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Fernsehtipps für den Mai

Vom 01. bis 15. Mai 2015…

Fr, 1. Mai · 15:15-16:00 · PHOENIX
Generation Kriegsenkel – War Opa ein Nazi?

Oft stellen Enkel sich die Frage nach der Vergangenheit ihrer Großeltern während des Nationalsozialismus‘ und was diese Vergangenheit für ihre eigene Identität bedeutet, erst, wenn sie erwachsen sind. Und das kann heißen, dass die Großeltern schon nicht mehr am Leben sind und nicht mehr antworten können. Und häufig sind die eigenen Eltern auf der Suche nach der Wahrheit keine große Hilfe, stießen die „Kriegskinder“ doch ihrerseits bereits auf Lügen, Abwehr, Ausreden und vor allem: Schweigen. „Das war halt damals so“ damit will sich die dritte Generation immer weniger abfinden, beginnt mit Recherchen, wühlt in Archiven und kann auf furchtbare Tatsachen stoßen: Dass der Großvater Aufseher war in den Konzentrationslagern Auschwitz und Flossenbürg, wie bei der österreichischen Filmemacherin Barbara Albert. Dass der Opa als Mitglied der SA den Nationalsozialisten zum Aufstieg verholfen hat. Oder dass der Großvater ein überzeugter Antisemit war und davon in zahlreichen Schriftstücken Zeugnis abgelegt hat.Der Schauspieler Raphael Dwinger hat eine Reise in die Vergangenheit angetreten. Er und sein Ringen um Aufarbeitung in der eigenen Familie wurden Gegenstand eines DokumentarTheaterstücks: ‚Nestbeschmutzung‘ bei dem sein jüdischer Freund Tobias Ginsburg, Enkel von Überlebenden des Holocaust, Regie führte. Der Großvater als NaziOpfer: Auch dieses Thema ist bis heute häufig ein Tabu. Zu schwer taten sich auch Kinder von Kriegsopfern mit der Vergangenheitsbewältigung. Der Regensburger Journalist Thomas Muggenthaler hat in Ostbayern die Nachkommen polnischer Zwangsarbeiter gesucht, die zwischen 1941 und 1943 wegen ihrer Liebesbeziehungen zu deutschen Frauen hingerichtet wurden. Gemeinsam mit ihm begegnet Rainer Maria Jilg einer Familie, in der die 2. und 3. Generation gemeinsam versucht, sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Weitere Protagonisten: Josef und Helga Pan, Enkel des „Wüstenfuchs“ Erwin Rommel, Tanja Hetzer, Historikerin.

Fr, 1. Mai · 16:35-17:20 · WDR
Kriegsende an Rhein, Ruhr und Weser, 1, Bangen und Hoffen

7. März 1945. In Aachen ist die Nazizeit schon Vergangenheit, hat schon 5 Monate zuvor die amerikanische Besatzung begonnen, als US-Truppen das Zentrum Kölns erobern und zur Brücke von Remagen vorstoßen. Doch am gleichen Tag – 100 Kilometer nördlich – beginnt die Dortmunder Gestapo mit Massenhinrichtungen von Zwangsarbeitern. Parallele Welten, wie sie in den letzten Wochen und Monaten des Krieges überall in dem Gebiet zu finden sind, aus denen später Nordrhein-Westfalen hervorgehen wird. In Essen werden noch nationalsozialistische Durchhalteparolen an die Litfaßsäulen plakatiert, als in Aachen schon die Umerziehung der Deutschen zu Demokraten beginnt. Dortmund erlebt Anfang März den schwersten Luftangriff des ganzen Krieges, während in den amerikanisch besetzten Gebieten viele befreite polnische Zwangsarbeiter Bauernhöfe plündern und Rache üben für jahrelange Misshandlung. Im Ruhrgebiet werden in diesen Tagen noch Jugendliche und alte Männer für den Volkssturm rekrutiert, während in Neuss bereits US-Soldaten Kaugummi, Apfelsinen und Schokolade an die staunenden Kinder verteilen. Und in Lüdenscheid werden entlaufene Soldaten, den Frieden schon in Sichtweite, noch als Deserteure erhängt und auf dem Marktplatz zur Schau gestellt. Überall sind entwurzelte Menschen unterwegs, stranden auf den Bahnhöfen, hoffen, davon zu kommen oder sind auf der Suche nach Nahrung und Unterschlupf: Zivilisten und Soldaten, Ausgebombte und Kriegsgefangene, Untergetauchte und Flüchtlinge, Frauen. Männer, Kinder. Anfang April ist das Ruhrgebiet von den Alliierten komplett eingekesselt. Mitten drin noch 325.000 deutsche Soldaten der Heeresgruppe B, eingeschlossen. Außerdem 5 Millionen Zivilisten und zahllose Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. In diesen Wochen erlebt die Bevölkerung an Rhein, Ruhr und Weser noch schwerste Bombenangriffe, Essen, Dortmund, Hagen, Münster, Bielefeld, Paderborn und viele andere Städte werden zerstört. Erst als am 17. April 1945 in Düsseldorf die letzten deutschen Truppen kapitulieren, hat für die Menschen des späteren Nordrhein-Westfalens die Nachkriegszeit begonnen. Der Westdeutsche Rundfunk hat für seine Dokumentation „Kriegsende an Rhein, Ruhr und Weser“ Zeitzeugen gesucht, die den Nachgeborenen die eigene Erinnerung öffnen. Hunderte haben aus ganz Nordrhein-Westfalen haben geschrieben und von dieser chaotischen Zeit zwischen Krieg und Frieden berichtet. Viele schilderten das damals vorherrschenden Gefühl, beständig nahe am Abgrund zu laufen: Da saßen Männer, Frauen und Kinder im Bunker, draußen schon die Kanadischen Truppen, und wussten nicht: Sollen wir die weiße Fahne raushängen? Dann werden wir von den eigenen Leuten erschossen. Ergeben wir uns nicht, werden wir vielleicht von den Kanadiern an die Wand gestellt. Soldaten fälschten ihre Urlaubsscheine: Bloß nicht noch im letzten Moment eine Kugel abbekommen. Wer erwischt wurde, galt als Deserteur und wurde erschossen. Jeder Schritt konnte in diesen letzten Tagen der falsche sein, aber auch die Rettung bringen. Und überall an Rhein, Ruhr und Weser hofften tausende von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen darauf, endlich wieder nach Hause zu ihren Familien zu dürfen – nach Russland, Polen, Frankreich, in die Ukraine. Mit Hilfe vieler Zeitzeugen und von Archivbildern aus der Region zeichnet die Dokumentationsreihe des WDR ein Bild von dem Kriegsende, wie es die Menschen an Rhein, Ruhr und Weser wirklich erlebt haben. Eine bewegende Chronik der letzten Wochen zwischen Krieg und Frieden.

Fr, 1. Mai · 21:45-23:15 · PHOENIX
Im toten Winkel – Hitlers Sekretärin

Traudl Junge war von Herbst 1942 bis zum Zusammenbruch der Naziherrschaft die Privatsekretärin Adolf Hitlers. Sie arbeitete mit ihm in der Wolfsschanze, am Obersalzberg, im Sonderzug und zuletzt im Führerbunker der eingekesselten Hauptstadt. Sie war es auch, der Hitler sein Testament diktierte. In diesem Film spricht Frau Junge erstmals über ihr Leben.André Heller ist es durch Vermittlung der Autorin Melissa Müller im Frühjahr 2001 gelungen, Traudl Junge zu bewegen, ihm ihre einzigartigen Erinnerungen, aber auch Verstörungen und Selbstreflexionen anzuvertrauen. Gemeinsam mit dem Dokumentarfilmer Othmar Schmiderer erarbeitete Heller aus den über zehn Stunden Material ein Porträt, das auf jedes gestylte Beiwerk verzichtet und sich ganz auf die Wirkung der Erzählerin einlässt. Mehr als ein halbes Jahrhundert nach Kriegsende offenbart sich eine wichtige Augen und Ohrenzeugin, deren Erfahrungen sie zu einer wütenden Gegnerin des Nationalsozialismus werden ließen, die aber aufs Schmerzlichste außerstande zu sein scheint, dem jungen Mädchen, das sie einmal war und das Sympathie für Hitler empfand, ihre damalige Naivität und Ignoranz zu verzeihen. Traudl Junge starb am 11. Februar 2002 in München.

Fr, 1. Mai · 21:45-23:30 · WDR
Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat

Während des Zweiten Weltkriegs wird der Wehrmachts-Offizier Claus von Stauffenberg 1943 in Tunesien schwer verwundet. Er verliert sein linkes Auge, seine rechte Hand – und die letzten Illusionen über den Sinn dieses Krieges. Zurück in Deutschland, nimmt General Olbrich Kontakt zu ihm auf: Er möchte Stauffenberg dazu bewegen, eine Gruppe abtrünniger Offiziere bei einem Attentat auf Adolf Hitler zu unterstützen. Zu den Verschwörern gehören unter anderem Generalmajor Henning von Tresckow, General Ludwig Beck und Olbrich selbst. Stauffenberg schließt sich der Gruppe an, stellt aber entsetzt fest, dass es keinerlei Pläne für die Zeit nach Hitlers Tod gibt. Wer soll die Armee und die mächtigen Gefolgsleute des Führers bei der SS unter Kontrolle halten? In den folgenden Monaten tüfteln die Männer unter Stauffenbergs Anleitung einen Plan zur Machtübernahme aus. Dabei wollen sie das Regime mit seinen eigenen Waffen schlagen: Nach dem erfolgreichen Attentat soll Hitlers Notstandsplan „Walküre“ in Kraft treten, der den Einsatz einer Reservearmee vorsieht. Dadurch wollen die Putschisten eine Machtergreifung der SS verhindern. Sie schreiben die Befehle des Notstandsplans zu ihren Zwecken um. In einer wagemutigen Aktion kann Stauffenberg Hitler zum Unterzeichnen des verfälschten Dokuments bewegen. Alles scheint nach Plan zu laufen, das Datum des Anschlags rückt näher. Stauffenberg selbst will die Kofferbombe im Konferenzraum von Hitlers Hauptquartier, der „Wolfsschanze“, deponieren. Ein erster Versuch am 15. Juli 1944 misslingt – in letzter Sekunde können die Attentäter ihre Entdeckung verhindern. Nur fünf Tage später versuchen sie es erneut. Obwohl Hitlers Besprechung überraschend in einem anderen Raum stattfindet, für den die Bombe zu schwach sein könnte, geht Stauffenberg das Risiko ein.

Fr, 1. Mai · 23:15-00:50 · ZDF
Das radikal Böse

Wie werden aus ganz normalen jungen Männern Massenmörder? Warum töten ehrbare Familienväter Frauen und Kinder? Warum verweigerten so wenige den Befehl, obwohl es ihnen freigestellt war? Wie konnten systematische Erschießungen jüdischer Zivilisten durch deutsche Einsatzgruppen in Osteuropa möglich sein? Das Nonfiction-Drama von Stefan Ruzowitzky sucht die Ursache des Bösen in einer stilistisch innovativen Herangehensweise. Der vergessene Holocaust: Rund zwei Millionen jüdische Zivilisten sind von den sogenannten Einsatzgruppen und Polizeibataillonen ab 1941 ermordet worden. Dies geschah am helllichten Tag, öffentlich, zum Teil vor Zuschauern, mit Gewehren und Pistolen, von Angesicht zu Angesicht. Bis heute verbinden die meisten Menschen mit dem Holocaust vor allem Gaskammern und Konzentrationslager, die grauenhaften „Neuerungen“ der Nazimörder. Dass dem ein konventioneller, aber um nichts weniger grausamer Genozid vorangegangen war, mit unglaublichen zwei Millionen Opfern, ist kaum ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gedrungen. Ein Grund für die geringe Bekanntheit dieser Verbrechen war die Gründlichkeit der Mörder. In dem kleinen Städtchen Bibrka, das Stefan Ruzowitzky und sein Team als einen beispielhaften Ort besuchten, sagte der ehemalige Bürgermeister auf die Frage, wie viele Juden von den Nazis ermordet worden seien: „Genau so viele, wie laut Aufzeichnungen hier gelebt hatten.“ Keine Überlebenden, keine Zeugen, niemand der der Opfer gedenkt. In „Das radikal Böse“ kommen zwei Männer zu Wort, die sich um das Erinnern dieser Verbrechen beziehungweise der Opfer besonders verdient gemacht haben. Benjamin Ferencz, der als junger Jurist durch Zufall auf die „Ereignismeldungen“, die grauenhaften Auflistungen der Massenmorde gestoßen war. Er hat gegen alle Widerstände noch einen Prozess in Nürnberg durchgesetzt. Und der französische Priester und Holocaustforscher Père Desbois, der mit seiner Organisation Yahad-In Unum in detektivischer Kleinarbeit die Massenexekutionen der Nazis in Osteuropa untersucht, die letzten Zeitzeugen interviewt, Massengräber aufgespürt und die Namen der Opfer vor dem Vergessen bewahrt hat. Während später in den Konzentrationslagern das Morden durch ein perfides System gleichsam abstrahiert war, standen bei den „Sonderaktionen“ Soldaten und Hilfspolizisten ihren Opfern noch von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Sie schossen auf Frauen, Kinder, Babys. Wie war das möglich? Wie konnten liebevolle Familienväter, nette, junge Männer, brave Bürger zu mitleidlosen Massenmördern werden? Wieso haben sie nicht verweigert, da, wie wir hören, doch schlimmstenfalls Rügen, Schimpfworte und zusätzliches Wacheschieben drohte? Welcher Mix aus politischen, soziologischen und psychologischen Faktoren macht einen Genozid möglich? Was bringt normale Menschen zu solch unvorstellbaren Grausamkeiten? Tagebuchaufzeichnungen, Briefe und Gerichtsprotokolle erlauben uns, einen Eindruck von der Gedankenwelt der Mörder zu gewinnen. Schauspieler wie Volker Bruch, Alexander Fehling, Benno Fürmann, Hanno Koffler, Lenn Kudrjawizki, Andreas Schmidt, Simon Schwarz, Devid Striesow, Arndt Schwering-Sohnrey, Sebastian Urzendowsky und Nicolette Krebitz lassen uns durch ihre Interpretation miterleben, wie ein Moment der Feigheit, sich zu exponieren, sich zu verweigern, sich außerhalb der Gruppe zu stellen, die Soldaten in einen mörderischen Abgrund reißt. Wie sie beim ersten Massaker angewidert und traumatisiert sind, sich aber bald an das tägliche Morden gewöhnen. Sogar Spaß daran finden, sich bereichern und bei alledem sich immer noch einreden, richtig und gerecht zu handeln. Dazu die Gesichter einfacher Soldaten in Großaufnahmen. Ganz normale, junge Männer, die uns erahnen lassen, dass die Täter wohl tatsächlich keine Monster im Sinne Primo Levis waren, sondern eben normale Menschen. Sie waren bemüht sich anzupassen, nicht aufzufallen, sich selbst an den größten Schrecken, an die eigenen Verbrechen zu gewöhnen. „Ich hatte nie etwas anderes gelernt, als gegebenen Befehlen zu gehorchen“, meint einer der Täter. Der normale Mensch als das eigentliche Monster. Eine Reihe von führenden Wissenschaftlern – Historiker, Juristen, Militärs, Theologen, Psychiater, sucht im Gespräch nach Antworten. So wie der Film sich davor hütet, allzu eindeutige und eindimensionale Erklärungsmuster zu präsentieren, so geht es ihm und seinen Machern nicht vorrangig um die Dokumentation des historisch Gewesenen, sondern auch zukunftsorientiert darum, was nachfolgende Generationen und vor allem junge Menschen daraus lernen können. Wie sie verhindern können, dass aus psychologischen Mechanismen in speziellen gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen immer wieder neues Leid und Verbrechen entstehen.

Sa, 2. Mai · 01:00-01:15 · WDR
Mein Kriegsende: Günter Kunert

15 Kulturschaffende – Schauspieler, Musiker, Schriftsteller – erzählen, wie sie das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebt haben. Ihre Erlebnisse sind völlig unterschiedlich: der eine kam in Gefangenschaft, der andere desertierte von der Front, manche überlebten das KZ und den anschließenden Todesmarsch, einige flüchteten vor der Roten Armee zu den Amerikanern, andere feierten mit sowjetischen Soldaten ausgelassen die Befreiung. Und so mancher wollte nicht wahrhaben, dass der Krieg verloren war und er an ein verbrecherisches Regime geglaubt hatte. Mein Kriegsende: Günter Kunert …Sohn einer jüdischen Mutter und eines „arischen“ Vaters, erlebte das Kriegsende als 15-Jähriger in Berlin: „Wir hatten immer das Gefühl, auf Messers Schneide zu leben. Man wusste ja nicht, wie lange der Schutz für meine Mutter und mich durch meinen ‚arischen‘ Vater anhalten würde.“

Sa, 2. Mai · 22:00-23:45 · BR
Hannah Arendt

Hannah Arendts Denken veränderte die Welt. Ihre gesellschaftspolitischen Schriften über totalitäre Systeme und Demokratie prägen bis heute unsere Sichtweise auf das 20. Jahrhundert und sind aus unserem Verständnis für politische Zusammenhänge – auch der aktuellen – nicht mehr wegzudenken. Als Hannah Arendt 1961 in Jerusalem den Gerichtssaal betritt, um für den renommierten The New Yorker über den Prozess gegen den Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann zu berichten, erwartet sie, auf ein Monster zu treffen. Stattdessen erlebt sie einen Niemand. Die geistlose Mittelmäßigkeit Eichmanns passt nicht zum abgrundtief Bösen seiner Taten. Als Hannah Arendt 1961 in Jerusalem den Gerichtssaal betritt, um für den renommierten The New Yorker über den Prozess gegen den Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann zu berichten, erwartet sie, auf ein Monster zu treffen. Stattdessen erlebt sie einen Niemand. Die geistlose Mittelmäßigkeit Eichmanns passt nicht zum abgrundtief Bösen seiner Taten. Dieser Widerspruch beschäftigt Hannah Arendt sehr. Zurück in New York liest sie hunderte Prozessakten, recherchiert, diskutiert mit ihrem Mann Heinrich Blücher und ihren Freunden. Ab Februar 1963 erscheint unter dem Titel „Eichmann in Jerusalem“ ihre Artikelserie im The New Yorker. Mit ihrer These von der „Banalität des Bösen“ schockiert Arendt die Welt. Die Reaktionen sind verheerend und niederschmetternd. Hannah Arendt wird geächtet, angefeindet, verliert enge Freunde. Das Unverständnis einiger ihrer Freunde trifft sie hart, weniger die Hetzkampagnen, die zahlreiche Medien entfachen. Dennoch bleibt sie konsequent bei ihrer Haltung, sie kämpft und scheut keine Auseinandersetzung, wenn es um für sie so wichtige Themen wie Totalitarismus und Macht geht. Denn sie will verstehen. Auch wenn das bedeutet, „dahin zu denken, wo es weh tut“.

