konzert

Die neuen Fernsehtipps

Vom 16. bis 30. Juni 2016…

Do, 16. Jun · 23:45-01:20 · SWR BW
Ein Sommer in New York

Der verwitwete College-Professor Walter führt ein zurückgezogenes, von alltäglicher Routine bestimmtes Leben. Doch als er nach Jahren erstmals wieder nach New York in seine dortige Wohnung reist, erlebt er eine Überraschung: Dem syrischen Musiker Tarek und seiner Freundin Zainab wurde das Apartment als leerstehend vermietet. Nach dem ersten Schreck gewährt Walter dem Paar Unterkunft. Bald entwickelt sich zwischen den dreien eine ungewöhnliche Freundschaft und Walter lernt einen ganz neuen Blick auf das Leben kennen. Doch dann wird Tarek verhaftet und soll abgeschoben werden. Seit dem Tod seiner Frau hat der Wirtschaftsprofessor Walter Vale (Richard Jenkins) sich fast völlig aus dem Leben zurückgezogen. Jahr für Jahr gibt er am Connecticut College den immer gleichen Kurs und arbeitet halbherzig an seinem ersten Buch. Gelegentlich nimmt er Klavierstunden, als Erinnerung an seine verstorbene Frau, die eine begabte Konzertpianistin war. Erst als der menschenscheue Professor zu einer Konferenz nach New York geschickt wird, kommt unerwartet Bewegung in sein Leben – denn als Walter nach Jahren erstmals wieder sein altes Apartment in Manhattan betritt, erlebt er eine Überraschung: In der Wohnung lebt auf einmal ein junges, ihm völlig unbekanntes Paar. Es stellt sich heraus, dass ein Betrüger dem syrischen Musiker Tarek (Haaz Sleiman) und der senegalesischen Designerin Zainab (Danai Gurira) das Apartment vermietet hat. Die beiden packen eilig ihre Habseligkeiten und ziehen sofort aus – als illegale Einwanderer wollen sie jeden Konflikt mit der Polizei vermeiden. Doch Walter merkt sofort, dass sie nirgends bleiben können, und gewährt ihnen vorerst Unterkunft. Im Lauf der Tage entwickelt sich aus der ungewöhnlichen Wohngemeinschaft ganz langsam eine ebenso ungewöhnliche Freundschaft. Tarek bringt Walter das Djembé-Trommelspiel bei und besucht mit ihm andere Musiker im Central Park. Durch diese Begegnungen gewinnt Walter allmählich etwas Lebensfreude zurück. Dann aber wird Tarek durch ein Missverständnis in der U-Bahn verhaftet – und landet in Abschiebehaft. Walter engagiert einen Anwalt und kümmert sich um Zainab, die ihren Freund aus Angst vor den Behörden nicht einmal besuchen kann. Als Tareks Mutter Mouna (Hiam Abbass) aus Michigan anreist, lässt Walter sie bei sich wohnen. Sie lebt seit vielen Jahren in den USA, ebenfalls ohne Papiere. Zwischen ihr und Walter entwickelt sich eine stille Zuneigung. Fast scheint es, als könne der scheue Walter mit der ähnlich zurückhaltenden Mouna ein neues Glück finden. Aber die Mühlen der amerikanischen Einwanderungsbehörden mahlen gnadenlos.

Fr, 17. Jun · 12:50-13:16 · arte
Verschollene Filmschätze – 1936. Die Spiele von Berlin

„Verschollene Filmschätze“ ist eine Sammlung bedeutender historischer Aufnahmen. Seit mehr als einem Jahrhundert dokumentieren Bild und Film die wichtigsten Geschehnisse der Weltgeschichte. Seit ihrer Erfindung war die Kamera bei allen entscheidenden und bedeutenden Ereignissen dabei. Heute: 1936. Die Spiele von Berlin Berlin, 1. August 1936. Ein Samstag. In dem modernen, monumentalen Berliner Sportstadion, das 100.000 Personen fasst, eröffnet Reichskanzler Adolf Hitler die Olympischen Sommerspiele, offiziell „Spiele der XI. Olympiade“ genannt. Trotz der zahlreichen Boykottaufrufe, unter anderem in den USA, hat es nie zuvor so viele teilnehmende Länder beziehungsweise Athleten gegeben. Wie wurden die afroamerikanischen Sportler, deren Leistungen mit besonderer Spannung erwartet wurden, im rassistischen, totalitären Regime empfangen? Welche Bedeutung maßen Hitler und andere führende Nazis diesen Spielen bei? Welche Propagandamittel setzten sie ein, wie bedienten sie sich der Medien? Und unter welchen Bedingungen durften die ausländischen Journalisten über das sportliche Großereignis berichten?

