- haGalil - http://www.hagalil.com -

Mit neuen Fernsehtipps in den Februar

Vom 01. bis 15. Februar 2015…

So, 1. Feb · 22:30-23:15 · ARD-alpha
Max Mannheimer – Ich kann nicht hassen

67 Jahre nach dem Ende des Holocausts lichten sich die Reihen der Zeitzeugen zusehends. Und von den wenigen noch Lebenden können oder wollen die meisten nicht mehr Zeugnis ablegen. Wie kaum ein anderer beeindruckt und bewegt er seit bald 28 Jahren vor allem junge Zuhörer: Der Jude Max Mannheimer, der im 93. Lebensjahr steht. Der Autor Peter Dermühl hat Mannheimer, der die Hölle von Theresienstadt, Auschwitz, Warschau, Dachau und seinen Außenlagern überlebt hat, bei einer Reise zu Schulen und Jugendlichen für die Dokumentation durch sein vergangenes und gegenwärtiges Leben begleitet. So kam es zu intensiven wie bewegenden Begegnungen mit Achtklässlern einer Mittelschule in Oberbayern, mit der Schauspielerin Iris Berben, mit seinem Freund Hans-Jochen Vogel, mit ehemaligen Mithäftlingen, mit Jugendlichen aus verschiedenen Ländern, mit seiner Familie samt Urenkeln – und mit seiner Freundin Elija Boßler, einer Karmeliten-Nonne, die in ihrem Kloster auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau lebt. Auf dieser Reise zeigt Dermühl den 92jährigen in eindrucksvollen Bildern und Szenen, wie er mit zwei Heimatforschern das Unvermögen von Behörden und Politik beklagt, ermordeter KZ-Häftlinge würdig zu gedenken, wie er am Ort seiner Befreiung, am Bahngleis im noblen Tutzing am Starnberger See trauert, wie er sich noch einmal auf seinen damaligen Weg in die Freiheit macht und in einer heutigen Bundeswehrkaserne seine erste Nacht ohne Todesangst schildert, wie er trotz Kritik den Europäischen Karlspreis der Sudetendeutschen entgegennimmt und dabei als Mahner und Wegweiser auftritt oder wie er Witze reißt, indem er beispielsweise erklärt, er werde als Zeitzeuge erst mit 100 in Pension gehen und habe sich eigentlich einen Gutschein fürs Paradies erworben. Max Mannheimer läßt auch Nähe zu und gibt im Gespräch mit Hans-Jochen Vogel an, er wisse nicht, ob er als Nicht-Jude und ohne seine demokratisch-humanistisch orientierte Erziehung nicht auch der Propaganda des Nazi-Regimes erlegen wäre. (Vogel räumt im selben Gespräch ein, dass er zu Mannheimers Leidenszeiten Mitglied der Hitlerjugend gewesen sei.) Der 92-jährige bekennt sich auch zu seiner Eitelkeit – „Ich möchte auch aussehen wie George Clooney“ -, um gleich darauf von seiner Freundin Elija zur Ordnung gerufen zu werden. Der Jude und die Nonne gestatten dem Autor auch, die enge Beziehung zueinander zu dokumentieren. So wird deutlich, dass beiden aufeinander angewiesen sind und ein Leben ohne den anderen eigentlich nicht mehr vorstellbar ist.

So, 1. Feb · 23:30-00:00 · ARD-alpha
Das Sonntagsgespräch: Alfred Grosser

Meinhard Schmidt-Degenhard spricht mit dem französischen Politologen Alfred Grosser über Biografisches sowie Themen wie die deutsch-französische Beziehungen, eine europäische Leitkultur, das humanistische Kulturerbe, die Notwendigkeit einer gemeinsamen europäische Finanzpolitik, die Beziehungen Deutschlands zu Israel und zu den Palästinensern, sowie die Bürgergesellschaft.

So, 1. Feb · 23:50-01:25 · MDR Sachsen
Die Wohnung

Eine Wohnung in Tel Aviv, ein Stück Berlin mitten in Israel. 70 Jahre lang hat Gerda Tuchler hier mit Ehemann Kurt gelebt, nachdem das Ehepaar in den 30er Jahren aus Deutschland fliehen musste. Weggeworfen haben sie nichts. Als Gerda Tuchler mit 98 Jahren stirbt, trifft sich die Familie zur Wohnungsauflösung. Regisseur Arnon Goldfinger will die Wohnung seiner Großeltern, die darin konservierte Welt, filmisch festhalten – bevor sie für immer verschwindet. Eine Wohnung in Tel Aviv, ein Stück Berlin mitten in Israel. 70 Jahre lang hat Gerda Tuchler hier mit Ehemann Kurt gelebt, nachdem das Ehepaar in den 30er-Jahren aus Deutschland fliehen musste. Weggeworfen haben sie nichts. Als Gerda Tuchler mit 98 Jahren starb, traf sich die Familie zur Wohnungsauflösung. Regisseur Arnon Goldfinger will die Wohnung seiner Großeltern und die darin konservierte Welt, filmisch festhalten – bevor sie für immer verschwindet. Doch inmitten unzähliger Briefe, Fotos und Dokumente entdeckt er Spuren einer unbekannten Vergangenheit: Die jüdischen Großeltern waren eng befreundet mit der Familie des SS-Offiziers Leopold von Mildenstein. Sogar über das Ende des Zweiten Weltkriegs hinaus. Die über Generationen im Verborgenen gehaltene Geschichte verstört und schmerzt. Und dennoch nimmt Filmemacher und Enkel Arnon Goldfinger zusammen mit seiner Mutter den Kampf auf – mit Wut und Mut gegen die Kisten, den Staub, die Antiquitätenhändler, die Familie, die Vergangenheit und die Gegenwart, Verdrängung und Wahrheit. Wie bei einer Zwiebel wird sorgsam Schicht um Schicht dieser unglaublichen Geschichte freigelegt. Ergebnis dieses Prozesses ist eine unglaubliche Saga, die den Zuschauer nicht nur in die Geschichte einer Familie hineinzieht, sondern auch in die vielschichtigen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland. Ein faszinierendes Dokument, das einen neuen, nachdenklichen Blick darauf wagt, wie die zweite und dritte Generation von Holocaust-Überlebenden mit Erinnerung und Geschichte umgeht und darauf, wie komplex die Beziehungen zwischen den Israelis und den Deutschen seit dem Zweiten Weltkrieg sind. Außerdem rührt der Film an Fragen der Identität und Zugehörigkeit, der Verdrängung und des Gedenkens und schafft es, daran zu erinnern, wie wichtig diese Fragen sind.

Mo, 2. Feb · 01:35-03:35 · Das Erste (ARD)
Aimee & Jaguar

Berlin, Ende der 1990er Jahre. Eine alte Frau – Lilly Wust (Inge Keller) – sitzt auf ihren Habseligkeiten im dunklen Treppenhaus und wartet auf den Transport ins Altersheim. Dort wird sie auf eine alte Bekannte aus den letzten Kriegsjahren treffen, ihre alte Freundin Ilse (Kyra Mladeck) – und lange verdrängte Bilder schwappen wieder an die Oberfläche: Es ist das Jahr 1943, die verführerische Felice (Maria Schrader) besucht mit Ilse (Johanna Wokalek) ein Konzert in Berlin. Dort lernt sie die junge Hausfrau und Mutterkreuzträgerin Lilly (Juliane Köhler) kennen, bei der ihre Freundin Ilse ein Haushaltsjahr leistete. Lilly betrügt ihren Mann Günther (Detlev Buck), einen Offizier und strammen Nazi-Anhänger, eigentlich regelmäßig, doch mit Felice ist es etwas ganz Besonderes: eine Frau, eine Jüdin – und die ganz große Liebe! Felice hat sich als Mitarbeiterin der „Nationalzeitung“ unter dem Chefredakteur Keller (Peter Weck) eine hervorragende Tarnung geschaffen, in deren Schutz sie eine Untergrundorganisation unterstützt. Unter den Decknamen „Aimée“ für Lilly und „Jaguar“ für Felice schreiben sich die beiden leidenschaftliche Briefe und Gedichte. Durch die völlig neuen Erfahrungen erwacht Lilly aus ihrem Nazi-Mitläuferdasein und bringt sogar den Mut auf, sich von ihrem Mann zu trennen und Felice Unterschlupf zu gewähren, als diese vor der Gestapo flüchten muss. „Aimée“ und „Jaguar“ gelingt es eine Weile, sich vor der schrecklichen Realität der ständigen Bombenangriffe der Alliierten und des Nazi-Terrors in eine heile Scheinwelt zu flüchten, bis eines Tages die Gestapo vor der Tür steht. „Aimée & Jaguar“ basiert auf dem 1994 erschienen Lebensbericht von Lilly Wust und erzählt eine außergewöhnliche Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des Dritten Reichs. Regisseur Max Färberböck achtete bei der Inszenierung auf eine akribisch genaue Rekonstruktion des halbzerstörten Berlins der letzten Jahre des Zweiten Weltkriegs. Neben der bewegenden Thematik besticht der Film durch die hervorragenden darstellerischen Leistungen von Stars wie Maria Schrader, Heike Makatsch, Peter Weck, Juliane Köhler und Detlev Buck. „Aimée & Jaguar“ wurde u.a. mit dem Bayerischen Filmpreis, dem Deutschen Filmpreis in Gold und auf der Berlinale 1999 mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet.

