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Die neuen Fernsehtipps

Vom 01. bis 15. Februar 2016…

Mo, 1. Feb · 01:30-03:00 · HR
Meine Tochter Anne Frank

© Bild: HR/AVE/Janett Kartelmeyer Anne Frank (Mala Emde).

Der Film folgt Annes Schicksal von der glücklichen Kindheit über das Versteck im Hinterhaus in Amsterdam bis zu ihrem Tod im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Otto Frank, Annes Vater, hat als einziger den Verrat an den Hinterhausbewohnern überlebt. Heimgekehrt aus dem Vernichtungslager Auschwitz, hält er das Tagebuch seiner toten Tochter in der Hand. Er lernt die geheimsten Gedanken und Sehnsüchte seiner Jüngsten kennen, ihre Träume von Liebe, Freiheit und Sexualität. Ihre Texte stürzen ihn in tiefe Trauer. Aber sie entfalten auch eine ungewöhnliche Kraft und schenken ihm unvermutet wieder Lebensmut. Der Name Anne Frank steht für Lebensmut und Zuversicht in hoffnungsloser Zeit, aber auch für den frechen und schonungslosen Blick einer Heranwachsenden auf ihre Familie und ihre Umwelt. Millionen Menschen weltweit kennen ihr Tagebuch, sie schrieb es im Versteck vor den Nazis. Jetzt liegt mit diesem Doku-Drama die erste große deutsche Verfilmung der Lebensgeschichte des Frankfurter Mädchens vor. Der Film folgt Annes Schicksal von der glücklichen Kindheit über das Versteck im Hinterhaus in Amsterdam bis zu ihrem Tod im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Er stellt die Beziehung von Vater und Tochter in den Mittelpunkt. Otto Frank hat als einziger den Verrat an den Hinterhausbewohnern überlebt. Heimgekehrt aus dem Vernichtungslager Auschwitz, hält er das Tagebuch seiner toten Tochter in der Hand. Er lernt die geheimsten Gedanken und Sehnsüchte seiner Jüngsten kennen, ihre Träume von Liebe, Freiheit und Sexualität. Ihre Texte stürzen ihn in tiefe Trauer. Aber sie entfalten auch eine ungewöhnliche Kraft und schenken ihm unvermutet wieder Lebensmut. In Otto Franks Erinnerung ersteht mit Annes Hilfe das Leben der beiden versteckten Familien im Hinterhaus neu. Mit welcher Genauigkeit und scharfem Witz Anne ihre Mitbewohner und deren Beziehungen beschreibt, ist in eindrucksvolle Spielszenen übersetzt. Immer halten sie sich eng an die Vorlage des Tagebuchs. Otto Frank erfährt von der ersten großen Liebe seiner Tochter, aber auch von ihrer Verzweiflung, die Mutter nicht so lieben zu können wie den Vater. Er bekommt eine Ahnung davon, wie quälend es für sie gewesen sein muss, ihr Zimmer mit einem alternden Zahnarzt teilen zu müssen – und dass sie mit dem Jungen Peter van Pels auf dem Dachboden heimlich mehr als nur Küsse tauschte. Interviews mit den letzten noch lebenden Menschen, die Anne kannten, mit ihr zur Schule gingen oder ihr noch im Todeslager begegneten, holen die Spielhandlung immer wieder zurück in die Realität. Der Film schaut auf einen kleinen Ausschnitt der Welt mit den Augen von Anne Frank. Durch eindrucksvolle Leinwandprojektionen findet aber auch die Welt außerhalb des Verstecks bildlich Eingang in die Beschreibungen des Mädchens. In der Enge ihrer Kammer stürmen die Bilder der Zeit auf sie ein: der Einmarsch der Deutschen, die willkürlichen Verhaftungen auf der Straße, die Verschleppung der jüdischen Familien. „Meine Tochter Anne Frank“ erzählt die kurze Lebensgeschichte des jüdischen Mädchens aus Frankfurt – bildgewaltig, emotional und authentisch.

Mo, 1. Feb · 06:35-07:55 · MGM
Zelig

Der kleine jüdische Angestellte Leonard Zelig (Woody Allen) ist ein Mann ohne Identität. Er kann sich chamäleonartig an seine Umwelt anpassen. Das geht sogar so weit, dass er die physischen Eigenschaften bestimmter Personen annehmen kann. – Woody Allens fiktive Biografie: eine brillante Persiflage auf die Gesellschaft, die Filmindustrie und Dokumentarfilme.

Mo, 1. Feb · 17:45-18:30 · 3sat
Das Geheimnis der Auschwitz-Alben

„ZDF-History“ erzählt die Geschichte der Auschwitz-Alben und schildert, wie die Holocaust-Überlebende Lili Jacob eines der Foto-Alben fand. Fotografieren war in Auschwitz streng verboten. Und doch gibt es mehrere Fotoalben vom Schauplatz des Verbrechens. Wer fotografierte – und warum? Das blieb lange ein Rätsel. Bis heute sind drei Foto-Alben der SS bekannt – das letzte tauchte erst 2006 wieder auf. Experten versuchen nun zu klären, wie die Bilder entstanden, wer die Fotografen waren und weshalb diese geheimen Bildbände angefertigt wurden. Die bekanntesten Fotos aus Auschwitz hat ein SS-Mann im Mai 1944 aufgenommen. Sie zeigen die „Selektion“ einer großen Gruppe ungarischer Juden direkt nach der Ankunft, an den Gleisen. Doch die Stationen der Ermordung sind in dem Foto-Album „Umsiedlung der ungarischen Juden“ nicht zu sehen, womöglich sollten die Aufnahmen Propaganda-Zwecken dienen. Das Album wird dennoch später im Auschwitz-Prozess zum Beweismittel und ist mit dem Schicksal einer Überlebenden verbunden. 1945 fand Lili Jacob das Dokument kurz nach der Befreiung. Und es ist ausgerechnet ihr Transport, den der SS-Mann im Mai 1944 fotografierte. Lili Jacob hütete das Album und damit die letzten Fotos ihrer jüngeren Brüder wie einen Schatz. Heute befindet sich das Auschwitz-Album in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel.

Mo, 1. Feb · 20:15-22:00 · Einsfestival
Die Lebenden

Sita ist 25, Studentin der Germanistik und lebt in Berlin. Neben dem Studium arbeitet sie für einen Fernsehsender und dreht kleine Video-Porträts von Teilnehmern einer Castingshow. Nach einer durchfeierten Nacht landet sie im Atelier des Fotokünstlers Jocquin und etwas an ihm berührt sie auf ungewohnte Weise – sie kann ihn nicht so schnell vergessen, wie sie angenommen hatte. Anlässlich des 95. Geburtstags ihres geliebten Großvaters reist Sita nach Wien, wo auch ihr Vater Lenzi mit seiner neuen Familie lebt. Nach dem großen Fest findet sie in seiner Wohnung ein Foto, auf dem ihr Großvater in SS-Uniform zu sehen ist – Sita ist geschockt und beginnt Nachforschungen anzustellen. Gegend den Willen des Vaters beginnt sie in der Vergangenheit des Großvaters zu kramen und muss einsehen, dass ihr Großvater, aber auch ihr Vater ihr lange Zeit die Wahrheit verschwiegen haben. Sita bleibt hartnäckig. In einem Archiv in Wien findet sie ein Dokument, das nach Polen weist, ein Erinnerungsfoto führt sie nach Warschau. Hier trifft sie die Amerikanerin und politische Aktivistin Silver, die ihr weiterhilft. Schließlich die Gewissheit: Dokumente aus dem jüdischen Museum in Warschau belegen, dass ihr Großvater Wachmann in einem Konzentrationslager war. Immer tiefer dringt Sita in die Abgründe ihrer Familie vor. Auf ihrer Reise in die Vergangenheit trifft sie unerwartet Jocquin wieder. Zunehmend verdichtet sich die Perspektive auf ihr eigenes Leben und am Rand der Erschöpfung beginnt sie zu begreifen, dass ein Abtragen der Schuld ihrer Familie nicht möglich ist.