Sa, 18. Jun · 02:50-04:45 · ZDF
Das Konzert

Ein vor Jahren zu Unrecht gefeuerter Dirigent des Bolschoi-Orchesters erschleicht sich zusammen mit seinen alten Musikern und einer Star-Violinistin eine Gala-Aufführung in Paris. In Radu Mihaileanus sympathischer Culture-Clash-Komödie spielt neben Mélanie Laurent vor allem klassische Musik ein Hauptrolle – und natürlich die Leidenschaft, die sie in Musikern aller Alters-und Einkommensklassen weckt. „Das Konzert“ erhielt 2010 zwei Césars. Moskau im Jahr 1980: Dirigent Andreï Filipov (Alexeï Guskow) leitet das weltberühmte Bolschoi-Orchester, mit dem er große Erfolge feiert. Doch als er sich unter der Regierung Breschnews weigert, seine jüdischen Musiker zu entlassen, kostet ihn das den Posten. 30 Jahre später ist er noch immer am Theater beschäftigt – als trauriger Putzmann, der sich heimlich in Orchesterproben schleicht. Doch eines Tages, als er gerade das Büro des Direktors reinigt, fällt ihm durch Zufall ein Fax des Pariser Théâtre du Châtelet in die Hände: Es ist eine Anfrage des dortigen Direktors Olivier Morne Duplessis (François Berléand), der das Bolschoi-Orchester als Ersatz für die Philharmoniker aus San Francisco buchen möchte. Filipov sieht die Chance seines Lebens: Er lässt das Fax verschwinden und trommelt die ehemalige Besetzung des alten Bolschoi-Orchesters zusammen, um statt der aktuellen Besetzung seine alten Kollegen in Paris auftreten zu lassen. Doch nach 30 Jahren haben die ehemaligen Musiker längst andere Jobs und sind in alle Winde verstreut – ganz abgesehen von solchen Nebensächlichkeiten wie Reisepapieren, Instrumenten, Geld oder gar musikalischer Praxis.
Bild oben: © ZDF und Guy Ferrandis Musiker ohne Star-Allüren: Sacha Grossman (Dmitri Nazarov, l.), Ivan Gavrilov (Valeri Barinov, 2.v.l.), Andrei Filipov (Alexei Guskow, 2.v.r.) und seine Frau Irina Filipovna (Anna Kamenkova Pavlova, r.) vor ihrer Abreise auf dem Roten Platz.

Sa, 18. Jun · 23:15-01:30 · SWR BW
Nirgendwo in Afrika

Der jüdische Anwalt Walter Redlich flieht schon 1938 vor den Nazis nach Kenia. Seine Frau Jettel folgt ihm nur ungern. Sie entstammt einer wohlhabenden Familie und empfindet das entbehrungsreiche Leben im Busch als Zumutung. Für die deutsche Jüdin ist es noch unvorstellbar, dass sie in der Heimat verfolgt werden wird. Doch mit Ausbruch des Kriegs treffen schockierende Nachrichten ihrer deportierten Verwandten ein. Allmählich erscheint das Leben im Exil in einem anderen Licht. Ab 1938 darf Walter Redlich (Merab Ninidze) seinen Beruf nicht mehr ausüben. Der jüdische Anwalt flieht nach Kenia, wohin seine ebenfalls jüdische Frau Jettel (Juliane Köhler) ihm nur widerstrebend folgt. Jettel fühlt sich in erster Linie als deutsche Staatsangehörige und dann erst ihrer Religion zugehörig. Dass man sie in ihrer Heimat verfolgen wird, kann sie sich nicht vorstellen – die Reise nach Afrika ist in ihren Augen ein Kurztrip. Statt des erbetenen Eisschranks packt sie lieber ihr Porzellanservice und ein neues Abendkleid ein. Mit dem bescheidenen Dasein im Busch, wo ihr Mann als Verwalter einer maroden Farm arbeitet, kann sie sich nicht anfreunden. Dagegen blüht ihre introvertierte Tochter Regina (Karoline Eckertz) in der Fremde erst richtig auf. Sie verfällt dem Zauber Afrikas, lernt die Sprache und findet im einheimischen Koch Owuor (Sidede Onyulo) einen Freund, der sie in die Geheimnisse seiner Kultur einführt. Mit Ausbruch des Kriegs treffen schockierende Nachrichten aus Deutschland ein. Jettel, die sich von Walter immer mehr entfernt hat, wird bewusst, dass das Leben im Exil ein Geschenk ist. Allmählich findet das Paar wieder zueinander. Nach Kriegsende wird Walter ein Posten als Richter in Frankfurt angeboten. Zwölf bewegte Jahre sind inzwischen vergangen, in denen Jettel und Regina Kenia schätzen gelernt haben. Die beiden wissen nicht so recht, ob sie in das Land zurückkehren wollen, in dem die Mörder ihrer Eltern noch leben.

