antonia

Die neuen Fernsehtipps

Vom 01. bis 15. Juli 2016…

Fr, 1. Jul · 23:25-01:18 · arte
George

Er galt als „Jahrhundertschauspieler“ und „König im Reich der Fantasie“: Der Schauspieler Heinrich George gehörte in den 20er Jahren zu den ganz großen Theaterschauspielern in Deutschland. Auch im relativ jungen Medium Film machte er Karriere. Und diese Karriere wollte er auch während der Naziherrschaft in Deutschland nicht aufgeben. So spielte er in Propaganda- und Durchhaltefilmen, stellte sich aber gleichzeitig auch vor jüdische Kollegen. Nach dem Krieg wurde er von den Sowjets verhaftet und starb im September 1946 im Lager Sachsenhausen. In dem außergewöhnlichen Doku-Drama über einen besessenen Theatermann, das auch die Frage nach der Verantwortung des Künstlers in der Diktatur stellt, spielt der am 19. Juni verstorbene Götz George seinen Vater. Als „König im Reich der Fantasie“ wurde Heinrich George in den 20er Jahren gefeiert. Er brillierte auf der Bühne – unter anderem in seiner Lieblingsrolle als „Götz von Berlichingen“ – und in Filmen. So spielte er unter Fritz Lang in „Metropolis“ und verkörperte den Franz Biberkopf in der Verfilmung von Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“. Auch nachdem die Nazis an die Macht gekommen waren, wollte Heinrich George in Deutschland spielen, und das um jeden Preis. Und er spielte: in Literatur- und Theaterverfilmungen wie „Der Postmeister“ und „Der Biberpelz“ ebenso wie in Propagandastreifen wie „Hitlerjunge Quex“, „Jud Süß“ und „Kolberg“. George nahm von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels die Intendanz des Schillertheaters an und lobte Hitler in Reden und Interviews. Aber er trat auch für andere Künstler ein, mitunter mutig und entschlossen. So fanden jüdische Kollegen und Oppositionelle im Schillertheater Schutz. Aber bis zuletzt hielt George in der Öffentlichkeit zum Regime und rief noch im April 1945 zum Endkampf auf. Nach dem Krieg wurde er vom russischen Geheimdienst NKWD verhaftet und der „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ angeklagt. Nach wochenlangen Verhören erfolgte die Verurteilung. Heinrich George wurde in das Lager Hohenschönhausen gebracht. Auch dort spielte er, dieses Mal unter elenden Bedingungen. Er gründete eine Theatergruppe, spielte den Faust, später brachte er im Lager Sachsenhausen den Postmeister auf Russisch auf die Bühne. Nach über 14 Monaten im Lager starb Heinrich George, von den Haftbedingungen geschwächt und krank, an den Folgen einer Blinddarmentzündung. Er war ein „Jahrhundertschauspieler“ mit Widersprüchen. Im Mittelpunkt des Doku-Dramas stehen die letzten Lebensjahre Heinrich Georges. Dabei befasst sich der Film intensiv mit dem Thema der Schuld und der Verantwortung des Künstlers in der Diktatur.

Sa, 2. Jul · 03:10-03:40 · RBB Berlin
Mit einem Koffer voller Lieder

Peter-Michael Seifried ist immer auf Achse. Der Kirchenmusiker aus Berlin ist seit vielen Jahren Kreiskantor in Jüterbog. Nun will er ungewohnte Klänge in die Provinz bringen. Gerade in Jüterbog, wo im vergangenen November Neonazis einen Flüchtlingstreff in Brand gesetzt haben, will er ein Zeichen setzen. Seifried nimmt Kontakt zur Omar Ibn Al Khattab Moschee in Berlin Kreuzberg auf und gewinnt die Gesangsgruppe der Gemeinde für ein Konzert. Die junge israelische Kantorin Aviv Weinberg, die gerade ihre Ausbildung am Abraham Geiger Institut beendet hat, muss nicht lange überlegen, sie wird ebenfalls mitmachen. Zurück in Jüterbog besuchen Kantor Seifried und sein Kollege Johannes Ratgeber beladen mit Rhythmus-Instrumenten das neu eröffnete Übergangsheim für geflüchtete Familien. Binnen weniger Minuten füllt sich der Raum mit Kindern, die trommelnd und rasselnd musizieren. Die 40 Männer und Frauen des Chors der Kantorei Jüterbog treffen sich zur letzten Probe vor dem Konzert. Dann kommen insgesamt 150 Kinder, Jugendliche, Erwachsene, christliche, jüdische, muslimische Menschen zusammen, um die Gesänge ihrer Religion und Kultur zu teilen. Die Kirche füllt sich mit Besuchern, unter ihnen auch arabische Gäste.

So, 3. Jul · 02:45-03:00 · PHOENIX
Von Untertauchern und Lebensrettern

Sevenum ist ein kleines niederländisches Dorf bei Venlo ? und war im zweiten Weltkrieg Zufluchtsort für Menschen, die von den Nazis verfolgt wurden. Niederländische Widerstandsgruppen sorgten dafür, dass hier hunderte Juden, verfolgte Niederländer oder abgeschossene Piloten der Alliierten versteckt wurden. Auch Mirjam Winter mit ihren Eltern und ihrer Schwester, eine jüdische Familie aus Kempen am Niederrhein lebte dort in einem Versteck. Reporter Markus Waerder ist mit der 92-Jährigen, die inzwischen Mirjam Honig heißt, in die Region gefahren und hat Zeitzeugen und Verstecke besucht, ohne die viele Menschen den Krieg nicht überlebt hätten.

