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Die Sommer-Fernsehtipps

Vom 16. bis 31. Juli 2015…

Do, 16. Jul · 21:45-22:15 · PHOENIX
Politik, Prominenz und Luxus – Das Hotel Astoria in der DDR

Es war ein grandioser Ort – modern, elegant und luxuriös. Zur Eröffnung vor fast einhundert Jahren war es das nobelste Wahrzeichen Leipzigs und lange Zeit das erste Haus am Platz: das Hotel Astoria. Nun steht es leer und ist dem Verfall preisgegeben. Axel Bulthaupt kehrt mit ehemaligen Mitarbeitern an deren einstige Wirkungsstätte zurück. Er erkundet die Geschichte des Hauses und seiner Gäste vom Kaiserreich bis zu seiner Schließung.Im Herzen Leipzigs, direkt neben dem Hauptbahnhof, steht eines der imposantesten Bauwerke der Stadt: das Hotel Astoria. Nur wenig erinnert heute an den Glanz dieses Ortes, der über mehr als 80 Jahre die Elite aus Politik, Wirtschaft und Kultur beherbergte. Für Axel Bulthaupt öffnen sich noch einmal die Türen des einstigen Grand Hotels. Ein Grand Hotel für die Handelsmetropole Vor fast einhundert Jahren, im Jahr 1915, öffnet das Astoria zum ersten Mal seine prachtvollen Türen. Ausgestattet mit Konzert- und Tanzcafé, einer noblen Hallenbar, Salons, Konferenz- und Gesellschaftsräumen sowie prachtvollen Restaurants bietet es nahezu 500 Gästen eine luxuriöse Unterkunft. Das Astoria ist das erste Grand Hotel der Messestadt. Entworfen haben den Hotelbau die beiden Architekten William Lossow und Max Hans Kühne. Nach Kühnes Entwurf entsteht in dieser Zeit auch der Leipziger Hauptbahnhof und so bilden beide Gebäude ein Ensemble. Sowohl Bahnhof als auch Grand Hotel werden in Leipzig dringend gebraucht, denn die Stadt ist die Handelsmetropole des Kaiserreichs. Allein die weltbekannten Pelzauktionen locken jedes Jahr noble Klientel nach Leipzig – und nun ins Hotel Astoria.Arisierung als Hotel für den Führer Mit dem Dritten Reich beginnt auch für das Hotel Astoria ein dunkles Kapitel. Die Leipziger Nationalsozialisten sind auf der Suche nach einem Ort, an dem der Führer bei einem Besuch in der Stadt residieren könnte. Das Astoria gehört jedoch dem jüdischen Bauunternehmer Carl Ottokar Cohn. Mit deutscher Gründlichkeit wird die Arisierung des Hotels betrieben. Cohn gibt nach zahlreichen Verhaftungen und Schikanen nach und verkauft das Hotel weit unter Wert an die Nazis. So rettet er sich vor dem KZ Buchenwald und überlebt den Holocaust in London. Adolf Hitler übernachtet allerdings kein einziges Mal in Leipzigs Grand Hotel. Bei einem Bombenangriff 1943 wird das Astoria schwer beschädigt. Nach dem Krieg beginnt der Wiederaufbau, West- und Südflügel müssen komplett neu errichtet werden und die Kapazität wird sogar auf 350 Zimmer erhöht. Sozialistischer Fortschritt im Interhotel Auch in der DDR gehört das Astoria zu den Spitzenhotels. Betrieben wird es von der Interhotelkette, die das Haus 1970 komplett saniert. Das Astoria ist das einzige von der Regierung genutzte Hotel der Stadt und so herrscht zur Leipziger Messe zweimal im Jahr Ausnahmezustand. Denn die DDR-Regierung nutzt die Messe regelmäßig zur positiven Selbstdarstellung. Dürfen sonst auch „normale“ DDR-Bürger ins Hotel, ist es während der Messe den Mitgliedern des Zentralkommitees vorbehalten. Die Staatssicherheit „residiert“ hingegen immer im Astoria. Gleich mehrere Zimmer haben die Spione reserviert und spähen die Gäste und ihre „Begleiterinnen“ aus. Denn besonders zur Pelzmesse blüht auch das amouröse Geschäft im Astoria und seiner „Pelzklause“ oder der Nachtbar.Die Wende zum Ende Von der Goldgräberstimmung der Wendezeit profitiert am Anfang auch das Astoria. Mehr als neunzig Prozent Auslastung mit Vertretern großer Firmen und kleinen Geschäftsleuten machen Hoffnung auf eine rosige Zukunft.

Fr, 17. Jul · 13:15-13:45 · PHOENIX
Der Sohn des Nazis

Die Geschichte des Bernd Wollschlaeger klingt unglaublich. 1958 im beschaulichen Bamberg geboren, ist für den kleinen Bernd die Welt zunächst noch in Ordnung. Allenfalls die Besuche der Kriegskameraden seines Vaters, bei denen die „gute alte Zeit“ beschworen wird, kommen ihm merkwürdig vor. Als er in der Schule dann zum ersten Mal vom Holocaust hört, beginnt er endgültig Fragen zu stellen. Was er dabei erfährt, erschüttert ihn bis ins Mark. Bernds Vater war ein überzeugter Nazi, der als Panzerkommandant überall an vorderster Front seine Angriffe fuhr: beim Einmarsch in Polen, bei der Besetzung Frankreichs wie bei der Invasion Russlands. Das Ritterkreuz, das „sein Führer“ ihm dafür angeheftet hat, hütet er wie ein Heiligtum. Bernd Wollschlaeger knüpft Kontakte zur kleinen jüdischen Gemeinde in Bamberg. Sie wird seine zweite Familie, bis ihm sein Vater ein Ultimatum stellt: „Sie oder wir“. Zur Entscheidung gedrängt, trennt sich Wollschlaeger von seiner Familie. Er tritt zum Judentum über, emigriert nach Israel, wird Arzt und wandert schließlich in die USA weiter. Seine Familiengeschichte macht er selbst gegenüber seiner Frau und seinen Kindern zunächst zum Tabu, hält sie für seine Privatsache. Inzwischen allerdings ist der Kampf gegen Rassenhass und für eine Verständigung zwischen den Völkern und Religionen Bernd Wollschlaegers großes Thema geworden. Vor dem Hintergrund seiner eigenen Geschichte hält er dazu überall auf der Welt leidenschaftliche Vorträge. Nur dort, wo diese Geschichte vor über 30 Jahren begann, hat er sie noch nie erzählt: in Deutschland. Fast 70 Jahre nach dem Holocaust und in einer Zeit, in der überall in Europa ein neuer Antisemitismus ausbricht, hat Filmautor Uri Schneider jetzt Bernd Wollschlaeger in seine Heimatstadt Bamberg zurückgebracht. Entstanden ist dabei ein Film über eine Reise voller überraschender Begegnungen: Wollschlaegers Schwester Helga wollte die Wahrheit über ihren Vater nie wissen: die Beschäftigung mit der Vergangenheit hilft ihr, eine neue Beziehung zu ihrem Bruder aufzubauen. In einer Bamberger Schule spricht Wollschlaeger vor Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft: sie können überhaupt nicht verstehen, was Fremdenhass bedeutet. Und ein Militärexperte enthüllt schließlich ein bis dahin gehütetes Geheimnis: Kriegskameraden von Bernd Wollschlaegers Vater haben für Juden heilige Torahrollen zerschnitten, um mit ihnen ausgerechnet die Vergaser ihrer Panzermotoren abzudichten. Mit „Der Sohn des Nazis“ zeichnet der Filmemacher Uri Schneider das Portrait eines Menschen, der mit den Dämonen der Vergangenheit ringt – bis heute.

Sa, 18. Jul · 21:45-23:30 · WDR
Hannah Arendt

Als Hannah Arendt 1961 in Jerusalem den Gerichtssaal betritt, um für den renommierten The New Yorker über den Prozess gegen den Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann zu berichten, erwartet sie, auf ein Monster zu treffen. Stattdessen erlebt sie einen Niemand. Die geistlose Mittelmäßigkeit Eichmanns passt nicht zum abgrundtief Bösen seiner Taten. Dieser Widerspruch beschäftigt Hannah Arendt sehr. Zurück in New York liest sie hunderte Prozessakten, recherchiert, diskutiert mit ihrem Mann Heinrich Blücher und ihren Freunden. Ab Februar 1963 erscheint unter dem Titel „Eichmann in Jerusalem“ ihre Artikelserie im The New Yorker. Mit ihrer These von der „Banalität des Bösen“ schockiert Arendt die Welt. Die Reaktionen sind verheerend und niederschmetternd. Hannah Arendt wird geächtet, angefeindet, verliert enge Freunde. Das Unverständnis einiger ihrer Freunde trifft sie hart, weniger die Hetzkampagnen, die zahlreiche Medien entfachen. Dennoch bleibt sie konsequent bei ihrer Haltung, sie kämpft und scheut keine Auseinandersetzung, wenn es um für sie so wichtige Themen wie Totalitarismus und Macht geht. Denn sie will verstehen. Auch wenn das bedeutet, „dahin zu denken, wo es weh tut“. Margarethe von Trotta gelingt eine faszinierende Annäherung an das Hauptwerk der jüdischen Theoretikerin und Publizistin Hannah Arendt. Die sensible Filmbiografie mit der großartigen Barbara Sukowa in der Titelrolle verdeutlicht, warum die Frage nach dem Holocaust immer wieder neu gestellt werden muss.

Sa, 18. Jul · 23:05-00:55 · RBB Berlin
Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat

Deutschland, 1944. Der Zweite Weltkrieg hat das Land zutiefst erschüttert. Um der Herrschaft der Nazis ein Ende zu setzen, plant eine Gruppe von Offizieren die Ermordung Adolf Hitlers. Akribisch bereiten sie den Anschlag vor. Nichts soll dem Zufall überlassen bleiben. Der hochdekorierte Offizier Claus von Stauffenberg übernimmt die riskante Aufgabe, die Bombe im Konferenzraum von Hitlers Hauptquartier zu deponieren. Die Männer wissen, dass es danach kein Zurück mehr gibt. Doch am 20. Juli, dem Tag des Anschlags, kommt alles anders als geplant. Während des Zweiten Weltkriegs wird der Wehrmachts-Offizier Claus von Stauffenberg (Tom Cruise) 1943 in Tunesien schwer verwundet. Er verliert sein linkes Auge, seine rechte Hand – und die letzten Illusionen über den Sinn dieses Krieges. Zurück in Deutschland, nimmt General Olbrich (Bill Nighy) Kontakt zu ihm auf: Er möchte Stauffenberg dazu bewegen, eine Gruppe abtrünniger Offiziere bei einem Attentat auf Adolf Hitler (David Bamber) zu unterstützen. Zu den Verschwörern gehören unter anderem Generalmajor Henning von Tresckow (Kenneth Branagh), General Ludwig Beck (Terrence Stamp) und Olbrich selbst. Stauffenberg schließt sich der Gruppe an, stellt aber entsetzt fest, dass es keinerlei Pläne für die Zeit nach Hitlers Tod gibt. Wer soll die Armee und die mächtigen Gefolgsleute des Führers bei der SS unter Kontrolle halten? In den folgenden Monaten tüfteln die Männer unter Stauffenbergs Anleitung einen Plan zur Machtübernahme aus. Dabei wollen sie das Regime mit seinen eigenen Waffen schlagen: Nach dem erfolgreichen Attentat soll Hitlers Notstandsplan „Walküre“ in Kraft treten, der den Einsatz einer Reservearmee vorsieht. Dadurch wollen die Putschisten eine Machtergreifung der SS verhindern. Sie schreiben die Befehle des Notstandsplans zu ihren Zwecken um. In einer wagemutigen Aktion kann Stauffenberg Hitler zum Unterzeichnen des verfälschten Dokuments bewegen. Alles scheint nach Plan zu laufen, das Datum des Anschlags rückt näher. Stauffenberg selbst will die Kofferbombe im Konferenzraum von Hitlers Hauptquartier, der „Wolfsschanze“, deponieren. Ein erster Versuch am 15. Juli 1944 misslingt – in letzter Sekunde können die Attentäter ihre Entdeckung verhindern. Nur fünf Tage später versuchen sie es erneut. Obwohl Hitlers Besprechung überraschend in einem anderen Raum stattfindet, für den die Bombe zu schwach sein könnte, geht Stauffenberg das Risiko ein.