So, 19. Jun · 13:05-13:30 · 3sat
Luis Trenker – Pionier und Egomane

Luis Trenker ist auch 25 Jahre nach seinem Tod eine Ikone der Berge: Kein anderer sorgte für eine derart nachhaltige Popularisierung der Lebenswelt in den (Süd-) Tiroler Alpen. Ob als Filmpionier oder als TV-Präsentator, er zog ein Millionenpublikum in den Bann. Ein knorriger Naturbursche mit Filzhut und Bergsteigerhemd: So ist der 1990 verstorbene Luis Trenker bis heute in Erinnerung geblieben. In den 1920er und 1930er Jahren prägte der Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur das junge Genre „Bergfilm“. Seine Filme lockten die Massen ins Kino – und faszinierten gleichzeitig die Diktatoren dieser Zeit, Adolf Hitler und Benito Mussolini. Zu allen Zeiten verstand der gebürtige Grödener, seinen Weg mit nahezu grenzenloser Konsequenz zu gehen. Nicht nur im brüchigen Fels bewegte er sich auf einem schmalen Grat, sondern auch am glatten Parkett der Politik. Vor allem sein Balancieren zwischen italienischem Faschismus, den deutschen Nationalsozialisten und amerikanisch-jüdischen Filmproduzenten sorgt bis heute für heiße Diskussionen, wenn es um die Einschätzung seiner Karriere geht. Unbestritten ist auch, dass er zu allen Zeiten mit seiner Interpretation des Alpinismus und seiner Leidenschaft für die Berge den Nerv der Menschen traf. Im Spielfilm „Der Schmale Grat der Wahrheit“ wird ein facettenreiches wie schonungsloses Bild Trenkers entworfen. Die Dokumentation nimmt die Darstellung des Films auf – und geht zentralen Fragen nach: Wer war er wirklich – für Menschen, die ihn kannten und für Historiker? Was waren die Umstände seiner Zeit – vor allem das Südtirol nach 1918 im italienischen Faschismus? Was waren die Grundlagen für das Bild, das der Spielfilm entwirft? Interviewpartner sind unter anderem sein Sohn Ferdinand Trenker, seine Schwiegertochter Roswitha Trenker, sein Biograf Stefan König, die Historikerin Eva Pfanzelter, der Drehbuchautor Peter Probst und Hauptdarsteller Tobias Moretti. Nach dem Zweiten Weltkrieg positioniert sich der Südtiroler aber trotzdem lieber als Regimegegner. In lebhaft vorgetragenen Anekdoten erzählte er im Fernsehen aus seinem Leben – kurzweilig, erheiternd und unkritisch. Heute zeichnen seine Briefe an NS-Eliten und die Aussagen von Zeithistorikern und Wegbegleitern ein anderes Bild. Es ist das Bild eines Mannes, der kein politischer Fanatiker war, der aber, angetrieben vom Ehrgeiz, sein ganzes Leben lang nach Anerkennung suchte.

