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Fernsehtipps für den Juli

Vom 01. bis 15. Juli 2015…

Mi, 1. Jul · 14:45-15:30 · PHOENIX
Der heiße Monat – Ramadan in Bayern

Seit einigen Jahren lebt Dirk Schäfer in Istanbul, wo er sich heute zuhause fühlt. Während des Fastenmonats Ramadan aber, erzählt er, lebt das Land in einem Ausnahmezustand. Dieser bewegte den in Hessen aufgewachsenen Filmemacher, der als Kind mehrmals die Sommerferien in Bayern verbrachte, nun zu einer kreativen Rückkehr. Das Fasten während des Ramadan gehört zu den fünf Glaubenssäulen des Islam – eine weitere ist das Gebet. Ohne das konsequente Einhalten der Gebetszeiten wäre für den Regensburger Schuhmacher Hisen Bajrami der Ramadan undenkbar, denn die Pflicht des Gebets bezieht sich eben auf ein Höheres als den Menschen: der Glaube an ein Jenseits und ein Jüngstes Gericht ist in der muslimischen Tradition ebenso fest verankert wie im Judentum und Christentum. Bajrami ist einer der Protagonisten der Dokumentation, die ohne Reporterkommentar auskommt und acht Muslime schildern lässt, wie sie den Ramadan erleben. Wie verändert der neunte Monat des islamischen Kalenders ihren Alltag? Was bedeutet der Fastenmonat für jeden Einzelnen und weshalb ist er auch zur Tageszeit eben mehr als Fasten, Verzicht und Enthaltsamkeit? Von Nedime Yüce aus Deggendorf erfährt der Zuschauer, warum das Fasten mit einem Gewinn an körperlicher Energie einhergehen kann. Auch erinnert sie das Fasten daran, für ihr eigenes Handeln Verantwortung zu tragen. Der „heiße Monat“, so die wörtliche Bedeutung des Ramadan, muss klimatisch nicht immer heiß sein, denn im islamische Mondkalender wandert er durch alle Jahreszeiten. Der Ramadan existiert außerdem überall dort, wo Muslime sind und ihn begehen. Der Name steht vielmehr auch für ein inneres “Glühen“, das mit einer Art spirituellen Reinigung im Hinblick auf begangene Sünden in Verbindung steht.Auch im bayerischen Sommer kann aber die gewöhnliche Wettertemperatur das Fasten erschweren – zumal an Tagen, an denen die Sonne erst nach 18 Stunden untergehen will. Zu lang für die 13-jährige Afaf. Die Tochter syrischer Kriegsflüchtlinge, die den Koran von Anfang bis Ende liest, hat auch einige Schularbeiten zu schreiben. Trotzdem: es ist ihr wichtig, die Tradition so gut wie möglich einzuhalten. „Wir fasten auch, weil wir Geduld lernen müssen“, sagt Afaf. „Dann muss ich mal direkt von Euch was lernen“, antwortet die Familienfreundin Elisabeth beim gemeinsamen Fastenbrechen. „Der heiße Monat“ zeigt anhand persönlicher Momentaufnahmen mehrerer Muslime verschiedener Generationen auf eindrückliche Weise, dass der Ramadan eine facettenreiche, besondere Zeit religiösen und kulturellen Lebens ist – auch in Bayern.

Mi, 1. Jul · 18:05-18:20 · WDR
Hier und Heute: Der kölsche Jude

Der gebürtige Kölner Tom Franz ist wohl der beliebteste und vielleicht sogar bekannteste Deutsche in Israel. Seit er vor gut zwei Jahren einen TV-Kochwettbewerb gewonnen hat, kennt ihn dort jeder – sogar orthodoxe Juden, die eigentlich gar nicht fernsehen dürfen. Die respektieren ihn aus verschiedenen Gründen: Sein tiefer jüdischer Glaube ist überzeugend, seine Gerichte waren lecker und koscher und er hat seinen Sieg in der Show Gott geweiht und sich vor laufenden Kameras für die göttliche Unterstützung bedankt. Als Schüler war er zum ersten Mal in Israel – für 14 Tage. Das Land hat ihn nicht mehr losgelassen. Vor elf Jahren siedelte er ganz nach Tel Aviv über. Der 42-Jährige ist auf dem besten Wege als Botschafter des jüdischen Glaubens hierzulande zu einer ähnlichen Ikone zu werden, wie er es in Israel bereits ist. Dort repräsentiert er das junge, gute Deutschland. Reporter Stefan Quante trifft ihn bei einem Heimatbesuch – morgens in der Kölner Synagoge, beim Frühstück in seiner alten Uni und bei einem koscheren Gala-Essen in einem Kölner Sternerestaurant.

