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Die neuen Fernsehtipps

Vom 16. bis 30. April 2016…

Sa, 16. Apr · 01:45-02:29 · arte
Pop-Legenden: Amy Winehouse

Ihr Tod kam nicht unerwartet, ihre Familie, ihre Freunde und ihre Fans waren dennoch geschockt. In den letzten fünf Jahren ihres Lebens hatten sie miterlebt, wie sich Amy Winehouse immer tiefer in einen zerstörerischen Kreislauf von Drogen und Alkohol verlor, und sie hatten ihr nicht helfen können. Sie wurde nur 27 Jahre alt. Die Dokumentation blickt hinter die Legende, auf den Menschen Amy Winehouse. Mit Hilfe exklusiver Interviews ergründet sie die Brüche in Amys Leben und versucht, ihre komplexe Persönlichkeit verständlich zu machen. Das Leben von Amy Winehouse war nicht immer chaotisch. Geboren am 14. September 1983, wächst sie in einer mittelständischen jüdischen Familie im Norden Londons auf. Amy liebt nichts mehr als das Singen – ihr Vater, selbst ein Musiknarr, bringt ihr die Songs von Frank Sinatra, Tony Bennett und Ella Fitzgerald bei. Doch 1992 trennen sich ihre Eltern. Für die neunjährige Amy bricht eine Welt zusammen. Ihr erstes Album, „Frank“, erscheint 2003; Fans und Kritiker trauen ihren Ohren nicht. Wer ist dieses Mädchen, das da von ihren persönlichen Problemen singt? Das Album macht Amy über Nacht zum Star. Ende 2004 lernt sie auf einer Kneipentour die Liebe ihres Lebens kennen: Blake Fielder-Civil wird die wichtigste Person in Amys Leben. Gemeinsam geben sie sich Alkoholexzessen hin. Als Blake sie nach einem Jahr verlässt, ist sie am Boden zerstört. Amy flüchtet sich in die Arbeit, kehrt ins Studio zurück und produziert in wenigen Wochen ein Album, das Musikgeschichte schreibt: „Back to Black“ (2006). Mit Liedern wie „Rehab“, der ersten Singleauskopplung aus „Back to Black“, und „Love Is a Losing Game“ verarbeitet sie das Trauma ihrer gescheiterten Beziehung. Das Album ist künstlerisch brillant, aber auch Ausdruck abgrundtiefer Depression und seelischen und körperlichen Verfalls. Mit dem Welterfolg taucht auch Blake wieder auf. Es bleibt nicht beim Alkohol, beide verfallen der Heroin- und Kokainsucht. Als Blake Ende 2007 wegen schwerer Körperverletzung ins Gefängnis muss, verliert Amy den Boden unter den Füßen. Beruflich ist sie, nach dem Gewinn von fünf Grammys, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, aber persönlich ist sie ein gebrochener Mensch. Sie versucht vergeblich, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Am 23. Juli 2011 stirbt sie an einer Alkoholvergiftung. Der Dokumentation ist es erstmals gelungen, neben ihren Eltern Janis und Mitch Winehouse auch engste Vertraute und Wegbegleiter vor die Kamera zu bringen.

So, 17. Apr · 08:15-08:45 · SWR BW
Die Püppchen von der Auguststraße

Ruth und Regina sind in der Auguststraße in Berlin Mitte groß geworden. Bereits 1935 wurden der Mutter und ihren Kindern die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen – ihr Vater war Jude. Fünf Jahre später starb ihre Mutter an Tuberkulose und die Mädchen kamen ins Jüdische Kinderheim. In der Reportage führen uns die Zwillingsschwestern, die heute in Tel Aviv leben, an all jene Orte, die es ihnen möglich gemacht haben, dem Transport in ein Lager zu entkommen und so die Kriegszeit zu überleben. „Ruthchen und Ginchen“ haben sich noch einmal auf den Weg gemacht. Vermutlich zum letzten Mal in ihrem Leben kommt das Zwillingspaar, heute 85 Jahre alt, von Tel Aviv nach Berlin. Hier haben die Mädchen ihre Kindheit verbracht und Visionen von einem Leben als Bühnenstars gehabt Ruth und Regina sind in der Auguststraße in Berlin Mitte groß geworden. Bereits 1935 wurden der Mutter und ihren Kindern die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen – ihr Vater war Jude. Fünf Jahre später starb ihre Mutter an Tuberkulose und die Mädchen kamen ins Jüdische Kinderheim. In der Reportage führen uns die Zwillingsschwestern an all jene Orte, die es ihnen möglich gemacht haben, dem Transport in ein Lager zu entkommen und so die Kriegszeit zu überleben. Der Höhepunkt ihres knapp einwöchigen Aufenthaltes ist ein Besuch im Kino Babylon. Dort haben beide ihren ersten Film mit Shirley Temple gesehen, der sie nacheifern wollten – wenn sie gekonnt hätten. Nun, fast am Ende ihres Lebens dürfen sie hier im Babylon gemeinsam auf der Bühne stehen und singen.

So, 17. Apr · 13:35-14:15 · 3sat
Können Haare Sünde sein?

Das vitale lange Haar als Zeichen von Stärke oder von Fruchtbarkeit wurde in den Jahrhunderten auf verschiedene Weisen ver- oder enthüllt. Die Dokumentation „Können Haare Sünde sein?“ fragt nach der Bedeutung dieser Art der „Verhüllung“ und „Enthüllung“ in der Kulturgeschichte von Islam, Christentum und Judentum und legt den Fokus dabei vor allem auf die Frauen.

Mo, 18. Apr · 00:05-00:57 · arte
Zubin Mehta – Dirigent und Weltbürger

Zubin Mehta ist einer der charismatischsten Dirigenten unserer Zeit. Ein Weltbürger, der viele Facetten in seiner Person vereint: indische Kultur und parsische Spiritualität, nordamerikanische Lebensart und europäische Musiktradition. ARTE widmet Zubin Mehta ein Porträt anlässlich seines 80. Geburtstags und begleitet ihn an aktuelle Wirkungsstätten und wichtige Stationen seines Lebens. Spricht man über Zubin Mehta, so ist seine überragende Leistung im klassischen Konzert und in der Oper nur ein Thema – das andere ist sein Engagement für eine bessere Welt. Immer wieder hat er politische Zeichen gesetzt, so als er 1967 im Sechstagekrieg nach Israel eilte und das in Gasmasken spielende Israel Philharmonic Orchestra dirigierte. Oder als er vor wenigen Jahren mit dem Bayerischen Staatsorchester in die Krisenregion Kaschmir reiste, als Versöhnungsappell an Indien und Pakistan. Dieses Verantwortungsbewusstsein teilt er mit Daniel Barenboim. Beide verbindet eine lebenslange Freundschaft. Die Dokumentation begleitet Zubin Mehta an Orte, die eng mit seinem Leben verbunden sind, Mumbai, Israel, Berlin und Florenz – und wirft einen Blick zurück auf eine große Karriere zwischen Europa und Nordamerika. Einer weiten Öffentlichkeit bekannt wurde Zubin Mehta 1990, als er anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft in Italien das erste Konzert der drei Tenöre Carreras, Domingo und Pavarotti dirigierte. Sein Gespür für publikumswirksame Großereignisse führte zu der Idee, Operndramen wie „Tosca“ oder „Turandot“ live an den Orten ihrer Handlung zu verfilmen – in Rom und Peking. Damit schrieb er Fernsehgeschichte. Zubin Mehta, 1936 in Indien geboren, ist besonders mit dem deutschsprachigen Raum verbunden: 1961 dirigierte er als damals jüngster Dirigent die Berliner Philharmoniker, ist Ehrendirigent des Bayerischen Staatsorchesters sowie der Münchner und der Wiener Philharmoniker.

