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Familie Salomon Picard

Ein kleiner vergilbter Zeitungsausschnitt machte den Anfang. Er zeigt eine hübsche Jugendstilvilla an der Adresse in Konstanz, an der heute ein wuchtiger fünfstöckiger Wohnkomplex aufragt. Marie-Elisabeth Rehn, die als Volkskundlerin und Journalistin immer gerne ihrer Neugier nachgibt und Dingen auf den Grund geht,  wohnt hier und hat eine Spurensuche begonnen, die noch nicht zu Ende ist…

Villa am Kreuzlinger Zoll in KonstanzDie Villa am Kreuzlinger Zoll in Konstanz gehörte bis in die dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts der Familie Salomon Picard – die übrigens mit dem badischen Heimatdichter Jacob Picard weitläufig verwandt war. Salomon und Eugenie Picard hatten drei Söhne: Max, Ernst und Hugo, die alle drei vielversprechende Karrieren als Juristen oder Mediziner begannen.

Auf dem jüdischen Friedhof in Konstanz steht ein ungewöhnlicher Grabstein, der vom weiteren Schicksal der Familie Picard erzählt: Max Picard gehörte zu den ersten Gefallenen im Ersten Weltkrieg und wurde ehrenvoll in Konstanz zu Grabe getragen.  Auch der Vater Salomon Picard fand seine letzte Ruhestätte neben seinem Sohn Max. Alle anderen Familienmitglieder, die auf dem Grabstein genannt werden: Mutter Eugenie, die Söhne Ernst und Hugo und die Schwiegertochter Helen Picard wurden nicht in ihrer Heimat bestattet. Der Nazi-Terror hatte auch vor einer Familie nicht halt gemacht, die mit Nachdruck zu ihrer Zugehörigkeit zum deutschen Kulturkreis stand. Allerdings muss man innerhalb der Familie den Zeitgeist frühzeitig und klug eingeschätzt haben, denn Meldeämter und Adressbücher in Deutschland nennen den Namen der Konstanzer Picard-Söhne  1936 zum letzten Mal. Bis jetzt hat die Forscherin aus Konstanz nur spärliche Spuren ihres weiteren Schicksals gefunden: Ein Telefonbuch aus Tel Aviv von 1944. Hier findet man den Frauenarzt Ernst Picard unter der Nummer 2151. Der Chirurg und Augenspezialist Hugo Picard fand Zuflucht  in Kairo unter den Fittichen des berühmten Mediziners Max Meyerhof. Im Nachlass des Schriftstellers  Jacob Picard, den man online im Archiv des Leo-Baeck-Institutes durchblättern kann,  sind ein paar winzige aber anschauliche Lebenszeichen der Söhne Salomon Picards zu finden.

Aber alles in allem ist das Resultat der Recherchen, die sich über Monate hinzogen, verblüffend dürftig geblieben.  Nachfahren von Hugo oder Ernst Picard konnten bisher nicht ausfindig gemacht werden.  Und die Geschäftsunterlagen des Jüdischen Friedhofs in Konstanz, in denen sich vermutlich ein Vorgang „Änderung der Beschriftung am Grabstein Salomon Picard“ aus den Jahren 1984 oder später befunden hätte, sind nicht mehr vorhanden.  Jetzt hat die Autorin eine Website gebastelt, in der sie ihre offenen Fragen nennt und Zeitzeugen sucht.

http://salomonpicardkonstanz.jimdo.com/