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Mehr Fernsehtipps für den September

Vom 16. bis 30. September 2015…

Mi, 16. Sep · 20:00-20:45 · BR
stationen.Dokumentation: „Was haben sie mit meinem Bruder gemacht?“ – Nachforschungen in der Familie

Ein Jahr vor Kriegsende kommt Wolfgang Sandlein ohne Wissen der Eltern in die Pflegeheilanstalt Eglfing-Haar vor den Toren Münchens. Der Junge ist geistig und körperlich behindert, die NS-Medizin stufte ihn als lebensunwert ein, sein Tod ist beschlossene Sache. Die Eltern sehen, dass ihr Kind nicht versorgt wird, und versuchen, Wolfgang aus dem Krankenhaus mitzunehmen. Ohne Erfolg. Der Film stellt drei Familien vor, in denen behinderte Familienangehörige während der NS-Zeit ermordet wurden. Psychiatriehistoriker begleiten sie bei der schmerzhaften Spurensuche. Eine Dokumentation über Angehörige von Opfern der Euthanasie in der Nazizeit. Psychiatriehistoriker begleiten sie bei der schmerzhaften Spurensuche. Der Filmautor stellt drei Familien vor.

Mi, 16. Sep · 23:00-23:45 · ARD-alpha
alpha-Österreich: erLesen

Wie man Kindern heute noch eine unbeschwerte Kindheit ermöglichen kann, wie sich Erfolgsdruck und Zukunftsängste im Erwachsenenalter auswirken und ob Laissez-faire vielleicht doch die bessere Erziehungsmethode ist, darüber diskutiert Heinz Sichrovsky mit dem Schriftsteller Wladimir Kaminer, der Philosophin Ariadne von Schirach und dem Zukunftsforscher Matthias Horx. Der deutsche Schriftsteller Wladimir Kaminer kennt als zweifacher Familienvater die Herausforderungen der Pubertät nur zu gut. Ihm ist klar: Wer wenig weiß, kann länger schlafen. In seinem neuen Buch „Das Leben ist (k)eine Kunst“ erzählt der Autor mit russisch-jüdischen Wurzeln Geschichten von wahren Lebenskünstlern, deren Genie im ungestümen Umgang mit dem Leben liegt. Mehr Gelassenheit wünscht sich auch Ariadne von Schirach: In „Du sollst nicht funktionieren“ beschreibt sie die immer maßloseren Anforderungen, die wir an uns selbst stellen. Das panische Glücks- und Erfolgsstreben führt schließlich dazu, dass wir das Leben verpassen anstatt es zu genießen. Der Zukunft mehr Vertrauen zu schenken rät auch der Zukunftsforscher Matthias Horx. Die Zukunft, so seine These, muss als Chance, nicht als Bedrohung verstanden werden, sonst lässt sie sich nicht meistern.

Fr, 18. Sep · 15:05-16:35 · arte
Papas Kino

Der kleine Claude Langmann, der später den Namen Claude Berri annimmt, wächst in einer jüdischen Familie in Paris auf. Er hat als Schuljunge nur Flausen im Kopf – sehr zum Unmut seines Vaters, Henri Roger Langmann, der alles tut, um mit seinem Pelzhandel die Familie über Wasser zu halten. Wenn es nach ihm ginge, würde sein Sohn bis zur mittleren Reife an der Schule bleiben und anschließend Buchhaltung lernen, um später die Pelzhandelsfirma zu übernehmen. Doch Claude wehrt sich dagegen, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Er verpatzt die Prüfung zur mittleren Reife, was er jedoch für sich behält, und geht lieber heimlich mit Mädchen ins Kino, als seine Ausbildung zum Buchhalter zu beenden. Stattdessen verfolgt der junge Claude den Traum, Filmstar zu werden, und nimmt Schauspielunterricht. Es kommt eine jahrelange Durststrecke. Als bei dem zigsten Casting doch nur wieder eine Komparsenrolle herausspringt, beschließt Claude, seinen eigenen Film zu drehen. Henri Roger Langmann, nur zu oft von den Misserfolgen seines Sohnes enttäuscht, hält zunächst nichts von der Idee. Doch als Claude seiner Familie das Drehbuch, an dem er arbeitet, vorliest, ist der Vater beeindruckt. Das Szenario beschreibt Momente aus Claudes eigenem Leben – und sein Vater soll darin die Hauptrolle spielen. Nun lässt sich der alte Henri Roger Langmann endlich von Claudes Kinofieber anstecken und zusammen planen die beiden ihren ersten Film! „Papas Kino“ ist ein autobiografischer Film, in dem Claude Berri sein Leben und das seiner Familie zwischen den Jahren nach dem Krieg und dem Tod seines Vaters (1962) beschreibt.

Sa, 19. Sep · 19:45-19:50 · MDR Sachsen
Glaubwürdig: Juri Goldstein

Wie ist es heute, Jude zu sein in Deutschland? Juri Goldstein lebt in Erfurt, und selten hat sich der 31-Jährige bedrohter gefühlt als in diesen Tagen. Die lautstarken antisemitischen Proteste in den Demonstrationszügen gegen Israel haben ihn, wie viele Juden, aber auch Atheisten und Christen in Deutschland, schockiert. Juri Goldstein versucht mit Energie und Geduld, das jüdische Leben in der thüringischen Landeshauptstadt in die Zukunft zu heben. Kein leichtes Unterfangen. Neben seinem Traumjob als Anwalt bedeutet das einen Riesenberg Arbeit. Er packt an, statt zu lamentieren, übernimmt Verantwortung und kümmert sich um sämtliche Ideen und Projekte für Jugendliche. Er arbeitet daran, dass die Jungen sich mehr vernetzen, dass ihre Kultur, ihr Glaube erhalten bleiben. Juri Goldstein wurde nicht in Deutschland geboren, er wuchs in Nikolajew auf, einer Stadt in der Südukraine. Natürlich verfolgt er, was in seiner ehemaligen Heimat passiert, auch wenn er längst hier angekommen, deutscher Staatsbürger und Anwalt in einer Erfurter Kanzlei ist. Er ist kein orthodoxer Jude. Für ihn ist der Glaube ein Kompass, der ihn bestärkt. So engagiert er sich als Kandidat für den Thüringer Landtag, als Demokrat und als Jude. Der Film begleitet den couragierten jungen Mann in seinem Alltag und sucht eine Antwort auf die Frage, wie es ist, heute in Deutschland ein Jude zu sein.

Sa, 19. Sep · 19:45-20:30 · ZDFinfo
ZDF-History: Die Fälscher – Die Dokumentation

Es war die größte Geldfälschungsaktion der Geschichte: Unter strenger Geheimhaltung ließ das NS-Regime zwischen 1942 und 1945 jüdische Zwangsarbeiter britische Pfundnoten fälschen. Ein Dilemma für die unfreiwilligen Fälscher: Einerseits garantierte ihnen ihre Arbeit kurzfristig das Überleben. Andererseits halfen sie dabei, genau jenes Regime am Leben zu erhalten, das die Ermordung aller Juden betrieb.