So, 3. Jul · 08:15-10:15 · MGM
Triumph des Geistes – Ein Boxer in der Hölle

Thessaloniki, 1939: Der frühere Olympia-Boxer Salamo Arouch (Willem Dafoe), ein Jude, hat gerade die Meisterschaft im Mittelgewicht gewonnen. Da wird er von den Deutschen nach Auschwitz deportiert. Die Nazis treiben ein böses Spiel: Salamo bleibt am Leben, solange er zum Vergnügen der Wächter an Boxwettkämpfen teilnimmt. – Bewegendes Überlebensdrama nach authentischen Ereignissen.

So, 3. Jul · 19:30-20:15 · ZDF
Terra X: Geheimbünde – Die Masken der Verschwörer

Die Geschichte der Menschheit ist voller Verschwörungstheorien. Und häufig scheint uns die erfundene Verschwörung glaubwürdiger als die banale Wahrheit. Hinter allem, was geheimnisvoll, schwer verständlich oder nach menschlichem Ermessen unvorstellbar ist, vermuten wir schnell einen vorsätzlichen Betrug. Verschwörungstheorien halten sich oft über große Zeitspannen und tauchen immer mal wieder auf. Als der Amerikaner Bill Kaysing 1976 zum ersten Mal Zweifel an der Mondlandung äußerte und mehrere angeblich untrügliche Beweise dafür anführte, dass die NASA die Mondlandung nachgestellt habe, begannen auf einmal viele seiner Zeitgenossen, an dieser Sternstunde der Raumfahrt zu zweifeln. Tatsächlich waren die Russen bei dem Wettlauf zum Mond den Amerikanern am Anfang weit überlegen. Doch dann gelingt es plötzlich den Yankees, diesen Meilenstein in der Geschichte zu setzen, während die Russen auch in den Folgejahren nicht einen einzigen Kosmonauten auf dem Mond landen können. Kann es dabei tatsächlich mit rechten Dingen zugegangen sein? Oder handelte es sich um ein Täuschungsmanöver der US-Regierung, die manche auch, wenn nicht als Drahtzieher hinter, dann doch zumindest als Mitwisser an den Terroranschlägen vom 11. September 2001 vermuten? Die Ereignisse dieses Tages haben sich in das kollektive Gedächtnis der Menschheit eingebrannt. Und bis heute werden immer wieder Stimmen laut, die die offizielle Darstellung anzweifeln, zumal ein Teil der Untersuchungsakten noch immer unter Verschluss ist. So hält sich beispielsweise das Gerücht, dass der Anschlag Teil der sogenannten jüdischen Weltverschwörung sei, als deren Beweis gern die „Protokolle der Weisen von Zion“ herangezogen werden. Diese Protokolle sollen geheime Treffen jüdischer Führer wiedergeben, die angeblich Pläne zur Übernahme der Weltherrschaft schmieden. Schon unter den Nazis dienten sie zur Rechtfertigung des millionenfachen Mordes. Längst weiß man, dass die Protokolle eine im Auftrag des russischen Geheimdienstes ausgeführte Fälschung sind, doch bis heute hält sich in vielen Teilen der Welt hartnäckig der Glaube an ihre Echtheit – und noch immer fordern sie unschuldige Opfer.

Mo, 4. Jul · 01:00-01:55 · PHOENIX
Von Auschwitz nach Entebbe – Israels Kampf gegen den Terror

Am 27. Juni 1976 entführten die deutschen Terroristen Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann mit zwei Palästinensern eine Air-France-Maschine auf dem Weg von Tel Aviv nach Paris mit 248 Passagieren und zwölf Besatzungsmitgliedern an Bord nach Entebbe. Am vierten Tag der Geiselnahme kam es zu einer gespenstischen Szene: Die deutschen Terroristen führten unter den Gefangenen eine Selektion durch. Juden mit israelischem Pass wurden ausgesondert und mussten sich in einem abgetrennten Raum sammeln. Einige der Geiseln waren Überlebende deutscher Konzentrationslager der Nazizeit. Alle anderen Entführungsopfer wurden freigelassen. „Die Stimmung in Israel war: Wer macht diese Selektion?“, berichtete der israelische Diplomat Avi Primor, „die Deutschen, ausgerechnet die Deutschen!“ Nach dem ungeheuerlichen Akt der Selektion sahen der israelische Premier Jitzchak Rabin und sein Verteidigungsminister Schimon Peres keine andere Möglichkeit, als die Entführung mit militärischen Mitteln zu beenden. In die streng geheime Aktion waren nicht einmal die engsten Verbündeten der Israelis eingeweiht. Ein Scheitern hätte eine internationale Isolierung Israels zur Folge gehabt. Doch der spektakuläre Coup gelang. Die Rückkehr der Befreiten nach Tel Aviv löste eine Welle nationaler Begeisterung aus. Israel hatte den Terror besiegt und ein Trauma überwunden. Entebbe bedeutete das Ende eines kollektiven Ohnmachtgefühls. „Hätten wir vor dem Zweiten Weltkrieg einen Staat und eine Armee gehabt“, sagte Muki Betzer, stellvertretender Kommandeur des Entebbe-Einsatzes, „hätte es den Holocaust in Deutschland so nicht gegeben.“Die Rekonstruktion der Entführung der Air-France-Maschine und des genauen Ablaufs der Befreiungsaktion steht im Mittelpunkt des Dokumentarfilms. Zudem analysiert sie die Vorgeschichte, die Entstehung der „Revolutionären Zellen“ in Frankfurt, die Zusammenarbeit deutscher und arabischer Terrorgruppen sowie die antisemitischen Wurzeln der palästinensischen Befreiungsbewegung in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Die Dokumentation zeigt seltene Originalaufnahmen der Geiseln während ihrer Gefangenschaft im Flughafen von Entebbe und lässt Zeitzeugen zu Wort kommen, darunter ehemalige Geiseln, Offiziere der israelischen Armee, deutsche und französische Diplomaten sowie die israelischen Politiker Matan Vilnai, Ehud Barak und Schimon Peres. Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, nimmt ausführlich Stellung zu den Hintergründen und politischen Auswirkungen des Falls Entebbe.

