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Der findige Antisemit

Ich wünsche mir manchmal die guten alten Zeiten zurück. Damals, als Judenhasser noch echte Judenhasser waren und das auch genauso geäußert haben…

Von Ramona Ambs

Wäre der Antisemitismus unter Hitler nicht ganz so heftig ausgeartet, könnte man heute noch dem guten altmodischen Judenhass unverhüllt frönen. Diesem Judenhass, mit den krummen Nasen, dem dunklen Haar und den Geldscheinen in der Hand: dem Judenhass des lüsternen, geldgeilen Juden. Aber der Imageschaden, den Hitler mit dieser Shoa dem Judenhass zugefügt hat, macht das leider unmöglich. Deshalb müssen heutige Antisemiten richtig kreativ werden, sie müssen sich andere Varianten suchen, um ihren Hass zu kanalisieren. Ein zuverlässiger Kanal ist die Israelkritik. Da kann man sich nach Herzenslust austoben, denn niemals ist man der Judenhasser, sondern stets nur der Palästinenserfreund. Das ist gut, weil man damit endlich auf der richtigen Seite steht. Auf der Seite der Menschenrechte nämlich. Die Menschenrechts-Charta, das ist, wenn man sie nur richtig genug interpretiert, fast schon eine Art Neuauflage des Stürmers. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen übertrieben, aber wenn man sich anschaut, was in den letzten Jahren von der UN, die ja quasi als Provider für Menschenrechte fungiert, so verlautbart wurde, muss man beinah zu diesem Schluss kommen.

Vor drei Wochen beispielsweise wurde Israel als einziger Staat von der UN in einer Resolution dafür verurteilt, Frauenrechte zu verletzen. Man konnte zwar nicht nachweisen, dass Israel Frauen steinigt, genitalverstümmelt, zwangsverheiratet, massenvergewaltigt, diskriminiert oder wenigstens nicht Auto fahren lässt, aber man hat festgestellt, das Israels Besatzung „Haupthindernis ist, für palästinensische Frauen, was ihre Fortschritte, ihre Eigenständigkeit und ihre Integration in die Entwicklung ihrer Gesellschaft angeht“. Das ist doch zumindest sehr originell. So viel Kreativität und Findigkeit hatten Judenhassern früher nicht. Aber im Grunde hat auch das mittlerweile schon Tradition. Als Israel vor einem Jahr auf den Golanhöhen ein Feldlazarett eingerichtet hat, um Opfer des syrischen Bürgerkrieges zu versorgen und mehrere Hundert syrische Schwerverletzte in israelischen Krankenhäusern versorgt wurden, gab es fünf (!) UN-Resolution gegen Israel -wegen grober Menschenrechtsverletzungen…

Ganz aktuell ist Yarmouk. Dort werden derzeit Tausende von Palästinensern grausam hingemetzelt. Sie werden vergewaltigt, versklavt und geköpft. Aber die Palästinafreunde, die letzten Sommer noch die Großstädte bevölkerten, um Kindermörder Israel zu schreien, bleiben diesmal lieber zuhause. Die grausamen Mörder sind nämlich nicht direkt Juden, sondern Islamisten. Gegen die demonstriert man ja nicht. Obwohl die doch echt das Image des Islams ziemlich runterziehen mit ihren depperten Aktionen. Aber so schlimm, dass man sich gegen sie positionieren würde, findet man sie dann halt auch nicht. Immerhin sind die auch gegen den Westen, gegen Israel und die USA. Das muss man ihnen positiv anrechnen. Und immerhin bieten sie einem echten Judenhasser mit Yarmouk, doch auch die Möglichkeit auf die Menschenrechtsverstöße Israels hinzuweisen. Denn letztlich ist eben doch Israel wieder daran schuld, wenn die Palästinenser in Yarmouk hingemetzelt werden. Wo doch das Rückkehrrecht von Flüchtlingen nach der UNO-Menschenrechtscharta ein unveräußerliches Menschenrecht ist, das Israel ihnen verwehrt. Und überhaupt, womöglich steckt hinter dem IS ja letztlich auch der Mossad. Zumindest raunen das einige Palästinafreunde – in den bösen, jüdisch-dominierten sozialen Netzwerken…

Und während in Yarmouk weiterhin Menschen ermordet werden, schreibt die deutsche Palästinasolidarität Beschwerdebriefe an das Bundesfamilienministerium, weil in Jerusalem Klassenräume für palästinensische Schüler knapp sind. Schließlich ist das Recht auf Bildung ein Menschenrecht. Und Menschenrechte sind sehr sehr wichtig. Menschenrechte sind mittlerweile die effektivste Waffe gegen das böse Weltjudentum.