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Sieg für israelische Nationalbibliothek im Kafka-Streit

Die israelische Nationalbibliothek erhält wertvolle Briefe des jüdischen Schriftstellers Franz Kafka. Das hat das Bezirksgericht Tel Aviv am Montag verfügt – und damit ein Urteil der ersten Instanz aus dem Jahr 2012 bestätigt…

eh, israelnetz, 30.06.2015

Seit 2007 streiten sich Eva Hoffe und die israelische Nationalbibliothek um den Nachlass von Max Brod. Hoffes Mutter war die Sekretärin des Freundes von Franz Kafka, der nach dessen Tod 1924 Briefe aus der Wohnung des jüdischen Schriftstellers in Prag geholt hatte. Brod wanderte 1939 ins damalige Mandatsgebiet Palästina aus und nahm die Schriftstücke mit. In seinem Testament äußerte er den Wunsch, dass sein Nachlass an ein öffentliches Archiv übergeben werden solle.

Brod verstarb 1968 in Tel Aviv . Doch seine Sekretärin Esther Hoffe hielt sich nicht an die testamentarische Bestimmung. Einen Teil von Kafkas Briefen verkaufte sie, den Rest vererbte sie an ihre Töchter Eva und Ruth, als sie 2007 verstarb. 2012 urteilte das Familiengericht Tel Aviv , dass die Schriftstücke der Nationalbibliothek zugeteilt werden sollten. Denn Brod habe sie im Testament als bevorzugten Ort erwähnt, schreibt die Tageszeitung „Ha‘aretz“.

„Keinerlei Verbindung zwischen Kafka und Esther Hoffe“

Eva Hoffe und ihre mittlerweile verstorbene Schwester legten Berufung gegen das Urteil ein. Am Montag gab das Bezirksgericht Tel Aviv jedoch der ersten Instanz Recht und wies die Klage zurück. Die Richter kritisierten das Verhalten von Brods ehemaliger Sekretärin. Diese habe „schreiendes Unrecht verursacht durch die Art und Weise, in der sein literarischer Nachlass behandelt wurde“. Das Gericht rügte auch, dass die Briefe teilweise an das Deutsche Literaturarchiv in Marbach am Neckar verkauft worden waren. Marbach hat laut der Nachrichtenagentur dpa Interesse an dem Nachlass gezeigt.

„Kafka kannte (Esther) Hoffe nicht, er sprach nicht mit ihr und traf sie nie“, zitiert „Ha‘aretz“ aus dem Urteil. „Sie war seinem Herzen nicht nahe. Es gab zwischen ihnen keine Verwandtschaft. Die einzige Verbindung zwischen Kafka und Hoffe war, dass Kafkas Schriften auf Umwegen in Hoffes Hände gelangten.“ Weiter heißt es: „Brod hat darauf bestanden, den Erben Hoffes jeden Kontakt zu seinem literarischen Nachlass zu versagen.“ Auch habe er nicht gewollt, dass die Dokumente nach Deutschland kommen.

Die Nationalbibliothek in Jerusalem begrüßte das Urteil. Der Richterspruch werde „der breiten Öffentlichkeit den Zugang zu nationalen Kulturgütern ermöglichen“. Ob Eva Hoffe gegen das Urteil Berufung einlegen und vor das Oberste Gericht ziehen will, ist noch nicht bekannt.