So, 20. Sep · 09:45-10:30 · HR
Sababa – Israelis und ihr Berlin

Mehr und mehr Israelis zieht es nach Berlin. Über 20.000 leben in der Stadt. Oft sind es Künstler, Schriftsteller, Musiker, Maler, Schauspieler. Warum sind sie gekommen, was suchen sie, was finden sie hier? Welche Orte in Berlin faszinieren sie, wo spüren Israelis Fremdheit und Anderssein? Und wo prägen sie das kulturelle Leben? Ein anderer Blick auf Berlin, auf was ist und was war. Mehr und mehr Israelis zieht es nach Berlin. Über 20.000 leben in der Stadt. Oft sind es Künstler, Schriftsteller, Musiker, Maler, Schauspieler. Warum sind sie gekommen, was suchen sie, was finden sie hier? Viele sagen, am Anfang seien sie von den Partys begeistert gewesen, später haben sie sich mit israelischen Freunden darüber unterhalten, wo es den besten Hummus gibt, irgendwann aber konnte niemand mehr durch diese Stadt gehen, ohne daran zu denken, dass von Berlin das Morden, die Shoah, ausging. Und dennoch ist Berlin für viele Israelis zu dem Ort geworden, an dem sie leben wollen. 50 Jahre nach der Aufnahme der Deutsch-Israelischen Beziehungen, wollen wir von dem „Dennoch“ erzählen. Wir wollen fragen, was macht das Leben aus? „Sababa“ – was so viel heißt, wie ein großer Spaß. Was sind die Orte, die speziell sind, die Israelis faszinieren, die es nur in Berlin gibt? Die für sie eine Geschichte haben, auch eine Spannung von Fremdheit und Anderssein? Geschichte und Geschichten, vorgestellt und erzählt von der israelischen Schauspielerin und Stadtführerin Shlomit Lasky.

So, 20. Sep · 10:30-11:58 · arte
Drei Schwestern Made in Germany

November 1947 in Frauenburg, einer kleinen süddeutschen Garnisonsstadt der US-Besatzungsarmee: Den deutschen Einwohnern steht ein weiterer harter Nachkriegswinter bevor, zugleich aber auch ein soziales Ereignis, an das die Bürger große Hoffnungen für ihr Wohlergehen knüpfen: Die Vermählung des Regimentskommandeurs Colonel Bellmont mit einer Tochter der Stadt, Freya Sonnenberg, der mittleren von drei Schwestern aus gutbürgerlichem Hause. Es wird eine der ersten prominenten deutsch-amerikanischen Hochzeiten seit der Aufhebung des Fraternisierungsverbots sein. Für Freya bedeutet dieser Schritt den Aufbruch hinaus aus den entbehrungsreichen Nachkriegsverhältnissen in ein Leben des Wohlstands und der Freiheit in den USA. Nora, die älteste der Schwestern, hat ihre eigenen Erwartungen, die in der Vergangenheit wurzeln: Der geliebte Vater, einst hochgeschätzter Bürgermeister des Städtchens, war vom Kleinbürgertum, das unter den Nationalsozialisten an die Macht drängte, aus dem Amt geschasst worden und aus Gram darüber gestorben. Für Nora bedeutet die Verheiratung der Schwester mit dem allmächtigen Standortkommandanten späte Genugtuung, ja Triumph über die alten Kräfte des kleingeistigen Intrigantentums. Außerdem erhofft sie sich einen privaten Vorteil von diesem Zuwachs an gesellschaftlichem Einfluss: Kann sie ihre heimliche Liebe zu einem Außenseiter, dem ehemaligen KZ-Häftling und Schwarzhändler Jacob Horwitz endlich „salonfähig“ machen? Die jüngste der Schwestern, Gudrun, genannt „Guddi“, in den Wirren des Kriegsendes leicht heruntergekommen, lebt hingegen hemmungslos ihre Sexualität aus, um so mehr, als die Pläne der älteren Schwestern unversehens zu scheitern drohen: Am Vorabend der Hochzeit taucht ein Erpresser auf, der mit der Preisgabe von angeblich kompromittierenden Details aus Freyas Dienstzeit als Wehrmachtshelferin droht. War sie tatsächlich die „Gespielin“ eines prominenten Nazibonzen? Wird es den Schwestern gelingen, den Mann zum Schweigen zu bringen? Im Laufe einer turbulenten Nacht scheinen sich die Dinge zu klären – bis dann eine Katastrophe ganz anderer Art die Situation beinahe zum Ausufern bringt.

So, 20. Sep · 18:30-19:00 · Das Erste (ARD)
Gott und die Welt: Grenzgänge mit Ilja Richter, 3/3

Ilja Richter steht im Mittelpunkt des dritten Teils der Grenzgänge-Trilogie. Er schließt die Filmreihe prominenter Schauspieler und Entertainer ab, die sich sehr persönlichen Lebens- und Wertefragen stellen. Es sind Reisen ins Innere, zu den Ängsten, Hoffnungen und Erkenntnissen von Menschen, die wir sonst nur in ihrer Rolle vom Bildschirm kennen. Der Autor und Schauspieler Ilja Richter hat jüdische Wurzeln. Seine Mutter war Jüdin, allerdings ohne besonderer religiöser Bezüge. Man wollte eine normale deutsche Familie sein. Heute, mit Anfang 60, spürt Ilja Richter, dass da etwas ungelöst ist. Besonders deutlich wird dies, wenn er auf seine alte Freundin Ilse trifft – auch sie ist Jüdin. Wenn er sie besucht, fühlt er sich „irgendwie jüdisch“. Aber was genau bedeutet das eigentlich? Mit dieser Frage begibt sich Ilja Richter auf die Spuren jüdischen Lebens in seiner Heimatstadt Berlin. Ob im Tanzkurs, in dem traditionelle Tänze eingeübt werden, ob unterwegs auf Koscher-Kontrolle, ob beim Gottesdienst in einer orthodoxen jüdischen Gemeinde oder bei der Vorbereitung eines jungen Mädchens auf ihre Bat Midzwa: Immer wieder begegnet Richter Fragen, die ihn persönlich tief bewegen – und die ihm gelichzeitig zeigen, wie bunt und vielfältig das jüdische Leben in Berlin ist.

Mo, 21. Sep · 01:05-02:55 · Das Erste (ARD)
Die Lebenden

Sita ist 25, lebt in Berlin und studiert Germanistik. Daneben macht sie kleine Video-Porträts der TeilnehmerInnen einer Castingshow. Eines Nachts landet Sita im Atelier eines israelischen Fotokünstlers, Jocquin. Etwas an Jocquin berührt Sita. Sie kann ihn nicht so schnell vergessen, wie sie angenommen hatte. Sita feiert den 95. Geburtstag ihres geliebten Großvaters in Wien, wo auch ihr Vater Lenzi mit seiner neuen Frau und einem gemeinsamen kleinen Sohn lebt. Am Abend nach dem großen Fest stößt Sita in der Wohnung ihres Vaters auf ein Foto, das ihren Großvater in SS-Uniform zeigt. Gegen den Willen ihres Vaters beginnt Sita in der Vergangenheit ihres Großvaters zu kramen. Sie muss erkennen, dass nicht nur ihr Großvater, sondern auch ihr Vater ihr einiges verschwiegen haben. Ein Dokument in einem Wiener Archiv führt nach Polen, ein Erinnerungsfoto nach Warschau. Dort stößt Sita nicht nur auf weitere wichtige Dokumente, sondern auch auf eine Amerikanerin und politische Aktivistin, die ihr weiterhilft: Silver. Sita verstrickt sich immer mehr in die Abgründe ihrer Familie. Auf dieser Reise in die Vergangenheit begegnet Sita auch Jocquin wieder. Sie muss erkennen, dass die Lösung nicht ist, ihre „Schuld“ abzuarbeiten, dass sie aber Verantwortung für andere tragen kann und will.