Mo, 18. Apr · 00:55-02:30 · arte
Zubin Mehta und Daniel Barenboim in Berlin

Anlässlich des 80. Geburtstags des großen Dirigenten Zubin Mehta wiederholt ARTE die Übertragung des Geburtstagskonzertes seines Freundes, des Dirigenten und Klaviervirtuosen Daniel Barenboim, aus der Berliner Philharmonie. Den Taktstock überreichte Barenboim dabei seinem Kollegen Mehta und setzte sich selbst ans Klavier. Auf dem Programm standen Beethovens drittes und Tschaikowskys erstes Klavierkonzert – beides populäre Meisterwerke der klassischen Musik. Auf dem Spielplan ebenfalls „Dialogues II“ von Elliott Carter. Es spielte die Staatskapelle Berlin. Daniel Barenboim prägt mit seiner Vielseitigkeit wie kaum ein anderer Musiker das derzeitige Musikgeschehen. Ob als Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden und der Staatskapelle Berlin, als Musikdirektor der Mailänder Scala oder als Pianist: Barenboims Auftritte stehen für höchsten künstlerischen Anspruch. Als Leiter des West-Eastern Divan Orchestras ist er zudem eine gewichtige Stimme im Friedensprozess zwischen Israel und Palästina. Zum 70. Geburtstag des in Buenos Aires geborenen Musikers beglückwünschte ihn die Staatskapelle Berlin mit einem außergewöhnlichen Konzertprogramm. Mit Tschaikowskys erstem Klavierkonzert spielte Barenboim das wohl populärste klassische Stück für Klavier und Orchester überhaupt. Kein anderes Klavierkonzert jedenfalls bringt es auf so viele Einspielungen. Und Beethoven drittes Klavierkonzert schließlich kann als Meilenstein dieser musikalischen Gattung gelten: Es ist symphonischer angelegt als die ersten beiden Klavierkonzerte des Komponisten und nimmt als einziges in Moll komponiertes Werk eine Schlüsselposition unter den fünf Klavierkonzerten Beethovens ein. Ein kurzer Abstecher in die zeitgenössische Musik ergänzte das Programm. Elliott Carter hatte die „Dialogues II“ für Klavier und Orchester eigens für Daniel Barenboim komponiert. Das in der Berliner Philharmonie aufgezeichnete Konzert dirigierte Zubin Mehta, der langjährige Weggefährte und Freund Barenboims.

Mo, 18. Apr · 06:00-07:30 · PHOENIX
Molotow – Der Mann hinter Stalin

Eine gleichnishafte Studie über Aufstieg und Fall eines Prototyps: Voller böser, irrwitziger, traurig-komischer Geschichten ist diese sowjetische Biografie. Das Privateste aus dem Kreml ist eingebunden in die großen Ereignisse der Politik. Eigentlich hieß er Skrjabin. Aber so, wie sich Dschugaschwili „Stalin“ nannte, der Stählerne, so nannte er sich „Molotow“, der Hammer. Beide wollten mit ihren Kampfnamen nahe heran an die Arbeiter, und sie würden sich doch weit von ihnen entfernen. In den Namen lag schon alles verborgen: die Härte, die Gewalt, die Unerbittlichkeit, der gnadenlose Terror des Systems. Molotow war der Mann neben und hinter Stalin, und er blieb eine Zeit lang sogar noch mächtig, als Stalin bereits tot war. Er war hartnäckig, direkt, schlagfertig und listig. Nach Außen hin zeigte er sich stets korrekt, freundlich und mit guten Umgangsformen. In den Zeiten der Säuberungen, Geheimprozesse und Massenerschießungen – vor allem 1937 – wurde er der „Buchhalter des Schreckens“ genannt: Er hinterließ Listen mit nahezu 40.000 unterschriebenen Todesurteilen. Kühle Bilanz: „Unsere Fehler, auch die schwersten, waren gerechtfertigt.“ Ab 1930 ist er Ministerpräsident der Sowjetunion, er bleibt dies elf Jahre lang. Später wird er Außenminister. Er verhandelt mit Hitler und von Ribbentrop, mit Roosevelt und Churchill und mit dem japanischen Außenminister. Er wird während des Zweiten Weltkrieges zum Vermittler zwischen Moskau und den anderen Alliierten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird er zum „Vater“ jener Stalin-Note, die den Westen zum Friedensvertrag mit Deutschland drängen soll. Molotows Frau Polina war im Zweiten Weltkrieg führendes Mitglied des Jüdischen Antifaschistischen Komitees. Nach dem Krieg zog sie den Unwillen Stalins auf sich, wurde wegen „fortgesetzten Kontakts zu jüdischen Nationalisten“ zu fünf Jahren Verbannung verurteilt. Molotow nahm dies mehr oder weniger schweigend hin. Was sie rettete, war Stalins Tod, nicht die Einflussmöglichkeit ihres Mannes. Er hatte sich zur Scheidung zwingen lassen. Vom Zweiten Weltkrieg in den Kalten Krieg – Molotows Leben ist ein Schlüssel zum Verständnis eines Prozesses, der später das Gleichgewicht des Schreckens genannt wird. Nach dem Tod Stalins hatte er zunächst politisch die Abrechnungs- und Korrekturwellen in der kommunistischen Partei überstanden, dann aber folgt sein unweigerlicher Abstieg in mehreren Etappen. Der Dokumentarfilm ist eine gleichnishafte Studie über Aufstieg und Fall eines Prototyps. Voller böser, irrwitziger, traurig-komischer Geschichten ist diese sowjetische Biografie.

Mo, 18. Apr · 23:55-01:30 · MDR Sachsen
Professor Mamlock

© Bild oben: MDR/DL Der jüdische Arzt und Wissenschaftler Professor Mamlock (Wolfgang Heinz, mitte) muß das Krankenhaus verlassen.