Mo, 4. Jul · 20:15-21:00 · PHOENIX
Operation „Donnerschlag“ – Israel gegen deutsche Terroristen

Aus deutscher Sicht ist die Entführung der ?Landshut? und die Befreiung ihrer Passagiere im Oktober 1977 die spektakulärste Flugzeugentführung. In ihrem Schatten verschwindet eine andere, international folgenreiche Entführung, die ein Jahr früher passierte ? und in der Deutsche eine höchst zwiespältige Rolle spielten. Anfang Juli 1976 wird ein Flugzeug der Air France auf dem Weg von Tel Aviv nach Paris von vier bewaffneten Personen entführt und ins ugandische Entebbe umgeleitet. Dort angekommen trennen die Luftpiraten ? die Anführer sind Deutsche ? mit vorgehaltener Waffe die jüdischen von den nicht-jüdischen Passagieren. Letztere werden freigelassen, alle jüdischen Passagiere, gleich welcher Staatsangehörigkeit, bleiben an Bord. Die Entführer fordern die Freilassung von 53 Gefangenen überwiegend aus deutschen und israelischen Gefängnissen, bei denen es sich mehrheitlich um Linksterroristen handelt. Das Terrorkommando droht damit, nach Ablauf einer Frist von vier Tagen alle verbliebenen Geiseln zu erschießen. Die Nachricht von diesem Vorgang erreicht wenig später über den israelischen Geheimdienst Mossad den Krisenstab in Tel Aviv. Israel wird aktiv: „Selektion von Juden – Nie wieder!“. Eine beispiellose Befreiungsaktion weit entfernt der Heimat beginnt. Der Autor Thomas Ammann rekonstruiert in seiner Dokumentation minutiös den Ablauf des Geschehens. Der französische Pilot, der sich während der Entführung heldenhaft an die Seite der jüdischen Passagiere gestellt hat, spricht erstmals öffentlich über die Ereignisse von damals. Mit ihm erinnern sich gerettete Geiseln und israelische Politiker an die dramatischsten Stunden ihres Lebens.

Mo, 4. Jul · 21:05-22:00 · 3sat
Auf den Spuren von Odysseus 2/6

Auf den Spuren von Homers legendärem Abenteurer reist Nina Mavis Brunner durch den Mittelmeerraum, diesmal von Tunesien nach Malta. Dabei trifft sie auf Alltagshelden von heute. In Tunesien lebt auf der Insel Djerba eine große jüdische Gemeinschaft. Im Landesinnern lebt man in Höhlen und vor Kerkenna fischt man auf Feldern. Auf Malta beginnt für den homosexuellen somalischen Flüchtling Farah Abdi ein neues Leben. In der zweiten Folge lernt Nina Mavis Brunner einen jungen Somalier kennen, der vor zwei Jahren barfuß als Bootsflüchtling auf Malta europäischen Boden betrat. Heute hält er in Designerkleidern Reden vor den Vereinten Nationen und dem europäischen Parlament. Farah Abdi flüchtete im Alter von 16 Jahren. Er wollte seine Homosexualität nicht länger verstecken und riskierte deshalb eine Gefängnisstrafe. Sieben Monate dauerte seine lebensgefährliche Flucht, die durch die Wüste, libysche Gefängnisse und in einem Schlauchboot übers Mittelmeer führte. Für Farah Abdi hat in Malta ein neues Leben begonnen. Er bloggt für eine Zeitung, engagiert sich bei verschiedenen NGOs und wurde zu einem Sprachrohr für viele Migranten auf Malta. Bevor jedoch Odysseus von Nordafrika nach Malta, auf die Insel des Aiolos, gelangte, erlebte er in der tunesischen Wüste sein wohl bekanntestes Abenteuer. Die listigen Griechen stachen dem Zyklopen Polyphem mit einem Pfahl das Auge aus und konnten so aus seiner Höhle entkommen. Mit dem Journalisten Ridha Maamri fährt die Reporterin Nina Mavis Brunner zu den Höhlen von Matmata. Bis vor wenigen Jahren waren diese ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen. Szenen von „Star Wars“ wurden hier gedreht und noch heute leben Berberfamilien in den kühlen Höhlenwohnungen. Seit der tunesischen Revolution und den Terroranschlägen kommen jedoch immer weniger Besucher. Den Touristenschwund spürt man auch auf Djerba. Auf der Ferieninsel lebt eine der größten jüdischen Gemeinschaften Nordafrikas. Die berühmte Gheriba-Synagoge war einst ein Publikumsmagnet, heute wartet Hausmeister Khoudir Trabelsi oft vergeblich auf Besucher. Mit einem Rückgang ganz anderer Art kämpft man vor der tunesischen Insel Kerkenna. Jede Fischerfamilie besitzt hier ein Feld im Meer. Seit ein paar Jahren gehen Fischer Salem Cheikh aber immer weniger Fische ins Netz. Der industrielle Schleppnetzfischfang zerstört das Ökosystem, auch vor dieser bezaubernden kleinen Insel.

