- haGalil - http://www.hagalil.com -

Noch mehr Fernsehtipps für den Januar

Vom 16. bis 31. Januar 2015…

Sa, 17. Jan · 16:30-17:00 · HR
Glaube Liebe Lust – Sexualität in den Weltreligionen (2/3)

Liebe, Lust und Leidenschaft sind in fast allen Kulturen unberechenbare Größen, die es zu steuern und zu kontrollieren gilt. Auch innerhalb einer Ehe oder hinter den Mauern eines Klosters. In Folge 2 „Erfüllte Liebe“ fragen wir, wie sich die Vorschriften großer Weltreligionen in der heutigen Zeit auf Liebe, Ehe und Sexualverhalten auswirken. In Israel, dem Libanon, in Deutschland und Thailand suchen sieben Menschen nach Wegen, Glaube und sexuelle Bedürfnisse in Einklang zu bringen, ohne zu sündigen. Liebe, Lust und Leidenschaft sind in fast allen Kulturen unberechenbare Größen, die es zu steuern und zu kontrollieren gilt. Auch innerhalb einer Ehe oder hinter den Mauern eines Klosters. In Folge 2 „Erfüllte Liebe“ fragen wir, wie sich die Vorschriften großer Weltreligionen in der heutigen Zeit auf Liebe, Ehe und Sexualverhalten auswirken. Das jüdische Paar Vered und Chanoch weiß genau, an welchen Tagen ihnen die Bibel Sexualität gestattet und nahelegt – und sie halten sich streng daran. Der Moslem Saad hat für seinen Wunsch nach außerehelichem Geschlechtsverkehr eine von seinem Scheich abgesegnete Lösung gefunden und ist eine Zeitehe eingegangen. Noual hingegen hat als Zeitehefrau auf eine konventionelle Ehe kaum mehr eine Chance. Als sich Hede und Heiner, ein älteres katholisches Paar, in den 70er-Jahren ineinander verliebten, war das Pillen-Verbot durch Papst Paul VI. erst wenige Jahre alt. Trotzdem haben sie sich bewusst darüber hinweggesetzt – und es nicht bereut. Und dass Sexualität nicht einmal in der Ehe einen legitimen Platz hat, sondern Hindernis auf dem Weg der eigenen Vervollkommnung ist, zeigt uns der buddhistische Mönch Chan Chai. Er ist strengstens darauf bedacht, selbst im Großstadtgetümmel Bangkoks jede noch so zufällige Berührung mit einer Frau zu vermeiden.

So, 18. Jan · 00:50-02:20 · BR
Ende der Schonzeit

Ein abgelegener Bauernhof im Schwarzwald 1942. Emma und Fritz sind seit zehn Jahren verheiratet. Die wortkarge, aber gut eingespielte Ehe überschattet der bisher unerfüllte Wunsch nach einem Stammhalter für den Hof. Eines Abends entdeckt der raubeinige Fritz beim Wildern den Juden Albert im Unterholz und bietet ihm kurzerhand ein Nachtlager in der Scheune an. Gegen Emmas Willen schlägt Fritz dem Juden vor, ihm auf dem Hof Unterschlupf zu gewähren. Im Gegenzug soll Albert dem Bauernehepaar bei der harten Arbeit unter die Arme greifen. Fritz findet zunehmend Gefallen an dem Flüchtling, dem er, anders als Emma, vorurteilsfrei begegnet. Die sich langsam entwickelnde Männerfreundschaft wird auf eine harte Probe gestellt, als Fritz den jungen Mann um einen besonderen Gefallen bittet. Albert soll an seiner Stelle mit Emma ein Kind zeugen. Unter zunehmenden Druck stimmt Albert schließlich zu, Emma wird die Wahl gar nicht erst gelassen. Aus dem technischen Begattungsvorgang entwickeln sich ungeahnte Gefühle: Emma entdeckt zum ersten Mal in ihrem Leben die Leidenschaft, Fritz die Eifersucht und Albert die Willkür. Als sich die Schwangerschaft nicht sofort einstellt, wird das Arrangement zur Zerreißprobe für alle Beteiligten.

Mo, 19. Jan · 12:05-12:48 · arte
360° Geo Reportage: Jerusalem im Morgengrauen

In Jerusalem, der Heiligen Stadt von Juden, Muslimen und Christen, wird sogar die Müllentsorgung bisweilen zum religiösen Konflikt. Doch ein jüdischer und ein arabischer Müllmann haben das Kunststück geschafft, sich und die Kollegen zwischen Heiligtümern und Unrat perfekt zu organisieren. „360° Geo Reportage“ durfte die Mülltruppen durch das alltägliche Chaos der weltberühmten Stadt begleiten. In der Altstadt von Jerusalem leben rund 30.000 Menschen – Christen, Juden und Muslime – auf engstem Raum. Sie produzieren täglich Tonnen von Müll. Nachts sind die Gassen vollgestopft mit Plastiksäcken, Kartons und Abfällen, dann ist die Heilige Stadt wahrscheinlich auch eine der dreckigsten. Jedenfalls bis Männer wie Midhat und Sharon ihren Job erledigt haben. Der Araber und der Jude befehligen jeweils eine eigene Truppe von Müllmännern. Sie mögen und sie brauchen sich, denn im jüdischen Viertel kommt Midhat ohne Sharon nicht aus – und umgekehrt. Ein kleiner Traktor kämpft sich frühmorgens die Stufen des muslimischen Viertels hinauf. Ein Mann springt ab und wirft die Säcke auf die Ladefläche des Anhängers. Der Ruf des Muezzins ertönt, dann Glockengeläut. Midhat Abu Hani muss sich beeilen, bald kommen Scharen von Gläubigen und Touristen. Dann ist hier kein Durchkommen mehr. Der Araber ist Chef der motorisierten Müllabfuhr und für zwölf Traktoren verantwortlich, mit denen seine Truppe jeden Tag Unmengen Unrat von den Straßen räumt. Midhats Kollege Sharon ist Chef der Kärchertruppe und einer von 3.000 Juden, die in der Altstadt arbeiten. Er wohnt mittlerweile außerhalb der Stadtmauern, aber aufgewachsen ist er hier zwischen 25.000 Palästinensern, 500 Christen und 1.500 Armeniern. Sharon beherrscht mehrere Sprachen. Das erleichtert ihm das Arbeiten mit seinen meist palästinensischen Kollegen und verschafft ihm Respekt. Für ihn wie für Midhat beginnt die Arbeit am frühen Morgen und endet nicht vor Mitternacht. Besonders heikel ist ihr Job an den Feiertagen der verschiedenen Religionen oder bei unvorhergesehenen Zwischenfällen. Ihre Heilige Stadt sauber zu halten ist weder für Sharon noch für Midhat ein alltägliches Geschäft. Beide sehen ihren Job als persönliche Herausforderung und als Beitrag für ein friedliches Zusammenleben innerhalb der Mauern von Jerusalem.

Di, 20. Jan · 07:20-07:30 · SWR BW
Unterwegs mit … einem Rabbi

Jüdisches Leben in Deutschland – knapp 70 Jahre nach dem Ende des Holocausts zwar nicht einfach Normalität, aber doch etwas ganz Alltägliches. Doch was ist Alltag in einer jüdischen Gemeinde in Deutschland? Um das zu erfahren, ist das Fernsehteam unterwegs mit einem Rabbiner, erlebt mit ihm Gottesdienst, Gemeindearbeit, Familienfeste und jüdische Feiertage.

