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Paul-Spiegel-Preis 2016 an Verein „Gesicht Zeigen!“ verliehen

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat am Mittwoch in Düsseldorf den Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage 2016 an den Verein „Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland“ verliehen. Bei dem Festakt in der Synagoge der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf wurde anlässlich des zehnten Todestages zugleich der frühere Präsident des Zentralrats der Juden und Mitgründer von „Gesicht Zeigen!“, Paul Spiegel sel. A., geehrt…

Der Verein „Gesicht Zeigen!“ klärt mit Kampagnen die Öffentlichkeit über Rassismus und Rechtsextremismus auf und macht damit auf gesellschaftliche Fehlentwicklungen aufmerksam. Zudem bekommen vor allem junge Menschen durch kostenlose Materialien, Ausstellungen und über pädagogische Projekte Hilfestellung, um gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus vorgehen zu können und ihre Zivilcourage zu stärken.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Dr. Josef Schuster, sagte beim Festakt, es brauche „beharrliche, kontinuierliche Arbeit an der Basis, um Rechtsextremismus nachhaltig zu bekämpfen.“ Dies leiste der Verein auf vorbildliche Weise seit seiner Gründung im Jahr 2000. Heutzutage müssten wir uns „nicht nur mit Rechtsextremen, mit Rechtspopulisten und Ausländerfeinden auseinandersetzen, sondern hinzu kommt noch eine ausgeprägte Islam-Feindlichkeit, die sich bis in bürgerliche Kreise hinein findet“. Es sei daher wichtig, auch in Alltagssituationen schon einzuschreiten, wenn jemand diskriminiert werde.

In ihrer Laudatio würdigte Christina Rau, die Witwe des früheren Bundespräsidenten Johannes Rau, den Verein „Gesicht Zeigen!“ als „unüberhörbare Stimme“ gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. Sie rief dazu auf, dass möglichst viele Menschen Gesicht zeigen und öffentlich auftreten sollten gegen Menschenfeindlichkeit und für die Würde jedes einzelnen Menschen. „Wir in Deutschland haben besonderen Grund, wachsam zu sein gegenüber allen Formen des Antisemitismus, weil wir wissen, wohin er geführt hat“, sagte Frau Rau.

Der Vorsitzende von „Gesicht Zeigen!“, Uwe-Karsten Heye, unterstrich in seiner Dankesrede, dass es heute darum gehe, „Flüchtlinge vor der aggressiven Gewaltbereitschaft des rechten Randes der Gesellschaft zu schützen“. Er appellierte an die Politik, sich davor zu hüten, „verbreiteten Stimmungen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit nachzugeben“.

An dem Festakt nahmen neben der Witwe von Paul Spiegel sel. A., Gisèle Spiegel, und der stellvertretenden Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Sylvia Löhrmann, zahlreiche weitere prominente Gäste teil. Der Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage wird vom Zentralrat der Juden in Deutschland seit 2009 vergeben und ist mit 5.000 Euro dotiert.

18. Mai 2016 / 10. Ijar 5776
Foto oben: Medaille Paul-Spiegel-Preis 2015, (C) Zentralrat der Juden in Deutschland