Sa, 18. Jul · 23:05-00:35 · SWR BW
Stauffenberg – 20. Juli 1944

Lange Nacht zum Widerstand * Claus Schenk Graf von Stauffenberg hat einen weiten Weg zurückgelegt vom jungen Offizier, der sich für den neuen Reichskanzler Hitler begeistern kann und der seiner Frau staatstragende Briefe aus dem Polenfeldzug schreibt. Oberst Henning von Tresckow gehört zu denen, die ihm die Augen über die Kriegsverbrechen der Deutschen hinter der Front des Russlandfeldzugs öffnen – und die Ohren für leidvolle Berichte wie den der jungen Polja von der Auslöschung ihres Dorfes. Stauffenberg gelangt bald zu der Überzeugung, dass es seine Pflicht ist, an der Beseitigung Hitlers mitzuwirken. 21. Juli 1944, 0.15 Uhr: Mit dem Ruf „Es lebe unser heiliges Deutschland“ auf den Lippen stirbt Claus Schenk Graf von Stauffenberg in der Gewehrsalve eines Wachbataillons. Stauffenberg hat einen weiten Weg zurückgelegt vom jungen, von seinem Beruf begeisterten Offizier, der sich, mit Nina von Lerchenfeld frisch verlobt, am Anblick des neuen Reichskanzlers Hitler begeistern kann und der, überzeugt von den deutschen Kriegszielen, seiner Frau staatstragende Briefe aus dem Polenfeldzug schreibt. Oberst Henning von Tresckow gehört zu denen, die ihm die Augen über die Kriegsverbrechen der Deutschen hinter der Front des Russlandfeldzugs öffnen – und die Ohren für leidvolle Bericht wie den der jungen Polja von der Auslöschung ihres Dorfes. Aus dem sinnlosen Schlachten der Rückzugsgefechte in Tunesien wir Stauffenberg schwer verletzt ins Lazarett nach München gebracht. Nina muss ihm mitteilen, dass er nicht nur ein Auge, sondern auch die rechte Hand und zwei Finger der linken verloren hat. Nina hat Angst, es zu hören, aber Stauffenberg ist inzwischen überzeugt, dass es seine Pflicht ist, an der Beseitigung Hitlers mitzuwirken. Und es gibt im Militär inzwischen auch andere, die dieser Meinung sind. Gemeinsam mit ihnen bereitet Stauffenberg das Attentat und den Staatsstreich zur Übernahme der Regierung nach Hitlers Tod vor. Von diesem „Aufstand des Gewissens“ und der Tat des Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg, dem Attentäter des 20. Juli 1944, erzählt der Film. Trotz seiner schweren Kriegsverletzungen spielte er eine der entscheidendsten Rollen in der Durchführung des geplanten Umsturzes. Durch seine Berufung zum Chef des Stabes beim Befehlshaber des Ersatzheeres Generaloberst Friedrich Fromm, bot sich ihm die seltene Gelegenheit, bei einer Lagebesprechung in der „Wolfschanze“ nahe an Hitler heranzukommen und eine Bombe zu zünden. Als Chef des Stabes verfügte er auch über die nötige Autorität und Handelsfreiheit, nach Hitlers Tod das Machtvakuum zu nutzen und mit dem Ersatzheer den eigentlichen Staatsstreich durchzuführen. Am 20. Juli 1944 kommen Stauffenberg und sein Adjutant Oberleutnant Werner von Haeften um 10.00 Uhr auf dem Flugplatz in Rastenburg an. In der Aktentasche führen sie unbemerkt zwei Bomben mit sich. Unter größter Gefahr entdeckt zu werden, ziehen sich Haeften und Stauffenberg in ein Zimmer zurück, um die Bomben zu präparieren, bevor es zu Hitler geht. Es klopft an der Tür und Stauffenberg wird zur Eile gedrängt. Nur in letzter Sekunde gelingt es ihm, wenigstens eine der beiden Bomben scharf zu machen und wieder in der Aktentasche zu verstauen. Im Besprechungsraum platziert er die Tasche so nah wie möglich bei Hitler und verlässt, eine Entschuldigung murmelnd, das Zimmer. Draußen wartet das Auto mit Haeften. Die Bombe detoniert mit voller Wucht, überall Trümmer, Rauchschwaden und Verletzte, in der Baracke kann unmöglich jemand überlebt haben. Stauffenberg erteilt dem Mitverschwörer General Erich Fellgiebel die Anweisung, umgehend das gelungene Attentat nach Berlin zu melden, danach alle Verbindungen zu kappen. Stauffenberg muss sofort nach Berlin, um den zweiten Teil der Operation durchzuführen. „Walküre“ soll ausgerufen werden, ein Plan gegen innere Unruhen, bei dem das Ersatzheer die Regierungsgewalt übernehmen soll. Doch als Stauffenberg zwei Stunden später in Berlin landet, ist alles merkwürdig ruhig. „Es ist etwas Schreckliches geschehen, Hitler lebt!“ – So lautet die Nachricht von Fellgiebel aus der „Wolfschanze“ nach Berlin. In der Bendlerstraße, dem Zentrum der Aktion, ist man verunsichert, doch es gibt kein Zurück.

So, 19. Jul · 00:35-01:05 · SWR BW
Georg Elser – Das misslungene Attentat

Am 8. November 1939 versucht ein Mann Adolf Hitler zu töten. Seine Bombe verfehlt Hitler um 13 Minuten. Der Mann hieß Georg Elser. Wer war Georg Elser? Kaum ein Schulbuch, kaum ein Nachschlagewerk erwähnt diesen Mann, der 1939 schon sagt: „Ich wollte größeres Blutvergießen verhindern“. Und sein Heimatort hat 50 Jahre gebraucht, um ein verschämtes Täfelchen an eine Hausecke zu nageln: Königsbronn an der Brenz, zwischen Aalen und Heidenheim. „Er hat nichts rechts geschafft“ oder „er hatte Frauengeschichten“ – so reden viele noch heute über den Schreiner aus ihrem Ort. Hinter vorgehaltener Hand. Die Wunden sind noch nicht vernarbt, die Schmach ist noch nicht vergessen: Die Gestapo im Ort, die Verhöre und das Siegel „Attentatshausen“. Dennoch haben es ein junger Bürgermeister und ein paar Unermüdliche geschafft, daß am 2. Januar 1998 ein Elser-Museum eingeweiht werden kann. Die Gedenkstätte des Deutschen Widerstands in Berlin hat mit Dokumenten, Fotos und Erinnerungsstücken eine Ausstellung zusammengetragen, die sie Königsbronn als Dauerleihgabe vermacht. Das haben Eva Witte und ein Kamerateam zum Anlaß genommen, in Elsers Heimat nach Elser zu suchen. Es war nicht leicht an den Ort des Schweigens das Reden zu bringen. Aber schließlich konnten sie doch ein Mosaik über den Zitherspieler, den Uhren-Baschtler, ja – und den Widerstandskämpfer – zusammenstellen.

So, 19. Jul · 01:05-01:35 · SWR BW
Der Baron und die Bombe – Sprengstoff für den 20. Juli

Am 20. Juli 1944 explodierte die Bombe, die Adolf Hitler töten sollte, gezündet von Claus Graf Schenk von Stauffenberg. Den Sprengstoff lieferte der 2008 verstorbene Philipp Freiherr von Boeselager. Das filmische Portrait von Christian Pricelius und Tim Lienhard begleitet ihn in seinem letzten Lebensjahr bei Führungen durch seine Burganlage, auf Reisen zu seinen adeligen Verwandten bis hin nach Polen. Philipp von Boeselager lebte zuletzt in Kreuzberg neben der alten Burg aus Familienbesitz an der romantischen Ahr in Rheinland-Pfalz. Bei einem Besuch der Schwiegertochter Praxedis auf der Burganlage wird ein Blick auf die Familiengeschichte und die Geschichte der Burg geworfen. Auf der Jagd beschreibt der ehemalige Elitesoldat Ähnlichkeiten zwischen Kriegskunst und Jagdtechnik. Die Erfahrungen des ehemaligen Majors der Kavallerie leben wieder auf, als er den Reiterhof seiner Tochter Monica Gräfin Adelmann im niedersächsischen Hasperde besucht. Boeselager verkörperte den Menschenschlag eines Offiziers der Kavallerie, der in unserer Zeit nicht mehr zu finden ist: klare und kurze Wortwahl, Höflichkeit, Haltung und Religiosität prägen sein Auftreten. Boeselager hat als Ordonnanzoffizier Generalfeldmarschall von Kluges mehrmals Adolf Hitler persönlich getroffen.

So, 19. Jul · 01:35-02:20 · SWR BW
Pater Delp – Ein Jesuit im Widerstand

Lange Nacht zum Widerstand * Die Augen nicht zu schließen vor der drohenden Gefahr, nicht zu schweigen zum Unrecht – mit dieser Überzeugung hat Pater Alfred Delp gelebt, für sie ging der Jesuit mit 37 Jahren in den Tod. Sein größtes Verbrechen war, nicht an den Endsieg geglaubt und sich an den Plänen für ein neues Deutschland nach Hitler beteiligt zu haben. 1942 hatte Graf Moltke den Jesuitenorden gebeten, ihm einen Soziologen zu benennen, der im Kreisauer Kreis am Entwurf einer christlichen Sozialordnung mitarbeitet. Die Wahl fiel auf Alfred Delp. Die Augen nicht zu schließen vor der drohenden Gefahr, nicht zu schweigen zum Unrecht – mit dieser Überzeugung hat Pater Alfred Delp gelebt, für sie ging der Jesuit mit 37 Jahren in den Tod. Sein größtes Verbrechen war, nicht an den Endsieg geglaubt und sich an den Plänen für ein neues Deutschland nach Hitler beteiligt zu haben. 1942 hatte Graf Moltke den Jesuitenorden gebeten, ihm einen Soziologen zu benennen, der im Kreisauer Kreis am Entwurf einer christlichen Sozialordnung mitarbeitet. Die Wahl fiel auf Alfred Delp. Der Priester und Jesuit galt als scharfsinniger Theologe, der auch mit aufrüttelnder Kritik an seiner eigenen Kirche nicht sparte. Alfred Delp wurde 1944 in München von der Gestapo verhaftet. Er wurde verdächtigt, an der Verschwörung des 20. Juli beteiligt gewesen zu sein. Das Angebot seiner Freilassung, wenn er aus dem Jesuitenorden austrete, lehnte er ab. Die Dokumentation „Pater Delp – Ein Jesuit im Widerstand“ erinnert an den mutigen Jesuiten, der 1945 von den Nazis hingerichtet wurde.