Sa, 2. Mai · 23:45-01:15 · BR
Eichmanns Ende

Erzählt wird in einer dichten Verschränkung von historischem Bildmaterial, Berichten von Betroffenen und Zeitzeugen sowie dokumentarischen Spielszenen die Geschichte von der Entdeckung und Ergreifung des Organisators der Massendeportationen europäischer Juden Adolf Eichmann. Die hochkarätige Besetzung der Spielszenen macht das Doku-Drama zu einer packenden Darstellung. Herbert Knaup als Adolf Eichmann, Ulrich Tukur als Willem Sassen und Axel Milberg als Staatsanwalt Bauer. Adolf Eichmann, Cheforganisator der Judendeportationen in die Vernichtungslager und einer der größten Kriegsverbrecher im „Dritten Reich“, Adolf Eichmann, Cheforganisator der Judendeportationen in die Vernichtungslager und einer der größten Kriegsverbrecher im „Dritten Reich“, taucht nach Kriegsende in der Nordheide unter. Dort verdingt er sich als Holzfäller und Hühnerzüchter, unweit vom ehemaligen KZ Bergen-Belsen. 1950 setzt er sich wie viele Nazis nach Argentinien ab und holt 1952 seine Frau und drei Söhne nach. Die deutsche Gemeinde in Buenos Aires ist überschaubar; sie besteht aus Nazis und Juden, aus Tätern und Opfern. Auch Lothar Hermann, Jude und KZ-Überlebender, hat sich 1942 dorthin in Sicherheit gebracht. Seine Tochter Silvia verliebt sich in „Nick“, ohne zu wissen, dass es sich dabei ausgerechnet um Eichmanns Sohn Klaus handelt. Diese Liaison soll Adolf Eichmann zum Verhängnis werden … Eichmann hatte in Buenos Aires Willem Sassen kennengelernt, einen niederländischen SS-Mann, ehemaligen Kriegsberichterstatter und überzeugten Nationalsozialisten. Sassen interessiert sich für das, was Eichmann zu erzählen hat, und gewinnt ihn für umfangreiche Tonbandinterviews. Bei diesen Gesprächen sind zum Teil illustre Gäste anwesend, alte NS-Kameraden, um Eichmann über seine Tätigkeit als Referatsleiter für „Judenangelegenheiten“ reden zu hören, über sein Verständnis von Befehl und Gehorsam, totalem Krieg und „Judenpolitik“. Man diskutiert über vergangene Zeiten, die Ideen des Nationalsozialismus und ihre Zukunft. Eichmanns Ansichten schockieren sogar die Sassen-Runde, die den Massenmord an Juden für „undeutsch“ und als Teil einer „Weltverschwörung“ gegen Deutschland hält. Während Sassen sich bemüht, die Opferzahlen klein zu rechnen, prahlt Eichmann mit seinen „Leistungen“ und reklamiert für sich viel ehrgeizigere Ziele als „nur“ sechs Millionen, nämlich die totale Vernichtung des jüdischen Volkes. Die „alten Kameraden“ sind sich alles andere als einig. Nick begegnet in der Wohnung seiner Freundin Silvia ihrem Vater. Der fast erblindete Lothar Hermann erfährt, dass der Vater des jungen Mannes an einem Buch über seine Tätigkeit im „Dritten Reich“ arbeitet. Für den Juden, der nach „Schutzhaft“ und Misshandlungen in Dachau rechtzeitig entkommen war, klingt das allzu vertraut. Alarmiert nimmt er Kontakt zum Hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer auf, der sich in Deutschland für die strafrechtliche Verfolgung ehemaliger Nazis engagiert – ein schwieriges Unterfangen in dem Land, in dem viele Täter schon wieder im Staatsdienst arbeiten. Bauer entscheidet sich zu einem ungewöhnlichen Schritt: Er informiert die Israelis, weil er der deutschen Polizei und Justiz nicht traut. Um Hermanns Informationen zu überprüfen, beordert der israelische Geheimdienst Mossad einen Agenten nach Argentinien. Der kann nicht glauben, dass ein NS-Funktionär wie Adolf Eichmann in so bescheidenen Verhältnissen lebt, und bricht die Nachforschungen ab. Doch Fritz Bauer ist von der Zuverlässigkeit seines Informanten überzeugt und drängt den Mossad, einen weiteren Agenten direkt zu Hermann zu schicken. Doch auch nachdem der Herrmann kennengelernt hat, bleibt der Zweifel, dass ein Blinder den gesuchten Eichmann finden konnte. Daraufhin schickt Lothar Hermann seine Tochter noch einmal zu Nick, um einen endgültigen Beweis zu finden. Silvia hatte die Verbindung zu Eichmanns Sohn mittlerweile beendet, doch sie klingelt an Eichmanns Tür und identifiziert Nicks Vater zweifelsfrei als den Kriegsverbrecher Adolf Eichmann. Damit ist Eichmanns Schicksal besiegelt. Am 11. Mai 1960 entführt der Mossad Eichmann nach Israel, wo er 1962 nach einem weltweit aufsehenerregenden Prozess hingerichtet wird. SS-Kamerad Willem Sassen hatte sein Eichmann-Material zwischenzeitlich weltweit vermarktet.

So, 3. Mai · 01:30-03:20 · Das Erste (ARD)
Female Agents – Geheimkommando Phoenix

Im Mai 1944 schickt der britische Geheimdienst fünf Untergrundkämpferinnen ins besetzte Frankreich. Ihre Mission: Die Befreiung eines britischen Geologen, der in der Normandie das Terrain für die bevorstehende Invasion sondierte. Doch ein brutaler SS-Offizier kommt den Frauen auf die Schliche und setzt alles daran, ihre Mission zu vereiteln. Der aufwendige Spionagethriller überzeugt durch die ungewöhnliche Mischung aus temporeicher Action und berührenden Szenen, in denen die dramatische Entscheidungsnot der Agentinnen eindringlich vor Augen geführt wird. Die Hauptrollen sind starbesetzt mit Sophie Marceau, Moritz Bleibtreu und Gérard Depardieus Tochter Julie Depardieu. Bei einer Sabotage-Aktion gegen die Nazis verliert die tapfere Résistance-Kämpferin Louise Desfontaine (Sophie Marceau) ihren Mann. Mit knapper Not gelingt ihr die Flucht nach England, wo ihr Bruder Pierre (Julien Boisselier) in der britischen Armee dient. Doch der Krieg ist für Louise noch nicht zu Ende. Die britische Special Operations Executive (SOE) erteilt ihr einen heiklen Spezialauftrag: Ein Geologe (Cecil Conrad), der am Strand der Normandie zur Vorbereitung der alliierten Landung Untersuchungen durchführte, ist in die Hände der Deutschen gefallen. Der Geheimnisträger muss schnellstens aus einem Wehrmachtskrankenhaus entführt werden, bevor die SS ihn foltern kann und Details über die geplante Invasion erfährt. – Für ein solches Himmelfahrtskommando würde im konventionellen Action-Thriller eine Truppe knallharter Männer zusammengestellt. In „Female Agents – Geheimkommando Phoenix“ dagegen bricht Louise gemeinsam mit der Prostituierten Jeanne (Julie Depardieu), der gottesgläubigen Sprengstoffexpertin Gaëlle (Déborah François), der Ex-Nazigeliebten Suzy (Marie Gillain) und der italienischen Jüdin Maria (Maya Sansa) ins besetzte Frankreich auf. Als Krankenschwestern getarnt, geling es der Sondereinheit im Handstreich, den Geologen zu befreien. Doch nach erfolgreichem Abschluss der Mission dürfen die Frauen wider Erwarten nicht nach England zurückkehren. Zwischenzeitlich hat ein eifriger SS-Oberst (Moritz Bleibtreu) zu viel über ihre Mission und den geplanten D-Day herausgefunden – und muss liquidiert werden. Ein mörderisches Katz-und-Maus-Spiel beginnt. Die Spionage rund um den D-Day zählt zu den beliebtesten Sujets des Agentenfilms – allerdings war die größte Landungsoperation der Militärgeschichte im Kino bisher meist eine testosteronlastige Angelegenheit für Herren. Der französische Filmemacher Jean-Paul Salomé, der mit seinem Gruselfilm „Belphégor – Das Phantom des Louvre“ zwei Millionen Franzosen in die Kinos lockte, zeigt sich hingegen feministisch. Lose angelehnt an die authentische Geschichte der französischen Widerstandskämpferin Lise Villameur – der Nachruf auf die 98-Jährige in der „Times“ brachte Salomé 2004 auf die Idee für diese Arbeit -, erzählt sein Spionagefilm von einem militärischen Geheimauftrag für Frauen. Sophie Marceau, international bekannt als Bad Girl aus dem Bond-Film „Die Welt ist nicht genug“, spielt eine versierte Scharfschützin, die an ihrem Auftrag beinahe zerbricht; in der Rolle ihres schurkischen Gegenspielers beeindruckt Moritz Bleibtreu.

So, 3. Mai · 10:15-10:45 · HR
Horizonte: Erinnerungen und Leiden der Kriegskinder

Vor 70 Jahren, im Mai 1945, endete der Zweite Weltkrieg. Die Opferzahlen von bis zu 80 Millionen Kriegstoten drücken nur annähernd das unermessliche Leid dieses Krieges aus. Noch weit höher die Zahlen der Verwundeten. Noch heute prägen die Erinnerungen an die Schrecken des Krieges das Leben von Millionen von Menschen. Erst spät haben Medizin, Psychiatrie und Altersforschung erkannt, wie sehr damalige Kriegskinder heute noch, viele Jahrzehnte später, unter diesen Spätfolgen leiden können. – Aus Anlass des Endes des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren spricht Meinhard Schmidt-Degenhard mit dem Arzt und Altersforscher Hartmut Radebold. Im Mai 1945, vor 70 Jahren, endete der Zweite Weltkrieg. Die Opferzahlen von bis zu 80 Millionen Kriegstoten drücken nur annähernd das unermessliche Leid dieses Krieges aus. Noch weit höher die Zahlen der Verwundeten. Noch heute prägen die Erinnerungen an die Schrecken des Krieges das Leben von Millionen von Menschen. Erst spät haben Medizin, Psychiatrie und Altersforschung erkannt, wie sehr damalige Kriegskinder heute noch, viele Jahrzehnte später, unter diesen Spätfolgen leiden können. Angeblich heilt ja die Zeit alle Wunden: Doch die traumatischen Erinnerungen an Krieg und Vertreibung, die sie in ihrer Kindheit haben machen müssen, bestimmen heute noch das Leben vieler Menschen und ihrer Familien. Denn derartige seelische Traumatisierungen werden oft unbewusst auch an die eigenen Kinder weitergereicht. Gerade mit dem Alter, in den letzten Jahren vor dem Tod, kommen ein Leben lang verdrängte Erinnerungen wieder hoch. Wer als Kind den Zweiten Weltkrieg mit all seinen Folgen und Schrecken erlebt hat, ob an der Front oder zum Hause im Schutzbunker oder aber auch auf der Flucht, wird diese Erinnerungen bis heute nicht los. Längst vergessen geglaubte seelische Verletzungen brechen im Alter wieder auf, vor allem wenn die intellektuelle Selbstkontrolle, sprich Verdrängung, abnimmt. Diese Erfahrung machen auch häufiger Pflegekräfte, die es in Altersheimen mit Menschen zu tun haben, die den Zweiten Weltkrieg noch persönlich erlebt haben. Ob es die panische Reaktion auf ein Gewitter ist, das Horten von Lebensmitteln oder die Weigerung, sich vor dem Arzt auszuziehen: Was heute für Außenstehende als unerklärliches Verhalten erscheint, sind oftmals die Folgen von traumatischen Erlebnissen, die im Alter wieder lebendig werden. Lange galt das Trauma dieser Kriegskinder als Tabuthema. Zum einen gab es den inzwischen widerlegten Einwand, eine Traumatisierung könne sich nicht Jahrzehnte später zeigen. Gerade aber die Holocaust-Forschung hat gezeigt, wie sehr traumatisierende Erlebnisse bis ins hohe Alter fortwirken und im Alter sogar stärker in Erscheinung treten können. Zum anderen wog aber auch der Vorwurf schwer, die Beschäftigung mit den Leiden der „Täter“ führe dazu, die Verbrechen an den Opfern, die millionenfache Ermordung der Juden zu relativieren. Doch seit einigen Jahren gibt es in der Traumaforschung ein Umdenken: Das Wissen um die unmenschlichen Verbrechen der Deutschen als Tätervolk kann kein Grund sein, das Leid vieler Kriegskinder auf der Täterseite zu ignorieren. Aus Anlass des Endes des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren spricht an diesem Sonntagmorgen Meinhard Schmidt-Degenhard mit dem Arzt und Altersforscher Hartmut Radebold, Kassel.

So, 3. Mai · 17:30-18:00 · Das Erste (ARD)
Der Sohn des Nazis

Die Geschichte des Bernd Wollschlaeger klingt unglaublich. 1958 im beschaulichen Bamberg geboren, ist für den kleinen Bernd die Welt zunächst noch in Ordnung. Allenfalls die Besuche der Kriegskameraden seines Vaters, bei denen die „gute alte Zeit“ beschworen wird, kommen ihm merkwürdig vor. Als er in der Schule dann zum ersten Mal vom Holocaust hört, beginnt er endgültig, Fragen zu stellen. Was er dabei erfährt, erschüttert ihn bis ins Mark. Bernds Vater war ein überzeugter Nazi, der als Panzerkommandant überall an vorderster Front seine Angriffe fuhr: beim Einmarsch in Polen, bei der Besetzung Frankreichs wie bei der Invasion Russlands. Das Ritterkreuz, das „sein Führer“ ihm dafür angeheftet hat, hütet er wie ein Heiligtum. Bernd Wollschlaeger knüpft Kontakte zur kleinen jüdischen Gemeinde in Bamberg. Sie wird seine zweite Familie, bis ihm sein Vater ein Ultimatum stellt: „Sie oder wir“. Zur Entscheidung gedrängt, trennt sich Wollschlaeger von seiner Familie. Er tritt zum Judentum über, emigriert nach Israel, wird Arzt und wandert schließlich in die USA weiter. Seine Familiengeschichte macht er selbst gegenüber seiner Frau und seinen Kindern zunächst zum Tabu, hält sie für seine Privatsache. Inzwischen allerdings ist der Kampf gegen Rassenhass und für eine Verständigung zwischen den Völkern und Religionen Bernd Wollschlaegers großes Thema geworden. Vor dem Hintergrund seiner eigenen Geschichte hält er dazu überall auf der Welt leidenschaftliche Vorträge. Nur dort, wo diese Geschichte vor über 30 Jahren begann, hat er sie noch nie erzählt: in Deutschland. Fast 70 Jahre nach dem Holocaust und in einer Zeit, in der überall in Europa ein neuer Antisemitismus ausbricht, hat Filmautor Uri Schneider jetzt Bernd Wollschlaeger in seine Heimatstadt Bamberg zurückgebracht. Entstanden ist dabei ein Film über eine Reise voller überraschender Begegnungen: Wollschlaegers Schwester Helga wollte die Wahrheit über ihren Vater nie wissen: Die Beschäftigung mit der Vergangenheit hilft ihr, eine neue Beziehung zu ihrem Bruder aufzubauen. In einer Bamberger Schule spricht Wollschlaeger vor Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft: Sie können überhaupt nicht verstehen, was Fremdenhass bedeutet. Und ein Militärexperte enthüllt schließlich ein bis dahin gehütetes Geheimnis: Kriegskameraden von Bernd Wollschlaegers Vater haben für Juden heilige Torahrollen zerschnitten, um mit ihnen ausgerechnet die Vergaser ihrer Panzermotoren abzudichten. Mit „Der Sohn des Nazis“ zeichnet der Filmemacher Uri Schneider das Porträt eines Menschen, der mit den Dämonen der Vergangenheit ringt – bis heute.