Mo, 2. Feb · 05:05-05:35 · HR
70 Jahre nach Auschwitz

Es war der 27. Januar 1945, an dem sowjetische Truppen die Insassen des Vernichtungslagers Auschwitz befreiten. Heute ist Auschwitz ein Synonym für den Rassenwahn der Nazis, für die Massenvernichtung der europäischen Juden. Auschwitz ist aber auch ein Teil der Identität der Überlebenden, von denen heute, 70 Jahre später, nur noch wenige leben. Anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des Lagers Auschwitz wird in offiziellen Gedenkveranstaltungen an die Verbrechen der Vergangenheit erinnert und der Opfer gedacht. „Jüdisches Leben und jüdische Kultur sind kein Phänomen, das man auf die Jahre 1933 bis 1945 beschränken kann und soll“, sagte der Ende 2014 neugewählte Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster. Jüdisches Leben habe Deutschland schon Jahrhunderte vor der Shoa geprägt. Es ist wohl ein Wunder der Geschichte, dass sich auch nach der Shoa wieder ein lebendiges Judentum in Deutschland entwickeln konnte. Mit der Zuwanderung aus den Ostblockstaaten vor allem in den 1990er Jahren wuchs dann die Zahl der Juden in Deutschland weiter an. Jüdisches Leben begann noch einmal ganz neu aufzublühen. War das jüdische Leben in Deutschland bis dahin vor allem durch Holocaust-Überlebende geprägt, brachten die Zuwanderer andere Erfahrungen, aber auch ein anderes Selbstbewusstsein mit. Dieses breite Spektrum jüdischen Lebens sichtbar zu machen, ist ein Ziel des neuen Zentralratspräsidenten Josef Schuster. Doch es gehört auch zur traurigen Realität in Deutschland, dass viele Juden es vorziehen, lieber unerkannt zu bleiben – aus Angst vor Übergriffen oder Pöbeleien. Ob Synagogen, Kindergärten oder Schulen – es gibt keine jüdische Einrichtung, die nicht unter Polizeischutz steht. Laut einer Umfrage beobachten etwa drei Viertel der europäischen Juden einen Anstieg der Judenfeindlichkeit in ihrem Land während der vergangenen fünf Jahre. Ausgelöst durch den Nahost-Konflikt hat sich in Deutschland gerade auch unter muslimischen Jugendlichen zudem eine neue Art des Antisemitismus entwickelt, der deutsche Juden für die Politik der israelischen Regierung verantwortlich macht. Ist damit eine Normalität jüdischen Lebens in Deutschland in die Ferne gerückt? Wie kann angesichts der aktuellen Herausforderungen der Anspruch gelingen, selbstbewusst und sichtbar jüdisches Leben in Deutschland zu gestalten?

Mo, 2. Feb · 09:45-10:15 · WDR
Hier und Heute: Alles koscher in Düsseldorf

Düsseldorf hat die drittgrößte jüdische Gemeinde Deutschlands – mit eigener Kita und eigener Grundschule. Hier lernen schon die Sechsjährigen Hebräisch und erfahren viel über jüdische Religion und Kultur. Schon von Kindesbeinen an stärkt die Gemeinde das Zusammengehörigkeitsgefühl durch religiöse Feste und säkulare Feiern. Zu den beliebten Übernachtungspartys etwa kommen nicht nur die gläubigen jungen Leute. Über allem wacht als religiöse Autorität, Gemeinde-Rabbiner Aharon Ran Vernikovsky. Er zelebriert den täglichen Gottesdienst, er begleitet das Entstehen eines neuen Gemeindezentrums in Leverkusen und er legt selber Hand an, damit die Küche vor dem wichtigen Pessachfest auch garantiert koscher ist. Angesichts von wachsendem Antisemitismus betont er, dass es überall auf der Welt antisemitische Bedrohungen gebe und dies kein spezifisch deutsches Problem sei. Also kein Grund auszuwandern, anders als zum Beispiel in Frankreich, wo im Jahr 2014 etwa mehr als 7.000 Juden nach Israel gezogen sind, weil sie Angst vor antisemitischen Übergriffen haben. Reporter Stefan Quante ist in schwierigen Zeiten tief in das faszinierende Gemeindeleben eingetaucht.

Mo, 2. Feb · 15:00-16:00 · ARD-alpha
Planet Wissen: Auf der Suche nach Hitlers Raubkunst

Willi Korte ist Deutschlands bekanntester Kunstdetektiv. Auf der ganzen Welt spürt er Kunstwerke auf, die einst jüdischen Händlern gehörten. Die von den Nazis gestohlene Kunst versucht Korte, den rechtmäßigen Eigentümern zurückzubringen. Sein derzeitiger Auftraggeber: Die Erben Max Sterns. Der jüdische Kunsthändler Stern hatte einst eine Galerie in Düsseldorf und musste seine Sammlung unter den Nazis zwangsversteigern. Doch wo sind seine Bilder heute? Kunstdetektiv Korte vermutet sie in Museen, Kunsthäusern oder auch bei dem ein oder anderen Privatsammler. Korte recherchiert jeden Hinweis, er wälzt Akten, durchstöbert Archive und Depots. Einigen Bildern aus der Sammlung Max Sterns ist er dicht auf den Versen. Doch schafft er es auch, sie den rechtmäßigen Erben zurückzubringen? Ein schwieriges Unterfangen für Korte, denn nach wie vor gelten jene Gesetze und Vorschriften aus der NS-Zeit, nach denen viele Profiteure von damals ihre Beute bis heute legal besitzen und behalten können.

Mo, 2. Feb · 20:15-21:00 · PHOENIX
Hitlers nützliche Idole (1/2): Heinz Rühmann – Der Schauspieler

Es sei stets sein Traum gewesen, den Clown zu spielen. Viel Spaß soll er aber nicht verstanden haben – Hitlers erfolgreichster Unterhaltungskünstler, Heinz Rühmann. Seine Karriere begann schon in den letzten Jahren der Weimarer Republik. Als Hitler an die Macht kam, folgte der Durchbruch des „kleinen Mannes“. Rühmann blieb, während andere Filmgrößen wie Marlene Dietrich Deutschland konsequent den Rücken kehrten. In den Filmstudios von Babelsberg gaben nun die Nationalsozialisten den Ton an. „Keiner aus meinem Freundeskreis hat sich nach dem Wohlwollen der braunen Herren gedrängt“, sagte Heinz Rühmann später einmal, „aber wenn ein Künstlerempfang angesetzt war, mussten wir hin!“ In der Rolle des naiven, aber liebenswürdigen Kleinbürgers eroberte Rühmann die Herzen der Menschen. Sich selbst sah er als unpolitischen Künstler, der nur seiner Gabe entsprochen habe und sein Publikum zum Lachen brachte. Dabei musste auch Rühmann Farbe bekennen: Mitte der 30er Jahre ließ er sich auf Druck der Nazis von seiner jüdischen Frau Maria Bernheim scheiden. Hans Albers und Heinz Moser hingegen standen treu zu ihren jüdischen Partnerinnen und versagten den Nazis bis zum Schluss jede Achtung. Wollte Rühmann seine jüdische Frau, von der er schon länger getrennt lebte, schützen, wie viele seiner Freunde behaupten, oder stand sie seiner Karriere im Weg? Tatsache ist, dass er sich mehr und mehr vor den propagandistischen Karren spannen ließ. Goebbels ernannte ihn 1940 schließlich zum Staatsschauspieler: die höchste Auszeichnung für Darsteller im „Dritten Reich“. War Heinz Rühmann zu nah an der Macht oder war er der perfekte Überflieger, der Abstand hielt und sich die Finger nicht schmutzig machte? Hat er sich schuldig gemacht? Menschen, die ihm nahe standen, versuchen Antwort zu geben. „Mein Vater war ein sehr unpolitischer Mensch, der die Folgen seines Handelns nicht abschätzen konnte“, meint sein Sohn heute. Nach dem Krieg wurde es zunächst still um den beliebten Schauspieler. Die Westalliierten erteilten ihm Berufsverbot, später wurde er von ihnen als „nicht betroffen“ eingestuft. Im Aufbaufieber der 50er Jahre gelang es Heinz Rühmann, an seine alte Popularität anzuknüpfen. Noch heute ist er – wie Umfragen zeigen – der beliebteste deutsche Schauspieler.