Professor Mamlock ist Chef einer chirurgischen Klinik und Jude. Politik interessiert ihn nicht, auch nicht Warnungen vor den Nazis. Er setzt auf Staat, Familie, humanistische Prinzipien. Fassungslos muss er sich jedoch eingestehen: „Es gibt kein größeres Verbrechen, als nicht kämpfen wollen, wo man kämpfen muss.“ Doch für ihn ist es dafür zu spät. – Friedrich Wolf schrieb das Drama „Professor Mamlock“ 1933/34 in der Emigration in Russland. Sein Sohn, Konrad Wolf (1925-1982), einer der bedeutendsten Regisseure der DEFA, verfilmte 1961 die tragische Geschichte mit einem exzellente Ensemble. Deutschland, Silvester 1932/33: Professor Mamlock (Wolfgang Heinz) gehört zu den deutschen Intellektuellen, für die der Staat etwas Absolutes, Unwandelbares, Heiliges ist. Aber nicht bloß der Staat, auch die Familie, die Wissenschaft, die Gerechtigkeit sind für ihn ewige Werte. Aus diesem Grunde glaubt er nicht, dass er nach der Machtergreifung der Nazis als Jude nicht mehr Deutscher sein darf. Nach wie vor vertraut er seinen Freunden, die mit den Nazis einen Kompromiss geschlossen haben unter dem Motto „Es kann so schlimm nicht werden“. Sein Sohn Rolf (Hilmar Thate), Student der Medizin, erkennt die Gefahren des Faschismus und zieht daraus die Konsequenz: „Nicht mit den Nazis paktieren, sondern gegen sie kämpfen“. Sein Vater weist ihm die Tür. Auch seiner Tochter Ruth (Doris Abeßer) glaubt Mamlock nicht, dass man sie als Jüdin aus der Schule gejagt hat. Der Professor will nur Arzt sein. Für ihn gibt es nur Kranke und Ärzte und umgekehrt. Sein Zusammentreffen mit den Geschehnissen außerhalb des Krankenhauses und seiner Familie bewirken den Zusammenbruch seiner Welt. Die Entlassung des Juden Professor Mamlock und der damit in Zusammenhang stehende Verrat seiner Freunde lassen ihn erkennen, dass es unter dem Faschismus keine Humanität geben kann. Und er erkennt, dass er den Weg zu den Menschen, die ihm hätten helfen können, zu den Freunden seines Sohnes, nicht gefunden hat.

Di, 19. Apr · 03:50-04:35 · 3sat
Sex & Love: Wie wir uns trauen!

Ob auf Türkisch, auf Hebräisch oder Hindi, sich das Ja-Wort zu geben ist für Paare ein großes Ereignis. Die Hochzeit verändert schließlich das Leben zweier Menschen. Hier werden Opfergaben verbrannt, da wird unter lautem Knirschen ein Glas zertreten oder Hände in einer langen Zeremonie mit Henna bemalt. Die Rituale unterscheiden sich, Gefühle und Emotionen aber sind die gleichen. In den Vorbereitungen zur Hochzeit wird viel geflucht, die Nervosität bleibt bei keinem Paar aus, sogar der Zweifel an der Entscheidung zur Heirat lässt sich nicht ganz verstecken. Doch während der Zeremonie und bei den Feierlichkeiten ist das alles vergessen, es wird laut gelacht und ausgelassen getanzt.

Di, 19. Apr · 13:50-15:50 · arte
Der große Diktator

Der prahlerische Despot Adenoid Hynkel herrscht in Tomanien, einem Polizeistaat mit Konzentrationslagern und Ghettos für die jüdische Bevölkerung. Als ein einfacher jüdischer Friseur, der dem Diktator wie aus dem Gesicht geschnitten ähnelt, aus einem KZ entkommt und mit Hynkel verwechselt wird, kommt es zu überraschenden Ereignissen. Die legendäre Parodie auf Adolf Hitler entstand im Jahre 1940. Chaplin spielt in einer Doppelrolle einen gewitzten jüdischen Barbier und den Despoten Adenoid Hynkel. Hynkel herrscht in Tomanien, einer Mischung aus Operetten- und Polizeistaat mit jüdischen Ghettos und Konzentrationslagern, und plant den Einmarsch ins Nachbarland Austerlich – eine Anspielung auf Österreich. Hiergegen formiert sich in Gestalt des altgedienten Offiziers Schultz heimlicher Widerstand. Schultz sucht im jüdischen Ghetto Unterstützung für seine Attentatspläne. Dabei trifft er auf einen kleinen Friseur, der dem Diktator zum Verwechseln ähnlich sieht und der bei seinem Plan eine entscheidende Rolle spielen soll. „Der große Diktator“ ist Chaplins erster Tonfilm. Adenoid Hynkel ist eine grotesk ins Neurotische verzerrte Karikatur Hitlers. In seiner Autobiografie schrieb der Regisseur später, dass der Film niemals entstanden wäre, wenn er damals die Wahrheit über die deutschen Konzentrationslager gewusst hätte. „Der große Diktator“ ist ein für die amerikanische Filmproduktion der damaligen Zeit äußerst kritischer und mutiger Film. Nach dem Sieg der Alliierten und dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Film in den USA und England zum Kassenschlager. Gleichzeitig verabschiedete Chaplin mit diesem Film die von ihm erfundene Figur des Tramps aus seiner Filmografie. In der Rolle des jüdischen Friseurs blieb er der Pantomime aus alten Stummfilmtagen treu. Hatte er sich vier Jahre zuvor in „Moderne Zeiten“ noch weitgehend der Stilmittel des Stummfilms bedient, so akzeptierte Chaplin mit „Der große Diktator“ endgültig den Tonfilm als künstlerisches Medium.