Mo, 20. Jun · 10:20-10:50 · SWR BW
Bekannt im Land: Klein-Jerusalem am Rhein – Das jüdische Erbe von Mainz, Worms und Speyer

Das Land Rheinland-Pfalz und die drei Städte Mainz, Worms und Speyer sind dabei, einen historischen jüdischen Städteverbund des Mittelalters zum Weltkulturerbe erklären lassen, den sogenannten „Schum-Verband.“ Der Name „Schum“ ist ein Akronym, er setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der drei hebräischen Städtenamen – Schpyra (Speyer), Warmeisa (Worms) und Magenza (Mainz) – zusammen. Im elften Jahrhundert waren die drei Städte am Rhein Hochburgen jüdischer Gelehrsamkeit. Studenten aus ganz Europa kamen zum Studium an den Rhein. Auf Grund ihrer theologischen Bedeutung für die jüdischen Gemeinden in Zentraleuropa gilt die Region als Geburtsstätte der sogenannten aschkenasischen, das heißt der deutsch-mitteleuropäisch geprägten religiösen Kulturtradition des Judentums. So hatte Worms früher den Ruf des „Jerusalem des Westens“. Die jüdischen Gemeinden der drei Rheinstädte gründeten im Mittelalter den Schum-Verband, eine weltweit historische Besonderheit, die jetzt mit der Ernennung zum Weltkulturerbe gewürdigt werden soll. In einem „Landesart Feature“ stellt Andreas Berg die Geschichte des Klein-Jerusalem am Rhein und die Bemühungen um die Welterbe-Anerkennung vor und zeigt, dass die Schum-Historie bei Juden und Nichtjuden erstaunlich präsent ist.

Di, 21. Jun · 21:10-23:00 · Einsfestival
Gainsbourg – Der Mann, der die Frauen liebte

Im Frankreich der 1940er Jahre träumt der kleine Serge Gainsbourg davon, eines Tages ein berühmter Maler zu werden. Doch dann entdeckt er sein musikalisches Talent und versucht sich als Chansonnier – der Beginn einer einzigartigen Karriere. In den 1960er und 1970er Jahren avanciert der begnadete Selbstdarsteller zur Kultfigur und sorgt mit seinen Kompositionen, Affären und zahlreichen Skandalen für Schlagzeilen. Doch der Ruhm hat Schattenseiten, und Gainsbourgs Drogenkonsum führt ihn immer wieder an den Rand des Abgrunds. Die preisgekrönte Filmbiografie schildert kunstvoll das Leben des legendären Sängers. Frankreich, Anfang der 1940er Jahre. Der kleine Serge ist zwar kein schönes Kind, aber mit seiner vorlauten Klappe lässt der Sohn jüdischer Eltern sich nicht einmal von den Demütigungen durch die deutschen Besatzer unterkriegen. Auch bei älteren Mädchen kann er dank seiner eigenwilligen und wortgewandten Art Eindruck schinden. Mit Musik hingegen hat der junge Serge noch nichts am Hut – er träumt von einer Karriere als Maler. Die Fantasie dazu hätte er: Immer wieder flüchtet er aus der harten Realität des von Nazis okkupierten Frankreich in eine imaginäre Welt. Er erschafft sich sogar eine Art Alter Ego, das wie eine Karikatur seiner selbst aussieht und ihm in schwierigen Situationen zur Seite steht – ihn manchmal aber auch zu unklugen Handlungen verleitet; er nennt es „die Fresse“. Ende der 1950er Jahre verdient Serge, inzwischen ein junger Mann, als Zeichenlehrer sein Geld. Bis ihn „die Fresse“ dazu bringt, sich von der Malerei abzuwenden und in der Welt der Musik sein Glück zu versuchen. Durch den berühmten Schriftsteller und Musikkenner Boris Vian gelingt ihm schließlich ein erster Durchbruch. Damit beginnt eine einzigartige Karriere. Gainsbourg macht durch seine zahllosen Affären mit Stars wie Brigitte Bardot von sich reden und sorgt mit skandalträchtigen Chansons wie dem sexuell aufgeladenen „Je t’aime… moi non plus“ auch international für Schlagzeilen. Erst durch die Liebe zu der fast 20 Jahre jüngeren Jane Birkin scheint sein ausschweifendes Leben eine Wende zu nehmen. Er zeugt ein Kind und wird ein liebender Vater. Auf Dauer aber kann er nicht aus seiner Haut. Bis zum Schluss bleibt Gainsbourg ein genialer, von seinem Alter Ego getriebener Provokateur und subversiver Rebell. Maßloser Konsum von Drogen, Zigaretten und Alkohol sind dabei ein fester Bestandteil seines kultivierten Images als ewiges Enfant terrible – ein Tanz auf dem Vulkan, der nicht ohne Folgen bleiben kann.