Mo, 2. Feb · 21:00-21:45 · PHOENIX
Hitlers nützliche Idole (2/2): Max Schmeling – der Boxer

Er war Hitlers „Vorzeigeathlet“: Deutschlands Boxlegende Max Schmeling. Kein anderer Sportler war in den 30er Jahren so berühmt, beliebt und geachtet wie der Weltmeister im Schwergewicht. Schmeling selbst bemühte sich um Distanz zum Hitler-Regime. Der Film zeigt ihn und andere Spitzensportler bei der schwierigen Gratwanderung zwischen Opportunismus und Distanz. Bis heute gilt Schmelings unvergesslicher Sieg über den „Braunen Bomber“ Joe Louis 1936 als einer der größten Kämpfe des Jahrhunderts. Die NS-Propaganda wollte das sportliche Ereignis für das Regime vereinnahmen, stilisierte den Wettbewerb zu einer Art „Rassenkampf Weiß gegen Schwarz“. Dieser Sieg machte Schmeling zum Idol. Der Champion wurde bei offiziellen Anlässen herumgereicht, die Prominenz des „Dritten Reiches“ ließ sich mit ihm ablichten. Die politische Vereinnahmung konnte er nicht verhindern. Tatsächlich aber bemühte sich Schmeling um Distanz zum Regime. Als die Reichssportführung ihn aufforderte, sich von seinem jüdischen Manager Joe Jacobs zu trennen, weigerte er sich entschieden. Er suchte Möglichkeiten, Verfolgte in seinem Umfeld zu beschützen. „Man hat versucht, mich zu benutzen“, hat Schmeling einmal gesagt, „aber in Wirklichkeit habe ich mich der Nazis bedient, um anderen Menschen zu helfen.“ So versteckte er während der Pogromnacht 1938 die beiden Söhne seines jüdischen Freundes. Wie vergänglich sportlicher Ruhm ist, erfuhr Max Schmeling 1938, als er im Rückkampf von Joe Louis schon in der ersten Runde KO geschlagen wurde. Das Regime wandte sich ab; Schmeling wurde trotz seiner Berühmtheit schon 1940 eingezogen: als Fallschirmjäger entging er beim Angriff auf Kreta nur knapp dem Tod. Nachdem Hitlers Reich untergegangen war, standen viele Sportler vor dem Aus. Auch Max Schmeling musste nach dem Krieg, völlig mittellos, wieder bei Null anfangen. Doch ihm gelang das „Comeback“ als Boxer und mit der Deutschland-Lizenz für Coca-Cola überdies der Sprung zum Millionär.

Mo, 2. Feb · 22:30-23:00 · BR
puzzle: Viele Kulturen – ein Land

Themen: * Debütalbum „Soon“ von dem Musikerduo Malky * Debütroman „Du bist so deutsch!“ von Agnieszka Kowaluk * Sinti und Roma in Deutschland * Kinofilm „300 Worte deutsch“ * Comedian Oliver Polak und sein Buch „Der jüdische Patient“ Moderation: Özlem Sarikaya * Debütalbum „Soon“ von dem Musikerduo Malky Malky heißt auf bulgarisch soviel wie Lausbub. So nennen sich zwei junge Musiker, die ihre Sehnsucht nach dem Balkan und ihre Liebe für den amerikanischen Soul verbindet. Zum Teil aufgewachsen in Bulgarien und Ungarn leben sie heute in Leipzig und produzieren Musik, die überrascht. Derzeit touren sie durch Deutschland. * Debütroman „Du bist so deutsch!“ von Agnieszka Kowaluk Agnieszka Kowaluk ist in Polen geboren, hat in Warschau und Polen Germanistik studiert. Dabei hat sie sich so sehr in die deutsche Sprache verliebt, dass sie in das Land der Dichter und Denker gezogen ist und nun seit 20 Jahren hier lebt. In ihrem Debütroman erzählt sie amüsante Anekdoten aus ihrem „deutschen“ Alltag und von ihrem „Leben in einem Land, das seine Tugenden nicht mag“, wie der Untertitel ihres Buches heißt. * Sinti und Roma in Deutschland Obwohl Sinti und Roma seit Jahrhunderten in diesem Land leben, sind sie die Gruppe, die mit am meisten mit Ablehnung, Ausgrenzung und Diskriminierung zu kämpfen hat. Einer aktuellen Studie zufolge wollen ein Drittel der Deutschen keine Sinti und Roma als Nachbarn haben. Was bedeutet das für Betroffene im Alltag? Wie leben sie damit? „puzzle“ stellt Menschen vor, die dafür kämpfen, dass sich die Situation von Sinti und Roma in unserer Gesellschaft verbessert. * Kinofilm „300 Worte deutsch“ Wie viele Worte braucht man, um sich in einem fremden Land zurecht zu finden? Und welche Worte sind da besonders hilfreich? In der Kinokomödie „300 Worte deutsch“ werden darauf Antworten gegeben. Im Film treffen ein mieser Beamter einer Ausländerbehörde, gespielt von Christoph Maria Herbst, und die Tochter eines Hodscha, der sogenannte Importbräute aus der Türkei organisiert, gespielt von Pegah Ferydoni, aufeinander. Das Ungemach ist vorprogrammiert – entsprechend groß das Kinovergnügen für die Zuschauer. * Comedian Oliver Polak und sein Buch „Der jüdische Patient“ Comedy und Depression passen nicht wirklich zusammen. Was passiert aber, wenn ein Comedian unter einer Depression leidet? Der deutschjüdischen Komiker Oliver Polak erlitt nach einer dreijährigen Bühnentour einen Totalzusammenbruch und musste sich für zwei Monate in die Psychiatrie begeben. Wieder entlassen, schrieb er ein Buch über diese schwere Zeit.