So, 19. Jul · 01:35-03:25 · Das Erste (ARD)
Taking Woodstock – Der Beginn einer Legende

Das Woodstock-Festival, auf dem 1969 mehrere hunderttausend Menschen drei Tage friedlich feierten, gilt als Meilenstein der Popgeschichte. Mit spitzfindigem Humor schildert Regievirtuose Ang Lee das Megaereignis aus der Sicht eines jungen Mitveranstalters, der als Chaosbändiger inmitten des Ansturms von Hippies sein Coming Out erlebt. Der jüdische Einwanderersohn Elliot Teichberg (Demetri Martin) will eigentlich in New York Karriere als Dekorateur machen. Das vor der Zwangsversteigerung stehende Motel seiner kauzigen Eltern zwingt ihn jedoch im Sommer 1969 zur Rückkehr in sein Heimatdorf Bethel. In der Hoffnung, ein paar zahlende Besucher in das verschlafene Provinznest zu locken, organisiert er ein lokales Theaterfestival. Durch Zufall erfährt er, dass im Nachbarort Wallkill ein groß angekündigtes Open-Air-Konzert wegen Anwohnerprotesten untersagt wurde. Als Vorsitzender der lokalen Handelskammer besitzt Elliot eine selbst ausgestellte Lizenz zur Durchführung eines Kulturfestivals, die plötzlich Gold wert ist. So vermittelt er dem Woodstock-Veranstalter Michael Lang (Jonathan Groff) die Rinderweide seines verschuldeten Nachbarn Max Yasgur (Eugene Levy), nicht ahnend, welches Megaereignis er dadurch ermöglicht. Überfallartig zieht nicht nur ein Bataillon von Organisatoren, Technikern und schrillen Musikern in die aus allen Nähten platzende Gemeinde ein. Auf den Weg machen sich auch mehrere hunderttausend Musikfans und zugedröhnte Hippies, um ein einzigartiges Happening zu feiern. Selbst Elliots Eltern lassen sich von dieser Stimmung anstecken. Mit seiner grandiosen Komödie nach dem autobiografischen Roman von Elliot Tiber erzählt Oscar-Preisträger Ang Lee die Hintergrundgeschichte des legendären Woodstock-Festivals. Während das Bühnenspektakel nur am Rande erscheint, schildert der mit tausenden Statisten in Szene gesetzte Film den Culture Clash, den freigeistige junge Menschen in der konservativen Provinz auslösten. Die Hommage an Michael Wadleighs berühmte Woodstock-Konzertdokumentation zelebriert das Lebensgefühl der Hippie-Kultur, deren Selbstverständnis mit lakonischem Humor auf die Schippe genommen wird.

So, 19. Jul · 02:20-03:05 · SWR BW
Verräterkinder – Die Töchter und Söhne des Widerstands

Der Männer des 20. Juli 1944 werden heute verehrt als Helden, die ihr Leben im Widerstand gegen Hitler geopfert haben. Für ihre Kinder ist der gewaltsame Tod des Vaters eine Katastrophe, an deren Folgen sie bis in die Gegenwart zu tragen haben. Christian Weisenborn zeigt in seinem Film „Verräterkinder“ erschütternde Begegnungen mit Kindern von Verschwörern des 20. Juli. Der Männer des 20. Juli 1944 werden heute verehrt als Helden, die ihr Leben im Widerstand gegen Hitler geopfert haben. Für ihre Kinder ist der gewaltsame Tod des Vaters eine Katastrophe, an deren Folgen sie bis in die Gegenwart zu tragen haben. Christian Weisenborn zeigt in seinem Film „Verräterkinder“ erschütternde Begegnungen mit Kindern von Verschwörern des 20. Juli. Axel Smend ist heute noch tief bewegt, wenn er sich daran erinnert, wie seine Mutter mit verweinten Augen vom Elternsprechtag in der Schule zurückkam. Der Lehrer hatte von Axels schlechten Noten in Latein gesprochen und hinzugefügt: Vom Sohn eines Verräters könne er nichts anderes erwarten. Der Vater, Günther Smend, war 1944 hingerichtet worden. Christian Weisenborn blickt aber auch auf die eigene Familiengeschichte. Seine Eltern waren Mitglieder eines großen Freundeskreises von Antifaschisten, den die Gestapo „Rote Kapelle“ nannte. Es waren Künstler, Arbeiter, Kommunisten, Adlige, Ärzte und Offiziere. Männer und Frauen. Sie verbreiteten schon 1942 Flugblätter, die vom Völkermord an den europäischen Juden berichteten, und sie versuchten, Kontakt zu den Sowjets und zu den Amerikanern aufzunehmen. Weisenborns Eltern überlebten, aber 52 ihrer Freunde wurden 1942/43 in Plötzensee hingerichtet. Auch Töchter und Söhne von ihnen hat Weisenborn interviewt. Die Angestellte Erika von Brockdorff war 32 Jahre alt, als sie unter dem Fallbeil starb. Sie hinterließ eine sechsjährige Tochter. Saskia von Brockdorff quälte sich jahrzehntelang mit der Frage, warum hat die Mutter sich in solche Gefahr begeben? Warum hat sie mich verlassen? Erst 60 Jahre später, als auch die Rote Kapelle einen Platz in der Gedenkstätte des Widerstands bekam, erreichte sie der Abschiedsbrief, den ihr die Mutter 1943 schrieb. Er ist voller Liebe und Schmerz. Behutsam lässt Weisenborn die Zuschauer teilhaben an der Versöhnung, die Saskia von Brockdorff durch diese Zeilen endlich möglich war. Von der Trauer um die toten Mütter und Väter erzählen auch Alfred von Hofacker und Hans Coppi. Wie schwierig, voller Fragen und widerstreitender Gefühle es war, einen Zugang zu den Toten, ihren hingerichteten Vätern oder Müttern zu finden. Das private Trauern vollzog sich jahrzehntelang vor dem Hintergrund des Kalten Krieges. Die „Verräterkinder“ mussten erdulden, wie politische Interessen in Ost und West zur Verleumdung ihrer Eltern führten. Widerstandskämpfer wurden vereinnahmt, ausgestoßen oder passend gemacht. 1954 ehrte Bundespräsident Heuss zum ersten Mal die Männer des 20. Juli. In der DDR wurden sie zu diesem Zeitpunkt als Reaktionäre gebrandmarkt, denen es vor allem um den Machterhalt für Adel, Großgrundbesitz und Militär gegangen sei. Erst in den 1970er Jahren begann eine vorsichtige Umorientierung. Die „Rote Kapelle“ wurde in der DDR anfangs verschwiegen, dann zu einer kommunistischen Kundschaftertruppe umgedeutet und propagandistisch aufgebauscht zum Vorbild des Mielke-Apparates gemacht. Im Westen wurde sie jahrzehntelang als fünfte Kolonne Moskaus diffamiert. Erst 2009 hob der Deutsche Bundestag die Todesurteile wegen „Kriegsverrats“ auf. Vor diesem Hintergrund zeigt Christian Weisenborns Film eindrucksvolle, hoch emotionale Momentaufnahmen aus dem Leben der Kinder des Widerstands. Damit würdigt der Filmemacher die Courage der Eltern und gibt ihnen einen historisch gerechten Platz.

So, 19. Jul · 13:00-13:15 · ARD-alpha
Den Religionen auf der Spur: Jüdischer Schmuck aus dem Jemen

In einem Völkerkundemuseum finden sich oft unerwartete Gegenstände – wie zum Beispiel jüdischer Schmuck aus dem Jemen. Welche eigentümliche Beziehung besteht zwischen Süd-Arabien und Israel? Was sind die historischen Hintergründe? Moderation: Claudius Müller Dr. Claudius Müller, Direktor des Münchener Völkerkundemuseums, erläutert anhand von Exponaten Wissenswertes rund um die Ursprünge der Religionen der Welt. Wo liegen die religiösen Wurzeln eines harmlosen Kinderspiels wie des Huckepackreitens? Warum streckt man jemandem, der einen böse anschaut, in Nordafrika einen oder mehrere Finger entgegen? Reitet der Schamane tatsächlich auf seiner Trommel ins Jenseits? Warum zeigt das chinesische Kaisergewand mehr Züge von barbarischen Nachbarvölkern als von der konfuzianischen Staatsideologie? Religionen erscheinen uns häufig als komplexe, schwer durchschaubare Gebäude. Der Direktor des Münchner Völkerkundemuseums Dr. Claudius Müller nimmt die Zuschauer in der neuen Sendereihe „Den Religionen auf der Spur“ mit auf eine Reise durch Mythen außereuropäischer Kulturen. Anschaulich zeigt er, wie sich Religionen und religiöse Grundbegriffe entfalten. Darüber hinaus öffnen sich Verbindungstüren zwischen den Religionen weltweit. Viele einfache Objekte aus Kulturen außerhalb Europas verweisen bei genauem Hinschauen auf Traditionen, Tabuvorstellungen, aber auch auf rituelle Vorschriften und Verhaltensregeln. Selbst Alltagsgegenstände scheinen mit religiöser Kraft aufgeladen und mit zahllosen Legenden und Mythen besetzt zu sein. Sie sind Spuren eines umfassenden Weltbildes, in das die ganze Gemeinschaft eingebunden ist, Weltbilder, die sich aus zahlreichen religiösen Elementen zusammensetzen wie Magie, Abwehrzauber, Initiation, Jenseitsreise, Seelenvorstellungen, Ahnenkult, Paradies, Aufbau des Kosmos und vieles Andere mehr. Manche dieser Mythen finden sich auch im Christentum, etwa der biblische Weltschöpfungsmythos oder das himmlische Paradies.

