine altbekannte Weisheit eines Besseren belehrt: Lügen haben nämlich kurze Beine … Schon als Knabe im zerbombten Berlin entdeckt Fritz Knobel, wie man gute Geschäfte mit Leicht- und Gutgläubigen machen kann: Er dreht seiner Kundschaft echte „Führer“-Memorabilien an, die in Wirklichkeit von ihm selbst fabriziert sind. Als Erwachsener gibt sich Fritz schließlich als Kunst- und Antiquitätenhändler „Professor Dr. Knobel“ aus und arbeitet an Fälschungen aller Art, ohne allerdings daraus Kapital schlagen zu können. Als Knobel auf einem „Kameradschaftsabend“ Hermann Willié begegnet, einem von Geldnöten geplagten Reporter der Illustrierten „HH-Press“, nimmt das Verhängnis seinen Lauf – hat Knobel doch gerade ein geheimes „Tagebuch des Führers“ produziert. Willié wittert eine Weltsensation und öffnet bei seinem Verlag die Geldhähne, während Knobel Schwerstarbeit leistet und sein Opus magnum schafft. Als die „Hitler-Tagebücher“ einer erstaunten Öffentlichkeit präsentiert werden, sieht sich Willié auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Allerdings nicht lange … Eine gelungene Satire, die auf einem der größten Presse-Skandale der Nachkriegszeit basiert: der Veröffentlichung der gefälschten „Hitler-Tagebücher“ 1983 durch den „Stern“. Als die Fälschung erkannt wurde, mussten die Verantwortlichen ihren Hut nehmen, der „Stern“ einen massiven Auflageneinbruch verkraften und Fälscher Konrad Kujau eine Haftstrafe antreten.

Mo, 3. Okt · 23:55-01:30 · HR
Boxhagener Platz

1968, in Ostberlin: Ein ungeklärter Nachbarschafts-Mord bringt die verlässliche Ruhe auf dem Ostberliner Boxhagener Platz in Aufruhr. Oma Ottis Verehrer und Altnazi Fisch-Winkler ist tot. Ottis Enkel, der zwölfjährige schüchterne Holger, nutzt die Chance, um als Hobbydetektiv auf Mördersuche bei den Bolzfreunden sein schlechtes Image als Sohn des linientreuen „Abschnittsbevollmächtigten“ aufzupolieren. Er erhofft sich – sollte er den Fall lösen – endlich den langersehnten ersten Kuss von seinem heimlich verehrten Mädchen. Karl Wegner, der neue Liebhaber von Holgers umschwärmter Oma Otti, entpuppt sich für Holger als Quell der Erkenntnis in Sachen Liebes- und Lebensfragen. Vor allem jedoch kennt der 80-jährige Ex-Spartakus-Kämpfer Karl eine Menge spannender politischer Geheimnisse. Natürlich macht sich der naive Holger vor seinen Kumpels damit wichtig, was die Polizei auf den Plan ruft: Karl wird festgenommen. Als er in U-Haft an Herzversagen stirbt, schwört Holger sich tiefgetroffen, nie wieder andere für den eigenen Vorteil in Gefahr zu bringen. Denn in dem menschenverachtenden System, in dem er lebt, kann solch ein Spiel fatale Folgen haben. Er entschließt sich, wenn er erwachsen ist, in Karls Fußstapfen zu treten und irgendwann wenigstens eine „tiefrevolutionäre Rede zu halten, die den Mächtigen da oben Angst und Bange macht“, auf die sein Opa in spe stolz gewesen wäre. Der Film ist eine Liebeserklä-rung an die Stadt Berlin und an den kleinen Kosmos Boxhagener Platz mit seinen liebenswerten Bewohnern – sowie eine Hommage an fantastische Schauspielgrößen aus Ost und West.

Di, 4. Okt · 20:15-21:45 · 3sat
Der blinde Fleck – Das Oktoberfestattentat

Herbst 1980: Reporter Ulrich Chaussy stellt Nachforschungen zu dem blutigen Terroranschlag auf das Oktoberfest vom 26. September 1980 an. Dabei stößt er auf Ungereimtheiten. Bald beginnt Chaussy, Zweifel an den offiziellen Ermittlungsergebnissen und der von dem Leiter des bayerischen Staatsschutzes Dr. Hans Langemann vertretenen Einzeltäterversion zu hegen. Der 21-jährige Geologie-Student Gundolf Köhler, Mitglied der neonazistischen „Wehrsportgruppe Hoffmann“, der selbst Opfer des Attentats wird, soll allein und politisch unmotiviert gehandelt haben. Die Suche nach der Wahrheit wird zu Chaussys Lebensaufgabe. Das Oktoberfestattentat ist der bisher schwerste Anschlag in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: 13 Menschen wurden getötet und mehr als 200 zum Teil schwer verletzt.