Mi, 4. Feb · 01:05-02:55 · Das Erste (ARD)
Max Schmeling

In den 30er Jahren avanciert der junge Profiboxer Max Schmeling zum populärsten Sportler Deutschlands. Mit der Machtergreifung der Nazis rückt das Idol ungewollt in den Fokus der braunen Propaganda. Hitler und seine Schergen wollen den Modellathleten für ihre Zwecke einspannen. Die Nähe zur Macht bietet ihm Schutz, doch Schmeling ist kein Mitläufer. Hinter den Kulissen hilft er verfolgten Juden zur Flucht und versteckt seine tschechische Frau auf einem entlegenen Landgut. Als er unerwartet gegen den Afroamerikaner Joe Louis verliert, der gemäß der nationalsozialistischen Rassenideologie als „Untermensch“ gilt, fällt Schmeling in Ungnade. Regisseur Uwe Boll und sein Drehbuchautor Timo Berndt zeichnen den Werdegang des Ausnahmesportlers Max Schmeling bis in die 50er Jahre hinein nach. Der sympathische Gentleman-Boxer Henry Maske schlüpft in die Rolle seines großen Vorbilds. Susanne Wuest als Schmelings große Liebe Anny Ondra und Heino Ferch als dessen Trainer Max Machon runden das Ensemble ab. Max Schmeling starb am 2. Februar 2005. Das Erste sendet den Film zum 10. Todestag der deutschen Boxlegende. Kreta, 1943. Der verwundete Wehrmachtssoldat Max Schmeling (Henry Maske) soll einen englischen Kriegsgefangenen überführen. Dieser erweist sich als Liebhaber des Boxsportes, worauf Schmeling ihm die wechselhafte Geschichte seiner sportlichen Karriere erzählt: Im Juni 1930 wird der Profiboxer erstmals Weltmeister, doch zu Hause empfängt man ihn als gefühlten Verlierer, da sein Gegner Jack Sharkey (Enad Licina) wegen Tiefschlags disqualifiziert wurde. Erst mit der Verteidigung des Titels gegen Young Stribling (Alexander Frenkel) avanciert „der schwarze Ulan von Rhein“ zum Idol. Selbst die Niederlage im Rückkampf gegen Sharkey, dem die Ringrichter in einem Skandalurteil den Titel zusprechen, schmälert seine Popularität nicht. Deshalb will Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten (Arved Birnbaum) den Modellathleten für die Nazi-Propaganda einspannen. Man drängt ihn, seine tschechische Frau Anny Ondra (Susanne Wuest) und den jüdischen Promoter Joe Jacobs (Vladimir Weigl) zu verlassen. Gegen den bislang ungeschlagenen „braunen Bomber“ Joe Louis (Yoan Pablo Hernández) geling dem deutschen Boxer indessen die große Sensation: Für Schmeling ist es ein rein sportlicher Triumph – doch die Nazis verklären seinen Sieg zur Überlegenheit der „arischen Rasse“. Entsprechend fällt Schmeling durch die unerwartete Niederlage im Rückkampf in Ungnade. Man versetzt ihn an die Front und hofft, dass er fällt – doch Schmeling lässt sich nicht unterkriegen. Mit Hilfe seines langjährigen Trainers Max Machon (Heino Ferch) gelingt ihm 1948 sogar das Comeback. Den sportlichen Zenit hat der über 40-Jährige aber längst überschritten. Max Schmeling zählte zu den ersten Superstars des Sports. Bis ins hohe Alter verehrte man ihn als tadellosen Athleten im Ring, seine von ihm eingestandenen Fehler auf dem politischen Parkett verzieh man ihn. Im Alter von 99 Jahren starb er 2005, seine Popularität ist bis heute ungebrochen. Mit diesem Biopic setzt ihm der frühere Hobbyboxer Uwe Boll ein filmisches Denkmal. Der große Coup ist die Besetzung mit sportlicher Prominenz. In der Titelrolle debütiert der frühere Halbschwergewichts-Weltmeister „Sir“ Henry Maske, der seinem Vorbild täuschend ähnlich sieht. Auch die Gegner sind keine zaghaften Sparringspartner: der frühere Junioren-Weltmeister Yoan Pablo Hernández, der aktive Champion Arthur Abraham, Cruisergewichts-Europameister Alexander Frenkel und der langjährige Profi Enad Licina geben den Kampfszenen authentische Durchschlagskraft. Auf Zeitlupen und Hollywoodpathos kann der Film also getrost verzichten, man sieht Boxen pur.

Mi, 4. Feb · 02:35-04:00 · 3sat
Frauen in Schwarz

1991 wurde in Belgrad nach dem Vorbild gleichnamiger Gruppen in Israel und Italien eine pazifistische Frauengruppe „Frauen in Schwarz“ gegründet, die gegen die Kriegspolitik des serbischen Regimes in schwarzer Kleidung, schweigend und mit Transparenten gegen den Krieg demonstrierte. Sie unterstützten Deserteure aus allen ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken, organisierten Hilfsaktionen für Flüchtlinge und gründeten eine eigene Zeitschrift. Zu den wichtigsten Aktivitäten der „Frauen in Schwarz“ zählt die Organisation eines Friedenskongresses von Frauen aus der ganzen Welt im nordserbischen Novi Sad. Der Dokumentarfilm „Frauen in Schwarz“ porträtiert einige dieser Frauen.

Mi, 4. Feb · 03:45-04:30 · PHOENIX
ZDF-History: Bomben auf Auschwitz? – Ein Streitfall

Hätten die Alliierten Auschwitz bombardieren können oder sollen? Anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau geht die britische Dokumentation einer der letzten großen Streitfragen des Zweiten Weltkrieges auf den Grund. Belege gab es genug: Augenzeugen berichteten im Frühjahr 1944 vom massenhaften Sterben in den Gaskammern des Todeslagers, es gab Planskizzen, und die alliierte Luftaufklärung lieferte 1944 sogar detaillierte Fotos von Auschwitz. Warum also versuchten die Alliierten nicht, die Maschinerie des Todes durch eine gezielte Bombardierung des Lagers aufzuhalten? Eine Frage, auf die es keine einfache Antwort gibt. Denn die Diskussion innerhalb des alliierten Lagers war komplex und kontrovers. Amerikanische und britische Militärs wiesen darauf hin, dass eine Bombardierung vor allem die Insassen treffen würde – ohne sicher sein zu können, auch die Infrastruktur zu zerstören. Der bessere Weg, die Juden zu retten, so argumentierten sie, sei Deutschland so schnell wie möglich zu besiegen. Manche Überlebende des Holocaust hadern noch heute mit dieser Entscheidung. In ihren Augen hätte man Auschwitz bombardieren sollen, auch wenn dies Opfer unter den Insassen gekostet hätte. Mit Unterstützung renommierter Historiker zeigt die Dokumentation, in welche Konflikte die menschenverachtende NS-Vernichtungspolitik die alliierten Entscheidungsträger brachte und reflektiert den aktuellen Stand einer Debatte, die noch immer andauert.

Mi, 4. Feb · 03:55-04:25 · HR
Mittendrin – zu Besuch bei Juden

Als Hessenreporterin Antonella Berta vor einigen Wochen die Schrift „F*** Juden“ auf der Wand einer Frankfurter Synagoge sah, war sie entsetzt und fassungslos. Im Jahr 2014, in ihrer friedlichen und multiethnischen Stadt? So etwas war für sie bis zu diesem Augenblick undenkbar. „Wie viel Judenhass gibt es bei uns, wie steht es um unsere Toleranz?“, fragt sie sich und macht sich auf die Suche nach Antworten. Sie erlebt den Alltag von orthodoxen Juden, taucht ein in eine fremde Welt von nebenan, staunt über Unterschiede und Gemeinsamkeiten und muss sich selbst immer wieder fragen: „Wie tolerant bin ich?“

Do, 5. Feb · 00:55-01:40 · HR
Verräterkinder – Die Töchter und Söhne des Widerstands

