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Die deutsche Hand! 

In den letzten Wochen wurde die neu entdeckte Liebe der Deutschen zu allem Fremden auf eine sehr harte Probe gestellt…

Von Ramona Ambs

Es gab nämlich Vorfälle. Vorfälle übelster Art- weshalb sich nun das kultivierte Schreibervolk quer durch alle Zeitungen damit beschäftigt: Zwei fremde Typen haben den Handschlag mit einer deutschen Frau verweigert!

Man hat das überprüft und dann festgestellt:

Religiöse Männer geben Frauen keine Hand!

Ein Skandal! Wo es doch nichts Schöneres gibt als eine deutsche Frauenhand.

Wer würde sie nicht gerne berühren wollen?!

Der Moslem und der Jude!

Die fassen nämlich, wenn sie religiös sind, keine fremden Frauenhände an…

Wie suspekt! Wie frauenfeindlich! tönt es da durchs Feuilleton.

Bei der Zeit wundert sich Antje Schrupp sogar, dass der Rabbiner sehr kluge und interessante Sachen gesagt hat. Wie ist das nur möglich, wo er doch ihre Hand zuvor nicht berührt hat?!?

Die Liebe hat einen deutlichen Riss.

Nur blöd, dass man dabei vergisst, dass beispielsweise eine jüdisch orthodoxe Frau auch keinem fremden Mann die Hand gibt. Eignet sich aber nicht ganz so als Aufreger, weil da ja die Femminismusnummer nicht so richtig funktioniert…

Und übrigens: Asiaten geben sogar gar keine Hände bei der Begrüßung, wohingegen Maori beim Hongi-Gruß die Köpfe so nah zusammenstecken, dass sie den Atem des anderen wahrnehmen können. Das würde hierzuland schon mal fast als sexuelle Belästigung durchgehen können.. Vom östereichischen Küss-die-Hand-die Dame mal ganz abgesehen…

Aber beim Handschlag endet eben die deutsche Toleranz.

Nur wer mich berührt ist mein Freund.

Wers nicht tut, ist verdächtig.

Also Leute: Immer fleißig schütteln. Das stärkt die Liebe.