So, 3. Mai · 23:05-23:57 · arte
Mondscheinsonate – Die Volkspianistin Elly Ney

Elly Ney (1882-1968) ist ein Mythos, eine Legende. Die einen verehrten sie als Hohepriesterin Beethovens. Für die anderen war sie Hitlers Pianistin. Sie selbst verstand sich als Volkspianistin. Wie Leni Riefenstahl oder Winifred Wagner ließ sie sich von der Naziideologie verführen und wurde eine willige Helferin und Profiteurin des Hitler-Regimes. Ihr Publikum bejubelte sie als größte Beethoven-Interpretin ihrer Zeit, doch bis heute gilt Elly Ney als die umstrittenste Pianistin des zwanzigsten Jahrhunderts. Um 1900 verkörperten Beethoven und seine Musik das Bild eines männlichen, kraftvollen Titanen und seine Klavierwerke galten für Frauen als unspielbar. Elly Ney (1882-1968) war eine der wenigen Ausnahmen. Wie keine Interpretin zuvor identifizierte sie sich mit dem Leben und der Musik Beethovens. Sogar ihr Äußeres gestaltete sie à la Beethoven – mit verinnerlicht grimmigem Blick und ungezähmter, wilder Frisur. Nach ihrem Debüt in der New Yorker Carnegie Hall und einer glanzvollen Karriere in den USA wurde sie im Dritten Reich zur Beethoven-Ikone, die ihre Konzerte wie Andachten zelebrierte, in denen sie das „Heiligenstädter Testament“ rezitierte. „Die Ney“ war die einzige deutsche Pianistin, der es zu ihrer Zeit gelang, sich neben ihren männlichen Kollegen Artur Schnabel, Wilhelm Backhaus und Wilhelm Kempff als Beethoven-Interpretin solistisch und vor dem Orchester einen Namen zu machen. Ihre Aufnahmen des Klavierwerks von Beethoven sind legendär. In seiner biografischen Dokumentation zeichnet Axel Fuhrmann einerseits die außergewöhnliche pianistische Karriere Elly Neys nach. Andererseits sucht er mit Zeitzeugen und Historikern nach Erklärungen dafür, warum sie eine Nationalsozialistin und Helferin des Hitler-Regimes wurde, die bis zu ihrem Tod 1968 ihre Schuld nicht eingestand. Der Film erzählt, wie die NS-Propaganda Beethoven für ideologische Zwecke nutzte und welche Rolle Elly Ney bei der Verbreitung seiner Musik spielte. An Originalschauplätzen und mit Foto-, Film- und Briefdokumenten aus privaten und öffentlichen Archiven geht Axel Fuhrmann auf eine spannende Spurensuche im Leben und Wirken Elly Neys.

So, 3. Mai · 23:30-00:15 · ZDF
ZDF-History: Deutschland 1945 von oben

Nach der Kapitulation am 8. Mai 1945 gleicht Deutschland einer Trümmerwüste. Mithilfe von Luftaufnahmen alliierter Militärs blickt die Dokumentation erstmals von oben auf die Zerstörungen. Noch in den letzten Kriegsmonaten fallen zigtausende Bomben auf deutsche Städte, darunter Dresden, Würzburg und Mainz. Hunderttausende Menschen verlieren ihr Zuhause, ihre Familien und oft auch ihren Lebensmut. Im Sommer 1945 schauen sie in eine ungewisse Zukunft. Denn in den Städten herrscht das Chaos. Hitlers Krieg hatte eine Dynamik der Gewalt entfacht, die weit über die Kapitulation hinauswirkte. Am Beispiel der Städte Berlin, Dresden und Köln blickt die Dokumentation auf das Leben der Deutschen zwischen den Trümmern und vergleicht die Filmaufnahmen der Westmächte aus dem Sommer 1945 mit Aufnahmen aus den 30er Jahren und aus der Gegenwart, 70 Jahre danach.

Mo, 4. Mai · 00:00-01:30 · MDR Sachsen
Der Anständige

Am 6. Mai 1945 besetzen Soldaten der 88. US-Armeedivision das Haus der Familie Himmler in Gmund am Tegernsee. Sie finden Hunderte von privaten Briefen, Dokumenten, Tagebüchern und Fotos. Anhand dieses Materials und mit zahlreichen historischen Aufnahmen skizziert der Film das Denken, die Ideale, Pläne und Geheimnisse des SS-Führers und Architekten der Endlösung Heinrich Himmler. Wie konnte aus dem nationalistischen Kleinbürgersohn jener enge Gefolgsmann Hitlers werden, der die Strategien zur Ermordung von Millionen Juden, Homosexuellen, Kommunisten, Sinti und Roma entwarf und durchführte? Woher kam seine Ideologie? Wie sah er sich selbst und wie wurde er von seinem privaten Umfeld wahrgenommen, der Frau Margarete, der Tochter Gudrun, der Geliebten Hedwig? Wie konnte der Mann, der sich in Briefen stets auf sogenannte deutsche Tugenden – Ordnung, Anstand, Güte – berief, mitten im Grauen von Krieg und Holocaust nach Hause schreiben: „Trotz der vielen Arbeit bin ich wohlauf und schlafe gut“? Ein Film über die Anmaßungen eines Massenmörders und die Verdrängung jeglicher Schuld.

Mo, 4. Mai · 01:10-03:00 · Das Erste (ARD)
Die Spiele der Frauen

Europa, 1933. Die attraktive Aristokratentochter Gilda beginnt in Cambridge eine kurze, leidenschaftliche Affäre mit dem Studenten Guy. Jahre später treffen sich die beiden in Paris wieder. Guy zieht bei Gilda und ihrer Freundin Mia ein, und gemeinsam verlebt das exzentrische Trio eine unbeschwerte Zeit in der französischen Metropole. Mit Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs und des Zweiten Weltkriegs trennen sich die Wege der Freunde, da Guy und Mia sich im Gegensatz zu der politisch desinteressierten Gilda den Antifaschisten anschließen wollen. Erst 1944 treffen Guy und Gilda in Paris erneut aufeinander – Guy als britischer Agent und seine große Liebe Gilda als vermeintliche Geliebte eines Nazi-Majors.

Mo, 4. Mai · 20:15-21:45 · 3sat
Unsere Mütter, unsere Väter (1/3) Eine andere Zeit

Fünf Freunde nehmen 1941 Abschied voneinander mit dem Versprechen, sich nach dem Krieg wiederzusehen. Noch ahnen sie nicht, wie sehr die kommenden Erlebnisse sie verändern werden. Wilhelm und sein schöngeistiger Bruder Friedhelm sind an die Ostfront beor-dert, Charlotte wird als Krankenschwester dort tätig sein. Greta will als Schlagersängerin in Berlin Karriere machen, und für den jüdischen Viktor wird die Situation zunehmend schwieriger. Nach anfänglich großen Erfolgen dringt die deutsche Wehrmacht in Richtung Moskau vor. Je länger der Krieg im Osten andauert, desto öfter erleben der kriegserfahrene Leutnant Wilhelm und sein Bruder Friedhelm, ein einfacher Soldat, die Schrecken des Russlandfeldzugs. Als die beiden Zeugen eines Pogroms in einem ukrainischen Bauerndorf werden, bei dem ein deutscher Offizier ein 14-jähriges Mädchen erschießt, geraten ihre bisherigen Einstellungen zum Krieg ins Wanken. Auch Charlotte trifft im Lazarett auf die grausame Kriegswirklichkeit. Als sie eine jüdische Ärztin unter den Krankenschwestern ausmacht, sieht sie sich vor eine schwere Gewissensprüfung gestellt. Greta arbeitet derweil in Berlin an ihrer Karriere als Schlagersängerin und beginnt eine Affäre mit Sturmbannführer Dorn von der SS – eine Liaison, die sie vor ihrem jüdischen Freund Viktor verheimlicht. Für Viktor und seine Eltern wird die Situation zunehmend schwieriger. Sie wollen das Land verlassen, doch das ist inzwischen fast unmöglich. Greta nutzt ihre Beziehung zu Dorn, um Papiere für Viktor zu besorgen. Doch noch in Berlin wird Viktor verhaftet. Dorn hat ihn verraten. Der Herbst geht zu Ende, der „Blitzkrieg“ ist gescheitert, und die Wehrmacht steckt vor Moskau fest. Friedhelm stumpft durch die Kriegserlebnisse zunehmend ab, während Wilhelm langsam am Sinn des Krieges zu zweifeln beginnt. Die weiteren beiden Teile des Dreiteilers „Unsere Mütter, unsere Väter“ zeigt 3sat an den kommenden Tagen jeweils um 20.15 Uhr.

Mo, 4. Mai · 21:00-21:45 · BR
Lebenslinien

Niklas Franks Leben ist bestimmt von der Auseinandersetzung mit seinem Vater, Hans Frank, dem „Schlächter von Polen“, der im Zweiten Weltkrieg verantwortlich für den Tod Abertausender Juden gewesen ist. Mit knapp 50 Jahren stellt sich Niklas seinem „väterlichen Erbe“ mit einem radikalen Befreiungsschlag. Wie ein Prinz wächst Niklas, der jüngste von fünf Geschwistern, in einem polnischen Schloss auf. Sein Vater ist Hans Frank, der berüchtigte „Schlächter von Polen“. Während des Zweiten Weltkriegs war er als Generalgouverneur im besetzten Polen mitverantwortlich für die Ermordung Hunderttausender Menschen. Nach der Liebe der Eltern sehnt sich Niklas vergebens. Die Mutter ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt, der Vater argwöhnt, dass Niklas ein Kuckuckskind sei, und verweigert ihm deshalb die Zuneigung. Nach dem Krieg geht die Mutter mit den Kindern zurück in ihr Elternhaus am Schliersee. Dort verfolgt die Familie den Prozess gegen den Vater, an dessen Ende der Tod durch den Strang steht. Niklas ist hin- und hergerissen: Einerseits profitiert er auch nach Kriegsende in gewissen Kreisen vom Namen seines Vaters, andererseits hasst er ihn. Nach der Schule beginnt er verschiedene Studiengänge, schließt aber keinen ab. Eher durch Zufall wird er Journalist. Niklas heiratet und bekommt eine Tochter. Über 20 Jahre lang sammelt er sämtliches Material, das er über Hans Frank finden kann und veröffentlicht 1987 eine sehr persönliche Abrechnung mit dem Vater. Das Buch löst heftige Kontroversen aus. Niklas wird als „Vatermörder“ und „Nestbeschmutzer“ beschimpft, seine Geschwister brechen den Kontakt zu ihm ab. Für Niklas ist die Veröffentlichung jedoch ein Befreiungsschlag. Er hat darin einen Weg gefunden, sich seinem „väterlichen Erbe“ zu stellen. Heute wirkt er versöhnt mit sich und seinem Leben, auch wenn der Schmerz über die Verbrechen des Vaters ihn immer begleiten wird.

Mo, 4. Mai · 22:00-22:45 · WDR
Die Spur der Schlange – Auf der Suche nach den Nazi-Milliarden

WDR-Reporter Ingolf Gritschneder hat die Geschichte des hochrangigen Schreibtischtäters rekonstruiert. Erst jetzt führen neue Recherchen zu den Nachfolgern des bereits lange verstorbenen Top-Nazis und zu seinem Vermögen, das inzwischen offenbar immer noch reichlich Rendite erwirtschaftet. Entstanden ist dabei das Porträt eines skrupellosen Hintermannes der Nazi-Diktatur und die Geschichte einer abenteuerlichen Flucht, von der Zeitzeugen noch heute berichten können. Der Jurist Kadgien, Jahrgang 1907, war in der Vier-Jahresplan-Behörde von Reichsmarschall Herrmann Göring zuständig für Devisenfragen und Zwangsarbeiter. Seine wichtigste Aufgabe war der Verkauf geraubter Aktien und Wertpapiere über Schweizer Tarnfirmen und Banken. Damit verschaffte er der nationalsozialistischen Kriegsmaschinerie Milliarden dringend benötigter Devisen. Bereits im Frühjahr 1945 setzte sich Kadgien in die Schweiz ab, wo er Zugriff auf geheime Konten der Nazis hatte. Schätzungen gehen von einem bei Kriegsende dort versteckten Vermögen zwischen einer und drei Milliarden Reichsmark aus. „die story“ beleuchtet die weithin unbekannte „Geheime Reichssache Devisen“ und enttarnt ihre Hintermänner. Sichtbar wird ein Netzwerk von Firmen und Banken, das Kadgien und seine Helfershelfer in der Schweiz errichteten und das offenbar auch nach dem Krieg noch bestens funktionierte. Die Dokumentation zeigt auch, wie binnen weniger Jahre aus dem Hehler Hitlers ein unbescholtener Geschäftsmann mit besten Kontakten in sein Heimatland wurde; ein Biedermann, der in Südamerika lukrative Geschäfte betrieb.

Mo, 4. Mai · 22:25-23:15 · 3sat
Von Viehhändlern, koscherer Küche und Ehevermittlung

Bis vor 150 Jahren durften Schweizer Juden nur in zwei Aargauer Dörfern leben. In Endingen und Lengnau führten sie ein ärmliches Leben als Händler und Hausierer. Beide Dorfbilder werden von einer Synagoge geprägt, ein verwunschener Friedhof liegt am Weg zwischen Endingen und Lengnau, und immer noch zeugen Wohnhäuser mit doppelter Eingangstür von der speziellen Cohabitation. Die Wurzeln der meisten Schweizer Juden reichen nach Endingen und Lengnau zurück. Wie zum Beispiel die Familie Guggenheim, die in Amerika als Industrielle zu Reichtum und als Mäzene zu Anerkennung kam. Auf eine Spende dieser wohl berühmtesten Surbtaler Familie geht auch die Gründung des Schweizerischen Israelitischen Alters- und Pflegeheims „Margoa“ in Lengnau zurück. Weitere bekannte jüdische Bürger dieser Gemeinden sind der Schriftsteller Charles Lewinsky und die alt Bundesrätin Ruth Dreifuss. In der Alten Eidgenossenschaft, endgültig ab 1776, durften sich Juden nur in den beiden Dörfern in der damaligen Grafschaft Baden niederlassen. Gemäß einer Bestimmung mussten Juden und Christen „abgesondert und nicht beieinander wohnen“, doch dem halfen sie ab, indem sie gemeinsame Wohnhäuser jeweils mit zwei identischen, nebeneinanderliegenden Eingängen versahen. Erst 1866 erlangten sie die Freizügigkeit, und die meisten von ihnen wanderten in den folgenden Jahrzehnten ab. Kathrin Winzenried macht sich auf Spurensuche und trifft dabei zum Beispiel den 99-jährigen Max Wyler, der 1915 im Surbtal zur Welt kam und bis heute als Viehhändler tätig ist. Sie unterhält sich auch mit Roy Oppenheim, einem Einwohner Lengnaus, der nicht nur einen jüdischen Kulturweg initiiert hat, sondern sich stark dafür engagiert, dass die Geschichte des Schweizer Judentums lebendig bleibt. In Endingen trifft sie auf die Familie Bloch, eine der letzten jüdischen Familien im Surbtal. Jules Bloch ist nach seiner Pensionierung zum Beruf seiner Väter zurückgekehrt und betreibt nun einen schwunghaften Viehhandel. Er erzählt nicht nur davon, sondern auch, wie er auf Vermittlung seiner Tante seine Frau Raymonde kennengelernt hat. Das Matchmaking, die jüdische Heiratsvermittlung, ist bis heute gang und gäbe in jüdischen Kreisen: Jules und Raymondes Tochter Esther hat ihren holländischen Ehemann David Krammer ebenfalls auf Vermittlung eines Bekannten kennengelernt.

Mo, 4. Mai · 23:40-01:15 · MDR Sachsen
Wunderkinder

Vor ihrem Abschiedskonzert erhält die gefeierte Violinistin Hanna Reich ein verblichenes Notenheft: die Freundschaftspartitur. Aufgewühlt von Erinnerungen, erzählt Hanna ihrer Enkelin die Geschichte dieser Musik, die 1941 in der Ukraine entstand, wo Hanna einst aufwuchs: Als junges Mädchen ist sie, die selbst Violine spielt, von einem Konzert der Wunderkinder Abrascha und Larissa so hingerissen, dass sie deren Freundschaft sucht. Die Musik verbindet, bald ist das jugendliche Trio unzertrennlich und schreibt gemeinsam jene Freundschaftspartitur. Doch mit dem deutschen Einmarsch endet die unbeschwerte Kindheit. Ein geheimnisvoller Umschlag konfrontiert die gefeierte Violinistin Hanna Reich (Brigitte Grothum) kurz vor ihrem Abschiedskonzert mit lange zurückliegenden Erinnerungen: Es sind die Noten zur Freundschaftspartitur. Tief bewegt erzählt Hanna ihrer Enkelin Nina (Mathilda Adamik) von den Ereignissen um diese Partitur im Kriegsjahr 1941. Eine Geschichte, die von tiefer Freundschaft, Todesgefahr, Zivilcourage und der leidenschaftlichen Liebe zur Musik handelt. Hanna (ebenfalls Mathilda Adamik) lebte damals mit ihren Eltern, Brauereidirektor Max Reich (Kai Wiesinger) und Helga (Catherine Flemming), in Poltava in der Ukraine. Dort gibt es nur ein Thema, die jüdischen Wunderkinder Abrascha (Elin Kolev) und Larissa (Imogen Burrell), Stars an Violine und Klavier. Sie spielen vor der Partei-Elite und vor Stalin selbst. Und erhalten sogar eine Einladung, in der New Yorker Carnegie Hall zu konzertieren. Auch Hanna, die selber Geige spielt, besucht ihr Konzert. Dieser Konzertbesuch wird zur schicksalhaften Begegnung. Fortan hat Hanna nur den Wunsch, mit den beiden zu musizieren und ihre Freundin zu werden. Der gemeinsame Unterricht bei ihrer Lehrerin Irina Salomonowa (Gudrun Landgrebe) und die Liebe zur Musik verbindet die Kinder schließlich. Gemeinsam schreibt das Trio an der Freundschaftspartitur und besiegelt den Freundschaftspakt. Doch ihr Leben ändert sich jäh: Hitler erklärt Russland den Krieg, die Deutschen werden zu Feinden. Hanna, Abrascha und Larissa sehen, wie der Krieg Familien auseinanderreißt und tödliche Gefahren bringt. Und zur Mutprobe für ihre deutsch-jüdische Freundschaft wird. Als Hannas Eltern der Spionage verdächtigt werden, verstecken Abraschas und Larissas Familien sie im Wald. Doch mit dem Einmarsch deutscher Truppen ändert sich alles erneut – jüdische Familien erleben nun die Schrecken des Pogroms. Jetzt können die Reichs, wieder zu Ansehen gekommen, ihren Rettern helfen. Aber die geplante Flucht misslingt – und die Reichs hoffen, durch den Kontakt zu SS-Standartenführer Schwartow (Konstantin Wecker) die Freunde vor dem Lager zu bewahren. Schwartow, nach außen hin generöser Kulturliebhaber und vom Talent der Wunderkinder angetan, lässt diese zu Himmlers Geburtstag ein Konzert geben. Sein perfider Plan: Gelingt es ihnen, fehlerfrei zu spielen, verspricht er ihnen und ihren Familien die Freiheit. Während der sadistische Offizier nur auf einen Fehler wartet, spielen Abrascha und Larissa um ihr Leben.