Mo, 21. Sep · 02:30-03:59 · arte
Lawinen der Erinnerung – Ein Film über Oliver Storz von Dominik Graf

Oliver Storz (1929-2011) war ein vielfach ausgezeichneter Dramaturg, Drehbuchautor und Regisseur – einer der Großen in der deutschen Mediengeschichte. Im hohen Alter wurde er schließlich noch ein erfolgreicher Schriftsteller. Sein Lebensthema war die Erinnerung, genauer: die Erinnerung an die Zeit, in der Deutschland unter Adolf Hitler im Chaos versank. Mit leichter Hand montiert mehrfache Grimme-Preisträger Dominik Graf historisches Originalmaterial, Filmzitate, neu gedrehte Spielszenen und die Worte seines Gesprächspartners zu einem immer dichter werdenden Doku-Essay. Oliver Storz, der Wegbereiter und wortwörtliche Entwicklungshelfer des deutschen Fernsehens, reflektiert im Gespräch mit dem Filmemacher Dominik Graf seine persönlichen Erlebnisse – und spricht auch darüber, wie historische Tatsachen medial aufgearbeitet werden. Storz selbst hat in „Drei Tage im April“ (1995) ein Ereignis verfilmt, das sich in den letzten Kriegstagen in der Nähe seiner Heimatstadt Schwäbisch-Hall zugetragen hatte. In einem kleinen Bahnhof blieben damals, bewacht von SS-Männern, vier Waggons stehen. Drinnen rangen Häftlinge eines Konzentrationslagers mit dem Tode und schrien vor Schmerz und Hunger. Storz befragte beim Dreh die Zeitzeugen nach ihren Erinnerungen und war bestürzt: Nur ein damals 16-Jähriger konnte dazu etwas sagen. Das kollektive Gedächtnis hat die Erinnerung an das Ereignis gelöscht. Woher kann Rettung kommen für die bedrohte Wahrheit? Das Medium Fernsehen sei dafür wenig geeignet, sagt Storz, zu gedächtnislos sei dessen Aura, zu stark sei die Fixierung auf das, was man „Event“ nenne und als Kriterium für die Erzählwürdigkeit von Ereignissen heranziehe. Oliver Storz‘ prägende Zeit waren die letzten Kriegs- und ersten Friedensjahre. Jahre, die sich für den damals Jugendlichen für immer einprägen und sein späteres Schaffen und Denken bestimmen: Das Mitleid, das er empfand und nicht zeigen durfte, als die Nazis in seiner Heimatstadt ein Bauernmädchen öffentlich an den Pranger fesselten und ihr den Kopf scheren ließen. Den Begriff der Kollektivschuld habe er für sich immer angenommen, so Storz. Oder das Gefühl der Zerrissenheit: Als Pimpf war das Kind Oliver angetan vom geschickten Brimborium der Nazis. Zu Hause lauschte er gebannt den Gesprächen seines Vaters, der ein überzeugter Antifaschist war und den Untergang voraussagte. Oliver kämpfte mit seiner Wut und Empörung über den gefühlten Verrat. Wohl wissend, wie gefährlich es wäre, ein Wort davon nach außen dringen zu lassen. 2008 reüssierte der Filmemacher Storz dann mit seinem autobiografischen Roman „Die Freibadclique“ auch als sprachgewaltiger Schriftsteller. Während der Arbeit an seinem Roman, der den Schwarzmarkt zum Hauptthema haben sollte, erfuhr er von seiner schweren Krankheit. Eine im Film zu sehende Lesung mit Stefan Kurt und Matthias Brandt aus „Als wir Gangster waren“ ist eine Feier anlässlich seines 82. Geburtstages. Eine Feier, die bereits vom Abschied umweht ist. Der Tod kam nicht überraschend für Oliver Storz, aber früher als erwartet. Und so wird im Film neben den großen Lebensereignissen auch das Lebensende und Storz‘ Verhältnis zu seinem unnahbaren Vater zum Gesprächsthema.

Mo, 21. Sep · 21:15-22:39 · arte
Der alte Mann und das Kind

Frankreich, im Jahr 1944, zur Zeit der deutschen Besatzung. Claude ist acht Jahre alt. Wie alle Kinder seines Alters macht er Dummheiten und hat nur eines im Kopf: Spielen. Doch er ist Jude und seine Eltern wechseln immer wieder den Wohnort – aus Angst, denunziert zu werden. Schließlich hilft ihnen eine den Juden wohl gesonnene Bekannte. Der Junge wird zu ihren Eltern, zwei älteren Herrschaften, aufs Land geschickt, um den drohenden Bombenangriffen zu entgehen. Der alte Pépé ist Anhänger Pétains, den er seit seiner Zeit als Soldat im Ersten Weltkrieg verehrt, und zutiefst antisemitisch eingestellt. Er ahnt nichts von Claudes Herkunft, der geschickt einen katholischen Jungen mimt, und nimmt sich des Kindes an, das ihm den heiß ersehnten Enkel ersetzt. Trotz Hänseleien in der Schule, wo er als Pariser verspottet wird, genießt Claude einen weitgehend unbeschwerten Alltag. Er ist stets an der Seite von Pépé – beim gemeinsamen Holzhacken, Hasenfüttern und Radiohören. Schon bald empfinden beide eine tiefe Zuneigung füreinander. In Gesprächen mit seinem Ersatz-Großvater stellt Claude immer wieder naive Fragen, welche die Vorurteile gegenüber Juden aufgreifen. Absurde Antworten des Alten – man erkenne Juden an ihrer Hakennase, den krausen Haaren und ihren Plattfüßen – lassen den Achtjährigen ausrufen: „Aber dann bist du ja ein Jude!“

Mi, 23. Sep · 09:25-10:25 · Discovery Channel
Rising: Wiederaufbau an Ground Zero

1. Staffel, Folge 1: Die Anschläge auf das World Trade Center am 11. September haben mitten in New York eine klaffende Wunde hinterlassen: Als Schutt und Trümmer von Ground Zero weggeräumt waren, blieb ein sieben Stockwerke tiefer Krater, mit einem Durchmesser von rund 400 Metern. Ein beispielloses Großprojekt beginnt: Stadtplaner und Architekt Daniel Liebeskind, der auch das Jüdische Museum in Berlin entworfen hat, wird mit der Mammut-Aufgabe betraut, das symbolträchtige Gelände in Manhattan wieder zum Leben zu erwecken. Diese Folge der Dokumentarserie „Rising“ zeigt, wie Architekten und Ingenieure, Planer und Erbauer, Helfer und Überlebende ihre Vision eines neuen World Trade Centers verwirklichen.

Mi, 23. Sep · 23:25-01:05 · 3sat
Lemon Tree

Die Palästinenserin Salma pflegt den Zitronenhain ihres verstorbenen Vaters im Westjordanland, direkt an der Grenze zu Israel. Doch das Idyll währt nicht lange. Als der israelische Verteidigungsminister Navon ins Nachbarhaus zieht, werden die Zitronenbäume zum Problem. Der Geheimdienst sieht in ihnen ein Versteck für Terroristen und erwirkt die Rodung der Plantage. Salma will das nicht hinnehmen. Zusammen mit dem Anwalt Ziad Daud geht sie bis zum Obersten Gerichtshof Israels. Eran Riklis („Die syrische Braut“) erzählt die Geschichte des Nachbarschaftsstreits als Parabel für den palästinensisch-israelischen Konflikt. Die in Palästina gebürtige Hiam Abbas wurde für ihre Rolle als Salma 2008 mit dem israelischen Filmpreis ausgezeichnet, sowie für den europäischen Filmpreis in der Kategorie „Beste Darstellerin“ nominiert. Die Handlung des Films basiert auf realen Ereignissen: Verteidigungsminister Shaul Mofaz ließ 2006 Olivenbäume an der Grenze zu seinem Haus abholzen und wurde dafür von den Eigentümern verklagt.