So, 19. Jul · 13:15-14:00 · ARD-alpha
stationen.Dokumentation: Dietrich Bonhoeffer: Pfarrer und Widerstandskämpfer

Der Name Dietrich Bonhoeffer steht weltweit für den mutigen und aufrechten Kampf gegen Unmenschlichkeit und Unrecht. Christsein bedeutete für den Pfarrer auch gesellschaftliche Parteinahme und politischer Widerstand. Früher als manche seiner Zeitgenossen erkannte er die Tragweite der Unrechtshandlungen des Dritten Reiches und wurde zum entschiedenen Gegner der Nazis. Seine Zivilcourage bezahlte er mit dem Leben. Im April 1945 wurde Bonhoeffer im Konzentrationslager Flossenbürg umgebracht. Der Name Dietrich Bonhoeffer steht weltweit für den mutigen und aufrechten Kampf gegen Unmenschlichkeit und Unrecht. Christsein bedeutete für den Pfarrer auch gesellschaftliche Parteinahme und politischer Widerstand. Früher als manche seiner Zeitgenossen erkannte er die Tragweite der Unrechtshandlungen des Dritten Reiches und wurde zum entschiedenen Gegner der Nazis. Seine Zivilcourage bezahlte er mit dem Leben. Im April 1945 wurde Bonhoeffer im Konzentrationslager Flossenbürg umgebracht. Nach mehreren Auslandsaufenthalten arbeitete Bonhoeffer als Privatdozent, Studentenpfarrer und Jugendseelsorger in Berlin. Durch seinen Schwager Hans von Dohnanyi kam er zum Kreis der Widerständler um General Hans Oster und Generaloberst Ludwig Beck. 1940 erhielt er von der Gestapo Lehr- und Predigtverbot. 1943 wurde er unter der Beschuldigung der Wehrkraftzersetzung verhaftet. Im Morgengrauen des 9. April 1945 – wenige Tage vor der Befreiung des Konzentrationslagers Flossenbürg – wurde Bonhoeffer auf persönlichen Befehl Hitlers hingerichtet. In der Nacht zuvor war er zusammen mit fünf anderen Widerstandskämpfern in einem Scheinprozess wegen „Kriegsverrats“ zum Tode verurteilt worden. Dietrich Bonhoeffer hat bis zuletzt für seine Theologie eingestanden. Seine in der Haft entwickelten Gedanken über die Aufgabe der Kirche in der Zukunft gehören zu den stärksten Infragestellungen der kirchlichen Praxis bis heute. In dieser Zeit entstanden die bekannten Gedichte „Wer bin ich?“ und „Von guten Mächten“.

Mo, 20. Jul · 18:00-18:45 · PHOENIX
Der Bendlerblock

Im Bendlerblock entschied sich mehrmals Deutschlands Schicksal: Krieg oder Frieden, Diktatur oder Demokratie. Verschwörungen fanden in diesen Mauern statt – und Hinrichtungen. Heute ist der Baukomplex am Landwehrkanal der Berliner Sitz des Bundesverteidigungsministeriums. 1911 wurde mit der Errichtung des Gebäudekomplexes im Tiergartenviertel begonnen. Der Neubau war für das Reichsmarineamt bestimmt, das unter Großadmiral Alfred von Tirpitz mit seiner Flottenrüstung und seinem Einfluss auf die Politik maßgeblich zum Konflikt mit England beitrug – und dadurch zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Nach dem verlorenen Krieg blieb weiter Militär in dem Gebäude, das Reichwehrministerium und die Heeresleitung zogen ein. Ihr Handeln war von Anfang an geheimnisumwittert. Das Militär war ein Staat im Staate, sorgfältig von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Die Militärs hier standen der Weimarer Demokratie feindlich gegenüber, heimlich rüsteten sie entgegen den Bestimmungen des Versailler Vertrags auf und unterstützten illegale Wehrverbände. Viele Reichswehrangehörige begrüßten die Machtübergabe an Adolf Hitler, einige wenige aber, wie Kurt von Hammerstein-Equord, erkannten schon früh, dass Hitler Deutschland ins Unglück führen würde, und versuchten seine Kanzlerschaft zu verhindern. Im Nationalsozialismus wurde aus dem Reichswehrministerium im Bendlerblock das Reichskriegsministerium – und der Krieg folgte bald nach. Im Bendlerblock saßen das Allgemeine Heeresamt des Oberkommandos des Heeres und die Leitung des Ersatzheeres. Claus Schenk Graf zu Stauffenberg war dafür zuständig, immer neuen Ersatz für die Verluste an den Fronten zu organisieren. Im Bendlerblock wurde das Attentat vom 20. Juli 1944 vorbereitet, von hier sollte der Umsturz geleitet werden. Als die „Operation Walküre“ scheiterte, wurden noch in der Nacht des 20. Juli im großen Hof die ersten Widerständler um Stauffenberg erschossen. Am Denkmal für die Erschossenen vorbei gehen heute die Offiziere aus dem Verteidigungsministerium zum Essen in die Kantine. Der Film zeigt die spannende Geschichte eines großen Gebäudekomplexes im Herzen Berlins, ein Nebeneinander von Ministerium und historischem Gedenken, von Soldaten und Touristen. Der Film erzählt die Geschichte eines Ortes, an dem sich mehrmals das deutsche Schicksal entschied und an dem es auch heute wieder um Krieg und Frieden geht. Hildur Zorn, eine Tochter Kurt von Hammersteins, erzählt vom Leben als Kind in der Dienstwohnung im Bendlerblock und wie ihr Vater als Chef der Heeresleitung zu Hitler stand, Karsten Hansen beschreibt, wie sein Vater als leidenschaftlicher Soldat zum Widerstand kam, und Rudolf Georgi, ein Enkel des im Bendlerblock hingerichteten Friedrich Olbricht, beschreibt, wie die Hinterbliebenen der Widerstandskämpfer in den ersten Jahren der Bundesrepublik um Anerkennung und Pensionen streiten mussten.

Mo, 20. Jul · 23:15-00:00 · PHOENIX
Die zweite Hinrichtung des Georg Elser – Der schwierige Umgang mit einem Aufrechten

„Ich habe den Krieg verhindern wollen“, sagt Georg Elser beim Verhör durch die Gestapo. Am 8. November 1939 hat der schwäbische Kunstschreiner versucht, Adolf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller mit einer Bombe zu töten. Das Attentat misslingt. Georg Elser wird an der Schweizer Grenze festgenommen und gesteht die Tat. So wird Elser für einen Schauprozess nach dem Krieg in KZ-Haft genommen. Kurz vor Kriegsende wird der Attentäter im Konzentrationslager Dachau ermordet. Warum hat dieser Widerstandskämpfer bis heute keinen Eingang in die kollektive deutsche Erinnerungskultur gefunden? In ihrer Dokumentation geht Jutta Neupert der Frage nach, warum das Attentat vom Bürgerbräukeller bis heute diskreditiert und geschmäht wird, warum der Widerstand eines einfachen Schreiners aus der Provinz über Jahrzehnte totgeschwiegen oder anders bewertet wurde als der Widerstand der Offiziere.

Mo, 20. Jul · 23:35-00:05 · Das Erste (ARD)
Ich wäre so gerne heimgekommen – NS-Euthanasie im „Dritten Reich“

Niemand hat ihre Zahl genau erfasst, aber nach Schätzung von Historikern fielen dem so genannten „Euthanasie-Programm“ in Nazi-Deutschland zwischen 1939 und 1945 rund 200.000 Menschen zum Opfer. Hinter dem „guten Tod“ – so die wörtliche Übersetzung – steckte ein perfides System, das von den Propagandisten und Ideologen des „Dritten Reiches“ langfristig vorbereitet wurde. Nur so war der organisierte Mord an so genannten „nutzlosen Essern“ möglich. Völlig unabhängig von ihrem Lebensalter und dem Grad oder den Ursachen ihrer Handicaps wurden zehntausende Menschen wahlweise als „Krüppel“, „Idioten“, „Schwachsinnige“, „Irre“ oder „Erbkranke“ eingestuft und systematisch ermordet. Widerstand ist kaum bekannt geworden. Und was geschah mit den Ärzten, die die Morde begangen hatten? SR-Autor Mirko Tomic ist im Saarland und Berlin auf Spurensuche gegangen, hat die letzten Zeitzeugen und Familienangehörige aufgesucht und Historiker und Autoren wie Dr. Gisela Tascher, Dr. Götz Aly und Dr. Christoph Braß befragt.

Mi, 22. Jul · 00:35-02:10 · Das Erste (ARD)
Das As der Asse

Europa, 1916. Während des Ersten Weltkriegs trifft der Kampfpilot Jo Cavalier (Jean-Paul Belmondo) nach einem Luftgefecht auf den deutschen Flieger Gunther von Beckmann (Frank Hoffmann). Schnell geraten die beiden in einen handfesten Streit über die Frage, wer sich als Sieger des Duells betrachten darf – der Beginn einer wunderbaren Männerfreundschaft. 20 Jahre später: Jo arbeitet inzwischen als Trainer der französischen Box-Nationalmannschaft und soll mit seinem Team zu den Olympischen Sommerspielen 1936 nach Deutschland reisen. Im Zug nach Berlin flirtet er mit der Journalistin Gabrielle Delcourt (Marie-France Pisier), nicht ahnend, dass sie es war, die ihn kurz zuvor in einem unschmeichelhaften Artikel mit einem spöttischen Spruch über Hitler zitiert hatte. Während der Fahrt lernt Jo auch den zehnjährigen Simon Rosenblum (Rachid Ferrache) kennen. Er freundet sich mit dem jüdischen Jungen an und begleitet ihn zur Buchhandlung seiner Großeltern. Dort muss der Franzose miterleben, wie die Gestapo das Geschäft verwüstet, und beginnt eine wilde Schlägerei mit den Nazi-Schergen. Nach einer aberwitzigen Flucht erwartet Jo in seinem Hotel die nächste Überraschung: Simon und dessen Familie, von den Nationalsozialisten verfolgt, hoffen auf seine Hilfe. Mit tatkräftiger Unterstützung seines alten Freundes Gunther, inzwischen General, aber erbitterter Gegner des Hitlerregimes, will Jo den Rosenblums zur Flucht nach Österreich verhelfen. Das ist jedoch leichter gesagt als getan. Immer wieder gerät die Gruppe in Bedrängnis, aber dank Jos tollkühnen Finten können sie den Nazis ein ums andere Mal entwischen. Trotzdem führt der Weg sie nicht nach Österreich, sondern direkt in die Höhle des Löwen: auf den Obersalzberg, wo Adolf Hitler (Günter Meisner) samt Anhang die Ferien verbringt, darunter seine höchst eifersüchtige Schwester Angela (ebenfalls Günter Meisner). Hier trifft Jo, als deutscher Offizier verkleidet, auch Gabrielle wieder, die ein Interview mit dem Diktator führen soll. Um doch noch die rettende Grenze zu erreichen, setzt der Teufelskerl alles auf eine Karte. Die Abenteuerkomödie „Das As der Asse“ zeigt Superstar Jean-Paul Belmondo in einer echten Paraderolle – umso mehr, da er vor seiner Filmkarriere selbst als Boxer im Ring stand. Unterhaltungsspezialist Gérard Oury, bekannt vor allem durch die Komödie „Die Abenteuer des Rabbi Jakob“ mit Louis de Funès, inszenierte die aberwitzige Geschichte temporeich und mit einem guten Schuss satirischem Humor. Für die Kameraarbeit zeichnet der Österreicher Xaver Schwarzenberger verantwortlich, der unter anderem Rainer Werner Fassbinders „Lilli Marleen“ gedreht hat und heute auch selbst Regie führt.