Mo, 4. Jul · 22:05-22:58 · MDR Sachsen
Der NSU-Komplex

Die Neonazis Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos waren dem Verfassungsschutz 16 Jahre lang bekannt. Dennoch wurden sie mutmaßlich zu Terroristen, erschossen Menschen und legten Bomben. Was trieb die beiden an? Wer unterstützte sie? Und warum hinderte sie niemand an ihren Taten? Der Film lässt Ermittler, Szene-Mitglieder und Insider zu Wort kommen, Dokumente und interne Ermittlungsergebnisse werden erstmals präsentiert. Widersprüchliche Ermittlungsergebnisse oder offene Fragen werden als solche benannt und thematisiert. 4. November 2011, Eisenach in Thüringen: Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt verbrennen in einem Wohnmobil. Das Ende zweier Terrorkarrieren. 16 Jahre lang waren ihre Namen auch dem Bundesamt für Verfassungsschutz ein Begriff. Die jungen Neonazis wurden zeitweise observiert, abgehört, verfolgt. Informanten berichteten immer wieder über sie. Trotzdem konnten die beiden abtauchen, unterstützt und aufgefangen von einem Netz von Freunden. Böhnhardt und Mundlos wurden mutmaßlich Terroristen, erschossen Menschen, legten Bomben, bekannten sich jedoch nie zu den Taten. Erst nach ihrem Tod taucht ein Film auf, in dem sich eine Gruppe namens „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) mit zehn Morden brüstet, für die Böhnhardt und Mundlos verantwortlich sein sollen. Zunächst scheint es, dass mit ihrem Tod einer der mysteriösen Kriminalfälle der bundesdeutschen Geschichte aufgeklärt ist. Doch je länger die Ermittlungen dauern, desto merkwürdiger wird der Fall. Obwohl die verschiedenen Verfassungsschutzbehörden diverse V-Männer in unmittelbarer Nähe der untergetauchten Neonazis im Einsatz hatten, gelang es nicht, die Morde zu verhindern. Doch nicht nur die Inlandsgeheimdienste waren auf der Spur der Rechtsterroristen – auch die Sonderkommission, die sich über Jahre um eine Serie von Morden an Kleinunternehmern mit Migrationshintergrund kümmerte, kam zum Ende ihrer Ermittlungen Mundlos und Böhnhardt immer näher. Der entscheidende Schlag gelang jedoch nicht. „Der NSU-Komplex“ rekonstruiert diese beispiellose Jagd und stellt gleichzeitig die Fragen: Was trieb Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und ihre Freunde an? Wer unterstützte die beiden? Wer half ihnen bei den Taten und dem Leben im Untergrund? Die Ermittlungen der Polizei und die Überwachung der Szene – und damit des Umfeldes der Täter – sind der rote Faden, an dem die Geschichte entlang erzählt wird. Es ist eine Geschichte über die Entstehung und Entwicklung der militanten rechten Szene nach der Wiedervereinigung in Deutschland und die am Ende hilflosen und riskanten Versuche staatlicher Behörden, mit ihr fertig zu werden. Das macht den NSU-Komplex hochaktuell. Denn wieder brennen Flüchtlingsheime, und erneut steht der Staat vor der Frage: Wie begegnet man dieser akuten Gefahr? Der Film lässt Ermittler, Szene-Mitglieder und Insider zu Wort kommen, Dokumente und interne Ermittlungsergebnisse werden erstmals präsentiert. Widersprüchliche Ermittlungsergebnisse oder offene Fragen werden als solche benannt und thematisiert. Stefan Aust und Dirk Laabs sind auch die Autoren von „Heimatschutz – Der Staat und die Mordserie des NSU“. Sie recherchieren den NSU-Komplex seit mehr als vier Jahren und wurden als Gutachter in verschiedenen parlamentarischen Untersuchungsausschüssen gehört.

Di, 5. Jul · 10:15-11:00 · 3sat
Schuld und Schulden

Manolis Glezos ist Kommunist. Und Volksheld. Vor 75 Jahren hat er die Hakenkreuzfahne von der Akropolis heruntergerissen, wenige Tage, nachdem die Wehrmacht in Athen einmarschiert war. „Dafür haben sie uns in Abwesenheit zum Tode verurteilt“, erinnert sich der 93-Jährige. Für die Griechen wurde er damals zum Volkshelden. Seine Forderungen blieben trotzdem jahrzehntelang unbeachtet: Wiedergutmachung. Weder in Deutschland noch in Griechenland interessierte sich jemand für die Reparationsfrage. Doch das hat sich geändert. In der aktuellen Schuldenmisere fragt nicht nur das Syriza-Mitglied Glezos: Wer schuldet hier eigentlich wem etwas? Die Summe, um die es geht, ist beträchtlich: 278,7 Milliarden Euro. Mindestens. Zu diesem Ergebnis kam eine Regierungs-Kommission, eingesetzt auf Drängen von Freiheitskämpfer Glezos. Zwei Jahre lang durchstöberte sie die Nachkriegsbilanzen griechischer Ministerien: Wie viele Straßen sind damals zerstört worden, Häfen, Bahnhöfe, Eisenbahnbrücken? Wie viele Häuser wurden beschlagnahmt, LKW, Fabrikanlagen? Wie heftig wurde die Wirtschaft geplündert, Tabak, Oliven, Chrom, Mangan? Das ist nur die materielle Seite. Nicht eingerechnet sind die menschlichen Opfer, die über 100.000 Hungertoten, die über 50.000 ermordeten Juden, die zehntausenden toten Zivilisten im Partisanen-Krieg. Kommissionsleiter Panagiotis Karakousis sagt: „Die heutigen Deutschen können nichts für ihre Vergangenheit, aber bis heute bezahlen wir Griechen für die Sünden ihrer Großeltern.“ Und die deutsche Seite? Die stellt sich taub und bleibt stumm. Die Schulden seien längst bezahlt und Reparationen kein Thema mehr, heißt es von der Bundesregierung. Keine Interviews, schriftliche Anfragen bleiben unbeantwortet. Genau so hält sie es bei der Wiedergutmachung für die menschlichen Opfer. Vor kurzem forderte die jüdische Gemeinde von Thessaloniki die Gebühren zurück, die sie bezahlen musste für den Transport ihrer Mitglieder nach Auschwitz: zwei Reichspfennig pro Kopf und Kilometer, was insgesamt 75 Millionen Euro entspricht. Auch in diesem Fall bleibt die Regierung hart und verweist auf alte Verträge, in denen alles geregelt sei. Dieser Umgang mit griechischen Entschädigungs-Forderungen hat Tradition – seit Beginn der Bundesrepublik. Das zeigt der Fall Max Merten. Der Kriegsverwaltungsrat von Thessaloniki presste den Juden dort erst Milliarden Drachmen ab mit dem Versprechen, sie zu schützen – um sie kurz darauf in die Viehwaggons nach Auschwitz zu stecken. Nach dem Krieg in Griechenland verhaftet und verurteilt, wurde Merten von Kanzler Adenauer persönlich freigepresst. Bis heute fordert die Jüdische Gemeinde Thessalonikis das Lösegeld von Deutschland zurück, ist dafür sogar bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gezogen. Erfolglos. Der Film konfrontiert Deutsche und Griechen. Wer hat Recht? Diejenigen, die sagen, irgendwann muss Schluss sein, Deutschland hat genug gezahlt? Oder die, die behaupten, alte Rechnungen seien offen? Der Autor macht sich auf die Suche: Gibt es heute noch Schatten der Besatzungspolitik? Wer waren die Täter, wer die Opfer? – Denn es gibt sie noch, einige wenige: Panagiotis Tsangas, der das Massaker an der männlichen Bevölkerung seines Dorfes überlebte. Oder Heinz Kounio, einer von nur 1.000 Juden, die aus der Hölle von Auschwitz zurückkehrten. Sie sind Zeugen einer Vergangenheit, die lange her ist. Erledigt ist sie nicht.