Do, 24. Sep · 00:15-02:05 · HR
Taking Woodstock – Der Beginn einer Legende

Der jüdische Einwanderersohn Elliot Teichberg (Demetri Martin) will eigentlich in New York Karriere als Dekorateur machen. Das vor der Zwangsversteigerung stehende Motel seiner kauzigen Eltern zwingt ihn jedoch im Sommer 1969 zur Rückkehr in sein Heimatdorf Bethel. In der Hoffnung, ein paar zahlende Besucher in das verschlafene Provinznest zu locken, organisiert er ein lokales Theaterfestival. Durch Zufall erfährt er, dass im Nachbarort Wallkill ein groß angekündigtes Open-Air-Konzert wegen Anwohnerprotesten untersagt wurde. Als Vorsitzender der lokalen Handelskammer besitzt Elliot eine selbst ausgestellte Lizenz zur Durchführung eines Kulturfestivals, die plötzlich Gold wert ist. So vermittelt er dem Woodstock-Veranstalter Michael Lang (Jonathan Groff) die Rinderweide seines verschuldeten Nachbarn Max Yasgur (Eugene Levy), nicht ahnend, welches Megaereignis er dadurch ermöglicht. Überfallartig zieht nicht nur ein Bataillon von Organisatoren, Technikern und schrillen Musikern in die aus allen Nähten platzende Gemeinde ein. Auf den Weg machen sich auch mehrere hunderttausend Musikfans und zugedröhnte Hippies, um ein einzigartiges Happening zu feiern. Selbst Elliots Eltern lassen sich von dieser Stimmung anstecken.

Fr, 25. Sep · 00:15-01:45 · WDR
Schnee von gestern

Als die Geschwister Michla und Feiv’ke sich nach dem Krieg knapp am Bahnhof im polnischen Lodz verpassen, denkt jeder, er sei der einzige Überlebende der ehemals großen jüdischen Familie Schwarz aus Wilna. Beide machen einen Neuanfang und gründen eine eigene Familie – Michla in Israel, Feiv’ke in Deutschland unter dem Namen Peter Schwarz, ausgerechnet in dem Ort, in dem er im Arbeitslager war. Nach und nach verdichten sich die Hinweise, dass es irgendwo doch noch überlebende Familie gibt, und die Kinder und Enkel machen sich auf die Suche. In dem bewegenden Dokumentarfilm SCHNEE VON GESTERN werden die Folgen eines verpassten Treffens im Sommer 1945 für die Geschichte einer ganzen Familie packend aufgespürt. Zwei Familien – die eine in Deutschland, die andere in Israel – die über Jahre nichts voneinander wussten, zeigen große Gemeinsamkeiten. Die Kinder leiden unter dem Schweigen ihrer Eltern und die Enkel sind auf der Suche nach ihrer Identität. Getrieben von den Geheimnissen der Familie machen sie sich unabhängig voneinander auf die Suche und entdecken, was es für sie heißt, dass Michla und Feiv’ke sich auf so unterschiedliche Art für das Leben entschieden haben.

Fr, 25. Sep · 02:10-03:05 · HR
Du sollst nicht schwul sein

„Ein Mann soll keinen Geschlechtsverkehr mit einem anderen Mann haben, denn das ist abscheulich.“ Ob Bibel, Thora oder Koran – die heiligen Bücher lehnen sie allesamt ab: die Homosexualität. Bis heute diktieren die jahrtausendealten Schriften den Umgang der Religionen mit ihren ungeliebten Söhnen und Töchtern. Sie gelten als krank oder vom Teufel besessen. Um ihrem Gott, ihrer Religionsgemeinde oder einfach nur der eigenen Familie zu gefallen, sollen die Homosexuellen umkehren, heterosexuell werden oder ein Leben lang Verstecken spielen. Die Dokumentation zeigt, welchem psychischen Druck junge homosexuelle Menschen mitten in Europa ausgesetzt sind, weil sie gläubig sind: Ein homosexueller Muslim wird in einer Einwanderer-Gesellschaft, die nur echte Männer kennt, von der eigenen Familie mit dem Tod bedroht, verfolgt, zur Heirat gezwungen oder für immer verstoßen. Ein Katholik führt in katholisch-konservativen Kreisen sein Leben zwischen Selbsthass und Verdrängung. Einem schwulen orthodoxen Juden wird in der eigenen Gemeinde auf Verdacht nicht die Hand gegeben. Ein Mitglied in bibeltreuen fundamental-evangelikalen Kreisen fühlt sich wie ein Gefangener einer Welt, in der Homosexualität geheilt werden muss, weil man sonst in der Hölle landet. Und katholische Ärzte in Bayern versprechen verzweifelten Homosexuellen, ihren Leidensdruck mindern zu können. Das Thema Homosexualität ist in Kirche und Moschee oft tabu. So sieht ein evangelikaler Pfarrer das Ende der Welt nahen, so darf ein Bischof sich nicht für Schwule einsetzen. Doch es gibt auch Homosexuelle, die offen versuchen, das Tabu zu brechen. So gründeten sie in Paris eine „schwule“ Moschee, in der alle zusammen – ob Mann oder Frau, ob heterosexuell oder homosexuell – einen Platz finden können. Gott und die Krux mit den Schwulen: ein Film über verbotene Liebe und die Strategien, die Verbote zu umgehen, angebliche Heilungsmethoden, priesterliche Keuschheitsgelübde, Lügen, Ausgrenzungen und den Versuch, sich mit Gott zu versöhnen und sich die eigene Religion nicht wegzunehmen zu lassen. In seinem Film zeigt Marco Giacopuzzi, wie mitten in Europa junge Menschen an Gott verzweifeln, weil seine Diener auf Erden sie nicht so sein lassen, wie sie sind. Der Film „Du sollst nicht schwul sein“ zeigt auch, was Lederfetisch mit der katholischen Kirche zu tun hat, weshalb ein Comiczeichner die Sexualmoral des Apostel Paulus erforscht und was das alles um Gottes Willen auch noch mit Black Metal, einer düsteren Form von Heavy Metal, zu tun hat.

Fr, 25. Sep · 09:30-10:15 · ZDFinfo
auslandsjournal – die doku: Leben in der Falle – Die vielen Gesichter Gazas

Nicola Albrecht zeigt das Leben in Gaza: „Im Krieg spielen wir normal weiter, ohne Angst, so ist das. Denn wer heute nicht stirbt, stirbt morgen“, erzählt uns der 14-jährige Ibrahim. Die zwölfjährige Lian dagegen fühlt sich auch in Gaza frei, zumindest eine Stunde pro Tag. Dann, wenn sie auf ihrem Pferd sitzt. Der Gazastreifen. 40 Kilometer lang, 6 bis 14 Kilometer breit, seit zehn Jahren abgeriegelt. Das Leben der Menschen ist geprägt von Elend, Extremismus, Gewalt und immer wiederkehrendem Krieg. Die Bedingungen sind für alle dieselben, doch auf unserer Drehreise durch den kleinen Küstenstreifen treffen wir Menschen, die ganz unterschiedliche Perspektiven auf ihre Situation haben, ganz unterschiedliche Wege gehen. Mehr als 50 Prozent der Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt. Sie sind die Zukunft von Gaza. Doch wie soll diese aussehen? Wir begleiten Ibrahim und Lian: Ibrahim hat gerade das Sommercamp bei der radikalislamischen Hamas absolviert, möchte ein guter „Dschihadist“ werden und Gaza von der Besatzungsmacht Israel befreien. Lian träumt von einer Karriere als Turnierreiterin. Doch in Gaza gilt: Nach dem Krieg ist vor dem Krieg. Und seit dem letzten Krieg ist zudem eine neue, gefährliche Gemengelage in Gaza entstanden. Hamas regiert mit eiserner Hand, tötet politische Feinde, lässt keine Kritik zu. Vom Wiederaufbau ist zudem nichts zu sehen. Gelder kommen nicht an, und Israel hält an seiner Blockadepolitik fest. Die Bevölkerung sitzt in der Falle. Kein Wunder also, dass extreme Gruppen es leicht haben Anhänger zu finden, auch Sympathisanten des sogenannten Islamischen Staats findet man bereits in Gaza. ZDF-Korrespondentin Nicola Albrecht hat eine dieser Splittergruppen getroffen und auch mit Top-Hamas-Führer Mahmoud Al-Zahar gesprochen. Im kleinen Gazastreifen findet ein Ringen um Macht statt, das von allen Seiten heruntergespielt wird. Und dennoch offensichtlicher nicht sein könnte – selbst im Ramadan lädt der bewaffnete Flügel von Hamas die Kassam-Brigaden zur nächtlichen Parade in Gaza-Stadt ein. Zwei neue Raketen werden vorgestellt, während in Propaganda-Videos auf Großleinwand der Sieg über Israel beschworen wird und Kinder mit Maschinengewehren fürs Familienfoto posieren dürfen.