Do, 23. Jul · 21:00-21:45 · PHOENIX
Verräter! Vom schwierigen Ausstieg aus der Neonazi-Szene

„Verräter an der Idee und am Kampf sind im Nationalsozialismus Schädlinge und auch als solche zu behandeln.“ Aus E-Mails und Anrufen erfährt Felix Benneckenstein, was seine früheren Kameraden von ihm, dem „Verräter“, halten. Er weiß, er muss vorsichtig sein. Zehn Jahre war er in der rechtsextremen Szene aktiv. Unerreichbar für seine Eltern, Lehrer und Freunde. 2011 ist er ausgestiegen. Mit 14 Jahren gerät Felix in die Erdinger Naziszene. Anfangs ist es die Musik, provozierende Texte auf schwarzgebrannten CDs, und die Kleidung, durch die er sich von anderen Gleichaltrigen „abhebt“. Später lernt er bei einer Mahnwache ranghohe Mitglieder der „Kameradschaft München“ kennen. Die rechte Szene bindet ihn schnell ein. Er wird NPD-Mitglied und tritt als Liedermacher „Flex“ bei Kameradschaftstreffen in ganz Deutschland auf.Im Gefängnis erste Zweifel an brauner Ideologie 2007 zieht er nach Dortmund-Dorstfeld in die Hochburg der Rechten. Als es dort zu gewalttätigen Auseinandersetzungen unter den Neonazis kommt, flieht er Hals über Kopf. Die Polizei sucht ihn längst. Im Gefängnis sitzt er dann Tür an Tür auf einem Gang mit Abschiebehäftlingen. Er hört deren Geschichten und beginnt, an seiner braunen Ideologie zu zweifeln. Doch es dauert noch fast zwei Jahre, bis er den Ausstieg aus der Naziszene schafft. Mittlerweile ist Felix 27 Jahre alt. Der Erfolg als rechter Liedermacher „Flex“ war trügerisch. Felix muss sein Leben neu ordnen – und damit sind große Schwierigkeiten verbunden.

Do, 23. Jul · 22:45-00:15 · Das Erste (ARD)
Zwei Leben

In Norwegen hat die deutschstämmige Katrine (Juliane Köhler) scheinbar ihr Familienglück gefunden. Sie, ihr Ehemann Bjarte Myrdal (Sven Nordin), Tochter Anne (Julia Bache-Wiig), der kleine Enkel und Katrines Mutter Åse (Liv Ullmann) sind fast eine Bilderbuchfamilie. Wobei Katrine und Åse schwere Zeiten hinter sich haben. Aber darüber wird nie gesprochen. Dann fällt die Berliner Mauer. Wenig später taucht der Anwalt Sven Solbach (Ken Duken) bei Katrine auf. Er will Gerechtigkeit für ehemalige „Lebensborn“-Kinder in der DDR und vertritt deren Recht auf Wiedergutmachung vor dem Europäischen Gerichtshof. Katrines ungewöhnliche Geschichte, auf die er bei seinen Recherchen gestoßen ist, interessiert ihn besonders: Als Kind eines deutschen Besatzungssoldaten wurde Katrine einst von den Nationalsozialisten in eines der „Lebensborn“-Heime verschleppt. Jahre später gelang ihr jedoch die abenteuerliche Flucht über die Ostsee, um nach ihrer norwegischen Mutter zu suchen. Ihr Fall ist offenbar der einzige, bei dem Mutter und Tochter sich nach vielen Jahren wiedergefunden haben. Aber jetzt verhält Katrine sich seltsam, und ihre Familie versteht nicht, warum sie Solbach nicht unterstützt und vor Gericht nicht aussagen will. Vor allem Anne, selber angehende Juristin, ist irritiert. Katrines Erklärung: Sie möchte Åse das Leid ersparen, die dramatischen Ereignisse wieder aufzuwühlen. Tatsächlich wurde Åse damals wegen ihrer Liebe zu einem deutschen Soldaten diskriminiert und gab schließlich dem Druck nach, das „Kind der Schande“ zur Adoption freizugeben. Aber der Grund für Katrines Verhalten liegt ganz woanders: Katrine lebt unter einer falschen Identität; sie ist in den 70er Jahren mit der Biografie einer „Lebensborn“-Frau nach Norwegen gekommen: als Spionin der DDR. Der „Lebensborn“-Verein der SS unterhielt während des NS-Regimes Heime zur „Erhaltung der arischen Rasse“. Im Zuge des makabren Rassenwahns wurden auch Kinder hierhin verschleppt, die aus der Verbindung deutscher Soldaten mit Norwegerinnen entstanden. Deutsche Truppen hatten das neutrale Norwegen 1940 – 1945 besetzt. Georg Maas inszeniert das Filmdrama mit Juliane Köhler in der Hauptrolle als ein vielschichtiges und beklemmendes Puzzle mit kurzen Sequenzen als Rückblenden. Die Story ist ein Geflecht aus überraschenden Wendungen, Erinnerungsfetzen und Lügen, bis sich alles fügt. Dramatisch und spannend bis zur letzten Minute.

Sa, 25. Jul · 18:20-18:50 · WDR
Hier und Heute: Irgendwo dazwischen

Zurück an die alte Schule? Für Dokumentarfilmerin Jelena Jeremejewa ist das eine Reise an einen ganz besonderen Ort. In der UNESCO-Schule in Essen stand sie vor 20 Jahren mit ihrer Mutter im Sekretariat, um für die Förderklasse angemeldet zu werden. Jelena war zwölf Jahre alt und hatte gerade mit ihrer Mutter Kiew verlassen, um im Ruhrgebiet zu leben. Ein Neuanfang. Die neue Schule war schon damals auf Jugendliche spezialisiert, die eine andere Herkunft haben. Auch heute haben 70% der Schüler auf dem Aufbaugymnasium ausländische Wurzeln, Schüler aus 40 Nationen. Jedes Jahr kommen weitere Kinder und Jugendliche aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt dazu. Ahmed ist zwölf Jahre alt und kommt aus Syrien. Es sind seine ersten Tage an einer deutschen Schule. Jetzt muss er sich auf eine fremde Sprache, fremde Menschen und fremde Strukturen einlassen. Gestern noch war er mit den Eltern und einem Übersetzer zur Anmeldung da. Heute fängt seine erste Deutschstunde in der 7W an, einer altersübergreifenden Klasse, in der Kinder Deutsch lernen sollen. So schnell, wie es eben geht. Auf die UNESCO-Schule in Essen geht auch Arif. Er ist vor mehr als vier Jahren aus Afghanistan nach Deutschland geflüchtet. Mit 15 Jahren, ohne Eltern, aber mit einem jüngeren Bruder, brachten ihn Schlepper über Pakistan, Iran, Türkei und Griechenland irgendwann nach Essen. Heute sitzen ihm die entstandenen Schulden, die deutsche Bürokratie und noch dazu eine Klausur in seinem Horrorfach „Mathe“ im Nacken. Aber er hat einen Freund gefunden: Johnson, geflüchtet aus Liberia. Die beiden Jungs könnten unterschiedlicher nicht sein, aber ihre Biographien ähneln sich und haben sie zusammengeschweißt. Ariella ist 21 Jahre alt. Sie steht kurz vor dem Abi und hat eine klare Vorstellung von ihrer Zukunft. Sie will Kinder haben, Pädagogik studieren und Erzieherin werden, in ihren jüdischen Kindergarten zurückkehren und den Kindern all das zurückgeben, wovon sie bis jetzt profitiert. In der Hoffnung auf eine bessere Zukunft haben ihre Eltern Anfang der 90er Jahre die damalige Sowjetunion verlassen, um in Deutschland Medizin zu studieren. Heute ist Ariellas Mutter vom deutschen Bildungssystem mehr als enttäuscht und ihr sind Ariellas Pläne nicht ehrgeizig genug. Mit russischer Strenge hätte sich viel mehr erreichen können, doch genau davor ist Ariella geflüchtet – auf der Suche nach einem eigenen Weg. Autorin Jelena Jeremejewa hat die Sprachlosigkeit und das Alleinsein dieser Schüler erlebt. Sie kennt die Situationen von Ariella, Arif und Ahmed. Mit dem Film tastet sie sich an das Gefühl von damals heran, an das Gefühl des Fremdseins und des Ankommens.

Sa, 25. Jul · 23:00-00:30 · WDR
Kaddisch für einen Freund

Aufgewachsen in einem palästinensischen Flüchtlingslager hat der 14-jährige Ali Messalam von klein auf gelernt, „die Juden“ zu hassen. Nach der gemeinsamen Flucht mit seiner Familie aus dem Libanon lebt er bereits seit vier Jahren in Berlin Kreuzberg. Die Duldung steht zwar noch auf wackeligen Beinen, dennoch darf die Familie vorerst das Asylheim verlassen und eine eigene Wohnung am Mehringplatz beziehen. Hier sucht Ali Anschluss bei den arabischen Jugendlichen im Kiez. Doch dafür muss er erst einmal beweisen, was er drauf hat. Als Mutprobe soll er in die Wohnung seines jüdisch-russischen Nachbarn Alexander einbrechen. Die gewaltbereiten Jugendlichen folgen Ali und verwüsten im Exzess die Wohnung des alten Mannes. Doch nur Ali wird von dem vorzeitig zurückkehrenden Alexander erkannt und bei der Polizei angezeigt. Ali droht nun ein Strafverfahren und der Familie die Abschiebung aus Deutschland. Die einfühlsame Mutter schafft es, bei Alexander ein gutes Wort für ihren Sohn einzulegen: Unter der Bedingung, dass Ali ihm bei der Renovierung seiner Wohnung hilft, will Alexander die Anzeige zurückziehen. Widerspenstig willigt der Junge ein und muss von nun an seine Freizeit bei Alexander verbringen. Anfänglich gehen die beiden Migranten unterschiedlicher Generationen und Kulturkreise noch feindselig miteinander um. Doch nach und nach bricht das Eis und die beiden entwickeln Respekt füreinander. Als Alexander nach der Renovierung der Wohnung sein Versprechen einhalten und die Anzeige gegen Ali zurückziehen will, erweist sich dies jedoch als schwieriger als erwartet – die vorsichtige Freundschaft der beiden wird auf eine harte Probe gestellt.

So, 26. Jul · 00:40-02:10 · RBB Berlin
Der Garten der Finzi Contini

Italien, Ende der 1930er-Jahre: Die Faschisten verstärken die Diskriminierung jüdischer Mitbürger. Nirgends mehr gerne gesehen, wird für eine Gruppe junger Juden in der Stadt Ferrara der Garten der wohlhabenden Familie Finzi-Contini zum Treffpunkt. Einer von ihnen, der junge Giorgio, fühlt sich zu Micòl, der Tochter des Hauses, hingezogen. Auch sie scheint ihm besonderes Interesse entgegenzubringen. Zwischen beiden entwickelt sich eine fragile Beziehung zwischen tiefer Freundschaft und scheuer Liebe.