Mo, 1. Feb · 21:40-23:23 · arte
Wir Wunderkinder

Zum 50. Todestag des Schauspielers Robert Graf, der im Februar 1966 im Alter von nur 42 Jahren verstarb, zeigt ARTE Kurt Hoffmanns Klassiker „Wir Wunderkinder“. 1913 drücken zwei ungleiche Jungen gemeinsam die Schulbank: Während Hans stets hart arbeitet, nutzt der unbeschwerte Bruno die Gelegenheiten, wo sie sich bieten. Ebenso geschickt wie gewissenslos laviert er sich durch die Goldenen Zwanziger, den Nationalsozialismus und die Nachkriegszeit. Als Hans, mittlerweile Journalist, ihn eines Tages in einem Artikel bloßstellt, ist Bruno empört und stattet dem alten Schulfreund einen Besuch ab …

Mo, 1. Feb · 23:15-00:15 · 3sat
Vis-à-vis: Ahmad Mansour

Frank A. Meyer im Gespräch mit Ahmad Mansour. Der Psychologe und Buchautor war als Jugendlicher radikaler Islamist. Heute kämpft er für ein selbstkritisches Islamverständnis. Mansour ist derzeit die gefragteste Stimme, wenn es um die Radikalisierung muslimischer Jugendlicher geht. Im Oktober erschien sein Buch „Generation Allah“, worin er vor dem Abgleiten muslimischer Jugendlicher in den Extremismus warnt. Mansour ist arabischer Israeli, aufgewachsen in Tira, einem kleinen Ort in der Nähe von Tel Aviv. In seiner Jugend wurde er unter dem Einfluss eines Imams radikaler Islamist. Erst als Psychologie-Student in Tel Aviv rückt er von seinem Fundamentalismus ab. Als er Zeuge eines palästinensischen Anschlags wird, beschließt er Israel zu verlassen. Mansour zieht nach Berlin, wo er sein Studium beendet. Heute arbeitet er dort bei der Beratungsstelle „Hayat“, die sich der „Deradikalisierung“ junger Muslime widmet. Daneben ist er als Vortragender und Gast in Diskussionsgruppen und Workshops zur besseren Integration von Muslimen in ganz Deutschland unterwegs.

Di, 2. Feb · 05:50-06:20 · MDR Sachsen
Sehen statt Hören: Erinnern an…David Ludwig Bloch

1996 erklärte der damalige Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar zum „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“. Als Datum wählte er den Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz im Jahre 1945, der mittlerweile auch international als Gedenktag begangen wird. Der Bundespräsident bezog das Gedenken auf all jene Menschen, die „einer willkürlich definierten Rasse angehörten oder sonst wie vom willkürlich festgelegten Menschenbild abwichen“. Diese Menschen, jeden Alters, seien den rassistischen Kategorien unentrinnbar ausgeliefert gewesen, und zwar unabhängig von irgendwelchen Verhaltensweisen. Als Beispiele nannte der Bundespräsident: Juden, Sinti und Roma, Schwerstbehinderte, Homosexuelle. Sehen statt Hören erinnert an David Ludwig Bloch, einen gehörlosen Juden, der das Konzentrationslager Dachau überlebt hat und mit dem letzten Schiff nach Shanghai fliehen konnte. Seine Geschichte hat er in vielen Bildern erzählt. Und diese Bilder sind es auch, die Lehrer und Schüler der LVR-Schule für Gehörlose in Essen so beeindruckt haben, dass sie ihre Schule umbenannt haben: In David Ludwig Bloch-Schule. In verschiedenen Projekten haben sie sich mit Bloch beschäftigt. Geboren ist Bloch in Floß in der Oberpfalz. Er besuchte die Landes-Taubenstummenanstalt München, absolvierte dort seine Schule. Sein künstlerisches Talent wurde früh entdeckt und gefördert. Mit gerade mal 17 Jahren begann er eine Ausbildung zum Porzellanmaler in Selb in der Oberpfalz. Er kehrte in die bayerische Landeshauptstadt zurück, verdiente sich dort als Künstler. Als die Nazis nach der sog. „Reichskristallnacht“ begannen, Juden zu verfolgen, wurde auch Bloch im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Das war im November 1938 . Eine grauenvolle Zeit. Besonders der tägliche Zählappell: Aufgrund seiner Gehörlosigkeit konnte er nicht reagieren, wenn die KZ-Aufseher seinen Namen gerufen haben – eigentlich ein sicheres Todesurteil. Doch ein Mithäftling hat ihm geholfen – und so überlebte er. Nach Wochen wurde er überraschend entlassen – und konnte mit Hilfe seiner in den USA lebenden Verwandten fliehen. Um die halbe Welt ist der damals 30-Jährige im Jahr 1940 geflohen, landete schließlich in Shanghai, wo er künstlerisch sehr aktiv war und viele Bilder geschaffen hat. Zunächst war er als Straßenmaler aktiv. Dort hat er auch seine Frau Lily kennengelernt – und auch seine fröhlichen Bilder gemalt. Zuvor schuf er vor allem traurige Bilder über den Krieg und die Nazizeit. 1949 emigrierten die Blochs in die USA, wo David Ludwig Bloch bis zu seinem Tod lebte. Kontakt zu Blochs Tochter Lydia in Deutschland entstand erst 20 Jahre, nachdem Lydias Mutter verstorben war – erst dann erfuhr Lydia Abel, dass ihr Vater noch lebt. Sie schreibt ihm einen Brief. Der Beginn einer späten Vater-Tochter-Beziehung.

Di, 2. Feb · 10:55-11:05 · HR
Unterwegs mit … (1/3) … einem Rabbi

Jüdisches Leben in Deutschland: siebzig Jahre nach dem Ende des Holocausts zwar nicht einfach Normalität, aber doch etwas ganz Alltägliches. Doch was ist Alltag in einer jüdischen Gemeinde in Deutschland?

Mi, 3. Feb · 12:45-13:45 · WDR
Planet Wissen – Die neue Gefahr von rechts

Robert Rutkowski lässt sich nicht einschüchtern. Immer wieder wird er von den Anhängern der Dortmunder rechten Szene belästigt, angegriffen und bedroht. Sein Haus wird mit Hakenkreuzen beschmiert, im Internet muss er seine eigene Todesanzeige lesen. Und immer wieder bekommt er Beweise dafür, dass er ständig unter Beobachtung der rechten Szene steht: Paketsendungen, der er nicht bestellt hat, bedrohliche Reaktionen auf seine Blogeinträge, Pizzalieferungen an seine Arbeitsstelle. Er engagiert sich seit vielen Jahren gegen Neonazis – und bezahlt einen hohen Preis dafür. Dabei ist Robert Rutkowski kein Einzelfall. Die Kriminalstatistik dokumentiert seit Jahren eine signifikante Zunahme antisemitisch und rassistisch begründeter Verbrechen. Neben Robert Rutkowski ist der Dortmunder Journalist Christof Voigt und der Soziologe Matthias Quent aus Jena zu Gast im Studio. Sie alle haben ihre ganz eigenen Erfahrungen mit der rechten Szene. Wie agieren die neuen Nazis und warum werden sie immer stärker?