Di, 19. Apr · 22:30-00:00 · BR
Töte zuerst – Der israelische Geheimdienst

Zu den Aufgaben des israelischen Inlandsnachrichtendienstes Schin Bet zählen Terrorismusbekämpfung, Spionageabwehr und Aufklärung staatsfeindlicher Aktivitäten. Seit dem Sechs-Tage-Krieg 1967 untersteht Schin Bet auch die gesamte nachrichtendienstliche Tätigkeit in den besetzten Gebieten. „Töte zuerst!“ erzählt die Geschichte dieses vielleicht aktivsten, zweifelsohne aber geheimsten Organs der israelischen Sicherheitskräfte aus der Perspektive seiner leitenden Kader. Wie ein moralisches Gleichnis zeigen die Schilderungen der Schin-Bet-Offiziere, was passiert, wenn ein Volk oder eine Nation versucht, Gewalt mit Gewalt zu begegnen. Im nationalen Diskurs Israels spielen die Sicherheitskräfte gewöhnlich eine überdimensionierte Rolle. Zwei dieser Organe – Armee und Mossad – umgibt eine geradezu legendäre Aura. Nach dem Sechs-Tage-Krieg wurde jedoch das für die innere Sicherheit zuständige Organ Schin Bet zur zentralen Größe in den Diskussionen der israelischen Entscheidungsträger. Seit die israelischen Truppen 1967 einen triumphalen Sieg über die Nachbarländer davontrugen, überwacht der Nachrichtendienst eine zahlreiche, feindlich gesinnte Bevölkerung in den von Israel besetzten Gebieten. Es ist die Aufgabe von Schin Bet, diese Bevölkerung in friedlichen Zeiten wie in Unruheperioden unter Kontrolle zu halten. „Töte zuerst!“ erzählt die Geschichte dieses vielleicht aktivsten, zweifelsohne aber geheimsten Organs der israelischen Sicherheitskräfte aus der Perspektive seiner leitenden Kader, die das Vertrauen der politischen Eliten des Landes mehr als alle anderen genießen. In einer Reihe von Interviews berichten sechs hochrangige Schin-Bet-Offiziere ohne Umschweife über bedeutende Ereignisse in ihrer Amtszeit. Dabei sprechen sie auch über den moralischen Zwiespalt, in dem sie sich aufgrund von Folter und Terror, Verhaftungen und Ermordungen befanden. Möglicherweise haben sie den Bürgern, die sie zu schützen geschworen hatten, durch ihr Handeln mehr Sicherheit gebracht. Aber ist Israel dadurch auch dem Frieden näher gekommen? Im Stil des Dokumentarfilms „The Fog of War“ von Errol Morris werden ihre Ausführungen mit schockierenden Archivbildern und 3D-Animationen unterlegt, die auf Fotos der geschilderten Ereignisse basieren. Sie veranschaulichen die Hintergründe des moralischen Dilemmas und konfrontieren den Zuschauer mit der Frage, ob er oder seine Regierung in der gleichen Lage hätten anders handeln können. Vor dem Hintergrund der zentralen Rolle, die Israel beim weltweiten Kampf gegen den Terror spielt, geben die Bekenntnisse dieser „Gatekeeper“ zu denken und zwingen den Zuschauer sich zu fragen, mit welchen Mitteln dieser Kampf geführt werden soll, ob im Gazastreifen oder in Guantánamo, in Palästina oder Pakistan. Wie ein moralisches Gleichnis zeigen die Schilderungen der Schin-Bet-Offiziere, was passiert, wenn ein Volk oder eine Nation versucht, Gewalt mit Gewalt zu begegnen.

Mi, 20. Apr · 19:00-19:30 · BR
STATIONEN: Heilige Kleider – Haltung zeigen, Pflicht erfüllen, provozieren?

Heilig sind Kleider natürlich nicht, aber sie zeigen und bewirken viel, auch in den Religionen. Die Soutane ist aus der Mode gekommen, doch ein Priester ist noch immer erkennbar am „römischen“ Kragen. Eine Ordensschwester trägt das Einheitskleid, mancher Mönch die Kutte. Tun sie’s, weil sie müssen? Oder gehört es zu ihren freien Entscheidungen, auch nach außen hin ihre religiöse Haltung zu zeigen? So wie der jüdische Münchner Terry Swartzberg seine Kippa niemals unter einer Baseballmütze versteckt, so tragen viele muslimische Frauen selbstbewusst das Kopftuch. Doch was ist religiöse Regel, was ist Tradition? Warum provozieren manche Kleider? Und was machen sie mit ihren Trägern – verändern sie deren Leben?

Do, 21. Apr · 16:45-17:00 · Das Erste (ARD)
Das Schweigen der Väter

Er war mit seiner Band „Pankow“ einer der bekanntesten Rockmusiker der DDR: André Herzberg, geboren 1955 in Ostberlin, Sohn linientreuer Kommunisten. Sie waren aus der Emigration in England heimgekehrt und hatten ihr Judentum gleichsam „abgegeben“, um sich nicht dem Misstrauen der Partei oder antisemitischen Vorurteilen auszusetzen. In der Familie steht „die Sache“ über allem. Über Themen, die der „Sache“ nicht dienen, herrscht Sprachlosigkeit. Die Eltern, deren Ehe nicht hält und die über so Vieles schweigen, erscheinen dem Sohn wie Fremde. André Herzberg rebelliert: Er sucht sich eine andere Welt, die Musik. Die Band wird seine neue Familie. Nach dem Mauerfall kommen die Krisen: 1998 löst sich „Pankow“ auf. Herzberg wird arbeitslos, hat Depressionen. „Ich weiß, wie sich das anfühlt ganz unten“, sagt Herzberg heute. Erst 2011 kommt die Band wieder zusammen, feiert erneut Erfolge auf der Bühne. Und Herzberg schreibt drei Bücher, das jüngste trägt den Titel: „Alle Nähe fern“. Im Buch und im Leben hat er sich auf die Suche begeben danach, worüber so lange Sprachlosigkeit herrschte, in der Familie und in einem ganzen Staat: die eigene jüdische Identität.

Do, 21. Apr · 23:55-00:25 · WDR
Antonias Reise – Mein Jahr in Israel

Antonia ist achtzehn Jahre alt, als sie entscheidet, für ein ganzes Jahr nach Israel zu gehen. Seitdem sie in Israel sei, erzählt sie, habe sie das Gefühl durch ein Geschichtsbuch zu wandern. Sie macht Dienst in einem Elternheim in Tel Aviv, wo Menschen leben, die rechtzeitig aus Nazideutschland emigrieren konnten oder das Lager überlebten. Und obwohl das siebzig Jahre her ist, sprechen sie fließend Deutsch und erzählen erstaunliches wie Israel Tsafuri, 103 Jahre alt, der noch bei Sigmund Freud Psychologie studiert hat. Auch Antonias Freunde, die anderen Freiwilligen in Jerusalem, haben berührende Begegnungen. Zwei winzige über 90 Jahre alten Schwestern haben, als sie so alt waren wie die jungen Freiwilligen aus Deutschland, in der Untergrundarmee für die Unabhängigkeit Israels gekämpft. Nils begegnet in Jerusalem dem Künstler Jehuda Bacon. Der war als 12 jähriger im Kinderlager von Auschwitz dem berüchtigten KZ-Arzt Josef Mengele ausgeliefert. Antonia und allen anderen jungen Leuten dämmert, dass sie in Deutschland ein verdammt leichtes Leben haben. Ihre Altersgenossen in Israel müssen nach der Schule jahrelang zur Armee, Jungen drei Jahre, Mädchen zwei. Und sie merken, was Krieg bedeutet und wie er sich anfühlt, wenn sie bei Raketenalarm ins Treppenhaus flüchten und angstvoll hoffen, dass alles gut geht. Nils, der in einer WG in Jerusalem lebt und früher Geschichte als Leistungsfach hatte, bringt es auf den Punkt. „Je länger ich in Israel bin, desto komplizierter werden die Dinge“, sagt er. Keine schlechte Voraussetzung fürs Leben, diese Erkenntnis.