Mi, 1. Jul · 21:45-22:00 · ARD-alpha
Kunstraum: Wolfram Kastner: „Sisyphos“

„Malen ist für mich eine ganz wichtige Widerstandstätigkeit. Denn die Wirklichkeit ist für mich in mancher Hinsicht eine permanente Provokation, und damit ich davon kein Magengeschwür bekomme und den ganzen Frust in mich hineinfresse, male ich“, sagt Wolfram Kastner vor der weißen Leinwand. Er ist ein Künstler, dessen Arbeiten immer wieder als öffentliche Provokation angelegt und dann auch so aufgefasst werden. Viele seiner Aktionen fordern zur direkten Auseinandersetzung vor Ort heraus. Dass dies aber nicht Selbstzweck ist, sondern einem tiefen Bedürfnis nach adäquater künstlerischer und politischer Stellungnahme entspringt, zeigt dieser Film. Wolfram Kastner malt ein Ölbild. „Ich bin AUCH ein Maler, unter anderem. Aber ich bin ein Künstler, der sich mit verschiedenen Prozessen, mit verschiedenen Bildgestaltungsmöglichkeiten auseinandersetzt. Das Malen eines Bildes auf einer Leinwand ist für mich gleichbedeutend mit dem Malen eines Bildes in der Öffentlichkeit“. Wie er das versteht, zeigt der Künstler beispielsweise anlässlich des alljährlich stattfindenden Volkstrauertages vor dem Grab des unbekannten Soldaten. In Kampfmontur verwickelt er Passanten in Diskussionen. „Ich denke, dass der Volkstrauertag wirklich eine militaristische Veranstaltung ist. Denn ginge es tatsächlich um Trauer, bräuchte man dazu keine Maschinenpistolen“, meint Kastner. Zurück ins Atelier, vor die Leinwand: Kastner beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Motiv des Sisyphos. Allerdings ist ihm die klassische Variante des glücklich den schweren Stein schiebenden Märtyrers zu resignativ. „Vielmehr könnte Sisyphos etwas Sinnvolles tun und den Stein einfach liegen lassen. Er könnte eine sinnvollere Tätigkeit ausführen, die dazu beitragen könnte, die Welt zu verändern“, mutmaßt der Künstler. 10. Mai, Jahrestag der Bücherverbrennungen 1933 in Deutschland. Wolfram Kastner brennt seit 2003 alljährlich einen Brandfleck in den Rasen am Königsplatz mitten in München. Es soll kein Gras über die Geschichte wachsen! Bis in die späten Abendstunden hinein werden anschließend Texte aus damals verbrannten Büchern gelesen. Gegen viele Widerstände hat es der Künstler erreicht, dass für diese Veranstaltung, die ursprünglich verboten wurde, inzwischen eine breite Öffentlichkeit gewonnen werden konnte. In Herbst 2013 ruft Wolfram Kastner das Projekt „hier wohnte“ ins Leben. Weiße Koffer vor meiner Haustüre? Was soll das? Der Koffer als Symbol für das Elend der Deportation, denn auf den Inhalt eines Koffers wurde die Existenz jüdischer Mitbürger reduziert, bevor sie deportiert wurden. Im Gemälde von Wolfram Kastner wird Sisyphos nach und nach eingemauert von Panzern, Atomkraftwerken und -raketen, Kirchen, Bankgebäuden, und sitzt resigniert auf seinem Stein. „Es muss etwas aufbrechen, ich weiß noch nicht was, aber dass etwas aufbricht, ist sicher“. Wolfram Kastner will nicht aufgeben, er gehört zu den Künstlern, für die Kunst und Politik keine akademischen Größen sind, sondern mit Leben gefüllt werden sollen. „Das Bild muss ganz anders werden, ich muss alles wieder ändern“! beschließt der Künstler, und setzt sich auf den Stein, den er nicht mehr anschieben will.

Mi, 1. Jul · 22:45-01:15 · RBB Berlin
München

München, 1972: Vor den Augen von 900 Millionen Fernsehzuschauern wandelt sich der olympische Sommer zur Tragödie. Palästinensische Terroristen bringen im Münchener Olympiadorf fast alle Mitglieder der israelischen Mannschaft in ihre Gewalt. Bei einem Befreiungsversuch der deutschen Polizei kommt es auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck zu einem Blutbad, bei dem alle elf Geiseln sterben. Drei der beteiligten Palästinenser werden aus deutschen Gefängnissen durch die Entführung einer Lufthansamaschine freigepresst. Die israelische Premierministerin Golda Meir stellt daraufhin ein fünfköpfiges Geheimkommando unter Leitung des jungen Offiziers Avner Kauffman zusammen, das elf Terroristen und deren Hintermänner liquidieren soll. Offiziell darf es dieses Kommando nicht geben, weshalb die Gruppe nahezu autonom im Untergrund operiert. Die Reise der fünf Agenten führt quer durch Europa, wo sie in Frankfurt, Paris, Athen und Beirut Anschläge auf die vermeintlichen Drahtzieher des Münchener Terroranschlags ausführen. Die Palästinenser antworten mit Attentaten auf Zivilisten, und zunehmend mischen sich andere Geheimdienste in die Vergeltungsaktionen des Quintetts ein. Bald geraten Avner selbst und seine Familie ins Fadenkreuz.

Do, 2. Jul · 08:55-09:47 · arte
Stalins Tochter

Es ist eine Sensation mitten im Kalten Krieg: Die Tochter des Sowjet-Diktators Josef Stalin flieht über Indien zum kapitalistischen Erzfeind, in die USA. Das Lieblingskind des roten Zaren hat die geschichtlichen Umbrüche in der Sowjetunion hautnah erlebt. In den USA avanciert Swetlana Allilujewa bald zum Medienstar. Doch den Schatten ihres Vaters wird sie niemals los. Geboren wurde Swetlana Allilujewa im Kreml. Sie ist Stalins einzige Tochter und sein Lieblingskind. Aber sie lebt auch im Schatten des blutigen Diktators: Swetlanas Mutter stirbt unter bis heute nicht restlos aufgeklärten Umständen. Ihren Halbbruder Jakow lässt der Vater eiskalt in einem KZ der Nazis zugrunde gehen. Ihr Bruder Wassili wird nach langer Kerkerhaft an seiner Alkoholsucht sterben. Der Liebhaber seiner Tochter wird von Stalins Schergen in den Gulag verschleppt. Swetlanas Ehen scheitern, seine Enkel will der Tyrann nicht sehen. Viele Grausamkeiten Stalins erlebt sie aus nächster Nähe mit. Aber trotz allem: Swetlana hat ihren Vater Josef geliebt. Nach dem Tod ihres indischen Lebensgefährten darf Swetlana seine Asche nach Indien bringen. Sie nutzt die Gelegenheit zur Flucht und lässt ihre Kinder zurück. Als Stalins Tochter Swetlana 1967 in die USA flieht, bedeutet dies für die Sowjetunion eine empfindliche Niederlage im Propagandakrieg. „Eine Möglichkeit war, Stalins Tochter zu töten“, erinnert sich Sergej Chruschtschow, der Sohn des legendären sowjetischen Staatschefs. In den USA avanciert sie zum Medienstar, ihre Bücher machen sie reich. Sie heiratet ein letztes Mal, bekommt eine weitere Tochter. Noch einmal kehrt Swetlana nach Moskau zurück. Auch dort fühlt sie sich nicht zu Hause. Verarmt und einsam stirbt sie 2011 in einem Altenheim in Wisconsin. Die Dokumentation verwebt ein wechselvolles und menschlich anrührendes Schicksal mit historischen Ereignissen, die das 20. Jahrhundert geprägt haben.

Sa, 4. Jul · 22:30-00:00 · PHOENIX
Das Recht der Macht

Die Entwicklung der militärischen Gesetzgebung in den Palästinensergebieten seit dem Sechstagekrieg von 1967 zwischen Israel und seinen Nachbarländern wirft zahlreiche Fragen auf.Ihnen stellt sich der mehrfach preisge- krönte israelische Dokumentarfilm „Das Recht der Macht“ (treffender der französische Filmtitel „la loi des plus forts“ – „Das Recht der Stärkeren“.) Fast ein halbes Jahrhundert nach dem Sechstagekrieg stellt der Film ganz grundsätzlich die Frage, ob sich Rechtsstaatlichkeit und militärische Besatzung überhaupt miteinander vereinbaren lassen.