Di, 5. Mai · 07:30-08:00 · RBB Berlin
Menschliches Versagen (1)

Was ist passiert mit dem Hab und Gut von Millionen von ermordeten Juden? Schätzungsweise 20.000 Akten stehen auf dem Dachboden der Oberfinanzdirektion Köln. Die Formulare darin stammen aus der NS-Zeit. Der Historiker Wolfgang Dreßen entstaubt die Dokumente und erfährt, wohin Geld und Haushaltsgegenstände damals gegangen sind. Dreßen rekonstruiert so einzelne Schicksale. Schätzungsweise 20.000 Akten stehen auf dem Dachboden der Oberfinanzdirektion Köln. Die Formulare darin stammen aus der NS-Zeit. Was ist passiert mit dem Hab und Gut von Millionen von ermordeten Juden? Der Historiker Wolfgang Dreßen entstaubt die Dokumente und erfährt, wohin Geld und Haushaltsgegenstände damals gegangen sind. Dreßen rekonstruiert so einzelne Schicksale – zum Beispiel das von Salli Levi. Aus einem Zeitungsartikel von Dreßen erfahren Levis Nachkommen, was mit ihm passiert ist. Vor der Deportation musste jeder Jude schriftlich sein Vermögen freigeben. Denn wer als Jude aus Deutschland – zwangsweise oder freiwillig – auswanderte, musste seinen Besitz dem Staat überlassen. Auf dem Formular auch vermerkt: Salli Levi, Ehefrau Frieda und Tochter Alma wurden nach Lodz deportiert.

Di, 5. Mai · 08:55-10:25 · arte
Eine Blutspur durch Frankreich – Die SS-Panzer-Division „Das Reich“

Die Massaker von Tulle und Oradour-sur-Glane, die während des Zweiten Weltkriegs in Frankreich verübt wurden, haben sich tief in die kollektive Erinnerung des Landes eingebrannt. Doch wer waren die Täter? Dieser Frage geht Michaël Prazans Film nach. Er rollt dazu die Ereignisse des Juni 1944 auf und zeichnet den Marsch der SS-Panzer-Division „Das Reich“ von Südwestfrankreich in die Normandie nach. 6. Juni 1944: D-Day. Nach der Landung der Alliierten an den Stränden der Normandie setzte sich die bis dahin unweit von Montauban stationierte SS-Panzer-Division „Das Reich“ in Richtung Norden in Bewegung. Ihr Befehl lautete, die Résistance auszumerzen, sich am Ziel der Schlacht in der Normandie anzuschließen, um deren Ausgang zu beeinflussen. Die Widerstandskämpfer, unter ihnen auch die 23-jährige Violette Szabo, und die von London entsandten Sondereinsatztruppen versuchten, den Vormarsch um jeden Preis zu verzögern. Auf ihrem Weg lieferte sich die SS-Division immer wieder blutige Kämpfe mit der Résistance und verübte grausame Massaker an Zivilisten. Mit Farbaufnahmen aus jener Zeit illustriert der Dokumentarfilm in der Art eines Roadmovies diese für den Ausgang des Zweiten Weltkriegs entscheidenden Wochen. Parallel zu den geschichtlichen Fakten schildert er den Werdegang der schon an der Ostfront in Massenmorde verwickelten SS-Offiziere, aber auch das Schicksal von Menschen wie Violette Szabo, deren Auftrag es war, die Pläne der Nazis zu durchkreuzen. Deutlich wird dabei auch das heillose Chaos der letzten Kriegsmonate. Der Film führt dem Zuschauer das ganze Grauen der größten je auf französischem Boden verübten Massaker vor Augen und erweist den unbekannten Helden, denen Frankreich die Befreiung verdankt, eine bewegende Hommage.

Di, 5. Mai · 20:15-21:00 · HR
Tage zwischen Krieg und Frieden – Hessen im Frühjahr 1945

Vor genau 70 Jahren rückt die US-Armee vom Südwesten her auf das heutige Hessen vor. Es dauert etwa zwei Wochen, bis das Gebiet von der Nazi-Herrschaft befreit ist. Es sind dramatische Tage. Der Film folgt dem Weg der amerikanischen Soldaten durch Hessen. Bewegende Interviews mit Zeitzeugen und persönlich erzählte Geschichten voller Dramatik lassen die Tage zwischen Krieg und Frieden noch einmal lebendig werden. Wie die Menschen in Hessen diese Tage erlebten – ob als Befreiung oder als Kapitulation und Besetzung -, das wird eindrucksvoll erzählt. Vor genau 70 Jahren rückt die US-Armee vom Südwesten her auf das heutige Hessen vor. Es dauert etwa zwei Wochen, bis das Gebiet von der Nazi-Herrschaft befreit ist. Es sind dramatische Tage. Wenn die deutschen Truppen auch in vielen Städten wie Darmstadt, Frankfurt oder Wiesbaden kaum noch Widerstand leisten, gibt es doch Bürgermeister und Nazifunktionäre, die sinnlosen Durchhalteparolen folgen und Blutvergießen und Angriff in Kauf nehmen. In Limburg und Fulda, in Kassel und Offenbach werden Brücken gesprengt, Straßen zerstört – aber das kann den Vormarsch der Amerikaner nicht mehr aufhalten. Zeitzeugen erinnern sich an die letzten Kriegstage und die ersten Begegnungen mit dem Feind, wie aus Angst Neugier wurde. Sie waren damals Kinder, und Schokolade und Kaugummi halfen bei der Verständigung. Aber zahlreiche Anhänger des NS-Regimes wollen noch ihre Verbrechen vertuschen oder weigern sich zu kapitulieren. Sie nehmen viele Menschen mit in den Untergang. Am 21. März 1945 ermorden Nazis in Trebur-Kornsand auch die Eltern von Hermann Eller, die Sozialdemokraten waren. Nur einen Tag später überschreitet die 3. US-Armee den Rhein und landet in Trebur. Sie wird auf heute hessischem Boden noch viele Spuren von NS-Verbrechen finden. Erst als die Amerikaner Hadamar besetzen, endet dort die fabrikmäßige Ermordung kranker und behinderter Menschen. Man zählt mehr als 14.400 Opfer. Die Frauen aus dem Frankfurter Gestapogefängnis in der Klapperfeldstraße müssen noch auf einen Todesmarsch nach Hirzenhain und werden dort hinterrücks ermordet. Wiesbaden wird zum Hauptquartier der US-Armee, Fulda will bis zum letzten Blutstropfen kämpfen, dann kann der Bürgermeister dem Spuk mit einem weißen Taschentuch doch ein Ende setzen. In Hessisch Lichtenau können die Amerikaner einige jüdische Zwangsarbeiterinnen aus der nahen Rüstungsfabrik vor dem Todesmarsch retten, die Festung Kassel zwingen sie zur Aufgabe. Der Film folgt dem Weg der amerikanischen Soldaten durch Hessen. Bewegende Interviews mit Zeitzeugen und persönlich erzählte Geschichten voller Dramatik lassen die Tage zwischen Krieg und Frieden noch einmal lebendig werden. Wie die Menschen in Hessen diese Tage erlebten – ob als Befreiung oder als Kapitulation und Besetzung -, das wird eindrucksvoll erzählt.

Di, 5. Mai · 22:45-23:30 · HR
1945 – Als die Franzosen Deutschland besetzten

Der Krieg von 1870/71 mit der anschließenden Annexion des Elsass und Teilen Lothringens, der Erste Weltkrieg sowie der Zweite Weltkrieg und die damit verbundene deutsche Besatzung Frankreichs belegen das schwierige Verhältnis zwischen Franzosen und Deutschen. Doch schon bald nach dem Ende des Naziterrors begann eine erstaunlich rasche Aussöhnung zwischen den Völkern. Die Dokumentation lässt Zeitzeugen zu Wort kommen, die als Soldaten mit Rachegefühlen von Frankreich nach Deutschland kamen, doch durch das Leid der deutschen Bevölkerung und durch menschliche Kontakte ihre Ressentiments schneller als erwartet überwinden konnten. „Jetzt sind die an der Reihe! Soll der Krieg ruhig mal bei ihnen stattfinden!“ So wie Claude Boussagol dachten im Frühjahr 1945 viele französische Soldaten, die nach Deutschland einmarschierten. Und natürlich dachten sie an Rache für die Opfer in Familie und Freundeskreis, für die vier Jahre währende deutsche Besatzung, für den Terror und die Ausbeutung. Der Großvater von Claude Boussagol hatte bereits im Krieg von 1870/71 und der Vater im Ersten Weltkrieg gegen die Deutschen kämpfen müssen. Die Elsässer Frédéric Baehr und Jean-Paul Bailliard wurden von den Nazis zwangsrekrutiert und an die Ostfront geschickt. Die jungen jüdischen Soldaten Henry Becker und Jean-Mathieu Boris trauerten um Verwandte, die von den Deutschen deportiert und ermordet wurden. In der Dokumentation schildern die Zeitzeugen sehr offen, mit welchen Gefühlen sie vor mehr als 60 Jahren in das Land einmarschierten, das ihnen so viel Leid zugefügt hatte. Gefühle, die heute nach Jahrzehnten deutsch-französischer Aussöhnung und gemeinsamer Fortschritte bei der Schaffung eines geeinten Europas sehr weit weg scheinen. Für die französischen Zeitzeugen hatte der Konflikt mit dem deutschen Nachbarn damals noch etwas Zwangsläufiges: „Es war, als müsse es alle 30 Jahre einen Krieg geben“, sagt Claude Boussagol. Mit der deutschen Terrorherrschaft und dem Zweiten Weltkrieg hatte die von der nationalen Propaganda heraufbeschworene Erbfeindschaft noch einmal neue Nahrung bekommen. Und dennoch sollte das Kriegsende 1945 zum Wendepunkt im deutsch-französischen Verhältnis werden. Das Leid, dem die jungen französischen Soldaten in Deutschland selbst begegneten, die menschlichen Kontakte, die sie knüpften, relativierten alte Feindbilder und legten den Grundstein für einen Neubeginn. Dass trotz der tiefen Wunden, die drei Kriege bei beiden Völkern hinterlassen hatten, der Wandel in den französisch-deutschen Beziehungen bereits in den ersten Monaten nach Kriegsende 1945 seinen Anfang nahm, ist die Erkenntnis, die die Dokumentation mit berührenden Einzelschicksalen und außergewöhnlichem Archivmaterial belegt.

Mi, 6. Mai · 00:15-01:05 · MDR Sachsen
Klemperer – Ein Leben in Deutschland 11/13

Februar 1943, der Hunger wird immer quälender. Hinzu kommt Victors Zwangsarbeit in einer Abdeckerei und der entsetzliche Gestank, den er abends mit nach Hause bringt. Damit nicht genug: Der Judenratsvorsitzende Bergsohn erklärt Victor, dass er nicht länger bereit ist, die Katze zu dulden, die die Klemperers noch immer heimlich halten. Das Tier muss weg. Gleichzeitig betraut Bergsohn Victor noch mit einer grausigen Aufgabe: Er drückt ihm ein Paket für die Kraithaims in die Hand. Absender: ein Lager in Riga. Februar 1943, der Hunger wird immer quälender. Hinzu kommt Victors Zwangsarbeit in einer Abdeckerei und der entsetzliche Gestank, den er abends mit nach Hause bringt. Damit nicht genug: Der Judenratsvorsitzende Bergsohn erklärt Victor, dass er nicht länger bereit ist, die Katze zu dulden, die die Klemperers noch immer heimlich halten. Das Tier muss weg. Gleichzeitig betraut Bergsohn Victor noch mit einer grausigen Aufgabe: Er drückt ihm ein Paket für die Kraithaims in die Hand. Absender ist ein Lager in Riga. Victor bringt es nicht übers Herz, Eva die Wahrheit zu sagen. Stattdessen setzt er die Katze „Onkelchen“ heimlich aus. Selbst Eva verlässt allmählich der Mut. Sie kann sich nicht überwinden, den Kraithaims das Paket mit der Asche ihrer Tochter zu übergeben. Doch Bergsohn, der zusammen mit Müller wegen der Beschlagnahmung aller Medikamente ins „Judenhaus“ kommt, macht brutal Schluss mit den gnädigen Lügen. Die Beschlagnahme hat für das zuckerkranke Trudchen Treuhänder dramatische Folgen: Sie erleidet einen Zuckerschock. Entschlossen alarmiert Eva mitten in der Nacht Annemarie Euler. Dabei erfährt sie aus Zufall, dass die treue Freundin Parteimitglied ist, seit 1927 schon. Doch Annemarie ist wie immer: Auch diesmal hilft sie wieder ohne zu zögern. Weniger barmherzig zeigt sich Bergsohn. Bislang hat er gegen gute Bezahlung Weinsteins geheime Talmudschule „übersehen“. Doch eines Tages wird Weinstein samt seiner Schüler verhaftet.

Mi, 6. Mai · 00:25-02:05 · Das Erste (ARD)
Wenn aus Freunden Feinde werden – An Enemy to die for

Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1939 startet der deutsche Geologe Friedrich Mann mit Kollegen aus England und Schweden eine Polarexpedition. Die Wissenschaftler wollen Beweise für die Theorie finden, dass die Kontinente der Erde vor Millionen Jahren alle miteinander verbunden waren. Doch der plötzliche Kriegsbeginn sorgt an Bord des Schiffes für immer größere Spannungen – zumal der Kapitän Norweger ist und die Besatzung aus Russen besteht. Nur mühsam können die Feindseligkeiten in Zaum gehalten werden. Schließlich erhält Mann aus Deutschland den Befehl, das Kommando an Bord zu übernehmen und mit dem Schiff in den Krieg zu ziehen. Das hochkarätig besetzte Abenteuerdrama wurde von der Kritik für die komplexe Figurenzeichnung und die packende Thriller-Spannung hoch gelobt. Europa, 1939. Trotz der angespannten politischen Situation bricht eine deutsche Polarexpedition in Richtung Arktis auf. Der Geologe Friedrich Mann (Axel Prahl) soll im Auftrag der Nazi-Regierung Beweise für eine bereits 1912 veröffentlichte Theorie sammeln: Der renommierte Wissenschaftler Alfred Wegener behauptete darin, dass alle Erdkontinente vor Millionen Jahren miteinander verbunden waren. Auf der Expedition wird Mann neben der kenntnisreichen Assistentin Leni Röhm (Jeanette Hain) auch von drei ausländischen Kollegen begleitet: Den beiden Briten Terrence (Tom Burke) und Martin (Allan Corduner) sowie dem schwedischen Sprengstoffexperten Gustav (Richard Ulfsäter). Aber auch sonst befindet Mann sich an Bord des Forschungsschiffs in eher feindlicher Umgebung: Der Kapitän (Sven Nordin) ist Norweger, die Matrosen stammen überwiegend aus Russland. Trotz der politischen Spannungen zwischen ihren Heimatländern versuchen die Expeditionsteilnehmer, sich auf ihr gemeinsames Ziel zu konzentrieren. Doch als die Nachricht vom Ausbruch des Zweiten Weltkriegs eintrifft, kann bald auch die Wissenschaft keine Brücke mehr bilden: Aus Kollegen und Partnern werden Feinde. Auf Befehl aus Berlin soll Mann den norwegischen Kapitän entmachten und mit dem gekaperten Schiff der deutschen Eismeerflotte zu Hilfe kommen. So entwickelt sich an Bord des Forschungsschiffs ein aufreibendes Psychoduell. Hass und Fanatismus brechen sich Bahn, aus der wissenschaftlichen Expedition wird ein Kampf ums Überleben. Loyalitäten bröckeln und nicht jeder an Bord ist das, was er zu sein vorgab. Vor allem Leni, die sich in Gustav verliebt hat, weiß nicht, auf welcher Seite sie stehen soll. Aber auch der linientreue Friedrich Mann beginnt, an den Befehlen aus Berlin zu zweifeln.