Di, 4. Okt · 23:10-00:05 · 3sat
Anklage Massenmord – 70 Jahre Nürnberger Prozesse

Srebrenica, Ruanda, Syrien – immer wieder Kriegsverbrechen, Massenmord, sogar Völkermord. Die Überlebenden fordern Gerechtigkeit, die Täter werden nur selten verurteilt. Vor 70 Jahren geschah es zum ersten Mal, im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher des Zweiten Weltkriegs. Unter ihnen zwei Österreicher, Arthur Seyß-Inquart und Ernst Kaltenbrunner. Auch der wichtigste Zeuge der Anklage war ein Österreicher. Generalmajor der Wehrmacht Erwin Lahousen. Einer der letzten noch lebenden Zeitzeugen des Nürnberger Prozesses ist Siegfried Ramler, Kind aus einer Wiener jüdischen Familie, 1938 Flüchtling in einem Kindertransport nach London, nach Kriegsende Dolmetscher beim Nürnberger Prozess. Zum ersten Mal erzählt er im ORF über seine Erinnerungen an ein Tribunal, das Justizgeschichte geschrieben hat und juristische Normen für künftige Kriegsverbrecherprozesse setzte. Ohne Nürnberg keine Erklärung der Menschenrechte, keine Gründung der UNO, kein Srebrenica- oder Ruanda-Tribunal und kein ständiger internationaler Strafgerichtshof in Den Haag, der seit 2002 die Prinzipien des Nürnberger Prozesses fortführt.

Mi, 5. Okt · 00:40-02:30 · Das Erste (ARD)
Max Schmeling

In den 30er Jahren avanciert der junge Profiboxer Max Schmeling zum populärsten Sportler Deutschlands. Mit der Machtergreifung der Nazis rückt das Idol ungewollt in den Fokus der braunen Propaganda. Hitler und seine Schergen wollen den Modellathleten für ihre Zwecke einspannen. Die Nähe zur Macht bietet ihm Schutz, doch Schmeling ist kein Mitläufer. Hinter den Kulissen hilft er verfolgten Juden zur Flucht und versteckt seine tschechische Frau auf einem entlegenen Landgut. Als er unerwartet gegen den Afroamerikaner Joe Louis verliert, der gemäß der nationalsozialistischen Rassenideologie als „Untermensch“ gilt, fällt Schmeling in Ungnade. Regisseur Uwe Boll und sein Drehbuchautor Timo Berndt zeichnen den Werdegang des Ausnahmesportlers Max Schmeling bis in die 50er Jahre hinein nach. Der sympathische Gentleman-Boxer Henry Maske schlüpft in die Rolle seines großen Vorbilds. Susanne Wuest als Schmelings große Liebe Anny Ondra und Heino Ferch als dessen Trainer Max Machon runden das Ensemble ab. Kreta, 1943. Der verwundete Wehrmachtssoldat Max Schmeling (Henry Maske) soll einen englischen Kriegsgefangenen überführen. Dieser erweist sich als Liebhaber des Boxsportes, worauf Schmeling ihm die wechselhafte Geschichte seiner sportlichen Karriere erzählt: Im Juni 1930 wird der Profiboxer erstmals Weltmeister, doch zu Hause empfängt man ihn als gefühlten Verlierer, da sein Gegner Jack Sharkey (Enad Licina) wegen Tiefschlags disqualifiziert wurde. Erst mit der Verteidigung des Titels gegen Young Stribling (Alexander Frenkel) avanciert „der schwarze Ulan von Rhein“ zum Idol. Selbst die Niederlage im Rückkampf gegen Sharkey, dem die Ringrichter in einem Skandalurteil den Titel zusprechen, schmälert seine Popularität nicht. Deshalb will Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten (Arved Birnbaum) den Modellathleten für die Nazi-Propaganda einspannen. Man drängt ihn, seine tschechische Frau Anny Ondra (Susanne Wuest) und den jüdischen Promoter Joe Jacobs (Vladimir Weigl) zu verlassen. Gegen den bislang ungeschlagenen „braunen Bomber“ Joe Louis (Yoan Pablo Hernández) geling dem deutschen Boxer indessen die große Sensation: Für Schmeling ist es ein rein sportlicher Triumph – doch die Nazis verklären seinen Sieg zur Überlegenheit der „arischen Rasse“. Entsprechend fällt Schmeling durch die unerwartete Niederlage im Rückkampf in Ungnade. Man versetzt ihn an die Front und hofft, dass er fällt – doch Schmeling lässt sich nicht unterkriegen. Mit Hilfe seines langjährigen Trainers Max Machon (Heino Ferch) gelingt ihm 1948 sogar das Comeback. Den sportlichen Zenit hat der über 40-Jährige aber längst überschritten. Max Schmeling zählte zu den ersten Superstars des Sports. Bis ins hohe Alter verehrte man ihn als tadellosen Athleten im Ring, seine von ihm eingestandenen Fehler auf dem politischen Parkett verzieh man ihn. Im Alter von 99 Jahren starb er 2005, seine Popularität ist bis heute ungebrochen. Mit diesem Biopic setzt ihm der frühere Hobbyboxer Uwe Boll ein filmisches Denkmal. Der große Coup ist die Besetzung mit sportlicher Prominenz. In der Titelrolle debütiert der frühere Halbschwergewichts-Weltmeister „Sir“ Henry Maske, der seinem Vorbild täuschend ähnlich sieht. Auch die Gegner sind keine zaghaften Sparringspartner: der frühere Junioren-Weltmeister Yoan Pablo Hernández, der aktive Champion Arthur Abraham, Cruisergewichts-Europameister Alexander Frenkel und der langjährige Profi Enad Licina geben den Kampfszenen authentische Durchschlagskraft. Auf Zeitlupen und Hollywoodpathos kann der Film also getrost verzichten, man sieht Boxen pur.