Fr, 25. Sep · 13:00-13:25 · 3sat
Grüningers Erbe

Nachdem der St. Galler Polizeikommandant Paul Grüninger aus dem Dienst entlassen wurde, ignorierten ihn die meisten. Auch diejenigen, deren Leben dank Grüninger gerettet wurde. Jonathan Kreutner ist nicht nur der Generalsekretär des Schweizerisch-Israelitischen Gemeindebundes SIG, sondern auch Historiker und vor allem: der Sohn eines dank Paul Grüninger Geretteten. Er ist betroffen von der Frage, warum Grüningers Andenken nicht bewahrt wird. Zusammen mit seinem Vater Robert besucht Jonathan Kreutner den alten Rhein – die Grenze zwischen der Schweiz und Österreich. Hier hat die Familie 1938 die Grenze passiert und damit ihr Leben gerettet. Nur durch die heimliche Intervention Grüningers konnten die Kreutners trotz des strikten Einreiseverbots in der Schweiz bleiben und überleben. Als Historiker bleibt Jonathan Kreutner aber nicht nur bei seiner Familiengeschichte. Er will vor allem wissen, warum es niemanden gab, der in der Schweiz der Nachkriegszeit den Mut aufbrachte, Paul Grüninger für seine Heldentaten zu danken. Er befragt Zeitzeugen und durchforstet Archive. Am Ende ist er der Schweizer Zeitgeschichte ein Stück näher gekommen.

Fr, 25. Sep · 23:55-00:55 · arte
Geduld, Geduld – Du kommst ins Paradies!

„Geduld, Geduld – Du kommst ins Paradies!“ – ein Spruch, den muslimische Migrantenfrauen der ersten Generation oft zu hören bekommen. Er soll sie darüber hinwegtrösten, dass sie über ihr Schicksal nicht selbst bestimmen können, und sie die Existenz fern der Heimat klaglos ertragen lassen. Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte von Mina, Warda, Milouda und anderen maghrebinischen Migrantinnen in Molenbeek im Großraum Brüssel. „Geduld, Geduld – Du kommst ins Paradies!“ – ein Spruch, den muslimische Migrantenfrauen der ersten Generation oft zu hören bekommen. Er soll sie darüber hinwegtrösten, dass sie über ihr Schicksal nicht selbst bestimmen können, und sie die Existenz fern der Heimat klaglos ertragen lassen. Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte maghrebinischer Migrantinnen in Molenbeek im Großraum Brüssel. Nach rund 40 Jahren Jahren in Belgien nimmt ihr Leben eine unerwartete Wendung. Mina ist 62 Jahre alt und Witwe. Bei einem Aufenthalt in Marokko besucht sie zum ersten Mal in ihrem Leben eine kulturelle Veranstaltung: einen Poetry-Slam mit der temperamentvollen Tata Milouda, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Die 60-Jährige lässt sich nicht mit der Aussicht auf ein besseres Leben nach dem Tod abspeisen, sondern fordert bereits hier und jetzt ein Stück vom Paradies. Die Begegnung mit der Slammerin stellt für Mina einen Wendepunkt dar. Zurück in Belgien meldet sie sich zusammen mit ihrer gleichaltrigen Freundin Warda, die ebenfalls „noch nichts gesehen und nichts erlebt“ hat, bei Dar al Amal an – dem „Haus der Hoffnung“. Dort treffen sie Hamida, Naziha, Tleitmes, Rahma und andere Frauen in ähnlicher Lage. In Kursen lernen sie lesen und schreiben oder erwerben Computerkenntnisse. Gemeinsam sind sie stark und erschließen neue Möglichkeiten: Sie entdecken das Stadtzentrum von Brüssel und fahren an die Nordsee. Nichts kann sie mehr bremsen, und eines Tages setzen sie sich sogar das verrückte Vorhaben in den Kopf, allein nach New York zu reisen.

So, 27. Sep · 01:25-03:00 · BR
Das As der Asse

Europa, 1916. Während des Ersten Weltkriegs trifft der Kampfpilot Jo Cavalier (Jean-Paul Belmondo) nach einem Luftgefecht auf den deutschen Flieger Gunther von Beckmann (Frank Hoffmann). Schnell geraten die beiden in einen handfesten Streit über die Frage, wer sich als Sieger des Duells betrachten darf – der Beginn einer wunderbaren Männerfreundschaft. 20 Jahre später: Jo arbeitet inzwischen als Trainer der französischen Box-Nationalmannschaft und soll mit seinem Team zu den Olympischen Sommerspielen 1936 nach Deutschland reisen. Im Zug nach Berlin flirtet er mit der Journalistin Gabrielle Delcourt (Marie-France Pisier), nicht ahnend, dass sie es war, die ihn kurz zuvor in einem unschmeichelhaften Artikel mit einem spöttischen Spruch über Hitler zitiert hatte. Während der Fahrt lernt Jo auch den zehnjährigen Simon Rosenblum kennen. Er freundet sich mit dem jüdischen Jungen an und begleitet ihn zur Buchhandlung seiner Großeltern. Dort muss der Franzose miterleben, wie die Gestapo das Geschäft verwüstet, und beginnt eine wilde Schlägerei mit den Nazi-Schergen. Nach einer aberwitzigen Flucht erwartet Jo in seinem Hotel die nächste Überraschung: Simon und dessen Familie, von den Nationalsozialisten verfolgt, hoffen auf seine Hilfe. Mit tatkräftiger Unterstützung seines alten Freundes Gunther, inzwischen General, aber erbitterter Gegner des Hitlerregimes, will Jo den Rosenblums zur Flucht nach Österreich verhelfen. Das ist jedoch leichter gesagt als getan. Immer wieder gerät die Gruppe in Bedrängnis, aber dank Jos tollkühnen Finten können sie den Nazis ein ums andere Mal entwischen. Trotzdem führt sie der Weg nicht nach Österreich, sondern direkt in die Höhle des Löwen: auf den Obersalzberg, wo Adolf Hitler samt Anhang die Ferien verbringt, darunter seine höchst eifersüchtige Schwester Angela. Hier trifft Jo, als deutscher Offizier verkleidet, auch Gabrielle wieder, die ein Interview mit dem Diktator führen soll. Um doch noch die rettende Grenze zu erreichen, setzt der Teufelskerl alles auf eine Karte.

So, 27. Sep · 10:15-11:15 · 3sat
Fritz Stern – Freiheit verpflichtet

Er floh vor den Nazis nach New York und wurde zum profilierten Fürsprecher der deutsch-amerikanischen Freundschaft: Der amerikanische Historiker deutscher Herkunft Fritz Stern. Doch Fritz Stern sieht diese Freundschaft bedroht – nicht zuletzt weil die Politik beidseits des Atlantiks in einer Vertrauenskrise steckt. Moderatorin Barbara Bleisch spricht mit Fritz Stern über „Politik, Vertrauen und die Macht“. Die Massen zieht er an, die politischen Eliten schreckt er: der Populismus. Seit dem Millenniumswechsel gewinnen populistische Strömungen von links wie rechts in vielen Staaten an Einfluss. Geert Wilders‘ Partei für die Freiheit, die amerikanische Tea Party, der französische Front National, aber auch die griechische Syriza legen eine tiefgreifende Vertrauenskrise in der Politik offen. Der amerikanische Historiker Fritz Stern sieht den Populismus als Gefahr, denn er führe – unterfüttert mit nationalistischen und kulturpessimistischen Ideen – zu Ausgrenzung und Abschottung. „Heimat“ empfindet aber auch Stern als wichtige politische Kategorie. Deshalb fordert der Historiker von den etablierten politischen Kräften, den Heimatbegriff nicht den Populisten zu überlassen, sondern ein Verständnis von Heimat zu entwickeln, das seine Kraft aus Selbstbewusstsein statt aus Angst generiert. Kann das gutgehen?