Di, 20. Jan · 13:15-14:15 · SWR BW
Planet Wissen: Mein Großvater, der KZ-Kommandant

Beim Stöbern durch die Regale einer Bücherei entdeckte Jennifer Teege ein Buch, das ihr Leben veränderte. In diesem Buch erfuhr sie: Ihr Großvater ist der KZ-Kommandant Amon Göth – weltweit bekannt durch den Film „Schindlers Liste“. Jennifer Teege war damals 38 Jahre alt. Ihre Mutter hatte sie als Baby in ein Heim gegeben – ihr Vater stammt aus Nigeria. Liebevoll umsorgt wuchs Jennifer Teege dann in einer Adoptivfamilie auf. Dort wurde ihre leibliche Familie zum Tabuthema erklärt. Umso tiefer saß der Schock, als sie nun erfuhr, dass ihr Großvater der KZ-Kommandant war, den sie selbst auch aus „Schindlers Liste“ kannte. Und dass ihre Großmutter, die einzige aus ihrer leiblichen Familie, die sie in liebevoller Erinnerung hatte, die Frau an der Seite des brutalen Mörders war. Jennifer Teege, die in Israel studiert hat, muss jetzt ihr Leben, ihre Gedanken und auch die Beziehung zu ihrer leiblichen Mutter komplett neu ordnen. Ein riesiger Kraftakt.

Mi, 21. Jan · 22:00-23:30 · SWR BW
So ein Schlamassel

Eigentlich müsste Jil im siebten Himmel schweben, hat sie in dem Landschaftsarchitekten Marc doch endlich die große Liebe gefunden. Es gibt da nur ein klitzekleines Problem: Marc ist kein Jude, und Jils strenggläubige jüdische Familie würde es niemals akzeptieren, dass sie einen „Goi“, einen Nichtjuden, heiratet. Da hilft nur eines: Marc, Sohn einer bürgerlichen deutschen Familie, muss so tun, als sei er ebenfalls Jude. Nach einem Schnellkurs in Sachen Traditionen und Gebräuche scheint das auch ganz gut zu funktionieren. Jils Familie ist von dem neuen Freund hellauf begeistert. Doch dann fliegt der Schwindel ausgerechnet während einer großen Bar-Mizwa-Feier auf – und Jil muss sich entscheiden.

Mi, 21. Jan · 23:30-01:00 · SWR BW
Im Himmel, unter der Erde – Der Jüdische Friedhof Berlin Weißensee

Am nördlichen Ende von Berlin liegt versteckt in einem Wohngebiet, umgeben von Mauern, ein Urwald aus Bäumen, Rhododendron und Efeu. Auf dem Plan sieht er aus wie ein Garten der Renaissance: Eine Geometrie von Rechteck, Trapez und Dreieck. Die Alleen kreuzen sich in Kreisen und Quadraten. Aber wer die Anlage betritt, fühlt sich wie an einem verwunschenen Ort. Morgentau und Nebel, hohe Bäume, Dickicht. Dazwischen Säulen, Steine, Mausoleen, Efeu, Flieder und von rechts ein kleiner Fuchs – der Jüdische Friedhof in Weißensee. Seit mehr als 130 Jahren ist er in Betrieb, der größte erhaltene jüdische Friedhof Europas, auf dem heute noch bestattet wird. Über 115.000 Menschen sind hier begraben. Lang ist die Liste berühmter Künstler, Philosophen, Juristen, Architekten, Ärzte, Religionslehrer und Verleger, die in Weißensee beerdigt wurden. Die Kaufhausgründer Jandorf (KaDeWe) und Hermann Tietz (Hertie) gehören dazu, der Maler Lesser Ury, der Hotelier Kempinski, der Verleger Samuel Fischer (S. Fischer Verlag) und Rudolf Mosse, dem einst das größte Verlagshaus Europas gehörte. Als erster wurde kein Berühmter begraben, sondern am 22. September 1880 Louis Grünbaum, der Bewohner eines Altersheims. Auf seinem Grabstein steht an der Seite eine große „1“. Dass der Stein noch steht, liegt daran, dass ein jüdischer Friedhof für die Ewigkeit angelegt wird. Die Gräber werden nicht eingeebnet, Liegefristen gibt es nicht. Auf jedem Grabstein in Weißensee findet sich eine fortlaufende Nummer, die frischen Gräber haben sechsstellige Zahlen. „Ist es fröhlich auf dem Friedhof? „Nein“, sagt Friedhofsdirektor Ron Kohls. Doch dann lacht er. Britta Wauers Film erzählt mal heiter, mal melancholisch von einem verzauberten Ort und seinen Besuchern. Dabei verbindet sie Vergangenheit mit Gegenwart, Geschichte mit Geschichten. Vier Jahre lang hat die Regisseurin für ihren Film recherchiert, mit vielen Zeitzeugen gesprochen, die tief mit dem Friedhof und seinen Toten verbunden sind.

Do, 22. Jan · 01:00-02:30 · SWR BW
Menachem und Fred

Menachem und Fred wurden als Manfred und Heinz Mayer in Hoffenheim bei Heidelberg geboren. 1940 wurden sie mit ihren Eltern und 6500 weiteren Juden nach Südfrankreich in das Konzentrationslager Gurs deportiert. Später kamen die Brüder in einem staatlichen französischen Waisenhaus unter, wurden von ihren Eltern getrennt, die sie nie wiedersehen sollten. Der letzte Auftrag der Mutter an den damals zwölfjährigen Manfred war, sich um den drei Jahre jüngeren Bruder zu kümmern. Nach dem Krieg entschieden sich die Brüder für völlig entgegengesetzte Lebenswege: Während Heinz als Frederick Raymes in die USA emigrierte und seine jüdisch-deutsche Herkunft verleugnete, begann Manfred unter seinem hebräischen Namen Menachem ein national-religiöses Leben als orthodoxer Jude in Israel. Über Jahrzehnte hatten die beiden keinen Kontakt – bis die Briefe, die ihnen die Eltern aus dem Lager ins Waisenhaus geschrieben hatten, und die Fred bei einem Umzug wiederentdeckte, sie wieder zusammenbrachten. Ihr Jugendfreund aus Hoffenheim, der spätere SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp, dessen Vater als SA-Truppenführer mitschuldig war an der Deportation, hat ein Wiedersehen der Brüder samt ihrer Familien in Hoffenheim arrangiert und finanziert. Die Brüder Mayer sind inzwischen mit den Hopps befreundet. Der 90-minütige Dokumentarfilm von Ofra Tevet und Ronit Kerstner begleitet Menachem und Fred auf ihrer Reise nach Deutschland, zeigt das erste Familientreffen nach fast 60 Jahren in Hoffenheim und begibt sich mit ihnen auf die Suche nach Spuren ihrer Vergangenheit in Frankreich und Polen. Ein bewegender Film über außergewöhnliche Familiengeschichte, zwei völlig gegensätzliche Wege jüdischen Überlebens und eine späte Versöhnung.

Do, 22. Jan · 22:00-23:30 · NDR Niedersachsen
Der verlorene Sohn

Nach zwei Jahren Haft in Israel wird der Terrorismusverdächtige Islamkonvertit Rainer Schröder nach Deutschland abgeschoben. Rainer sucht Unterschlupf bei seiner Mutter, der Handballtrainerin Stefanie Schröder, die nach dem Tod des Vaters, Rainers jüngeren Bruder Markus alleine großzieht. Stefanie ist überglücklich, dass Rainer endlich wieder zu Hause ist und nimmt ihn mit offenen Armen auf. Sie glaubt seiner Darstellung, dass er zwar immer noch bekennender Moslem ist, aber dem heiligen Krieg, dem Dschihad, abgeschworen hat. Auch wenn man Rainer nach seiner Rückkehr keinerlei Kontakte zur radikalen islamistischen Szene nachweisen kann, wird er vom Verfassungsschutz offen überwacht. Seine Arbeitssuche und eine Reintegration in die Gesellschaft werden dadurch erheblich erschwert. Auch die schwelende Aggression zwischen den ungleichen Brüdern, die nagende Sorge, die Stefanie immer wieder heimsucht, erhöhen den Druck auf die Familie. Aber Stefanie will den Kampf um ihren verlorenen Sohn nicht aufgeben. Sie will seine Andersartigkeit respektieren, sie will ihm glauben und Rainer einen Neuanfang ermöglichen. Mit einer Klage vor einem Landesgericht gelingt es Stefanie, dass Rainers Überwachung eingestellt wird. Rainer findet eine Arbeit die ihm gefällt, er gliedert sich in die Familie ein, alles scheint gut. Aber dann muss Stefanie auf grausame Weise erkennen, dass sie sich getäuscht hat.