Mi, 5. Okt · 20:15-21:32 · arte
Ida

Polen, 1962: Die 18-jährige Anna steht vor dem wichtigsten Schritt ihres Lebens – die hübsche Novizin möchte das ewige Gelübde ablegen und ihr Leben nun voll und ganz Gott widmen. Im Waisenhaus von Nonnen aufgezogen, war der Glaube über viele Jahre hinweg Annas einziger Halt und Trost, so dass dieser Weg für sie vorherbestimmt scheint. Doch bevor Anna endgültig in den Konvent eintreten darf, verlangt ihr die Äbtissin eine letzte Prüfung ab. Anna soll ihre Tante Wanda und damit ihre einzige noch lebende Verwandte kennenlernen. Als Anna ihre Koffer packt, ahnt sie nicht, dass sie sich mit der Reise zu ihrer Tante zugleich auf eine Reise in die eigene Vergangenheit begibt – und die hält ein dunkles Geheimnis bereit. Denn eigentlich ist Anna gar nicht Anna, sondern Ida, die Tochter eines jüdischen Ehepaares, das dem Naziregime zum Opfer fiel. Gemeinsam mit ihrer Tante geht Anna auf Spurensuche. Und so wird die Reise zum Grab von Annas Eltern für beide zu einer Reise zum eigenen Selbst. Als Annas Tante Selbstmord begeht, muss sich Anna entscheiden – zwischen der Religion und ihrer neu gewonnenen Freiheit als Ida.
Bild oben: ARTE France / © Sylwester Kaz´mierczak Zusammen mit ihrer Tante Wanda (Agata Kulesza, li.) begibt sich Anna (Agata Trzebuchowska, re.) auf Spurensuche …

Mi, 5. Okt · 22:00-22:45 · BR
Unter dem Hammer der Nazis

Im März 2013 werden im Keller des Münchner Auktionshauses Neumeister 44 Versteigerungskataloge von 1936 bis 1944 gefunden. Darin enthalten sind handschriftliche Anmerkungen des Auktionators Adolf Weinmüller zu über 33.000 versteigerten Objekten. Katrin Stoll, die Inhaberin des Auktionshauses Neumeister, ahnt: „Wir haben eine Leiche im Keller gefunden.“ Sie trifft eine mutige Entscheidung und lässt die Geschichte des eigenen Unternehmens aufarbeiten, um herauszufinden, wie tief Adolf Weinmüller in den Kunstraub der Nazis verstrickt war. Eine spannende Spurensuche beginnt. Der größte und brutalste Kunsträuber der Geschichte ist Adolf Hitler, kein Kunstwerk ist vor dem Zugriff des Diktators sicher. Jüdische Kunsthändler müssen Deutschland fluchtartig verlassen – einer davon ist Siegfried Lämmle. Heute leben seine Nachkommen in den USA. Die Hoffnung, etwas von der gestohlenen Kunst wiederzubekommen, haben sie vor vielen Jahren aufgegeben. Einer der letzten sogenannten Monuments Men ist Harry Ettlinger. Die alliierte Sondereinheit ist einzigartig in der Geschichte. Ihr Auftrag: Sie sollen die Raubkunst der Nazis aufspüren und ihren rechtmäßigen Besitzern übergeben. 70 Jahre später erfahren die Nachkommen der jüdischen Opfer, auch die Enkelin Siegfried Lämmles, erstmals von dem gesamten Umfang des Raubes. Mithilfe der Weinmüller-Akten gibt es nun wieder die Hoffnung, von dem Gestohlenen etwas zurückzubekommen.

