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„Die Geschichte wird von Judenfeinden absichtlich verdreht“

Vom 6. bis 12. März 2016 fand in Wien zum zweiten Mal die internationale „Israeli Apartheid Week“ statt…

Veranstalter ist der österreichische Ableger der BDS Bewegung (Boycott, Divestment, Sanctions, gemeint ist gegen Israel). Auf einer Gegendemonstration am Freitag sprach unter anderem auch der Publizist Karl Pfeifer, dessen Rede wir hier wiedergeben:

 

„Genau vor 78 Jahren marschierten deutsche Truppen in Österreich ein. Sofort erhoben die Nationalsozialisten die Forderung jüdische Geschäfte zu boykottieren.

Heute glaubt eine kleine Gruppe von Geschichte vergessen wollenden Menschen die Zeit ist gekommen, diese Forderung erneut erheben zu müssen. Diesmal um den jüdischen Staat zu boykottieren.

Abgelenkt soll werden von der Diskriminierung von Frauen, von Homosexuellen und von Minderheiten – darunter der Christen, die es im Nahen Osten lange vor den Muslimen gab. Heute ist offensichtlich, dass dort die elementaren Menschenrechte nicht geachtet werden, Hunderttausende Araber wurden und werden von Arabern massakriert, ein Völkermord an Jeziden wurde versucht und Millionen Flüchtlinge verlassen die Region.

Die Boykottbewegung jedoch sieht im Auge der Israelis Splitter und will die Balken im Auge der Araber und Muslime nicht bemerken.

Was hat der jüdische und demokratische Staat mit Apartheid zu tun?

Die drittgrößte Fraktion im israelischen Parlament ist die „Vereinte arabische Liste“, arabische Richter verurteilen in Israel Juden, an den Universitäten studieren ca. 20 Prozent Araber, was dem Bevölkerungsanteil entspricht. In den israelischen Spitälern behandeln arabische Ärzte Juden und der Geschlechtsverkehr zwischen Menschen verschiedener ethnischer und/oder religiöser Herkunft ist nicht durch Gesetz verboten.

All das wäre im Apartheidregime Südafrikas undenkbar gewesen.

Wenn in Wien ein aufgehetzter Mob von bosnischen Muslimen bei einer Demo straflos brüllen konnte „töte, töte Juden“ so ist das nicht auf das Verhalten Israels im Konflikt mit Palästinensern zurückzuführen. Wir würden ja auch keinen antitürkischen Rassismus dulden, weil es einen viel blutigeren Konflikt zwischen der Türkei und Kurden gibt.

Die Duldung von solchem Verhalten deutet daraufhin, dass manche eine Decke über den Völkermord an Juden legen wollen. Damit wird auch antijüdische Gewalt in Kauf genommen, die sich aber – das zeigt die Erfahrung – auch gegen Nichtjuden richten kann.

Die Geschichte wird von Judenfeinden absichtlich verdreht. Im Juni 1967 bat Israel den jordanischen König Hussein nicht anzugreifen. Doch dieser hörte lieber auf Nasser und griff Israel an. Deswegen kam es zur Besetzung der Westbank. Ein paar Wochen nach Kriegsende bot Israel dieses Gebiet gegen Frieden und Anerkennung an, was aber von der arabischen Liga im Herbst 1967 zurückgewiesen wurde.

Gibt es auch Boykottaufrufe gegen China wegen der Besetzung Tibets? oder gegen Marokko wegen der Okkupation der Westsahara? Oder gegen Russland wegen der Annexion der Krim? Oder gegen EU-Anwärter Türkei wegen der Besetzung Nordzyperns? Nein es gibt keine.

Es ist geballte Irrationalität, wenn Israel, in dem weniger als 0.1 Prozent der Weltbevölkerung lebt, als „Jude unter den Staaten“ ausgesondert wird.

Diese modernen Judenfeinde glauben, wenn sie das Wort „Jude“ durch „Zionist“ und „Israel“ ersetzen, wenn sie für ihre Beschuldigungen gar einen Zeugen „jüdischer Abstammung“ präsentieren,  könnten ihre abstrusen Behauptungen, dass Israel an den Palästinensern einen „Völkermord“ begeht, oder ein Apartheid-Regime eingeführt hat, als „Israelkritik“ gelten.

Stimmt die Behauptung, durch den Boykott Israels würde sich das Leben der Palästinenser verbessern? Werden die Aussichten auf Frieden verbessert? Dient es nach Jahrzehnten der Feindschaft der Errichtung eines demokratischen mit Israel koexistierenden palästinensischen Staates? NEIN.

Die Zielsetzung der Boykottbewegung ist klar: Sie wollen Israel beseitigen und den Konflikt solange fortsetzen, bis sie dieses Ziel erreichen. Sechs Millionen Juden in Israel haben ihrer Meinung nach kein Recht auf Selbstbestimmung.

Dämonisierende Tiraden gegen Israel und „die Zionisten“ gehen oft direkt in Anklagen gegen „die Juden“ über, wenn Juden und der jüdische Staat als „Täter von heute“, als „Apartheidstaat“ für antijüdische Feindbilder und Gewalt selbst verantwortlich gemacht werden.

Der Import eines der vielen Konflikte aus dem Nahen Osten nach Österreich, ihre antijüdische, antiisraelische Agitation könnte auch hier zur Gewalt führen, die gegen niemanden gerechtfertigt ist. Daher fordern wir nicht nur aus moralischen sondern auch aus pragmatischen Gründen Politiker, Medien und Zivilgesellschaft auf, der Boykottbewegung gegen Israel keinerlei Unterstützung zu leihen.“