So, 24. Apr · 09:30-10:00 · HR
Horizonte: Exodus, Gespräch zum Jüdischen Pessach-Fest mit Michael Wolffsohn, Historiker

Juden feiern weltweit in diesem Jahr vom 23. bis zum 30. April das Pessach-Fest. Am Beginn des Festes stehen die sogenannten Seder-Abende, die in einem strengen Familienritual an die Flucht der Vorfahren aus der ägyptischen Gefangenschaft erinnern. Pessach ist das Fest des Exodus – denn im Mittelpunkt steht der Auszug der Israeliten aus Ägypten, die Flucht vor Unterdrückung und Sklaverei. Der Name Pessach bedeutet so viel wie „hinwegschreiten“, „verschonen“. Er bezieht sich darauf, dass Gott die Hebräer verschonte, als er die Ägypter mit den zehn biblischen Plagen bestrafte. Moderation: Meinhard Schmidt-Degenhard Juden feiern weltweit in diesem Jahr vom 23. bis zum 30. April das Pessach-Fest. Am Beginn des Festes stehen die sogenannten Seder-Abende, die in einem strengen Familienritual an die Flucht der Vorfahren aus der ägyptischen Gefangenschaft erinnern. Pessach ist das Fest des Exodus – denn im Mittelpunkt steht der Auszug der Israeliten aus Ägypten, die Flucht vor Unterdrückung und Sklaverei. Der Name Pessach bedeutet so viel wie „hinwegschreiten“, „verschonen“. Er bezieht sich darauf, dass Gott die Hebräer verschonte, als er die Ägypter mit den zehn biblischen Plagen bestrafte. Daraufhin ließ der Pharao sie erst einmal ziehen, doch beim Durchzug durch das Rote Meer greift Gott ein weiteres Mal zu Gunsten „seines Volkes“ ein. Heute ist Pessach ein Familienfest, mit dem an die Leidensgeschichte des jüdischen Volkes gedacht wird. Daran soll auch der Verzehr von nur ungesäuerten Broten – Matzen – symbolisch erinnern. Denn wegen des plötzlichen Aufbruchs aus Ägypten hatten die Israeliten keine Zeit, den Teig vor dem Backen säuern zu lassen. Deshalb wird Pessach auch als Fest der „ungesäuerten Brote“ bezeichnet. Im Vordergrund des Festes steht die Weitergabe der Pessach-Geschichte an die nächste Generation: der Erhalt der jüdischen Religion und Kultur, die Flucht in die Freiheit. Das Motiv von Menschen, ja ganzen Völkern auf der Flucht zieht sich durch die Geschichte – gerade in diesen Monaten erleben wir neue Wanderungsbewegungen, auch eine Art Exodus: Menschen unterwegs auf der Flucht vor Tyrannei, Krieg und Hunger. In der Hoffnung auf ein sicheres und besseres Leben ziehen sie zu Millionen aus dem Nahen und Mittleren Osten nach Europa. Den Historiker Michael Wolffsohn beschäftigt die Frage, wie Migrationsbewegungen die Identitäten von scheinbar homogenen Gesellschaften verändern, wie Frieden in einem Miteinander unterschiedlicher Kulturen möglich ist. Aktuell droht die Einheit Europas an diesen Flüchtlingsbewegungen, am Exodus von Millionen Menschen aus dem Nahen bzw. Mittleren Osten und aus Afrika kläglich zu scheitern. Europa gibt sich selbst auf, seine Freiheit und seinen Humanismus. Deutschland, das als eines der wenigen europäischen Länder den Flüchtlingen Zuflucht gewährt, steht vor großen Herausforderungen: einerseits der moralische Anspruch, Menschen in Not zu helfen, andererseits aber die Erkenntnis, dass bald die Grenzen der Machbarkeit erreicht sein werden. Vor allem aber die Integration dieser überwiegend aus muslimischen Diktaturen fliehenden Menschen wird zu einer Mammut-Aufgabe für die nächsten Jahrzehnte: ein Projekt, für das Politik, aber auch die deutsche Zivilgesellschaft einen langen Atem brauchen. Zudem sind viele der Flüchtlinge in einer juden- und israelfeindlichen Kultur großgeworden. Nicht nur jüdische Verbände befürchten daher einen Anstieg des Antisemitismus in Deutschland – dieses Mal vor allem voran getrieben von jungen radikalisierten Muslimen. Aus Anlass des Pessach-Festes diskutiert Meinhard Schmidt-Degenhard mit dem Historiker Michael Wolffsohn über die Tradition und Aktualität dieses Festes, über die Bedeutung des Exodus der Israeliten aus Ägypten und den Exodus, der sich heute vor den Toren Europas abspielt.

Mo, 25. Apr · 01:25-02:55 · Das Erste (ARD)
Tel Aviv Rendezvous

Der Pariser Gynäkologe Alain Gaash (Gérard Depardieu) stammt von litauischen Juden ab. Mit der Religion hat der gut situierte Arzt es allerdings nie so genau genommen – was sich durch die Heirat seines Sohnes Nicolas (Julien Baumgartner) ändert. Alains Frau Gisèle (Fanny Ardant), die ihrem Mann zuliebe konvertierte, entdeckt plötzlich das Judentum als neuen Impuls für ihr Leben. Nach einem gemeinsamen Israel-Urlaub setzt sie ihm die Pistole auf die Brust: Auswanderung oder Scheidung! Seiner Frau zuliebe versucht Alain, das Beste aus der Situation zu machen, doch das gelobte Land rollt den beiden französischen Juden nicht gerade den roten Teppich aus. Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen: Ein netter Makler verkaufte ihnen ein Traumhaus am Meer, ein hilfsbereiter israelischer Fachkollege bot Alain eine maßgeschneiderte Stelle im Krankenhaus an. Doch nach der Übersiedelung müssen die Pariser schmerzlich feststellen, dass das alltägliche Leben in Tel Aviv ganz eigenen, schwer durchschaubaren Gesetzen folgt. Das bereits bezahlte Haus bleibt ein Rohbau, ihr Umzugscontainer landet auf dem Meeresgrund, und mit dem Job im Hospital wird es auch nichts. Trotz beengter Behausung in einem Übersiedlerheim lässt Gisèle sich von derlei Rückschlägen nicht irritieren. Während Alain sich heimlich auf dem Hotelparkplatz als Autowäscher verdingt, flirtet sie mit einem Marihuana rauchenden Rabbi (Lior Ashkenazi). Schließlich besteht sie darauf, dass Alain sich beschneiden lässt – das Ritual wird leider ohne Betäubung durchgeführt. Mit reichlich Esprit wirft die dialogstarke Culture-Clash-Komödie einen herrlich schrägen Blick auf Israel und das Judentum. Dabei erreichen die Pointen dieser französisch-israelischen Literaturverfilmung zuweilen einen surrealen Touch – etwa wenn das Paar in der Wüste plötzlich dem Messias begegnet. Oder wenn Alain sich an der Klagemauer wünscht, Paris St. Germain möge gewinnen. Die stimmungsvolle Geschichte einer leidgeprüften Identitätsfindung funktioniert prächtig dank Schwergewicht Gérard Depardieu und der ungebrochen faszinierenden Fanny Ardant, die bereits in Truffauts „Die Frau nebenan“ (1981) und zuletzt im Episodenfilm „Paris, je t’aime“ (2006) als Paar harmonierten.