Do, 22. Jan · 23:15-00:20 · WDR
Pizza in Auschwitz

Der Dokumentarfilm des israelischen Filmemachers Moshe Zimmerman schildert eine Reise in die Vergangenheit aus der Sicht eines Mannes, dessen Leben unwiderruflich vom Holocaust geprägt ist. Der 74-jährige Dani Chanoch hat Auschwitz überlebt oder er hat – wie er es ausdrückt – einen BA, einen Bachelor of Auschwitz. Der große, charismatische Mann hat mehrfach im Rahmen von Delegationen in Polen ehemalige Vernichtungslager der Nazis besucht. Es dauerte jedoch lange, ehe er seine Kinder Miri und Sagi dazu bewegen konnte, gemeinsam mit ihm die Schauplätze seiner verlorenen Kindheit aufzusuchen. Sechs Tage lang fahren die drei Familienmitglieder mit einem Filmteam von Lager zu Lager durch „diesen“ Teil Europas und besuchen die Stätten von Danis Kindheitstraumata. Zuletzt gelangen sie nach Auschwitz-Birkenau. Dort will Dani einen Wunsch verwirklichen, den er schon sein ganzes Leben lang hegt. Er möchte mit seinen Kindern eine Nacht auf seiner alten Pritsche in seiner alten Baracke verbringen. Danis Kinder Miri (38) und Sagi (40) waren ihr Leben lang täglich auf die eine oder andere Weise mit dem Holocaust konfrontiert. Sie nahmen den Vorschlag, ihren Vater auf eine Reise zu den Vernichtungslagern zu begleiten, mit sehr gemischten Gefühlen auf. Miri erklärt, dass sie dem Holocaust lieber nicht in die Augen sehen möchte. Während sie eine Pizza essen, die Miri in der nahe gelegenen Stadt Auschwitz gekauft hat, kommt es zur unvermeidlichen Konfrontation zwischen dem Vater und seinen Kindern, die zugleich von schwarzem Humor und großem Schmerz erfüllt ist. Der Filmemacher Moshe Zimmerman drehte unter anderem die Filme „A Whale on Sheraton Beach“ und „An Evening without Na’ama“ und schrieb mehrere Bücher über das israelische Kino. Da er selbst Kind von Holocaust-Überlebenden ist, stellte diese Reise mit Dani Chanoch und dessen Kindern für ihn ebenso wie für die drei Protagonisten eine Katharsis dar.

Fr, 23. Jan · 00:20-00:50 · WDR
Synagogen – Monumente gegen das Vergessen

Vor einhundert Jahren prägten Synagogen das Bild der großen deutschen Städte: jüdische Gotteshäuser im orientalischen, neoromanischen oder neogotischen Stil, gebaut zumeist von christlichen Stararchitekten. Sie waren Ausdruck des wachsenden Selbstbewusstseins der jüdischen Gemeinden, aber auch des toleranten Miteinanders zwischen Juden und Christen – nach mehr als 1.500 Jahren der Verfolgung und Diffamierung. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 ändert sich alles. Hitler setzt eine gigantische Maschinerie der Hetze und des Hasses gegen die jüdische Bevölkerung in Gang und findet Millionen von Erfüllungsgehilfen. In nur einer einzigen Nacht werden mehr als 1.700 Synagogen zerstört, wird fast die gesamte jüdische Kultur in Deutschland vernichtet. Der Architekturstudent Marc Grellert will sich damit nicht abfinden. Unterstützt von Professor Manfred Koob, Experte der virtuellen Konstruktion historischer Monumente, bauen Forscher und Studenten der TU Darmstadt zerstörte Großsynagogen im Rechner wieder auf. Augenzeugen erinnern sich, wie „ihre“ Synagoge ausgesehen hat. Der Film erzählt in eindrucksvollen Bildern und cineastischen Inszenierungen die Geschichte der Synagogen, aber auch der jüdischen Gemeinden in unserem Land. Von den mittelalterlichen Pestpogromen bis zur Reichspogromnacht, dem Terrorakt nationalsozialistischer Willkür.

Fr, 23. Jan · 09:50-10:40 · arte
Atlantis im Mittelmeer – Warum versank Atlit Yam?

Die Küste der Levante birgt Geheimnisse, die in die Frühzeit des Menschen zurückführen: Die wertvollsten archäologischen Funde liegen hier nicht in der Erde, sondern unter Wasser. Die Dokumentation zeichnet die Geschichte einer spektakulären Unterwasserausgrabung vor der Küste Israels nach, rund zehn Kilometer südlich von Haifa, vor der kleinen Ortschaft Atlit. Rund zehn Meter unter dem Meeresspiegel entdeckten Taucher hier eine 9.000 Jahre alte neolithische Siedlung. Da sich die Stätte über rund 40.000 Quadratmeter erstreckte, nahmen die archäologischen Grabungen insgesamt 25 Jahre in Anspruch. Im Jahr 1984 entdeckte der erfahrene Taucher und Archäologe der israelischen Antiken-Behörde Dr. Ehud Galili vor der Küste Israels in zehn Meter Tiefe eine seltsame Steinformation, bei der es sich nicht um eine natürliche Felsformation handelte: Durch einen starken Sturm war sie in Teilen freigelegt worden. Es sollte der Fund seines Lebens sein. Zunächst standen verschiedene Vermutungen im Raum: Handelte es sich um eine Stätte der Phönizier, der Araber, der Römer oder gar der Templer? Warum lag sie gerade dort, 400 Meter von der Küste entfernt? Schon die ersten Ausgrabungen zeigten, dass Atlit Yam – was auf Hebräisch so viel wie Atlit am Meer bedeutet – eine etwa 9.000 Jahre alte neolithische Siedlung war, die sich über mehr als 40.000 Quadratmeter erstreckte. Vor etwa 6.000 Jahren führten das Schmelzen der Gletscher und der Anstieg des Meeresspiegels zu ihrer Überflutung. Im Laufe der Jahre – die Ausgrabungen dauerten insgesamt 25 Jahre – wurde deutlich, dass es sich um eine der größten und besterhaltenen prähistorischen Siedlungen handelte, die je an der Mittelmeerküste entdeckt wurden. Freigelegt wurden Häuser, der älteste je gefundene Brunnen mit Steineinfassung, Reste von Fischernetzen sowie unzählige Artefakte wie Klingen oder Pfeilspitzen. Zu den spektakulären Funden gehörte außerdem ein steinerner Altar sowie ein rätselhafter, 20 Meter langer Korridor, durch den die Bewohner der Siedlung offenbar am Tag der Sommersonnenwende schritten. Außerdem fanden die Archäologen mehrere Dutzend menschliche Skelette sowie einmalig gut erhaltene DNA-Spuren. Die Ausgrabungen belegen, dass Atlit Yam eine der ältesten bislang bekannten Siedlungen ist. Die Bewohner betrieben Ackerbau und Viehzucht, wussten aber auch die Ressourcen des Meeres zu nutzen. Einerseits wurden faszinierende Spuren gefunden, aus denen man Aufschlüsse über den Lebensalltag ziehen kann, andererseits auch Hinweise auf rituelle Praktiken. Beides zeugt von einem relativ hohen Zivilisationsgrad der in der Jungsteinzeit lebenden Menschen. Untermauert wird diese Annahme dadurch, dass auch ein Steinkreis ähnlich dem von Stonehenge entdeckt wurde, sowie zahlreiche intakte Grabstätten, die neben menschlichen Überresten auch Grabbeigaben enthielten, welche die Verstorbenen ins Jenseits begleiten sollten.

