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Alternative für Deutschland an der Bar

Die AfD Vorsitzende Frauke Petry diskutiert am kommenden Sonntag um 20 Uhr in einer Bar im Herzen von Tel Aviv über Flüchtlinge und deutsch-israelische Beziehungen. Das macht Sinn. Leider. Und zwingt zur Abgrenzung…

Von Oliver Vrankovic

Die betont urban angekündigte Diskussion geht auf das Konto des Think Tank “Israel Europe Freedom Center”. Ein Blick auf die Diskussion unter der Facebook-Ankündigung belegt, dass die Veranstalter über die politische Einordnung der AfD sehr gut Bescheid wissen. Unliebsame Kommentare werden sorgfältig gelöscht. Es besteht folglich kein Bedarf, fürsorgend aufzuklären.

Für die Veranstalter ist es „eine Ehre“, Frauke Petry zu empfangen und von der Vorsitzenden einer „aufstrebenden“ deutschen Partei aus erster Hand an Informationen darüber zu gelangen, was in Deutschland „wirklich“ geschieht. Dazu sei angemerkt, dass über die Übergriffe von Köln in Israel prominent berichtet wurden und die weit verbreitete Auffassung bestärkt haben, dass den Deutschen ihre Willkommenskultur irgendwann um die Ohren fliegen wird.

Augstein wird sich freuen. Mehr noch als im Dezember, als er „bei AfD- und Pegida-Demonstrationen im schwarz-rot-goldenen Meer der Deutschlandfahnen auch schon das fröhliche Weiß-Blau der israelischen Flagge gesehen“ hat. Die israelische Regierung, so Augstein dazu, sei „allemal“ so rechts wie die deutschen Rechtspopulisten.

Wichtig ist daher zu betonen, dass die israelischen Veranstalter nicht für das offizielle Israel stehen. Tatsächlich hat der israelische Premier im Dezember anti-muslimische Äußerungen von Donald Trump, die bei der AfD Gefallen fanden, scharf zurückgewiesen. Schaut man sich die israelische Realität an, mit arabischen Städten und Schulen und Scharia Gerichtshöfen und islamischen Parteien im Parlament und Moscheen, von denen fünf Mal am Tag der Gebetsruf ertönt, muss diese eigentlich ein Alptraum für die AfD sein.

Für Menschen, die sich aufgrund einer ideologiekritischen Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus mit Israel solidarisieren, ist die Assoziierung der AfD mit Israel ein Alptraum. Gleichzeitig spiegelt sie ein ernsthaftes Elend, das sich unter dem Dach der Israel-Solidarität eingenistet hat. Ein nicht unerheblicher Teil der Minderheit der Deutschen, die eine Pro-Israelische Einstellung haben, scheint die Positionen der AfD durchaus zu teilen. Unter der Israel Fahne des zum Judenfreund konvertierten Deutschen werden nicht selten rassistische Vorurteile dieser oder jener Art gepflegt. Klickt man sich einmal durch die unzähligen Freunde der dubiosen Seite „Freundschaft Deutschland-Israel“ (einschließlich des Gründers) finden sich dort nicht selten mehr oder weniger ausgeprägte Wahnvorstellungen von einer volkszersetzenden Kulturelite, Lügenpresse und entfremdeten Gutmenschen. Eine Karrikatur der emanzipierten Israel Solidarität.

Der Bar-Besuch von Frauke Petry und Israel-Fahnen bei den Gida Freunden im Netz und in Echt machen es dringend nötig, seine eigene Israel-Solidarität noch einmal ganz grundlegend zu erklären. Und sich abzugrenzen.

Nachtrag Redaktion:
Die als Veranstaltungsort angegebene Bar „Frishman 39“ hat sich längst von dem Diskussionsabend distanziert und betont, dass die Bar für keinerlei politische Zwecke zur Verfügung stehe. Den neuen Ort halten die Veranstalter „geheim“, kündigen über die Facebook Seite an, dass man sie kontaktieren solle und dann die Details erhalte.