Mo, 28. Sep · 02:30-03:45 · HR
Die Koffer des Herrn Spalek

John Spalek ist 1928 in Warschau geboren und mit seiner Familie vor den Sowjets aus Polen geflohen. Gleich vielen, die sich damals vor den Nationalsozialisten in Sicherheit brachten, verschlug es auch ihn in die USA als seine neue Heimat. Seitdem lebt Spalek dort, reist durchs Land und sammelt Unterlagen, Materialien und Dokumente deutschsprachiger Emigranten in den USA, in der Mehrzahl jüdischer Familien. Über 3.000 Emigranten sind in seinem Notizbuch erfasst. Jeder Name Synonym eines bewegten Lebens. So ist der Film „Die Koffer des Herrn Spalek“ zu einem Essay über das Bewahren des kulturellen Gedächtnisses geworden. „Wir sind die Letzten, fragt uns aus. Wir tragen den Zettelkasten mit den Steckbriefen unserer Freunde wie einen Bauchladen vor uns her“, sagte der Schriftsteller Hans Sahl. John Spalek ist einer dieser Letzten. 1928 in Warschau geboren, ist seine Familie vor den Sowjets aus Polen geflohen. Gleich vielen, die sich damals vor den Nationalsozialisten in Sicherheit brachten, verschlug es auch ihn in die USA als seine neue Heimat. Seither lebt er dort. Aber er ist und bleibt Emigrant. „Wenn einmal die Wurzeln gekappt sind“, sinniert er, „scheint es nicht möglich, sie wieder wachsen zu lassen, in dem Sinne, dass man sich mit einem Ort ganz identifizieren könnte.“ Ein Emigrantenschicksal – eines von Unzähligen. Doch nicht das eigene interessiert den emeritierten Professor für deutsche Literatur, sondern das der anderen. Seit mehr als vierzig Jahren sammelt er Unterlagen, Materialien und Dokumente deutschsprachiger Emigranten in den USA, in der Mehrzahl jüdischer Familien. Über 3.000 Emigranten sind in seinem Notizbuch erfasst. Jeder Name Synonym eines bewegten Lebens. Unermüdlich, ruhelos – unbeschadet seines hohen Alters – reist Spalek noch immer durchs Land, kontaktiert Zeitzeugen, fragt sie aus und sichert deren Bestände. So ist der Film „Die Koffer des Herrn Spalek“ zu einem Essay über das Bewahren des kulturellen Gedächtnisses geworden. Ganze Biografien werden dem Tod wieder entrissen. Osiris erwacht zu neuem Leben, heißt es im Prolog. Dabei begleitet der Film einen schier Unentwegten, der in seiner Leidenschaft, in seiner leisen Verschmitztheit und Vitalität schnell für sich einnimmt. Und schließlich ist der Film auch die Verbeugung vor dem Alter. „Ich brauchte mich nur an John Spaleks Fersen zu heften. Immer wieder stieß ich auf Menschen, hochbetagt, die mich berührt, mich begeistert haben. Ich wäre froh, wenn auch nur ein Hauch davon auch in meinem Film spürbar wäre“, meint Filmautor Gregor Eppinger.

Mo, 28. Sep · 17:45-18:00 · Das Erste (ARD)
Nachtigall mit viel Seele

„Avitall, die Nachtigall“ schwärmen ihre Fans. Darunter Rocksänger Sting und Israels ehemaliger Premier Simon Peres. Die zierliche Frau mit den roten Haaren ist die erste und einzige Kantorin in der Berliner Synagoge. Sie unterrichtet jüdische Religion und Musik, gestaltet die Liturgie der Gottesdienste, gibt vielbeachtete Konzerte in christlichen Kirchen und Konzerthäusern und ist privat unverheiratete Mutter zweier Söhne. Ihren Beruf in einer jahrtausendealten Männerdomäne und ihren Gauben zwischen Tradition und Moderne praktiziert Avitall Gerstetter verblüffend unkämpferisch, aber konsequent. Ob Gala-Dinner mit TV-Starkoch Kolja Kleeberg oder schlichter Alltag in der Grundschule ihrer Kinder – der Film beobachtet, was diese Frau im Innersten antreibt und zeichnet das Porträt einer bemerkenswerten Künstlerin jüdischen Glaubens.

Mo, 28. Sep · 18:30-19:22 · arte
Mein Name sei Altmann – Das zweite Leben eines Kriegsverbrechers

Lyon, 1983: Fast vier Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs schreibt in einer kargen Gefängniszelle ein unverbesserlicher Nazi und Kriegsverbrecher seine Lebensgeschichte auf. Klaus Barbie, der „Schlächter von Lyon“, ist an den Ort seiner schlimmsten Verbrechen zurückgebracht worden und wartet auf seinen Prozess. Sein Leben lang ist Barbie Täter geblieben. Nun ermöglichen erstmals freigegebene Akten internationaler Geheimdienste, Ministerien und Behörden die detaillierte Darstellung von Barbies Aktivitäten im Dienst seiner verschiedenen Auftraggeber. Der Dokumentarfilm zeichnet ein neues, schockierendes Bild seiner Rolle im Kalten Krieg. Der Mann, der in 26 „Episoden“ auf 180 Seiten die Stationen seines Lebens nachzeichnet, blickt auf eine gespenstische Laufbahn zurück: Auch nach dem Krieg hat Klaus Barbie in seiner neuen Heimat Bolivien sein verbrecherisches Unwesen fortgesetzt. Eingebettet in ein Netzwerk alter Nazis, gedeckt von westlichen Geheimdiensten, hat er unbehelligt eine zweite Karriere als Foltermeister, Agent und Betrüger im Dienst brutaler Militärdiktatoren, skrupelloser Drogenbarone und internationaler Waffenhändler machen können. Auch jetzt, als er seine Biografie für seinen Anwalt Jacques Vergès niederschreibt, zeigt er keine Reue. Damit sind die Aufzeichnungen Barbies ein Zeitdokument, das wie kaum ein anderes den Blick in die Psyche eines gewissenlosen Erfüllungsgehilfen ermöglicht. Darüber hinaus ermöglichen nun – zum Teil auf die Veranlassung der Autoren hin – erstmals freigegebene Unterlagen die detaillierte Darstellung von Barbies Aktivitäten im Dienst seiner verschiedenen Auftraggeber. Dabei wird die Skrupellosigkeit alliierter und deutscher Nachrichtendienste bei der Rekrutierung ehemaliger Kriegsverbrecher deutlich. Außerdem kann erstmals das internationale Netzwerk alter und neuer Nazis, in dem Barbie eine Schlüsselrolle gespielt hat, aufgezeigt werden. Dazu gehören auch bisher unbekannte, aber nun konkret belegbare Pläne eines faschistisch-terroristischen Netzwerks, Klaus Barbie aus seinem Gefängnis in Lyon zu befreien. Die Filmemacher Peter F. Müller und Michael Mueller haben sich in Deutschland, Frankreich und Bolivien auf die Spuren von Klaus Barbie begeben. In ihrem Dokumentarfilm zeichnen sie eine erstaunliche und beschämende Facette der internationalen Nachkriegsgeschichte.