Sa, 24. Jan · 06:15-07:45 · SWR BW
Menschliches Versagen (1-3/3)

Was ist passiert mit dem Hab und Gut von Millionen von ermordeten Juden? Schätzungsweise 20.000 Akten stehen auf dem Dachboden der Oberfinanzdirektion Köln. Die Formulare darin stammen aus der NS-Zeit. Der Historiker Wolfgang Dreßen entstaubt die Dokumente und erfährt, wohin Geld und Haushaltsgegenstände damals gegangen sind. Dreßen rekonstruiert so einzelne Schicksale. * Folge 1 Schätzungsweise 20.000 Akten stehen auf dem Dachboden der Oberfinanzdirektion Köln. Die Formulare darin stammen aus der NS-Zeit. Was ist passiert mit dem Hab und Gut von Millionen von ermordeten Juden? Der Historiker Wolfgang Dreßen entstaubt die Dokumente und erfährt, wohin Geld und Haushaltsgegenstände damals gegangen sind. Dreßen rekonstruiert so einzelne Schicksale – zum Beispiel das von Salli Levi. Aus einem Zeitungsartikel von Dreßen erfahren Levis Nachkommen, was mit ihm passiert ist. Vor der Deportation musste jeder Jude schriftlich sein Vermögen freigeben. Denn wer als Jude aus Deutschland – zwangsweise oder freiwillig – auswanderte, musste seinen Besitz dem Staat überlassen. Auf dem Formular auch vermerkt: Salli Levi, Ehefrau Frieda und Tochter Alma wurden nach Lodz deportiert. * Folge 2 Nach der Reichspogromnacht im November 1938 erhob der Staat eine sogenannte Judenbuße – dafür, dass die Juden das deutsche Volk „aufgestachelt“ hätten, hieß es zynisch. Eine Milliarde Reichsmark „Judenvermögensabgabe“ ging als Entschädigung an die Finanzämter. Der Staat verwaltete zusätzlich 1,5 Milliarden Reichsmark jüdisches Aktienvermögen treuhänderisch – wie es hieß -, wandelte die Aktien eigenmächtig in verzinste Reichskriegsanleihen um. Die Juden durften jedoch weder auf die Zinsen noch auf die Anleihen zugreifen. 1938 wurden Personalausweise in Deutschland eingeführt. Nicht für jeden: Wehrpflichtige Männer bekamen einen und alle Juden. Die mussten auch einen Fingerabdruck abgeben, ihr Ausweis wurde mit einem großen „J“ versehen. Die deportierten Juden mussten ihr Hab und Gut abgeben. Das löste in der deutschen Bevölkerung eine Goldgräberstimmung aus: Überall wurden Sachen versteigert. Mit dem Vermerk „Nichtarische Herkunft“ hatte das bei vielen einen besonderen Reiz – diese Versteigerungen wurden gut besucht. * Folge 3 In Wien war die Wohnungsnot groß. 70.000 Wohnungen wurden frei, Wohnungen von Juden. Viele Nachbarn schielten schon vorher auf solche Wohnungen, wenn sie größer und schöner waren – auch in Deutschland. Und dann übernahmen sie sie gleich inklusive Hausstand. Selbst noch im Sammellager kurz vor der Deportation wurden Juden gezwungen, ihr Vermögen genau anzugeben und mit ihrer Unterschrift „freiwillig“ auf all ihren Besitz zu verzichten. Alles wurde ihnen abgenommen: Goldzähne der Ermordeten gingen an den Staat, 15 Prozent davon an die Wehrmachtsdentisten. Da erhielt manch einfacher Soldat an der Front einen Goldzahn. Der Staat war in allem sehr genau, buchte sogar Fahrkarten in KZs auf Kosten der deportierten Juden. Sonderzüge wurden eingesetzt: Berlin – Auschwitz einfach. Und wer die NS-Zeit überlebt hatte, musste nachweisen, was früher ihm gehörte. Sonst blieb alles beim neuen Besitzer. Bis heute schlummern bei vielen Oberfinanzdirektionen Akten, die nicht ausgewertet sind.

Sa, 24. Jan · 16:30-17:00 · HR
70 Jahre nach Auschwitz – Jüdisches Leben in Deutschland

Es war der 27. Januar 1945, an dem sowjetische Truppen die Insassen des Vernichtungslagers Auschwitz befreiten. Heute ist Auschwitz ein Synonym für den Rassenwahn der Nazis, für die Massenvernichtung der europäischen Juden. Auschwitz ist aber auch ein Teil der Identität der Überlebenden, von denen heute, 70 Jahre später, nur noch wenige leben. Anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des Lagers Auschwitz wird in offiziellen Gedenkveranstaltungen an die Verbrechen der Vergangenheit erinnert und der Opfer gedacht. „Jüdisches Leben und jüdische Kultur sind kein Phänomen, das man auf die Jahre 1933 bis 1945 beschränken kann und soll“, sagte der Ende 2014 neugewählte Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster. Jüdisches Leben habe Deutschland schon Jahrhunderte vor der Shoa geprägt. Es ist wohl ein Wunder der Geschichte, dass sich auch nach der Shoa wieder ein lebendiges Judentum in Deutschland entwickeln konnte. Mit der Zuwanderung aus den Ostblockstaaten vor allem in den 1990er Jahren wuchs dann die Zahl der Juden in Deutschland weiter an. Jüdisches Leben begann noch einmal ganz neu aufzublühen. War das jüdische Leben in Deutschland bis dahin vor allem durch Holocaust-Überlebende geprägt, brachten die Zuwanderer andere Erfahrungen, aber auch ein anderes Selbstbewusstsein mit. Dieses breite Spektrum jüdischen Lebens sichtbar zu machen, ist ein Ziel des neuen Zentralratspräsidenten Josef Schuster. Doch es gehört auch zur traurigen Realität in Deutschland, dass viele Juden es vorziehen, lieber unerkannt zu bleiben – aus Angst vor Übergriffen oder Pöbeleien. Ob Synagogen, Kindergärten oder Schulen – es gibt keine jüdische Einrichtung, die nicht unter Polizeischutz steht. Laut einer Umfrage beobachten etwa drei Viertel der europäischen Juden einen Anstieg der Judenfeindlichkeit in ihrem Land während der vergangenen fünf Jahre. Ausgelöst durch den Nahost-Konflikt hat sich in Deutschland gerade auch unter muslimischen Jugendlichen zudem eine neue Art des Antisemitismus entwickelt, der deutsche Juden für die Politik der israelischen Regierung verantwortlich macht. Ist damit eine Normalität jüdischen Lebens in Deutschland in die Ferne gerückt? Wie kann angesichts der aktuellen Herausforderungen der Anspruch gelingen, selbstbewusst und sichtbar jüdisches Leben in Deutschland zu gestalten?

Sa, 24. Jan · 18:45-18:50 · MDR Sachsen
Glaubwürdig: Claus Dieter Heinze

Claus Dieter Heinze wird 1934 geboren – auf einer deutschen Plantage auf Sumatra. Sein Vater ist dort Elektroingenieur in leitender Position. Als 1939 der Krieg beginnt, ist der Vater auf Europaurlaub. Er kann nicht mehr nach Sumatra zurück und übernimmt in Deutschland die Elektroversorgung einer ganzen Region – der Region, zu der auch Auschwitz gehört. Unweit der Werkswohnung ist ein Arbeitslager. Claus Dieter Heinze wächst mit dem Anblick von dürren, ausgemergelten Gestalten in gestreifter Kleidung hinter Stacheldraht auf. Er hat den Geruch noch in der Nase und die Bilder noch heute vor Augen. 1944 – bei einem Aufenthalt in Auschwitz – meint sein Vater: „Wenn Du mal groß bist, dann geh diese Straße bis zum Ende.“ Im Januar 1945 flieht der Vater mit der Familie nach Plauen. Über 1944 spricht er nie wieder. Heinze studiert, erst in Leipzig, dann in Rostock. Er verlässt 1957 die DDR in Richtung Westen und kehrt 1990 nach Dresden zurück. 1974 ist er den Weg in Auschwitz bis zum Ende gegangen. Seitdem lassen ihn die Bilder nicht mehr los und er, der Christ, kümmert sich darum, dass die Geschichte der Juden – insbesondere die Musik europäischer jüdischer Komponisten – nicht vergessen wird. Zurück in Dresden leitet Dr. Heinze die erste Stiftung Frauenkirche, wird Direktor des WTC (World Trade Centers) Dresden, Geschäftsführer eines sächsischen mittelständischen Unternehmens und baut die Dresdner Synagoge mit auf. 2007 gründet er gemeinsam mit dem Dirigenten Michael Hurshell die Neue Jüdische Kammerphilharmonie, um die Musik europäischer jüdischer Komponisten wieder zu Gehör zu bringen. Deren Werke – 1938 von den Nazis als entartet verfemt – drohen sonst endgültig in Vergessenheit zu geraten. Das Repertoire des Orchesters und die kontinuierliche Aufarbeitung dieser Musik sind europaweit einzigartig. Claus Dieter Heinze hofft, dass seine Kraft noch reicht, Jahr für Jahr Förderer und Spender zu finden, um diese besonderen Konzerte fortsetzen zu können.