So, 5. Jul · 00:25-02:10 · Das Erste (ARD)
Die Kammer

30 Jahre sind vergangen, seit der überzeugte Rassist Sam Cayhall (Gene Hackman) zugab, an einem Bombenanschlag beteiligt gewesen zu sein, der die beiden Kinder eines jüdischen Bürgerrechtlers in den Tod riss. Obwohl das Ausmaß seiner Schuld nie eindeutig bewiesen werden konnte, erwirkte der Staatsanwalt McAllister (David Marshall Grant) die Höchststrafe, um die eigene Polit-Karriere voranzutreiben. Seither wartet Cayhall im Staatsgefängnis von Mississippi auf seine Hinrichtung. Über die Frage nach einem anderen Haupttäter hüllte das Ku-Klux-Klan-Mitglied sich all die Jahre in Schweigen. Nun will der junge Rechtsanwalt Adam Hall (Chris O’Donnell) dieses Schweigen brechen und der Wahrheit auf den Grund gehen. Angetrieben wird er dabei nicht zuletzt von dem Bedürfnis, mit seiner düsteren Familiengeschichte ins Reine zu kommen – denn Cayhall ist Adams Großvater. Dessen Rassenhass und Gewalttaten hatten die Familie zutiefst zerrüttet. Adams Vater nahm sich schon vor Jahren das Leben, seine Tante Lee (Faye Dunaway) suchte im Alkohol Trost und Vergessen. Adam und Cayhall sind sich nie zuvor begegnet, und der alte Mann, noch immer ein von Hass erfüllter Rassist, begegnet seinem liberal eingestellten Enkel mit tiefer Verachtung. Aber trotz dieser Ablehnung will Adam nicht locker lassen. Er will begreifen, was seine Familie zerstörte. Je tiefer er in den Details der alten Geschichte bohrt, desto überzeugter ist er, dass es vor 30 Jahren noch einen anderen Täter gegeben haben muss, der die Hauptschuld am Tod der Kinder trägt. Allerdings hat McAllister, inzwischen Gouverneur von Mississippi, keinerlei Interesse daran, dass der Fall neu aufgerollt wird. Viel Zeit bleibt Adam ohnehin nicht: In 28 Tagen soll sein Großvater hingerichtet werden. Regisseur James Foley, bekannt vor allem durch den Gangsterfilm „Auf kurze Distanz“ und das preisgekrönte Drama „Glengarry Glen Ross“, inszeniert den Bestseller von John Grisham als Mischung aus Familien- und Justizdrama. Besondere Faszination gewinnt die Geschichte dadurch, dass der möglicherweise unschuldige Todeskandidat kein geläuterter Straftäter ist, sondern unverändert ein abstoßender Rassist. Der zweifache Oscar-Preisträger Gene Hackmann wurde für diese Rolle von der Kritik hoch gelobt.

Mo, 6. Jul · 13:15-14:05 · 3sat
Von Viehhändlern, koscherer Küche und Ehevermittlung

Bis vor 150 Jahren durften Schweizer Juden nur in zwei Aargauer Dörfern leben. In Endingen und Lengnau führten sie ein ärmliches Leben als Händler und Hausierer. Beide Dorfbilder werden von einer Synagoge geprägt, ein verwunschener Friedhof liegt am Weg zwischen Endingen und Lengnau, und immer noch zeugen Wohnhäuser mit doppelter Eingangstür von der speziellen Cohabitation. Die Wurzeln der meisten Schweizer Juden reichen nach Endingen und Lengnau zurück. Wie zum Beispiel die Familie Guggenheim, die in Amerika als Industrielle zu Reichtum und als Mäzene zu Anerkennung kam. Auf eine Spende dieser wohl berühmtesten Surbtaler Familie geht auch die Gründung des Schweizerischen Israelitischen Alters- und Pflegeheims „Margoa“ in Lengnau zurück. Weitere bekannte jüdische Bürger dieser Gemeinden sind der Schriftsteller Charles Lewinsky und die alt Bundesrätin Ruth Dreifuss. In der Alten Eidgenossenschaft, endgültig ab 1776, durften sich Juden nur in den beiden Dörfern in der damaligen Grafschaft Baden niederlassen. Gemäß einer Bestimmung mussten Juden und Christen „abgesondert und nicht beieinander wohnen“, doch dem halfen sie ab, indem sie gemeinsame Wohnhäuser jeweils mit zwei identischen, nebeneinanderliegenden Eingängen versahen. Erst 1866 erlangten sie die Freizügigkeit, und die meisten von ihnen wanderten in den folgenden Jahrzehnten ab. Kathrin Winzenried macht sich auf Spurensuche und trifft dabei zum Beispiel den 99-jährigen Max Wyler, der 1915 im Surbtal zur Welt kam und bis heute als Viehhändler tätig ist. Sie unterhält sich auch mit Roy Oppenheim, einem Einwohner Lengnaus, der nicht nur einen jüdischen Kulturweg initiiert hat, sondern sich stark dafür engagiert, dass die Geschichte des Schweizer Judentums lebendig bleibt.

Mo, 6. Jul · 23:10-23:55 · 3sat
Nazis im BND – Neuer Dienst und alte Kameraden

Als 2011 der Bundesnachrichtendienst Historiker beauftragte, die Geschichte der Behörde zu erforschen, sagte Ernst Uhrlau: „Wir öffnen ein Fass, von dem wir nicht wissen, was drin ist.“ Was verraten die Akten aus dem BND-Archiv über Rekrutierung und Einsatz von SS-Männern und NS-Funktionären? Der Autorin Christine Rütten gelingt es, Netzwerken der „alten Kameraden“ im BND auf die Spur zu kommen. Sie sichtete dabei bislang nicht zugängliche Akten. In monatelangen Recherchen setzte sie Decknamen und verschiedene Vorgänge in Beziehung und förderte interessante Details zutage. Zum Beispiel über den SS-Mann Klaus Barbie, der als Gestapo-Chef von Lyon für den Tod von tausenden von Menschen verantwortlich ist. Oder über Alois Brunner, den Deportationsspezialisten Adolf Eichmanns, der 120.000 Juden in den Tod geschickt hatte. Was qualifizierte ausgerechnet Spitzenkräfte des NS-Terrorregimes für den bundesdeutschen Spionagedienst? Im Falle Brunner sind die BND-Akten zur Beantwortung dieser Frage weitgehend vernichtet. Trotzdem gelingt es der Autorin durch akribische Recherche, die skandalöse Vernetzung des neuen Dienstes mit den alten Nazi-Kameraden zu rekonstruieren. Christine Rütten nimmt in ihrer Dokumentation die Fährten von NS-Tätern wieder auf. Sie zeigt, wie sogar Massenmörder auf die Gehaltsliste des BND kamen und wie sie aus ihrem speziellen „Know-how“ auch nach dem Krieg Kapital schlagen konnten. Detailliert und schonungslos schildert die Dokumentation, wie skrupellos der deutsche Geheimdienst in den ersten Jahren der Bundesrepublik Männer von SS und Gestapo in den Dienst nahm.

