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Für Kaiser, Reich und Vaterland

Ende 2015 veröffentlichte der Vorsitzende des Bundes Jüdischer Soldaten, Hauptmann Michael Berger, im Orell Füssli Verlag Zürich eine Dokumentation, die wohl als erste umfassende historische Darstellung jüdischer Soldaten in den Armeen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz angesehen werden kann. Sie beschäftigt sich intensiv mit der Überwindung des Antisemitismus, der Emanzipation des jüdischen Bürgertums und der Begründung des modernen Zivilstaates…

Von Israel Schwierz

Nach einer detaillierten Inhaltsangabe, einer Widmung an seine Gattin Nicoleta, einem Grußwort des Bevollmächtigten des Landes Baden-Württemberg beim Bund , Minister Peter Friedrich und einer Einführung des Autors befasst sich der erste Teil des Werkes sehr gründlich mit der Zeit von der Epoche der Emanzipation bis zum Ersten Weltkrieg, wobei nicht nur herausragende jüdische militärische Persönlichkeiten der deutschen Staaten in Fallbeispielen gewürdigt werden, sondern auch die der k.u.k. Österreichisch-Ungarischen Armee. Während im zweiten Teil der Arbeit die Zeit der Republiken in Deutschland und Österreich sehr gründlich dargestellt wird – der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (RjF) und sein Pendant – der Bund jüdischer Frontsoldaten Österreichs (BJF) werden auch ausführlich präsentiert – ist der dritte Teil dem jüdischen Widerstand gegen den Faschismus im Spanischen Bürgerkrieg gewidmet, auch durch Fallbeispiele sehr eindrucksvoll ergänzt. Der vierte Teil des Werkes hat die Zeit der Verfolgung – und hier besonders die erschütternden Schicksale einzelner jüdischer Frontsoldaten aus Deutschland und Österreich in der Shoa zum Inhalt, während im nachfolgenden Teil V Soldaten jüdischer Abstammung in den deutschen Streitkräften 1933-1945 an zwei Beispielen dargestellt werden.

Teil VI schließlich befasst sich sehr intensiv mit Juden in der Bundeswehr – mit der Vereinbarkeit von jüdisch-religiösem Lebensweg und Militärdienst. Die diversen sehr lobenswerten Aktivitäten des Bundes jüdischer Soldaten werden hier ausführlich dargestellt, ebenso wie die Verleihung der Bernhard-Weiß-Medaille und des Alfred-Dreyfus-Preises an Persönlichkeiten, die sich um die Integration jüdischer Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr verdient gemacht haben.

Im siebenten Teil der Dokumentation „Ich klage an! „Es gibt immer einen Dreyfus““ wird zunächst der Fall Dreyfus in der französischen Armee von 1894 dargestellt, aber auch der immer stärker werdende Antisemitismus in den Armeen Frankreichs und des damaligen Deutschen Reiches – wohl ebenfalls ein Ergebnis der bürgerlichen Gleichstellung von Juden, auch als Offiziere im Militärdienst der Staaten. Dass dieser latente Antisemitismus leider bis heute, trotz größter Bemühungen vieler Verantwortlicher, nicht völlig verschwunden ist, zeigt der Fall eines jüdischen Berufsoffiziers in der Bundeswehr und sein verzweifelter Kampf gegen leider immer noch vorhandenen Faschismus und Antisemitismus.

Im letzten Abschnitt des Buches kann man dann viele sehr Interessante Informationen über jüdische Soldaten in der Schweizer Armee in Erfahrung bringen. Nach einer kurzen Darstellung der Geschichte der Schweizer Juden und ihrem Militärdienst in den verschiedenen Zeitabschnitten der letzten hundert Jahre wird ihre heutige Situation ebenso aufgezeigt, aber auch eine Prognose für die Zukunft erstellt. Da die Schweiz die Doppelstaatlichkeit erlaubt gibt es weniger Probleme für Juden aus der Schweiz als für die anderer Staaten, ihren Militärdienst auch in Israel zu leisten.

Ein Anhang, der eine Übersicht über den Bund jüdischer Frontsoldaten Österreichs (BJF), eine äußerst ausführliche über sehr übersichtliche Aufzählung der Anmerkungen, ein Personenregister, ein umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis, eine Auswahlbibliographie zu verschiedenen Teilen der Arbeit sowie eine Vita der Autors enthält runden diese außerordentliche und verdienstvolle Arbeit harmonisch ab.

Mit der Erarbeitung und Veröffentlichung dieser in der Tat einmaligen Dokumentation hat deren Autor nicht nur den jüdischen Gefallenen der Deutschen und Österreich-Ungarischen Armeen des Ersten Weltkrieges und ihren im Spanischen Bürgerkrieg im Kampf gegen den Faschismus gefallenen Kameraden ein bleibendes Denkmal gesetzt sondern auch den jüdischen Kriegsteilnehmern des Zweiten Weltkrieges, die von den Nationalsozialisten in den Vernichtungslagern ermordet wurden. Dafür gebührt ihm tiefster Dank und höchste Anerkennung aller, denen der ehrliche Umgang mit der Militärgeschichte der deutschsprachigen Länder ein Herzensanliegen ist. Es wäre mehr als empfehlenswert, wenn dieses einmalige Werk auch in den Bibliotheken der militärischen Einrichtungen in allen drei deutschsprachigen Ländern vorzufinden wäre.

Michael Berger, Für Kaiser, Reich und Vaterland. Jüdische Soldaten. Eine Geschichte vom 19. Jahrhundert bis heute, Orell Füssli Verlag 2015, 352 S., Euro 24,95, Bestellen?