Do, 6. Okt · 09:20-10:47 · arte
„Spiele zur Feier der XI. Olympiade“

Sommer 1936. Bei den Olympischen Sommerspielen in Berlin präsentierte sich Deutschland vor den Augen der Welt als wiedererstarktes, sportbegeistertes und friedfertiges Land. Zwei Wochen lang schien die Zeit stillzustehen, vergessen waren Drohungen und Angst. Adolf Hitler gab vor jenen Ländern den freundlich gesinnten Gastgeber, gegen die er insgeheim bereits den totalen Krieg plante. Wer sich die Aufnahmen anschaut, die vor 80 Jahren bei den Olympischen Spielen in Berlin gedreht wurden, könnte fast vergessen, dass sie 1936 unter dem Naziregime entstanden. Deutschland präsentierte sich vor den Augen der Welt als wiedererstarktes, sportbegeistertes und friedfertiges Land. Zwei Wochen lang schien die Zeit still zu stehen. Der triumphale Auftritt des schwarzen US-Athleten Jesse Owens, der in Berlin vier Goldmedaillen gewann (100 Meter, 200 Meter, 4×100 Meter und Weitsprung), symbolisiert bis heute die Größe des Sports und des olympischen Ideals – als wäre Jesse Owens unser aller Champion, als habe er im Stadion ganz allein das Ungeheuer des Nationalsozialismus besiegt. Owens‘ großartige Leistung ist und bleibt unbestritten. Doch die schöne Geschichte, an die wir so gerne glauben würden, ist eine Verdrehung der Wirklichkeit, eine Fiktion, in der der Sport lediglich eine Alibifunktion hatte. Die Spiele waren an Berlin vergeben worden, bevor Hitler an die Macht kam. Doch dieser erkannte sofort, welch fabelhaftes Instrument das sportliche Großereignis war – sowohl zur Kontrolle der eigenen Bevölkerung als auch beim Werben um internationale Anerkennung, als Schaufenster für die Welt. Mit offiziellem Bildmaterial, Ausschnitten aus Leni Riefenstahls „Olympia“ und bislang unveröffentlichten Amateuraufnahmen erzählt der Film von Jérôme Prieur erstmals im Detail, wie die Nazis ab 1933 ihre gigantische Propagandaoffensive rund um die Olympischen Spiele starteten. Er zeigt die Vorbereitung und Inszenierung einer Veranstaltung, bei der es weit mehr um Politik ging als um Sport. Die Olympischen Sommerspiele 1936: trügerische Spiele, verführerische Spiele, Machtspiele. Oder wie der Sport Adolf Hitler dazu diente, vor jenen Ländern als freundlich gesinnter Gastgeber aufzutreten, gegen die er insgeheim bereits den totalen Krieg plante.

Do, 6. Okt · 23:05-23:35 · MDR
Turnvater Jahn – Der Napoleonhasser

Das abenteuerliche Schicksal des schon zu seinen Lebzeiten umstrittenen Friedrich Ludwig Jahn spiegelt die Konflikte in einer Zeit großer politischer Umbrüche. „Lebensläufe“ beleuchtet die widersprüchliche Persönlichkeit und den Lebensweg des Tausendsassas Friedrich Ludwig Jahn: vom erfolglosen Schüler und Studenten, aktiven Burschenschaftler und Geheimbündler, „Turnvater“ und mutigem Kämpfer gegen Napoleon, Häftling und Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung bis zu seinem Tod in Freyburg an der Unstrut. Als „Turnvater Jahn“ ist er eine Legende, im Mai 2013 wurde Friedrich Ludwig Jahn in die „Hall of Fame des deutschen Sports“ aufgenommen. Doch was den „Urahn aller Sportlehrer“ antrieb, war nicht die körperliche Ertüchtigung zur Förderung der Volksgesundheit. Turnen war für Jahn Teil der patriotischen Erziehung zur Vorbereitung auf den Krieg gegen die napoleonische Fremdherrschaft. „Echt deutsche Männer“ wollte Jahn ausbilden. Dafür gründete er schon 1810 seinen ersten Turnverein. Sein Hass auf Napoleon, auf alles „Welsche“ und Jüdische, war so radikal nationalistisch, dass die Nazis ihn und seine Ideen später problemlos für ihre Propagandazwecke vereinnahmen und nutzen konnten. Als 1813 vor den Toren Leipzigs die Völkerschlacht tobt, ist Friedrich Ludwig Jahn mit seinen Anhängern unter den Reitern in schwarzer Uniform, als Bataillonskommandeur im Lützower Freikorps, das er mitaufgebaut hatte. „Sie haben sich in der schlimmsten Zeit um das Vaterland ein bleibendes Verdienst erworben“, würdigt ihn der preußische Staatskanzler Freiherr von Hardenberg nach dem Sieg über Napoleon. 500 Taler Ehrensold als Leibrente bekommt Jahn sofort, die ihm nach neunjähriger Verlobungszeit endlich die Heirat mit Henriette Kollhof ermöglicht. Das versprochene Eiserne Kreuz bekommt er allerdings erst 26 Jahre später, nach sechs Jahren Festungshaft wegen „demagogischer Umtriebe“ und Rehabilitierung durch den preußischen König. Das abenteuerliche Schicksal des schon zu seinen Lebzeiten umstrittenen Friedrich Ludwig Jahn spiegelt die Konflikte in einer Zeit großer politischer Umbrüche. „Lebensläufe“ beleuchtet die widersprüchliche Persönlichkeit und den Lebensweg des Tausendsassas Friedrich Ludwig Jahn: vom erfolglosen Schüler und Studenten, aktiven Burschenschaftler und Geheimbündler, „Turnvater“ und mutigem Kämpfer gegen Napoleon, Häftling und Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung bis zu seinem Tod in Freyburg an der Unstrut.