Di, 7. Jul · 09:50-10:42 · arte
Peace Parks – Mandelas letzter Traum

Vom Kriegsgebiet zum Peace Park: In einer Welt, in der ständig neue Grenzen errichtet werden, zeigt die Dokumentation ein Gegenbeispiel -die sogenannten Peace Parks. Als grenzübergreifende Schutzzonen sollen diese nicht nur Natur und Kultur bewahren, sondern auch eine friedliche Kooperation zwischen benachbarten Staaten entwickeln und sichern. Dieses utopisch anmutende Vorhaben war einer der letzten Träume von Nelson Mandela. Durch die länderübergreifenden Friedensparks wollte er Grenzen überwinden, alte Feindschaften befrieden und neuen Konflikten vorbeugen. Heute gibt es 227 Friedenspark-Projekte. Die Dokumentation stellt drei davon vor in Afrika, Lateinamerika und im Nahen Osten. In einer Welt, in der ständig neue Schranken und Grenzen errichtet werden, zeigt die Dokumentation ein Gegenbeispiel – die sogenannten Peace Parks. Hier werden Mauern eingerissen, Natur und Menschen geschützt und sogar Völker ausgesöhnt. Das utopisch anmutende Projekt war einer der letzten Träume von Nelson Mandela. Durch die Schaffung von länderübergreifenden Friedensparks wollte er Grenzen überwinden, alte Feindschaften befrieden und neuen Konflikten vorbeugen. Heute gibt es 227 Friedenspark-Projekte. 60 wurden bereits umgesetzt, die Hälfte davon in Afrika. Dort bewirkte die Öffnung der Grenzen die ungehinderte Wanderung und damit den besseren Schutz der lokalen Fauna. Der einsetzende Ökotourismus kurbelte zudem Wirtschaft an. Die Dokumentation führt in den grenzüberschreitenden Great Limpopo Transfrontier Park. Er umfasst ein Gebiet zwischen Südafrika und Mosambik, in dem 20 Jahre lang blutige Kämpfe zwischen den vom Apartheid-Regime unterstützten Rebellen und der kommunistischen Regierung von Mosambik tobten. Heute ist das ehemalige Kriegsgebiet ein friedlicher Park, in dem ehemalige Soldaten eine Anstellung als Waldhüter gefunden haben und weiße Südafrikaner Seite an Seite mit Umweltschützern aus Mosambik arbeiten. Weiter geht es nach Lateinamerika in den Nationalpark La Amistad, der Costa Rica und Panama freundschaftlich miteinander verbindet – zwei Länder, die ihre Armeen abgeschafft haben, um Staatsstreiche zu verhindern. Und schließlich gibt es noch ein besonders ehrgeiziges Projekt in Nahost zu entdecken. 150 Kilometer nördlich von Jerusalem wollen jordanische, israelische und palästinensische Umweltschützer und Lokalpolitiker eine Insel im Mündungsgebiet von Jarmuk und Jordan in einen Friedenspark verwandeln. Vielleicht eröffnet die gemeinsame Teilhabe an der Natur ja eine Zukunft, in der die Ökologie die diplomatischen Geschicke der Staaten lenkt.

Mi, 8. Jul · 00:00-00:30 · ARD-alpha
Phase 3 | Feuerabend

Klassiker der Weltliteratur: Heinrich Heine und Jonathan Swift. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft und seiner politischen Einstellung wurde Heinrich Heine zeitlebens angefeindet und ausgegrenzt. Diese Außenseiterrolle prägte sein Werk und beschied den Deutschen das wohl berührendste Gedicht eines Emigranten: Deutschland. Ein Wintermärchen.

Mi, 8. Jul · 19:00-19:45 · BR
stationen.Dokumentation – Dietrich Bonhoeffer: Pfarrer und Widerstandskämpfer

Der Name Dietrich Bonhoeffer steht weltweit für den mutigen und aufrechten Kampf gegen Unmenschlichkeit und Unrecht. Christsein bedeutete für den Pfarrer auch gesellschaftliche Parteinahme und politischer Widerstand. Früher als manche seiner Zeitgenossen erkannte er die Tragweite der Unrechtshandlungen des Dritten Reiches und wurde zum entschiedenen Gegner der Nazis. Seine Zivilcourage bezahlte er mit dem Leben. Im April 1945 wurde Bonhoeffer im Konzentrationslager Flossenbürg umgebracht. Nach mehreren Auslandsaufenthalten arbeitete Bonhoeffer als Privatdozent, Studentenpfarrer und Jugendseelsorger in Berlin. Durch seinen Schwager Hans von Dohnanyi kam er zum Kreis der Widerständler um General Hans Oster und Generaloberst Ludwig Beck. 1940 erhielt er von der Gestapo Lehr- und Predigtverbot. 1943 wurde er unter der Beschuldigung der Wehrkraftzersetzung verhaftet. Im Morgengrauen des 9. April 1945 – wenige Tage vor der Befreiung des Konzentrationslagers Flossenbürg – wurde Bonhoeffer auf persönlichen Befehl Hitlers hingerichtet. In der Nacht zuvor war er zusammen mit fünf anderen Widerstandskämpfern in einem Scheinprozess wegen „Kriegsverrats“ zum Tode verurteilt worden. Dietrich Bonhoeffer hat bis zuletzt für seine Theologie eingestanden. Seine in der Haft entwickelten Gedanken über die Aufgabe der Kirche in der Zukunft gehören zu den stärksten Infragestellungen der kirchlichen Praxis bis heute. In dieser Zeit entstanden die bekannten Gedichte „Wer bin ich?“ und „Von guten Mächten“.