Mi, 3. Feb · 22:00-22:45 · BR
Als Olympia die Unschuld verlor – Die Winterspiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen

Die IV. Olympischen Winterspiele von Garmisch-Partenkirchen waren die ersten Winterspiele der Superlative und wurden zum internationalen Propagandaerfolg für die Nationalsozialisten. Die Dokumentation erzählt die Geschichte der Winterspiele neu: ihre politische Vorgeschichte, ihre Bedeutung für die Etablierung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, ihre sportliche Geschichte im Zeichen des Hakenkreuzes. Wären die Winterspiele gescheitert, hätten die internationale Gemeinschaft und die olympische Familie die Spiele in Garmisch boykottiert, hätte es auch kein „Fest der Völker“ im Sommer 1936 in Berlin gegeben. Die IV. Olympischen Winterspiele von Garmisch-Partenkirchen waren die ersten Winterspiele der Superlative. Eine halbe Million Menschen kamen aus aller Welt, um im Schatten der Zugspitze den 646 Athleten aus 28 Nationen bei ihren Wettkämpfen zuzusehen. Nie zuvor hatten Winterspiele derartige internationale Aufmerksamkeit und derartiges Zuschauerinteresse geweckt. Die Wintersportstars der Zeit wie Christl Cranz, Willy Bogner, Birger Ruud oder Sonya Henie begeisterten die Massen. Für die Nationalsozialisten aber waren die Winterspiele vor allem eins: die Möglichkeit, sich der Weltöffentlichkeit als vermeintlich tolerantes, weltoffenes und erfolgreiches Regime zu präsentieren. Und dies angesichts einer ernst zu nehmenden internationalen Boykott-Bewegung, die angesichts der nationalsozialistischen Rassenpolitik für ein Fernbleiben von den Spielen eintrat. Damit waren die Spiele von Garmisch-Partenkirchen auch der entscheidende Testlauf für die Sommerspiele in Berlin. Und nachdem vor allem die USA sich zur Teilnahme an den Spielen entschlossen hatte und die gesamte Olympische Familie folgte, wurden sie zum internationalen Propagandaerfolg und Triumph für die nationalsozialistischen Gewaltherrscher. Der französische Botschafter André Francois-Poncet kabelte von der Zugspitze nach Paris: „Alle Welt ist begeistert.“ Goebbels notierte in seinem Tagebuch: „Das haben wir gut gemacht. Viel Arbeit hat’s gekostet. Doch hat es sich gelohnt.“ Rudolf Heß schrieb: „Wir hätten es nicht besser einrichten können, wenn wir selbst das Schicksal zu beeinflussen gehabt hätten.“ Die Nazis feierten ihren ersten weltweiten PR-Coup. Heute sind die Winterspiele von 1936 in der Öffentlichkeit weitgehend vergessen. Die Dokumentation schließt zum 80. Jahrestag diese Lücke und erzählt die Geschichte der Winterspiele neu: ihre politische Vorgeschichte, ihre Bedeutung für die Etablierung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, ihre sportliche Geschichte im Zeichen des Hakenkreuzes. Wären die Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen gescheitert, hätten die internationale Gemeinschaft und die olympische Familie die Spiele in Garmisch boykottiert, hätte es auch kein „Fest der Völker“ im Sommer 1936 in Berlin gegeben.

Do, 4. Feb · 15:15-15:45 · Einsfestival
Wüstenreich am Jordan

Jordanien ist anders. Das Haschemiten-Königreich Jordanien liegt in einer der unruhigsten Gegenden dieser Welt. Gemeinsame Landgrenzen verbinden das Land mit Syrien, dem Irak, Saudi-Arabien und Israel. Aus Syrien haben sich hunderttausende Flüchtlinge auf den Weg ins sichere Jordanien gemacht. Das Sechs-Millionen-Einwohner-Land trägt schwer an den Belastungen, die die Versorgung dieser Menschen mit sich bringt – aber größere Konflikte sind bislang ausgeblieben. Trotz großer Schwierigkeiten überwiegt die Solidarität – Jordanien ist anders als viele Länder der Region. Zu den Flüchtlingen gehören auch viele Christen. Seit die Terrormiliz vom sogenannten „Islamischen Staat“ im Irak und Syrien wütet, sehen Christen in ihrer alten Heimat oft keine Zukunft mehr. Und Jordanien ist biblisches Land: in Bethanien soll Jesus getauft worden sein. Allerdings erhebt auch Israel Anspruch auf eine Taufstelle im heute austrocknenden Jordan – auf der anderen Uferseite. Unstrittig jedoch ist, dass in Jordanien Christen und Muslime seit Generationen friedlich zusammenleben. Jordaniens Haschemiten-Könige betonen ihre Abstammung direkt vom Urgroßvater des Propheten Mohammed. Sie setzen sich gleichwohl für den Dialog mit Christen und Juden ein. Toleranz wurde gewissermaßen zur Staatsdoktrin – auch weil letztlich das Überleben des kleinen Landes vom friedlichen Miteinander abhängt. Seit 2003 ist ein eigenes Forschungsinstitut mit der Förderung gegenseitigen Respekts und friedlichen Zusammenlebens der drei abrahamitischen Religionen beauftragt. Von der Höhe des Mukawir, einst Machaerus genannt, überblickt man eine karge Wüstenlandschaft. In der Ferne spiegelt sich das Tote Meer. Hier stand einst eine Burg des Herodes, hier soll Johannes der Täufer enthauptet worden sein. Jordanien ist reich an historischen Schätzen, und viele davon sind eng mit der Geschichte des Christentums verknüpft. In der Felsenstadt Petra, einst Zentrum der untergegangenen Kultur der Nabatäer, wurden gut 400 Jahre nach Christi Geburt etliche der in den Fels gehauenen Grabkammern in Kirchen umgewandelt. Und in Jordanien ist man sich ziemlich sicher, dass Petra letzte Station der Heiligen Drei Könige auf ihrer Reise nach Bethlehem war. Jordanien gehört zu den trockensten Ländern der Welt. Wind, Wetter und Zeit haben im Wadi Rum einen beeindruckenden Ort geschaffen, der von Menschen weitgehend unberührt blieb. Das „Tal des Mondes“ kann man auch im Ballon oder Ultraleichtflugzeug erkunden, höchst modern also. Wenn man traditionell auf der Erde bleibt, trifft man mitunter Beduinen, die noch immer halbe Nomaden sind und in ihrem eigenen, konservativen Kosmos leben. All das hat Platz in einem einzigen Land: Jordanien.

Fr, 5. Feb · 23:30-01:06 · arte
Der jüdische Kardinal

Aaron Jean-Marie Lustiger war eine wandelnde Provokation. Mit 14 Jahren beschloss er, sich katholisch taufen zu lassen, wurde später Priester, dann Erzbischof von Paris, Kardinal und einer der wichtigsten Berater des Papstes Johannes Paul II. Er war ein bedeutender Akteur der jüdisch-christlichen Beziehungen, auch bei der Affäre um die Gründung eines Klosters in Auschwitz. Lustiger ist kein konventioneller Geistlicher. Mit 14 Jahren, im Jahr 1940, lässt er sich gegen den Willen seiner Eltern katholisch taufen. Er raucht viel und fährt Moped, seine Predigten sind energisch und modern. Als eine katholische Zeitung seine jüdische Herkunft betont, provoziert er einen Skandal, als er behauptet, er habe mit der Konvertierung zum Katholizismus dem Judentum keinesfalls abgeschworen. Gegenüber dem Journalisten sagt er, er sei eine lebende Provokation, die viele dazu zwinge, das Wesen Christi zu ergründen. Sein Vater Charles, der von Polen nach Frankreich geflohen ist und dessen Frau im Jahr 1943 in Auschwitz ermordet wurde, akzeptiert die Entscheidung seines Sohnes nicht, Bischof von Orléans zu werden, da das Angebot ausgerechnet von einem Papst kommt, der Pole ist. Als Lustiger den Papst trifft, ist er beeindruckt von seiner Persönlichkeit und seinen Visionen. Die beiden Gottesmänner begegnen sich mit einer ähnlichen Weltsicht und einem ähnlichen Verständnis von Kirche. Bereits nach einem Jahr als Bischof von Orléans wird Lustiger zum Erzbischof von Paris und später auch zum Kardinal und Berater des Papstes ernannt. Aufgrund seiner jüdischen Wurzeln setzt sich Lustiger als Erzbischof besonders mit der Beziehung von katholischer Kirche und Judentum auseinander. Nach dem Tod seines Vaters und einem Besuch in Auschwitz gerät Lustiger in eine Auseinandersetzung mit den Widersprüchen seiner doppelten Identität. Als 50 Jahre nach dem Holocaust ein Kloster im sogenannten Theater von Auschwitz – einem Gebäude des Lagers, das in kirchlichem Besitz war – eingerichtet wird, erregt dies gewaltigen Protest und Empörung. Lustiger muss Stellung beziehen, teilweise auch gegen den Papst …