Mo, 28. Sep · 21:15-22:45 · 3sat
TANNBACH – Schicksal eines Dorfes (1/3) Der Morgen nach dem Krieg

Anhand der Lebenswege der Bewohner eines kleinen Ortes an der bayerisch-thüringischen Grenze erzählt der Mehrteiler vom Nachkriegsdeutschland auf dem Weg zur deutsch-deutschen Teilung. Deutschland 1945, die letzten Tage vor der endgültigen Kapitulation. Auf Gut Striesow an der thüringisch-bayerischen Grenze sind unzählige Flüchtlinge einquartiert, man wartet auf das erlösende Ende des Krieges. Doch im letzten Moment kann die SS durch Verrat noch ein Exempel statuieren: Caroline von Striesow wird exekutiert, weil sie ihren desertierten Mann Georg versteckt. Ihre Tochter Anna ist tief erschüttert. In Friedrich, dem Sohn von Liesbeth Erler, die aus Berlin nach Gut Striesow geflüchtet ist, findet sie einen Vertrauten in ihrem Verlust. Er hat seinen Vater im Krieg verloren. Als kurz darauf die Amerikaner Dorf und Gut einnehmen, müssen sich die Bewohner mit der neuen Situation arrangieren. Franz Schober, NS-Parteimitglied und Verräter des versteckten Georg von Striesow, glaubt sein Parteibuch verschwunden und nutzt diese Chance, sich den Amerikanern anzudienen. Hilde Vöckler verrät aus Abscheu ihren Sohn Horst, den mörderischen SS-Mann, an die neuen Besatzer. Lothar, jüdischer Ziehsohn von Liesbeth Erler, geht zurück nach Berlin, um nach seinen verschollenen Eltern zu suchen. Georg von Striesow, der von dem Verrat durch Franz Schober erfährt, greift diesen tätlich an und wird als Konsequenz von den Amerikanern in ein Kriegsgefangenenlager abgeschoben. Jetzt trägt die junge Anna von Striesow die alleinige Verantwortung für das Gut und sucht die Verständigung mit den Amerikanern. Doch die Besatzungszonen verschieben sich – und Tannbach befindet sich im Sommer 1945 plötzlich in der sowjetischen Zone. 3sat zeigt Teil zwei von „TANNBACH – Schicksal eines Dorfes“ Dienstag, 29. September und Teil drei Mittwoch, 30. September, jeweils um 20.15 Uhr.

Mo, 28. Sep · 23:25-00:10 · 3sat
Kulturzeit extra: Der Geist von Prora

Prora auf Rügen: Die Nationalsozialisten errichteten hier für ihr „Kraft durch Freude“-Programm das „Seebad der 20.000“. In der DDR wurde es zu einer Kaserne, heute wird es gentrifiziert. „Kulturzeit-extra“ erzählt die Geschichte aus Sicht des Gebäudes, führt seine Monumentalität in nie gesehenen Flugaufnahmen vor, zeigt seine monotone Ästhetik in beklemmenden Innenaufnahmen und stellt Fragen an die drei historischen Epochen des Gebäudes. Das Gebäude ist an Monstrosität kaum zu überbieten: ein fünf Kilometer langer Baukörper, der totalitäre Gleichförmigkeit ausstrahlt. Hitlers Volk sollte hier neue Leistungskraft erlangen für die volkswirtschaftliche Produktion und gleichzeitig kriegstüchtig werden. Nach dem Krieg wurden Teile des Gebäudes gesprengt, danach militärisch genutzt. Prora wurde zu einer der gefürchtetsten Kasernen der DDR, in der auch Bausoldaten untergebracht waren, die den Kriegsdienst verweigerten. Heute wird Prora gentrifiziert: luxuriöse Eigentumswohnungen entstehen, beworben mit dem Slogan „Weltbekanntes Prora wird Wohlfühloase“. Kann man das einfach? Kann man Geschichte umbauen? Es gibt keine einfache Antwort darauf: Stararchitekt Daniel Libeskind hat sich intensiv mit Prora auseinander gesetzt – und warnt in der Dokumentation: Prora verkörpert die Erniedrigung des Menschen, degradiert ihn zur bloßen Ressource. Dieses Gebäude ist das gebaute Böse, sagt Libeskind. Es lebendig werden zu lassen, lässt auch seinen bösen Zweck wieder lebendig werden. In der Dokumentation kommen Menschen zu Wort, die Prora am liebsten gesprengt hätten, noch bevor es 1994 denkmalgeschützt wurde, aber auch ehemals in Prora kasernierte Bausoldaten, die in Prora mittlerweile eine Eigentumswohnung besitzen. Was hat der Bau mit den Menschen gemacht?

Mo, 28. Sep · 23:55-01:19 · arte
Hannas Garten

Hanna hat ihr Leben lang im Kibbuz gelebt und gearbeitet. Auch mit ihren 80 Jahren fühlt sie sich nicht zu alt für die landwirtschaftliche Arbeit und möchte bei jeder Gelegenheit mithelfen. Doch seit sie in Rente ist, ist sie nicht mehr versichert, und so darf sie weder Sträucher stutzen noch Laub rechen. Man rät ihr sogar, ins Altersheim zu gehen. Starrköpfig arbeitet Hanna heimlich nachts weiter, um sich nicht völlig nutzlos zu fühlen. Aber der Kibbuz steht vor der Pleite und muss, nach Ansicht der jüngeren Generation, dringend reformiert werden. Hannas Tochter Yaël hat inzwischen das Ruder in die Hand genommen und treibt die Privatisierung der Kommune voran, um sie wirtschaftlich konkurrenzfähig zu machen. Doch für Hanna und ihre gleichaltrigen Freunde verstößt es gegen ihre Prinzipien, private Konten zu eröffnen, Arbeitsplätze abzubauen oder die kollektive Kantine zu schließen. Sie haben immer nach dem Motto „Jeder tut so viel er kann und bekommt das zurück, was er braucht“ gelebt. Machtlos müssen die Gründungsmitglieder des Kibbuz nun mitansehen, wie die sozialistischen Ideale ihrer Jugend den Werten der westlichen Welt Platz machen. Nur im Archiv, das vom alten Shimon geleitet wird, bleiben die Erinnerungen an die besseren Tage erhalten. Ein sensibler Film, der über den Konflikt zweier Generationen und die durch ihn verursachte Einsamkeit der Alten berichtet. Mit wenig Dialog und zahlreichen Naturaufnahmen gelingt es der jungen Regisseurin Hadar Friedlich, ein eindrückliches Drama zu schaffen, eine Hommage an eine alte Frau, die um ihre Ideale kämpft.

Di, 29. Sep · 00:50-02:45 · MDR Sachsen
Max Schmeling

Kreta, 1943. Der verwundete Wehrmachtssoldat Max Schmeling (Henry Maske) soll einen englischen Kriegsgefangenen überführen. Dieser erweist sich als Liebhaber des Boxsportes, worauf Schmeling ihm die wechselhafte Geschichte seiner sportlichen Karriere erzählt: Im Juni 1930 wird der Profiboxer erstmals Weltmeister, doch zu Hause empfängt man ihn als gefühlten Verlierer, da sein Gegner Jack Sharkey (Enad Licina) wegen Tiefschlags disqualifiziert wurde. Erst mit der Verteidigung des Titels gegen Young Stribling (Alexander Frenkel) avanciert „der schwarze Ulan von Rhein“ zum Idol. Selbst die Niederlage im Rückkampf gegen Sharkey, dem die Ringrichter in einem Skandalurteil den Titel zusprechen, schmälert seine Popularität nicht. Deshalb will Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten (Arved Birnbaum) den Modellathleten für die Nazi-Propaganda einspannen. Man drängt ihn, seine tschechische Frau Anny Ondra (Susanne Wuest) und den jüdischen Promoter Joe Jacobs (Vladimir Weigl) zu verlassen. Gegen den bislang ungeschlagenen „braunen Bomber“ Joe Louis (Yoan Pablo Hernández) gelingt dem deutschen Boxer indessen die große Sensation: Für Schmeling ist es ein rein sportlicher Triumph – doch die Nazis verklären seinen Sieg zur Überlegenheit der „arischen Rasse“. Entsprechend fällt Schmeling durch die unerwartete Niederlage im Rückkampf in Ungnade. Man versetzt ihn an die Front und hofft, dass er fällt – doch Schmeling lässt sich nicht unterkriegen. Mit Hilfe seines langjährigen Trainers Max Machon (Heino Ferch) gelingt ihm 1948 sogar das Comeback. Den sportlichen Zenit hat der über 40-Jährige aber längst überschritten. Auch die Gegner sind keine zaghaften Sparringspartner: der frühere Junioren-Weltmeister Yoan Pablo Hernández, der aktive Champion Arthur Abraham, Cruisergewichts-Europameister Alexander Frenkel und der langjährige Profi Enad Licina geben den Kampfszenen authentische Durchschlagskraft. Auf Zeitlupen und Hollywoodpathos kann der Film also getrost verzichten, man sieht Boxen pur. Das MDR-Fernsehen sendet den Film zum 110. Geburtstag der deutschen Boxlegende.