Do, 9. Jul · 15:35-17:30 · arte
Die Ehe der Maria Braun

Deutschland, im Jahr 1943: Der Zweite Weltkrieg tobt. Im Bombenhagel wird das Standesamt getroffen, in dem der Soldat Hermann Braun und Maria sich gerade das Ja-Wort geben. Nur einen Tag nach seiner Hochzeit muss Hermann wieder an die Ostfront. Maria bleibt zurück und kämpft gemeinsam mit ihrer verwitweten Mutter ums tägliche Überleben. Nach Kriegsende beginnt sie ihren Mann Hermann zu suchen. Als ein Heimkehrer die Nachricht von Hermanns Tod überbringt, geht sie eine Beziehung mit dem GI Bill ein. Doch eines Tages steht Hermann in der Tür. Es kommt zum Handgemenge zwischen Hermann und Bill. Maria greift ein und erschlägt Bill mit einer Flasche. Vor dem Militärgericht nimmt Hermann die Schuld auf sich und geht ins Gefängnis. Während einer Zugfahrt begegnet Maria dann dem Industriellen Karl Oswald, einem Emigranten, der nach dem Ende der Naziherrschaft nach Deutschland zurückgekehrt ist, um seine enteignete Fabrik wieder zu übernehmen. Maria wird zunächst in Oswalds Firma und bald auch in seinem Privatleben unverzichtbar. Maria schafft mit Hilfe von Oswald den sozialen Aufstieg und erlebt den Wohlstand der Wirtschaftswunderjahre. Dennoch hält sie an ihrer Liebe zu Hermann fest.

Fr, 10. Jul · 12:00-12:30 · 3sat
Gewalt im Namen Gottes

Adnan Maral ist Schauspieler, bekannt aus der Erfolgsserie „Türkisch für Anfänger“. Er ist liberaler Muslim. Er fragt, ob die Glaubenskriege schon Deutschland erreicht haben. Maral befürchtet, dass sich die feindseligen Gräben zwischen den Religionsgemeinschaften angesichts der weltweiten Glaubenskriege auch in Deutschland vertiefen. Überall im Land trifft er Menschen, deren Lebenswerk in Gefahr ist. Der jüdische Rabbi Alter, der in Berlin auf offener Straße zusammengeschlagen wurde; muslimische Eltern in Hamburg, die sich Sorgen um ihre Söhne machen, die als „Gotteskrieger“ nach Syrien verschwinden; der evangelische Bischof Heinrich Bedford-Strohm, der für Vertrauen und Frieden statt Misstrauen und Hass zwischen den Religionen wirbt. Der Schauspieler zeigt auch seine persönliche Vision einer friedlichen Co-Existenz der Religionen: Das Projekt „House of One“ in Berlin. Am Ende seiner Reise hat Adnan Maral eine eigene Antwort auf die Frage gefunden, ob die Glaubenskriege schon Deutschland erreicht haben.

So, 12. Jul · 23:30-01:15 · BR
Anton Sittinger – Zum 25. Todestag von Walter Sedlmayr

Anlässlich seines 25. Todestages erinnert das Bayerische Fernsehen mit dem Fernsehfilm „Anton Sittinger“, der nach dem gleichnamigen Roman durch Helmuth Pigge dramatisiert und von Rainer Wolffhardt inszeniert wurde, an den bayerischen Schauspieler Walter Sedlmayr. „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heißt“, lautet eine Lebenshilfe aus dem Schatzkästlein unserer Vorfahren. Dieser gefährlichen Empfehlung zur Interessenlosigkeit folgt der Kleinbürger Anton Sittinger, seines Zeichens Münchner Postinspektor, in vorbildlicher Weise. Diese Haltung ist keine nationale Eigenart. „Menschen wie Sittinger gibt es in allen Ländern, Abertausende …“, sagt Oskar Maria Graf in seinem Roman. Und so lebt dieser brave Bürger und Beamte mit seiner treusorgenden Frau Malwine vor sich hin durch Krieg und Niederlage, durch Revolution und Republik bis hin zum Terror der braunen Schläger. Es ist sicher kein leichtes Leben, das er da leben muss in dieser verworrenen Zeit. Wie soll er sich auch zurechtfinden, wenn er wegschaut, wo er doch hinschauen sollte. Achselzuckend versucht er, es sich so bequem wie eben möglich zu machen. Er will seine Ruhe haben, die man ihm nicht lässt. So flieht er aufs Land, flieht in Krankheit, macht alle und alles verantwortlich für die Misere, nur nicht sich. Da kommt endlich der Mann, der für Ruhe und Ordnung sorgt. Dieser Ansicht ist jedenfalls Malwine, die in völkischer Voraussicht ihren Anton rechtzeitig und heimlich als förderndes Mitglied der NSDAP hat eintragen lassen. Denn eigentlich will Herr Sittinger mit der „Nazibande“ nichts zu tun haben. Jedenfalls aber steht er auch nach der Machtergreifung „auf der rechten Seite“. Später einmal wird man ihm bestätigen, dass er ein Mitläufer war.

Mo, 13. Jul · 02:15-03:45 · 3sat
Der Garten der Finzi Contini

Italien, 1938: Unter dem faschistischen Mussolini-Regime nehmen die Restriktionen gegen Juden immer weiter zu. Für junge Juden wird der Garten der wohlhabenden Finzi-Contini zum Treffpunkt. Unter den jungen Leuten, die sich während des Sommers in dem inoffiziellen Tennisclub im norditalienischen Ferrara treffen, ist auch der Jude Giorgio, der schon seit seiner Kindheit in Micòl, die Tochter der Finzi-Continis, verliebt ist. Auch Micòl scheint eine besondere Zuneigung zu Giorgio zu empfinden, der ihrem kranken Bruder Alberto so verblüffend ähnelt. Dennoch begegnet sie Giorgio mit einem seltsamen Wechsel aus Nähe, Verbundenheit und Distanz. Als sie für eine Weile nach Venedig reist, setzt Giorgio im Haus ihrer Eltern seine Studien fort, da es Juden nicht mehr gestattet ist, die Universitätsbibliothek zu betreten. Nachdem Micòl bei ihrer Rückkehr erklärt, ihn nicht mehr sehen zu wollen, geht Giorgio nach Frankreich, wo sein Bruder studiert. Hier erfährt er zum ersten Mal von den Konzentrationslagern und der Gewalt gegen Juden in Deutschland. Bei seiner Rückkehr nach Ferrara sieht er Micòl mit Bruno, einem nichtjüdischen Mitglied des Tennisclubs, im Garten der Finzi-Contini. Zwar erklärt Bruno ihm, dass die Beziehung rein freundschaftlicher Natur sei, doch zugleich macht Micòl Giorgio klar, dass es keine gemeinsame Zukunft geben kann. Mit Ausbruch des Krieges wird die Situation für Italiens Juden immer bedrohlicher. Schließlich verhaftet man im Jahr 1943 auch die Finzi-Contini, um sie zu deportieren. In der Haft erfährt Micòl, dass wenigstens Giorgio die Flucht ins Ausland gelungen ist. Es ist das Letzte, was sie von ihm hört. Mit „Der Garten der Finzi Contini“ schuf Regie-Legende Vittorio De Sica („Fahrraddiebe“) ein berührendes Melodram. Basierend auf dem autobiografischen Roman von Giorgio Bassani, erzählt der Film die Geschichte einer jüdischen Familie im faschistischen Italien und zugleich von einer unerfüllten Liebe. In den Hauptrollen sind Dominique Sanda („1900“), Lino Capolicchio („Karl der Große“) und Helmut Berger („Ludwig II“) zu sehen.