Mi, 6. Jul · 09:00-09:45 · Einsfestival
Verräter! – Vom schwierigen Ausstieg aus der Neonazi-Szene

‚Verräter an der Idee und am Kampf sind im Nationalsozialismus Schädlinge und auch als solche zu behandeln.‘ Aus Mails und Anrufen erfährt Felix Benneckenstein, was seine früheren Kameraden von ihm, dem ‚Verräter‘, halten. Er weiß, er muss vorsichtig sein. Zehn Jahre war er in der rechtsextremen Szene aktiv. Unerreichbar für seine Eltern, Lehrer und Freunde. 2011 ist er ausgestiegen. Mit 14 Jahren gerät Felix in die Erdinger Naziszene. Anfangs ist es die Musik, provozierende Texte auf schwarzgebrannten CDs, und die Kleidung, durch die er sich von anderen Gleichaltrigen ‚abhebt‘. Später lernt er bei einer Mahnwache ranghohe Mitglieder der ‚Kameradschaft München‘ kennen. Die rechte Szene bindet ihn schnell ein. Er wird NPD-Mitglied und tritt als Liedermacher Flex bei Kameradschaftstreffen in ganz Deutschland auf. 2007 zieht er nach Dortmund-Dorstfeld in die Hochburg der Rechten. Als es dort zu gewalttätigen Auseinandersetzungen unter den Neonazis kommt, flieht er Hals über Kopf. Die Polizei sucht ihn längst. Im Gefängnis sitzt er dann Tür an Tür, auf einem Gang mit Abschiebehäftlingen. Er hört deren Geschichten und beginnt an seiner braunen Ideologie zu zweifeln. Doch es dauert noch fast zwei Jahre, bis er den Ausstieg aus der Naziszene schafft. Mittlerweile ist Felix 27 Jahre alt. Der Erfolg als rechter Liedermacher Flex war trügerisch. Felix muss sein Leben neu ordnen. Das ist mit Schwierigkeiten verbunden, aber auch mit Träumen, denn da gibt es ja auch noch Heidi…

Mi, 6. Jul · 11:30-12:00 · 3sat
Antonias Reise – Mein Jahr in Israel

Antonia ist 18 Jahre alt und hat gerade das Abitur erlangt. Während es ihre Klassenkameraden richtig krachen lassen, entschließt sie sich, für ein Jahr als Freiwillige nach Israel zu gehen. Der Film begleitet Antonia und andere junge Deutsche im spannendsten Jahr ihres Lebens in einem fremden, zerrissenen und teilweise gefährlichen Land. Sie begegnen Menschen im Alter ihrer Urgroßeltern, die die Katastrophe des Holocaust am eigenen Leib erlebt haben. Einer ist der 103 Jahre alte Israel Tsafuir, der noch bei Sigmund Freud studiert hat. Er und viele weitere Deutschstämmige leben mittlerweile in besonderen Altersheimen in Jerusalem und Tel Aviv. Sie genießen die Gespräche mit den jungen Deutschen. Was haben sich Menschen aus so unterschiedlichen Generationen zu erzählen? Wie gehen die jungen Deutschen, die die Zeit des Nationalsozialismus bislang nur aus Büchern kennen, mit den Erzählungen der Alten um? So berichtet etwa der Künstler Jehuda Bacon von seinen Kindheitserinnerungen an den berüchtigten KZ-Arzt Josef Mengele. Die behüteten deutschen Jugendlichen erleben den Alltag in Israel. Wie groß ist ihre Angst vor Anschlägen und Krieg in diesem zerrissenen Land? Regelmäßig hören sie das Schrillen der Sirenen, wenn es wieder Raketenalarm gibt. Dann versammeln sie sich mit den anderen Bewohnern im Treppenhaus ihres Mietshauses, weil der nächste Schutzraum zu weit entfernt ist. Am Ende ihres Israel-Jahres haben Antonia und die anderen jungen Deutschen herzliche und intensive Beziehungen zu Holocaust-Überlebenden geknüpft. Und sie haben erlebt, welch großes Wunder die Versöhnung ist.
Foto oben: © ZDF und NDR Antonia (re.) ist 18 Jahre alt. Nach dem Schulabschluß geht sie für ein Jahr als Freiwillige nach Israel. Antonia hört den Erinnerungen des 103-jährigen Israel Tsafuir zu.