So, 7. Feb · 00:55-02:37 · arte
Lore

Im Sommer des Jahres 1945 treten die fünf Kinder eines geflohenen Nazi-Ehepaars zu Fuß den rund 900 Kilometer langen Weg zu ihrer Großmutter nach Norddeutschland an. Die 16-jährige Lore ist die Älteste und versteht auf der traumatisierenden Reise durch das Land unter anderem, dass ihr Vater nicht der Mann war, für den sie ihn gehalten hat. Gemeinsam mit dem geheimnisvollen Thomas, der mit einem jüdischen Pass unterwegs ist, setzen die Kinder ihren langen und gefährlichen Weg durch ganz Deutschland fort und erreichen schließlich das Haus der Großmutter. Doch Lore ist eine Andere …

So, 7. Feb · 02:15-03:00 · PHOENIX
Heil Hitler und Alaaf!

„Wir haben uns nie mit den Nazis eingelassen!“ Das behaupten manche Karnevalisten bis heute. Doch neue historische Forschungen belegen: Der Karneval am Rhein hat sich schon früh dem Druck der Nazis gebeugt… So begannen die Sitzungen der großen Gesellschaften oft mit Hitlergruß und Horst-Wessel-Lied, in den Sälen hielten Jecke und Volksgenossen „die Reihen fest geschlossen“, und in der Bütt wurden antisemitische Witze gemacht – das Publikum war begeistert. Die Autoren Carl Dietmar und Thomas Förster haben mit Zeitzeugen, Historikern und Funktionären des Karnevals in Köln und Düsseldorf gesprochen. Im Film sind zahlreiche historische Aufnahmen von Rosenmontagszügen und Sitzungen der 1930er Jahre zu sehen, darunter einige noch nie im Fernsehen gezeigte Dokumente. Der Film ist die dokumentarische Aufarbeitung des karnevalistischen Tabuthemas schlechthin, „Karneval unterm Hakenkreuz“.

So, 7. Feb · 11:15-12:00 · SWR BW
Die Narren und die Nazis

Die Geschichte von Karneval und Fastnacht im Nationalsozialismus gehört zu den verdrängten Kapiteln der Vergangenheit. Dabei war das Verhalten der meisten Vereine ab 1933 alles andere als ein Ruhmesblatt. Zivilcourage gegen das neue braune Denken fand man kaum, umso mehr eilige Anpassung und freiwillige Unterwerfung. Seit dem Machtantritt Hitlers versuchten die Nationalsozialisten, den Karneval ideologisch für ihre Zwecke zu nutzen. Protest, gegen die vielen judenfeindlichen Maßnahmen etwa, gab es kaum, Selbstbehauptung erfolgte nur dann, wenn es um den Erhalt der organisatorischen Selbstbestimmung des Karnevals ging. Ansonsten biederten sich die Karnevalisten den neuen Herren an, oft sogar in Konsens und gegenseitigem Einvernehmen.

So, 7. Feb · 20:15-22:19 · arte
Der Stellvertreter

Während des Zweiten Weltkriegs versucht ein evangelischer SS-Mann, die Welt darüber in Kenntnis zu setzen, was in den sogenannten „Arbeitslagern“ wirklich geschieht. Als ihm weder Freunde noch Kirche helfen, ist der Papst in Rom Gersteins letzte Hoffnung. Doch im Vatikan schlagen ihm Unwillen und Misstrauen entgegen. Nur der junge Jesuit Riccardo versteht, von welchem Verbrechen Gerstein berichten will. Gemeinsam riskieren die Männer nicht nur ihre Stellung, sondern bald auch ihr Leben bei dem Versuch, den europaweiten Deportationen der jüdischen Bevölkerung ein Ende zu setzen. Kurt Gerstein ist Chemiker und für Desinfektion zuständig. Eines Tages wird der SS-Offizier und Familienvater mit der Anlieferung von großen Mengen Zyklon B beauftragt, das er normalerweise zur Schädlingsbekämpfung einsetzt. Aufgrund seiner Nachfragen wird er in den engen Vertrauenskreis eines ranghohen SS-Arztes aufgenommen. Man zeigt ihm das Vorgehen in einem polnischen Lager, das Gerstein tief schockiert. Weder seine Familie noch Freunde oder Kollegen, die Gerstein nun ins Vertrauen zieht, wollen ihm helfen, die Vernichtung der Juden öffentlich zu machen. Gerstein entschließt sich, seine Stellung zu behalten, um die Existenz der Vernichtungslager belegen zu können. Während er versucht, Deportation und Vernichtung durch Informationsverbreitung zu verlangsamen, gelingt es ihm nicht, seine Umgebung aufzurütteln. Schließlich entscheidet sich Gerstein, den Vatikan zu informieren. Doch auch hier scheitern seine Bemühungen. Nur der junge Jesuit Riccardo versteht, von welchem Verbrechen Gerstein berichtet, und bemüht sich – während Gerstein wieder in Deutschland ist – weiter um eine Audienz beim Papst. Als schließlich auch Konvertiten von den deutschen Besatzern in Rom verhaftet werden, lässt sich Riccardo mit einem gelben Stern als vermeintlicher Jude nach Polen deportieren. Er wird enttarnt und der Arbeit im Krematorium zugewiesen. Als das Kriegsende bevorsteht, will Gerstein seinen Bericht schreiben, begreift aber schließlich, dass man ihn als Lügner und Täter zur Verantwortung ziehen wird. Er erhängt sich in seiner Zelle …

So, 7. Feb · 23:35-01:45 · Das Erste (ARD)
Sonny Boy – Eine Liebe in dunkler Zeit

Die selbstbewusste Rika, allein erziehende Mutter von vier Kindern, nimmt Ende der 1920er Jahre einen Untermieter in ihrer Wohnung auf: den 17 Jahre jüngeren Studenten Waldemar aus Surinam. Zum Entsetzen ihrer Verwandten und Nachbarn verlieben sich die beiden ineinander und bekommen ein Kind. Ihren Sohn nennen sie Sonny Boy – nach dem gleichnamigen Lied des Sängers Al Jolson. Als die Nationalsozialisten Holland besetzen, hilft das Paar verfolgten Juden. 1944 werden beide deswegen ins KZ deportiert. Das bewegende Epos über ein Paar mit unterschiedlicher Hautfarbe im Holland der späten 30er und frühen 40er Jahre, das gegen alle Konventionen verstößt, setzt der niederländischen Widerstandskämpferin Rika van der Lans ein filmisches Denkmal.