Mi, 6. Mai · 07:30-08:00 · RBB Berlin
Menschliches Versagen (2)

„Menschliches Versagen“ (2) beschäftigt sich mit der Zeit nach der Reichspogromnacht 1938. Der Staat erhob eine sogenannte Judenbuße dafür, dass die Juden das deutsche Volk „aufgestachelt“ hätten. Der Film zeigt die sogenannte „Arisierung“ von jüdischem Eigentum und Vermögen, die Ausgrenzung, Entrechtung und schließlich Deportation der jüdischen Bürger in Köln und München. Konkrete Geschichten von Betroffenen dokumentieren, in welchem Ausmaß die zivile Bevölkerung in Nazi-Deutschland zum Profiteur der systematischen Beraubung der Juden geworden ist. „Menschliches Versagen“ (2) beschäftigt sich mit der Zeit nach der Reichspogromnacht 1938. Der Staat erhob eine sogenannte Judenbuße dafür, dass die Juden das deutsche Volk „aufgestachelt“ hätten. Eine Milliarde Reichsmark flossen an die Finanzämter. Zusätzlich verwaltete der Staat 1,5 Milliarden Reichsmark jüdisches Aktienvermögen treuhänderisch – wie es hieß -, wandelte die Aktien eigenmächtig in verzinste Reichskriegsanleihen um. Die Juden durften jedoch weder auf die Zinsen noch auf die Anleihen zugreifen. 1938 wurden Personalausweise in Deutschland eingeführt. Nicht für jeden: Wehrpflichtige Männer bekamen einen und alle jüdischen Bürger. Sie mussten auch einen Fingerabdruck abgeben, ihr Ausweis wurde mit einem großen „J“ versehen. Die deportierten Juden mussten ihr Hab und Gut abgeben. Das löste in der deutschen Bevölkerung eine Goldgräberstimmung aus: Überall wurden Sachen versteigert. Mit dem Vermerk „Nichtarische Herkunft“ hatte das bei vielen einen besonderen Reiz – diese Versteigerungen wurden gut besucht.

Mi, 6. Mai · 13:15-14:15 · SWR BW
Planet Wissen: Warten auf Asyl – als Flüchtling in Deutschland

Die Familie Kpakou hat erlebt, wovor sich viele Flüchtlinge fürchten: nach dreizehn Jahren Duldung in Deutschland wurde sie abgeschoben. Dabei ging alles schief, was schief gehen konnte. Ein Teil der Kinder wurde von den Eltern getrennt und flog allein nach Togo, wo der Vater einst als Oppositioneller verfolgt wurde. Die Kinder wurden krank, die Familie zersplitterte. Celestine Kpakou, eine der Töchter, ist nach Deutschland zurückgekehrt. Sie erzählt von ihren Jahren in der Diktatur, der traumatischen Abschiebung und ihrem Leben als geduldete Asylbewerberin. Simone Blaschka-Eick beschäftigt sich als Leiterin des Deutschen Auswanderhauses mit dem Thema Asyl und Abschiebung. Für das preisgekrönte Museum hat sie zahlreiche Ausstellungen konzipiert und das Schicksal von Asylsuchenden recherchiert. Darunter sind auch deutsche Juden, die vor dem Terror der Nazis fliehen mussten, und deutsche Wirtschaftsflüchtlinge, die in Amerika ihr Glück suchten. * Celestine Kpakou Celestine Kpakou war sieben Jahre alt, als sie aus Togo nach Deutschland kam. Nachdem der Asylantrag der Familie abgelehnt wurde, bestimmte die Duldung ihr Leben. Das hieß: keine Klassenfahrten außerhalb des Bundeslands, kein Austauschjahr, kein Ausbildungsplatz. Nach dreizehn Jahren – wurde die Familie 2006 überraschend nach Togo abgeschoben und damit in ein Land, das wegen fortgesetzter Menschenrechtsverletzungen keine Entwicklungshilfe der Bundesrepublik erhält. Für die Kinder, die nur die hessische Provinz kannten, war die Ankunft in Togo ein Schock. Heute lebt Celestine Kpakou als einziges der neun Kinder wieder in Deutschland, wo sie eine Ausbildung zur Altenpflegerin macht. * Simone Blaschka-Eick Das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven zeichnet Lebenswege von Flüchtlingen aus und nach Deutschland nach. Simone Blaschka-Eick hat als Leiterin des preisgekrönten Museums viele dieser Lebensläufe recherchiert. Dabei durchforstete sie Archive, las Tagebücher und Briefe, stellte Fotoalben zusammen und sprach mit Flüchtlingen und ihren Kindern und Enkeln. Ein besonderer Teil des Museums ist das nachgebaute Innere eines Überseedampfers, in dem europäische Armutsflüchtlinge wochenlang in stickigen Kajüten zusammengepfercht und nur unzulänglich mit Essen versorgt wurden.

Mi, 6. Mai · 21:50-22:25 · 3sat
Kampf ums Überleben – Polen unter deutscher Besatzung

Hitlers Krieg traf 1939 Polen zuerst – und am härtesten. Kein anderes Land musste im Zweiten Weltkrieg, gemessen an der Einwohnerzahl, einen so hohen Blutzoll entrichten. Auf der Grundlage neuester Forschungsergebnisse, mit Einschätzungen polnischer und israelischer Historiker und mit Schilderungen unmittelbar Beteiligter wirft der Film einen Blick auf das Ringen der polnischen Bevölkerung und ihrer jüdischen Landsleute. Von 35 Millionen Bewohnern zu Kriegsbeginn fielen sechs Millionen Menschen, meist jüdischer Herkunft, dem Wüten der selbsternannten Herrenmenschen zum Opfer. Trotz militärischer Aussichtslosigkeit formierte sich im Verborgenen von Beginn an auch Widerstand gegen die Fremdherrschaft. Guerillagruppen verübten Anschläge im schwer zugänglichen Hinterland, Untergrundkämpfer bildeten ein Netzwerk zur Weitergabe von Waffen und Informationen. Neben der national orientierten „Heimatarmee“ Armia Krajowa, die mit Unterstützung der Exilregierung operierte, nahmen lokale, katholisch oder auch kommunistisch orientierte Gruppierungen den Kampf auf, den die Besatzungsmacht mit brutaler Repression und Massenerschießungen erwiderte. Die Dokumentation beschreibt das Dilemma dieses ungleichen Ringens, in dem ganz besonders die jüdische Bevölkerung zwischen alle Fronten geriet, und illustriert dies mit vielen, bisher unbekannten Filmaufnahmen. Dabei spart sie auch die derzeit in Polen heftig diskutierte Frage nicht aus, welchen Anteil antisemitisch gesinnte Polen an der Verfolgung ihrer jüdischen Landsleute hatten und belegt zugleich, dass es in keinem Volk so viele Menschen gab, die die Todgeweihten, oft unter eigener Lebensgefahr, retteten wie in Polen.

Do, 7. Mai · 02:35-03:20 · ZDF
Die Verbrechen der Befreier

US-Soldaten kämpften für die Demokratie und die Freiheit anderer Völker. Doch bei ihren Einsätzen begingen sie auch zahlreiche Verbrechen. Die meisten blieben ungesühnt. Der Vormarsch der Alliierten gegen Hitlers Tyrannei war nicht nur im Osten begleitet von Gräueltaten der Sieger. So mancher US-Soldat hütet neben glänzenden Orden auch ein finsteres Geheimnis. GIs erschossen deutsche Gefangene und vergewaltigten tausende Frauen. Schätzungen der deutschen Opferzahlen gehen weit auseinander und sorgen für Streit unter den Experten auch weil sie ein Tabubruch sind und in der Bundesrepublik jahrzehntelang als potenzielle Belastung für das Verhältnis zu den westlichen Bündnispartnern galten. Allein in Bayern, das im April 1945 von US-Truppen befreit wurde, gehen Historiker von mehreren tausend Sexualdelikten durch amerikanische Soldaten aus. An manchen Landungsstränden in der Normandie überlebte nur jeder zweite deutsche Kriegsgefangene. Oft gerieten die Befreier, schockiert durch deutsche Verbrechen, in eine Spirale der Gewalt. Nur ein Bruchteil der Straftaten wurde von US-Gerichten geahndet. Studien des US-Kriegsministeriums, die auf überproportional viele Übergriffe hinwiesen, wurden kurzerhand für geheim erklärt. „ZDFzeit“ dokumentiert den Streit um Disziplin und Militärjustiz in der US-Armee mit unveröffentlichten Dokumenten und bewegenden Aussagen von US-Soldaten und Opfern.

Fr, 8. Mai · 07:30-08:00 · RBB Berlin
Geigen gegen das Vergessen – „Violins of Hope“ in Berlin

Es sind außergewöhnliche Geigen, die am 27. Januar 2015 in der Berliner Philharmonie erklingen werden. Nicht wegen ihres Wertes oder Klanges, sondern wegen ihrer Geschichte. Denn die Instrumente waren einst im Besitz von europäischen Juden. Dass die Geigen und damit auch die Geschichten ihrer ehemaligen Eigentümer bis heute nicht vergessen sind, ist Amnon Weinstein zu verdanken. Es sind außergewöhnliche Geigen, die am 27. Januar 2015 in der Berliner Philharmonie erklingen werden. Nicht wegen ihres Wertes oder Klanges, sondern wegen ihrer Geschichte. Denn die Instrumente waren einst im Besitz von europäischen Juden. Menschen, die Opfer des Nazi-Terrors geworden sind. Dass die Geigen und damit auch die Geschichten ihrer ehemaligen Eigentümer bis heute nicht vergessen sind, ist Amnon Weinstein zu verdanken. Der Geigenbauer aus Tel Aviv sammelt die Violinen aus dem Holocaust und versucht, die dazugehörigen Geschichten aufzuspüren. „Violins of Hope“ hat er das Projekt getauft und schickt die Geigen für Konzerte um die Welt. Die Botschaft: Wir dürfen nie vergessen! Auf Initiative des langjährigen ersten Konzertmeisters der Berliner Philharmoniker, Guy Braunstein, kommen die Geigen nun erstmals nach Berlin – für ein Konzert anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Die rbb-Dokumentation „Geigen gegen das Vergessen“ erzählt die ungewöhnliche Geschichte des israelischen Geigenbauers und seiner einzigartigen Sammlung. Der Film dokumentiert die Reise der Violinen von Tel Aviv nach Berlin und die Begegnungen der Musiker mit den Instrumenten aus dem Holocaust. Welche Bedeutung solche Instrumente und die Musik für die Menschen im Konzentrationslager hatten, daran erinnert sich Anita Lasker-Wallfisch. Die heute 89-jährige war Cellistin im Mädchenorchester von Auschwitz und ist eine der letzten Zeitzeugen überhaupt.

Fr, 8. Mai · 11:30-12:00 · 3sat
Besonders normal: Überlebt – den Nationalsozialisten entkommen

Dass Gisela Großer über 70 geworden ist, grenzt an ein Wunder. Nur wenige Menschen mit Down Syndrom entkamen der NS-Euthanasie, der systematischen Ermordung von Menschen mit Behinderung. Gisela Großer wurde im schwäbischen Riedlingen nicht verfolgt. Auch Ilse Heinrich und Charlotte Kroll haben die Schrecken der Nazizeit überstanden. In der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück erzählen sie Jugendlichen, was sie erlebt haben.

Fr, 8. Mai · 20:15-21:48 · arte
Deckname Caracalla (1/2)

Der 18-jährige Alain ist vom Waffenstillstand Philippe Pétains im Juni 1940 schockiert. Für den bürgerlichen Royalisten und Antisemiten ist es ein Verrat. Wenn er weiterkämpfen möchte, muss er das Land verlassen. Mit einigen Kameraden verlässt er Bayonne und geht, zusammen mit Flüchtlingen aus ganz Europa, an Bord eines Schiffes mit Kurs auf Nordafrika. Er kommt allerdings nicht in Algier, sondern in England an. Dort wird er von einem unbekannten General namens de Gaulle angeworben. Dieser hat bis zu diesem Zeitpunkt nur einige Hundert bewaffnete junge Männer um sich versammelt. Es ist die Geburt des „Freien Frankreichs“. Alain verbringt zwei Jahre in London, die ihn verändern werden. Er erhält eine militärische Ausbildung, kommt zum Geheimdienst, wo er kämpfen und Spionagetechniken lernt und verbringt Weihnachten mit de Gaulle. Nach diesen beiden Jahren landen Alain und sein Freund François Briant in der Nähe von Lyon, der nicht-besetzten Zone. Nun beginnt ihre Zeit in der „wahren“ Résistance. Durch Zufall und Chaos, die in der Résistance vorherrschen, wird Alain zu einem wichtigen Zeitzeugen. In Lyon trifft er auf Rex, der niemand anderes ist als Jean Moulin, das Oberhaupt des französischen Widerstands, und Alain wird dessen Privatsekretär. Von nun an trägt er den Codenamen Caracalla.

Sa, 9. Mai · 16:30-17:00 · Das Erste (ARD)
Reportage im Ersten: Zion an der Spree

Rund 30.000 Israelis leben inzwischen in Berlin. Ein Phänomen, das nicht allein darauf beruht, dass Berlin die derzeit wohl angesagteste Stadt in Europa ist. Um Berlin herrscht derselbe Hype wie um Tel Aviv. Die beiden Städte erfinden sich ständig neu, sie sind aufstrebende Metropolen einer jungen Generation, die innovativ ist, die neue Wege sucht und für die selbst New York schon „established“ ist – oder auch manchmal einfach nur zu teuer. Es ist schon ein kleines Wunder: 70 Jahre nach Ende der Judenverfolgung ist ausgerechnet Berlin ein Anziehungspunkt für junge Israelis, der Holocaust scheint für sie weit weg. Der Film zeigt, warum sie dorthin gegangen sind, wie sie leben, wie sich eine eigene „israelische“ Szene entwickelt hat – und wie sich im Schutz der deutschen Hauptstadt junge Iraner und Israelis in israelisch-iranischen Nightclubs treffen, obwohl beide Staaten miteinander verfeindet sind. Junge Israelis in Berlin: Das bedeutet Mode, Hightech, Avantgarde, Film, Theater – häufig junge Künstler, die Teil der deutschen Kultur werden.

Sa, 9. Mai · 22:30-00:00 · PHOENIX
Erhobenen Hauptes – (Über)Leben im Kibbuz Ma’abarot

Sie gehören zur letzten Generation, die noch selbst mit den Verfolgten des Nationalsozialismus sprechen können: Eine Gruppe junger Filmemacher hat sich auf den Weg nach Israel gemacht, um die bewegenden Lebensgeschichten und reichhaltigen Erfahrungen der letzten Überlebenden der NaziVerbrechen für die Nachwelt zu dokumentieren. Im Mittelpunkt stehen fünf betagte Männer und Frauen, deren Lebensfreude, Vitalität und Humor die Zuschauer in den Bann ziehen. Sie gehören zur Aufbaugeneration der Kibbuzbewegung, eine Erfahrung, die sie tief geprägt hat. Ihre Biographien eröffnen ganz unterschiedliche Perspektiven, je nachdem, ob sie vor, während oder erst nach der NaziHerrschaft Zuflucht im Kibbuz fanden. Es geht um Verfolgung, Todesangst und Flucht aus NaziDeutschland, aber auch um die harten Anfangsjahre im Kibbuz, die Zeit ihrer Jugend. Die Autoren interessieren sich für ihre Protagonisten nicht nur als Opfer nationalsozialistischer Verfolgung, sondern als starke Persönlichkeiten, die sich mit großen Hoffnungen und Ideen für ein Leben im Kibbuz entschieden haben. Im Gepäck den Traum von Israel als Heimat und Schutzraum der verfolgten Juden aus der Diaspora.Bis heute haben sie diese Ideale und Lebensformen bewahrt und gehen immer noch zur täglichen Arbeit in der Gemeinschaft mit einer Herzenswärme, die ansteckend ist. Ma’abarot im Norden Israels, gegründet 1932, ist ein Ort, an dem sich die Geschichte Europas, des Nahen Ostens und der Diaspora spiegelt, ein Ort, an dem die Geschichte für die Gegenwart und darüber hinaus lebt.

So, 10. Mai · 11:30-12:30 · 3sat
Theresienstadt – Musik als Zuflucht

Sängerin Anne Sofie von Otter, Sänger Christian Gerhaher und Geiger Daniel Hope reisen mit Zeitzeugen nach Terezin, Theresienstadt – einen der dunkelsten Orte der Menschheitsgeschichte. Um der Öffentlichkeit menschliche Zustände im Konzentrationslager vorzugaukeln, verordnete das Nazi-Regime den Gefangenen Tanz und Musik. Das Musizieren wurde zur Überlebenschance. Jetzt lassen die Musiker die Musikstücke im ehemaligen Ghetto wieder aufleben. Sie entdecken die Musik an einem Ort des Grauens, zeigen die kostbare Begegnung mit Zeitzeugen und die teilweise sehr persönlichen Beweggründe der nächsten Musikergeneration, dem Vergessen entgegenzuwirken. Dabei lässt sich die Kraft der Kunst und ihrer Schöpfer erahnen, sie gibt den Ansporn, aus der Vergangenheit die Lehre des „Nie wieder“ zu ziehen. „Vom ersten Ton an geht es direkt in unsere Seele. Wir sind nicht mehr auf dieser Welt“, sagt Pianistin und Zeitzeugin Alice Herz-Sommer. Im Interview mit dem Geiger Daniel Hope beschreibt sie die Macht der Musik. Mit 110 Jahren war Alice Herz-Sommer die älteste Holocaust-Überlebende der Welt. Ein anderer Musiker, der noch aus eigener Erfahrung vom grausamen Leben im Ghetto berichten kann, ist der Jazz-Gitarrist Coco Schumann: Täglich musste er mit den „Ghetto Swingers“ im so genannten Caféhaus spielen. Für Coco Schumann besteht kein Zweifel: „Ich bin der Musik dankbar, weil sie mir das Leben gerettet hat!“ Hier nimmt er es auf sich, noch einmal durch die Gassen von Theresienstadt zu gehen und dort auch seine Gitarre in die Hand zu nehmen. Musikstücke von Komponisten, die in Theresienstadt interniert waren, ergänzen die Interviews, tragen die Geschichte in die Gegenwart und sollen helfen, diese Vergangenheit weiter zu verarbeiten. Komponiert wurde die Musik unter anderem von Ilse Weber, Karel Svenk, Robert Dauber, Viktor Ullmann und Pavel Haas.