Do, 6. Okt · 23:30-00:50 · RBB
Anderswo

Noa ist Anfang 30. Sie lebt seit acht Jahren in Berlin, beendet gerade ihr Studium und steckt plötzlich mitten in einer Krise. Wo gehört sie hin? Zu Jörg, ihrem deutschen Freund, bei dem sie gerade eingezogen ist, oder nach Israel zu ihrer Familie und ihren alten Freunden? Sie erkennt sich selbst nicht wieder. Als dann auch noch die Professorin ihre hochambitionierte Masterarbeit, ein Wörterbuch für unübersetzbare Wörter, für unzureichend erklärt, und Jörg mit seinem Orchester auf Konzertreise geht, nimmt sich Noa eine Auszeit. Spontan fliegt sie nach Israel. Ein paar Tage Heimaturlaub. Sonne, Familie, Essen, Muttersprache. Doch was als Kurztrip gedacht war, dehnt sich aus. Ihre geliebte Oma liegt im Sterben und alte Familienkonflikte kochen wieder hoch. Als völlig überraschend auch noch Jörg nach Israel kommt, um seine Liebe zurückzuholen, ist das emotionale Chaos perfekt. Jörg lernt nicht nur zum ersten Mal Noas Familie, sondern auch ganz neue Seiten an seiner Freundin kennen.

So, 9. Okt · 08:15-08:42 · arte
Göttlich! Judentum

Worin unterscheiden sich Hebräer, Juden und Israelis? Kann man die Religion wechseln? In der Doku-Reihe „Göttlich!“ antworten gläubige und konfessionslose Experten auf die Fragen von Kindern zwischen 10 und 15 Jahren und zeigen Schnittstellen zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen auf: Geschichte, Geografie, Feiertage und Rituale. In der heutigen Folge geht es um das Judentum. Es wird erklärt, warum jüdische Frauen keine Kippa tragen und was das jüdische Pessachfest vom christlichen Ostern unterscheidet. Rede und Antwort stehen der Rabbi Moché Lewin, der Schriftsteller Jean-Claude Carrière, die Religionshistorikerin Ysé Tardan-Masquelier und die Anthropologin Nadine Weibel.

So, 9. Okt · 18:45-19:15 · SWR
Bekannt im Land: Edith Stein – Jüdin, Ordensfrau, Heilige

Seit 1998 ist sie offiziell eine katholische Heilige. Geboren und ermordet wurde sie aber als Jüdin: Edith Stein. 1891 in Breslau als elftes Kind einer tief gläubigen jüdischen Familie geboren, macht sie in jungen Jahren als Philosophin Karriere. Sie promoviert bei dem renommierten Denker Edmund Husserl und arbeitet als seine Hochschulassistentin. Als Frau wird sie aber in der Philosophie nicht zur Habilitation zugelassen. 1922 konvertiert sie zum katholischen Glauben und wird im pfälzischen Bad Bergzabern getauft. Danach arbeitet sie als Lehrerin bei den Dominikanerinnen in Speyer. 1933 tritt Edith Stein in den Orden der Karmelitinnen ein. 1942 wird sie zusammen mit ihrer ebenfalls konvertierten Schwester Rosa nach Auschwitz deportiert und ermordet. Das letzte Lebenszeichen war ein bewegender Brief, den sie noch aus dem Todeszug herausgeschmuggelt hat und der auf dem Bahnhof Schifferstadt gefunden wurde. Edith Stein: ein Opfer des antisemitischen Rassenwahns und eine katholische Heilige? Der Film stellt das Leben und Wirken der Philosophin und Denkerin vor.