Der Männer des 20. Juli 1944 werden heute verehrt als Helden, die ihr Leben im Widerstand gegen Hitler geopfert haben. Für ihre Kinder ist der gewaltsame Tod des Vaters eine Katastrophe, an deren Folgen sie bis in die Gegenwart zu tragen haben. Christian Weisenborn zeigt in seinem Film ‚Verräterkinder‘ erschütternde Begegnungen mit Kindern von Verschwörern des 20. Juli. Axel Smend ist heute noch tief bewegt, wenn er sich daran erinnert, wie seine Mutter mit verweinten Augen vom Elternsprechtag in der Schule zurückkam. Der Lehrer hatte von Axels schlechten Noten in Latein gesprochen und hinzugefügt: Vom Sohn eines Verräters könne er nichts anderes erwarten. Der Vater, Günther Smend, war 1944 hingerichtet worden. Christian Weisenborn blickt aber auch auf die eigene Familiengeschichte. Seine Eltern waren Mitglieder eines großen Freundeskreises von Antifaschisten, den die Gestapo ‚Rote Kapelle‘ nannte. Es waren Künstler, Arbeiter, Kommunisten, Adlige, Ärzte und Offiziere. Männer und Frauen. Sie verbreiteten schon 1942 Flugblätter, die vom Völkermord an den europäischen Juden berichteten, und sie versuchten, Kontakt zu den Sowjets und zu den Amerikanern aufzunehmen. Weisenborns Eltern überlebten, aber 52 ihrer Freunde wurden 1942/43 in Plötzensee hingerichtet. Auch Töchter und Söhne von ihnen hat Weisenborn interviewt. Die Angestellte Erika von Brockdorff war 32 Jahre alt, als sie unter dem Fallbeil starb. Sie hinterließ eine sechsjährige Tochter. Saskia von Brockdorff quälte sich jahrzehntelang mit der Frage, warum hat die Mutter sich in solche Gefahr begeben? Warum hat sie mich verlassen? Erst 60 Jahre später, als auch die Rote Kapelle einen Platz in der Gedenkstätte des Widerstands bekam, erreichte sie der Abschiedsbrief, den ihr die Mutter 1943 schrieb. Er ist voller Liebe und Schmerz. Behutsam lässt Weisenborn die Zuschauer teilhaben an der Versöhnung, die Saskia von Brockdorff durch diese Zeilen endlich möglich war. Von der Trauer um die toten Mütter und Väter erzählen auch Alfred von Hofacker und Hans Coppi. Wie schwierig, voller Fragen und widerstreitender Gefühle es war, einen Zugang zu den Toten, ihren hingerichteten Vätern oder Müttern zu finden. Das private Trauern vollzog sich jahrzehntelang vor dem Hintergrund des Kalten Krieges. Die ‚Verräterkinder‘ mussten erdulden, wie politische Interessen in Ost und West zur Verleumdung ihrer Eltern führte. Widerstandskämpfer wurden vereinnahmt, ausgestoßen oder passend gemacht. 1954 ehrte Bundespräsident Heuss zum ersten Mal die Männer des 20. Juli. In der DDR wurden sie zu diesem Zeitpunkt als Reaktionäre gebrandmarkt, denen es vor allem um den Machterhalt für Adel, Großgrundbesitz und Militär gegangen sei. Erst in den 1970er Jahren begann eine vorsichtige Umorientierung. Die ‚Rote Kapelle‘ wurde in der DDR anfangs verschwiegen, dann zu einer kommunistischen Kundschaftertruppe umgedeutet und propagandistisch aufgebauscht zum Vorbild des Mielke-Apparates gemacht. Im Westen wurde sie jahrzehntelang als fünfte Kolonne Moskaus diffamiert. Erst 2009 hob der Deutsche Bundestag die Todesurteile wegen ‚Kriegsverrats‘ auf. Vor diesem Hintergrund zeigt Christian Weisenborns Film eindrucksvolle, hoch emotionale Momentaufnahmen aus dem Leben der Kinder des Widerstands.

Do, 5. Feb · 23:30-00:15 · RBB Berlin
Der Pianist Menahem Pressler

Er war das Herz und die Konstante des weltweit gefeierten Beaux Arts Trios, das über 50 Jahre lang Maßstäbe für die Kammermusik setzte. 2008 löste sich das Trio auf, und Menahem Pressler begann mit 85 Jahren eine Solokarriere. „Ein Wunder“, sagt Menahem Pressler selbst. Er war das Herz und die Konstante des weltweit gefeierten Beaux Arts Trios, das über 50 Jahre lang Maßstäbe für die Kammermusik setzte. „Es gab fünf Geiger, es gab drei Cellisten, aber es gibt nur einen Menahem Pressler“, resümiert Daniel Hope, der als Geiger das Trio in den letzten sechs Jahren begleitete. 2008 löste sich das Trio auf, aber wer dachte, Menahem Pressler würde sich nun zur Ruhe setzen, wurde eines Besseren belehrt: Mit 85 Jahren startete der Ausnahmekünstler noch einmal durch, nahm seine Solokarriere wieder auf und spielt seitdem mit den größten und besten Orchestern der Welt. „Dass ich jetzt in meinem Alter noch einmal eine Solokarriere mache, das ist ein Wunder“, sagt Menahem Pressler selbst. Menahem Pressler hat ein bewegtes Leben. Mit 16 Jahren musste der gebürtige Madgeburger aus Deutschland vor den Nazis fliehen, seine Familie entkam nur knapp der Deportation. Sein Weg führte über Israel nach Amerika. Dort begann er seine Karriere als Pianist, begegnete all den großen Meistern seiner Zeit, ging mit Bruno Walter ins Konzert, trank mit Alma Mahler Samstags Tee und zählte Franz Waxmann zu seinem engen Freundeskreis. Mit seinen 91 Jahren stößt er ein Fenster in die Vergangenheit auf und ist doch, mit dem IPad unter dem Arm, ganz im 21. Jahrhundert angekommen. Seine tief empfundene Liebe zur Musik und die Musik selbst scheinen sein Jungbrunnen zu sein. Unermüdlich reist er um die Welt, um Konzerte zu spielen, CDs aufzunehmen, junge Musiker in Meisterkursen zu unterrichten. Sein Alter merkt man ihm nicht an, wenn er mit einem spitzbübischen Lächeln ein Lob ausspricht oder mit großer Strenge kritisiert. Pressler wird nicht müde, seinen Zugang zur Musik jedem Menschen nahe zu bringen. Sein einzigartiger Ton lässt Musikerkollegen wie Daniel Harding oder Leonidas Kavakos ins Schwärmen geraten. „Jeder sollte ihn mindestens einmal in seinem Leben gehört haben“, empfiehlt auch Raphaël Merlin, der Cellist des Quatuor Ebène. Nach seinem bewegenden Debut bei den Berliner Philharmonikern im Januar 2014 hat das Orchester Menahem Pressler erneut eingeladen: er wird der Solist im Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker sein.

Do, 5. Feb · 14:05-14:15 · ARD-alpha
Unterwegs mit… einem Rabbi

Jüdisches Leben in Deutschland: knapp 70 Jahre nach dem Ende des Holocausts zwar nicht einfach Normalität aber doch etwas ganz Alltägliches. Doch was ist Alltag in einer jüdischen Gemeinde in Deutschland? Um das zu erfahren, sind wir unterwegs mit einem Rabbiner, erleben mit ihm Gottesdienst, Gemeindearbeit, Familienfeste und jüdische Feiertage. Die Reihe „Unterwegs mit…“ zeigt Situationen, die zwar alltäglich sind, den meisten aber verborgen bleiben. Rabbiner sind die obersten Gelehrten des jüdischen Glaubens. Sie unterrichten an jüdischen Schulen und überwachen, ob die Lebensmittel koscher sind. Doch den Sabbat-Gottesdienst leiten sie nur in manchen jüdischen Gemeinden. Streng genommen sind sie keine Priester mit besonderen Aufgaben, sondern „nur“ besonders qualifizierte Berater. die auslegen, wie die Thora im Einzelfall zu verstehen ist. Um zu erfahren, wie sie das tun, sind wir unterwegs mit einem Münchner Rabbiner, erleben mit ihm Gottesdienst, Gemeindearbeit, Familienfeste und jüdische Feiertage. So entdecken wir religiöses Leben aus einer ungewohnten Perspektive: als das tägliche Brot eines Rabbiners.

Sa, 7. Feb · 12:10-13:40 · HR
So ein Schlamassel

Eigentlich müsste Jil im siebten Himmel schweben, hat sie in dem Landschaftsarchitekten Marc doch endlich die große Liebe gefunden. Es gibt da nur ein klitzekleines Problem: Marc ist kein Jude und Jils strenggläubige Familie würde es nie akzeptieren, dass sie einen „Goi“, einen Nichtjuden, heiratet. Da hilft nur eines: Marc, Sohn einer bürgerlichen deutschen Familie, muss so tun, als sei er ebenfalls Jude. Nach einem Schnellkurs in Sachen Traditionen und Gebräuche scheint das auch gut zu funktionieren. Jils Familie ist von dem neuen Freund hellauf begeistert. Doch dann fliegt der Schwindel bei einer Bar-Mizwa-Feier auf.

