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Wiener Mosaik

Kurznachrichten aus Österreich…

Von Peter Stiegnitz

Der Besuch, der keiner ist

Über den geplanten Besuch des iranischen Präsidenten Hassan Rohani in Österreich berichteten wir bereits; doch es wurde nichts daraus. Die ihn begleitende Wirtschaftsdelegation landete zwar in Wien, doch ohne ihren Präsidenten. Der Grund der offiziellen Entschuldigung fiel eher lapidar aus: aus „Sicherheitsgründen“. Auch die österreichischen Medien rätselten, warum der Staatsbesuch in letzter Sekunde abgesagt wurde. Man nahm an, dass der wahre Grund die in Wien offiziell angemeldeten Gegendemonstrationen waren. Laut „Die Presse“ verlangten die Iraner diese Demonstrationen aus dem Umfeld der Hofburg, wo Bundespräsident Heinz Fischer „seinen“ Gast empfangen hätte, zu verbannen. Und der Kommentar der Iraner: „Es habe den Anschein, dass Österreich die Beziehungen `zu den Zionisten` wichtiger seien, als zum Iran.“ Dass Österreich ein Rechtstaat ist, wo man angemeldete friedliche Demonstrationen nicht verbieten kann, scheint im Iran unbekannt zu sein. Dazu Christian Ultsch  in der „Presse“: „Wenn Heinz Fischer Irans Präsidenten schon einladen muss, dann sollte er wenigstens die iranische Repression und die Hetze gegen Israel brandmarken.“

Die Israelhasserin

Im Parlament, wo die beiden gesetzgebenden Körperschaften, der Nationalrat und der Bundesrat sitzen, hätte eine Veranstaltung („In Großmutters Worten“) stattfinden sollen. Dabei hätten Zeitzeuginnen über das Frauenschicksal im Zweiten Weltkrieg berichtet. Die einzige jüdische Teilnehmerin, die 91jährige Hedy Epstein war auch nach Wien eingeladen. Epstein, darüber berichteten auch israelische Medien, würde sehr gut in die israelfeindliche Politik des Irans passen. Sie vergleicht nämlich die israelische Politik mit Nazi-Deutschland und unterstützt die Hamas. Präsidentin Doris Bures hatte kurzerhand die Veranstaltung abgesagt.

Mein Freund Sarközi

Es war viele Jahre her, als sich zwei Holocaustopfer, der Obmann des Kulturvereins der Roma in Österreich und ich, der Jude, trafen und gemeinsam Projekte besprachen. Wir freundeten uns schnell an. Jetzt, nach langer Krankheit ist Rudolf („Rudi“) Sarközi 71-jährig gestorben. Sarközi wurde im burgenländischen Lackenbach geboren, wo die Nazis ein „Zigeuner-Anhaltelager“ errichteten; hier wurden die Gefangenen in die Vernichtungslager weiter transportiert. Ihm, dem kompromisslosen „Verarbeiter“ (wie er das selber nannte) des Romaschicksals in der NS-Barbarei, gelang es, die Roma und Sinti als offizielle Volksgruppe in Österreich anerkennen zu lassen. Sarközi ist es zu verdanken, dass heute, wenn von den NS-Opfern die Rede ist, auch an die Roma und Sinti gedacht wird. (Bild oben: Rudolf Sarközi 2013, (c) Franz Johann Morgenbesser)

„Hitlergruß“ auf türkisch

Zu dem auch in Österreich tätigen türkischen Verein „Avrasya“ unterhält die Linzer SPÖ gute Kontakte. Avrasya ist ein Ableger  der rechtsextremen „Grauen Wölfe“. Für einen veritablen Skandal sorgte ein Avrasya-Funktionär, der sich in Mauthausen mit dem „Wolfsgruß“, dem Pendant zum Hitler-Gruß, fotografieren ließ. Das Foto wurde mit dem Text „Abdurrahman A., mein Bruder, in Hitlers Konzentrationslager. Weder Amerika, noch Russland, noch China. Alles für das Türkentum!“ Der Linzer Bürgermeister Klaus Lugner (SPÖ) geht jetzt zu diesem türkischen Verein auf Distanz. So wurde jetzt Avrasya  zur 1.Mai-Feier der Linzer Sozialdemokraten nicht eingeladen.

Der „Vater der Türken“

Die „Grauen Wölfe“ gehören zwar nicht der türkischen Regierung an, doch werden sie heute in der Türkei mehr als nur bloß geduldet. Das war allerdings nicht immer so; einst gehörte die Türkei politisch zu den fortschrittlichsten Ländern Eurasiens. Die großen, heute noch, wenn auch eher im halboffiziellen Teil spürbaren Reformen begannen 1918 mit dem Niedergang des osmanischen Reiches. Damals griff Mustafa Kemal Pascha, der spätere „Atatürk“ („Vater der Türken“) hart durch In seinem monumentalen Reformwerk ersetzte er alle Koranschulen mit staatlichen Bildungsanstalten, löste Arabisch und Persisch als Sprache des Korans durch Türkisch ab. 1924  ersetzte er die geistlichen Gerichte durch Zivilgerichte und „Atatürk“, der gläubige Muslim, ordnete eine völlige Religionsfreiheit an. Deshalb gilt die Türkei, wenn auch nur mehr auf dem Papier, heute noch als „laizistischer Staat“. „Als Machtpolitiker und Symbolfigur eines neuen starken Nationalbewusstseins treibt er die Veränderung und Modernisierung seines Landes nach westlichem Vorbild voran … und sorgt (auch) für die Gleichstellung der Frauen“  – schreibt M.Sükrü Hanioglu, Professor an der Princeton University, N.J., in seinem Buch „Atatürk“ (Theiss-WBG Verlag, Darmstadt 2015).

Das Böse im Film

„Der Nationalsozialismus im Film“ hieß die Tagung der „Rechnitzer Flüchtlings- und Gedenkinitiative“ (Oberwart/Burgenland). An dieser Tagung  wurde vor allem die Frage der „Erinnerung“ von mehreren Seiten her behandelt, da „Film und visuelle Medien schaffen nicht nur Räume, in denen Auslegung von Vergangenheit verhandelt wird, sondern sie nehmen auch Einfluss auf das ,Wie` der Erinnerung“ – so die Gestalterinnen der Tagung, Eva Schwarzmayer und Christine Teuschler.