Mo, 8. Feb · 04:15-05:55 · 3sat
Granatäpfel und Myrrhe

Die junge, palästinensische Tänzerin Kamar heiratet den Landbesitzer Zaid. Die fröhlichen Ereignisse der rauschenden Hochzeit, Kamars bevorstehenden Auftritt als Solistin ihrer Tanzgruppe während des Bethlehem-Festivals und der kommenden Ernte werden jedoch bald durch die Annektierung von Zaids Land durch israelische Siedler überschattet. Als sich Zaid gegen die widerrechtliche Landnahme widersetzt, landet er im Gefängnis. Für die junge Kamar beginnt nun eine harte und aufopferungsvolle Zeit. Sie hat sich an ungeschriebene Gesetze der palästinensischen Gesellschaft zu halten: Sie kann ihr bisheriges Leben nicht fortführen, muss sich Zaids Großmutter Anna als ältestem Familienmitglied unterordnen und darf vor allem als Frau eines Gefangenen nicht mehr in der Öffentlichkeit tanzen. Als Zaids Haft zum wiederholten Male von den israelischen Behörden verlängert wird, erträgt sie diese innere Spannung nicht mehr: Ohne das Wissen von Anna und Zaid nimmt sie ihr Training wieder auf und widmet sich wieder ihrem Ziel, den traditionellen Dabkeh-Tanz zu modernisieren. Dabei lernt sie den palästinensischen Flüchtling Kais aus dem Libanon kennen, in den sie sich verliebt. Nun gerät Kamars Leben vollends aus dem Gleichgewicht. In ihrem Spielfilmdebüt zeichnet die palästinensische Regisseurin Najwa Najjar das einnehmende Porträt einer jungen Frau auf der Suche nach ihrem eigenen Weg: zwischen Tradition und Moderne, zwischen Gefühl und Verstand.

Mo, 8. Feb · 20:15-22:05 · arte
Sondertribunal – Jeder kämpft für sich allein

Als ein deutscher Offizier in einer Pariser Métro-Station erschossen wird, legt das Vichy-Regime eine eindeutige Erklärung vor: Es handele sich um ein kommunistisches Attentat. Aus Angst vor Repressalien durch Nazi-Deutschland entschließt man sich, schnell zu handeln und für den Tod des Deutschen die Auslieferung von sechs Franzosen zu erwirken. Die Wahl fällt auf die Feinde der kollaborierenden Regierung: Juden und Kommunisten. Ein Ausnahmegesetz soll von einem Sondertribunal um General Pétain durchgebracht werden, um die Auslieferung rechtskräftig zu machen – und den Vergeltungsmaßnahmen der Deutschen zuvorzukommen. Gegen die moralischen Bedenken einiger Juristen wird entschieden, das Gesetz umzusetzen. Selbst die Deutschen scheinen amüsiert vom Ehrgeiz der Regierung, ein Exempel zu statuieren, und setzen den Tag der Hinrichtung auf den nächstfolgenden Donnerstag an, womit die Schwierigkeiten um das unmögliche Gesetz noch erhöht werden: Binnen einer Woche muss es rückwirkend verabschiedet werden – eine kaum zu lösende legislative und exekutive Aufgabe für die Juristen und Militärs. Um Zeit zu gewinnen, versehen die Beauftragten des Sondertribunals das Gesetz mit einem leeren Paragrafen, der erst nachträglich hinzugefügt werden soll. Die deutsch-französische Geschichte zwischen 1940 und 1945 bildet den historischen Hintergrund dieses spannungsreichen Politthrillers, in dem Regisseur Costa-Gavras einmal mehr die Morbidität totalitärer Systeme demaskiert.

Mi, 10. Feb · 02:45-04:00 · ZDFkultur
Der Sinn des Lebens für 9,99 $

Was ist der Sinn des Lebens? Die Antwort auf diese Frage verspricht ein Flyer, den der arbeitslose Dave findet und der ihn zum Kauf des Selbsthilfe-Ratgebers für 9,99 Dollar bewegt. Trickfilm, der lakonische Dialoge, skurille Situationen und schräge Typen zu einem episodischen Erzählgewebe verbindet. Die Geschichten schrieb der israelische Autor Etgar Keret, der ein breites Spektrum menschlicher Nöte und Wünsche entfaltet. Mit 28 Jahren wohnt Dave immer noch bei seinem Vater, der wegen des beruflichen Versagens seines Sohnes und seines eigenen monotonen Bürojobs deprimiert ist. Dave beginnt, seinen Vater mit Hilfe des Buches zu therapieren. Lenny, sein Bruder, lenkt sich lieber mit seiner neuen Liebe, dem Model Tanita ab, die seltsame Fetische pflegt. Derweil begegnet ihr älterer Nachbar Albert einem Engel, und das Paar Ron und Michelle sucht nach dem Sinn in seiner Beziehung. Nach zahlreichen Kurzgeschichten verfasste der junge israelische Autor und Filmemacher Etgar Keret, der auch die schrillsten Figuren mit Tiefe, Lebensweisheit und Ernsthaftigkeit zeichnet, zusammen mit der Regisseurin Tatia Rosenthal das Drehbuch zu „Der Sinn des Lebens für 9,99 $“. Ihr Animationsfilm ist inspiriert von Kerets literarischen Arbeiten und erzählt in naturalistischer Darstellung die Geschichten tragikomischer urbaner Antihelden.

Mi, 10. Feb · 22:00-22:45 · BR
Die Machtergreifung

In dieser zweiteiligen Dokumentation werden die Ursachen der schicksalhaften Entwicklung hin zum 30. Januar 1933 analysiert und gezeigt, dass weite Teile der politischen und wirtschaftlichen Elite Deutschlands Hitler völlig falsch eingeschätzt hatte. Im Mittelpunkt steht das Spannungsverhältnis zwischen dem Reichspräsidenten Paul von Hindenburg und dem Führer der NSDAP Adolf Hitler. Interviewpartner Wolfram Pyta, Professor für Neuere Geschichte in Stuttgart, Direktor der Forschungsstelle Ludwigsburg zur NS-Verbrechensgeschichte und Hindenburg-Biograf, präsentiert seine Forschungsergebnisse. Im Gegensatz zur bisher vorherrschenden Einschätzung der meisten Historiker führt er aus, dass der damals 86-jährige Reichspräsident nicht jener gebrechliche Greis war, der den Überblick verloren hatte. Pyta beschreibt Hindenburg als einen gewieften Taktiker, der den Führer der NSDAP Adolf Hitler für seine Vision einer „nationalen Einigung“ instrumentalisieren wollte. Harald Hoegner, der Sohn des ehemaligen Reichstagsabgeordneten der SPD und späteren bayerischen Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner, erlebte als Kind den Aufstieg Adolf Hitlers an der Seite seines Vaters hautnah mit. Er berichtet über die Verzweiflung, die sich in der linken Opposition breitmachte, und über die Mechanismen des staatlichen Terrors, die viele Demokraten zwangen, sich ins Ausland abzusetzen.

Do, 11. Feb · 20:15-21:00 · PHOENIX
Alles Lüge oder was?