Mo, 13. Jul · 02:50-03:35 · ZDF
Geheimbünde – Die Masken der Verschwörer

Die Geschichte der Menschheit ist voller Verschwörungstheorien. Und häufig scheint uns die erfundene Verschwörung glaubwürdiger als die banale Wahrheit. Hinter allem was geheimnisvoll, schwer verständlich oder nach menschlichem Ermessen unvorstellbar ist, vermuten wir schnell einen vorsätzlichen Betrug. Verschwörungstheorien halten sich oft über große Zeitspannen und tauchen immer wieder auf. Als der Amerikaner Bill Kaysing 1976 zum ersten Mal Zweifel an der Mondlandung äußerte und mehrere angeblich untrügliche Beweise dafür anführte, dass die NASA die Mondlandung nachgestellt habe, begannen auf einmal viele seiner Zeitgenossen an dieser Sternstunde der Raumfahrt zu zweifeln. Tatsächlich waren die Russen bei dem Wettlauf zum Mond den Amerikanern am Anfang weit überlegen. Doch dann gelingt es plötzlich den USA diesen Meilenstein in der Geschichte zu setzen, während die Russen – auch in den Folgejahren – nicht einen einzigen Kosmonauten auf dem Mond landen können. Kann es dabei mit rechten Dingen zugegangen sein, oder handelte es sich um ein Täuschungsmanöver der US-Regierung, die manche auch, wenn nicht als Drahtzieher hinter, dann doch zumindest als Mitwisser an den Terroranschläge vom 11. September 2001 vermuten? Die Ereignisse dieses Tages haben sich in das kollektive Gedächtnis der Menschheit eingebrannt. Und bis heute werden immer wieder Stimmen laut, die die offizielle Darstellung anzweifeln, zumal Teile der Untersuchungsakten noch immer unter Verschluss sind. So hält sich zum Beispiel das Gerücht, dass der Anschlag Teil der sogenannten jüdischen Weltverschwörung sei. Als deren Beweis werden gerne die „Protokolle der Weisen von Zion“ herangezogen. Diese Protokolle sollen geheime Treffen jüdischer Führer wiedergeben, die angeblich Pläne zur Übernahme der Weltherrschaft schmieden. Schon unter den Nazis dienten sie zur Rechtfertigung des millionenfachen Mordes. Längst weiß man, dass die Protokolle eine im Auftrag des russischen Geheimdienstes ausgeführte Fälschung sind, doch bis heute hält sich in vielen Teilen der Welt hartnäckig der Glaube an ihre Echtheit – und noch immer fordern sie unschuldige Opfer.

Mo, 13. Jul · 22:50-23:35 · Das Erste (ARD)
Bedingt abwehrbereit

An diesem Samstagmorgen ist die Angst in Bremen angekommen. Die Angst ist sichtbar für alle, die zum Sehenswürdigkeiten-Bestaunen oder zum Bummeln und Einkaufen in die Innenstadt kommen. Rund um Roland, Dom und Rathaus patrouillieren schwer bewaffnete Polizisten in Panzerwesten. Wer sich mit einem Auto dem Stadtkern nähert und irgendwie arabisch oder südosteuropäisch, irgendwie „muslimisch“ aussieht, muss damit rechnen, wie ein potenzieller Attentäter behandelt zu werden: Ausweise werden kontrolliert, Kleidung und Autos durchsucht, diverse Leute für Stunden in Polizeigewahrsam genommen. Auch das jüdische Gemeindezentrum – ein paar Kilometer von der Innenstadt entfernt – wird viel strenger bewacht als sonst. Es ist der 28. Februar 2015. Bremen ist im Ausnahmezustand. Die Sicherheitsbehörden fürchten wegen „vertraulicher Hinweise“ aus nicht genannten Quellen folgendes Szenario: Vier gewaltbereite und schwer bewaffnete Islamisten sind nach Bremen unterwegs oder schon da. Sie wollen in Bremen mit einem Mann Kontakt aufnehmen, der unter Verdacht steht, 60 Uzi-Maschinenpistolen für gewaltbereite Bremer Muslime beschafft zu haben. Möglicherweise sind in der Bremer Innenstadt oder am Jüdischen Gemeindezentrum Terroranschläge geplant. Am Abend und in der Nacht werden ein islamisches Kulturzentrum mit Moschee und die Wohnungen des angeblichen Uzi-Beschaffers und seines Bruders durchsucht. Ergebnis: Es werden keine angereisten Terroristen gefunden, keine Waffen und auch sonst nichts Verdächtiges. Bremens Innensenator, der Polizeipräsident und der Chef des Landesamtes für Verfassungsschutz rechtfertigen und loben am nächsten Tag den Polizeieinsatz. Und die Lage ist auf einmal angeblich viel weniger bedrohlich. In der Bremer Innenstadt ist nicht mehr Polizei zu sehen als sonst. Auf die Frage, warum die Gefahr so schnell so viel kleiner geworden sein soll, gibt es bei der Pressekonferenz keine nachvollziehbare Antwort. Und auch auf viele andere Fragen bleiben die für die Sicherheit der Bremer Bürger verantwortlichen Herren die Antwort schuldig. Wochen später müssen sie zugeben, dass bei dem Polizeieinsatz schwere Pannen passiert sind. Unter anderem ist das islamische Kulturzentrum, in dem die angeblich angereisten Terroristen vermutet wurden, mehrere Stunden lang nicht observiert worden, bevor ein Spezialeinsatzkommando es stürmte und – wie gesagt – nichts und niemand Verdächtiges fand. Und es stellt sich heraus, dass die „vertraulichen Hinweise“ auf eine Terrorgefahr wohl viel dünner waren als behauptet. Ein großer Teil davon stammt von einer wenig glaubwürdigen „Hinweisgeberin“, die ihre angeblichen Quellen gegenüber Verfassungsschutz und Polizei auf gar keinen Fall nennen will. Bremer Landtagsabgeordnete, die für die Kontrolle von Verfassungsschutz und Polizei zuständig sind und Akten zu Terrorwarnung und Polizeieinsatz gelesen und in geheimen Sitzungen Beteiligte befragt haben, kommen am Ende zu folgendem Ergebnis: Bremen hat Glück gehabt, dass am 28. Februar niemand versucht hat, einen Terroranschlag zu unternehmen. Der Anschlag wäre vermutlich nicht vereitelt worden. Die Bremer Sicherheitsbehörden waren und sind überfordert. Bundesbehörden sollten in Zukunft für solche Gefahrenlagen zuständig und verantwortlich sein. Aber der Bundesinnenminister lehnt das ab. Er will nur eine Eingreiftruppe aufstellen, die von den Ländern im Falle eines Falles zur Unterstützung angefordert werden kann. Und der Präsident des Bundeskriminalamts räumt ein, dass nicht nur die Polizei in den Bundesländern, sondern auch seine eigene Behörde überfordert ist mit der Bekämpfung möglicherweise gewaltbereiter Islamisten. Nicht nur Bremen, sondern ganz Deutschland scheint also nicht wirklich gut gerüstet gegen Islamismus und islamistischen Terrorismus, obwohl die Gefahr seit Jahren bekannt und immer weiter gewachsen ist. Der Film „Bedingt abwehrbereit – Terroralarm am Wochenende“ zeigt am Beispiel Bremen, wie die Gefahr gewachsen ist und wie die zuständigen Behörden mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg versucht haben, ihr zu begegnen. Er erzählt die Geschichte einer möglicherweise überbewerteten Terrorwarnung und einer verkorksten Reaktion darauf. Er zeigt Verfassungsschützer, Polizisten und Politiker in Erklärungsnot. Er lässt Muslime, aber auch Islamisten zu Wort kommen und sogar die Eltern nach Syrien ausgereister und dort mittlerweile getöteter Jugendlicher. Und er fragt die Verantwortlichen, was sie denn zu tun gedenken, damit Deutschland unbedingt abwehrbereit wird.

