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Zugänge schaffen

Verein Miteinander leben e.V. in Mölln startet Bundesmodellprojekt zum Thema „Antisemitismus“…

Seit 2002 bearbeitet der Verein Miteinander leben e.V. in Kooperation mit Yad Ruth e.V. in Hamburg das Thema „Antisemitismus“ im Rahmen des Jugendbildungsprojektes „OPEN MIND – Leben mit dem gelben Stern.“ In dieser Zeit haben mehr als 7.000 Schülerinnen und Schüler der Region die Möglichkeit gefunden, Zeitzeugen des Holocausts zu begegnen, ihre Geschichte zu hören und Fragen stellen zu können, Exkursionen zu Gedenkstätten in der Region durchzuführen oder über Ausstellungen an den Schulen am Thema der „Shoa“ zu arbeiten. Bereits in den vierten Klassen der Grundschulen wird mit dieser Arbeit inzwischen begonnen, wobei hier vor allem die Erstbegegnung mit dem „Judentum“ im Vordergrund steht, aber auch mit Kinderbüchern gearbeitet wird, die sich dem Holocaust auf kindgerechte Weise nähern.

In den nunmehr 13 Jahren Projektlaufzeit hat sich das Projekt „OPEN MIND – Leben mit dem gelben Stern“ viel Expertise und Anerkennung an den Schulen erarbeiten können, aber auch bei überregionalen Partnern wie dem Anne Frank Zentrum in Berlin, das bereits wiederkehrend mit der Anne-Frank-Ausstellung in Mölln zu Gast war, als auch beim German Desk der Internationale Schule für Holocaust Studien (ISHS) der Gedenkstätte Yad Vashem, mit dem zusammen in den vergangenen Jahren Seminarreisen für Lehrkräfte nach Israel oder Lehrerfortbildungen vor Ort organisiert wurden.

Mit dieser Expertise, die sich vor allem in der Person von Projektleiterin Gabriele Hannemann bündelt, hat sich der Verein Miteinander leben e.V. bei der Ausschreibung des neuen Bundesprogramm „Demokratie leben“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend beworben und wurde mit seiner Projektidee „ZUGÄNGE SCHAFFEN“ – Konzeptwerkstatt „Antisemitismus“ als einziges Modellprojekt in Schleswig-Holstein aufgenommen.

Das Projekt „ZUGÄNGE SCHAFFEN“ – Konzeptwerkstatt „Antisemitismus“ ist eine konsequente Weiterentwicklung des Projektes „OPEN MIND – Leben mit dem gelben Stern“. Es verfolgt das Ziel, zeitgemäße pädagogische Konzepte zu Bearbeitung des Themenkomplexes „Antisemitismus“ in historischer und aktueller Perspektive zusammen mit Experten aus der Region sowie überregionalen Institutionen zu entwickeln.

Bei einer ersten Auftaktkonferenz Ende November zeigten sich zahlreiche Akteure an einer Mitwirkung interessiert und signalisierten eine Zusammenarbeit, so Katrin Thomas, Schulrätin des Kreises Herzogtum Lauenburg, Birte Hewera vom German Desk der Internationale Schule für Holocaust Studien (ISHS) der Gedenkstätte Yad Vashem, Larissa Bothe vom Anne-Frank-Zentrum Berlin, Dr. Ittai Tamari, Dozent an der Ludwig-Maximilian Universität München, Gottfried Kößler vom Fritz Bauer Institut in Frankfurt sowie Antja Groeneveld vom Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus in Schleswig-Holstein.

Zusammen mit diesen und weiteren Experten werden zukünftig maßgebliche Erkenntnisse der Antisemitismusforschung zusammengetragen und Best-Practice-Beispiele der Vermittlung begutachtet, um daraus pädagogische Konzepte für die schulischen Unterrichtspraxis zu entwickeln. Dabei soll jedes Jahr ein besonderer thematischer Schwerpunkt gebildet werden, der dann intensiv bearbeitet wird, z.B. „Frühe Prävention“ – Erstbegegnung mit dem Judentum und der Shoa in der Grundschule (Klassenstufe 4) (2016), „Nahostkonflikt im Schulraum“ – Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus im Kontext von Migration (2017), „Lebendiges Judentum“ in Deutschland und Israel (2018) und „Wie wir zusammenleben“ – Demokratiepädagogische Konzepte zur Bearbeitung von Antisemitismus auf Basis des Wertekanons unseres Grundgesetzes (2019).

Die erörterten Lehrkonzepte sollen nachfolgend in den Unterrichtsbetrieb des Projektes „Leben mit dem gelben Stern“ überführt und dort in der schulischen Praxis den Lehrkräften vermittelt und zusammen mit Schulklassen ausgetestet werden, um daraus evaluierte Lehrempfehlungen an das Bildungsministerium des Landes Schleswig-Holstein und insbesondere an das IQSH, dem für die Lehrerfortbildung zuständigen Instituts für Qualitätsentwicklung in Schleswig-Holstein, geben zu können. Die Modellprojekt „ZUGÄNGE SCHAFFEN“ des Vereins Miteinander leben e.V. wird dazu in enger Abstimmung mit dem Bildungsministerium sowie dem Schulamt des Kreises Herzogtum Lauenburg durchgeführt. Die Empfehlungen sollen zudem auch Eingang in die Landesgedenkstättenkonzeption finden.

Parallel zur schulischen Perspektive beinhaltet das Modelprojekt allerdings auch eine gesellschaftspolitische Perspektive. Zusammen mit Vertreter*innen von jüdischen Gemeinden in der Region sollen auch Konzepte zur Bearbeitung von „Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft“ entwickelt und ausprobiert werden. Diese Arbeit wird im Frühjahr 2016 mit einem ersten Symposium in Mölln beginnen.

Wir sind nach dem ersten Auftakttreffen sehr erfreut, dass unsere Projektinitiative eine so große Resonanz auch bei überregionalen, sehr renommierten Institutionen gefunden hat und hoffen daraus, ein dauerhaftes Kooperationsnetzwerk aufbauen zu können, das viele neue Impulse zur zeitgemäßen Bearbeitung der Themen „Holocaust“ und „Antisemitismus heute“ für unsere Schulen in Schleswig-Holstein geben wird“, resümierte Mark Sauer, Vorsitzender vom Verein Miteinander leben e.V., die Ergebnisse der ersten Tagung in der Internationalen Begegnungsstätte „Lohgerberei“.

Foto: Erstes Expertengespräch zum Auftakt des Bundesmodelprojektes „ZUGÄNGE SCHAFFEN“ des Verein Miteinander leben e.V., (vl.) Sieghard Bußenius, Verein Miteinander leben e.V, Gabriele Hannemann, Projektleiterin des Bundesmodelprojektes, Dr. Ittai Joseph Tamari von der Ludwig-Maximilian Universität München, Schulrätin Katrin Thomas, Larissa Bothe vom Anne Frank Zentrum Berlin und Birte Hewera vom German Desk der Internationale Schule für Holocaust Studien (ISHS) der Gedenkstätte Yad Vashem