Di, 29. Sep · 02:35-03:45 · arte
Schildkrötenwut

Ein Mann – es ist der Vater der damals zwölfjährigen Filmemacherin Pary El-Qalqili – verlässt seine Familie und kehrt aus Deutschland nach Palästina zurück. Dort will er sich den Traum eines eigenen Hauses erfüllen und für die Freiheit Palästinas kämpfen. Doch soweit kommt es nicht. Israel weist ihn aus. So kehrt er nach Deutschland zurück. Seine Familie nimmt ihn wieder auf. Doch der Mann zieht sich in den Keller des Hauses zurück: „Wie eine Schildkröte zurückgezogen in seinem Panzer“, so die Filmemacherin. Die Familie lebt im Nebeneinander. Es gibt keinen Streit, nur Stille. Die Kommunikation der Eheleute ist auf ein Minimum reduziert. Doch dann beginnt die Tochter, ihrem Vater Fragen zu stellen. Sie versucht, sein Schweigen zu ergründen. Es kommt die Geschichte eines Mannes mit vielen Rätseln zutage, dessen Leben geprägt ist von Flucht und Vertreibung, dem Leben im Exil und der gescheiterten Rückkehr nach Palästina. Eine Biografie, die vom israelisch-palästinensischen Konflikt zerrissen ist. Die drängende Suche einer Tochter nach Antworten führt zu einer Reise von Vater und Tochter durch Ägypten, Israel, Palästina und Jordanien. Es gibt Streit am Flughafen, einsame Nächte in Hotels und Verhandlungen an verlassenen Tankstellen. Und es gibt die Erkenntnis, dass ein Denken in Opfer und Täter, Gut und Böse, Schwarz und Weiß unmöglich ist.

Di, 29. Sep · 21:45-22:15 · MDR Sachsen
Zugang verboten – das Olympische Dorf von 1936

Einst wurde ein Dorf gebaut, um Deutschland als friedliebendes, offenes Land zu präsentieren. Eine aufstrebende Nation wollte der Welt ein Spektakel der Superlative bieten: die Olympischen Spiele von 1936. Das dazugehörige „Olympische Dorf des Friedens“ bei Döberitz, wenige Kilometer westlich von Berlin, sollte bei der Inszenierung einen gewichtigen Part spielen. Von Anfang an war jedoch alles Lüge, Fassade, Propaganda. Schon der Bauherr des Olympischen Dorfes war verräterisch: die Deutsche Wehrmacht. Bereits zu Baubeginn stand fest, hier entsteht eine Kaserne. Einst wurde ein Dorf gebaut, um Deutschland als friedliebendes, offenes Land zu präsentieren. Eine aufstrebende Nation wollte der Welt ein Spektakel der Superlative bieten: die Olympischen Spiele von 1936. Das dazugehörige „Olympische Dorf des Friedens“ bei Döberitz, wenige Kilometer westlich von Berlin, sollte bei der Inszenierung einen gewichtigen Part spielen. Von Anfang an war jedoch alles Lüge, Fassade, Propaganda. Schon der Bauherr des Olympischen Dorfes war verräterisch: die Deutsche Wehrmacht. Bereits zu Baubeginn stand fest, hier entsteht eine Kaserne. Wenige Tage, nachdem im August 1936 der letzte Sportler das Dorf wieder verlassen hatte, zogen auch die ersten Wehrmachtssoldaten ein. Das Olympiadorf mutierte zur gesperrten Zone. Zugang verboten! Dabei blieb es in den folgenden 60 Jahren, bis 1996. Im 2. Weltkrieg diente das Olympische Dorf als Lazarett. Nach dem Krieg zogen für einige Zeit Flüchtlinge ein. Dann übernahm die Rote Armee die Gebäude. Wieder war der Zugang verboten. Niemand erfuhr in den folgenden Jahrzehnten, was sich hinter den Mauern abspielte. Nach dem Abzug der Russischen Truppen 1992, blieb ein Geisterdorf zurück, dem Verfall und dem Vandalismus preisgegeben. Heute befindet sich das gesamte Gelände im Besitz einer Stiftung. Die Gebäude sollen Stück für Stück restauriert werden und die Geschichte des Areals wird erschlossen und der Öffentlichkeit präsentiert. Axel Bulthaupt geht in den Ruinen des Olympischen Dorfes der spannenden Geschichte der Olympiade von 1936 nach, die mit der Vereinnahmung eines Weltsportereignisses durch die Nazi-Ideologie begann. Wie entstand das Olympische Dorf? Was spielte sich hier wirklich ab? Was geschah zur Zeit der Besetzung durch die Rote Armee? Welche Ideen werden heute in dem Denkmal geschützten Areal verwirklicht?

Mi, 30. Sep · 00:40-01:32 · arte
Milliarden für den Stillstand – Die Rolle der EU im Nahostkonflikt

Palästina erhält so hohe Summen an Hilfsgeldern wie kaum eine andere Region der Welt. Ihr Zweck: Hilfe beim Aufbau eines unabhängigen Staates. Doch ein Staat Palästina ist ferner denn je, und die Situation in den besetzten Gebieten spitzt sich katastrophal zu. Die EU schickt Unsummen und ersetzt damit Politik durch Geld. Befördert die EU so den Stillstand im Friedensprozess? Seit den beiden Oslo-Abkommen von 1993 und 1995 sind über 25 Milliarden US-Dollar in die besetzten palästinensischen Gebiete geflossen. Traditionell größter Geber ist die EU. Zweck der Hilfe: der Aufbau eines unabhängigen, demokratischen Staates Palästina, der Seite an Seite und in dauerhaftem Frieden mit Israel existiert, und eine nachhaltige wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Die Bilanz nach gut 20 Jahren ist vernichtend: Ein unabhängiger Staat Palästina scheint ferner denn je und die Situation in den besetzten Gebieten ist in vielerlei Hinsicht schlechter als vor Oslo. Die Hälfte der Bevölkerung lebt in Armut, die Arbeitslosigkeit liegt bei rund 25 Prozent und nur ein Bruchteil des Westjordanlands steht heute unter alleiniger palästinensischer Kontrolle. Auch die den Palästinensern zur Verfügung stehenden Wasserressourcen sind heute nicht größer, sondern weitaus geringer als vor Oslo – trotz der Milliarden von Hilfsgeldern, die in den Wassersektor geflossen sind. Über 20 Jahre später ist die Besatzung nicht beendet, sondern verhärtet, und das nicht trotz, sondern mit der Hilfe der Geber, sagen Kritiker. Der Dokumentarfilm untersucht die Geberpolitik und Hilfsprojekte und fragt nach der Rolle der EU in Nahost. „Payer, no player“ – Geldgeber, aber kein politischer Akteur – lautet mittlerweile ein geflügeltes Wort in den besetzten palästinensischen Gebieten, auch innerhalb diplomatischer Kreise. „Setzt der europäischen Heuchelei ein Ende“, fordert der ehemalige EU-Sonderbeauftragte für den Nahost-Friedensprozess, Miguel Angel Moratinos. Ansonsten würde sehr bald die große Chance auf Frieden verpasst.