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Wiener Mosaik

Kurznachrichten aus Österreich…

Von Peter Stiegnitz

Israelbesuch

Mehrere österreichische Medien  berichteten über die „Israel-Mission“ von den beiden Klubchefs im Parlament, Reinhold Lopatka (ÖVP) und Andreas Schieder (SPÖ). Knapp davor besuchte der junge und sehr erfolgreiche Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) Israel. Neben mehreren führenden israelischen Politikern trafen sich die beiden Klubchefs auch mit dem Vorsitzenden der Israelisch-Österreichischen Freundschaftsgruppe im Knesset, Amir Peretz. Der eigentliche Anlass der Israelreise war das 60-jährige Jubiläum der diplomatischen Beziehung zwischen Israel und Österreich.

Pleite der Iran-Geschäfte

Die großangekündigten Chancen der österreichischen (Export-)Wirtschaft nach dem Ende der Iran-Sanktionen mit Teheran scheinen sich in Luft aufgelöst zu haben. Deshalb titelte „Die Presse“: „Irangeschäfte: Das Ende der Euphorie“. Der Grund dafür liegt vor allem in der nach wie vor unsicheren politischen Lage im Iran, welche auch die österreichischen Banken, die nur sehr vorsichtig solche Geschäfte finanzieren, da sie mehr als genug Geld in Osteuropa verloren haben, zu Restriktionen veranlassen. Dazu kommt, dass die USA die Sanktionen nur zum Teil aufgehoben haben.

Neo-Nazi Mörder

Ein junges Mitglied der berüchtigten Neo-Nazi Organisation „Blood and Honour“ in Vorarlberg lief Amok: zwei Tote und zwölf Verletzte zogen ihre blutigen Spur. Der Mörder wurde bisher acht Mal wegen Körperverletzung, gefährliche Drohung und Verstößen gegen das Waffengesetz rechtskräftig verurteilt. Nach seiner Bluttat tötete er sich selber. „Bloot and Honour“ wurde Anfang der 1980-er Jahre nach dem Sänger einer britischen Nazi-Band I.S. Donaldson gegründet. Der Vorsitzende des Mauthausen-Komitees Willi Mernyi warnte vor Folgeerscheinungen: „Wie viele Tote brauchen wir in Österreich noch, bis endlich ein Nationaler Aktionsplan gegen Rechtsextremismus in die Tat  umgesetzt wird?“

Mauthausen-Gedenken

Viele tausend Menschen, darunter Bundespräsident Heinz Fischer, haben in Mauthausen der Befreiung des KZ-Lagers vor 71 Jahren gedacht. Zu diesem Anlass erinnerte Willi Mernyi an die lebenswichtige Solidarität der Gefangenen in Mauthausen. – Das ehemalig Konzentrationslager wird ab Anfang nächsten Jahres aus dem bisher zuständigen Innenministerium ausgegliedert und zu einer Bundesanstalt öffentlichen Rechts umgewandelt. Dabei plant man die Gründung eines Kuratoriums und eines international beschickten Beirats.

Hitlers Haus

Das jüdische Magazin „wina“ berichtete kürzlich, dass Hitlers Geburtshaus in Braunau wahrscheinlich enteignet wird. Die derzeitige Besitzerin Gerlinde Pommer, war nicht bereit, das Haus der öffentlichen Hand zu verkaufen. Land und Bund wollen nämlich verhindern, dass Neo-Nazi Organisationen ihre „Gedenkstätte“ missbräuchlich verwenden. Nach dem „Anschluss“ wurde das Haus von der NSDAP gekauft und der heutigen Besitzerin 1977 geschenkt. Jahre lang wurde es als „Schulhaus“ und etwas später als eine Bibliothek genützt.

Gedenkstunde

Die beiden Präsidenten des österreichischen Parlaments – Bundesrat und Nationalrat – erinnerten im Rahmen einer Gedenkveranstaltung einerseits an die Opfer der Nazi-Barbarei und andererseits an die Mitschuld zahlreicher Österreicher zwischen 1938 und 1945 an Mord und Raub in diesen Jahren. Im künstlerischen Programm las die Schauspielerin Anne Bennent Paul Celans „Todesfuge“. Der Vorsitzende des Österreichischen Zukunftsfonds, Kurt Scholz, schrieb dazu in „Die Presse“ unter anderem: „Hilft die Erinnerung? Lernen die Menschen aus der Geschichte? Ja, wenn sie wollen. Die Gedenkstunde im Parlament zeigte es.“

„Anatevka“ in der Volksoper

Meine Frau weinte. Auch ich kämpfte mit den Tränen. Helga, meine Frau, schaute atemlos auf die Bühne als der Chor mit „An-a-tev-ka“ Abschied von ihrem Dorf, von ihrem Heim nehmen musste. Mit großem Erfolg und Standing-ovation-Applaus bedankte sich das Publikum der Wiener Volksoper, die seit der Direktion von Robert Meyer stets vor „vollem Haus“ spielt, für die grandiose, aber auch bedrückende Vorführung von „Anatevka“. Aus seinen gesammelten Erzählungen entstand der Roman  „Tewje der Milchmann“ des in der Ukraine geborenen Sholem Rabinowitsch, der unter dem Namen „Sholem Alejchem“ bekannt wurde. Kurt Rydls Bass in der Titelrolle unter der einfühlsamen musikalischen Führung von Guido Macusi und Mathias Davids Regie ließen das Publikum keine Sekunde los. Aber auch alle anderen Sänger und Tänzer haben Liebe und Leid im Dorf Anatevka so plastisch auf die Bühne gebracht, dass man das Gefühl hatte, Teilhaber dieses Menschenlebens zu sein. Am Heimweg zitterte Helgas Stimme immer noch: „Ich begreife nicht, warum man unschuldigen Menschen so etwas antun konnte …“  Man kann es wirklich nicht begreifen.