So, 9. Okt · 20:15-21:51 · arte
Hotel Lux

Berlin 1938: Der Komiker und Stalin-Parodist Hans Zeisig muss mit falschen Papieren aus Nazi-Deutschland fliehen. Ein außerplanmäßiger Witz über Hitler kostete den Komödianten nicht nur die Theaterkarriere, sondern brachte ihn geradewegs auf die gefürchtete Schwarze Liste. Hollywood knapp verfehlt, verschlägt es Zeisig mit gefälschten Papieren nach Moskau, wo er im berüchtigten Hotel Lux absteigt. Der Zufluchtsort kommunistischer Funktionäre ist jedoch alles andere als ein Traumhotel. Im Lux lebt man gefährlich: Willkürliche Verhaftungen und Denunziationen sind an der Tagesordnung. Weil der sowjetische Geheimdienst Zeisig jedoch mit dem abtrünnigen Leibastrologen Adolf Hitlers verwechselt, wird er nicht gleich exekutiert. Mit dieser Tarnung gerät der unpolitische Entertainer zwischen die Fronten blutiger Intrigen in Josef Stalins Machtapparat. Als zu aller Überraschung plötzlich der echte Leibastrologe auftaucht, muss der Geheimdienst schnell eine Entscheidung treffen …

Mo, 10. Okt · 01:05-01:57 · arte
Mondscheinsonate – Die Volkspianistin Elly Ney

Elly Ney (1882-1968) ist ein Mythos, eine Legende. Die einen verehrten sie als Hohepriesterin Beethovens. Für die anderen war sie Hitlers Pianistin. Sie selbst verstand sich als Volkspianistin. Wie Leni Riefenstahl oder Winifred Wagner ließ sie sich von der Nazi-Ideologie verführen und wurde eine willige Helferin und Profiteurin des Hitler-Regimes. Ihr Publikum bejubelte sie als größte Beethoven-Interpretin ihrer Zeit, doch bis heute gilt Elly Ney als die umstrittenste Pianistin des 20. Jahrhunderts. Um 1900 verkörperten Beethoven und seine Musik das Bild eines männlichen, kraftvollen Titanen, und seine Klavierwerke galten für Frauen als unspielbar. Elly Ney (1882-1968) war eine der wenigen Ausnahmen. Wie keine Interpretin zuvor identifizierte sie sich mit dem Leben und der Musik Beethovens. Sogar ihr Äußeres gestaltete sie à la Beethoven – mit verinnerlicht grimmigem Blick und ungezähmter, wilder Frisur. Nach ihrem Debüt in der New Yorker Carnegie Hall und einer glanzvollen Karriere in den USA wurde sie im Dritten Reich zur Beethoven-Ikone, die ihre Konzerte wie Andachten zelebrierte, in denen sie das Heiligenstädter Testament rezitierte. „Die Ney“ war die einzige deutsche Pianistin, der es zu ihrer Zeit gelang, sich neben ihren männlichen Kollegen Artur Schnabel, Wilhelm Backhaus und Wilhelm Kempff als Beethoven-Interpretin solistisch und vor dem Orchester einen Namen zu machen. Ihre Aufnahmen des Klavierwerks von Beethoven sind legendär. In seiner biografischen Dokumentation zeichnet Axel Fuhrmann einerseits die außergewöhnliche pianistische Karriere Elly Neys nach. Andererseits sucht er mit Zeitzeugen und Historikern nach Erklärungen dafür, warum sie eine Nationalsozialistin und Helferin des Hitler-Regimes wurde, die bis zu ihrem Tod 1968 ihre Schuld nicht eingestand. Der Film erzählt, wie die NS-Propaganda Beethoven für ideologische Zwecke nutzte und welche Rolle Elly Ney bei der Verbreitung seiner Musik spielte. An Originalschauplätzen und mit Foto-, Film- und Briefdokumenten aus privaten und öffentlichen Archiven geht Axel Fuhrmann auf eine spannende Spurensuche im Leben und Wirken Elly Neys.

