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Von Eiskaffee ( אייס-קפה ) bis Sitzfleisch (זיצפלייש)

Deutsche Lehnwörter im Hebräischen…

Als Elieser Ben-Jehuda 1881 von Litauen nach Palästina übersiedelte, hatte er ein großes Ziel: die Erneuerung des Hebräischen. Über zweitausend Jahre wurde die Sprache hauptsächlich in der Synagoge oder beim Thorastudium gesprochen. Um eine alltagsgerechte Kommunikation zu führen, reichte der Wortschatz bei Weitem nicht aus; Ben-Jehuda musste viele neue Wörter erschaffen. Er bediente sich daher bei den großen europäischen Sprachen oder versah die althebräischen Ausdrücke mit einer neuen Bedeutung.

Ben-Jehudas Sohn Ben-Zion war wahrscheinlich das erste Kind, das vollständig in Iwrit (Neuhebräisch) großgezogen wurde. Der Anfang war gemacht – Hebräisch wurde wieder zu einer lebendigen Sprache und entwickelte sich zur Muttersprache der Juden in Palästina. Der „Vater des Neuhebräischen“ dokumentierte die rasante sprachliche Entwicklung in einem umfassenden Wörterbuch. Er brachte mit dem Waad HaLaschon, aus der die Akademie für die hebräische Sprache hervorging, eine wissenschaftliche Institution auf den Weg, die eine lange für tot gehaltene Sprache immer wieder aktualisiert.

Mit dem Zuzug der Templer, eine christlich-pietistische Gemeinschaft aus dem Schwäbischen, um 1870, kamen weitere neue Wörter ins Heilige Land. Die frommen Christen errichteten neue Siedlungen in Haifa, Jaffa und Bethlehem (Galilaä). Viele Begriffe, insbesondere aus der Baubranche, fanden Eingang in die hebräische Sprache. Dafür stehen der Dübel ( דיבל ), das Podest (פודסט ) oder der Spachtel ( שפכטל ). Mit der Einwanderung der Jeckes, unter ihnen viele Bauhausarchitekten, kamen weitere Wörter ins Land: Schablone (שבלונה), Schnurgerüst ( שנורגריסט ), Oberkant ( אוברקנט ) oder Scheibe ( שייבה ). Auch heute noch werden die deutschstämmigen Wörter von vielen israelischen Bauingenieuren den mittlerweile entstandenen hebräischen Fachbegriffen vorgezogen.

Uriel Adiv, ein promovierter Architekt und Simultandolmetscher für Deutsch und Hebräisch, fielen schon früh viele Wörter auf, die deutsch klangen. Nicht nur im Bereich des Bauwesens wurde er fündig. Schon in seiner Kindheit hörte er Begriffe wie Schlafstunde ( שלפשטונדה ), Sachertorte ( זאכרטורטה ) oder Wunderkind ( וונדרקינד ). Die Faszination dieser lingualen Immigration ließ ihn nicht los. Als 2011 das Institut für deutsche Sprache das Projekt „Lehnwortportal Deutsch“ initiierte, lieferte Adiv die ersten Begriffe. In vierzehn Jahren intensiver Arbeit trug er rund 1.400 deutsche Lehnwörter zusammen, die in den vergangen 150 Jahren aus dem Deutschen in das Hebräische Eingang gefunden haben.

Im Rahmen des Jubiläums zum 50-jährigen Bestehen diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland stellte das Institut für Deutsche Sprache kürzlich das, auf Adivs Arbeiten basierende, Internetwörterbuch zu deutschen Lehnwörtern im modernen Hebräisch online.

Eine spannende Reise durch die Sprachgeschichte. Wobei, nach Ansicht von Iwrit-Muttersprachlern, manche Begriffe wohl kaum im Alltag des modernen Israels Anwendung finden. Zudem fällt auf, dass nicht wenige Ausdrücke aus dem Jiddischen ins Hebräische einwanderten, wie beispielsweise Schmate (שמאטה) oder epes (אפעס). Das spricht allerdings nicht gegen die akribische und verdienstvolle Arbeit des israelischen Dolmetschers und Übersetzers Uriel Adiv. – (jgt)