Ein Video erregte Anfang 2015 weltweit Aufsehen. Es zeigte wie ein etwa zwölfjähriger Junge, angeleitet von einem Kämpfer der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS), aus nächster Nähe scheinbar zwei enttarnte russische Spione erschoss. Experten des Bundesnachrichtendienstes (BND) haben den Clip nun als Inszenierung bezeichnet. „Wir können ausschließen, dass diese beiden Männer während dieses Videos tatsächlich ermordet worden sind“, sagt ein namentlich nicht genannter BND-Mann in der ARD-Dokumentation „Alles Lüge oder was? Wenn Nachrichten zur Waffe werden“. Tatsächlich zeige der Video-Film, anders als IS-typische blutrünstige Inszenierungen, weder Schusswunden noch Nahaufnahmen der angeblich Toten. Stattdessen legt die Bildanalyse der Experten nahe, dass aus der Waffe des Jungen in Wahrheit keine Kugeln kamen. Womöglich, so der BND, habe das Video nur Kinderkämpfer anwerben oder mögliche Spione abschrecken sollen. Im Mittelpunkt des Films von NDR-Reporter Klaus Scherer stehen gleich mehrere sogenannte „Fake News“, die vor allem dank sozialer Netzwerke und Online-Plattformen wie „YouTube“ mitunter Millionen Zuschauer erreichten. Auch ein Junge, der angeblich im Kugelhagel ein Mädchen aus einem Autowrack rettet, machte so als „syrischer Heldenjunge“ im Internet Karriere. In Wahrheit hatte ein norwegischer Regisseur die Szene auf Malta gedreht, um auf Kinderschicksale im Krieg hinzuweisen. Hinter anderen Falschmeldungen vermutet der BND, der erstmals einem TV-Reporter Zugang zu seinen Video-Analysten ermöglichte, eher fremde Regierungen. Ein Foto etwa, mit dem der Tod von IS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi gemeldet wurde, war nur eine Montage. „Vermutlich sollte damit erreicht werden, dass Untergebene Baghdadis unbedacht ihr Mobiltelefon benutzen und so lokalisierbar würden,“ sagt ein weiterer BND-Mann. Auch die Nachricht, wonach der IS in seinem Machtbereich Frauen beschneide, sei wohl eine Fälschung aus Regierungskreisen in Bagdad gewesen, um die Loyalität wankelmütiger ländlicher Stämme und Clans zu stärken. Auch Forensik-Teams der britischen BBC und des Pariser Senders France24 zeigen dem NDR-Fernsehteam ihre Recherche-Funde: das Foto eines dreckverschmierten kleinen Mädchens mit Hund zum Beispiel. Prorussische Aktivisten präsentierten das Mädchen im Netz als Opfer des ukrainischen Bürgerkriegs. In Wahrheit hatte das Foto schon vor Jahren einen Fotowettbewerb in Australien gewonnen. „Als wir die Aktivisten anriefen, wollten die das gar nicht hören. Sie waren voll auf Propagandakurs“, sagt eine France24-Redakteurin. Über die Fallschilderungen hinaus, hinterfragt Autor Klaus Scherer auch, wie etablierte Nachrichten-Redaktionen, darunter auch die ARD-eigene „Tagesschau“, mit den vielfältigen und zum Teil ungesicherten Quellen umgehen. Und es kommen der ukrainische Informationsminister und der Sprecher der israelischen Armee zu Wort, die beide über fremde Online-Lügen klagen, während sie gleichzeitig die Verbreitung der eigenen Wahrheit über soziale Medien preisen.Dass schon öffentlich gelogen wurde, bevor es das Internet gab, lässt der Film nicht außer Acht. Der Autor Klaus Scherer erinnert an Walter Ulbrichts legendären Satz, dass er keine Mauer bauen wolle und auch an die Gerüchte, die aus den USA gestreut wurden, dass im Irak unter dem Regime von Saddam Hussein angeblich Babys ermordet worden seien, um Stimmung für den Golfkrieg zu machen. Die Möglichkeiten, Propaganda zu streuen, seien jedoch heute vielfältiger.

Do, 11. Feb · 22:35-23:03 · MDR Sachsen
Die Püppchen aus der Auguststraße

Die Zwillinge Ruth und Regina sind in der Auguststraße in Berlin Mitte groß geworden. Heute sind sie 85 Jahre alt. Ihre Mutter starb früh, und sie kamen ins jüdische Kinderheim. Nur knapp haben sie überlebt. Jetzt sind sie noch einmal von Israel nach Berlin Mitte gekommen und zeigen uns die Orte ihrer Kindheit und ihrer Träume. Damals wollten sie Bühnenstars werden. Doch alles kam anders. „Ruthchen und Ginchen“ haben sich noch einmal auf den Weg gemacht. Vermutlich zum letzten Mal in ihrem Leben kommt das Zwillingspaar, heute 85 Jahre alt, von Tel Aviv nach Berlin. Hier haben die Mädchen ihre Kindheit verbracht und Visionen von einem Leben als Bühnenstars gehabt. Ruth und Regina sind in der Auguststraße in Berlin Mitte groß geworden. Bereits 1935 wurden der Mutter und ihren Kindern die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen – ihr Vater war Jude. Fünf Jahre später starb ihre Mutter an Tuberkulose und die Mädchen kamen ins Jüdische Kinderheim. In der Reportage führen uns die Zwillingsschwestern an all jene Orte, die es ihnen möglich gemacht haben, dem Transport in ein Lager zu entkommen und so die Kriegszeit zu überleben. Der Höhepunkt ihres knapp einwöchigen Aufenthaltes ist ein Besuch im Kino Babylon. Dort haben beide ihren ersten Film mit Shirley Temple gesehen, der sie nacheifern wollten – wenn sie gekonnt hätten. Nun, fast am Ende ihres Lebens dürfen sie hier im Babylon gemeinsam auf der Bühne stehen und singen …

Do, 11. Feb · 22:50-00:30 · arte
Hanna K.

„Hanna K.“ erzählt die Geschichte der jüdisch-amerikanischen Hanna Kaufman – Tochter von Holocaust-Überlebenden und Strafverteidigerin in Israel. Sie soll den palästinensischen Selim verteidigen, der wegen Terrorismus angeklagt ist. Selim gibt an, er habe das Haus seiner Familie, das mittlerweile russischen Juden gehört, wieder in seinen Besitz bringen wollen. Es gelingt Hanna, ihn vor dem Gefängnis zu bewahren, doch man deportiert Selim nach Jordanien. Als er nach Israel zurückkehrt, wird er wegen illegaler Immigration inhaftiert. Hanna stellt weitere Nachforschungen an und versteht, dass die Enteignung der Palästinenser eine Folgeerscheinung des Holocausts ist. Die Staatsanwaltschaft schlägt Hanna einen Deal vor: Wenn sie das Verfahren fallenlässt, wird man Selim eine südafrikanische Staatsbürgerschaft verschaffen, wodurch er legal nach Israel zurückkehren und das Grundstück beanspruchen kann. Während ihre Kollegen bedingungslose Solidarität mit dem Staat Israel fordern, ist Hanna hin- und hergerissen. Sie verliert schließlich den Fall und bekommt ein Kind von einer Affäre, doch ihr Leben scheint unerfüllt. Als Selim sich im Gefängnis fast zu Tode hungert, wird er in Hannas Obhut entlassen. Joshua, der Vater von Hannas Kind, beobachtet misstrauisch, wie sich eine Liebesbeziehung zwischen Hanna und Selim entwickelt. Als sich ein Attentat auf die ehemals palästinensische Stadt Kfar Rimon ereignet, ist Joshua sicher, dass Selim damit zu tun hat.

Fr, 12. Feb · 00:15-01:45 · HR
München 1970

Fast jeder erinnert sich an das Attentat auf die israelische Olympiamannschaft 1972 in München vor gut vierzig Jahren. Dass München aber bereits zweieinhalb Jahre zuvor schon einmal wegen Terroranschlägen im Blickpunkt der Öffentlichkeit gestanden hat, weiß hingegen kaum noch jemand: Flugzeugentführungen, Paketbomben und ein Brandanschlag. Weder die versuchte Entführung einer EL-AL-Maschine am 10. Februar 1970 mit einem Toten und mehreren Schwerverletzten, noch die Brandstiftung in einem jüdischen Altenheim drei Tage später mit sieben Toten – die meisten Holocaustüberlebende – noch der doppelte Bombenanschlag auf zwei Flugzeuge der Austrian Airline und der Swissair am 21. Februar 1970 sind im Gedächtnis geblieben, obwohl es sich um die größte antisemitische Anschlagsserie handelt, die es in Deutschland nach dem Ende des Nationalsozialismus gegeben hat. Im Mittelpunkt der sehr persönlich gehaltenen Filmdokumentation von Georg M. Hafner steht ein Opfer, das das Pech hatte, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein: ein Passagier der Swissair-Maschine, der als Fernsehjournalist über den Nahost-Konflikt berichtete und auf dem Weg nach Tel Aviv war – Rudolf Crisolli, der Onkel des Autors. Wer ist für seinen Tod verantwortlich? Die Suche nach einer Antwort auf diese persönlichen Fragen führt mitten hinein in das politische Klima der siebziger Jahre, das Erbe der 68er Bewegung, die Radikalisierung der linken Bewegung und die Anfänge des modernen Terrorismus. Der Film zeigt eindrucksvoll, dass die blutigen zwölf Tage im Februar 1970 eine Warnung hätten sein müssen. Stattdessen aber wurden alle Vorboten verdrängt, um die heiteren Spiele, mit denen Deutschland die Erinnerung an die Nazi-Olympiade 1936 tilgen wollte, atmosphärisch nicht zu belasten. „München 1970“, das ist auch der bislang nicht wahrgenommene Prolog der Anschläge auf die Olympischen Spiele 1972. Das Panorama der zwölf Tage im Februar 1970 setzt sich aus privaten Foto- und Filmarchiven zusammen, aus wiedergefundenen privaten Schätzen des Autors, aus der Schilderung von Hinterbliebenen und Aussagen früherer Bombenleger der linken Szene. Der Film geht aber auch der Frage nach, warum Deutschland die Täter bereitwillig ohne Strafe abschob. Erstmals geben damalige hochrangige Mitarbeiter des israelischen Geheimdienstes Mossad Auskunft über die Zusammenarbeit zwischen deutschen Linken und palästinensischen Terrorkommandos, aber auch über die europäische Politik der Beschwichtigung und über die Weigerung, die israelischen Warnungen ernst zu nehmen. Am Ende bleibt die bange Frage: Wäre der Anschlag auf die Olympiade in München 1972 zu verhindern gewesen oder sogar der 11. September, wie einige behaupten?

