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Gegen Krise und Verrohung

Max Brym hat sein neues Buch veröffentlicht: „ Politisch Inkorrekt- 2015 die Fakten“. Der Titel des Buches könnte im ersten Moment den geneigten Leser etwas verwirren, denn es drängt sich fast der Gedanke auf, dass es sich um ein rechtes Buch handelt, aber das genaue Gegenteil ist der Fall. Der Verlag, der auf den Titel bestand, verstand unter politischer Inkorrektheit wohl die Gegnerschaft des Autors zum neoliberalen ideologischen Bias…

Rezension von Andi Lohse

Max Brym analysiert in seinem Werk die AFD beispielsweise als radikale Konsequenz neoliberaler Politik. Die Lehre vom freien Markt führe auf der ideologischen Ebene zu absolutem Konkurrenzdenken und bringe die Menschen gegeneinander auf. Die verallgemeinerte Konkurrenz als die ökonomische Basis der Gesellschaft bringe im Überbau gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus mit sich. Auf der Website von Jürgen Elsäsers Compact Magazin warnte ein Kommentator vor dem Buch: es handele sich um das Werk „eines geschickten linken Demagogen“.

Was erwartet uns also? Der Autor zeichnet klar und verständlich die Rechtsentwicklung in der bundesdeutschen Gesellschaft nach. Er erinnert an den Umgang mit Griechenland nach den Wahlen im Januar vergangenen Jahres, an das erpresserische „imperialen Gehabe der deutschen Regierungsmitglieder“ gegenüber der demokratisch gewählten griechischen Regierung.

In dem Buch findet sich viel ungehörtes zum NSU Prozess in München. Ganz genau wird  nachgezeichnet, was in dem Prozess vor sich ging: Zeugen aus dem nazistischen Milieu können sich nicht erinnern, Beamte des Verfassungsschutzes treten in wilder Kostümierung vor das Gericht und berufen sich immer dann, wenn es aufschlussreich werden könnte, auf zu wahrende  Staatsgeheimnisse, andere aussagewillige Zeugen sterben plötzlich unerwartet. Der Autor mahnt zur Skepsis gegenüber den bundesdeutschen Geheimdiensten.

Viel findet sich auch zur nationalen und internationalen ökonomischen Lage. Genauestens wird in dem Buch nachgezeichnet, wie Reichtum und Überfluss auf dem einem Pol der Gesellschaft zu Armut, Not und moralischer Degeneration am anderen Pol der Gesellschaft führen. Der Anstieg antisemitischer Auffassungen in Deutschland wird analysiert. Kritisiert werden die Auffassungen bundesdeutscher Gerichte über Antisemitismus und deren Auffassung, dass der Begriff Antisemitismus strafrechtlich nur dann angewendet wird, wenn sich die Beklagten weltanschaulich auf Hitler und die Shoah beziehen.

Auch zum Balkan hat Max Brym wieder einiges zu berichten. Als skandalös brandmarkt er die Haltung, Menschen vom „Westbalkan“ (Kosovo-Albanien-Montenegro) grundsätzlich abzuschieben. Entschieden nimmt Brym gegen die damit verbundene Ignoranz gegenüber der rassistischen Unterdrückung der Roma in diesem Gebiet Stellung. Der Autor stellt klar, dass sich die Bundesregierung um ihre historische Verantwortung gegenüber den Roma herumdrückt und nicht „wirtschaftlich verwertbare“ Menschen vom Balkan massiv abschiebt. Stellung genommen wird auch zur allgegenwärtigen Debatte eines „Flüchtlingsproblems“, die in dieser Form nur den radikaleren Vertretern des Rassismus politisch nützt. Dies werde durch die erschreckenden Wahlergebnisse im März dieses Jahres zu Gunsten der AFD bestätigt. Die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung im vergangenen Jahr wird von Brym in einem unüblichen Zusammenhang geschildert. Die „Willkommenskultur“ wird auf die Interessen der bundesdeutschen Industrie zurückgeführt, die neue und billige Arbeitskräfte benötigte. Dadurch werde der Konkurrenzdruck bei denjenigen verschärft, die ihre Arbeitskraft „als Ware verkaufen müssen“. Brym fordert als Ausweg eine klare linke Kante gegen die neoliberal kapitalistische Ordnung. In diesem Zusammenhang versteht Brym auch die Angriffe auf den Mindestlohn, die demagogisch von den Rechten instrumentalisiert würden.

Mit seinem politischen Tagebuch liefert Max Brym, linker Aktivist und Autor von „Es begann in Altötting“ einen Einstieg in wesentliche politische Ereignisse der jüngsten Vergangenheit – voller Empathie, schnörkellos und klar auf den Punkt gebracht. Menschen die sich engagieren oder wieder engagieren möchten wird es mit diesem Buch leicht fallen, den Faden wieder auf zu nehmen und über die Themen informiert zu sein, die einen fortschrittlichen und linken Menschen hätten beschäftigen sollten. Allen bedeutenden politischen Ereignissen der Gegenwart wird auf 290 Seiten ein kurzer Abschnitt, eine Einführung, ein kritischer Kommentar gewidmet. Eine Zusammenfassung, weitgehend jenseits des medialen Mainstreams…

Bestellungen unter http://www.swb-verlag.de/verlag/buecher/politisch-inkorrekt

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