So, 10. Mai · 12:30-13:00 · 3sat
Leben nach dem Überleben – Die Literatin Ruth Klüger

Das Porträt der Österreich-stämmigen amerikanischen Literaturwissenschaftlerin Ruth Klüger zeigt eine jüdische Frau, die als Kind im Wien der 1930er-Jahre ihre Heimat und Identität verlor. Mit 11 Jahren wurde sie deportiert – erst nach Theresienstadt, dann nach Auschwitz-Birkenau, zuletzt in das Lager Christianstadt. Im Februar 1945 floh sie mit ihrer Mutter. Ihr erstes Buch „Weiter leben. Eine Jugend“ gehört inzwischen zum deutschen Bildungskanon. 1992 erschien ihr Erstlingswerk auf dem deutschsprachigen Buchmarkt und war sofort ein Bestseller. Ruth Klüger erzählt in unpathetischer Weise darin ihre Geschichte. Heute zählt sie zu den anerkannten Literaturwissenschaftlerinnen und Germanistinnen der USA, sie ist Professorin in Göttingen und aus dem Deutsch- und Geschichtsunterricht nicht mehr wegzudenken.

So, 10. Mai · 18:30-19:00 · 3sat
Schatten der Vergangenheit – Die Wiener Philharmoniker im Nationalsozialismus

„My dear Nazi“, so sprach der jüdisch-stämmige Leonard Bernstein in den 1960er Jahren den Geschäftsführer der Wiener Philharmoniker, Helmut Wobisch, an. Aufarbeitung à la Bernstein. Wobisch war ein früheres SS-Mitglied und wurde nach nur fünf Jahren Berufsverbot wieder beim Orchester aufgenommen. Geschichten wie diese zeigen, wie schwierig es auch für die Philharmoniker war, mit der eigenen Vergangenheit fertig zu werden. 15 Orchestermitglieder wurden aus „rassischen Gründen“ bis September 1938 gezwungen, das Orchester zu verlassen, sieben in der Folge ermordet. Am 12. März 2013, dem 75. Jahrestag des „Anschlusses“ Österreichs an das „Deutsche Reich“, publizieren die Wiener Philharmoniker auf ihrer Webseite die jüngsten Forschungsergebnisse einer dreiköpfigen Historiker-Gruppe, bestehend aus Oliver Rathkolb, Fritz Trümpi und Bernadette Mayrhofer, über die NS-Vergangenheit des Orchesters. Die Dokumentation nimmt sich dieses Kapitels österreichischer Geschichte an und lässt heutige und ehemalige Mitglieder des Klangkörpers sowie deren Angehörige zu Wort kommen.

So, 10. Mai · 23:50-01:10 · MDR Sachsen
Kein Platz zum Leben

Die Dokumentarfilmerin Janet Tobias erzählt in „Kein Platz zum Leben“ vom dramatischen Überleben einer Gruppe ukrainischer Juden, die sich fast zwei Jahre lang in unterirdischen Höhlen vor den Nazis versteckten und so überlebten. 1993 stößt der USamerikanische Forscher Chris Nicola bei der Erkundung eines ukrainischen Höhlensystems auf die Spuren von Menschen: Knöpfe, ein Frauenschuh, ein alter Schlüssel sind die stummen Zeugen der Vergangenheit. Von Ortsansässigen erfährt er, dass einige jüdische Familien während des Zweiten Weltkriegs in den Höhlen Zuflucht vor den Nazis gesucht hatten. Nicola stellte Nachforschungen an und nach über neun Jahren der Suche gelingt es ihm tatsächlich, einige der Überlebenden zu finden. Sie berichten, wie sie in dem Höhlenkomplex den Holocaust überleben konnten und reisen zum ersten Mal zurück an den Ort des Geschehens. 1942, auf der verzweifelten Suche nach einen Versteck, entdecken fünf jüdische Großfamilien ein gigantisches Höhlensystem die elftgrößte Höhle der Welt: 124 Kilometer lang, mit fünf unterirdischen Seen. 38 Juden, vom Baby bis zum Greis und mit nichts als ihren Kleidern am Leib, verstecken sich hier vor den Nazis. In der Tiefe kämpfen sie mit der absoluten Isolation, dem Verlust ihrer Sinne und der permanenten Gefahr des Verhungerns. Sie leben, schuften, essen und schlafen direkt unter den Füßen ihrer Feinde. Jedes Mal, wenn sie auf der Suche nach Feuerholz und Nahrung die Höhle verlassen müssen, riskieren sie ihr Leben. Doch als sich die Nationalsozialisten im April 1944 zurückziehen, entsteigen alle ihrer Höhle: schlammverkrustet, in zerlumpter Kleidung und geblendet vom grellen Sonnenlicht aber am Leben. Der 90minütige Film erzählt anhand von Interviews, Reenactment und Archivmaterial die beeindruckende wahre Geschichte dieser jüdischen Familien. Es ist ein Film über den Wert von Familie und Freundschaft, über Mut, Ausdauer, Stärke und Liebe.

Mo, 11. Mai · 00:15-00:45 · ZDF
auslandsjournal – die doku: Liebe trotz allem Deutsch-israelische Beziehungsgeschichten

50 Jahre deutsch-israelische Beziehungen sind auch 50 Jahre Liebesbeziehungen zwischen Deutschen und Israelis. Was zieht Israelis und Deutsche zueinander hin? Spielt der Täter-Opfer-Komplex dabei noch eine Rolle? Oder zählt die Geschichte gar nicht mehr? Drei Generationen. Drei gemischte Paare. Dreimal spezielle Herausforderungen für die Beziehungen. Ruth und Abraham leben in Tel Aviv. Ruth hieß eigentlich einmal Renate. Bis sie zum Judentum konvertierte und in Israel ihre Heimat gefunden hat. Sie übersetzt die großen israelischen Schriftsteller für deutsche Verlage und genießt es, wenn ihr Mann Abraham ihr am Nachmittag deutsche Literatur vorliest. Ruth und Abraham sind die Brückenbauer, die Pioniere als sie ein Paar wurden war das noch alles andere als selbstverständlich. Nirit und Andreas leben in Berlin. Nirit führt israelische Touristen durch die Stadt, und Andreas hat eine kleine Weinbar. Sie sind glücklich, doch die Geschichte holt sie immer wieder ein. Andreas ist schockiert, als er erfährt, dass sein Vater in der SA war. Nirit ist auch hierbei sein Halt. Sie fängt ihn auf, wenn es emotional eng wird. Rilli und Benedikt wohnen noch gar nicht zusammen, Hals über Kopf haben sie sich ineinander verliebt – zwischen Berlin und Tel Aviv. Die Musik verbindet sie. Rilli singt, und Benedikt spielt Geige. Sie sind mutig und unbeschwert, heiraten nach einem Jahr Beziehung und – weil das zwischen Deutschen und Israelis so seine bürokratischen und religiösen Tücken hat – gleich drei Mal: in Prag, Berlin und Tel Aviv. Der falsche Rabbi muss es am Ende richten – kein Problem, denn es ist eine echte Herzensangelegenheit. Alle Paare erzählen, was sie zusammengebracht hat, welche Schwierigkeiten oder Vorteile ihnen diese Mischung bringt. Ihre Geschichten stehen für 50 Jahre spannende Beziehungen zwischen Deutschland und Israel, zwischen Deutschen und Israelis. Und schließlich sind es auch in der Politik Menschen – oft Paare – die Israel und Deutschland einander näher gebracht haben. Ben Gurion und Konrad Adenauer legten den Grundstein für das, was Kanzlerin Merkel zur Staatsräson erklärt hat: untrennbare Bande zwischen Israel und Deutschland. Ein Streifzug durch das Archiv erlaubt den Blick auf die historischen Highlights.

Mo, 11. Mai · 01:55-03:45 · Das Erste (ARD)
Max Manus

Norwegen, während des Zweiten Weltkriegs. Abenteurer Max Manus, der in seine von deutschen Truppen besetzte Heimat zurückgekehrt ist, schließt sich einer Untergrundorganisation an. Bald avanciert er zu einer der charismatischsten Figuren des Widerstands. Die dreisten Aktionen seiner Gruppe rufen den brutalen Gestapo-Offizier Siegfried Fehmer auf den Plan. Um Manus und seine Gefolgsleute auszuschalten ist diesem jedes Mittel recht. Die mehrfach preisgekrönte Filmbiografie verbindet Historiendrama und Thriller. Oslo, 1940. Nachdem er im Finnischen Winterkrieg gegen die sowjetischen Truppen gekämpft hat, kehrt der Abenteurer und Weltenbummler Max Manus (Aksel Hennie) in seine Heimat zurück und findet sich in einem von den Nazis besetzten Land wieder. Manus schließt sich der Widerstandsbewegung an, wird aber bald von der Gestapo ins Visier genommen. Er kann den Deutschen entkommen und gelangt über abenteuerliche Umwege nach Großbritannien, wo er eine militärische Ausbildung erhält. Als Spezialist für Schiffssabotage kehrt er gemeinsam mit seinem Freund Gregers Gram (Nicolai Cleve Broch) nach Norwegen zurück. In mehreren spektakulären Aktionen gelingt es ihnen, deutsche Versorgungsschiffe im Hafen von Oslo zu versenken. Die immer dreisteren Attentate der sogenannten Oslobande machen den Nazis schwer zu schaffen. Manus wird einer der bekanntesten Köpfe des norwegischen Widerstands und avanciert zum Volkshelden. Unterdessen setzt der Gestapo-Offizier Siegfried Fehmer (Ken Duken) alles daran, die Saboteure dingfest zu machen. Um den Rückhalt der Widerständler zu schwächen, startet er grausame Vergeltungskationen und lässt Unschuldige foltern. Je mehr seiner Freunde den Nazis zum Opfer fallen, desto unerträglicher werden für Manus der Druck und die Gewissenskonflikte. Allein die Liebe zu seiner späteren Ehefrau Tikken (Agnes Kittelsen) und die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Krieges lassen ihn durchhalten. Manus weiß um die Wichtigkeit seiner Aktionen. Ungeachtet aller Gefahren startet er im Januar 1945 noch einmal einen waghalsigen Sabotageakt. Sein Ziel: Ein strategisch äußerst wichtiges Truppentransportschiff. „Max Manus“ funktioniert gleichermaßen als Filmbiografie des legendären Widerstandskämpfers und als ungemein spannender Historienthriller. Er wurde mehrfach preisgekrönt, von der Kritik international hoch gelobt und war nicht nur in seinem Produktionsland ein großer Kassenerfolg. Zugleich löste der Film in Norwegen eine Debatte über die Rolle der norwegischen Widerstandsbewegung während des Zweiten Weltkriegs aus. Der berüchtigte Gestapo-Offizier Siegfried Fehmer wird von dem deutschen Shootingstar Ken Duken verkörpert, der zuletzt in dem hoch gelobten Drama „Zwei Leben“ auf der Kinoleinwand zu sehen war.

Mo, 11. Mai · 08:15-09:00 · PHOENIX
Verbrechen Liebe – Von polnischen Zwangsarbeitern und deutschen Frauen

„Ich habe ihn geliebt“, sagt Helene Wimmer aus Niederbayern über Kazimierz Rafalski, einen polnischen Zwangsarbeiter. Polen waren Slawen und für die Nazis rassisch minderwertig. Als Folge solcher Liebesbeziehungen wurden die Frauen fast immer in das FrauenKZ Ravensbrück verschleppt. Die meist polnischen Männer kamen entweder ins KZ oder wurden in der Nähe der Dörfer erhängt, in denen sie gearbeitet hatten. BRAutor Thomas Muggenthaler hat im Staatsarchiv Amberg einen Akt gefunden, der allein in Niederbayern und der Oberpfalz 22 Hinrichtungen dokumentiert. Ein düsteres Kapitel des Dritten Reiches, das bisher wenig erforscht ist. In der KZGedenkstätte Flossenbürg ist eine Fotoserie zu sehen, die eine solche Exekution dokumentiert. Filmautor Thomas Muggenthaler hat nachgewiesen, dass diese Bilder Julian Majka zeigen, der in Michelsneukirchen im Landkreis Cham am 18. April 1941 hingerichtet wurde wegen seiner Liebe zu einem Mädchen aus dem Dorf. Der Filmautor begibt sich auf die Spuren des Polen Julian Majka.Maria Heinlein aus Schönberg im Bayerischen Wald lernte ihren Vater, den polnischen Zwangsarbeiter Stanislaw Kuzma, der in einem KZ verschollen ist, nie kennen. Sie ist eines der Kinder aus diesen Beziehungen, die nun ihr Schweigen brechen. Es gab auch Polen, die das „Glück“ hatten, den Rasseexperten der Nazis zu gefallen. Nach rassischer Begutachtung kamen diese sogenannten „EPolen“ in das KZ Hinzert bei Trier. Dort sollten sie sich „charakterlich“ bewähren. Nur wenige wurden am Ende „eingedeutscht“ und durften die deutschen Frauen heiraten.

Mo, 11. Mai · 20:15-21:00 · BR
50 Jahre deutsch-israelische Beziehungen

Filmautor Richard C. Schneider widmet sich dem schwierigen Anfang der deutsch-israelischen Beziehungen und zeichnet den Weg bis zur Aufnahme der diplomatischen Beziehungen nach. Nach dem Holocaust schien es undenkbar, dass Deutsche und Juden je wieder miteinander reden, geschweige denn befreundet sein können. Doch 20 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs nahmen Deutschland und Israel 1965 schließlich sogar offiziell diplomatische Beziehungen auf. Richard C. Schneider, ARD-Korrespondent in Tel Aviv, zeichnet in seiner Dokumentation den schwierigen Weg bis dahin nach: über erste vorsichtig neu geknüpfte persönliche Kontakte, geheime politische Drähte und Waffenlieferungen. Mit den Verhandlungen zum Luxemburger Abkommen 1952, dem sogenannten Wiedergutmachungsabkommen, kamen zwischen Deutschland und Israel wieder erste Kontakte auf persönlicher Ebene zustande: Einige Israelis reisten aus beruflichen oder politischen Gründen nach Deutschland, manche Deutsche nach Israel. 1957 gab es dann geheime Kontakte zwischen dem deutschen Verteidigungsminister Franz Josef Strauß und Shimon Peres, seinerzeit stellvertretender Verteidigungsminister Israels. Die Bundesrepublik begann mit geheimen Waffenlieferungen an Israel, umgekehrt lieferte Israel unter anderem Uzi-Maschinenpistolen an die Bundeswehr. Nach einem Treffen von Israels Premierminister David Ben-Gurion und Bundeskanzler Konrad Adenauer 1960 im Hotel Waldorf Astoria in New York wurden die geheimen Waffengeschäfte weiter ausgebaut, bis die Bundesrepublik im Zusammenhang mit der Hallstein-Doktrin 1965 diplomatische Beziehungen mit Tel Aviv aufnahm. Historiker wie Dan Diner und Norbert Frei ordnen im Film die politischen Geschehnisse ein. Gleichzeitig erzählt die Dokumentation aber auch persönliche Geschichten: Wie etwa der deutsche Theologe Michael Krupp in den 50er-Jahren nach Israel kam oder wie Christel Evenari-Eckern als eine der ersten Deutschen mit der Aktion Sühnezeichen in den jüdischen Staat reiste.

Mo, 11. Mai · 22:30-23:00 · BR
Israelis in Berlin

Rund 30.000 Israelis leben inzwischen in Berlin. Ein Phänomen, das nicht allein darauf beruht, dass Berlin die derzeit wohl angesagteste Stadt in Europa ist. Um Berlin herrscht derselbe Hype wie um Tel Aviv. Die beiden Städte erfinden sich ständig neu, sie sind aufstrebende Metropolen einer jungen Generation, die innovativ ist, die neue Wege sucht und für die selbst New York schon „established“ ist – oder auch manchmal einfach nur zu teuer. Es ist schon ein kleines Wunder: 70 Jahre nach Ende der Judenverfolgung ist ausgerechnet Berlin ein Anziehungspunkt für junge Israelis, der Holocaust scheint für sie weit weg. Der Film zeigt, warum sie dorthin gegangen sind, wie sie leben, wie sich eine eigene „israelische“ Szene entwickelt hat – und wie sich im Schutz der deutschen Hauptstadt junge Iraner und Israelis in israelisch-iranischen Nightclubs treffen, obwohl beide Staaten miteinander verfeindet sind. Junge Israelis in Berlin: Das bedeutet Mode, Hightech, Avantgarde, Film, Theater – häufig junge Künstler, die Teil der deutschen Kultur werden.