Mo, 13. Jul · 23:15-01:05 · NDR Niedersachsen
Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat

Deutschland, 1944. Der Zweite Weltkrieg hat das Land zutiefst erschüttert. Um der Herrschaft der Nazis ein Ende zu setzen, plant eine Gruppe von Offizieren die Ermordung Adolf Hitlers. Akribisch bereiten sie den Anschlag vor. Nichts soll dem Zufall überlassen bleiben. Der hochdekorierte Offizier Claus von Stauffenberg übernimmt die riskante Aufgabe, die Bombe im Konferenzraum von Hitlers Hauptquartier zu deponieren. Die Männer wissen, dass es danach kein Zurück mehr gibt. Doch am 20. Juli, dem Tag des Anschlags, kommt alles anders als geplant. Während des Zweiten Weltkriegs wird der Wehrmachts-Offizier Claus von Stauffenberg (Tom Cruise) 1943 in Tunesien schwer verwundet. Er verliert sein linkes Auge, seine rechte Hand – und die letzten Illusionen über den Sinn dieses Krieges. Zurück in Deutschland, nimmt General Olbrich (Bill Nighy) Kontakt zu ihm auf: Er möchte Stauffenberg dazu bewegen, eine Gruppe abtrünniger Offiziere bei einem Attentat auf Adolf Hitler (David Bamber) zu unterstützen. Zu den Verschwörern gehören unter anderem Generalmajor Henning von Tresckow (Kenneth Branagh), General Ludwig Beck (Terrence Stamp) und Olbrich selbst. Stauffenberg schließt sich der Gruppe an, stellt aber entsetzt fest, dass es keinerlei Pläne für die Zeit nach Hitlers Tod gibt. Wer soll die Armee und die mächtigen Gefolgsleute des Führers bei der SS unter Kontrolle halten? In den folgenden Monaten tüfteln die Männer unter Stauffenbergs Anleitung einen Plan zur Machtübernahme aus. Dabei wollen sie das Regime mit seinen eigenen Waffen schlagen: Nach dem erfolgreichen Attentat soll Hitlers Notstandsplan „Walküre“ in Kraft treten, der den Einsatz einer Reservearmee vorsieht. Dadurch wollen die Putschisten eine Machtergreifung der SS verhindern. Sie schreiben die Befehle des Notstandsplans zu ihren Zwecken um. In einer wagemutigen Aktion kann Stauffenberg Hitler zum Unterzeichnen des verfälschten Dokuments bewegen. Alles scheint nach Plan zu laufen, das Datum des Anschlags rückt näher. Stauffenberg selbst will die Kofferbombe im Konferenzraum von Hitlers Hauptquartier, der „Wolfsschanze“, deponieren. Ein erster Versuch am 15. Juli 1944 misslingt – in letzter Sekunde können die Attentäter ihre Entdeckung verhindern. Nur fünf Tage später versuchen sie es erneut. Obwohl Hitlers Besprechung überraschend in einem anderen Raum stattfindet, für den die Bombe zu schwach sein könnte, geht Stauffenberg das Risiko ein.