Fr, 12. Feb · 15:15-16:00 · Einsfestival
Mut gegen Macht: Neonazis raus – Dortmund gehört uns

Ein Hakenkreuz, über Nacht an seine Hauswand gesprüht. Drohungen in den sozialen Netzwerken mit der Botschaft „Wir kriegen Dich“. Robert R. steht im Visier der Neonazis. Seitdem er über Twitter und seinen Blog offen gegen die Rechtsradikalen schreibt, „beschatten“ sie ihn regelmäßig. Trotzdem gibt der 52-Jährige nicht auf. Die Aktionen, so sagt der Dortmunder, seien für ihn erst recht ein Grund weiterzumachen. Mit Mut gegen einen unheimlichen Gegner. Dortmund und die Rechten – in keiner anderen Stadt in Westdeutschland hat die rechte Szene eine solche Macht entwickeln können. Die Rechtsradikalen demonstrieren mit Fackeln vor einem Flüchtlingsheim, beschmieren Hauswände, verfolgen auf offener Straße ihre Gegner und beschießen gar ein Parteibüro der Piratenpartei. Auch unter den Fans von Borussia Dortmund werben sie unverhohlen um Anhänger. Weder Politik noch Polizei ist es bislang gelungen, die Radikalen in ihre Schranken zu verweisen. Der Film aus der Reihe „die story“ zeigt, wie sich engagierte Bürger und Aktivisten nicht mehr einschüchtern lassen und aktiv gegen die Neonazis vorgehen. Auch wenn sie sich bei ihrem Kampf gegen rechts oft allein gelassen fühlen von der Politik im Land. Magdalena S. und Monika B. etwa. Die beiden engagieren sich seit 15 Jahren gegen die rechtsradikalen Auswüchse in der Stadt, aber in den letzten Monaten ist ihre Arbeit so brisant geworden wie lange nicht. Seitdem die Rechten vor einem Flüchtlingsheim demonstrierten, sorgen sie sich um die Sicherheit der Menschen aus Syrien, Eritrea und Osteuropa, versuchen zu helfen, wo es geht. Ein schwieriger Kampf, das wissen die Frauen. Selbst wenn nur eine Minderheit zu den Demonstrationen gehe, gebe es in der Stadt doch noch immer eine schweigende Mehrheit, die solche Aktionen akzeptiere oder sogar unterstütze. Auch Borussia Dortmund zeigt jetzt Flagge. Der Verein lädt Flüchtlinge ins Stadion ein, der Fanbeauftragte Daniel Lörcher fährt mit Fans nach Auschwitz, Spieler wie Neven Subotic besuchen Flüchtlingsheime. Schwarz-Gelb gegen den braunen Sumpf. Die Botschaft: „Wer rechte Parolen verbreitet, ist kein richtiger Borusse.“ „Neonazis raus – Dortmund gehört uns“ begleitet Daniel Lörcher bei seinem schwierigen Kampf gegen die Rechten, die das Stadion gerne nutzen, um Nachwuchs zu rekrutieren und nicht davor zurückschrecken, Gegner zusammenzuschlagen.

Fr, 12. Feb · 16:00-16:30 · Einsfestival
Im Nazidorf

Eine Holzhütte mitten auf einer Dorfwiese: Sie war für vier Wochen das Zuhause von Reporter Michel Abdollahi. Es ist Spätsommer, die Grillen zirpen, es ist fast schon idyllisch. Doch der Ort ist keine gewöhnliche Siedlung. Das Häuschen steht in Jamel, einem Dorf, das seit Jahren immer wieder für Schlagzeilen sorgt. Mal fand die Polizei bei einem Bewohner eine Maschinenpistole, mal wurde die Scheune eines Aktivistenpaars in Brand gesteckt. Das Dorf gilt als Nazidorf, es empfiehlt sich mit völkischen Wandgemälden und Propagandasprüchen. Viele Journalisten sind schon für ihre Berichterstattung dorthin gekommen. Doch kaum einer konnte mit den Bewohnern sprechen.

Sa, 13. Feb · 22:30-00:00 · PHOENIX
Mein Kampf

Hitlers zweibändige, 1925 und 1926 veröffentlichte Propagandaschrift „Mein Kampf“ ist politisches Programm und unverhohlene Absichtserklärung zugleich: Judenvernichtung, Krieg, „Lebensraum Ost“ – als Hitler an der Macht war, setzte er um, was er bereits Jahre zuvor geschrieben hatte. In der 90-minütigen Dokumentation begibt sich die Journalistin Vivian Perkovic an die Orte, an denen Hitler seine Hetzschrift verfasste, und dorthin, wo er Ideen für das Buch sammelte. Dabei zeigt sich: Hitler nahm viele damals weit verbreitete geistige Strömungen auf und entwickelte aus zahlreichen Versatzstücken die Grundlage der nationalsozialistischen Ideologie.

So, 14. Feb · 06:50-07:59 · arte
Der Delfinjunge

Der junge Morad stammt aus einem arabischen Dorf im Norden Israels. Aufgrund eines schweren Traumas hat er den Kontakt zur Wirklichkeit verloren. Nachdem zahlreiche Behandlungsversuche fehlgeschlagen sind, findet er mit Hilfe einer Delfintherapie ins Leben zurück und vollzieht freiwillig einen Bruch mit seiner Vergangenheit und seinen Wurzeln. Morad, ein Jugendlicher aus einem arabischen Dorf im Norden Israels, kann infolge eines gewalttätigen Angriffs keine Beziehung mehr zu anderen Menschen herstellen. An diesem Zustand konnten auch zahlreiche Therapien und medizinische Behandlungen nicht ändern. Als letztmögliche Alternative zur Einlieferung in eine Nervenheilanstalt ermöglicht ihm sein Vater, der alles für Morad zu tun bereit ist, eine Heilbehandlung mit Delfinen in Eilat am Roten Meer. Und tatsächlich zeigt die Therapie Erfolge. Nach Monaten des Schweigens fängt Morad wieder an zu sprechen. Doch er bricht radikal mit seiner Vergangenheit und möchte nicht zu seiner Mutter heimkehren, die zu Hause auf ihn wartet. Die Aufnahmen zu dem eindringlichen Dokumentarfilm über den verheerenden Schaden, den menschliche Gewalt der Seele zufügen kann, und die heilende Kraft der Natur und der Liebe entstanden im Verlauf mehrerer Jahre.