Sa, 7. Feb · 16:30-17:00 · HR
Horizonte: Die späten Leiden der Kriegskinder – Wenn verdrängte Erinnerungen aufbrechen

Moderation: Meinhard Schmidt-Degenhard Angeblich heilt ja die Zeit alle Wunden. Doch viele ältere Menschen leiden noch heute unter den traumatischen Erinnerungen an Krieg und Vertreibung, die sie in ihrer Kindheit haben erleben müssen. Gerade mit dem Alter, in den letzten Jahren vor dem Tod, kommen ein Leben lang verdrängte Erinnerungen wieder hoch. Wer als Kind den Zweiten Weltkrieg mit all seinen Folgen und Schrecken erlebt hat, ob an der Front, zu Hause im Schutzbunker oder auf der Flucht, wird diese Erinnerungen bis heute nicht los. Längst vergessen geglaubte seelische Verletzungen brechen im Alter wieder auf, vor allem wenn die intellektuelle Selbstkontrolle, die Verdrängung, abnimmt. Diese Erfahrung machen auch Pflegekräfte, die es in Altersheimen mit Menschen zu tun haben, die den Zweiten Weltkrieg noch persönlich erlebt haben. Ob es die panische Reaktion auf ein Gewitter ist, das Horten von Lebensmitteln oder die Weigerung, sich vor dem Arzt auszuziehen: Was für Außenstehende als unerklärliches Verhalten erscheint, ist oftmals die Folge von traumatischen Erlebnissen, die im Alter wieder lebendig werden. Psychologen schätzen, dass mindestens zwölf Prozent der Deutschen, die älter als 65 Jahre sind, Symptome solch einer Kriegstraumatisierung aufweisen. Lange galt das Trauma dieser Kriegskinder als Tabuthema. Zum einen gab es den inzwischen widerlegten Einwand, eine Traumatisierung könne sich nicht Jahrzehnte später zeigen. Gerade die Holocaust-Forschung hat gezeigt, wie sehr traumatisierende Erlebnisse bis ins hohe Alter fortwirken und gerade im Alter stärker in Erscheinung treten können. Zum anderen wog aber auch der Vorwurf schwer, die Beschäftigung mit den Leiden der „Täter“ führe dazu, die Verbrechen an den Opfern, die millionenfache Ermordung der Juden, zu relativieren. Doch seit einigen Jahren gibt es in der Traumaforschung ein Umdenken: Das Wissen um die unmenschlichen Verbrechen der Deutschen als Tätervolk kann kein Grund sein, das Leid vieler Kriegskinder auf der Täterseite zu ignorieren. Um diese Spätfolgen müsse man sich nun vermehrt kümmern, so das Argument von Psychologen und Altersforschern, stelle es doch Angehörige und Pfleger vor große Herausforderungen. Denn um die Wunden, die die Zeit nicht geheilt hat, müssen nun sie sich kümmern.

Sa, 7. Feb · 23:30-00:45 · arte
Asaf Avidan in Concert im Pariser Folies Bergère

Er wird von der Presse als neuer Janis Joplin gefeiert: Asaf Avidan. Nach seinem Hit „One Day/Reckoning Song (Wankelmut Remix)“ brachte der israelische Folk-Rock-Musiker sein erstes Soloalbum heraus. Anfang nächsten Jahres erscheint sein neues Album. ARTE zeigt ein Konzert seiner Back-to-Basics-Tour. Das Konzert ist auch auf ARTE Concert abrufbar: concert.arte.tv

So, 8. Feb · 23:10-00:02 · arte
Durch die Nacht mit … Haftbefehl und Oliver Polak

Ein Abend im Zeichen der Völkerverständigung: An dem Tag, an dem die Juden das Vergebungsfest Jom Kippur und die Muslime das Opferfest Bayram feiern, treffen sich Gangsta-Rapper Haftbefehl und Stand-up-Comedian Oliver Polak für eine nächtliche Tour durch Offenbach und Frankfurt. Trotz des gemeinsamen Festtags bleiben interkulturelle Missverständnisse nicht aus. Es geht um Musik, Drogen und Depression. Der Abend beginnt an einem Kiosk am Frankfurter Osthafen, wo das Gespräch schnell auf das Thema Musik kommt. Oliver Polak bekennt sich als glühender Udo-Jürgens-Fan, von dem Haftbefehl noch nie gehört haben will, was sich im Verlaufe der Nacht noch ändern soll. Beim anschließenden Besuch der JVA Preungesheim zeigen sich die beiden von ihrer mitfühlenden Seite und haben Zigaretten für die Insassen dabei. In einer der Zellen erinnert sich Haftbefehl an längst vergangene Zeiten. Der Abend führt weiter ins verruchte Offenbach und an die Stätten von Haftbefehls Jugend. Sowohl bei einem Spaziergang durch das Viertel, in dem er aufgewachsen ist, als auch auf dem Rummel, wird „Hafti“ von seinen jungen Fans belagert und vergöttert. Dort lässt er sogar eine Runde Karussell für alle springen und löst damit Massenaufläufe aus. Später treffen sie im Stalburg Theater auf das Frankfurter Urgestein Michael Herl, der Haftbefehl zum Dadaisten macht, was bei den beiden auf Verwirrung stößt. Der Abend klingt aus bei einem Stand-up des Komikers Costa Meronianakis, der auch mal Rapper war und Haftbefehl und Polak aufs Korn nimmt. Diese Nacht ist ein unkonventioneller Austausch über Pop, Religion, Antisemitismus und die Frage, worüber man Witze machen darf. Nicht immer sind Haftbefehl und Polak da einer Meinung und tauschen dennoch am Ende ihre Handynummern aus.

So, 8. Feb · 23:50-00:45 · MDR Sachsen
Verborgen vor den Nazis – Der Schatz des Hauses Atkin

„Der Schatz des Hauses Atkin“ begleitet den Engländer Mark Atkin (47) auf der Suche nach seiner jüdischen Vergangenheit und dem Familienschatz, von dem ihm sein Vater erzählt hat und der ihn und seine Familie seit Jahrzehnten fasziniert. 1. September 1939: Die Deutschen marschieren in Polen ein. Marks Großvater Jack Atkin ist der Manager der familieneigenen, erfolgreichen Textilfabrik. Ihm bleiben nur noch wenige Stunden, um sein Hab und Gut auf seinem Grundstück in Lodz zu vergraben und in einem alten, rostigen Auto nach London zu fliehen. Er ist der einzige, der weiß, wo der Schatz liegt und er gibt das Geheimnis an seinen Sohn David, Marks Vater, weiter. 2009, 70 Jahre später. Mark Atkin begibt sich auf eine Abenteuerreise ins Leben seiner Großeltern und der ganzen Familie. Es beginnt eine ganz persönliche Schatzsuche. In Los Angeles findet er einen Teil der Familie und den Schlüssel zur Geschichte. Er erfährt, was Krieg, Flucht, Vertreibung und Holocaust mit seiner Familie gemacht haben. Aus faszinierenden Bruchstücken entsteht eine Geschichte, die im lettischen Riga beginnt und über London und Kuba in die USA und schließlich ins polnische Lodz führt – dem Ort, an dem das gemeinsame Haus steht. Mark Atkin findet das Haus der Familie, doch der Weg zum lang ersehnten Schatz scheint unüberwindlich, denn das große Familienanwesen steht heute unter der Verwaltung des polnischen Militärs und dort, wo der Goldschatz vermutet wird, betreibt der Geheimdienst heute angeblich ein Labor. Die Hürden scheinen unüberwindlich, aber Mark gibt nicht auf und versucht schließlich am Rande der Legalität, das vergrabene Familiengold zu bergen. Regisseur Jerzy Sladkowski („Swedish Tango“) entführt uns in die Welt europäischer Juden und zeigt die Versuche, den zahlreichen, verborgenen Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Längst Vergangenes gewinnt plötzlich eine faszinierende Aktualität und für Mark Atkin beginnt eine fast mystische Reise zwischen den politischen Umständen im Polen von heute und der Erinnerung einer Generation an eine Zeit, die unwiederbringlich verloren scheint. Die dokumentarische Erzählung illustriert die historischen Rückblenden durch künstlerische Animationen und beobachtet die Protagonisten mit ganz besonderem Blick. Es gelingt so eine leichtfüßige und mit viel Herz und Humor erzählte Saga. Ein modernes Märchen und eine emotionale Reise mit unerwarteten Komplikationen.

