Zur Erinnerung an Hans Lebrecht

Vor einem Jahr verstarb der gebürtige Ulmer Hans Lebrecht im Kibbuz Beit Oren…

Von Rainer Thiemann

Der 1915 geborene Sohn einer jüdischen Fabrikantenfamilie musste schon 1935 seine Schlosserlehre in Ulm abbrechen, da Juden nicht länger das Recht hatten, ein Handwerk zu erlernen. Über die geschäftlichen  Beziehungen seines Vaters kam er 1935/1936 in einer Fabrik im heutigen Polen (Stadt Neisse) unter und in Kontakt mit kommunistischen Antifaschisten. Im Oktober 1936 musste der jüdische Miteigentümer dieser Fabrik  auch seine Anteile verkaufen und Lebrecht wurde in Folge entlassen. Er beendete seine Lehre in Karlsruhe –Durlach 1937.

Seine Frau und lebenslange Begleiterin und Mitkämpfern Tosca lernte er in diesen Jahren kennen. Deren Schwester Ruth, im niederländischen Widerstand aktiv, wurde in einem Steinbruch nahe der Schweizer Grenze ermordet, nachdem Schweizer Grenzbeamte ihre Einreise verweigert hatten. Die Auschwitz und Ravensbrück  überlebende Antifaschistin und Künstlerin  Ester Bejerano ist eine weitere Schwester Tosca Lebrechts.

Hans Lebrecht kam, nachdem er zum ersten Mal  1937 in Palästina war, 1938 über das Palästinaamt mit einem Pass und ausgestattet wieder nach Deutschland und führte Kurierdienste für die KPD im Allgäu durch. Er half auch beim Schleusen von entlassenen KZ Häftlingen und Antifaschisten, damit diese Menschen die Möglichkeit hatten, im spanischen Bürgerkrieg an der Seite der republikanischen Regierung gegen Franco und Nazi-Deutschland zu kämpfen. Als ein Haftbefehlt gegen ihn ausgestellt wurde, reiste Hans Lebrecht wieder nach Palästina aus.

Als er in den 50er Jahren nach Ulm zurückkehrte wurde ihm  bewusst, auch durch einschneidende kleine Erlebnisse, wie sehr er mittlerweile Israeli geworden war.

Als Mitglied der Palästinensischen KP-später in KP Israels umbenannt -war er  beruflich zumeist als Journalist  tätig und zeitweise auch als Sekretär der Knesseth Fraktion, der RAKAH, in den 60er Jahren beschäftigt. Er bezeichnete sich zeitlebens und unabhängig von Flügelkämpfen oder Ausschluss seiner Person aus der KP  als Kommunist.

Er sass im britisch-kolonialistischen Zentralgefängnis von Akko als verdächtiges Mitglied der verbotenen PKP,  in Israel 1954 im Anschluss an eine Demonstration gegen die Wiederbewaffnung Deutschlands und 1978 wieder, als er der Spionage für die PLO verdächtigt wurde.

Er war aktiver Mitstreiter in Gusch Schalom, war eng mit dem palästinensischen Politiker Faisal el Husseini befreundet und ein Förderer des Dokumentationszentrums ehemaliges Konzentrationslager Fort Oberer Kuhberg in Ulm.

Er war Vorsitzender der Verbandes der Antifaschisten und Opfer des Nazismus in Israel und einige Zeit Vizepräsident der Internationale der Widerstandskämpfer F.I.R.

Er träumte bis zum Schluss von einem friedlichen Palästina und sah“-vorläufig -als einzige Realität, die als machbare Möglichkeit erscheint, zwei Staaten, Israel und Palästina, von einer grünen Grenze getrennt, Seite an Seite“  und wandte sich sein ganzes Leben gegen ideaologische Doktrinen und Landnahmen.

Über weitere Entwicklungen sollten dann zukünftige Generationen entscheiden, „nicht mit Krieg oder durch ein militärisches Diktat, nicht mit Rassismus und Antisemitismus, sondern allein durch friedliche Zusammenarbeit auf gleichberechtigter Basis.“