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Vortrag über Israel bei der Landsmannschaft Teutonia

Am vorletzten Samstagabend im Januar fand bei der Würzburger schlagenden Stundentenverbindung „Landmannschaft Teutonia im Coburger Convent“ ein Vortrag über den Staat Israel von seiner Entstehung bis heute statt. Das Besondere an diesem Referat war, das es von dem Haßfurter Stadtarchivar Thomas Schindler M.A. gehalten wurde, der nicht nur Mitglied der IKG Bamberg und der ältesten jüdischen Reformsynagoge Israels, Kehilat Har-El, ist, sondern auch selber der „Landsmannschaft Teutonia Würzburg“ angehört…

Von Israel Schwierz

Nach der freundlichen Begrüßung aller Anwesenden – der Verbindungsangehörigen, der Damen und der Gäste durch ein Vorstandsmitglied der Teutonen – ergriff Thomas Schindler das Wort. In einem exzellenten, sehr gut verständlichen, nahezu zwei Stunden dauernden Vortrag brachte er dem Auditorium alles Wissenswerte über den Staat Israel nahe: den theoretischen Anfang der Idee eines Staates für die Juden aus aller Welt durch die Publikation des Werkes „Der Judenstaat“ durch den ehemaligen Wiener Burschenschafter Theodor Herzl, dem allerdings in früheren Zeiten bereits einige religiös begründete Alijot nach Eretz Israel vorausgegangen waren, den theoretischen und auch praktischen Verwirklichungen der Idee der Errichtung eines Staates für die Juden auf dem Gebiet der antiken jüdischen Königreiche zur Zeit des Osmanischen Reiches und des späteren britischen Mandatsgebietes Palästina, der Ausrufung des Staates Israel aufgrund der Entscheidung der Vereinten Nationen 1948 sowie die anfänglichen Schwierigkeiten des neu geschaffenen Landes durch den Angriff aller umliegenden arabischen Staaten auf Israel. Erwähnt wurde ebenso die heutige Lage, die leider immer noch vom Unfrieden und terroristischen Handlungen zwischen den beiden Volksgruppen – Juden und Araber – geprägt ist.

Der zweite Teil des Referates, das immer wieder durch Fragen aus der Reihe der interessierten Zuhörer aufgelockert wurde, hatte die frühere und auch heutige religiöse und ethnische Zusammensetzung des jüdischen Bevölkerungsanteils des Staates Israel zum Inhalt: die Ultraorthodoxen, Orthodoxen, Liberalen, Reformjuden und die Nichtreligiösen wurden ebenso vorgestellt wie die Angehörigen der diversen ethnischen Gruppen, die zu verschiedenen Zeitpunkten nach Israel eingewandert sind: die Juden aus Ost- (Russland, Polen, Ungarn) und Westeuropa (deutschsprachige Länder, Frankreich, Großbritannien), aus den arabischen Staaten, von wo die meisten nach der Gründung von Israel vertrieben worden waren (Ägypten, Lybien, Algerien, Syrien, Irak) oder auch freiwillig ausgewandert sind (Tunesien, Marokko), aus dem Iran, aus dem Yemen, aus Äthiopien, aber auch aus Indien und diversen fernöstlichen Staaten. Dass das Zusammenleben so vieler Angehöriger verschiedener ethnischer Gruppen zu Spannungen und Differenzen – Rassismus inclusive – führen muss, ergibt sich von selbst. Trotzdem bemüht sich der Staat Israel nach bestem Vermögen, ein friedliches und erfolgreiches Zusammenleben all‘ dieser verschiedenen jüdischen Israelis sicher zu stellen – obwohl da ja auch noch der Unterschied zwischen nichtjüdischen Israelis – christlichen und moslemischen Arabern, Drusen, moslemischen Tscherkessen, Beduinen, Bahai u.a.m. –hinzukommt. Thomas Schindler stellte fest, dass Israel im Nahe Osten das einzige demokratische Land ist, in dem Menschen aller Religionen und Ethnien nahezu gleichberechtigt leben können. Seine Feststellungen belegte er durch vielerlei Erfahrungen und Erlebnisse bei Aufenthalten in Israel während der letzten dreissig Jahre. So ist er etwa während seiner jährlichen Urlaube ehrenamtlich beim Zentralarchiv für die Geschichte des Jüdischen Volkes in Jerusalem tätig. Für sein exzellentes Referat wurde Thomas Schindler M.A. mit langanhaltendem Beifall seiner Zuhörer und dem neuen Buch von Dr. Roland Flade „Jüdische Lebensgeschichten aus Unterfranken“, übereicht von einem der Chargierten der Verbindung, gewürdigt.

Schlagende Verbindungen stehen nicht nur in Deutschland in dem Verdacht, nationalistisch und antisemitisch zu sein; dass dies in den allermeisten Fällen nicht so ist, zeigt die im Programm des Wintersemesters 2015/16 festgelegte Veranstaltung der Landmannschaft Teutonia Würzburg im CC. Das Thema wurde von allen anwesenden Verbindungsangehörigen, ihren Damen und den Gästen interessiert aufgenommen, wie zahlreiche Fragen während und am Ende der Veranstaltung bewiesen haben. Dafür gebührt der Verbindung Dank und Anerkennung. Großer Dank und höchste Anerkennung gebührt natürlich ganz besonders dem Referenten Thomas Schindler, dem es in der Tat gelungen ist, durch einen äußerst interessanten, wissenschaftlich fundierten und lebendig vorgetragenen Vortrag sein Publikum in den Bann zu ziehen.