Mi, 22. Jun · 00:35-01:55 · Das Erste (ARD)
Simon sagt auf Wiedersehen zu seiner Vorhaut

Simon Grünberg (12) soll seine Vorhaut opfern – und so endlich das Bündnis mit Gott eingehen. Seine Eltern haben sich getrennt, er wohnt abwechselnd bei seinem gläubigen Vater Frank und seiner sehr weltlich orientierten Mutter Hannah. Kein Wunder, dass deren Begegnungen mit apokalyptischen Streitigkeiten verbunden sind. Während Hannah sich seit der Trennung ungebremst ihrer Tätigkeit als Autorin erotischer Liebesromane hingibt, möchte Frank die Regeln und Rituale des Judentums nun mit noch größerer Konsequenz praktizieren. Dazu gehört auch sein dringender Wunsch, dass Simons Beschneidung endlich nachgeholt wird. Simons Leben wird erschüttert, als er sich mit großer Heftigkeit in die neue Rabbinerin Rebecca verliebt, die ungünstigerweise 20 Jahre älter ist als er. Aber Simon ist sich sicher: Sie ist sein „Weib der ersten Liebe“, für das es, einer Talmudstelle gemäß, „keinen Ersatz auf der Welt gibt“. Mit seinen beiden Freunden Clemens und Ben beschließt Simon, Rebecca nach allen Regeln der machiavellistischen Kriegslist zu erobern. Er scheint nicht der einzige zu sein, der es auf Rebecca abgesehen hat – der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Simon meint, in seinem Vater seinen größten Gegner zu erkennen. In dem Jungen entbrennt eine ungeahnte Kampfeslust. Er ist bereit, aufs Ganze zu gehen und seinen ersten Eroberungsfeldzug zu führen: Rebecca wird von nun an Tag und Nacht beobachtet, alles wird über sie gesammelt und im Keller akribisch genau geordnet und studiert. Darüber hinaus scheut Simon keine Mühen, das Weib „seiner ersten Liebe“ zu beeindrucken.

Mi, 22. Jun · 12:00-12:30 · 3sat
Laufen bis zum Umfallen

Im Konzentrationslager Sachsenhausen mussten Häftlinge auf einer speziell angelegten „Schuhprüfstrecke“ deutsches Schuhwerk testen – hunderte starben dabei an Erschöpfung. Sie wurden gezwungen, bis zu 48 Kilometer am Tag auf der 700 Meter langen Strecke zurückzulegen, die abwechselnd mit Split, Schotter, Lehm und Schlacke ausgelegt war. Das „Schuhläuferkommando“ war als Strafkommando unter Häftlingen besonders gefürchtet. Wie die Historikerin Anne Sudrow aufgedeckt hat, diente die „Schuhprüfstrecke“ fast der gesamten damaligen Schuhindustrie und ihren Zulieferfirmen dazu, ihre Produkte preiswert zu testen und weiterzuentwickeln. Darunter sind auch Firmen, die bis heute erfolgreich sind. Materialien und Verarbeitungsformen, die zum Teil immer noch Verwendung finden, wurden maßgeblich durch brutale Menschenversuche im KZ Sachsenhausen entwickelt. Die Testreihen auf der „Schuhprüfstrecke“ sind die einzigen Humanexperimente im KZ, die nicht medizinischen, biowissenschaftlichen oder biochemischen Zwecken dienten, sondern vornehmlich der Wirtschaft. Heute leben noch fünf Zeitzeugen dieser menschenverachtenden Experimente. Einer von ihnen ist der 93-jährige Joop Snep. Er kam ins KZ, weil er Juden zur Flucht verhalf. Anlässlich der offiziellen Feier zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ kommt er noch einmal nach Sachsenhausen. Wie hat er die damaligen Torturen verarbeitet? Wie geht er mit seinen Erinnerungen um? Empfindet er Wut oder gar Hass? Die Filmemacherinnen fragen auch bei deutschen Unternehmen nach, deren Vorgängerfirmen ihre Produkte im KZ testen ließen. Sehen sie sich in der Verantwortung?