Mo, 25. Apr · 23:55-01:30 · MDR Sachsen
Jakob der Lügner

Der jüdische Friseur Jakob Heym (Vlastimil Brodsky) lebt 1944 in einem Ghetto irgendwo im besetzten Polen. Wegen angeblicher Überschreitung der Ausgangsperre soll er sich eines Tages beim Gestapo-Revier melden, kommt jedoch wider Erwarten mit dem Leben davon. Der Zufall will es, dass Jakob bei der Gestapo aus dem Radio eine Nachricht über den Anmarsch der Russen aufschnappt. Diese Meldung wirkt für Jakob wie ein Lebenselixier und sie soll auch seinen Freunden neuen Lebensmut geben. Damit diese ihm einerseits die Nachricht glauben und andererseits nicht für einen Gestapo-Spitzel halten, wenn er erzählt, dass er die Nachricht bei der SS aufgeschnappt hat, muss Jakob lügen. Er gibt vor, ein Radio zu besitzen. Doch damit beginnt Jakobs tragikomischer Leidensweg. Tagtäglich wollen alle Neues von ihm wissen: Über den Frontverlauf, die Weltpolitik und vieles mehr. Selbst die kleine Lina (Manuela Simon), die er versteckt hält, ist neugierig. Hoffnung breitet sich im Ghetto aus, die Selbstmorde hören auf, Zukunftspläne über ein Leben ohne den gelben Stern werden geschmiedet. Und Jakob lügt weiter, ist doch die Hoffnung in ihrer Situation noch wichtiger als das Stück Brot. Doch allmählich wird die Illusion zum Selbstbetrug. Jakob erträgt die sich selbst aufgebürdete Last nicht mehr und vertraut sich seinem Freund Kowalski (Erwin Geschonneck) an. Der Hoffnung beraubt, nimmt sich dieser das Leben. Als für alle der Deportationsbefehl kommt, entdeckt auch Lina die Wahrheit. Dennoch war für sie eine kurze Weile die graue Ghetto-Wirklichkeit bunt geworden. Das Drehbuch zu „Jakob der Lügner“ reichte Jurek Becker, der als Kind selbst einige Jahre im Ghetto und mehreren Konzentrationslagern verbrachte, schon 1965 bei der DEFA ein. Regie sollte Frank Beyer führen. Doch der fiel durch „Spur der Steine“ in Ungnade und durfte vorerst keinen Film drehen. So arbeitete Jurek Becker das Thema zu einem Roman um, der den Autor1968 auch international bekannt machte. 1974 durfte Frank Beyer den Roman endlich in einer Koproduktion mit dem Deutschen Fernsehfunk verfilmen. Er verwob Reales und Märchenhaftes, Tragik und Komik und so entstand ein Film von großer berührender Sensibilität, eine zeitlose Parabel auf die unzerstörbare Würde des Menschen. DDR-Kino-Eule Renate Holland-Moritz urteilte prophetisch: „Das Ergebnis ist eine kinematografische Kostbarkeit, von der noch zu reden sein wird, wenn Dutzende zeitgenössische Filme längst den verdienten Archivtod gestorben sind.“ Zum Erfolg trägt auch die hervorragende Besetzung bei, Vlastimil Brodsky und Erwin Geschonneck brillieren in den Hauptrollen. So war „Jakob der Lügner“ als erster DEFA-Film im offiziellen Programm der Berlinale vertreten, Brodsky bekam als bester Schauspieler den „Silbernen Bären“. 1977 wurde der Film als erster und einziger DEFA-Film für den Auslands-Oscar nominiert.

Di, 26. Apr · 00:45-01:57 · arte
Oma & Bella

Die Freundinnen Regina Karolinski, alias Oma, und Bella Katz leben zusammen in Berlin. Sie teilen ihre Geschichte als Holocaust-Überlebende und die Entscheidung, nach dem Krieg trotzdem weiter in Deutschland zu leben. Filmemacherin Alexa Karolinski, die Enkelin von Oma, beobachtet die beiden in ihrem Alltag und bei ihrer gemeinsamen Leidenschaft, dem Kochen traditioneller jüdischer Gerichte. „Oma & Bella“ ist das dokumentarische Porträt von zwei in Berlin wohnenden jüdischen Holocaust-Überlebenden, ihrer Freundschaft und ihrer Liebe zu jüdischem Essen. Filmemacherin Alexa Karolinski, die Enkelin von Oma, folgt den beiden Frauen durch ihren Berliner Alltag und erlaubt Einblick in den intimen Raum ihrer Charlottenburger Wohnung. Sie beobachtet die zwei bei ihren Touren durch die Stadt ebenso wie beim Kochen der Gerichte ihrer Kindheit. Dabei erzählen Regina und Bella Geschichten, machen Witze und erteilen Ratschläge. So entfalten sich die Leben und Persönlichkeiten zweier Frauen, die zwar in eine heute verlorene Welt geboren wurden, denen es aber doch auf erstaunliche Weise gelingt, sich die Gegenwart zu eigen zu machen. Bei ihnen gehen Freunde, Familie und Bekannte ein und aus. Die Uhrzeit spielt keine Rolle. Regina und Bella haben immer ein Drei-Gänge-Menü parat; aber auch wunderbare Anekdoten und Tipps. Ist jemand krank? Kein Problem, eine Hühnersuppe, das jüdische Penizillin, wird es schon richten. Steht eine Party an? Die beiden wissen, mit klarem Borschtsch bezaubert man jeden Gast. Während sie gemeinsam in ihrer Einbauküche stehen und Kalbsfüße rasieren oder Zwiebeln schneiden, kommen sie ins Erzählen. Von ihrer Kindheit in Osteuropa, vom Leben in Kattowitz oder Vilnius und vom Überleben des Holocausts. Dann steht ein Gefühl von Verlust im Raum, ein Hauch von Trauer hängt in der Luft, die beiden kochen weiter. Wenn sie kochen, so sagen die Freundinnen, bewahren sie diese vernichtete Welt, halten sie lebendig. Lange halten sie nicht inne, dann klingelt das Telefon, ein Enkel ruft an, eine Freundin lädt zur Rommé-Runde, oder sie sind auf dem Sprung zum Markt, um weitere Zutaten für das nächste große Essen auszusuchen.