Mi, 6. Jul · 12:30-12:50 · 3sat
Inge – hinter den Kulissen

„Überleben“, so lautet Inge Ginsbergs Antwort auf die Frage nach ihrem Talent. Die 94-Jährige ist mit Abstand die älteste Teilnehmerin der Castingshow „Die größten Schweizer Talente“. Die gebürtige Wienerin hat den Holocaust, Flüchtlingslager, Hollywood, Krebs, drei Ehemänner und mehrere Liebhaber überlebt. Mit 94 Jahren tritt Inge Ginsberg zum ersten Mal vor Publikum auf, das Kleid rot und eng, die Haare mit Spray zur Festtagsfrisur geformt. Kein Schlager, nein: Heavy-Metal-Musik brettert über die Bühne. „Wir zertrümmern Atome; wir zertrümmern die Welt. Und kümmern uns nicht, ob es den Atomen gefällt“, ertönt Inge Ginsbergs düsterer Sprechgesang. Inge Ginsberg weiß, was Zerstörung bedeutet. Aufgewachsen als Jüdin während der Naziherrschaft musste sie miterleben, wie nahe Familienangehörige deportiert und umgebracht wurden. Ihr selbst gelang die Flucht in die Schweiz – und später ein buntmondänes, ereignispralles Leben, überall auf der Welt. Als Reporterin Vanessa Nikisch Inge Ginsberg trifft, reist diese gerade aus New York an und fliegt wenige Tage später nach Tel Aviv weiter. Dem Gefängnis der Gewohnheiten entrinnen, täglich Neues wagen, lautet eine der Weisheiten ihres Anti-Aging-Gurus. Dank seiner Lehre will die 94-Jährige mindestens 120 Jahre alt werden.

Mi, 6. Jul · 14:00-14:30 · ARD-alpha
Mein Himmel ist voller Musik – Die israelische Komponistin Ella Milch-Sheriff

Ella Milch-Sheriff wuchs in Israel mit dem Schweigen ihres Vaters auf. Erst als sie sein Tagebuch liest, erfährt sie von seinem grausamen Geheimnis. „Der Himmel ist leer“ hatte der verzweifelte Baruch Milch in sein Tagebuch gekritzelt, 1942, nachdem die Deutschen seine junge Frau und seinen kleinen Sohn ermordet hatten. In Israel gründete er eine neue Familie. Aber er sprach nicht über das, was geschehen war. Seine Tochter Ella wuchs mit seinem Schweigen und der vermeintlichen Kälte der Eltern auf, die sie nicht verstand, bis Dr. Milch seiner 13-jährigen Tochter sein Tagebuch in die Hand drückte. Ella Milch-Sheriff wuchs in Israel mit dem Schweigen ihres Vaters auf. Erst als sie sein Tagebuch liest, erfährt sie von seinem grausamen Geheimnis. „Der Himmel ist leer“ hatte der verzweifelte Baruch Milch in sein Tagebuch gekritzelt, 1942, nachdem die Deutschen seine junge Frau und seinen kleinen Sohn ermordet hatten. In Israel gründete er eine neue Familie. Aber er sprach nicht über das, was geschehen war. Seine Tochter Ella wuchs mit seinem Schweigen und der vermeintlichen Kälte der Eltern auf, die sie nicht verstand, bis Dr. Milch seiner 13-jährigen Tochter sein Tagebuch in die Hand drückte. Mit der Oper „Baruchs Schweigen“ hat Ella Milch-Sheriff seine Geschichte und ihre Kindheit verwoben und in Musik übersetzt.

Do, 7. Jul · 01:00-02:35 · SWR BW
Verbotene Filme – Das Erbe der Nazi-Kinos

Weit über tausend Spielfilme wurden in Deutschland während der Zeit des Nationalsozialismus hergestellt. Über 40 NS-Filme sind bis heute nur unter Auflagen zugänglich – sie sind „Vorbehaltsfilme“. Was macht diese Filme heute noch gefährlich? Volksverhetzend, kriegsverherrlichend, antisemitisch und rassistisch – so lauten die Begründungen, warum die Filme für die Öffentlichkeit nicht frei zugänglich sind. Urheberrecht und Jugendschutz sind dabei die juristischen Hebel, denn das deutsche Grundgesetz erlaubt keine Zensur. Der Umgang mit ihnen ist umstritten: Bewahren oder entsorgen, freigeben oder verbieten? „Verbotene Filme“ stellt die „Nazifilme aus dem Giftschrank“ vor und macht sich auf die Suche nach ihrem Mythos, ihrem Publikum und ihrer Wirkung heute – in Deutschland wie im Ausland. Eine Reise zur dunklen Seite des Kinos. Über die Brisanz der Propagandafilme des Dritten Reichs und ihre Idee eines angemessenen Umgangs damit, geben unter anderem Oskar Roehler, Moshe Zimmermann, Rainer Rother, Margarethe von Trotta, Jörg Jannings, Sonja M. Schultz, Götz Aly sowie Aussteiger aus der Nazi-Szene und Überlebende der Shoah Auskunft.