So, 26. Jul · 22:00-23:25 · 3sat
Der Chefankläger

Luis Moreno Ocampo, Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag, erlaubt einen Blick hinter die verschlossenen Türen des jungen Weltgerichts. Marcus Vetter und Michele Gentile begleiten Ocampo sechs Jahre nach seiner Ernennung zum Chefankläger des ICC mit der Kamera. Sie reisen mit ihm nach Libyen, nachdem Haftbefehle gegen Muammar Gaddafi und seinen Sohn Saif Al Islam ausgestellt wurden. Sie sind unter anderem bei den Verhandlungen des Anklägers mit einer palästinensischen Delegation dabei. Es geht darum, ob das Gericht Palästina als Staat anerkennen kann – Voraussetzung für eine Anklage gegen Israel und die Hamas wegen Kriegsverbrechen im Gazakrieg. Und sie verfolgen den ersten Fall des Internationalen Gerichtshofs gegen Thomas Lubanga Dyilo, einen ehemaligen Milizenführer im Kongo, der Kindersoldaten für seine Kriege missbraucht hat. In den 1980er Jahren war Ocampo Assistent im Prozess gegen die Generäle der argentinischen Militärjunta. 20 Jahre später wird er zum Chefankläger des ersten permanenten Internationalen Strafgerichtshofs gewählt, der 1998 in Rom von 120 Staaten beschlossen wurde. Der Film, im Genre eines Justizthrillers gedreht und geschnitten, bildet einen hochkomplexen juristischen Ablauf ebenso verständlich und transparent wie spannend ab. Eindringlich vermittelt er die Bedeutung und die Verantwortung des jungen Weltgerichts. Und spätestens wenn Hollywoodstar Angelina Jolie zusammen mit Ben Ferenzc, dem ehemaligen Chefankläger der Nürnberger Prozesse, zur entscheidenden Schlussanhörung im Fall von Thomas Dyilo Lubanga nach Den Haag kommt, wird deutlich: Der Internationale Gerichtshof in Den Haag ist die Fortsetzung dessen, was in Nürnberg vor 65 Jahren begonnen hat.

So, 26. Jul · 22:10-23:55 · BR
Die Kammer

30 Jahre sind vergangen, seit der überzeugte Rassist Sam Cayhall (Gene Hackman) zugab, an einem Bombenanschlag beteiligt gewesen zu sein, der die beiden Kinder eines jüdischen Bürgerrechtlers in den Tod riss. Obwohl das Ausmaß seiner Schuld nie eindeutig bewiesen werden konnte, erwirkte der Staatsanwalt McAllister (David Marshall Grant) die Höchststrafe, um die eigene Polit-Karriere voranzutreiben. Seither wartet Cayhall im Staatsgefängnis von Mississippi auf seine Hinrichtung. Über die Frage nach einem anderen Haupttäter hüllte das Ku-Klux-Klan-Mitglied sich all die Jahre in Schweigen. Nun will der junge Rechtsanwalt Adam Hall (Chris O’Donnell) dieses Schweigen brechen und der Wahrheit auf den Grund gehen. Angetrieben wird er dabei nicht zuletzt von dem Bedürfnis, mit seiner düsteren Familiengeschichte ins Reine zu kommen, denn Cayhall ist Adams Großvater. Dessen Rassenhass und Gewalttaten hatten die Familie zutiefst zerrüttet. Adams Vater nahm sich schon vor Jahren das Leben, seine Tante Lee (Faye Dunaway) suchte im Alkohol Trost und Vergessen. Adam und Cayhall sind sich nie zuvor begegnet, und der alte Mann, noch immer ein von Hass erfüllter Rassist, begegnet seinem liberal eingestellten Enkel mit tiefer Verachtung. Aber trotz dieser Ablehnung will Adam nicht locker lassen. Er will begreifen, was seine Familie zerstörte. Je tiefer er in den Details der alten Geschichte bohrt, desto überzeugter ist er, dass es vor 30 Jahren noch einen anderen Täter gegeben haben muss, der die Hauptschuld am Tod der Kinder trägt. Allerdings hat McAllister, inzwischen Gouverneur von Mississippi, keinerlei Interesse daran, dass der Fall neu aufgerollt wird. Viel Zeit bleibt Adam ohnehin nicht: In 28 Tagen soll sein Großvater hingerichtet werden.

So, 26. Jul · 22:55-00:24 · arte
The Voice of Peace – Der Traum des Abie Nathan

Ein Mann – und sein Traum von einer heilbaren Welt. So könnte die Überschrift über dem Leben des außergewöhnlichen Friedensaktivisten Abie Nathan (1927-2008) aus Tel Aviv lauten. Abie Nathan, ehemaliger Kampfpilot und später überzeugter Pazifist, lebte nach dem Motto: „Sei du selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen willst.“ Mit einer Handvoll Freiwilliger machte er sich auf in die Krisenregionen seiner Zeit: Naturkatastrophen, Hungersnöte, Kriegsschäden – Abie Nathan verließ sich nicht auf Organisationen, sondern mobilisierte Freiwillige und Sponsoren, half spontan und unbürokratisch. Der Friedensaktivist Abie Nathan verließ sich nicht auf Organisationen, sondern mobilisierte Freiwillige und Sponsoren, half spontan und unbürokratisch. Mit ungewöhnlicher Direktheit und überraschenden Gesten setzte er maßgeblich den Aussöhnungsprozess zwischen der arabischen Welt und Israel in Gang. Legendär ist sein Piratensender „Voice of Peace“, der von 1973 bis 1993 „von irgendwo im Mittelmeer“ neben moderner Popmusik Friedensbotschaften in den Nahen Osten sendete. Unterstützt von internationalen Musikgrößen jener Zeit: John Lennon, George Harrison, Gloria Gaynor, Joan Baez oder Peter „Pete“ Seeger. Yoko Ono, Zubin Mehta, Michael Caine, Schimon Peres, Daniel Barenboim, viele Prominente, internationale Weggefährten aus Politik und Kultur: Mit ihren Erinnerungen und Einschätzungen porträtiert der vielfach ausgezeichnete Dokumentarfilmregisseur Eric Friedler Abie Nathan und entdeckt nicht nur einen großen Menschenfreund, sondern auch einen unermüdlichen Ideenproduzenten, charmanten Bohemien und einfallsreichen Unternehmer. Denn es war der Lebemann Abie Nathan, der den Hamburger nach Israel brachte und sein Lokal, das Café California, war quirliger Treffpunkt für die angesagte Szene der Metropole Tel Aviv. Im Jahr 1966 flog Abie Nathan in einer spektakulären Aktion mit seinem Privatflugzeug „Shalom 1“ nach Port Said und raubte dem im Kriegszustand mit Ägypten lebenden Israel den Atem – zurückgekehrt wurde er prompt verhaftet. Silvester 1976 verbrachte Abie Nathan mit seinem Radioschiff auf dem Suezkanal, damals ein krimineller Akt für einen israelischen Staatsbürger. Ins Gefängnis kam er jedoch erst 1991, als er sich mit PLO-Chef Arafat traf. Drei Jahre später erhielt Schimon Peres gemeinsam mit Arafat und Rabin den Friedensnobelpreis.

Mo, 27. Jul · 00:10-01:55 · Das Erste (ARD)
Miral

Jerusalem, in den späten 1980er Jahren. Krieg und Bombenterror prägen das Leben der hübschen jungen Miral (Freida Pinto), die in Ostjerusalem unter der Obhut ihres liebevollen Vaters Jamal (Alexander Sidding), eines gemäßigten Geistlichen, aufwächst. Ihre Mutter Nadia (Yasmine Al Masri) leidet an den Folgen eines sexuellen Missbrauchs, der sie in die Alkoholsucht getrieben hat. Nach deren Selbstmord muss Jamal die Tochter schweren Herzens ins Waisenhaus geben. Doch Miral hat Glück im Unglück, denn die Siebenjährige kommt in das renommierte Dar-Al-Tifl-Institut. Dessen Leiterin, die charismatische Hind Husseini (Hiam Abbass), eröffnet jungen Frauen nicht nur eine der wenigen Möglichkeiten, ihre Persönlichkeit zu entfalten und eine gute Ausbildung zu erhalten – „Mama Hind“ erzieht ihre palästinensischen Schützlinge auch zu Menschlichkeit und Gewaltverzicht. Als die 16-jährige Miral sich in den PLO-Aktivisten Hani (Omar Metwally) verliebt, gerät sie in ein persönliches Dilemma: Soll sie an dessen Seite den Weg des bewaffneten Kampfes einschlagen oder weiterhin nach „Mama Hinds“ pazifistischen Idealen leben? Nach seiner Hommage an den kubanischen Schriftsteller Reinaldo Arenas („Bevor es Nacht wird“) und dem gefeierten Biopic „Schmetterling und Taucherglocke“ wirft Ausnahme-Regisseur Julian Schnabel einen persönlichen Blick auf einen weltpolitischen Schlüsselkonflikt: Nach dem autobiografischen Roman der palästinensischen Autorin Rula Jebreal entstand ein Frauendrama, das mit der israelischen Staatsgründung beginnt und dem Oslo-Abkommen zur Beendigung des Nahostkonflikts endet. Der malende Filmemacher verknüpft dokumentarisches und inszeniertes Material zu einem faszinierenden Gewebe aus Licht und Farben. Neben dem aus „Slumdog Millionär“ bekannten Bollywood-Star Freida Pinto und der israelisch-arabischen Darstellerin Hiam Abbass sind Vanessa Redgrave und Willem Dafoe zu sehen.

Mo, 27. Jul · 04:15-05:50 · 3sat
Applebaums großer Auftritt

Er will abtreten, solange er noch fit ist: Der 90-jährige Exschauspieler Morris Applebaum lädt seine erwachsenen Kinder zu einer Abschiedsparty ein. Doch die kämpfen selbst mit Neurosen. Einst war Applebaum ein gefeierter Shakespeare-Darsteller am New Yorker Broadway. Mittlerweile ist er in Pension, aber noch immer ein gewitzter Exzentriker. Trotz aller Vitalität hat er sich nun vorgenommen, seinem Leben selbstbestimmt ein Ende zu setzen. Da der legendäre Applebaum ein unverbesserlicher Showman ist, will er sich – nachdem diverse Dinge geregelt sind – gebührend verabschieden. Dazu gehört, seine drei Kinder über seine Freitod-Pläne zu informieren und zu einer Feier einzuladen. Natürlich steht der Applebaum-Nachwuchs binnen kürzester Zeit bei Morris auf der Matte, um ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Allerdings haben die Geschwister so sehr mit sich selbst zu kämpfen, dass ihr ungewöhnlicher Vater dagegen regelrecht normal erscheint. Der geschiedene Psychologe Ted hätte selbst eine Therapie nötig; die TV-Produzentin Flo hadert mit dem Single-Dasein als 40-Jährige und hat Komplexe wegen ihres vermeintlich trivialen Berufs; der Familienvater und mäßig erfolgreiche Auto-Händler Barry ringt vergeblich um die Anerkennung seines Vaters und zieht sich dessen Zorn zu, weil er seinen jüdischen Namen in „Apple“ geändert hat. Keine Frage, dass in den kommenden Tagen jede Menge alter Konflikte aufbrechen, denn eines wird immer deutlicher: Morris liebt seine Kinder zwar über alles – aber ein einfacher Vater war er nie. Mit „Applebaums großer Auftritt“ gelang dem Regie-Newcomer Jeff Hare eine charmante und von feinem jüdischem Witz getragene Familienkomödie über ein ernstes Thema; bis in die kleinsten Nebenrollen hervorragend besetzt und gespielt. Peter Falk, der in Filmen wie „Reine Familiensache“ echte Glanzleistungen geliefert hat, läuft auch hier zu exzentrischer Hochform auf und beweist nicht nur sich selbst, dass man jenseits der 80 noch lange nicht zum alten Eisen gehört.