Mo, 11. Mai · 23:40-01:20 · MDR Sachsen
Das höhere Prinzip

Protektorat Böhmen und Mähren 1942: SSObergruppenführer Reinhard Heydrich, stellvertretender Reichsprotektor, fällt in Prag einem Attentat von tschechischen Nazigegnern zum Opfer. Wahllos erschießt die SS tagelang unschuldige Menschen, die angeblich das Attentat gebilligt haben. Die fürchterliche Rache macht auch vor Kostelec, einer böhmischen Kleinstadt, nicht halt. Dort bereiten sich die Schüler eines humanistischen Gymnasiums auf das Abitur vor. Ein Klassenkamerad denunziert seine Mitschüler Vlastimil Rysánek (Ivan Mistrík), Frantisek Havelka (Jan Smíd) und Karel Moucka (Alexander Postler), einer von ihnen hat ein Zeitungsfoto von Heydrich mit einem Schnurrbart versehen. Kurz darauf werden die Jungen während ihres schriftlichen Lateinabiturs von der Gestapo verhaftet und standrechtlich zum Tode verurteilt, das Soll an Erschießungen muss stimmen. Ihre Mitschülerin Jana (Jana Brejchová) fleht ihren Vater, den Rechtsanwalt Dr. Skála (Otomar Krejca), an, etwas zu unternehmen, doch der bleibt vor Angst untätig. Ganz anders Prof. Málek (Frantisek Smolík), der Lateinlehrer. Seine Schüler nennen ihn „Das höhere Prinzip“, weil er fest an das von antiken Philosophen hergeleitete Prinzip der Sittlichkeit glaubt, an die klassischen Ideale des Rechts und der Menschenwürde. Er lehnt sich als Einziger gegen die Verhaftung auf, geht zu Obersturmbannführer Worliczek (Hannjo Hasse), dem GestapoChef der Stadt, und bittet um Gnade. Sein Gegenüber ist sogar ein wenig gerührt von dem alten Mann und bereit, die Jungen zu verschonen. Doch die Maschinerie läuft bereits, Worliczek greift nicht ein. Die Schüler werden erschossen und die Namen der Hingerichteten per Lautsprecher im Städtchen verkündet. Die Reaktionen im Kollegium sind sehr verschieden, ein Kollege schreibt eine Loyalitätsbekundung gegenüber den Deutschen. Doch Professor Málek tritt vor seine Klasse, protestiert gegen den Mord und fordert seine Schüler zum Kampf gegen die Tyrannei auf. Regisseur Jirí Krejcík (19182013), einer der besten tschechischen Regisseure, fängt mit seinem Drama präzise die Atmosphäre einer von Unterdrückung und Gewalt geprägten Zeit ein. Er zeigt differenziert das aus Angst erwachsende Spektrum menschlicher Verhaltensweisen der tschechischen Kleinstadtbewohner unter den Bedingungen der NaziDiktatur bis hin zu Denunziantentum, Opportunismus und Kollaboration. Reclams Filmführer schreibt: „Er (der Film, d.R.) schildert, wie ein Jungenstreich zur Tragödie wird, wie ein Rechtsanwalt aus Angst die Möglichkeit zu einer Intervention versäumt, wie ein weltfremder Gelehrter die Zeichen der Zeit erkennt. Ohne große Worte wird deutlich, wie die Verhältnisse das Verhalten verändern.“ Hervorragend auch die Darsteller, unter ihnen Frantisek Smolík als Lateinlehrer und die junge Jana Brejchová.

Mo, 11. Mai · 23:55-01:25 · ZDF
Die Arier

Die afrodeutsche Filmemacherin Mo Asumang begibt sich auf die Suche nach den Ursprüngen des Arierbegriffs und wie er bis heute von Rechtsextremen in Deutschland und USA missbraucht wird. Für ihre Recherchen besucht Mo Demonstrationen und Propaganda-Veranstaltungen der selbsternannten Arier in Gera, Wismar und Potsdam. Sie konfrontiert Rassisten mit scheinbar arglosen Fragen, provoziert und irritiert allein durch ihre Anwesenheit. Sie forscht in Archiven und reist schließlich in den Iran, wo alte Inschriften den Ursprung des Arierbegriffs bezeugen und ihm eine ganz andere Bedeutung geben. In den USA, wo unzählige Morde durch „Aryan Hategroups“ verübt werden, trifft sie sich mit Mitgliedern des Ku-Klux-Klans und einem Top-Rassisten von schauerlichem Weltruf: Tom Metzger, dem Gründer der „White Aryan Resistance“. In Deutschland begleitet sie einen Aussteiger aus der Neonazi-Szene, mit dem sie heute an Schulen Aufklärung über Rassismus betreibt. Der mutige Film hat zahlreiche Preise gewonnen, unter anderem: World Cinema Best Documentary beim Phoenix Festival, USA, 2014; Öngören Preis für Demokratie und Menschenrechte beim deutsch-türkischen Festival Nürnberg 2014; Metropolis Regiepreis 2014 in der Kategorie Beste Regie Dokumentarfilm. Außerdem war er für den Grimme-Preis 2014 nominiert. Mit Esther Bejarano, Felix Wiedemann, Josef Wiesenhöfer, Alireza Askari, Heidi Beirich, Tom Metzger, Klaus Theweleit und anderen.

Mo, 11. Mai · 23:40-01:00 · BR
Z’am rocken Spezial – Tel Aviv

Am 1. Juli 2014 fuhr die Familie Well für „Z’am rocken“ nach Tel Aviv, um mit Fremden Musik zu machen. Sie trafen auf Musiker verschiedener Herkunft, Musiker mit jüdischen oder mit arabischen Wurzeln. Auch der bekannteste Musiker des Landes, MTV-Star Riff Cohen rockte für „Z’am rocken“. Es erwuchs daraus ein ungewöhnlicher Abend, ohne Vorab-Proben, lebendig, ehrlich, lustig, aber auch still und anrührend. In wenigen Stunden waren aus Fremden Vertraute geworden, die Musik als Bindeglied. Es war eine historische Jam Session. Niemand ahnte, dass nur wenige Tage nach diesem denkwürdigen Abend im Nahen Osten Krieg herrschen, Bomben auf Tel Aviv fallen würden … Die Musiker spielen vor allem miteinander, ob Israeli oder Bayer, Surfrocker oder Volksmusikant, Oud-Spieler oder Tubist. Der Abend ist „Z’am rocken“ pur, er zeigt genau das, was die Ur-Idee von „Z’am rocken“ ist: integrativ und verbindend zu sein. Seit zwei Jahren bringt das Bayerische Fernsehen mit der Musik-Talkshow Menschen und Kulturen zusammen. Zwei Jahre, in denen „Z’am rocken“ die Welt ins Münchner Hofbräuhaus holte und nun erstmals in die Welt hinauszog mit dem Ziel, Grenzen zu überwinden. Gastgeberin der Sendung ist die Kabarettistin Luise Kinseher. Auch Franziska Eimer, verantwortlich für das Musikkonzept, wurde für ihre integrative Arbeit bereits ausgezeichnet.

Di, 12. Mai · 17:55-18:30 · 3sat
Mein Tel Aviv

„In Jerusalem wird gebetet, in Haifa gearbeitet und in Tel Aviv gefeiert“, heißt es in einem israelischen Sprichwort. In Tel Aviv geht es zu jeder Tages- und Nachtzeit turbulent zu. Häufig treibt der Raketen-Alarm die Menschen in die Schutzräume. Doch punktuelle Angriffe und Attentate kennt man in dieser Stadt seit Jahrzehnten und bald nach dem Waffenstillstand nimmt das Leben wieder seinen gewohnten Gang. Die Küstenstadt am Mittelmeer hat ein reges Strandleben und eine erstaunliche Club-, Party- und Schwulenszene, gleichzeitig ist sie auch innovativer Wirtschaftsmotor, Zentrum einer der lebhaftesten Start-up-Standorte in Sachen Hightech-Industrie und Digitalwirtschaft. Kaum irgendwo auf der Welt werden pro Kopf der Bevölkerung so viele Unternehmen gegründet wie in Tel Aviv. Das alles zeigt Israel-Korrespondent Ben Segenreich in seinem Porträt von Tel Aviv, der Stadt, in der er seit mehr als 30 Jahren lebt. Er spricht in einem Senioren-Zentrum mit österreichischen Einwanderern, die vor den Nazis flüchten mussten, und führt uns durch Wohnviertel im deutschen Bauhaus-Stil der 1930er Jahre. Er trifft Zubin Mehta, Direktor des Israelischen Philharmonischen Orchesters, und begleitet Rifat Turk, Ex-Vizebürgermeister von Tel Aviv, Fußball-Legende und der erste Araber in der israelischen Fußball-Nationalmannschaft. Ben Segenreich präsentiert „Sein Tel Aviv“ als die vielfältigste, bunteste und liberalste Stadt im Nahen Osten. Anlässlich des 50. Jahrestages der deutsch-israelischen Beziehungen widmet 3sat Israel einen Schwerpunkt. Die Dokumentation „Mein Tel Aviv“, bildet den Auftakt des „3sat themas: Am Schauplatz Israel“ am 12. und 13. Mai 2015. Als nächste Beiträge zum Thema Israel zeigt 3sat ab 20.15 Uhr den Fernsehfilm „Das Jerusalem-Syndrom“, die Dokumentationen „Mit der Tram durch Jerusalem“ und „Mein neues Leben in Jerusalem“ sowie den Dokumentarfilm „Five Broken Cameras“. Weiter geht es am Mittwoch, 13. Mai, um 17.00 Uhr mit der Dokumentation „Ewiger Aufruhr – Die Geschichte des Nahostkonflikts“.

Di, 12. Mai · 21:10-22:05 · arte
Du sollst nicht schwul sein

„Ein Mann soll keinen Geschlechtsverkehr mit einem anderen Mann haben, denn das ist abscheulich.“ Ob Bibel, Thora oder Koran – die heiligen Bücher lehnen sie allesamt ab: die Homosexualität. Bis heute diktieren die jahrtausendealten Schriften den Umgang der Religionen mit ihren ungeliebten Söhnen und Töchtern. Sie gelten als krank oder vom Teufel besessen. Um ihrem Gott, ihrer Religionsgemeinde oder einfach nur der eigenen Familie zu gefallen, sollen die Homosexuellen umkehren, heterosexuell werden oder ein Leben lang Verstecken spielen. Die Dokumentation zeigt, welchem psychischen Druck junge homosexuelle Menschen mitten in Europa ausgesetzt sind, weil sie gläubig sind: Ein homosexueller Muslim wird in einer Einwanderer-Gesellschaft, die nur echte Männer kennt, von der eigenen Familie mit dem Tod bedroht, verfolgt, zur Heirat gezwungen oder für immer verstoßen. Ein Katholik führt in katholisch-konservativen Kreisen sein Leben zwischen Selbsthass und Verdrängung. Einem schwulen orthodoxen Juden wird in der eigenen Gemeinde auf Verdacht nicht die Hand gegeben. Ein Mitglied in bibeltreuen fundamental-evangelikalen Kreisen fühlt sich wie ein Gefangener einer Welt, in der Homosexualität geheilt werden muss, weil man sonst in der Hölle landet. Und katholische Ärzte in Bayern versprechen verzweifelten Homosexuellen, ihren Leidensdruck mindern zu können. Das Thema Homosexualität ist in Kirche und Moschee oft tabu. So sieht ein evangelikaler Pfarrer das Ende der Welt nahen, so darf ein Bischof sich nicht für Schwule einsetzen. Doch es gibt auch Homosexuelle, die offen versuchen, das Tabu zu brechen. So gründeten sie in Paris eine „schwule“ Moschee, in der alle zusammen – ob Mann oder Frau, ob heterosexuell oder homosexuell – einen Platz finden können. Gott und die Krux mit den Schwulen: ein Film über verbotene Liebe und die Strategien, die Verbote zu umgehen, angebliche Heilungsmethoden, priesterliche Keuschheitsgelübde, Lügen, Ausgrenzungen und den Versuch, sich mit Gott zu versöhnen und sich die eigene Religion nicht wegzunehmen zu lassen. In seinem Film zeigt Marco Giacopuzzi, wie mitten in Europa junge Menschen an Gott verzweifeln, weil seine Diener auf Erden sie nicht so sein lassen, wie sie sind.

Di, 12. Mai · 21:45-22:10 · 3sat
Mit der Tram durch Jerusalem

Korrespondent Richard Schneider steigt in die erste und einzige Straßenbahn der heiligen Stadt und trifft Menschen, die dort leben mitten in einem Alltag, der alles andere ist als alltäglich. Die Bahn startet am Herzlberg, führt durch das Zentrum von Westjerusalem, weiter ins ultraorthodoxe Viertel Mea Sharim, von dort in den palästinensischen Stadtteil Beth. Endstation ist Pisgat Zeev, eine jüdische „Siedlung“ im Osten Jerusalems. Die Straßenbahn rollt erst seit ein paar Jahren und verbindet West- und Ostjerusalem. Anfangs sorgte die Tram für Chaos, denn die Autofahrer wussten nicht, wie sie mit einer Stadt-Eisenbahn umgehen sollten. Zudem, kritisieren Gegner, schaffe die Bahn politische Fakten, indem sie die Stadt unteilbar mache. Im palästinensischen Stadtteil, Haltestelle Damaskustor, wohnt eine alte Dame der Familie Khalidi direkt bei der Klagemauer und dem Felsendom. Schon seit über 1000 Jahren lebt ihre Familie in Jerusalem. Und mitten in der Stadt befindet sich das Flüchtlingslager Shuafat.

Di, 12. Mai · 22:45-23:50 · BR
Jüdisch für Anfänger

Die Autorin begleitet drei junge deutsche Juden auf ihrer ersten Reise nach Israel, die sie auf Einladung der zionistischen Organisation Taglit unternehmen. Die Erfahrungen auf dieser Reise verändern die jungen Menschen nachhaltig. Drei junge deutsche Juden treten ihre „Birthright-Reise“ nach Israel an, auf Einladung der zionistischen Organisation Taglit. Bisher durfte das noch kein europäisches Filmteam drehen. Vor ihrer Reise wird auch ihr Leben in Deutschland gezeigt: Leben sie ihre jüdische Identität hier aus – halten sie Schabbat, gehen sie in die Synagoge, essen sie koscher? Wie wichtig ist ihnen „Jüdisch-sein“ im Alltag? Die Reise nach Israel führt sie nicht nur zu atemberaubenden Orten wie Jerusalem, die Golan Höhen oder die Festung Massada am Toten Meer. Für die 18- bis 26-Jährigen ist es auch eine Reise zu den Wurzeln des Judentums.

Di, 12. Mai · 22:45-23:30 · RBB Berlin
Das geschenkte Leben – Die wundersame Rettung des Celino Bleiweiss

Celino Bleiweiss überlebte als Kind den Holocaust, weil der Mann, der später für ihn zum zweiten Vater wurde, ihm half. Richard Bleiweiss schenkte ihm die Identität der ermordeten Tochter Celina und rettet ihm so das Leben. Nur ein kleines Häkchen in lebenswichtigen Papieren macht aus Celina Celino. Nach Jahrzehnten begibt sich Celino Bleiweiss auf eine Spurensuche. Celino Bleiweiss überlebte als Kind den Holocaust, weil der Mann, der später für ihn zum zweiten Vater wurde, ihm half. Richard Bleiweiss schenkte ihm die Identität der ermordeten Tochter Celina und rettet ihm so das Leben. Nur ein kleines Häkchen in den Papieren macht aus Celina seinen neuen Namen Celino. Der Regisseur Celino Bleiweiss lebt heute in München, geboren aber wurde er in Przemysl in Polen. Sein zweiter Vater Richard Bleiweiss besaß gefälschte amerikanische Pässe für sich, seine Frau Hella und seine Tochter Celina. Doch bevor sie ausreisen konnten, wurden Frau und Tochter von deutschen Polizeitruppen umgebracht. Als es 1942 im Ghetto von Przemysl den Aufruf gibt, Juden mit ausländischer Staatsbürgerschaft sollen sich melden, sieht Richard Bleiweiss eine Chance zu überleben und er entschließt sich, eine Frau und ein Kind mitzunehmen der Versuch, zwei Menschen zu retten. Aus Sarah Katz wird Hella Bleiweiss; aus ihrem kleinen Cousin Mechl Feiler wird der Sohn Celino. Sie finden zu einer Überlebensgemeinschaft zusammen; für den kleinen Jungen werden sie Familie. Die drei werden in das Lager BergenBelsen verschleppt. Juden mit amerikanischen Pässen sollen hier als „Tauschware“ gegen Waffen und deutsche Kriegsgefangene bereitgehalten werden. „Wer aufhört sich zu waschen, fängt an zu sterben“, schärft die neue Mutter dem kleinen Celino ein. Für das jüdische Kind ist das Lager sein Zuhause. An sein anderes Leben darf er sich nicht erinnern. Die falsche Identität darf nicht entdeckt werden. Gemeinsam überleben sie das Lager, doch auch nach dem Krieg bleiben sie für Celino als Eltern zusammen. In Polen, so erfahren sie, hat niemand aus der Familie überlebt. Warum also soll man dahin zurückgehen? So entscheiden sie sich, im fremden Land zu bleiben und hier ihr Kind, als Deutschen groß zu ziehen. An Celinas Geburtstag feiern sie Jahr für Jahr Celino. Ihre neue Identität bleibt ein Familiengeheimnis. Celino Bleiweiss studiert Filmregie und macht sich zunächst in der DDR, später in der Bundesrepublik, einen Namen als Fernseh und Theaterregisseur.

Di, 12. Mai · 23:30-01:00 · RBB Berlin
Kiss me, I’m Jewish – Die neue Lebenslust junger Juden

Judentum heute ist mehr als Kultur, Religion und Tradition es ist Lebenslust! Laut, bunt, geistreich und intensiv machen die jungen Juden Europas ihr Erbe fit für die Zukunft. Kiss me I’m Jewish spürt spielerisch und überraschend der orthodox unorthodoxen Lebenslust junger Jüdinnen und Juden nach: von Budapest bis Brüssel, von Madrid bis Berlin. Der junge Rabbiner Zevi Ives und seine Gattin Sara verkörpern diese Aufbruchstimmung. Sie mischen mit ihrer Organisation für Jüdische Studenten in Europa (ECJS) das jüdische Leben in Europa auf. Ihre Mission: Jude sucht Jüdin. Viermal im Jahr rufen sie: „Party like a Jew“ und tausende jüdischer Singles folgen ihnen. Getreu dem Gebot „seid fruchtbar und vermehret euch“ organisieren sie in ganz Europa SingleWochenenden. In der Dritten Generation nach der Shoah breitet sich die Vielfalt Jüdischen Lebens wieder kraftvoll in den Metropolen Europas aus. Kreativ, vernetzt, selbstbewusst und unternehmungshungrig treten junge Jüdinnen und Juden ihr reiches kulturelles Erbe an. Sie brechen 60 Jahre nach dem Holocaust auf, um zu erwecken, was auch von ihren Eltern verdrängt und verschüttet wurde. Auf der Suche nach einer eigenen jüdischen Identität finden sie neue, zeitgemäße Formen und Inhalte. Sie tun dies im Bewusstsein als Juden leben zu wollen, auch um von ihrer Umgebung als Juden erfahren zu werden. Die Dokumentation hält fest, was es bedeutet, für 400 jüdische Singles aus ganz Europa ein Event zu organisieren, bis die Flirthungrigen schließlich einfallen und den Spagat zwischen SpeedDating und Torah wagen.

