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Die wirklichen Grenzen, die man überwachen sollte, sind die Schulen

In einem Artikel, der am 27. Juni 2015 auf der französisch-algerischen Gemeinschaftswebsite Chouf Chouf publiziert wurde, fragt der algerische Dramaturg Mohamed Kacime „Wo ist er, der wahre Islam?“. Bezugnehmend auf das Massaker in Sousse, fragt er, wo befindet sich der „wahre Islam“, der von seinen Verteidigern erwähnt wird gegenüber den Attentaten, die man in seinem Namen verübt. „…Es gibt einen reinen, jungfrauhaften, unbefleckten Islam irgendwo versteckt von der Praxis von Milliarden Gläubigen…“

Mohamed Kacimi
Übersetzt aus dem Französischen von Karl Pfeifer

Nach jedem Attentat, nach jedem Massaker, nach jeder Enthauptung, laufen die Islamsachverständigen, die Spezialisten, die Orientalisten, die Experten für den Islamischen Staat zur Bühne, um uns zu erklären, der Schrecken vor unseren Augen, die Frauen, die am Markt verkauft werden, die Badenden, die erschossen, die Christen, die gekreuzigt werden, all das hat nichts zu tun mit dem Islam.

Der Terrorismus sei ein Fremdkörper für diese Religion. Der Islam ist nicht schuldig für die Schrecken, die er täglich erzeugt. Diese Erklärung finden wir auch bei den meisten der guten „Muslimen“; „Ach nein, das was sie dort sehen hat nichts zu tun mit dem Islam“. „Ach nein, die Mörder sind keine Tunesier“; „Überhaupt nicht: Die IS-Kämpfer sind alle Juden und Australier“.

Der „wahre Islam“ hat damit nichts zu tun, er ist „Liebe, Zärtlichkeit und Schönheit“. Der „wirkliche Islam“ ist fast unschuldig, für die Gläubigen fremd. Wenn man sie anhört, dann existierte ein reiner, jungfräulicher, unbefleckter Islam, irgendwo versteckt von der Praxis von Milliarden Gläubigen, der in perfektem Gegensatz zum alltäglichen Islam wäre. Man wäre glücklich, eines Tages die Adresse oder den Weg dorthin [zu erhalten]. Oder wäre es an der Zeit, zuzugeben, dass diese Milliarden Muslime heute eine falsche Religion haben und dass es dringend nötig wäre, dass sie alle dieser abschwören.

„Nein, die islamistische Gewalt fällt heute nicht vom Himmel“

Sie kommt weder von der CIA noch vom Mossad. Sie ist in der historischen, politischen und kulturellen Genealogie dieser Religion enthalten, sie ist Teil ihrer Rechtsprechung und ihrer heiligen Texte, ihrer Weltsicht. Sicher es gibt keine Religion, die an sich gewalttätig ist. Die Religiösen, das ist ein Gleichgewicht zwischen der Gewalt und der Verhandlung. Doch die Islamisten, der Islamismus ist kein Fremder für den Islam und die Gesellschaft, die er imprägniert und beherrscht. Sie sind der Ausdruck für einen Gedanken und eine Vision, die es seit der islamischen Frühzeit gibt.

So wie gewisse [Leute] in Frankreich versuchten die Einwanderung zu belasten nach dem Charlie Massaker, so zeigen alle in Tunesien mit dem Zeigefinger auf Libyen. Sicher das Land ist ein gehöriges Pulverfass, aber das libysche Chaos allein kann nicht die tunesische Katastrophe erklären. Die Mörder kamen nicht aus Tripoli sondern aus Kairouan und eher als den Splitter im Auge des Nachbars zu sehen, wäre es an der Zeit, vor seiner eigenen Türe zu kehren.
Wenn ein Polizeioffizier, im Namen des Islams ein junges Mädchen verprügelt, weil es während dess Ramadans einen Kaffee trank, dann gibt er einem Jungen grünes Licht, eine Karikatur zu zeichnen über die Koufars, die Ungläubigen, die sich während des heiligen Monats bräunen lassen. Wenn die nationale Polizei sich bemüht, die Scharia anzuwenden, dann soll man sich nicht wundern, wenn die Schwärmer sie übertreffen wollen. Die Aggression in Monastir, ob man es will oder nicht, hat die Barbarei in Sousse möglich gemacht.

„Das Böse kommt nicht aus Libyen oder von anderswo, es kommt aus den Tiefen der Gesellschaft, deren Kinder manchmal Loblieder auf Hitler singen und die applaudieren zu den Aktionen des Islamischen Staates.“

All das tut dem Westen Weh oder macht ihm Angst und ist gesegnetes Brot für die Kinder des Islam. Die wirklichen Grenzen, die man überwachen muss, sind die Schulen. Wir waren vor ein paar Wochen in Tunis, vor der Kathedrale Saint-Vincent de Paul, dort war eine Gruppe von Heranwachsenden, eher von den schicken Viertel. Sie hielten vor der Kirche an, um auszurufen: „Aber das ist doch ein Haus der Koufar, ( der Ungläubigen) was macht es hier?“

Wenn eine Religion ihren Kindern lehrt, dass diejenigen, die nicht den gleichen Gott verehren wie sie selbst „Kriminelle“ sind, muss man nicht überrascht sein, wenn diese Kinder die Waffen nehmen, um diese „Kriminellen“, die schuldig sind, ihren Allah und seinen Propheten nicht zu lieben, lächelnd liquidieren.

Quelle: http://www.memri.fr/2015/07/09/lecrivain-algerien-mohamed-kacimi-les-veritables-frontieres-quil-faut-surveiller-ce-sont-les-ecoles/.