Di, 28. Jul · 20:15-21:00 · ZDF
Die Suche nach Hitlers „Atombombe“

Im August 1945 verwüsteten Atombomben Hiroshima und Nagasaki. US-Wissenschaftler hatten den Bau der Massenvernichtungswaffe auch vorangetrieben, um Hitler-Deutschland zuvorzukommen. Beim Vorrücken auf deutschem Gebiet 1945 suchten die Alliierten nach den Fertigungsstätten der so genannten „Wunderwaffen“. Sie wurden an mehreren Standorten fündig: Raketen, neuartige Flugzeuge – doch gab es auch den Bau an Hitlers „Bombe“? Der Film geht der Frage nach, wie knapp der Wettlauf um die Atombombe wirklich war. Neue Quellenfunde, Verhörprotokolle, Zeitzeugnisse sowie Hinweise auf geheime Anlagen unter Tage sprechen dafür, dass die Entwicklung einer deutschen Massenvernichtungswaffe ab 1944 immer weiter forciert wurde. Lange hieß es, die Deutschen hätten nur versucht, eine „Uranmaschine“ (Reaktor) zu bauen, und seien damit bis Kriegsende nicht ganz fertig geworden. Aus Mangel an Willen, Material oder Kenntnis hätten deutsche Wissenschaftler den Bau einer Atombombe abgelehnt oder zumindest gebremst. Laut jüngeren Dokumentenfunden haben jedoch kaum bekannte Gruppen von Technikern – unter dem Befehl von Hitlers Geheimwaffenchef Hans Kammler – an der Waffenentwicklung gearbeitet. Sogar von der Kombination eines nuklearen Sprengkopfes mit einer Rakete ist die Rede. 70 Jahre nach Hiroshima versucht der Film auszuloten, inwieweit die Befürchtungen, Hitler könnte zuerst über die „Bombe“ verfügen, begründet waren oder nicht.

Di, 28. Jul · 21:45-22:30 · HR
Die Leica-Geschichte

Leica – ein Begriff, der vielen ein begehrliches Glitzern in die Augen zaubert. Denn schließlich handelt es sich nicht um irgendeinen Fotoapparat, sondern um die Kleinbild-Kamera, die in den zwanziger Jahren die Welt der Fotografie revolutionierte. Sie war viel kleiner, leichter und unauffälliger als die bis dahin üblichen Plattenkameras, dazu schnell – 36 Bilder in rascher Folge konnten die Fotografen mit ihr schießen. Mit der Leica begann die große Geschichte des Fotojournalismus, und unzählige der weltberühmten Bilder, die den Blick auf die Welt prägten, sind mit ihr entstanden. Die Geschichte der Firma, die die Leitz-Kamera auf den Markt brachte, begann 1869 in Wetzlar: Dort übernahm damals Ernst Leitz Senior die kleine optische Werkstatt von Carl Kellner, in der Mikroskope gebaut wurden. Neue Herstellungsverfahren, innovative Produkte und ein gutes Gespür für die Bedürfnisse seiner Kunden machten die Leitz-Werke Anfang des 20. Jahrhunderts zum weltgrößten Hersteller von Mikroskopen. Knut Kühn-Leitz, Urenkel von Ernst Leitz Senior, erzählt in dem Film, wie sein Urgroßvater und sein Großvater, der 1920 den Betrieb übernahm, ein ganz besonderes Betriebsklima schufen: sozial, kreativ, menschlich, verbindlich – Eigenschaften, die auch in der Zeit der Naziherrrschaft das Handeln von Ernst Leitz Junior bestimmten. Bis Mitte der achtziger Jahre war die Familie Leitz in der Firmenleitung führend vertreten. Doch die Konkurrenz aus Japan machte auch dem hessischen Unternehmen jahrelang schwer zu schaffen. Geld für Innovationen fehlte. Sie verkauften, und es folgten schwere und wechselvolle Jahre für das Unternehmen und die Mitarbeiter. Doch Leica gibt es auch heute noch, die Kamera wie auch die Mikroskope. Heute sind es zwei voneinander unabhängige Unternehmen, doch beide sind wieder richtig gut im Geschäft, und Mitarbeiter erzählen, dass und warum sie auf „Leica“ so stolz sind.

Di, 28. Jul · 22:05-22:59 · arte
Juden & Muslime. So nah. Und doch so fern! (3/4) Trennen, verbrennen: 1789-1945

Die besondere Beziehung zwischen Juden und Muslimen in den vergangenen 1.400 Jahren ist Gegenstand dieser vierteiligen Dokumentationsreihe. Sie erzählt von der Entstehung des Islams auf der arabischen Halbinsel im 7. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, von der Maurenherrschaft in Andalusien und im Maghreb, vom Leben der Juden im Osmanischen Reich; und sie referiert die Geschichte Jerusalems bis hin zur Zweiten Intifada. Mit dem Erstarken des Bürgertums zum Ende des 18. Jahrhunderts wachsen auch die Bürgerrechte der Juden. Dennoch sind sie Opfer gewalttätiger Verfolgungen, die in der Schoah gipfeln und die zahlreiche Juden zwingen, in den muslimisch geprägten Nahen Osten auszuwandern. Europa ist Schauplatz der Weltgeschichte: Das Bürgertum beginnt sich zu emanzipieren, es kommt zur Französischen Revolution, die sich dem absoluten Machtanspruch der Monarchie entgegenstellt. In den sich entwickelnden Nationalstaatsbewegungen versuchen die Bürger, politische Mitbestimmung durchzusetzen und den Obrigkeitsstaat gegen ein liberaleres, durch ein Parlament legitimiertes Modell zu ersetzen. Gleichzeitig werden die europäischen Juden, die mittlerweile das Bürgerrecht besitzen, zur Zielscheibe eines immer konkreteren Antisemitismus. Dennoch gelingt es ihnen, in die nationalen Eliten aufzusteigen. Mit ihrem Aufstieg wächst auch ihr Interesse am Schicksal ihrer Glaubensgenossen in der muslimischen Welt, als deren Beschützer sie sich empfinden. Hin- und hergerissen zwischen Zionismus und arabischem Nationalismus wird Palästina – von den Osmanen noch Südsyrien genannt – zum Spielball religiöser sowie politischer Interessen.

Di, 28. Jul · 22:30-01:05 · WDR
München

Basierend auf George Jonas‘ umstrittenem Buch „Die Rache ist unser. Ein israelisches Geheimkommando im Einsatz“, schildert Steven Spielberg die mörderische Undercover-Operation als schillerndes Vexierbild aus Fakten und Fiktion, persönlichen und politischen Interessen. Vor den Augen von 900 Millionen Fernsehzuschauern wandelt sich der olympische Sommer des Jahres 1972 zur Tragödie. Palästinensische Terroristen bringen im Münchener Olympiadorf fast alle Mitglieder der israelischen Mannschaft in ihre Gewalt. Bei einem dilettantischen Befreiungsversuch der deutschen Polizei kommt es auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck zu einem Blutbad, bei dem alle elf Geiseln sterben. Drei der beteiligten Palästinenser werden aus deutschen Gefängnissen durch die Entführung einer Lufthansamaschine freigepresst. Die israelische Premierministerin Golda Meir (Lynn Cohen) stellt daraufhin ein fünfköpfiges Geheimkommando unter Leitung des jungen Leibwächters Avner Kauffman (Eric Bana) zusammen, das elf Terroristen und deren Hintermänner liquidieren soll. Offiziell darf es diese Todesschwadron nicht geben, weshalb die Gruppe nahezu autonom im Untergrund operiert. Sie besteht auch nicht aus Killern des Geheimdienstes, sondern aus jüdischen Sympathisanten mit bürgerlichen Berufen. Avner selbst ist Hobbykoch und Melancholiker, der sich nach seiner Frau und seinem Kind sehnt und zunehmend am Sinn seiner Mission zweifelt. Die Reise der fünf führt quer durch Europa, wo sie in Frankfurt, Paris, Athen und Beirut tödliche Bombenanschläge auf die vermeintlichen Drahtzieher des Münchener Terroranschlags ausführen. Die Palästinenser antworten mit Attentaten auf Zivilisten, und zunehmend mischen sich amerikanische und russische Agenten, aber auch ein undurchsichtiger Privat-Geheimdienst, in die Vergeltungsaktionen des Quintetts. Bald geraten Avner selbst und seine Familie ins Fadenkreuz.

Di, 28. Jul · 23:00-23:56 · arte
Juden & Muslime. So nah. Und doch so fern! (4/4) Erinnern, streiten, bekriegen: 1945 bis heute

Die besondere Beziehung zwischen Juden und Muslimen in den vergangenen 1.400 Jahren ist Gegenstand dieser vierteiligen Dokumentationsreihe. Sie erzählt von der Entstehung des Islams auf der arabischen Halbinsel im 7. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, von der Maurenherrschaft in Andalusien und im Maghreb, vom Leben der Juden im Osmanischen Reich; und sie referiert die Geschichte Jerusalems bis hin zur Zweiten Intifada. Auf Teilen des britischen Mandatsgebietes im Nahen Osten wird 1948 der Staat Israel gegründet. Während sich weltweit jüdische Gemeinden freuen und zahlreiche Juden sich in Palästina ansiedeln, werden die dort lebenden Muslime vertrieben. Das führt bis heute zu zahlreichen Kriegen in dieser Region. In den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts wird die Welt mit dem Grauen der Konzentrations- und Vernichtungslager konfrontiert, das den Großteil der europäischen Juden das Leben kostet und erst durch den Sieg der Alliierten über Deutschland ein Ende findet. Zahlreiche Juden waren vor den Nazis nach Palästina geflohen. Hier sollte unter britischem Mandat eine dauerhafte nationale Heimstätte für das jüdische Volk entstehen. 1948 sorgt die Gründung des Staates Israel bei den Juden von New York bis Tel Aviv für Jubel und Freude, bei Arabern und Muslimen hingegen für Wut und Verbitterung. Hunderttausende Palästinenser werden vertrieben und fliehen in der Hoffnung auf eine mögliche Rückkehr. Gleichzeitig muss die große Mehrheit der Juden in der muslimischen Welt ihre Heimat im Irak, in Ägypten, im Iran, in Syrien, in Marokko, in Tunesien und anderen Ländern binnen weniger Jahrzehnte freiwillig oder gezwungenermaßen aufgeben. Immer wieder kommt es zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen dem Staat Israel und den benachbarten arabischen Ländern. Und Jerusalem wird zur geteilten Stadt.