Mi, 13. Mai · 00:00-01:25 · BR
Ein Apartment in Berlin

Junge Israelis in Berlin – etwa 20.000 von ihnen leben inzwischen hier. Die meisten schwärmen von der weltoffenen, internationalen Atmosphäre der Stadt und den günstigen Preisen für Lebenshaltungskosten. Einzig der Winter ist ungewöhnlich kalt und bedrückend. Doch Berlin war einst der Ort, von dem aus die Nationalsozialisten die systematische Ermordung der europäischen Juden planten. In ihrem Dokumentarfilm „Ein Apartment in Berlin“ begleitet Alice Agneskirchner drei junge Israelis auf einer Spurensuche in der deutschen Hauptstadt. Dort wollen Eyal, Yael und Yoav für das Dokumentarfilmprojekt das Leben der jüdischen Familie Adler recherchieren, die vor 100 Jahren aus Galizien auswanderte. In Berlin gründeten Rosa und Simon Adler eine Familie und arbeiteten als Eierhändler. Ihre komplett erhaltene Vermögenserklärungsakte aus dem Jahr 1943 ist der filmische Ausgangspunkt für Eyal, Yael und Yoav, die Originalwohnung im Bezirk Prenzlauer Berg heute möglichst originalgetreu wieder einzurichten, um so eine Zeitreise in die Vergangenheit zu unternehmen. Jeder der drei Israelis hatte einen anderen Grund, sich für das Filmprojekt zu melden. Sie erhoffen sich Denkanstöße, eine Reise ins Unbekannte, die persönliche Herausforderung. Doch während sie Akten studieren und authentische Einrichtungsgegenstände zusammentragen, nimmt der Film eine unerwartete Wendung. Fast 100 junge Israelis meldeten sich für das Filmprojekt von Alice Agneskirchner, die in monatelanger Recherche zusammen mit der Historikerin Karolin Steinke das Leben der jüdischen Familie Adler in den Berliner Archiven recherchiert hatte. Die Filmemacherin entschied sich schließlich für Eyal, Yael und Yoav, die in Berlin leben und hier studieren. Ihr Dokumentarfilm zeigt anschaulich, dass auch diese Vertreter einer jungen Generation von Israelis sich zwar ihrer Vergangenheit verbunden fühlen, jedoch keine Repräsentanten der Geschichte sein wollen, sondern danach streben, sich von diesem Erbe zu emanzipieren und zu ihrer Identität zu finden. Zur zentralen Frage des Dokumentarfilmprojekts wird schließlich, wie die unterschiedlichen Generationen mit ihrer Erfahrung, Erziehung und ihrem Wissen um die Shoah umgehen. Dabei gelingt es der Regisseurin, Geschichte konkret erfahrbar zu machen und gängige Sichtweisen zu hinterfragen.

Mi, 13. Mai · 00:45-01:30 · PHOENIX
ZDFHistory: Zerrissene Herzen – Juden zwischen Israel und Deutschland

Sie überlebten den Naziterror, aber sie wussten nicht wohin: 220.000 Juden im Westen Deutschlands – befreit, vertrieben, heimatlos. In Flüchtlingslagern für sogenannte „displaced persons“, wie die entwurzelten Menschen im Fachjargon hießen, fanden sie eine erste Bleibe. Früher oder später mussten sich die Überlebenden entscheiden: Sollten sie im Land der Täter bleiben oder besser nach Amerika oder Palästina auswandern? Viele Juden entschieden sich fürs Gehen und folgten damit der Aufforderung jüdischer Organisationen, Deutschland so schnell wie möglich zu verlassen. Doch dauerte es wegen der strengen Einreisegesetze in Amerika und Israel oft Jahre, bis es soweit war. Zeit, die von der jüdischen Untergrundorganisation Hagana für ein geheimes Kommandounternehmen genutzt wurde: Ausreisewillige Männer und Frauen konnten sich in einem sechswöchigen Lehrgang zu Offizieren für den Kampf gegen Palästina ausbilden lassen.“Wir wollten auswandern, wir wollten einen eigenen Staat. Wir wollten uns selbst verteidigen, damit es nicht noch einmal zu einem Holocaust kommen kann,“ erinnert sich Gad Willmann, ein ehemaliger Ausbilder. In Israel, in der fremden neuen Heimat, sahen die Emigranten einer ungewissen Zukunft entgegen. Aber auch in Deutschland war der Neuanfang schwer. Die neu gegründeten jüdischen Gemeinden sahen ihre Existenz jahrzehntelang bedroht, weil die Zahl ihrer meist älteren Mitglieder zurückging. Das änderte sich erst nach dem Zerfall des Ostblocks, als über 200.000 russische Juden nach Deutschland strömten. Was nach dem Krieg niemand für möglich gehalten hatte, ist heute Realität: Juden haben wieder eine Heimat in Deutschland. Die Dokumentation von Dietmar Schulz zeigt, welche Wege die Überlebenden gingen und wie verzweifelt sie auf der Suche nach einer neuen Heimat waren. Bisher unveröffentlichte Filmaufnahmen geben ungewöhnliche Einblicke in das Alltagsleben in den Lagern. Zeitzeugen berichten von ihren Erlebnissen, aber auch von ihrer Zerrissenheit – zwischen Israel und Deutschland.

Mi, 13. Mai · 17:45-18:30 · 3sat
In Erwartung des Messias – Israel und seine Siedler

Sie sind überzeugt von ihrem Auftrag: Das Land, das Gott den Juden verheißen hat, zu besiedeln und zu bebauen, um es auf die Ankunft des Messias vorzubereiten. Die Siedler im Westjordanland erscheinen regelmäßig in den Nachrichten und Kommentaren als eines der Haupthindernisse für den Frieden im Heiligen Land. Entstanden ist der harte Kern der Siedler aus der „Gush Emunim“-Bewegung der 1960er und 1970er-Jahre. Gush Emunim bedeutet „Der Block der Getreuen“. In ihrer religiösen Überzeugung sind diese Gruppen immer radikaler, um nicht zu sagen extremistischer geworden. Die Jüngeren sehen sich häufig nicht mehr als Staatsbürger Israels. In ihren Augen ist Israel kein jüdischer Staat mehr, sondern ein Staat von „Israelis“, der nur noch den Interessen der Araber diene. Nur sich selbst sehen sie als echte Juden an, als die wahren Besitzer des Landes, und nicht einmal vom israelischen Obersten Gericht lassen sie sich dieses Recht nehmen. Durch die Forderungen von US-Präsident Barack Obama sind die Siedler wieder einmal in den Mittelpunkt des israelisch-palästinensischen Konflikts geraten. Der Film von Richard C. Schneider zeigt die Geschichte der Siedler und stellt einige von ihnen vor. Das ermöglicht dem Zuschauer, sie etwas kennenzulernen und sich ein Bild zu machen von ihren politischen wie religiösen Vorstellungen und Zielen.

Mi, 13. Mai · 19:30-20:15 · 3sat
Kulturzeit extra: Zwischen Shoah und Chuzpe – Junges Israel, rebellisches Land

Die Erfahrung der Shoah wird immer Bestandteil der israelischen Gesellschaft und Identität sein. Doch ihr Stellenwert für junge Israelis nimmt ab, andere Themen treten in den Vordergrund. „Kulturzeit extra“ berichtet über das junge Israel, das rebellische Israel, über eine kulturelle Identität im Wandel. Die Gründungsmythen verabschieden sich aus den Köpfen junger Israelis. Wie denken junge Juden über ihr eigenes Land, 70 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, wie denken sie über Deutschland, 50 Jahre nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen beider Länder. „Kulturzeit extra“ holt sich anlässlich des 50-jährigen Bestehens der deutsch-israelischen Beziehungen originäre Kompetenz ins Studio: Die Sendung wird von Cecile Schortmann und Efrat Alony, einer israelischen Jazz-Sängerin, gemeinsam moderiert.

Mi, 13. Mai · 22:15-23:45 · RBB Berlin
Alles auf Zucker

Dem schlitzohrigen Zocker Jaeckie Zucker steht das Wasser bis zum Hals, seine Frau droht ihm mit der Scheidung, der Gerichtsvollzieher mit dem Knast. Die letzte Hoffnung des ExDDRSportreporters: das Erbe seiner Mutter. Doch die verlangt in ihrem Testament, dass Jaeckie sich mit seinem Bruder Samuel versöhnt, einem orthodoxen Juden. Welten prallen aufeinander. Jakob Zuckermann ein Jude? „Mit dem Club habe ich nichts zu tun“, verkündet Jaeckie Zucker voller Inbrunst. Doch da irrt er sich. Denn dem zu DDRZeiten beliebten Sportreporter und Lebemann steht das Wasser bis zum Hals: Der Gerichtsvollzieher droht mit Knast und seine Frau Marlene mit Scheidung. Für den gewitzten Billardspieler gibt es nur noch eine Hoffnung: Das mit 100.000 Euro dotierte European Pool Turnier. Doch unmittelbar vor Turnierbeginn stirbt Jaeckies Mutter. Und Mammes Testament hält eine besondere Überraschung parat: Das Erbe fällt ihnen nur dann zu, wenn sich die seit über 40 Jahren verfeindeten Söhne Samuel und Jakob versöhnen und wenn sie samt ihrer Familien das jüdische Gesetz einhalten und sieben Tage strengste Totenwache halten. Während Marlene einen Crashkurs in Sachen jüdischer Tradition absolviert und die orthodoxe Verwandtschaft mit koscheren Häppchen versorgt, gibt es für Jaeckie ein ganz anderes Problem das Billardturnier wurde soeben eröffnet…

Mi, 13. Mai · 22:20-00:15 · 3sat
Ajami

Fünf Geschichten von Juden und Arabern, Christen und Muslimen aus Ajami, einem Stadtteil von Tel Aviv-Jaffa. Hier stoßen die verschiedenen Lebenswirklichkeiten aufeinander. In Ajami leben Omar, sein kleiner Bruder Nasri, Malek, Binj und Dando. Der 19-jährige Omar wird in einen blutigen Streit mit einer mächtigen Beduinenfamilie verwickelt und müsste, um sich und seine Familie vor Rache zu schützen, ein hohes Schuldgeld bezahlen. Da er das nicht kann, bleibt ihm eigentlich nur die Flucht. Doch Omar will die Stadt nicht verlassen und auch Hadir nicht, das Mädchen, das er liebt. Hadirs Vater, der einflussreiche Restaurantbesitzer Abu Elias, setzt sich zwar für Omar ein, hat aber keine Ahnung von der heimlichen Liebe zwischen Hadir und Omar und würde als arabischer Christ eine Verbindung seiner Tochter mit einem Muslim niemals zulassen. Omars Freund, der junge Palästinenser Malek, kommt jeden Tag illegal über die Grenze nach Jaffa, um in Abu Elias‘ Restaurant zu arbeiten. Er braucht dringend Geld, um die Behandlung seiner schwerkranken Mutter im Krankenhaus zu finanzieren. Der Palästinenser Binj, der auch im Restaurant arbeitet, will raus aus Ajami und zu seiner jüdischen Freundin nach Tel Aviv ziehen – und gerät damit zwischen alle Fronten. Omar und Malek sehen keinen anderen Weg, um ihre Geldsorgen zu lösen, als in den Drogenhandel einzusteigen. Gleich beim ersten Deal tappen sie in eine Falle israelischer Rauschgiftfahnder und treffen dabei auf den jüdischen Polizisten Dando, der davon überzeugt ist, dass sein vermisster Bruder von Arabern entführt und getötet wurde. Und nun geraten die Ereignisse völlig außer Kontrolle. Der Film erzählt seine immer wieder zeitlich und perspektivisch gebrochene Geschichte kraftvoll, rasant und mit erbarmungsloser Konsequenz – ein emotional packendes Kaleidoskop unterschiedlicher Schicksale im israelisch-palästinensischen Konflikt, in dem jede Person auf tragische Weise gute Gründe für ihr Handeln hat. „Ajami“ wurde ein Sensationserfolg – nicht nur in Israel. Der Film wurde mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter mit besonderer Erwähnung der „Camera d´Or“ beim Filmfestival Cannes 2009. Bei der Verleihung des „Ophir Award“, dem höchsten Filmpreis Israels, erhielt er gleich fünf Auszeichnungen (Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Bester Schnitt und Beste Originalmusik). 2010 wurde er für den Oscar in der Kategorie Bester Fremdsprachiger Film nominiert.

Do, 14. Mai · 20:15-21:45 · ARD-alpha
Frei

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs fliehen hunderttausende Menschen über die Alpen und Südtirol nach Genua, um von dort aus in eine bessere, sicherere Welt zu gelangen – nach Südamerika. Viele sog. „Displaced persons“ , aber auch tausende Naziverbrecher. Die Hauptfiguren dieses Filmes – ein Massenmörder und eine Überlebende des Naziterrors – treffen auf ihrer Flucht aufeinander und erleben erstmals, was es heißt, zu lieben. Erst nach und nach stellt sich heraus, welche Geschichte beide haben …

Do, 14. Mai · 22:00-23:30 · BR
Landauer – Der Präsident

Mit der Machtergreifung der Nazis verliert der Jude Kurt Landauer trotz großer Erfolge seinen Posten als Präsident des FC Bayern und wird in Dachau interniert. Aus der Haft entlassen flieht er in die Schweiz. Nach dem Krieg kehrt er nach München zurück und entscheidet sich zu bleiben und nicht wie so viele in die USA auszuwandern. Dabei muss er sich als Nazi-Opfer mit den noch immer vorhandenen Ressentiments gegen Juden auseinandersetzen. Kurt Landauer: eine lebende Legende, eine Respektperson. Spätestens mit der gewonnenen Meisterschaft 1932 hat der Präsident des erfolgreichen Fußballklubs Bayern München seinen Status als einer der wichtigsten Söhne seiner Stadt sicher. Doch mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 verliert der Jude Landauer seinen Posten. Er wird 1938 in Dachau interniert. Zwei Monate später wird er entlassen und flieht in die Schweiz. Nach dem Krieg kehrt er nach München zurück und wählt den Wiederaufbau, obwohl er seiner Heimatstadt, Deutschland und dem FC Bayern den Rücken kehren und wie so viele in die USA auswandern könnte. Dabei muss er sich als Nazi-Opfer mit den Deutschen, den Bayern und seinen ehemaligen Freunden, ihrer Kriegsvergangenheit und ihren Ressentiments gegen Juden auseinandersetzen.

Do, 14. Mai · 22:15-22:45 · ARD-alpha
Letzter Ausweg Argentinien – Nazis und Juden am Rio Plata

Ruth Weisz kam 1939. Klaus Fabiny kam 1949. Beide kamen sie nach Argentinien, beide kamen sie aus Deutschland. Für beide war Argentinien der letzte Ausweg, denn beide sind aus Deutschland geflohen. Ruth Weisz jedoch, die jüdische Deutsche, floh vor den Nationalsozialisten, sie hatte die Reichspogromnacht in Berlin als 16-Jährige miterlebt. Wie viele jüdische Deutsche wählten auch ihre Eltern Argentinien als Zufluchtsort. Ruth schaffte die Flucht, zusammen mit einer Freundin. Ihre Eltern blieben in Berlin zurück, ihre Mutter wurde 1940 in Auschwitz ermordet. Klaus Fabiny aber war bei der Waffen-SS. Als Angehöriger der „Leibstandarte SS Adolf Hitler“ kämpfte er an der Ostfront. Später war er Kriegsgefangener der Engländer, flüchtete und gelangte schließlich als Maschinist eines Frachters 1949 nach Argentinien, wie viele Nationalsozialisten. 60 Jahre nach dem offiziellen Ende des Zweiten Weltkriegs erinnern sich die damals Geflohenen. Ulli Neuhoff hat sie für den „Auslandsreporter“ besucht.

Do, 14. Mai · 23:30-00:00 · BR
Landauer – gefeiert, verbannt, vergessen

Der Bayer und Jude Kurt Landauer war legendär und vielleicht der wichtigste Präsident des FC Bayern München. Doch vieles in seiner Lebensgeschichte liegt bis heute im Dunkeln. Der Filmautor Nick Golüke schließt diese Lücken und beschreibt erstmals das einzigartige und exemplarische Leben Kurt Landauers mit seiner grundlegenden Bedeutung für die Geschichte des FC Bayern und des deutschen Fußballs und seiner Wirkung bis in die heutige Zeit. Das bis heute der Öffentlichkeit fast unbekannte Leben Kurt Landauers ist die unglaubliche Heldengeschichte eines Mannes, der seine persönlichen Gefühle zurückstellt für das Wohl eines Vereins und das eines Landes, in dem er in ein Konzentrationslager gesteckt wurde, in dem seine Geschwister ermordet wurden, und wo ihm alles genommen wurde – nur eines nicht: sein Fußball, sein FC Bayern. Nick Golüke beschreibt dieses dramatische Leben zwischen Triumph und Verfolgung, Konzentrationslager, Exil und Heimkehr, Vergessen und Wiederentdeckung. Er erzählt eine jüdische Biografie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor dem Hintergrund des Nationalsozialismus und geht der Frage nach, warum so viele Stationen dieses Lebens so lange im Dunkeln geblieben sind. Dabei versucht der Filmautor sich dem zwiegespaltenen Verhältnis des FC Bayern München zu seinem vielleicht größten Präsidenten zu nähern und der Frage, warum der Verein so lange den Mantel des Schweigens über diesen zentralen Zweig seiner Geschichte gebettet hat.