Do, 7. Jul · 09:00-10:30 · Einsfestival
Jaffa – Im Namen der Orange

Wer kennt sie nicht, die Jaffa-Orange? Seit Jahrzehnten ist sie lecker, gesund und weltberühmt. Selbst Stars wie Ingrid Bergman und Louis Armstrong posierten für sie – „Jaffa“ war die Coca-Cola der Fruchtsäfte. Die Geschichte der Hafenstadt Jaffa, deren Rumpf heute ein Stadtteil von Tel Aviv ist, ist Jahrtausende alt. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war sie eine der lebendigsten Städte des Nahen Ostens – kulturell, ökonomisch und politisch. In ihrem Umland wurden über Jahrhunderte Orangen kultiviert, der Export der palästinensischen „Jaffa-Oranges“ durch den Hafen gewährleistet. Anhand von einzigartigem Archivmaterial spürt Eyal Sivan in Jaffa der Orangen-Marke nach. Er zeigt israelischen und palästinensischen Intellektuellen und Mitarbeitern der Zitrus-Industrie alte Fotos, frühe Filmaufnahmen, Werbefilme und politische Poster rund um die Frucht. Sie reflektieren am Beispiel der Jaffa-Orangen ihre eigene Geschichte und die ihres Landes. Die unterschiedlichen, sich ergänzenden Narrative brechen Mythen und schreiben eine Geschichte jenseits nationalistischer Historiographie.

Fr, 8. Jul · 07:00-07:30 · SWR BW
Olympische Spiele – Völkerverständigung oder Boykott?

Mit ihrer wachsenden Bedeutung wurden die Olympischen Spiele immer mehr von politischen Interessen vereinnahmt. Die Nationalsozialisten nutzten die Spiele von 1936 für Propaganda. 1972 verübten palästinensische Terroristen in München ein Attentat auf die israelische Mannschaft. Die Olympia-Boykotte von Moskau 1980 und Los Angeles 1984 standen im Zeichen des Kalten Krieges. Und heute müssen die Spiele aufgrund internationaler Spannungen mit enormem Aufwand geschützt werden. Mit ihrer wachsenden Bedeutung wurden die Olympischen Spiele immer mehr von politischen Interessen vereinnahmt. Das ursprüngliche Ziel der Völkerverständigung geriet dabei oft ins Abseits. Die Nationalsozialisten nutzten die Spiele von 1936 für Propaganda. 1972 in München verübten palästinensische Terroristen ein Attentat auf die israelische Mannschaft. Die Olympia-Boykotte von Moskau 1980 und Los Angeles 1984 standen im Zeichen des Kalten Krieges. Und heute müssen die Spiele aufgrund internationaler Spannungen mit enormem Aufwand geschützt werden – 2012 in London etwa von 18.000 Soldaten.

Sa, 9. Jul · 18:45-18:50 · MDR Sachsen
Glaubwürdig: Reinhard Schramm

Es ist kurz nach neun Uhr früh. Hinter Reinhard Schramm schließt sich die schwere Stahltür der Jugendhaftanstalt. Seit 15 Jahren kommt der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen hierher, um mit rechtsextremen jugendlichen Straftätern zu reden. Im großen Freizeitraum haben sich schon zehn Jugendliche versammelt. Es ist laut, die Häftlinge witzeln, tuscheln miteinander, sind unruhig. Erst als Reinhard Schramm den Raum betritt, kehrt Ruhe ein. Der 70-Jährige erzählt den „harten Jungs“ von den Taten der Nazis und beantwortet ihre Fragen. Er ist im Februar 1945 selbst nur knapp der Deportation entkommen. Es ist kurz nach neun Uhr früh. Hinter Reinhard Schramm schließt sich die schwere Stahltür der Jugendhaftanstalt. Seit 15 Jahren kommt der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen hierher, um mit rechtsextremen jugendlichen Straftätern zu reden. Im großen Freizeitraum haben sich schon zehn Jugendliche versammelt. Es ist laut, die Häftlinge witzeln, tuscheln miteinander, sind unruhig. Erst als Reinhard Schramm den Raum betritt, kehrt Ruhe ein. Der 70-Jährige erzählt den „harten Jungs“ von den Taten der Nazis und beantwortet ihre Fragen. Er ist im Februar 1945 selbst nur knapp der Deportation entkommen. Umso größer ist die Hürde, sich mit den Jugendlichen zu beschäftigen, die dieses Gedankengut weitertragen und wieder aufleben lassen. „Ich glaube aber dennoch ganz fest, dass ich durch meine Arbeit die Jugendlichen wieder auf einen normalen Weg bringen kann“, sagt Reinhard. Heute ist außerdem das jüdische Shavuot-Fest und Reinhard Schramm will die Feierlichkeiten mit dem Rabbi abstimmen. Seine Frau wird bei dem Fest auch dabei sein. Das ist eher überraschend, ist sie doch orthodoxe Katholikin. Seit die beiden verheiratet sind – inzwischen 38 Jahre – feiern sie gerne die jüdischen und katholischen Feste zusammen.

Mo, 11. Jul · 23:45-00:30 · Das Erste (ARD)
Hitlers Geldwäscher – Wie Schweizer Banken den Krieg finanzierten

