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Jüdisch für jedermann

Ende April fand im ausverkauften Roten Saal des Deutschordensmuseums in Bad Mergentheim eine Veranstaltung statt, an die sich alle, die daran teilnahmen, noch sehr lange gerne erinnern werden. Eingeladen hatten dazu die drei Schülerinnen Vanessa Hofmann, Franziska Herm und Isabella Wild, die die 12. Klasse der Kaufmännischen Schule Bad Mergentheim (Wirtschaftsgymnasium) besuchen…

Judith Bar-Or

Der Abend mit dem Thema „Jüdisch für Jedermann!“ wurde im Rahmen eines Seminarkurses veranstaltet, der eine von fünf Abiturprüfungen ersetzt, aber an kein bestimmtes Fach gebunden ist. Betreut wurde er von den Lehrkräften Breitenbach und Huth. Ziel der Abendveranstaltung war es, nicht nur durch Informationen und Erzählungen, sondern auch durch das Essen auf die jüdische Kultur aufmerksam zu machen um diese näher kennenzulernen. Wie die drei jungen Damen meinten, beschäftigen sich nur wenige Menschen hierzulande mit anderen Kulturen – mit Ausnahme wohl der jüdischen, die auch heute noch ein Bestandteil der deutschen Gesellschaft ist und durch die deutsche Geschichte wohl auch nie in Vergessenheit geraten wird. Ein weiteres Ziel des Abends war esebenfalls, Vorurteile abzubauen. Die Veranstaltungsbesucher sollten erkennen, dass es auch im Judentum verschiedene religiöse Strömungen und Einstellungen gibt, genau wie in allen anderen Religionsgemeinschaften.

Bereits bei den Vorbereitungen des Abends hatten die Schülerinnen nach dem Motto „Es wäre zu einfach zu sagen, dass jüdische Küche das ist, was Juden essen. Sie ist viel mehr – sie ist ein Lebensgefühl“ sich eingehend mit der Kaschrut, den jüdischen Speisegesetzen, auseinandergesetzt und auch herausgefunden, welche speziellen Speisen einen direkten Bezug zu bestimmten jüdischen Festen und Feiertagen haben, z.B. Käsespeisen zu Schawuot, Matzen zu Pessach oder Hamantaschen zu Purim. Lobend muss noch erwähnt werden, dass fast alle am Abend angebotenen Gerichte von den drei Schülerinnen selbst gebacken bzw. gekocht worden waren.

Nach der Begrüßung von über 90 Teilnehmern der Veranstaltung wurden die beiden Referenten – Katharina Bähne, Vorsitzende des Vereins zur Erforschung jüdischer Geschichte und Pflege jüdischer Denkmäler im Tauberfränkischen Raum und Rektor i.R. Israel Schwierz, jüdischer Lay Leader der US-Militärgemeinde in Franken ret. dem Publikum vorgestellt. Während Frau Bähne die Anwesenden über die jüdischen Speisegesetze, die jüdische Küche sowie über Speisen, die an bestimmten jüdischen Fest- und Feiertagen verzehrt werden, sehr eindrucksvoll informierte – es gelang ihr sogar ausgezeichnet Bezüge zu Erklärungen aus der Kabbala (jüdische Mystik) aufzuzeigen – machte Israel Schwierz das Publikum mit der religiösen und abstammungsmäßigen Gliederung der jüdischen Volkes sowie mit den religiösen Richtungen des Judentums vertraut. Schwierz erläuterte zudem mit fesselnden Geschichten aus seinem Leben die Unterschiede zwischen den verschiedenen Richtungen und Anschauungen in der jüdischen Welt.

Danach wurde der erste Gang des Essens – Challa,Latkes, Bagels und Blinis – gereicht. Während es sich alle gut schmecken ließen verschönten Annette Hirt (Klarinette) und Michael Müller (Klavier) die Zeit mit jüdischer Musik. Nach tiefschürfenden Erklärungen von Katharina Bähne über Schawuot und die an diesem Feiertag früher und heute verzehrten Gerichte wurde ein 2. Gang – bestehend aus Schokokuchen, New York Cheesecake, und Joghurt-Grieß-Kuchen gereicht. Die Gäste waren von den milchigen und parvenen Speisen mehr als begeistert.

Nach einem dritten Gang – bestehend aus Hamantaschen und Rugelach – musikalisch wiederum von den beiden Künstlern umrahmt – informierten Katharina Bähne und Israel Schwierz das Publikum nochmals über Fragen, die das Judentum und hier besonders die Speisen betreffen.

Danach machten sich die Teilnehmer der Veranstaltung – unter ihnen Vertreter der Religionsgemeinschaften, der Schulen, der Kommune, aber auch Eltern und Verwandte des Organisationsteams – satt von den vielen guten Speisen und erschöpft von der Vielzahl der neuen Informationen – langsam auf den Heimweg, nachdem die drei Schülerinnen allen Beteiligten ihren herzlichen Dank ausgesprochen und an die Aktiven des Abends Geschenke verteilt hatten. Sie konnten sich übrigens über ein sehr gutes Feedback freuen, denn die Antworten aus den Feedbackbögen ließen deutlich erkennen, dass die Veranstaltung ein großer Erfolg geworden war: „Die Erwartungen wurden übertroffen“, oder „Meine Erwartungen wurden voll erfüllt, ein bereichernder Abend!“.   Für die drei Schülerinnen und alle, die ihnen hilfreich zur Seite standen führten die Antworten zu der Erkenntnis: „ Am Ende des Abends war klar, das Judentum ist keine ausgestorbene Religion, es ist immer noch ein Teil unserer Kultur und für jedermann zugänglich“

Es ist sehr lobenswert, wenn sich heutzutage – trotz judenfeindlicher Vorfälle in ganz Europa – junge Menschen mit dem Judentum und dazu noch mit einem nicht gerade alltäglichen Thema – der jüdischen Küche und den jüdischen Speisen an den verschiedenen Festtagen – beschäftigen und von sich aus aus dieser Beschäftigung, die inzwischen die Form eines Seminarkurses für eine Abiturprüfung angenommen hat – einen öffentlichen Informationsabend mit Bewirtung durch spezielle Speisen und musikalischer Umrahmung im Museum der Kreisstadt veranstalten. Dafür gebührt ihnen und allen, die ihnen hilfreich zur Seite standen Dank und Anerkennung derer, denen die Beschäftigung mit der jüdischen Kultur ihrer Heimat ein Herzensanliegen ist.

Zu wünschen ist Vanessa Hofmann, Franziska Herm und Isabella Wild, dass ihr Seminarkurs eine sehr gute Note erhalten möge und dass sie das bevorstehende Abitur mit dem größtmöglichen Erfolg abschließen mögen.