Mi, 29. Jul · 22:45-00:25 · RBB Berlin
Vier Neurosen und ein Todesfall

Der jüdische Patriarch Cooperberg, eben noch kerngesund, muss sich überraschend einer Krebsoperation unterziehen. Während er unter dem Messer liegt, findet sich die zerstrittene Familie am Krankenbett des Vaters ein. In dieser angespannten Situation brechen alte Wunden auf, und obwohl der Vater noch lebt, tobt schon der Konkurrenzkampf um seine Nachfolge im Geschäft. Während Edward, ein erfolgreicher Theaterproduzent, seinen jüngeren Bruder Eli auszubooten versucht, der als erfolgloser Poet ohnehin nichts von Geschäften versteht, kämpft Susan, eine überspannte Künstlerin, verzweifelt um die Liebe ihrer hartherzigen Mutter Shirley. Nach einem Rundruf ihrer gebieterischen Mutter Shirley (Ellen Burstyn) treffen sich die erwachsenen Cooperberg-Geschwister im Hospital, um im Krankenzimmer ihres Vaters auf das Ergebnis seiner Krebsoperation zu warten. Die Mitglieder der schrecklich netten jüdischen Familie können einander nicht ausstehen, und so prallen in der angespannten Situation Ängste und gepflegte Stadtneurosen ungemindert aufeinander. Edward (Mark Blum), ein erfolgreicher Theater-Produzent und Mutters erklärter Liebling, erweist sich als notorischer Schürzenjäger. Sogar während der Vater unter dem Messer liegt, muss er zwanghaft mit einer Krankenschwester (Geneviève Brouillette) anbändeln – und wird in der Tiefgarage prompt von seiner leidgeprüften Gattin Linda (Macha Grenon) beim Seitensprung erwischt. Bruder Eli (Ted Levine), ein geborener Loser und verkrachter Poet, ist seit zehn Jahren von seiner Frau Diane (Mary McDonnell) geschieden, hat aber einmal wöchentlich mit ihr Sex auf öffentlichen Toiletten. Nesthäkchen Susan (Amanda Plummer), eine überdrehte Künstlerin, die abstrakte Bilder malt und den Eltern auf der Tasche liegt, kämpft verzweifelt um die Liebe ihrer Mutter. Um nicht erkannt zu werden, verkleidet sich Joelle (Geneviève Bujold), die heimliche Geliebte des Patriarchen, als katholische Schwester. Misstrauisch beäugt wird das illustre Familientreffen von einem schweigsamen Fernsehtechniker (Roc LaFortune), der große Mühe mit dem TV-Apparat im väterlichen Krankenzimmer hat. Aus rätselhaften Gründen ist nur ein Kanal zu empfangen, der eine endlose Dokumentation über den Holocaust zeigt. Erst als die Nachricht vom Tod des Vaters eintrifft, empfängt der Fernseher alle Programme, Sport, Krimis, Shows, Werbung.

Do, 30. Jul · 18:20-19:09 · arte
Äthiopien – Aufbruch ins Gelobte Land

In den letzten 30 Jahren wanderten etwa 100.000 Juden aus Äthiopien nach Israel aus. Misgano ist einer von ihnen. Ursprünglich aus einer ländlichen Gegend stammend, war er eigens in die Stadt Gonder gezogen. Denn um seine Chancen für die Einwanderung nach Israel zu verbessern, wollte er in der Nähe der Verwaltungsgebäude leben. Die Dokumentation begleitet Misgano und seine Familie bei den Ausreisevorbereitungen, nachdem er tatsächlich ausgewählt wurde. Misgano ist ein äthiopischer Jude. Im Jahr 1984 autorisierte die israelische Regierung die kontrollierte Einwanderung äthiopischer Juden nach Israel. Nun wartet Misgano schon seit sieben Jahren darauf, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen ins Gelobte Land reisen zu dürfen. Der Legende zufolge geht die Geschichte der äthiopischen Juden auf die Königin von Saba zurück. Diese hatte eines Tages König Salomo, dessen Ruf sie neugierig gemacht hatte, in Jerusalem besucht. Eine leidenschaftliche Affäre begann, und der König von Israel heiratete die Königin von Saba, die zum Judentum übertrat. Zurück in ihrem Heimatland gebar sie einen Sohn – den ersten jüdischen Nachfahren in Äthiopien. Seit den 1980er Jahren sind zwischen 50.000 und 60.000 äthiopische Juden nach Israel eingewandert. Etwa 6.000 weitere warten noch darauf, ins Gelobte Land reisen zu dürfen. Misgano stammt aus einer ländlichen Gegend Äthiopiens und ist eigens in die Stadt Gonder in die Nähe der Verwaltungsgebäude gezogen, um sich für die Einwanderung nach Israel zu bewerben. Die Dokumentation begleitet Misgano und seine Familie im letzten Jahr vor ihrer Ausreise. Sie folgt ihm bei seinen Behördengängen, in den Hebräischkurs und zu den Versammlungen in die Synagoge, in der jeden Morgen die Namen der ausgewählten Bewerber verkündet werden. Nach vielen Enttäuschungen wird schließlich tatsächlich Misganos Name aufgerufen. Vor seiner Abreise fährt Misgano noch einmal in sein Heimatdorf Kentafa, um sich für immer von seinen Freunden und seiner Familie zu verabschieden. Hier zeigt die Dokumentation Äthiopien von einer anderen Seite: Die ländlichen Gebiete sind schöner und menschlicher als die Städte, und die herzlichen Beziehungen zwischen den Mitgliedern der jüdischen Gemeinschaft kontrastieren mit den urbanen Bildern aus Gonder und Israel. Misganos Träumen werden immer wieder Szenen aus dem Leben seines Bruders entgegengesetzt, der bereits in Israel lebt. Er bereut seine Entscheidung zwar nicht, erzählt aber von den Schwierigkeiten, den beruflichen Problemen und den ausgeprägten Vorbehalten vieler Israelis gegenüber den schwarzen Juden aus Äthiopien.

Do, 30. Jul · 22:30-23:00 · PHOENIX
„Nie wieder!“ Das NS-Dokumentationszentrum München

Am 30. April 2015 wird das NS-Dokumentationszentrum eröffnet, genau an dem Tag, an dem 70 Jahre zuvor die Amerikaner München befreiten. Andrea Mocellin schildert in ihrem Film die Erwartungen an das neue Zentrum und sein Konzept als Erinnerungs- und Aufklärungs-Ort. Es geht um das wohl dunkelste Kapitel Münchens. Genau zwischen zwei ehemaligen Nazi-Bauwerken, dem sogenannten Führerbau und dem NSDAP-Verwaltungsgebäude, ist das neue Dokumentationszentrum prominent platziert. Der Ort ist nicht zufällig gewählt: Es befand sich dort einst das im Krieg zerstörte „Braune Haus“, die NSDAP-Parteizentrale. Rund um den Königsplatz war das ideologische Zentrum der Nazidiktatur entstanden, 50 Gebäude mit fast 6.000 Mitarbeitern des Partei- und Terrorapparates.Im Film äußern sich Theo Waigel, Hans-Jochen Vogel, Charlotte Knobloch, der Holocaust-Überlebende Max Mannheimer und weitere Zeitzeugen. Ergänzt werden diese Erzählungen mit Originalaufnahmen und eindrucksvollen Luftbildern von der Münchner Innenstadt und dem Königsplatz.

Fr, 31. Jul · 00:00-00:45 · PHOENIX
Generation Kriegsenkel – War Opa ein Nazi?

Oft stellen Enkel sich die Frage nach der Vergangenheit ihrer Großeltern während des Nationalsozialismus‘ – und was diese Vergangenheit für ihre eigene Identität bedeutet, erst, wenn sie erwachsen sind. Und das kann heißen, dass die Großeltern schon nicht mehr am Leben sind und nicht mehr antworten können. Und häufig sind die eigenen Eltern auf der Suche nach der Wahrheit keine große Hilfe, stießen die „Kriegskinder“ doch ihrerseits bereits auf Lügen, Abwehr, Ausreden und vor allem: Schweigen. „Das war halt damals so“ – damit will sich die dritte Generation immer weniger abfinden, beginnt mit Recherchen, wühlt in Archiven – und kann auf furchtbare Tatsachen stoßen: Dass der Großvater Aufseher war in den Konzentrationslagern Auschwitz und Flossenbürg, wie bei der österreichischen Filmemacherin Barbara Albert. Dass der Opa als Mitglied der SA den Nationalsozialisten zum Aufstieg verholfen hat. Oder dass der Großvater ein überzeugter Antisemit war und davon in zahlreichen Schriftstücken Zeugnis abgelegt hat.Der Schauspieler Raphael Dwinger hat eine Reise in die Vergangenheit angetreten. Er und sein Ringen um Aufarbeitung in der eigenen Familie wurden Gegenstand eines Dokumentar-Theaterstücks: ‚Nestbeschmutzung‘ – bei dem sein jüdischer Freund Tobias Ginsburg, Enkel von Überlebenden des Holocaust, Regie führte. Der Großvater als Nazi-Opfer: Auch dieses Thema ist bis heute häufig ein Tabu. Zu schwer taten sich auch Kinder von Kriegsopfern mit der Vergangenheitsbewältigung. Der Regensburger Journalist Thomas Muggenthaler hat in Ostbayern die Nachkommen polnischer Zwangsarbeiter gesucht, die zwischen 1941 und 1943 wegen ihrer Liebesbeziehungen zu deutschen Frauen hingerichtet wurden. Gemeinsam mit ihm begegnet Rainer Maria Jilg einer Familie, in der die 2. und 3. Generation gemeinsam versucht, sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Weitere Protagonisten: Josef und Helga Pan, Enkel des „Wüstenfuchs“ Erwin Rommel, Tanja Hetzer, Historikerin.

Fr, 31. Jul · 17:00-17:30 · BR
Die Kinder von Indersdorf

Das Kloster Indersdorf bei Dachau: 1945 wurde dort von der UNO ein Heim gegründet, das Kinder, die ohne Eltern aufgefunden wurden, medizinisch und psychologisch versorgen sollte. Unter Leitung der Sozialpädagogin Greta Fischer wurden hier Therapien für die traumatisierten Kinder entwickelt. Im Film werden die Schicksale von drei „Kindern von Indersdorf“ dokumentiert, die sich im Kloster wiedertreffen. Jedes Jahr treffen sich im Kloster Indersdorf bei Dachau Menschen aus Israel, Polen, England und vielen anderen Ländern der Welt. Sie wollen den Ort wiedersehen, der für sie in ihrer Kindheit eine Wende in ihrem Leben bedeutet hat. Hier wurde 1945 von der UNO unter US-Aufsicht ein Heim errichtet, das Kinder ohne Eltern – jüdische Kinder aus Konzentrationslagern genauso wie Kinder von Zwangsarbeitern – medizinisch und psychologisch versorgen sollte. Unter der Leitung der Sozialpädagogin Greta Fischer wurden hier in einer Zeit, in der die deutsche Gesellschaft über das Geschehene schwieg, Therapien für die meist tief traumatisierten Kinder entwickelt. Martin Hecht ist eines dieser Kinder, seine älteren Brüder wurden auf dem Todesmarsch nach Flossenbürg erschossen. Bis heute treibt es ihn um, warum er als Jüngster überlebte. Mehrere Hundert Kinder lebten zeitweise im Kloster Indersdorf, bis sie in ihr Heimatland zurückkehren oder nach England, den USA oder Israel auswandern konnten. Ungeahnte Herausforderungen erwarteten die Kinder, die meist ohne Eltern und Geschwister ihre Reise antreten mussten. So wurde die 13-jährige Ora Rotem mit einer Kindergruppe nach Israel geschickt – auf der berühmten „Exodus“, in ein Land, das noch kein Staat und im Aufbau war. Filmautorin Andrea Roth begleitet die ehemaligen Kinder, die sich heuer, 70 Jahre später, im Kloster Indersdorf wiedertreffen, fragt sie nach ihren Erinnerungen an ihre Zeit dort und nach ihrem späteren Lebensweg.