Sa, 24. Jan · 20:15-21:45 · PHOENIX
Ein blinder Held – Die Liebe des Otto Weidt

An das Wirken des Berliner Bürstenfabrikanten Otto Weidt, der 1941 zahlreiche jüdische Angestellte beschäftigte, beschützte und später versteckte, erinnert heute nur noch das Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt in Berlin-Mitte sowie die israelische Ehrung als „Gerechter unter den Völkern“. Vom bewegten Leben des Otto Weidt erzählt die 91jährige Inge Deutschkron, einzige noch lebende ehemalige Angestellte des Otto Weidt, im Interview mit Sandra Maischberger. Eindrucksvolle Spielszenen und zeithistorische Originalaufnahmen ergänzen den Film. Berlin 1941. Die Werkstatt des Bürstenherstellers Otto Weidt gilt bei Berliner Juden, die in „kriegswichtigen“ Betrieben Zwangsarbeit leisten, als gute Adresse. Weidts irritierend enge Kontakte zur Gestapo und regelmäßige Bestechungen bieten ihm den Spielraum, seine Angestellten zumindest in den Räumen der Werkstatt vor den alltäglichen Herabwürdigungen zu schützen. „Papa Weidt“ wird er von allen genannt. Zu den wenigen Nicht-Blinden in der Werkstatt zählt Alice Licht, eine hübsche junge Frau aus gutbürgerlichem Haus. Mit Witz, Charme und Organisationstalent wird sie bald zu Ottos rechter Hand. Doch die beiden verbindet mehr als die Arbeitsbeziehung. Otto ist verheiratet, kein Jude, Ende fünfzig und fast blind; Alice, Jüdin, glatte vierzig Jahre jünger und voller Pläne für ein eigenes Leben. Beide sind vom selben Schlag. Schnell begreift Alice Ottos kompliziertes System aus legalen Geschäften, Schiebereien und Gefälligkeiten und erweist sich als kaum weniger einfallsreich als er selbst. Sie bewundert ihn. Für Otto ist Alice die Verheißung auf ein Leben, das er gern geführt hätte. Aber die Schlinge um den Werkstattbetrieb zieht sich zu. Trotz regelmäßiger „Besuche“ der Gestapo scheint zunächst alles gut zu gehen. Doch dann werden fast sämtliche jüdischen Mitarbeiter auf einen Schlag abgeholt. Dieses eine Mal schafft es Otto Weidt noch, seine Blinden aus dem nahen Sammellager der Gestapo wieder herauszuholen. Während Alice und die anderen noch ganz darauf vertrauen, dass Papa Weidt sie auch weiter beschützen wird, ahnt dieser schon, dass die schlimmste Zeit noch bevorsteht. In aller Heimlichkeit beginnt er mit der Vorbereitung von Verstecken, bei Freunden und Bekannten, aber auch in den Räumen der Werkstatt. Als die massenhaften Deportationen beginnen, sind fast alle untergetaucht. Aber die Existenz im Versteck ist auf die Dauer kaum zu ertragen. In einem einzigen Moment der Vertrauensseligkeit werden alle Verstecke an einen „Greifer“ verraten. Immerhin schafft es Weidt durch seine Gestapo-Kontakte, dass zumindest Alice und ihre Eltern nach Theresienstadt kommen, wo er sie wenigstens durch Lebensmittelsendungen unterstützen kann. Aber nach einigen Monaten trifft eine Postkarte von Alice ein, abgestempelt in einem Ort in Oberschlesien nicht weit von Auschwitz. Darin gibt sie verklausuliert über ihre Verlegung nach Birkenau Bescheid. Otto Weidt zögert nicht lange: Als Handelsvertreter seiner eigenen Bürsten und Besen macht er sich auf den Weg, um Alice zu retten. In Auschwitz angekommen, bringt er in Erfahrung, dass Alice – ohne ihre Eltern – bereits weiter in ein Lager bei Christianstadt in der Niederlausitz gebracht worden ist, Teil einer riesigen Munitionsfabrik. Otto reist ihr nach, mietet ein Zimmer, versteckt dort Kleidung, Geld und eine Nachricht, die über einen Kontaktmann zu Alice gelangt. Erst im Januar 1945, im Laufe der chaotischen Auflösung des Lagers, gelingt Alice die Flucht. Über Christianstadt schafft sie den Weg zurück nach Berlin. Während der letzten Wochen des verlorenen Krieges und in den ersten Monaten danach beherbergen Otto und seine Frau Else sie. Dann ist alles vorbei. Otto hofft immer noch auf eine gemeinsame Zukunft. Aber Alice kann und will nicht bleiben. Deutschland ist nach dem Verlust ihrer Eltern und den grauenvollen Erlebnissen nicht mehr ihre Heimat. Sie erhält schließlich die Einreisegenehmigung in die USA und verlässt Berlin. Otto bleibt zurück, allein. Zwei Jahre später stirbt er. An sein Wirken erinnert heute nur noch das „Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt“ in Berlin-Mitte und die israelische Ehrung als „Gerechter unter den Völkern“.

Sa, 24. Jan · 22:15-23:35 · BR
Kein Platz zum Leben

1993 fand ein US-amerikanischer Forscher in einem unterirdischen Höhlensystem in der Ukraine Spuren von Menschen, die dort offenbar für längere Zeit gelebt haben. Er findet heraus, dass sich hier während der Shoah jüdische Familien vor den Nazis versteckt hatten. Regisseurin Janet Tobias erzählt in ihrem Dokumentarfilm die Geschichte der 38 Menschen, die 17 Monate in der Höhle ausharrten. Vier von ihnen kommen zu Wort – und kehren zum ersten Mal in die Höhle zurück. Die renommierte Dokumentarfilmerin Janet Tobias erzählt in „No Place on Earth“ vom dramatischen Überleben einer Gruppe ukrainischer Juden, die sich während des Zweiten Weltkriegs vor dem nationalsozialistischen Terror verstecken mussten und nur überleben konnten, indem sie sich 17 Monate lang in unterirdischen Höhlen versteckten. 1993 stieß der US-amerikanische Höhlenforscher Chris Nicola durch Zufall bei der Erkundung eines ukrainischen Höhlenkomplexes auf die Spuren der Menschen, die sich 50 Jahre zuvor hier versteckt hatten: Knöpfe, ein Frauenschuh, ein alter Schlüssel als stumme Zeugen der Vergangenheit. Von Ortsansässigen erfuhr Nicola, dass einige jüdische Familien während des Zweiten Weltkriegs in den Höhlen Zuflucht vor den Nazis gesucht hatten. Nicola stellte eigene Nachforschungen an, und tatsächlich gelang es ihm, nach über neun Jahren Suche, einige der Überlebenden, die später nach Kanada und in die USA ausgewandert waren, aufzustöbern. Janet Tobias‘ Dokumentarfilm erzählt deren Geschichte mit einfühlsamem Reenactments und ausführlichen Interviews mit vier der Überlebenden. Sie berichten, wie sie in dem Höhlenkomplex den Holocaust überleben konnten – und reisen zum ersten Mal zurück an den Ort des Geschehens. Janet Tobias erzählt eigentlich zwei Geschichten: die der Entdeckung der historischen Ereignisse durch den Höhlenforscher Chris Nicola in den 1990er-Jahren und die der Überlebensstrategien der jüdischen Familien während des Zweiten Weltkriegs in den Höhlen. Hier, stellt die Regisseurin fest, wandelte die klaustrophobische Welt unter der Erde ihren Charakter: „Die Welt war praktisch auf den Kopf gestellt: Der dunkle, Furcht einflößende Ort wurde zu einer Zuflucht, während man an der Oberfläche jederzeit von seinem Freund oder Nachbarn verraten werden konnte. Licht und Dunkelheit haben so ihre Bedeutungen vertauscht.“ Mit diesem Gegensatz von Schutz und Bedrängnis, Licht und Dunkelheit spielt die Filmemacherin auch in ihrem Film, der auf dem Hamptons International Film Festival 2012 und dem Palm Springs International Film Festival 2013 mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde.