Mo, 9. Feb · 20:15-22:21 · arte
Zeit zu leben und Zeit zu sterben

1944 an der Ostfront: Als Ernst Graeber endlich den langersehnten Fronturlaub erhält, findet er in der Heimat anstatt seiner Eltern nur Trümmer vor. Doch zwischen Bombenalarm und Nazispitzeln verliebt er sich in Elisabeth, die Tochter seines Hausarztes, der wegen Systemkritik ins Konzentrationslager kam. In einem kurzen Frühling blüht ihre Liebe auf und sie heiraten Hals über Kopf. Sie finden eine wohnliche Herberge zwischen all den Ruinen, träumen von Flitterwochen in Paris und schmieden gemeinsame Pläne. Doch schon bald sind die freien Tage verstrichen und Ernst wird an die Front zurückgeschickt … Ernst Graeber ist im Frühjahr 1944 in Russland mit den deutschen Truppen auf dem Rückzug. Widerwillig doch zugleich resigniert beteiligt er sich an Hinrichtungen von „Partisanen“, befohlen von den letzten parteitreuen Fanatikern seines Regiments. In der Kompanie macht sich Unmut breit und die Hoffnung auf einen Sieg schwindet mit den schweren Verlusten. Als Ernst überraschend seinen sehnlich erwarteten Fronturlaub genehmigt bekommt, sieht er sich schon in seiner unversehrten Heimat beim gewohnten Abendessen mit seinen Eltern. Doch zu Hause angekommen, findet er ein zerbombtes Viertel vor und kann sein Haus unter den Trümmern kaum wiederfinden. Ernst macht sich auf die Suche nach seinen Eltern und sucht Dr. Kruse auf, der seine Mutter viele Jahre behandelte. Doch an der Tür trifft er auf seine Jugendfreundin, Elisabeth Kruse, die sich um ihren Vater sorgt, der wegen „wehrkraftzersetzender“ Äußerungen im KZ sitzt. Über einen ehemaligen Schulfreund, Oscar Binding, der als systemtreuer Anhänger eine hohe Position erlangte, versucht Ernst, etwas über Dr. Kruse und seine Eltern in Erfahrung zu bringen. Für ihn steht fest: Er möchte trotz all der Not weiterleben, Elisabeth zu einem romantischen Dinner ausführen und das Leben genießen, so gut es geht. Sie verlieben sich ineinander, und Ernst drängt auf eine schnelle Heirat. Elisabeths Haus wird von Bomben zerstört und sie finden gemeinsam eine neue Unterkunft. Ernst erfährt, dass seine Eltern am Leben sind, doch er muss Elisabeth die Nachricht vom Tod ihres Vaters überbringen. Zurück an der russisch-deutschen Front wird ihm seine Barmherzigkeit zum Verhängnis …

Mo, 9. Feb · 23:40-01:25 · MDR Sachsen
Die Kammer

30 Jahre sind vergangen, seit der überzeugte Rassist Sam Cayhall (Gene Hackman) zugab, an einem Bombenanschlag beteiligt gewesen zu sein, der die beiden Kinder eines jüdischen Bürgerrechtlers in den Tod riss. Obwohl das Ausmaß seiner Schuld nie eindeutig bewiesen werden konnte, erwirkte der Staatsanwalt McAllister (David Marshall Grant) die Höchststrafe, um die eigene Polit-Karriere voranzutreiben. Seither wartet Cayhall im Staatsgefängnis von Mississippi auf seine Hinrichtung. Über die Frage nach einem anderen Haupttäter hüllte das Ku-Klux-Klan-Mitglied sich all die Jahre in Schweigen. Nun will der junge Rechtsanwalt Adam Hall (Chris O’Donnell) dieses Schweigen brechen und der Wahrheit auf den Grund gehen. Angetrieben wird er dabei nicht zuletzt von dem Bedürfnis, mit seiner düsteren Familiengeschichte ins Reine zu kommen, denn Cayhall ist Adams Großvater. Dessen Rassenhass und Gewalttaten hatten die Familie zutiefst zerrüttet. Adams Vater nahm sich schon vor Jahren das Leben, seine Tante Lee (Faye Dunaway) suchte im Alkohol Trost und Vergessen. Adam und Cayhall sind sich nie zuvor begegnet, und der alte Mann, noch immer ein von Hass erfüllter Rassist, begegnet seinem liberal eingestellten Enkel mit tiefer Verachtung. Aber trotz dieser Ablehnung will Adam nicht locker lassen. Er will begreifen, was seine Familie zerstörte. Je tiefer er in den Details der alten Geschichte bohrt, desto überzeugter ist er, dass es vor 30 Jahren noch einen anderen Täter gegeben haben muss, der die Hauptschuld am Tod der Kinder trägt. Allerdings hat McAllister, inzwischen Gouverneur von Mississippi, keinerlei Interesse daran, dass der Fall neu aufgerollt wird. Viel Zeit bleibt Adam ohnehin nicht: In 28 Tagen soll sein Großvater hingerichtet werden.

Di, 10. Feb · 20:15-21:45 · 3sat
Die Seele eines Mörders

Zohara Baschari, Anwaltsgehilfin jüdisch-jemenitischer Herkunft, ist ermordet worden. Die Obduktion durch den Pathologen Dr. Solomon ergibt, dass Zohara schwanger war. Zudem hatte sie soeben eine teure Wohnung gekauft und besaß kostbaren Schmuck. Als großzügiger Spender entpuppt sich Zoharas Arbeitgeber, der wohlhabende Anwalt Rosenstein. War Zohara seine Geliebte? Die Familie Baschari ist abgrundtief verfeindet mit ihren Nachbarn, den aus Polen eingewanderten ashkenasischen Beneschs. Chefinspektor Ochajon erfährt, dass die Bascharis die Beneschs auch deshalb hassen, weil ihnen einst, im Auffanglager für jemenitische Einwanderer, unter einem Vorwand ihr Baby zugunsten einer ashkenasischen Familie weggenommen wurde. Die bekannte Journalistin Orli Shoshan fand in Zoharas Auftrag heraus, dass die in den USA lebende Tochter des Anwalts Rosenstein in Wirklichkeit Zoharas ältere Schwester ist – das entwendete Baby der Bascharis. Der Schmuck und die teure Wohnung sind der Versuch eines Schweigegeldes. Wollte Zohara reden? Wurde Rosenstein von ihr erpresst? Dann verschwindet die zwölfjährige Nesja Chajun spurlos, ein dickliches Mädchen, das die schöne Zohara vergötterte. Eine Suchaktion der Polizei beginnt. Aber Nesja wird nicht gefunden, nur die Leiche ihres Hundes. Mittlerweile spricht vieles dafür, dass das Verschwinden von Nesja mit der Ermordung Zoharas in Zusammenhang steht. Eine scheinbar nebensächliche Beobachtung von Ochajon führt auf die richtige Spur. Der Fernsehkrimi „Die Seele eines Mörders“ ist eine Adaption des Romans „Denn die Seele ist in deiner Hand“ der israelischen Autorin Batya Gur. Der Film spielt in Jerusalem und Tel Aviv, und führt tief in die israelische Gesellschaft und Geschichte.

Mi, 11. Feb · 08:30-09:50 · MGM
Zelig

Der kleine jüdische Angestellte Leonard Zelig (Woody Allen) ist ein Mann ohne Identität. Er kann sich chamäleonartig an seine Umwelt anpassen. Das geht sogar so weit, dass er die physischen Eigenschaften bestimmter Personen annehmen kann. – Woody Allens fiktive Biografie: eine brillante Persiflage auf die Gesellschaft, die Filmindustrie und Dokumentarfilme.