Do, 23. Jun · 14:15-15:00 · Einsfestival
Sababa – Israelis und ihr Berlin

Mehr und mehr Israelis zieht es nach Berlin. Über 20.000 leben in der Stadt. Oft sind es Künstler, Schriftsteller, Musiker, Maler, Schauspieler. Warum sind sie gekommen, was suchen sie, was finden sie hier? Welche Orte in Berlin faszinieren sie, wo spüren Israelis Fremdheit und Anderssein? Und wo prägen sie das kulturelle Leben? Ein anderer Blick auf Berlin, auf was ist und was war. Mehr und mehr Israelis zieht es nach Berlin. Über 20.000 leben in der Stadt. Oft sind es Künstler, Schriftsteller, Musiker, Maler, Schauspieler. Warum sind sie gekommen, was suchen sie, was finden sie hier? Viele sagen, am Anfang seien sie von den Partys begeistert gewesen, später haben sie sich mit israelischen Freunden darüber unterhalten, wo es den besten Hummus gibt, irgendwann aber konnte niemand mehr durch diese Stadt gehen, ohne daran zu denken, dass von Berlin das Morden, die Shoah, ausging. Und dennoch ist Berlin für viele Israelis zu dem Ort geworden, an dem sie leben wollen. Zum 50. Jahrestag der Aufnahme der Deutsch-Israelischen Beziehungen (2015), wollen wir von dem „Dennoch“ erzählen. Wir wollen fragen, was macht das Leben aus? „Sababa“ – was so viel heißt, wie ein großer Spaß. Was sind die Orte, die speziell sind, die Israelis faszinieren, die es nur in Berlin gibt? Die für sie eine Geschichte haben, auch eine Spannung von Fremdheit und Anderssein? Geschichte und Geschichten, vorgestellt und erzählt von der israelischen Schauspielerin und Stadtführerin Shlomit Lasky.

Do, 23. Jun · 23:15-23:45 · SWR BW
lesenswert sachbuch – mit Gila Lustiger

In „lesenwert sachbuch“ ist dieses Mal die bekannte, jüdische Autorin Gila Lustiger bei Walter Janson zu Gast. Gila Lustiger beschreibt in ihrem Essay „Erschütterung“, was sich seit den Anschlägen vom November in Paris für sie und ihr Umfeld verändert hat. Sie schreibt über die Ängste einer Mutter in Zeiten der Gefahr und sucht ganz nüchtern nach den Gründen, warum überwiegend in Frankreich aufgewachsene junge Männer zu solchen Taten bereit sind. In „lesenwert sachbuch“ ist dieses Mal die bekannte, jüdische Autorin Gila Lustiger bei Walter Janson zu Gast. Gila Lustiger beschreibt in ihrem Essay „Erschütterung“, was sich seit den Anschlägen vom November in Paris für sie und ihr Umfeld verändert hat. Sie schreibt über die Ängste einer Mutter in Zeiten der Gefahr und sucht ganz nüchtern nach den Gründen, warum überwiegend in Frankreich aufgewachsene junge Männer zu solchen Taten bereit sind. Dabei spannt sie gekonnt einen Bogen von den Unruhen in Frankreich 2005 zu den Anschlägen von 2015 und berichtet von der Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit einer Generation aus den Vororten, die den Nährboden für den heutigen Fanatismus bilden. Im Zuge dieser zunehmenden Radikalisierung, kommt es in den letzten Jahren vermehrt zu Antisemitismus. Immer mehr französische Juden resignieren und wandern nach Israel aus. So erzählt sie ganz offen davon, wie sich auch in ihrem Freundeskreis zunehmend ein unversöhnlicher Riss bei der Haltung zur Einwanderung, Integration und Terrorgefahr abzeichnet. Gila Lustiger, 1963 in Frankfurt am Main geboren, lebt seit 1987 in Paris und ist Autorin mehrerer erfolgreicher Romane. Im Januar 2015, eine Woche vor den Terroranschlägen auf das Satiremagazin Charlie Hebdo, erschien ihr hellsichtiger und vielgelobter Gesellschaftsroman „Die Schuld der anderen“, der wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste stand.