So, 14. Feb · 11:25-11:51 · arte
Augenschmaus: „Die Konservenmacherinnen“ von Max Liebermann

Die Dokumentationsreihe „Augenschmaus“ bietet kulinarische Ausflüge in die Welt der Kultur: Ausgehend von Kunstwerken, welche die typische Küche einer bestimmten Epoche in Szene setzen, analysieren Kunsthistoriker und Geschichtswissenschaftler die Gastronomie dieser Zeit. Was aßen die Menschen damals? Welche Essgewohnheiten und Rituale hatten sie? Wie sahen Besteck und Geschirr aus? Auch der historische Kontext und die künstlerische Strömung, der das jeweilige Werk angehört, werden beleuchtet. Andere Zeiten, andere (Tisch-)Sitten – in „Augenschmaus“ untersuchen renommierte Fachleute künstlerische und kulinarische Trends von der Steinzeit bis zur Popkultur der Moderne. Außerdem kochen große Küchenchefs die Gerichte in der Sendung nach. Max Liebermann wird 1847 in Berlin geboren. Seine Eltern sind wohlhabende jüdische Kaufleute aus der Textilindustrie. Doch der junge Max will nicht in die Fußstapfen seiner Eltern treten, sondern begeistert sich schon früh für die Malerei. Die Familie gibt schließlich nach, und Max Liebermann beginnt sein Studium an der Kunstschule in Weimar. Er lernt den ungarischen Maler Mihaly Munkacsy kennen. Seine Bilder von arbeitenden Frauen bringen ihm die realistische Malerei nahe. Schon Liebermanns erstes Gemälde, „Die Gänserupferinnen“ aus dem Jahr 1872, löst einen Skandal aus. Mit seinem zweiten Gemälde, den „Konservenmacherinnen“, in etwas kleinerem Format, bleibt Max Liebermann seinem Stil treu. Moderner Stil, moderne Essgewohnheiten. Max Liebermann stellt auf seinem Bild eine ganz neuartige Erfindung dar: die Konserve. Die Geschichte der Konserve begann auf dem Schlachtfeld. Weil seine Soldaten vor Hunger sterben, versprach Napoleon 1795 demjenigen eine Belohnung, der ein Verfahren zur Lebensmittelkonservierung erfinden würde. 15 Jahre später, im Jahr 1810, stellt der Pariser Konditormeister Nicolas Appert eine bahnbrechende Methode vor: die Haltbarmachung von Lebensmitteln in luftdicht abgeschlossenen Behältern. Gegenüber dem bretonischen Fischerhafen Douarnenez liegt die älteste Konservenfabrik der Welt, in der im Jahr 1853 die erste Konserve produziert wurde. Das Kamerateam stattet der Fabrik einen Besuch ab, wo noch heute rund 120 Arbeiterinnen Sardinen handverlesen konservieren, und unternimmt eine kleine Zeitreise, um herauszufinden, wie die Konservendose damals den Alltag der Menschen veränderte. Hinter dem Herd steht in dieser Folge der Sternekoch Thomas Martin. Obwohl er im Jacobs Restaurant am Hamburger Elbufer sonst eher selten Dosenessen verarbeitet, stellte er sich freudig der Herausforderung. Gegessen wird auf der Terrasse des Hotels Louis C. Jacob an der Hamburger Elbchaussee, die Max Liebermann bei einem seiner Besuche um 1902 selbst in einem großartigen Gemälde festhielt.

So, 14. Feb · 22:25-23:39 · arte
Aus dem Leben eines Schrottsammlers

Nazif lebt mit seiner Frau Senada und seinen Töchtern Sandra und Semsa in einer ärmlichen Siedlung, weit weg von den urbanen Zentren Bosnien-Herzegowinas. Nazif lebt vom Schrottsammeln – er zerlegt alte Autos und sammelt Metallteile. Seine Fundstücke verkauft er an einen Händler, um die Familie zu versorgen. Als seine Frau Senada Schmerzen hat und zu bluten beginnt, begibt sich die Familie auf den stundenlangen Weg in das nächste Krankenhaus. Man teilt ihnen mit, dass Senada eine Fehlgeburt hatte. Bei der Operation handelt es sich um einen Routineeingriff – doch die Familie kann die dafür verlangte Summe nicht aufbringen. Senada ist nicht krankenversichert und wird deshalb nicht operiert. Gleichzeitig wird im Haus von Nazif und Senada der Strom abgestellt, weil die Rechnung nicht bezahlt wurde. Nazif bittet seine Schwiegermutter um Hilfe. Mit der Versicherungskarte einer Verwandten versuchen sie in einem anderen Krankenhaus erneut, die Operation bewilligt zu bekommen. Der Trick funktioniert und Senada wird operiert – und ihr Leben gerettet. Mit dem Erlös aus dem Schrott seines Autos kann Nazif schließlich den Strom und auch Senadas Medikamente bezahlen. Zwischen Dokumentation und Fiktion hat der bosnische Regisseur Danis Tanovic einen bewegenden Film geschaffen, der nicht nur von der Diskriminierung der Roma, sondern auch von den Menschen Nazif und Senada erzählt. Die Darsteller, die sich selbst spielen, erlauben es der Kamera, für einen Moment unmittelbar in ihren Alltag einzutauchen.

So, 14. Feb · 23:15-00:15 · BR
Gespräche gegen das Vergessen

Antisemitismus hat eine lange Geschichte und ist trotz der Erfahrungen der NS-Zeit in Deutschland auch heute noch viel zu oft Teil des Alltags. Moderator Andreas Bönte beleuchtet im Gespräch mit drei Gästen das Thema Antisemitismus von der Vergangenheit bis in die Gegenwart. Zu Gast sind: * Dr. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München * Prof. Dr. Michael Wolffsohn, Experten für internationale Politik * Dr. Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main Antisemitismus hat eine lange Geschichte und ist trotz der Erfahrungen der NS-Zeit in Deutschland auch heute noch viel zu oft Teil des Alltags. Moderator Andreas Bönte beleuchtet im Gespräch mit drei Gästen das Thema Antisemitismus von der Vergangenheit bis in die Gegenwart. Zu Gast sind Dr. Charlotte Knobloch, Prof. Dr. Michael Wolffsohn und Dr. Meron Mendel. „Gespräche gegen das Vergessen“ setzt „Die Nacht der Zeitzeugen“ aus dem Münchner Volkstheater zum Thema Antisemitismus fort und weitet den Betrachtungswinkel der Gespräche bis auf die Gegenwart aus. Im Rahmen der „Gespräche gegen das Vergessen“ wird Antisemitismus von seinem Ursprung über die Zeit des Nationalsozialismus bis hin zur aktuellen Situation und Erfahrungen in der Geschichtsvermittlung mit heutigen Jugendlichen betrachtet. Was ist Antisemitismus überhaupt? Wo liegt der historische Ursprung? Wie hat alles begonnen und was bedeutet das für uns heute? Ausgehend von eigenen Erfahrungen berichtet Dr. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, über die antisemitischen Anfänge und Auswüchse während der Zeit des Nationalsozialismus. 1932 in München geboren, musste Charlotte Knobloch als kleines Mädchen zu einer Bauernfamilie nach Mittelfranken fliehen, wo sie sich bis zum Kriegsende unter falscher Identität versteckt halten musste. Mit Prof. Dr. Michael Wolffsohn spricht Andreas Bönte über die historischen und wissenschaftlichen Ursachen von Antisemitismus. Prof. Wolffsohn ist einer der führenden Experten für die Analyse internationaler Politik und nicht zuletzt für die Beziehungen zwischen Deutschen und Juden auf staatlicher, politischer, wirtschaftlicher und religiöser Ebene. Von Geschichtsvermittlung, heutigem Antisemitismus und dem Umgang Jugendlicher mit diesen Erfahrungen erzählt Dr. Meron Mendl, der Leiter der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main. Dem Abend im Münchner Volkstheater ging auch dieses Jahr wieder der „Tag der Quellen“ voraus. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Zeitgeschichte haben Schülerinnen und Schüler Dokumente von Kindern und Jugendlichen aus dem Holocaust aufgearbeitet, gelesen und inszeniert. Diese Texte wurden dem Publikum den ganzen Tag über präsentiert.