Di, 11. Okt · 16:45-17:00 · Das Erste (ARD)
Bilder gegen Vorurteile

Sharon Back, 1974 in Tel Aviv geboren, wuchs zunächst in Israel auf. Als sie zwölf war, zogen die Eltern mit ihr nach Berlin. In der Schule in Steglitz, erzählt sie, erlebte sie viel Antisemitismus, in den Pausen weinte sie oft. Mit 18 ging sie nach New York, machte eine Fotografenausbildung und zog wieder nach Tel Aviv. Hier entwickelte sich ihr Schwerpunkt der Porträtfotografie. Sharon Back liebt Israel, die Wärme und die Mentalität. Und doch ging sie vor sechs Jahren zurück nach Berlin, zu ihren alten Eltern. Und nimmt anti-israelische und antisemitische Sprüche in Kauf: Sie komme „aus dem Land der Kriegstreiber“ oder sie könne “ als Jüdin bestimmt gut verkaufen“. Israelisch-deutsche Communities schätzen, dass ca. 20.000 Israelis in Berlin leben, darunter viele Künstler. Die einen lockt der Lebensstil der Stadt, andere setzen sich mit ihren Wurzeln auseinander oder versuchen einen Brückenschlag zwischen den Kulturen. 2015, als 50 Jahre deutsch-israelische Freundschaft gefeiert wurden, begann Sharon Back mit der Arbeit an einem Buch, damit man der Freundschaft nicht nur ein Jahr lang gedenke. Der Film begleitet die Fotografin bei dieser Arbeit und fragt nach dem Leben einer israelischen Jüdin im „Land der Täter“. Ein Film zum Versöhnungstag Jom Kippur.

Mi, 12. Okt · 12:15-12:30 · 3sat
Nachtigall mit viel Seele

Fans schwärmen von Avitall Gerstetter als „die Nachtigall“. Die zierliche Frau mit den roten Haaren ist die erste und einzige Kantorin in der Berliner Synagoge. Sie unterrichtet jüdische Religion und Musik, gestaltet die Liturgie der Gottesdienste, gibt vielbeachtete Konzerte in christlichen Kirchen und Konzerthäusern und ist privat unverheiratete Mutter zweier Söhne. Ihren Beruf in einer jahrtausendealten Männerdomäne und ihren Glauben zwischen Tradition und Moderne praktiziert Avitall Gerstetter verblüffend unkämpferisch, aber konsequent. Ob Gala-Dinner mit TV-Starkoch Kolja Kleeberg oder schlichter Alltag in der Grundschule ihrer Kinder – der Film beobachtet, was diese Frau im Innersten antreibt und zeichnet das Porträt einer bemerkenswerten Künstlerin jüdischen Glaubens.

Mi, 12. Okt · 23:15-00:12 · arte
Martin Buber, Religionsphilosoph und Humanist

Martin Buber, der 1878 in Wien geboren wurde, gehört neben Sigmund Freud und Albert Einstein zu den bekanntesten jüdischen Denkern und Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. Als einer der führenden Köpfe des zeitgenössischen Judentums im deutschsprachigen Raum stand der Philosoph Zeit seines Lebens für einen humanistischen Zionismus und ein weltoffenes Judentum. Aus seinem bedeutendsten Werk „Ich und Du“ zitierte Martin Luther King ebenso wie Leonard Cohen. Hinsichtlich des jüdisch-arabischen Gegensatzes war Buber der erste Verfechter einer Zwei-Staaten-Lösung – er schrieb viel über die Anerkennung der Völker im Nahen Osten, warnte aber auch vor den Risiken und Gefahren im Falle deren Missachtens. In der chaotischen, gewalttätigen Welt von heute sind Martin Bubers Worte wertvoller denn je. „Humanismus“ – ein scheinbar antiquierter Begriff in einer Zeit, in der Fremdenhass die Nachrichten beherrscht. Am 23. Juni 2015 ehrte Joachim Gauck den großen Denker anlässlich seines 50. Todestages – neben dem deutschen Bundespräsidenten hatten sich dafür erstmals die größten Humanismus-Experten aus Deutschland, Frankreich, Israel, Großbritannien, den USA und Italien zusammengefunden. Im Herbst 2015 erschien eine der wohl bedeutendsten Biografien des humanistischen Philosophen, verfasst von Dominique Bourel, Wissenschaftler am CNRS und emeritierter Buber-Experte. Obwohl Martin Buber in Deutschland und den meisten anderen Ländern äußerst bekannt ist, kennen ihn in Frankreich nur wenige. Neben der Vielzahl an Literatur gibt die Dokumentation nun erstmals auch einen visuellen Einblick in Bubers Werdegang und dessen Schriften.