Di, 26. Apr · 08:55-10:27 · arte
Die Arier

Der Dokumentarfilm ist eine persönliche Reise auf der Suche nach den Ursprüngen des Arier-Begriffs und dessen Missbrauch durch Rassisten in Deutschland und den USA. Die afrodeutsche Regisseurin Mo Asumang konfrontiert Rassisten mit scheinbar arglosen Fragen, provoziert und irritiert schon allein durch ihre Anwesenheit. Sie sucht nach den Menschen, die hinter der hasserfüllten rechten Ideologie stehen. Hintergrund für den Film ist die Tatsache, dass viele rassistische Aktionen mit dem Wort „Arier“ oder „Aryan“ in Verbindung gebracht werden. Alle 30 Minuten findet in Deutschland eine rechtsextreme Straftat statt. So erhielt die afrodeutsche Regisseurin selbst eine Morddrohung von der Band White Aryan Rebels. Die Unterstützer der NSU-Terrorzelle sind Mitherausgeber des Nazi-Magazins „The Aryan Law & Order“. Bei der mutmaßlichen Rechtsterroristin Beate Zschäpe findet man einen Artikel, der die „arische Rasse“ erklärt. Und in den USA werden unzählige Morde durch „Aryan Hate Groups“ verübt. Die Filmemacherin Mo Asumang findet, es sei an der Zeit, der Sache mit den Ariern auf den Grund zu gehen. In einer persönlichen Reise begibt sie sich auf die Suche nach den Ursprüngen des Arier-Begriffs und dessen Missbrauch durch Rassisten in Deutschland und den USA. Sie besucht Demonstrationen und Propagandaveranstaltungen der selbsternannten Arier in Gera, Wismar und Potsdam, wo sie jedoch nur Schweigen und Ablehnung erntet. Sie forscht in Archiven und reist schließlich in den Iran, wo sie alte Inschriften findet, die den Ursprung des Arier-Begriffs bezeugen und ihm eine ganz andere Bedeutung geben. In den USA trifft sie sich mit dem Ku-Klux-Klan und einem Top-Rassisten von schauerlichem Weltruf: Tom Metzger, dem Gründer der Organisation White Aryan Resistance, dessen Ziel es ist, mit der sogenannten Lone-Wolf-Taktik eine „arische“ Revolution zu starten.

Di, 26. Apr · 15:15-16:00 · SWR BW
Mit dem Zug durch Israel

Wer in Israel mit dem Zug fahren möchte, sollte sich auf einiges gefasst machen. Bereits im Bahnhof gibt es Kontrollen, wie sonst nur auf Flughäfen. Überall trifft man auf Soldaten und Soldatinnen, denn diese dürfen kostenlos sämtliche Bahnverbindungen nutzen. Und doch – es lohnt sich nach Israel zu reisen und den Staat im Nahen Osten mit der Eisenbahn zu entdecken. Z. B. Jerusalem – Brennpunkt der Weltreligionen, eine Stadt mit Jahrtausende alter Kultur, Tempeln und Gemäuern. Doch das Heilige Land hat neben den bekannten biblischen Pilgerorten auch moderne Städte wie Tel Aviv oder Haifa zu bieten.

Di, 26. Apr · 22:30-00:05 · BR
Der grüne Prinz

Mosab Hassan Yousef ist der Sohn von Scheich Hassan Yousef, dem Mitbegründer der militanten palästinensisch-islamischen Hamas, und war unter dem Codenamen „The Green Prince“ länger als ein Jahrzehnt der wichtigste Informant für Israels Inlandsgeheimdienst Schin Bet. Der packende Dokumentarfilm von Nadav Schirman geht der Frage nach, was den Sohn eines hochrangigen Hamas-Anführers dazu gebracht hat, mit der Gegenseite zu paktieren – und welche Folgen diese Entscheidung für den Überläufer hatte. Mosab Hassan Yousef sitzt mit dem Rücken zur Wand. Die Augen richtet er stets zur Tür. Er wechselt immer wieder seine Wohnung. Er tut dies, um am Leben zu bleiben. Denn für seine Landsleute und seine Familie ist der Palästinenser ein Verräter. Sein einziger Freund ist heute sein ehemaliger Feind. Denn Mosabs Vater ist Scheich Hassan Yousef, einer von sieben Gründungsmitgliedern der Hamas. Er sitzt zurzeit im Gefängnis, und es war Mosab, der ihn verhaften ließ – zu seinem Schutz. Länger als ein Jahrzehnt war Mosab unter dem Codenamen „the Green Prince“ („der grüne Prinz“), der wichtigste Informant für Israels Inlandsgeheimdienst Schin Bet. Im Alter von 17 Jahren wurde er rekrutiert. Er verriet Freunde und Familie, um als Informant in das Herz der Organisation seines Vaters vorzudringen. Mosabs israelischer Kontaktmann Gonen Ben Itzhak, einst Agent des Geheimdienstes, riskierte seinerzeit alles, sogar eine Verurteilung als Landesverräter, um Mosab zu beschützen. Die besondere Beziehung zwischen Mosab und Gonen brachte eine der ungewöhnlichsten und effektivsten Partnerschaften in der Geschichte des israelischen Geheimdienstes hervor: Mosabs und Gonens Zusammenarbeit führte zu Verhaftungen hochrangiger Terroristen, verhinderte eine Reihe von Selbstmordanschlägen und deckte Geheimnisse auf, die unmittelbaren Einfluss auf die politischen Ereignisse der Region hatten. In einer Welt der Lügen und des Betrugs lernten sie, sich zu gegenseitig zu vertrauen, auch wenn sie sich gleichzeitig von ihren Freunden und Familie abwenden mussten. Was treibt den Sohn eines Scheichs der radikal-islamistischen Hamas dazu, mit der Gegenseite zu paktieren? Das ist die Frage, die der packende Dokumentarfilm „Der grüne Prinz“ zu beantworten versucht. Die beiden Protagonisten im Zentrum: Mosab Hassan Yousef, der palästinensische Überläufer, und der israelische Geheimdienstler Gonen Ben Itzhak. Regisseur Nadav Schirman gelingt es, anhand seiner Protagonisten einen faszinierenden Einblick in den Nahostkonflikt zu geben. Zugleich zeigt er, wie sich aus den konspirativen Treffen der gegensätzlichen Männer eine tiefe Freundschaft entwickelte. Eine Freundschaft, die sie letztendlich auch vor die Frage stellte: Wer ist wichtiger, der jeweilige Auftraggeber oder die Solidarität mit dem engen Vertrauten? „Der grüne Prinz“ entstand als Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk und wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. auf dem Sundance Film Festival mit dem „Audience Award: World Cinema Documentary“ sowie mit dem Bayerischen Filmpreis für den besten Dokumentarfilm. Die Jury des Bayerischen Filmpreises betonte, dass Regisseur Nadav Schirman in seinem Film „spannend wie in einem Thriller die komplexe Beziehung zwischen einem palästinensischen Informanten und seinem Kontaktmann vom israelischen Inlandsgeheimdienst“ erzählt: „So nahe durfte der Zuschauer dem Drama der israelisch-palästinensischen Auseinandersetzungen noch selten kommen.“ „Der grüne Prinz“ ist an diesem Abend als deutsche Erstausstrahlung zu sehen.

Mi, 27. Apr · 07:35-09:35 · MGM
Triumph des Geistes – Ein Boxer in der Hölle

Thessaloniki, 1939: Der frühere Olympia-Boxer Salamo Arouch (Willem Dafoe), ein Jude, hat gerade die Meisterschaft im Mittelgewicht gewonnen. Da wird er von den Deutschen nach Auschwitz deportiert. Die Nazis treiben ein böses Spiel: Salamo bleibt am Leben, solange er zum Vergnügen der Wächter an Boxwettkämpfen teilnimmt. – Bewegendes Überlebensdrama nach authentischen Ereignissen.