Sa, 25. Jun · 18:00-18:30 · RBB Berlin
Mit einem Koffer voller Lieder

Peter-Michael Seifried ist immer auf Achse. Der Kirchenmusiker aus Berlin ist seit vielen Jahren Kreiskantor in Jüterbog. Nun will er ungewohnte Klänge in die Provinz bringen. Gerade in Jüterbog, wo im vergangenen November Neonazis einen Flüchtlingstreff in Brand gesetzt haben, will er ein Zeichen setzen. Jüdische, christliche und muslimische Musiker lassen sich von ihm mitreißen. Peter-Michael Seifried ist immer auf Achse. Der Kirchenmusiker aus Berlin ist seit vielen Jahren Kreiskantor in Jüterbog. Nun will er ungewohnte Klänge in die Provinz bringen. Gerade in Jüterbog, wo im vergangenen November Neonazis einen Flüchtlingstreff in Brand gesetzt haben, will er ein Zeichen setzen. Seifried nimmt Kontakt zur Omar Ibn Al Khattab Moschee in Berlin Kreuzberg auf und gewinnt die Gesangsgruppe der Gemeinde für ein Konzert. Die junge israelische Kantorin Aviv Weinberg, die gerade ihre Ausbildung am Abraham Geiger Institut beendet hat, muss nicht lange überlegen, sie wird ebenfalls mitmachen. Zurück in Jüterbog besuchen Kantor Seifried und sein Kollege Johannes Ratgeber beladen mit Rhythmus-Instrumenten das neu eröffnete Übergangsheim für geflüchtete Familien. Binnen weniger Minuten füllt sich der Raum mit Kindern, die trommelnd und rasselnd musizieren. Die 40 Männer und Frauen des Chors der Kantorei Jüterbog treffen sich zur letzten Probe vor dem Konzert. Dann kommen insgesamt 150 Kinder, Jugendliche, Erwachsene, christliche, jüdische, muslimische Menschen zusammen, um die Gesänge ihrer Religion und Kultur zu teilen. Die Kirche füllt sich mit Besuchern, unter ihnen auch arabische Gäste.

So, 26. Jun · 01:15-03:00 · Das Erste (ARD)
Die Kammer

Der junge Rechtsanwalt Adam Hall nimmt sich eines äußert heiklen Falls an – er will den wegen zweifachen Mordes verurteilten Ku-Klux-Klan-Anhänger Sam Cayhall vor der Todesstrafe bewahren. Das Besondere an der Sache: Cayhall ist Adams Großvater. Die beiden haben sich nie zuvor gesehen, und der alte Mann begegnet seinem Enkel voller Ablehnung. Adam teilt zwar nicht die rassistischen Ansichten seines uneinsichtigen Großvaters, doch er ist überzeugt, dass dieser zu Unrecht als Haupttäter verurteilt wurde. Um dies zu beweisen, bleiben ihm jedoch nur 28 Tage – dann soll Cayhall hingerichtet werden. Die packende John-Grisham-Verfilmung zeigt den zweifachen Oscar-Preisträger Gene Hackman in einer seiner herausforderndsten Rollen.

Di, 28. Jun · 20:15-21:00 · HR
Friedberg und die Wetterau

Eine Landschaft wie im Bilderbuch – nur wenige Kilometer von Frankfurt entfernt: die Wetterau. Die uralte Kulturlandschaft ist heute Lebensraum für unzählige Pendler, die in Frankfurt arbeiten. Aber noch gibt es große Weiden, Schafherden und romantische Momente wie eine Bahnfahrt mit Dampflok – und mittendrin: Friedberg, 800 Jahre alt, mit reicher Geschichte. Filmautor Alexander C. Stenzel besucht die 750 Jahre alte Mikwe, das alte jüdische Bad, das die lange jüdische Geschichte Friedbergs bezeugt. Historisch und archäologisch haben Friedberg und die Wetterau viel zu bieten: Der Leiter des Büdinger Sandrosenmuseums zeigt, wo er seine seltenen Fundstücke sucht. Kulturell hatte Friedberg aber nicht nur früher, sondern auch heute etwas zu bieten. Ein Kulturzentrum in Friedberg, das einmal ein Hallenbad war? Über viele Jahre hinweg hat eine Bürgerinitiative den alten Jugendstilbau gerettet und in das „Theater Altes Hallenbad“ verwandelt: Dort ist ein Poetry-Slam-Wettbewerb zu erleben und zu erfahren, was sonst noch los ist in der hessischen Kreisstadt. Alexander C. Stenzel besucht eine Edelobstbrennerei, die Apfelschnaps herstellt, und mit einer Gruppe des Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Clubs (ADFC) erkundet er per Rad die Gegend zwischen Friedberg und Bad Nauheim. Nach so viel Kultur und Geschichte gönnt er sich zum Schluss einen sauergespritzten Apfelwein in der Ockstädter Straußwirtschaft „Zum Gerippte“.

