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PEGIDA nach den Anschlägen in Paris

Am Montag, dem 16. November 2015, fand in Dresden auf dem Theaterplatz wie jeden Montag eine Demonstration von PEGIDA statt. Es war die erste PEGIDA-Demonstration nach den Anschlägen von Paris…

Lucius Teidelbaum

Am Rande des Theaterplatzes hatten Aktivist/innen von „Staatenlos.info e.V.“ einen Stand aufgebaut. Dabei handelt es sich um eine Gruppe der so genannten „Reichsbürger“, die der Bundesrepublik die Legitimation absprechen und glauben stattdessen bestehe das „Deutsche Reich“ fort.

Es hatten sich je nach Schätzung zwischen 7.000 und 12.000 Lutz Bachmänner und -frauen auf dem Dresdner Theaterplatz versammelt. Neben Deutschland-Fahnen, waren die unter antimuslimischen Rassist/innen beliebte Irmer-Fahnen zu sehen, sowie Fahnen der extrem rechten „Identitären Bewegung“. Letztere bildeten mit etwa 60 Anhänger/innen auch einen eigenen Block auf dem anschließenden PEGIDA-Marsch.

Dass auch eine Israel-Flagge ganz in der Nähe zweier Fahnen der antisemitischen „Europäischen Aktion“ zu sehen war, verdeutlichte nochmal die ganze ideologische Bandbreite auf dieser rechtspopulistischen Versammlung.

Pegida Dresden 16.11.2015

Die PEGIDA-Versammlung startete mit einer Viertelstunde Verspätung mit dem Abspielen der PEGIDA-Hymne. Dann begrüßte Siegfried „Siggi“ Däbritz das Publikum. Er ließ Lutz Bachmann entschuldigen, der in „geheimer Mission“ unterwegs sei. Danach ließ er eine Gedenkminute für die Opfer von Paris und des mutmaßlich abgeschossenen russischen Passagierflugzeug einlegen.

Danach legte Däbritz los und zog vom Leder. Er bezeichnete den Islam als „Ideologie“, die nicht zu Deutschland und Europa gehören würde. Derzeit fände ein Krieg gegen die Demokratie statt, selbst wenn, schränkte Däbritz ein, „es nur eine scheinbare wie in unserem Land ist“.

Die Anschläge von Paris bezeichnete er als „Ergebnis der Einwanderungspolitik“ und forderte „härtere Maßnahmen“ gegen Flüchtlinge.

Das Publikum skandierte: „Merkel muss weg!“

Däbritz warnte weiter, man befinde sich „auf dem Weg in den freiwilligen Ethnosuizid“.

Überraschenderweise erteilte Däbritz auf der Bühne Verschwörungsmythen eine Absage. Seiner Einschätzung nach seien die Anschläge in Paris keine False-Flag-Aktion gewesen.

Dann verlas er die deutsche Übersetzung einer Ansprache von Marine Le Pen, der Vorsitzenden der extrem rechten Partei „Front National“ in Frankreich, vom 14. November 2015.

Nach Däbritz trat Edwin Wagensveld ans Mikro. Der in Unterfranken lebende Niederländer Wagensveld tritt in der Öffentlichkeit nur als „Ed Utrecht“, kurz „Ed“, auf.

Einerseits fordert „Ed“: „Unsere muslimischen Mitbürger sollten sich distanzieren von Gewalt“, andererseits stellte er den gesamten Islam unter Generalverdacht. So bezeichnete er in seiner Ansprache den Islam als „Krankheit“ und diese sei „mit allen Heilmitteln [zu] bekämpfen“.

Er rief seinem Publikum zu: „Der Name des Problems ist Islam“ und nannte den Koran ein „verfassungsfeindliches Buch“.

Immerhin gestand „Ed“ an einer Stelle bemerkenswert offen seine wohlstandschauvinistischen Motive für die Ablehnung von Flüchtlingen ein: „Mir ist meine Sicherheit und mein Wohlstand lieber.“

Er warnte weiter vor Entwicklungen, die dazu führen würden, dass man sich „fremd im eigenen Land“ fühle und forderte „Schwule, Lesben und jüdische Mitbürger“ auf, gemeinsam mit PEGIDA zu kämpfen.

Noch einmal trat Däbritz ans Mikrofon. Er wendet sich mit einem Satz an die Medienvertreter/innen: „Nur ganz kurz: Ihr sei widerlich.“ Daraufhin branden „Lügenpresse“-Rufe auf.

Dann marschiert PEGIDA los. Der Zug mit mehreren Tausend Teilnehmer/innen war lang. Am Ende sprach noch einmal PEGIDA-Frontfrau Tatjana Festerling.

Doch der Auftritt von PEGIDA blieb nicht ohne Gegenprotest. Immerhin demonstrierten zwischen  1.000 und 1.500 Menschen vor der Katholischen Hofkirche in Hörweite der Kundgebung von PEGIDA am Theaterplatz.