Sa, 24. Jan · 23:35-01:25 · BR
Korczak

Janusz Korczak, ein idealistischer Kinderarzt und Schriftsteller, leitet ein Heim für jüdische Waisenkinder. Nach dem deutschen Überfall auf Polen zwingen die Nazis den Pädagogen, sein Kinderheim ins Warschauer Ghetto zu verlegen. Mit unermüdlichem Elan trotzt er dort den entsetzlichen Lebensbedingungen, beschafft Nahrungsmittel und versucht, die Kinder zu beschützen. Auch als die Deutschen das Ghetto räumen, lässt Korczak die ihm anvertrauten Kinder nicht im Stich. Polen, 1936: Mit Hingabe moderiert Janusz Korczak seine beliebten Warschauer Radiosendungen. Im Anschluss muss er jedoch erfahren, dass es seine letzte Sendung war – als Jude gilt er den Behörden als nicht mehr tragbar. Der international profilierte Mediziner und Schriftsteller konzentriert sich nun ganz auf die Leitung des von ihm gegründeten Heims für jüdische Kinder. Nachdem die Deutschen Polen überfallen, wird er gezwungen, mit seinen 200 Heimkindern in das Ghetto zu ziehen. Dort verschlechtert sich die Lage der jüdischen Gefangenen tagtäglich. Korczak setzt alles daran, den Kindern in der unerträglichen Situation zu helfen. Um ihnen das alltägliche Sterben auf den Straßen begreiflich zu machen, inszeniert er mit ihnen ein Theaterstück über den Tod. Unermüdlich durchstreift er das Ghetto auf der Suche nach Lebensmitteln für die Kinder. Immer wieder gerät der Arzt dabei in Gefahr, da er sich standhaft weigert, den „Judenstern“ zu tragen. Mehrmals versuchen einflussreiche Freunde, ihm mit gefälschten Papieren zur Flucht zu verhelfen, doch Korczak lehnt ab. 1942 stirbt er mit seinen Kindern im Vernichtungslager Treblinka.

So, 25. Jan · 17:30-18:00 · Das Erste (ARD)
Antonias Reise – Mein Jahr in Israel

Antonia ist 18 Jahre alt und hat das Abitur in der Tasche. Während es ihre Klassenkameraden nach der Schule erst einmal so richtig krachen lassen, entschließt sie sich, für ein Jahr als Freiwillige nach Israel zu gehen. Wir begleiten Antonia und ihre Freunde im spannendsten Jahr ihres Lebens. Die Jugendlichen begegnen Menschen im Alter ihrer Urgroßeltern, die die Katastrophe des Holocaust am eigenen Leib erlebt haben. Einer ist der 103 Jahre alte Israel Tsafuir, der noch bei Sigmund Freud studiert hat. Er und viele weitere Deutschstämmige leben mittlerweile in besonderen Altersheimen in Jerusalem und Tel Aviv. Sie genießen die Gespräche mit den jungen Deutschen. Was haben sich Menschen aus so unterschiedlichen Generationen zu erzählen? Wie gehen die jungen Deutschen, die die Zeit des Nationalsozialismus bislang nur aus Büchern kennen, mit den Erzählungen der Alten um? So berichtet etwa der Künstler Jehuda Bacon von seinen Kindheitserinnerungen an den berüchtigten KZ-Arzt Josef Mengele. Die behüteten deutschen Jugendlichen erleben den Alltag in Israel. Wie groß ist ihre Angst vor Anschlägen und Krieg in diesem zerrissenen Land? Regelmäßig hören sie das Schrillen der Sirenen, wenn es wieder Raketenalarm gibt. Dann versammeln sie sich mit den anderen Bewohnern im Treppenhaus ihres Mietshauses, weil der nächste Schutzraum zu weit entfernt ist. Am Ende ihres Israel-Jahres haben Antonia und die anderen jungen Deutschen herzliche und intensive Beziehungen zu Holocaust-Überlebenden geknüpft. Und sie haben erlebt, welch großes Wunder die Versöhnung ist.

So, 25. Jan · 17:35-18:27 · arte
Nie wieder Theresienstadt! – Die Kinderoper Brundibár

Sie heißen Annika, Ikra und David, und sie sind Mitglieder der Theatergruppe „Die Zwiefachen“ an der Berliner Schaubühne. Die 15- bis 20-Jährigen, die zu dieser Gruppe gehören, kommen allesamt aus sozial schwierigen Verhältnissen. Mit der Theaterpädagogin Uta Plate studieren sie die Kinderoper „Brundibár“ ein, die eine besondere Geschichte hat: „Brundibár“ wurde über 50 Mal im Ghetto Theresienstadt von deportierten jüdischen Kindern aufgeführt und – obwohl von den Nationalsozialisten als Propagandamittel missbraucht – für die Internierten zum Symbol für den Sieg des Guten über das Böse. Douglas Wolfsperger hat das Projekt der „Zwiefachen“ mit der Kamera begleitet. Sie heißen Annika, Ikra und David, und sie sind Mitglieder der Theatergruppe „Die Zwiefachen“ an der Berliner Schaubühne. Die 15- bis 20-Jährigen, die zu dieser Gruppe gehören, kommen allesamt aus sozial schwierigen Verhältnissen. Mit der Theaterpädagogin Uta Plate studieren sie die Kinderoper „Brundibár“ ein, die eine besondere Geschichte hat: „Brundibár“ wurde über 50 Mal im Ghetto Theresienstadt von deportierten jüdischen Kindern aufgeführt und – obwohl von den Nationalsozialisten als Propagandamittel missbraucht – für die Internierten zum Symbol für den Sieg des Guten über das Böse. Nur wenige der Kinder-Darsteller überlebten die Zeit im Ghetto, unter ihnen Greta Klingsberg. Sie spielte ab 1943 die Hauptrolle der Aninka in „Brundibár“ und lebt heute in Israel. Sie erklärt sich bereit, die jungen Schauspieler bei der Vorbereitung ihrer Aufführung zu unterstützen, mit ihnen gemeinsam nach Theresienstadt zu reisen und dort das ehemalige KZ zu besuchen. Douglas Wolfsperger hat das Projekt der „Zwiefachen“ mit der Kamera begleitet. Er zeigt die jungen Darsteller bei den Proben in der Schaubühne, in ihrem Berliner Alltag und beim Erforschen des Familiengedächtnisses. Die Arbeit an der Kinderoper wird zur Brücke zwischen den Generationen und prägt für die Jugendlichen eine ganz neue Haltung zur deutschen Vergangenheit. Engagierter als dies im Schulunterricht möglich wäre, setzen sie sich persönlich mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust auseinander. Daraus ergibt sich die Fragestellung: Was können wir heute noch daraus lernen? Wäre so etwas heute wieder möglich? Wie tolerant sind wir selbst Minderheiten gegenüber? Spätestens als zur ausverkauften Premiere von „Brundibár“ auch Greta Klingsberg an die Berliner Schaubühne kommt, ist die Geschichte dieser Kinderoper für die Jugendlichen auf der Bühne auch ein Stück ihres eigenen Lebens geworden.