Di, 28. Jun · 22:45-00:05 · Das Erste (ARD)
Anderswo

Noa ist Anfang 30. Sie lebt seit acht Jahren in Berlin, beendet gerade ihr Studium und steckt plötzlich mitten in einer Krise. Wo gehört sie hin? Zu Jörg, ihrem deutschen Freund, bei dem sie gerade eingezogen ist, oder nach Israel zu ihrer Familie und ihren alten Freunden? Sie erkennt sich selbst nicht wieder. Als dann auch noch die Professorin ihre hochambitionierte Masterarbeit, ein Wörterbuch für unübersetzbare Wörter, für unzureichend erklärt, und Jörg mit seinem Orchester auf Konzertreise geht, nimmt sich Noa eine Auszeit. Spontan fliegt sie nach Israel. Ein paar Tage Heimaturlaub. Sonne, Familie, Essen, Muttersprache. Doch was als Kurztrip gedacht war, dehnt sich aus. Ihre geliebte Oma liegt im Sterben und alte Familienkonflikte kochen wieder hoch. Als völlig überraschend auch noch Jörg nach Israel kommt, um seine Liebe zurück zu holen, ist das emotionale Chaos perfekt. Jörg lernt nicht nur zum ersten Mal Noas Familie kennen, sondern auch ganz neue Seiten an seiner Freundin.

Mi, 29. Jun · 00:25-02:05 · Das Erste (ARD)
Jeder stirbt für sich allein

Als 1940 der einzige Sohn von Otto und Anna Quangel in Frankreich fällt, engagiert sich das bis dahin unpolitische Berliner Handwerkerehepaar gegen das Nazi-Regime. Sie beginnen eine Postkarten-Aktion gegen Hitler. Schon bald kommt die Gestapo ihnen auf die Spur und sie müssen ihren Mut mit dem Leben bezahlen. Carl Raddatz und Hildegard Knef übernahmen die Hauptrollen in dieser eindrucksvollen Verfilmung des gleichnamigen Romans von Hans Fallada. Otto Quangel (Carl Raddatz) und seine Frau Anna (Hildegard Knef) sehen ihren Sohn zum letzten Mal, als dieser im Jahre 1940 während eines Urlaubs in Berlin seinen Marschbefehl erhält. Bald darauf erreicht sie die Nachricht, dass er in Frankreich gefallen ist – „für Führer, Volk und Vaterland“, wie es im offiziellen Schreiben der Heeresleitung heißt. Für Anna bricht mit dem Tod ihres einzigen Kindes die Welt zusammen. In ihren Augen ist der pathetisch proklamierte „Heldentod“ nichts weiter als ein Mord, den Hitler zu verantworten hat. Als ihr ein Stapel unbenutzter Feldpostkarten in die Hände fällt, schreibt sie auf eine von diesen, wie ihr zumute ist: „Der Führer hat mir meinen Sohn ermordet …“ Sie legt die Karte heimlich in der Stadt ab, in der Hoffnung, ein paar Menschen auf diese Weise aus ihrem blinden Glauben an Hitler wachrütteln zu können. Ihr Mann, Werkmeister in einem großen Tischlereibetrieb, in dem kriegsbedingt vorwiegend Särge produziert werden, schließt sich seiner Frau an. Die beiden deponieren Karten mit ihrem persönlichen Aufruf zum Widerstand an vielen Stellen der Stadt. Die Suche nach dem „Klabautermann“, wie die Gestapo die unbekannten Schreiber der Karten nennt, fällt zunächst schwer. Die meisten Protestschreiben werden von obrigkeitshörigen Bürgern bei der Polizei abgeliefert. Als Kommissar Escherich (Martin Hirthe) mit Hilfe des schmierigen Hauswarts Borkhausen (Heinz Reincke) den Quangels dann doch auf die Spur kommt, landet das Ehepaar vor dem „Volksgerichtshof“. Die Verhandlung ist eine bloße Farce, das Todesurteil gegen beide steht längst fest. Alfred Vohrer hat Hans Falladas 1947 erschienenen Roman über zwei einfache Menschen aus dem deutschen Widerstand mit einem großen Aufgebot namhafter Schauspieler überzeugend verfilmt und ein breites Spektrum damaliger politischer Wirklichkeit ausgeleuchtet, von den Opfern der Naziherrschaft über opportunistische Mitläufer und Gesinnungsgenossen bis zu den brutalen Tätern.