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Flüchtlinge als hippes Kuschelobjekt der Kunst

Ai Weiwei posierte kürzlich als toter Flüchtlingsjunge am Strand und bei der Berlinale umhüllten sich gestern die Prominenten mit goldenen Wärmefolien, um auf das Leid der Flüchtlinge aufmerksam zu machen. Eine aufrüttelnde Geste? Vielleicht. Vielleicht aber auch nur eine günstige und kostenlose Gelegenheit sein Gesicht in die Kamera zu halten und sich dabei wahnsinnig gut zu fühlen…

Von Ramona Ambs
Zahlreiche Initiativen wollen derzeit „auf künstlerische Weise“ mit den Flüchtlingen ins Gespräch kommen. Im Prinzip ja vielleicht keine schlechte Idee, aber bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das Meiste vor allem als eine Wohlfühlaktion für KünstlerInnen mit gutem Gewissen und einnehmender Rhetorik. Man feiert Willkommensfeste, man öffnet einmal wöchentlich Künstlerwerkstätten und trifft sich in Buchläden.

Alles sehr schön.
Für die MacherInnen.
Denn es fühlt sich gut an zu helfen. Aber hilft das auch?

Derzeit sprießen Kunstaktionen mit Flüchtlingen wie Pilze aus dem Boden. Flüchtlinge fotografieren ihren Alltag- mit Vernissage. Flüchtlinge malen im Atelier- mit anschließender Ausstellung der Werke. Flüchtlinge musizieren- und geben sogar ein Konzert. Flüchtlinge spielen mit Einheimischen Theater und geben Vorstellungen. Gefördert werden viele der Projekte von den diversen Landes-Ministerien für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport oder im Rahmen des Förderprogramms „Künste im interkulturellen Dialog“. Das gibt gute Publicity für die jeweiligen Künstler und es ist bestimmt auch für die Geflüchteten besser als den ganzen Tag in der Flüchtlingsunterkunft tatenlos abhängen zu müssen. Verdammt zum Warten.

Aber der Masse der Geflüchteten hilft das sicher nicht. Denn in den Genuss dieser Aktionen kommen immer nur wenige. Dem Image der Flüchtlinge hilft es wohl auch nicht. Denn der gemeine Rassist mag eh keine Kunst und der Kunstbeflissene gibt sich immer schon gerne international- solange die Flüchtlinge am Stadtrand untergebracht sind und nicht auf der Freifläche neben seinem Haus in der besten Wohnlage der Stadt.

Die meisten Menschen in meiner Umgebung, die sich wirklich für Flüchtlinge engagieren, die mit ihnen zu den Ämtern laufen und sich dort die Beine in den Bauch stehen, die mühsam Unterlagen übersetzen und den Leuten deutsch beibringen, sind genervt von diesen medienwirksamen Aktionen. „Die lächeln in die Kameras, grabschen Geld ab für irgendwelche Aktionen und ich laufe seit Wochen dem nicht ausbezahlten Taschengeld für meine Patenfamilie hinterher!“ klagte eine Helferin im Gespräch und stellt klar: „Ich hab ja nix gegen die Kunstaktionen, die machen den Flüchtlingen ja auch teilweise Spaß und geben ihnen Anerkennung, aber es sind nicht alles Künstler, die kommen. Es sind auch normale Menschen und für die interessiert sich keiner.“

Vielleicht wäre das ja zur Abwechslung wirklich mal eine Idee:
sich statt für Kunst einfach für Menschen zu interessieren!

2 Kommentare zu “Flüchtlinge als hippes Kuschelobjekt der Kunst

  1. „Ai Weiwei posierte kürzlich als toter Flüchtlingsjunge am Strand“
    Ach, ich dachte er wollte gegen das Wahlsterben demonstrieren. SCNR

    Nichts gegen Ai Weiwei, doch das ging, meiner Ansicht nach, gründlich daneben.

    Kyniker

  2. Kunst und Kunstaktionen sind schon lange zur Beliebigkeit verkommen. Und wenn ein Künstler/eine Künstlerin selber nicht weiß, was er oder sie mit seiner oder ihrer Kunst aussagen möchte, ist sie, die Kunst, nicht nur beliebig, sondern auch belanglos.
    Kunst mit Flüchtlingen ist halt Hipp und jeder Prominente, oder die dafür gehalten werden, macht eben Kunst mit Flüchtlingen: kostet einen selber ja nichts und ist so hilfreich wie jedes Konzert gegen Rechts, Antisemitismus, für Afrika … aber man darf sich halt als engagierte Persönlichkeit geben und ist in der Presse.

    Vielleicht sollte ich meine Bilder „Eisbär im Schneesturm“ oder „Kumpel Untertage, als der Strom ausfiel“ auch als Protest gegen die EU Flüchtlingspolitik präsentieren. Schließlich sind der Eisbär und der Kumpel im Übertragenen irgendwie oder so oder doch … man, was weiß ich denn …

    Kyniker

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