So, 25. Jan · 23:30-00:50 · MDR Sachsen
Meine Familie, die Nazis und Ich

Heinrich Himmler, Hermann Göring, Amon Göth – diese Namen erinnern ewig an die menschenverachtenden Verbrechen der Nazizeit. Eine Last, die ihre Nachfahren noch heute tragen. Wie leben die Kinder und Enkelkinder von Hitlers engsten Vertrauten heute mit ihrem Erbe? In der Dokumentation von Regisseur Chanoch Ze’evi beginnen Kinder und Enkel der NS-Täter eine Aufarbeitung auf ganz persönlicher Ebene. So verschieden wie die Protagonisten des Films, so unterschiedlich sind auch die Wege, die sie gefunden haben, um mit ihrem schweren Familienerbe umzugehen. Vor der Kamera des israelischen Filmemachers öffnen sie sich und erzählen ihre persönliche Familiengeschichte. Ihre Aussagen geben einen lebendigen Einblick in das familiäre Herz einer ganzen Generation. Niklas Frank lässt an seinen Eltern kein gutes Haar. Der Sohn von Hans Frank, dem Generalgouverneur der besetzten polnischen Gebiete, schreibt in zwei Büchern schonungslos über die Vergehen seiner Familie. Seine Anklageschrift trägt er auszugsweise für Schulgruppen vor und ruft auf seinen Lesungen starke Emotionen hervor. Monika Göth hingegen bekämpft ihre Familienlast mit einer offensiven Israelliebe. Die Tochter von Amon Göth, dem sadistischen Lagerkommandanten des Konzentrationslagers Plaszow, lebt heute zurückgezogen in der bayerischen Provinz. Mit der Wahrheit über ihren Vater wurde sie erstmals als Teenager konfrontiert. Steven Spielbergs Holocaust-Drama „Schindlers Liste“ öffnete ihr vollends die Augen über die Mordpraktiken Amon Göths, die ihm den Beinamen „Schlächter von Plaszow“ eingetragen haben: Der Kinobesuch endete für sie mit einer ärztlichen Behandlung nach schwerem Schock. Bettina Göring, Großnichte von Hermann Göring, lebt seit vielen Jahren in einem entlegenen Ort in New Mexico, USA. Sie hat sich für den Neuanfang unter einem neuen Namen entschieden und beobachtet ihre Heimat nur noch aus der Ferne. Genau wie ihr Bruder hat sie sich für die Sterilisation entschieden, „um keine weiteren Görings zu produzieren“. Den entgegengesetzten Weg hat Katrin Himmler gewählt. Die Großnichte von Heinrich Himmler hat sich als Ahnenforscherin auf die eigene Familiengeschichte spezialisiert. Ihr Drang, alle Verstrickungen ihres Umfeldes aus der Zeit des Nationalsozialismus offenzulegen, stößt nicht nur auf Gegenliebe. Doch die Autorin ist überzeugt, dass man nur im Dialog voranschreiten kann. Den Dialog mit Holocaust-Überlebenden sucht Rainer Höß. Er ist der Enkel des langjährigen Lagerkommandanten von Auschwitz, Rudolf Höß. Der Film begleitet ihn auf seiner Reise gemeinsam mit einem israelischen Journalisten in das ehemalige Konzentrationslager, neben dem sein Vater aufgewachsen ist. Die Fotos aus dem Familienarchiv zeigen eine idyllische Kindheit, während auf der anderen Seite der Mauer täglich Häftlinge umgebracht wurden. Der Film lief bereits sehr erfolgreich auf zahlreichen internationalen Festivals, feierte eine vielbeachtete Premiere im israelischen Fernsehen und wurde von Fernsehsendern aus der ganzen Welt, von Schweden bis Kanada, von der Schweiz bis nach England, gekauft.

Mo, 26. Jan · 01:00-02:30 · HR
Die Akte B.: Alois Brunner – Die Geschichte eines Massenmörders

Als Ende Juni 1945 die Alliierten in Nürnberg über die Verbrechen des „Dritten Reiches“ zu Gericht saßen, fehlte neben vielen anderen Verantwortlichen auch die Nummer 13, ein Mann, der auch später nie zur Rechenschaft gezogen wurde: Alois Brunner, Adolf Eichmanns „bester“ Mann. Der Dokumentarfilm „Die Akte B./Alois Brunner – Geschichte eines Massenmörders“ von Georg M. Hafner und Esther Schapira verfolgt den Lebenslauf eines der höchstrangigen Naziverbrecher und zeigt, wie es ihm gelingen konnte, ungeschoren davon zu kommen. Als Ende Juni 1945 die Alliierten in Nürnberg über die Verbrechen des „Dritten Reiches“ zu Gericht saßen, fehlte neben vielen anderen Verantwortlichen auch die Nummer 13, ein Mann, der auch später nie zur Rechenschaft gezogen wurde: Alois Brunner, Adolf Eichmanns „bester“ Mann. Der Dokumentarfilm „Die Akte B./Alois Brunner – Geschichte eines Massenmörders“ von Georg M. Hafner und Esther Schapira verfolgt den Lebenslauf eines der höchstrangigen Naziverbrecher und zeigt, wie es ihm gelingen konnte, ungeschoren davon zu kommen. Die Fluchthelfer Alois Brunners waren alte Kameraden und neue Freunde, in Deutschland, in Österreich, in Amerika, in Syrien. Das Netzwerk reichte bis in den deutschen und den amerikanischen Geheimdienst. In seiner Dimension ist der Fall Brunner nur mit dem Fall Klaus Barbie zu vergleichen – doch kaum einer kennt den Mann, der nachweislich für die Ermordung von mindestens 120.000 Menschen verantwortlich ist. Drei Jahre haben die Autoren weltweit Spuren verfolgt, Überlebende ausfindig gemacht, Zeugen befragt, Dokumente zusammengetragen. Der Film zeichnet das Porträt eines Mannes, der ein fanatischer Judenjäger war und einer der Hauptvollstrecker der „Endlösung“, der aber merkwürdig unbekannt bleiben konnte. Alois Brunner, am 8. April 1912 in Rohrbrunn im Burgenland geboren, war zunächst als Leiter der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“ in Wien alleinverantwortlich für die Deportation von über 47.000 Wiener Juden. Er bekannte stolz, Wien „judenrein“ gemacht zu haben. Adolf Eichmann schickte seinen Freund überall dorthin, wo die Deportationen zu „zögerlich“ verliefen: nach Griechenland, nach Frankreich und in die Slowakei. So löschte Brunner in nur sechs Wochen in Saloniki die größte jüdische Gemeinde Südeuropas aus. In Paris sorgte er persönlich wenige Tage vor dem Rückzug der deutschen Truppen eigenhändig für die Deportation von 1.327 jüdischen Kindern. Noch im April 1945 organisierte Brunner einen letzten Transport von Bratislava nach Theresienstadt. Danach tauchte er unter. Der Film „Die Akte B.“ zeichnet die Stationen seiner abenteuerlichen Flucht nach – von Österreich über Deutschland nach Syrien. Dort begann seine zweite Karriere als Judenfeind, jetzt im Dienst der syrischen Regierung. Die Bemühungen, Brunner zu fassen, waren bescheiden. Obwohl alle mit der Akte B. befassten Staatsanwaltschaften wussten, wo Brunner lebte, konnte der Massenmörder in Ruhe Interviews geben, für deutsche Firmen Geschäfte machen, Besucher empfangen und regelmäßig Geld an seine Frau und seine Tochter in Wien überweisen. Die Autoren verfolgen akribisch die Spuren von Alois Brunner, nennen die Helfer und Helfershelfer, enttarnen die Unterstützung Brunners durch verschiedene Geheimdienste, und sie zeigen, wo Brunner lebte.