Mo, 13. Jul · 23:30-01:15 · WDR
Jeder stirbt für sich allein

Carl Raddatz und Hildegard Knef übernahmen die Hauptrollen in dieser eindrucksvollen Verfilmung des gleichnamigen Romans von Hans Fallada. Otto Quangel und seine Frau Anna sehen ihren Sohn zum letzten Mal, als dieser im Jahre 1940 während eines Urlaubs in Berlin seinen Marschbefehl erhält. Bald darauf erreicht sie die Nachricht, dass er in Frankreich gefallen ist – „für Führer, Volk und Vaterland“, wie es im offiziellen Schreiben der Heeresleitung heißt. Für Anna bricht mit dem Tod ihres einzigen Kindes die Welt zusammen. In ihren Augen ist der pathetisch proklamierte „Heldentod“ nichts weiter als ein Mord, den Hitler zu verantworten hat. Als ihr ein Stapel unbenutzter Feldpostkarten in die Hände fällt, schreibt sie auf eine von diesen, wie ihr zumute ist: „Der Führer hat mir meinen Sohn ermordet …“ Sie legt die Karte heimlich in der Stadt ab, in der Hoffnung, ein paar Menschen auf diese Weise aus ihrem blinden Glauben an Hitler wachrütteln zu können. Ihr Mann, Werkmeister in einem großen Tischlereibetrieb, in dem kriegsbedingt vorwiegend Särge produziert werden, schließt sich seiner Frau an. Die beiden deponieren Karten mit ihrem persönlichen Aufruf zum Widerstand an vielen Stellen der Stadt. Die Suche nach dem „Klabautermann“, wie die Gestapo die unbekannten Schreiber der Karten nennt, fällt zunächst schwer. Die meisten Protestschreiben werden von obrigkeitshörigen Bürgern bei der Polizei abgeliefert. Als Kommissar Escherich mit Hilfe des schmierigen Hauswarts Borkhausen den Quangels dann doch auf die Spur kommt, landet das Ehepaar vor dem „Volksgerichtshof“. Die Verhandlung ist eine bloße Farce, das Todesurteil gegen beide steht längst fest. Alfred Vohrer hat Hans Falladas 1947 erschienenen Roman über zwei einfache Menschen aus dem deutschen Widerstand mit einem großen Aufgebot namhafter Schauspieler überzeugend verfilmt und ein breites Spektrum damaliger politischer Wirklichkeit ausgeleuchtet, von den Opfern der Naziherrschaft über opportunistische Mitläufer und Gesinnungsgenossen bis zu den brutalen Tätern.

Mo, 13. Jul · 23:35-00:20 · Das Erste (ARD)
Schöner neuer Mensch

Eugenik und Rassenhygiene gehörten zu den ideologischen Grundpfeilern nationalsozialistischer Bevölkerungspolitik. Sie führten im NS-Staat zu unsagbaren Verbrechen. Doch sie waren keine Erfindung der Nationalsozialisten. Zur Anwendung kamen als Eugenik bezeichnete Konzepte bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten – abgeschafft wurden sie dort erst 1981. Auch in anderen Ländern fanden Maßnahmen zur Verringerung und Verhinderung der Nachkommenschaft von als „minderwertig“ definierten Menschen und zur Einsparung von Sozialkosten Anhänger und Befürworter – und wurden in so unverdächtigen demokratischen Gesellschaften wie Kanada, der Schweiz oder Skandinavien massenhaft durchgeführt. Lediglich die systematische Ermordung von Menschen aufgrund staatlicher Eugenik-Programme war grauenhafte nationalsozialistische Praxis im deutschen Reich. Erst 2007 wurde in der Bundesrepublik Deutschland ein entsprechendes Gesetz von 1933 abgeschafft. Die Dokumentation rollt die Geschichte dieser „Wissenschaft“ und der offiziell verordneten Eugenik-Politik auf – als Spurensuche in mehreren Ländern. Sie lässt Historiker und Humanwissenschaftler zu Wort kommen – vor allem aber die Opfer: Menschen aus Deutschland, Schweden und den USA, die von der unglaublichen „Behandlung“ berichten, die ihnen widerfahren ist, oft gegen oder gar ohne ihr Wissen und meistens aufgrund höchst fragwürdiger „Diagnosen“ und Verfügungen. Es sind Menschen, die noch immer für die Anerkennung der Schäden kämpfen, die sie erlitten haben und deren Schilderungen zutiefst bewegen. Der Film berichtet ebenso von Praktiken in North Carolina wie in Schweden und natürlich in Deutschland unter nationalsozialistischer Herrschaft und danach. Es ist eine erschreckende Reise auf der Suche nach der „schönen neuen Welt“ des perfekten Menschen. Der Film weist nach, dass die praktische Umsetzung des Gedankens der Eugenik in amtlich verordnetes, Handeln kein marginaler und historisch überholter Auswuchs unmenschlicher Naziideologie war, sondern in der westlichen Welt weit verbreitete, wissenschaftlich akzeptierte und befürwortete Praxis. Ihre Stütze fand sie in Universitäten, philanthropischen Organisationen sowie in Regierungen und politischen Parteien.

Mi, 15. Jul · 21:40-23:11 · arte
Die syrische Braut

Ein kleiner Ort in den von Israel besetzten Golanhöhen. Die Hochzeit der Drusin Mona mit einem syrischen Fernsehstar steht kurz bevor. Für Mona ist der Tag der Hochzeit der traurigste ihres Lebens, denn nach der Einreise nach Syrien wird sie nie wieder in ihr israelisch besetztes Heimatdorf an den Golanhöhen zurückkehren können. Sie muss schließlich nach vielen tränenreichen Streitereien für immer von ihrer geliebten Familie Abschied nehmen. Doch die Ausreise nach Syrien erweist sich aufgrund eines fehlenden Stempels als schwieriger denn erwartet. Wird die Hochzeit in letzter Minute platzen? Am Tag ihrer Hochzeit versammeln sich Monas Angehörige in dem kleinen Dorf Majdal Shams an den Golanhöhen, die seit den späten 60er Jahren von den Israelis besetzt werden. Die Familie muss sich für immer von der jungen Braut verabschieden, denn als Bräutigam hat ihre Familie einen entfernten Verwandten, einen syrischen TV-Star ausgesucht. Zu ihrem Hochzeitstag wird sich das Brautpaar zum ersten Mal wahrhaftig gegenüberstehen. Sobald Mona jedoch die Grenze nach Syrien überquert hat, kann sie nicht mehr in ihr von den Israelis besetztes Heimatdorf zurückkehren. Der Tag ihrer Hochzeit bedeutet für sie also nicht nur die Befreiung von traditionellen Zwängen, sondern zugleich auch den Abschied von ihrer Familie und ihrer Heimat. Umringt von ihren Lieben, vor allem von ihrer älteren Schwester Amal, fühlt sich Mona noch stark. So macht sich die Familie gemeinsam auf den Weg zur Grenze. Doch schon bald muss die Familie nach vielen Tränen und Streitereien irgendwo an einem Grenzposten zwischen Israel und Syrien für immer voneinander Abschied zu nehmen … – oder etwa doch nicht? In letzter Minute scheint die monatelang geplante Hochzeit von unvorhergesehenen bürokratischen Hürden gefährdet. Das Fest droht wegen des Fehlens eines Stempels auf den israelischen Ausreisepapieren zu scheitern …