Mi, 27. Apr · 12:15-12:30 · 3sat
Irith Gabriely: Königin der Klarinette

Irith Gabriely ist eine virtuose Klarinettistin, die mit muslimischen Musikern Partylaune verbreitet. Die Israelin aus Haifa gibt unter dem Titel „Kirche trifft Synagoge“ Konzerte. Irith Gabriely hat sich ihren Ruf als „Königin der Klezmermusik“ hart erarbeitet. Sie lebt und arbeitet in der Schnittmenge dreier Religionen, deren Überzeugungen ihr keineswegs egal sind, auch wenn sie lieber vegan als koscher isst. Statt um religiöse Vorschriften gehe es um Spiritualität, um Lebensgefühl, um Haltungen, sagt Irith Gabriely. Darf man über Gläubige lachen? Und wie! „Der jüdische Witz ist legendär“, meinen die temperamentvoll eigensinnige Frau in Darmstadt und ihre Freunde aus Theater, Synagoge, Moschee und Kirche.

Mi, 27. Apr · 22:10-22:55 · WDR
Schuld und Schulden – Deutsche Kriegsverbrechen in Griechenland

Manolis Glezos ist Kommunist. Und Volksheld. Vor 75 Jahren hat er die Hakenkreuzfahne von der Akropolis herunter gerissen, wenige Tage, nachdem die Wehrmacht in Athen einmarschiert war. „Dafür haben sie uns in Abwesenheit zum Tode verurteilt“, erinnert sich der 93-Jährige. Für die Griechen wurde er damals zum Volkshelden. Seine Forderungen blieben trotzdem Jahrzehntelang unbeachtet: Wiedergutmachung. Weder in Deutschland noch in Griechenland interessierte sich jemand für die Reparationsfrage. Doch das hat sich geändert. In der aktuellen Schuldenmisere fragt nicht nur das Syriza-Mitglied Glezos: Wer schuldet hier eigentlich wem etwas? Die Summe, um die es geht, ist beträchtlich: 278,7 Milliarden Euro. Mindestens. Zu diesem Ergebnis kam eine Regierungs-Kommission, eingesetzt auf Drängen von Freiheitskämpfer Glezos. Zwei Jahre lang durchstöberte sie die Nachkriegsbilanzen griechischer Ministerien: Wie viele Straßen sind damals zerstört worden, Häfen, Bahnhöfe, Eisenbahnbrücken? Wie viele Häuser wurden beschlagnahmt, LKW, Fabrikanlagen? Wie heftig wurde die Wirtschaft geplündert, Tabak, Oliven, Chrom, Mangan? Das ist nur die materielle Seite. Nicht eingerechnet sind die menschlichen Opfer, die über 100.000 Hungertoten, die über 50.000 ermordeten Juden, die zehntausenden toten Zivilisten im Partisanen-Krieg. Kommissionsleiter Panagiotis Karakousis sagt: „Die heutigen Deutschen können nichts für ihre Vergangenheit, aber bis heute bezahlen wir Griechen für die Sünden ihrer Großeltern.“ Und die deutsche Seite? Die stellt sich taub und bleibt stumm. Die Schulden seien längst bezahlt und Reparationen kein Thema mehr, heißt es von der Bundesregierung. Keine Interviews, schriftliche Anfragen bleiben unbeantwortet. Genau so hält sie es bei der Wiedergutmachung für die menschlichen Opfer. Vor kurzem forderte die jüdische Gemeinde von Thessaloniki die Gebühren zurück, die sie bezahlen musste für den Transport ihrer Mitglieder nach Auschwitz: zwei Reichspfennig pro Kopf und Kilometer, was insgesamt 75 Millionen Euro entspricht. Auch in diesem Fall bleibt die Regierung hart und verweist auf alte Verträge, in denen alles geregelt sei. Dieser Umgang mit griechischen Entschädigungs-Forderungen hat Tradition – seit Beginn der Bundesrepublik. Das zeigt der Fall Max Merten. Der Kriegsverwaltungsrat von Thessaloniki presste den Juden dort erst Milliarden Drachmen ab mit dem Versprechen, sie zu schützen – um sie kurz darauf in die Viehwaggons nach Ausschwitz zu stecken. Nach dem Krieg in Griechenland verhaftet und verurteilt, wurde Merten von Kanzler Adenauer persönlich freigepresst. Bis heute fordert die Jüdische Gemeinde Thessalonikis das Lösegeld von Deutschland zurück, ist dafür sogar bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gezogen. Erfolglos. „die story“ konfrontiert Deutsche und Griechen. Wer hat Recht? Diejenigen, die sagen, irgendwann muss Schluss sein, Deutschland hat genug gezahlt? Oder die, die behaupten, alte Rechnungen seien offen? Der Autor macht sich auf die Suche: Gibt es heute noch Schatten der Besatzungspolitik? Wer waren die Täter, wer die Opfer? – Denn es gibt sie noch, einige wenige: Panagiotis Tsangas, der das Massaker an der männlichen Bevölkerung seines Dorfes überlebte. Oder Heinz Kounio, einer von nur 1.000 Juden, die aus der Hölle von Auschwitz zurückkehrten. Sie sind Zeugen einer Vergangenheit, die lange her ist. Erledigt ist sie lange nicht.

Sa, 30. Apr · 00:20-00:48 · arte
Paris on the Water

Früher war die Israelin Batya ein großer Filmstar, doch inzwischen ist sie gealtert und Angebote machen sich rar. Nun besteht nach einigen frustrierenden Jahren endlich die Chance auf ein Comeback – aus Berlin kommt ein vielversprechendes Rollenangebot. Aber am Morgen des Vorsprechens machen sich Probleme mit der Gesundheit bemerkbar. Sie hat Angst, diese könnten ihre Pläne durchkreuzen …

Sa, 30. Apr · 18:45-18:50 · MDR Sachsen
Glaubwürdig: André Herzberg

Als Frontmann der DDR-Band „Pankow“ hat sich André Herzberg einen Namen gemacht. Es war genau sein Ding: im Rampenlicht brillieren, die Grenzen austesten und provokant gern mal einen Schritt zu weit gehen. Doch als seinen Fans die weite Welt samt Westidolen offen stand, wurde es ruhig um Pankow. Das warf André Herzberg aus der Bahn und gleichzeitig auf sich selbst zurück. Er suchte nach Identität. Seine Eltern hatten sich im Exil kennen gelernt, sie stammen aus bürgerlichen, jüdischen Familien. Aber als strenge Kommunisten fanden sie den Glauben beim Aufbau des Sozialismus wenig hilfreich und traten aus der Gemeinde aus. Erst als Erwachsener konnte André Herzberg seine jüdischen Wurzeln finden und ausgraben, er schrieb Bücher und Hörspiele über seine Familie. Nach und nach hat er sich selbst als Jude entdeckt und lebt seinen Glauben heute mit Kippa, Sabbat und Synagoge.