Mi, 12. Okt · 23:30-01:15 · BR
Hannah Arendt

Die jüdische Philosophin Hannah Arendt verfolgt 1961 den Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem. Im Gerichtssaal trifft sie auf einen unscheinbaren Mann, der, wie er nicht müde wird zu betonen, „nur“ Befehle ausführte. In einer Artikelserie charakterisiert sie ihn, einen der Hauptverantwortlichen für die Shoa in Europa, als mediokren Schreibtischtäter und löst damit ungeahnte Proteststürme aus. Hannah Arendts Denken veränderte die Welt. Ihre gesellschaftspolitischen Schriften über totalitäre Systeme und Demokratie prägen bis heute unsere Sichtweise auf das 20. Jahrhundert und sind aus unserem Verständnis für politische Zusammenhänge – auch der aktuellen – nicht mehr wegzudenken. Als Hannah Arendt 1961 in Jerusalem den Gerichtssaal betritt, um für den renommierten The New Yorker über den Prozess gegen den Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann zu berichten, erwartet sie, auf ein Monster zu treffen. Stattdessen erlebt sie einen Niemand. Die geistlose Mittelmäßigkeit Eichmanns passt nicht zum abgrundtief Bösen seiner Taten. Dieser Widerspruch beschäftigt Hannah Arendt sehr. Zurück in New York liest sie Hunderte Prozessakten, recherchiert, diskutiert mit ihrem Mann Heinrich Blücher und ihren Freunden. Ab Februar 1963 erscheint unter dem Titel „Eichmann in Jerusalem“ ihre Artikelserie im The New Yorker. Mit ihrer These von der „Banalität des Bösen“ schockiert Arendt die Welt. Die Reaktionen sind verheerend und niederschmetternd. Hannah Arendt wird geächtet, angefeindet, verliert enge Freunde. Das Unverständnis einiger ihrer Freunde trifft sie hart, weniger die Hetzkampagnen, die zahlreiche Medien entfachen. Dennoch bleibt sie konsequent bei ihrer Haltung, sie kämpft und scheut keine Auseinandersetzung, wenn es um für sie so wichtige Themen wie Totalitarismus und Macht geht. Denn sie will verstehen. Auch wenn das bedeutet, „dahin zu denken, wo es wehtut“.

Do, 13. Okt · 23:30-01:00 · RBB Berlin
Kaddisch für einen Freund

Der 14-jährige Ali, neu in Berlin und auf der Suche nach Anerkennung, bricht mit anderen Jugendlichen in die Wohnung seines alten jüdischen Nachbarn Alexander ein und wird dabei erwischt. Damit seine Familie nicht aus Deutschland abgeschoben wird, will Ali Alexander bewegen, die Anzeige zurückzunehmen. Aufgewachsen in einem palästinensischen Flüchtlingslager, hat der vierzehnjährige Ali Messalam von klein auf gelernt, „die Juden“ zu hassen. Nach der gemeinsamen Flucht mit seiner Familie aus dem Libanon gelangt er schließlich nach Berlin-Kreuzberg. Hier sucht Ali Anschluss bei den arabischen Jugendlichen im Kiez. Doch dafür muss er erst beweisen, was er drauf hat. Er soll als Mutprobe in die Wohnung seines jüdisch-russischen Nachbarn Alexander einbrechen. Die Jugendlichen folgen Ali und verwüsten im Exzess die Wohnung des alten Mannes. Doch nur Ali wird von dem vorzeitig zurückkehrenden Alexander erkannt und bei der Polizei angezeigt. Um einer Verurteilung und der damit verbundenen Abschiebung zu entgehen, bleibt ihm nur eine einzige Chance: Ali muss sich dem verhassten Feind annähern und ihn um Unterstützung bitten. „Kaddisch für einen Freund“ von Leo Khasin erzählt authentisch und berührend die tragikomische Geschichte einer intensiven Freundschaft zwischen dem palästinensischen Flüchtlingsjungen Ali und dem russischen Juden und Weltkriegsveteranen Alexander im heutigen Berlin.

Fr, 14. Okt · 00:15-01:45 · SWR RP
Ende der Schonzeit

Ein abgelegener Bauernhof im Schwarzwald 1942. Emma und Fritz sind seit zehn Jahren verheiratet. Die wortkarge, aber gut eingespielte Ehe überschattet der bisher unerfüllte Wunsch nach einem Stammhalter für den Hof. Eines Abends entdeckt der raubeinige Fritz beim Wildern den Juden Albert im Unterholz und bietet ihm kurzerhand ein Nachtlager in der Scheune an. Gegen Emmas Willen schlägt Fritz dem Juden vor, ihm auf dem Hof Unterschlupf zu gewähren. Im Gegenzug soll Albert dem Bauernehepaar bei der harten Arbeit unter die Arme greifen. Fritz findet zunehmend Gefallen an dem Flüchtling, dem er, anders als Emma, vorurteilsfrei begegnet. Die sich langsam entwickelnde Männerfreundschaft wird auf eine harte Probe gestellt, als Fritz den jungen Mann um einen besonderen Gefallen bittet. Albert soll an seiner Stelle mit Emma ein Kind zeugen. Unter zunehmenden Druck stimmt Albert schließlich zu, Emma wird die Wahl gar nicht erst gelassen. Aus dem technischen Begattungsvorgang entwickeln sich ungeahnte Gefühle: Emma entdeckt zum ersten Mal in ihrem Leben die Leidenschaft, Fritz die Eifersucht und Albert die Willkür. Als sich die Schwangerschaft nicht sofort einstellt, wird das Arrangement zur Zerreißprobe für alle Beteiligten.