Mi, 11. Feb · 22:10-00:01 · arte
Die Parade

Eine Gruppe homosexueller Aktivisten organisiert eine Gay-Pride-Parade in Belgrad. Zum Schutz vor den erwarteten Attacken rechtsradikaler Gruppen wird ausgerechnet der Homosexuellen-Hasser, Kriegsheld und pensionierte Kleinkriminelle Limun angeheuert, der das Ganze seiner Verlobten zuliebe tut, die droht, ihn sonst zu verlassen. Zusammen mit einem der Organisatoren fährt Limun in einem pinkfarbenen Käfer durch das ehemalige Jugoslawien und heuert ehemalige Kriegsgegner als Verstärkung an. Einen Kroaten, einen Bosnier und einen Kosovo-Albaner. Am Tag der Gay-Pride stehen sich nicht nur Homosexuelle und die rechte Szene gegenüber, sondern auch Limun und sein eigener Sohn … Limun ist ein kleinkrimineller Kriegsveteran, laut, masochistisch, von oben bis unten tätowiert, Besitzer eines Judo-Clubs und einer Sicherheitsfirma, die eher zwielichtige Gestalten beschützt. Dazu ist er höchst homophob. Seine Verlobte Pearl steckt mitten in den Hochzeitsvorbereitungen. Als Hochzeitsplaner hat sie den schwulen Mirko engagiert. Frustriert von Limuns schwulenfeindlichen Beschimpfungen will Mirko den Job schon hinschmeißen, als Pearl ihrem Verlobten ein Ultimatum stellt. Sie besteht nicht nur darauf, dass Mirko bleibt, sondern auch, dass Limuns Firma die von Mirko und seinem Freund Radmilo organisierte Gay-Pride-Parade beschützt, um sie vor den massiven Anfeindungen und Drohungen durch Neonazi-Gruppen und Hooligans zu bewahren. Das Alpha-Tier Limun muss schließlich gemeinsam mit dem schwulen Pärchen und ohne Unterstützung von der Polizei für die Rechte von Homosexuellen kämpfen. Auf der Suche nach Sympathisanten reist er mit Radmilo in einem pinkfarbenen Käfer durch ein zerrissenes Land, um ehemalige Kriminelle für eine gerechte Sache zu gewinnen. Nach einem Road-Trip durch das ehemalige Jugoslawien haben sie den Kroaten Roko, den Bosnier Halil und den Kosovo-Albaner Azem auf ihrer Seite. In der Zwischenzeit hat Pearl, zu Limuns Entsetzen, ihr Haus in eine luxuriöse Herberge für die bedrohten Aktivisten verwandelt. Um deren Gegenwehr aufzubauen, geben ihnen Limun und seine drei Kumpanen einen Verteidigungskurs. Am Tag der Gay-Pride werden sich nicht nur Homosexuelle und die rechte Szene gegenüberstehen, sondern auch Limun und sein eigener Sohn …

Do, 12. Feb · 00:50-01:43 · arte
So wie ein Wunder – Das singende Kino des Herrn Heymann

Eine europäische Traumfabrik, von der Hollywood lernen kann; Stars aus der Heimat, die die Kinosäle in Deutschland und Frankreich füllen: Was wie Zukunftsmusik klingt, war in den frühen 30er Jahren des letzten Jahrhunderts für kurze Zeit Realität. Der Komponist Werner Richard Heymann war der maßgebliche Kopf hinter der sogenannten Filmoperette, die in der Frühzeit des Tonfilms die Herzen der Zuschauer im Sturm eroberte. Filmemacherin Helma Sanders-Brahms begibt sich in ihrem persönlichen Film in eine Zeit zurück, die der Wirtschaftskrise der heutigen durchaus ähnelte. Zahlreiche Filmausschnitte zeigen die Stars von damals, ihre Filme und ihre Musik, deren Witz und melancholische Lebenslust auch heute den Nerv der Zeit treffen. Der Traum währte nur wenige Jahre: In den frühen 30er Jahren des letzten Jahrhunderts stand die Potsdamer Filmproduktion Ufa für europäisch produzierte Filme, deren Raffinesse und Ausgelassenheit internationale Erfolge einfuhr. Die Stars hießen Lilian Harvey, Willy Fritsch oder Henri Garat; gedreht wurden je eine deutsche und eine französische Version. Der internationale Erfolg auch über Deutschland und Frankreich hinaus ist letztlich dem Komponisten Werner Richard Heymann zu verdanken, der auf neuartige Weise Musik, Tanz und Film zusammenbrachte und mit diesen „Filmoperetten“ das amerikanische Filmmusical inspirieren sollte. Streifen wie „Bomben auf Monte Carlo“, „Der Kongress tanzt“ oder „Die Drei von der Tankstelle“ waren seinerzeit Kassenschlager, Heymanns Melodien so bekannt wie Jahrzehnte später die von Lennon und McCartney. Mit der Machtergreifung der Nazis war Schluss mit der Lust und Leichtigkeit des Internationalen Kinos made in Germany: Wie Heymann waren auch viele andere Köpfe hinter den Kulissen Juden. Und wie Heymann emigrierten viele von ihnen schließlich in die USA, wo Hollywood mit neuen Aufgaben lockte. Begleitet von Elisabeth Trautwein-Heymann, der Tochter Heymanns, begibt sich die Filmemacherin Helma Sanders-Brahms in die Archive einer fast vergessenen Filmzeit. Sie taucht ein in die Pionierzeit des Tonfilms, dessen Wagemut und künstlerische Brillanz heute staunen lassen. Dass es ein so lebenslustiges wie kluges und international offenes Kino zwischen den Kriegen je gegeben hat, erscheint aus der heutigen Perspektive tatsächlich „so wie ein Wunder“.

Fr, 13. Feb · 12:00-12:30 · 3sat
Bei mir biste scheen

Der Frankfurter Jose Weber ist der einzige jüdische Heiratsvermittler Deutschlands – das behauptet er steif und fest. Weit über Deutschlands Grenzen hinaus warten jüdische Singles auf Webers glückliche Vermittlerhand. Auf seinem Schreibtisch stehen fünf Monitore, damit er seinen vielen Aufträgen Herr werden kann. Das größte Problem von Webers Agentur Simantov (Deutsch für „gutes Zeichen“) ist, dass deren Kundinnen und Kunden in der Regel weit entfernt voneinander leben. In Frankfurt zum Beispiel hat die jüdische Gemeinde zwar 7.000 Mitglieder, aber – so Weber – „da kennen sich viele vom Spielen im Sandkasten her und verlieben sich nicht ineinander“. In ganz Europa gibt es dagegen immerhin 15.000 heiratswillige Jüdinnen und Juden, weswegen Weber auch schon einmal eine Liebesheirat zwischen einem Finanzexperten aus Paris und einer Professorin aus Sibirien stiftete. Die Dokumentation „Bei mir biste scheen“ begleitet den jüdischen Heiratsvermittler Jose Weber bei seiner Arbeit.

Fr, 13. Feb · 12:30-13:00 · 3sat
Mit einem Lächeln und einer Träne

Eigentlich passt das nicht zusammen: Das Lächeln und die Tränen, mit denen Zosia Wysocki oft zu den wöchentlichen Treffen in Frankfurt kommt. Sie trifft sich hier regelmäßig mit Freunden und Bekannten bei Kaffee und Kuchen, um über den Holocaust zu reden. Kaffeeklatsch und das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte, Lächeln und Tränen: Sind das nicht unüberbrückbare Gegensätze? Zosia Wysocki, selbst eine Überlebende des Holocaust, sieht das anders. Das Lächeln, sagt sie, ist für das Leben und das Glück überlebt zu haben, die Tränen für all das, was sie im Holocaust verloren hat. Der Frankfurter „Treffpunkt“, wie ihn die Sozialarbeiter und Psychotherapeuten der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland nennen, ist eine Begegnungsstätte, in der wöchentlich Holocaustüberlebende zusammenkommen. Die jüdischen Senioren erinnern sich, erzählen, tauschen sich aus und teilen ihr Schicksal. Die Dokumentation „Mit einem Lächeln und einer Träne“ besucht den „Treffpunkt“ in Frankfurt, eine Begegegnungsstätte für Holocaustüberlebende.

Fr, 13. Feb · 14:00-14:30 · ARD-alpha
Hitlers Vorkosterin – Das Leben der Margot Woelk

Weil die Nazis erfuhren, dass Hitler vergiftet werden sollte, zwang man sie, seine Speisen zu kosten. Heute erzählt sie, wie es ihr gelang zu überleben. Jeder Bissen hätte vergiftet sein können. Margot Woelk musste – zusammen mit anderen Frauen – Speiseproben für das Führerhauptquartier „Wolfsschanze“ vorkosten. Durch Zufall wurde die Berlinerin zwangsverpflichtet. Der britische Geheimdienst plante, Adolf Hitler zu vergiften. Die 96-Jährige erzählt, wie sie zur Vorkosterin wurde. Sie berichtet, wie sie fliehen konnte, kurz bevor Hitler die Wolfsschanze im November 1944 aufgab. In Berlin musste sie sich bis Kriegsende verstecken, da sie von der Militärpolizei gesucht wurde. Als die Rote Armee die Stadt eroberte, wurde Margot Woelk vergewaltigt – wie viele Frauen damals. Danach wollte sie nur vergessen, aber sie kann nicht.