Als die Wehrmacht in Polen einmarschierte, war die deutsche Staatskasse leer. Ein gewaltiger Raubzug begann in den besetzten Ländern: Gold, Kunstwerke, Bankkonten – überwiegend in jüdischem Besitz – wurden konfisziert und zu Geld gemacht, Nationalbanken wurden buchstäblich geplündert. Die neutrale Schweiz bot sich als Wechselstube an. Die Geschäfte liefen bis 1945; die Alliierten wussten davon. Doch alle Versuche, Druck auf die Schweiz auszuüben, diese Form der Geldwäsche zu beendeten, führten zu nichts. Die daraus gewonnenen Devisen dienten den Nazis zur Beschaffung wertvoller Rohmaterialen für ihre Rüstungsindustrie und verlängerten den Krieg. Für beide Seiten war es ein lukratives Geschäft, ein Geschäft, das bei Schweizer Bankiers kein Schuldgefühl hervor rief – obwohl ihnen die Herkunft des Raubgoldes bekannt war. Als Vertreter der Schweiz 1946 wegen finanzieller Kompensationen nach Washington zitiert wurden, kam es nach 68 Tagen erbitterter Verhandlungen zu einem lahmen Kompromiss: Gegen einen Betrag von 250 Millionen Schweizer Franken war man zu einer abschließenden Regulierung bereit, einem „freiwilligen Schweizer Beitrag zum europäischen Wiederaufbau“. Peanuts! Die staatlichen Goldreserven aus den von der Wehrmacht besetzten Ländern, hatten einen Wert von Milliarden. Dazu kamen Vermögensbestände der Opfer des NS-Terrors, die auf mehrere hundert Millionen Franken geschätzt wurden. Im Namen der Schweizer Neutralität, im Namen des heiligen Bankgeheimnisses verleugneten die Schweizer ihre unselige Rolle in diesem schmutzigen Geschäft. Sie kamen gut dabei weg … Der Film folgt zahlreichen Spuren und Wendungen – von den 30er Jahren bis heute. Er deckt die Verbindungen zwischen NS-Deutschland und Schweizer Banken ebenso auf, wie die Frage, wie und wodurch die Schweiz und ihr Bankensystem so lange von diesen Geschäftsverbindungen profitiert haben und worin noch heute das Interesse der Schweiz besteht, keinen Schlussstrich zu ziehen.

Di, 12. Jul · 22:05-22:48 · MDR Sachsen
Der Spion, der Hitler reinlegte

Januar 1943. Die Alliierten planen die Invasion in Sizilien. Briten und Amerikaner wollen die Stützpunkte der Achsenmächte zerstören und das Mittelmeer in ihre Gewalt bringen. Eine präparierte Leiche soll ihnen dabei helfen, sie soll die Deutschen in die Irre führen. Das Täuschungsmanöver, die Operation Mincemeat, ist eine der einflussreichsten Fälschungen des Zweiten Weltkriegs: Die gesamte Maschinerie des MI5 läuft an, um die Operation vorzubereiten. Sie wollen einen Toten so präparieren, dass die Deutschen ihn für die Leiche eines britischen Geheimkuriers halten. Das Mittelmeer soll den Leichnam mit gefälschten Papieren an Land schwemmen. Der brisante Inhalt der Dokumente: Pläne für die Invasion der Alliierten auf Sardinien und dem Balkan. Sie sollen, so der Plan, bis auf den Schreibtisch Hitlers gelangen. Über Monate hinweg feilen die Briten an einem ausgeklügelten Plan, gestalten die Legende des gefälschten Marineoffiziers, verleihen ihm eine Identität. Am Abend des 17. April wird der Tote schließlich in einem Spezialbehälter auf den Weg ins Mittelmeer geschafft. Ob die Deutschen die Dokumente jemals in die Hände bekommen werden, ist jedoch ungewiss. Nach wochenlangem Warten dann endlich die Nachricht: „Mincemeat swallowed whole“, Hackfleisch komplett geschluckt. Die Deutschen hatten angebissen – und verlagerten ihre Truppen von Sizilien auf den Balkan. Der namenlose Tote, der seit 1943 als William Martin in Huelva begraben liegt, hat so als glaubwürdiger Bote gefälschter Befehle Tausende von Menschenleben gerettet und den Verlauf des Zweiten Weltkriegs abgekürzt. Gemeinsam machen sich die Berliner Historikerin Dr. Jennifer Schevardo und der ehemalige BKA-Profiler Dr. Michael Baurmann auf den Weg, um mit Hilfe führender Experten und neuester wissenschaftlicher Technik dieses Geheimnis der Geschichte aufzudecken.

Mi, 13. Jul · 11:30-12:20 · 3sat
Von Viehhändlern, koscherer Küche und Ehevermittlung

Bis vor 150 Jahren durften Schweizer Juden nur in zwei Aargauer Dörfern leben. In Endingen und Lengnau führten sie ein ärmliches Leben als Händler und Hausierer. Beide Dorfbilder werden von einer Synagoge geprägt, ein verwunschener Friedhof liegt am Weg zwischen Endingen und Lengnau, und immer noch zeugen Wohnhäuser mit doppelter Eingangstür von der speziellen Cohabitation. Die Wurzeln der meisten Schweizer Juden reichen nach Endingen und Lengnau zurück. Wie zum Beispiel die Familie Guggenheim, die in Amerika als Industrielle zu Reichtum und als Mäzene zu Anerkennung kam. Auf eine Spende dieser wohl berühmtesten Surbtaler Familie geht auch die Gründung des Schweizerischen Israelitischen Alters- und Pflegeheims „Margoa“ in Lengnau zurück. Weitere bekannte jüdische Bürger dieser Gemeinden sind der Schriftsteller Charles Lewinsky und die alt Bundesrätin Ruth Dreifuss. In der Alten Eidgenossenschaft, endgültig ab 1776, durften sich Juden nur in den beiden Dörfern in der damaligen Grafschaft Baden niederlassen. Gemäß einer Bestimmung mussten Juden und Christen „abgesondert und nicht beieinander wohnen“, doch dem halfen sie ab, indem sie gemeinsame Wohnhäuser jeweils mit zwei identischen, nebeneinanderliegenden Eingängen versahen. Erst 1866 erlangten sie die Freizügigkeit, und die meisten von ihnen wanderten in den folgenden Jahrzehnten ab. Kathrin Winzenried macht sich auf Spurensuche und trifft dabei zum Beispiel den 99-jährigen Max Wyler, der 1915 im Surbtal zur Welt kam und bis heute als Viehhändler tätig ist. Sie unterhält sich auch mit Roy Oppenheim, einem Einwohner Lengnaus, der nicht nur einen jüdischen Kulturweg initiiert hat, sondern sich stark dafür engagiert, dass die Geschichte des Schweizer Judentums lebendig bleibt.