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Wiener Mosaik

Kurznachrichten aus Österreich…

Von Peter Stiegnitz

Einladung

Die Aufschrift auf iranischen Raketen („Israel muss ausgelöscht werden“) auf Farsi und auf Hebräisch kann man nicht vergessen. Daran erinnert der Präsident der Wiener Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, als es bekannt wurde, dass der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer den iranischen Präsidenten Hassan Rohani nach Österreich einladen will. Dazu Oskar Deutsch: „ Wenn all die Reden bei Gedenkjahrestagen wie dem Novemberpogrom keine leeren Worte sein sollen, muss diese Einladung zurückgenommen werden.“

Unglaublich

Das für eine Botschafterresidenz eher unscheinbares Hau (typisch: Adolf Loos) in Wien-Währing gehört dem Staat Israel. Dort empfängt der jeweilige israelische Botschafter in Österreich seine diplomatischen Gäste. Das Haus gehörte einst dem jüdischen Industriellen Hans Möller und wurde 1938 „arisiert“. Auf eher unglaubliche Art und Weise wollte „Österreich für das Haus die während der Nazi-Zeit angefallenen Steuern zurückhaben“ – schreibt Alexia Weiss in der „Wiener Zeitung“. Die neue israelische Botschafterin, Taya Lador Fresher, die Wien schon als Touristin kannte, erforschte das Schicksal dieses Hauses, da die Familie Möller glücklicherweise rechtzeitig, bereits 1934, Wien verließ und sich im damaligen Palästina niederließ. In der Nähe von Haifa, in der Kleinstadt Kyriat Ata bauten eine Textilfabrik; immerhin „die erste moderne Textilfabrik in Israel“, so Botschafterin Fresher. Fresher erinnert daran, dass Österreich nach 1945 von der Familie Möller die seit 1935 anfälligen Steuern, ach die während der Nazi-Zeit, einforderte. Möller konnte und wollte dieser Ungeheuerlichkeit nicht nachkommen und schenkte das Haus dem Staat Israel unter der Auflage, die „Steuerschulden“ zu übernehmen; was auch geschah. Und Israel zahlte: 1950 wurden 45.000 Schilling nach Wien überwiesen.

Image Israels

„In der westlichen, vor allem auch der deutschen Wahrnehmung, gilt Israel als einzige Demokratie im Nahen Osten, dauerhaft bedroht von Fanatismus und Gewalt“ – schreibt Michael Lüders in seinem Buch „Wer den Wind sät“ (C.H.Beck, München 2016). Diese „Wahrnehmung“ gilt natürlich auch für Österreich. Obwohl nach dem „Gazakonflikt“ im Sommer 2014 „dieses Bild Risse bekommen hat“ (Lüders), haben die unaufhörlichen „Messerattacken“ junger Palästinenser und der weltweite islamistische Terror diese „Risse“ wieder ausgebügelt. Wie man zu Israel in der öffentlichen Wahrnehmung stehen mag, niemand kann abstreiten, dass der Staat Israel nach wie vor die einzige Demokratie im Nahen Osten ist.

Gedenken

Die sehr aktive „Burgenländische Forschungsgesellschaft“ hat anlässlich des „Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“ weitere Ausschnitte von Zeitzeugen online gestellt. Zunächst kam Elisabeth Helfer aus Eisenstadt, deren Vater bereits 1938 von der Gestapo verhaftet wurde, zu Wort. Dann sehen und hören wir Hans (Juan) Deutsch, geboren im ungarischen Köszeg. 1944 musste er am auch militärisch vollkommen sinnlosen „Südostwalls“ arbeiten. Sowohl den anschließenden Todesmarsch in die Steiermark als auch das KZ in Gunskirchen überlebte er.

Exilland

Ohne das halbfaschistische System des Diktators Salazar (Portugal) zu verschönern, dürfen wir auch nicht vergessen, dass dieses Land auf der Iberischen Halbinsel 1940 „der letzte offene Hafen aus dem von Hitler beherrschten Europa war“ – wie das eine der jüngsten Ausstellungen im Wiener Jüdischen Museum („Ziegensteig ins Paradies: Exilland Portugal“) bewies. Uli Jürgens zeichnet in der Ausstellung den Fluchtweg über Süd-Frankreich nach Portugal nach. Unter den Geretteten gab es auch mehrere österreichische Literaten, wie Friedrich Torberg, das Ehepaar Mahler-Werfel, Karl Farkas, aber auch Otto von Habsburg.

„Wiener Kreis“

In den Jahrzehnten zwischen 1870 und 1930 trugen befestigten unzählige jüdische Dichter und Denker, Wissenschaftler und Wirtschaftler zum weltweit hervorragenden Ruf Österreichs bei. Diesmal beschäftigt sich das Wiener Jüdische Museum mit dem legendären „Wiener Kreis“, dem auch die Philosophen Ludwig Wittgenstein und Karl Popper angehörten. Über die große Bedeutung der hier versammelten geistigen Heroen berichtete Rudolf Taschner, der vom „Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten“ zum „Wissenschaftler des Jahres 2007“ ernannt wurde, in einem vielversprechenden Vortrag.

Stefan Zweig

Im Salzburger „Stefan Zweig Centre“ wurde eine Faksimile-Ausgabe von Stefan Zweigs letztem Adressbuch“ (Hentrich&Hentrich, Berlin) vorgestellt. Hier verzeichnete Zweig nicht weniger als 158 Namen von Freunden, Bekannten und beruflichen Partnern aus den USA. Dieses letzte Adressbuch Zweigs gibt Einblick in sein persönliches Umfeld während der letzten Exilzeit. Der eigentliche Faksimiledruck, ursprünglich in Englisch und Portugiesisch erschienen, wurde in Petropolis, Zweigs letztem Fluchtort, vorgestellt.