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Kampf gegen Konventionen – Transgender in der israelischen Armee

Als Liam Rubin zum Militärdienst eingezogen wurde, dachte er, dass er in große Schlachten ziehen würde. Aber er dachte nicht, dass der größte Kampf von allen, ein privater Kampf sein würde – der Kampf um seine Identität…

Liam Rubin (20) wurde als Linoi in einer religiösen Familie mit zehn Familienmitgliedern in Rishon Lezion geboren. Seinen Berichten nach, spürte er bereits im Alter von vier Jahren, dass er im falschen Körper geboren wurde. „In diesem Alter sagte ich meiner Familie, dass ich ein Sohn bin“, erzählte er seinen Freunden. „Schon mit sechs Jahren bat ich darum, dass man mich in der männlichen und nicht in der weiblichen Form anspricht. Meine Mutter stimmte zu, aber der Rest interessierte sich nicht dafür.“ Trotz der Schwierigkeit seiner Familie dies anzunehmen, lehnte Rubin es ab „Mädchensachen anzuziehen“, er kürzte sein Haar und in den Schulpausen spielte er mit den Jungen. „Aber als ich in das Bataillon aufgenommen wurde und in eine andere Gesellschaft kam, wollte ich dass man mich annimmt, und so unterdrückte ich meinen Wunsch ein Mann zu sein und verhielt mich der Norm entsprechend“, berichtete er Freunden. „In derselben Zeit wandte ich mich von der Religion ab. Es gab Nächte in denen ich mit mir alleine da saß und auf Gott wütend war – warum hast du mich so erschaffen? Ich widersprach allem was mit Glauben zu tun hat, weil ich zwischen ihm und dem Zustand in dem ich mich befand eine Verbindung herstellte.“

Obwohl er sich vom Glauben abwandte, spürte Rubin den gesellschaftlichen Druck, zog Frauenkleidung an, ließ sein Haar wachsen und unternahm mit seinen Freundinnen etwas. Am Ende der 11. Klasse verliebte er sich zum ersten Mal, in ein Mädchen. „Für sie beschloss ich aus mir herauszukommen“, berichtet er seinen Freunden. „Aber für meine Familie war dies wiederum nicht leicht, und es kostete sie Zeit meine sexuelle Orientierung anzunehmen.“

Vor zwei Jahren wurde Rubin als Soldatin in das Caracal Bataillon eingezogen. Er absolvierte den Vorbereitungskurs und schloss den beschwerlichen Weg ab. Aber nachdem er einen Artikel über eine Soldatin gelesen hatte, die sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hatte, beschloss er seine Vorlieben nicht mehr zu bekämpfen. „Plötzlich verstand ich endlich, dass das ich bin, und dass ich den Weg der Geschlechtsumwandlung gehen muss, egal was“, erinnerte er sich gegenüber seinen Freunden. „Aufgrund des Artikels über Transgender fühlte ich plötzlich, dass es für meine Gefühle eine Bezeichnung gibt, dass es noch andere Menschen gibt, die genauso fühlen wie ich. Dies war eine geistige Erweckung. Ich begann das Thema zu erforschen und verstand zum ersten Mal, dass man sein Geschlecht verändern kann, dass dies nichts ist mit dem bis in alle Ewigkeit leben muss.“

Vor einem Jahr beschloss Rubin schließlich die Operation zur Geschlechtsumwandlung durchführen zu lassen, stellte sich seinen Kameraden in der Abteilung und erzählte ihnen davon. „Ich wusste, dass es bedeutet entweder zu sterben oder zu einem Mann zu werden“, sagte er. Und die Freunde? Ein Großteil unterstützte ihn. „Wir waren überrascht, denn er hat mit uns über diese Sache nie zuvor geredet, aber wir haben ihn sehr gut aufgenommen“, berichtet ein Freund aus der Einheit. Wir sind eine gemischte, aus Kämpferinnen und Kämpfern bestehende Einheit. Dennoch es gab auch einige denen es etwas schwerer fiel damit umzugehen. Dennoch wir hatten uns daran gewöhnt Linoi zu sehen und plötzlichen mussten wir uns daran gewöhnen Liam zu sehen.“

Nachdem er sich seinen Kameraden gegenüber erklärt hatte, änderte Liam mit Unterstützung der Mitarbeiter der Organisation „Transitions“ seinen Namen und seine Geschlechtszugehörigkeit in seinem Personalausweis. „Ich fand dort viele Menschen die so sind wie ich“, sagte er. „Es war das erste Mal, dass mich jemand bis zum Schluss verstanden hat.“

Danach kontaktierte er den Militärarzt und erzählte ihm, dass er sich einer Geschlechtsumwandlung unterziehen möchte. Er begann Hormone einzunehmen, seine Stimme wurde dunkler, an seinem Körper wuchsen Haare. Als er zum Schluss beschloss seine Brust in einer privaten Operation entfernen zu lassen, forderte die medizinische Abteilung von ihm, sich an die Kommission zur Geschlechtsumwandlungen zu wenden – auch wenn das Gesundheitsministerium ein solches Vorgehen nicht verpflichtend vorschreibt. Rubin lehnte die Erfüllung dieser Forderung ab und legte seine Beschwerde dem militärischen Ombudsmann vor – dort wurde beschlossen, dass das Recht auf seiner Seite ist. Dank der Beschwerde, auch wenn die IDF dies zunächst anders gesehen hat, gestattet die medizinische Abteilung nun jedem eine Geschlechtsumwandlung, der eine solche durchführen möchte, auch während seines Militärdienstes.

In den letzten Jahren hat sich Rubin erneut dem Glauben angenähert, hat angefangen eine Kippa zu tragen und den Schabbat zu halten. In einem Post den er auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte, verteidigt er seine Zufriedenheit mit dem von ihm eingeschlagenen Weg, sowohl in seinem Leben und seinem Militärdienst. „Ich bin ein stolzer Transgender und noch stolzer als Soldat in der Armee zu dienen. Ich werde weiter dafür kämpfen, dass das Bewusstsein für ihre Erschwernisse und Erleichterungen ansteigt“, versprach er. „Auf dass es einen gleichberechtigten Dienst für alle gebe!“

Yediot Achronot, 22.2.2016, Newsletter der Botschaft des Staates Israel