Mo, 26. Jan · 04:20-05:30 · 3sat
Letzte Stunden in Poddembice – Jacob Rosenkranz und Abraham Ziegler

Im April 1942 – die „Endlösung der Judenfrage“ war beschlossene Sache – machten sich SS, Gendarmerie und Gestapo auch in Poddembice daran, die Ermordung der Bewohner des dortigen Gettos in die Wege zu leiten. Alle, auch Alte, Kinder und Sterbenskranke, pferchte man in die katholische Kirche der Stadt. Nach fünf Tagen und fünf Nächten folgte der Abtransport ins Vernichtungslager Chelmno zur sofortigen Vergasung. In der Hoffnung, auf Zeugen der letzten Tage und Stunden der Menschen aus dem Getto von Poddembice zu stoßen, machte sich Hans-Dieter Grabe für den Dokumentarfilm „Letzte Stunden in Poddembice – Jacob Rosenkranz und Abraham Ziegler“ in Polen, Deutschland, Israel und Belgien auf die Suche. Nach einem Jahr fand er in Tel Aviv Abraham Ziegler und in Antwerpen Jacob Rosenkranz. Beiden war es damals in letzter Sekunde gelungen, sich im Dachgebälk der Kirche von Poddembice zu verstecken. Drei Jahre vergingen, bis sie sich zu einem Gespräch vor der Kamera bereitfanden. Hans-Dieter Grabe: „Als sich Rosenkranz und Ziegler retteten, trennten sie sich von ihren Angehörigen, die mit ihnen in der Kirche eingesperrt waren und von denen sie wussten, was ihnen bevorstand. Das ist es, was die Erinnerung daran und noch mehr ein Gespräch darüber für beide so qualvoll macht.

Mo, 26. Jan · 05:30-06:20 · 3sat
Simon Wiesenthal oder Ich jagte Eichmann

Aus dem Pressetext von 1978: „Ich jagte Eichmann“ – so nannte Wiesenthal eins seiner Bücher. Es brachte dem „Nazijäger“ den zusätzlichen Titel „Eichmannjäger“ ein und machte ihn zu einem Begriff in der ganzen Welt. Heute ist er fast 70 Jahre alt. Jagd auf Naziverbrecher macht er noch immer. Wiesenthal ist zwar in Verbindung mit seiner Tätigkeit oft genannt worden, seine Motive und sein Denken sind aber weitgehend unbekannt geblieben. So war es für seine Gegner leicht, ihm negative Züge zu verleihen, zumal Wiesenthal nicht zu den Menschen gehört, die auf den ersten Blick sympathisch wirken. Der Dokumentarfilm von Hans-Dieter Grabe stellt Simon Wiesenthal vor. Als Jude kam Wiesenthal in verschiedene Konzentrationslager in Polen, Deutschland und Österreich. Wie durch ein Wunder überlebte er. Seine Verwandten wurden alle ermordet. Aus Verpflichtung den Toten gegenüber und zur Abschreckung der Mörder von morgen begann er gleich nach der Befreiung mit der Suche nach Naziverbrechern. Über 1.000 von ihnen half er in verschiedenen Ländern vor Gericht zu bringen. Sein unbestechlicher Gerechtigkeitssinn trug ihm den Schimpf aller Seiten ein. „Menschenjäger“ nannten ihn Nazis, „Nestbeschmutzer“ sogenannte „gute“ Deutsche und Österreicher. Juden, denen er Adressen von Naziverbrechern verweigerte, an denen sie Selbstjustiz üben wollten, bezeichnen ihn noch immer als „Verräter“. Für die Regierungen der Sowjetunion, Polens und der DDR, deren Stalinismus und Antisemitismus er angriff, ist er ein „zionistischer Agent“. Morddrohungen erhält er heute noch. Seine Frau bittet ihn seit Jahren inständig, aufzuhören. Wiesenthal kann nicht aufhören, denn er kann nicht vergessen. Zwei Verbrecher, die auf seiner Liste an erster und zweiter Stelle stehen, lassen ihn nicht ruhen: Dr. Josef Mengele, Lagerarzt von Auschwitz, und Dr. Heribert Ferdinand Heim, Lagerarzt von Mauthausen.

Mo, 26. Jan · 20:15-21:00 · 3sat
Der Spion vom Pariser Platz

Anfang September 1941 führte die SS im Konzentrationslager Auschwitz ein streng geheimes Experiment durch, das den Beginn der Shoah markierte: Mehrere Hundert Kriegsgefangene wurden mit Zyklon B ermordet, einem Granulat, das hochgiftige Blausäure freisetzt. Wenige Wochen später übergab der Repräsentant des deutschen IG-Farben-Konzerns in der Schweiz in seiner Villa am Vierwaldstätter See amerikanischen Kurieren streng geheime Dokumente über Hitlers Giftgasproduktion, auch über das von einer Tochterfirma der IG Farben produzierte Zyklon B. Gelangten auf diesem Wege schon früh Informationen über die geplante sogenannte „Endlösung der Judenfrage“ in die USA? In den USA war Blausäure schon 1924 zur Exekution von Menschen eingesetzt worden. Damals starb im Staatsgefängnis von Nevada erstmals ein Straftäter durch das Giftgas. In den 30er Jahren forschte das amerikanische Chemieunternehmen Du Pont über Blausäure als Insektenkiller, aber auch als Mittel der Wahl für Hinrichtungen in der Gaskammer. Du Pont stand dabei in engem Informationsaustausch mit den Experten des IG-Farben-Konzerns in Frankfurt. Diese Beziehungen blieben sogar bestehen, nachdem die USA im Dezember 1941 in den Krieg gegen Hitler-Deutschland eingetreten waren. Die Dokumentation „Der Spion vom Pariser Platz“ erzählt in diesem Zusammenhang auch die einzigartige Geschichte des deutschen Wirtschaftsberaters Erwin Respondek, der erst an den Kartellvereinbarungen zwischen IG Farben und Du Pont beteiligt war, dann zum Spion wurde und die Amerikaner mit Geheimnissen über Hitlers Giftgasproduktion versorgte. Respondek residierte in einem Büro am Pariser Platz in Berlin, direkt neben der US-Botschaft. Mit den meist handschriftlichen Dossiers in der Aktentasche ging er die paar Schritte hinüber, im vollen Bewusstsein, dass dies ein tödliches Risiko bedeutete. Die Amerikaner jedoch, so stellte sich später heraus, misstrauten seinen Angaben. Nach dem Krieg geriet Respondek schnell in Vergessenheit – auch in Washington.

Mo, 26. Jan · 21:00-21:45 · BR
Lebenslinien: Mein Paradies aus Scherben

„Eine Verkettung von Wundern“ nennt es die heute 90-jährige Ilana Shafir, dass sie als jüdische Jugendliche dem Holocaust in Jugoslawien entkommen konnte. Ihr Leben lang von Krieg verfolgt, rettet sie sich in die Welt ihrer Kunst. Mitten im israelischen Krisengebiet hat sich Ilana heute einen Paradiesgarten gebaut, in dem es „nichts Böses“ gibt. Ilana Shafir wächst in einer heilen Welt auf. Mit ihrer deutsch-stämmigen Familie lebt sie in Jugoslawien, fühlt sich im Multi-Kulti ihrer Heimatstadt Sarajevo zu Hause und träumt davon, einmal Künstlerin werden. Doch kurz nach ihrem 17. Geburtstag marschieren die deutschen Nationalsozialisten ein. Ilanas jüdische Familie kann in letzter Sekunde fliehen und taucht in einem Bauerndorf unter. Gegen die Verzweiflung, die sich um sie herum breitmacht, kämpft Ilana mit ungebrochenem Optimismus und hält an ihrem Traum von einer Künstlerkarriere fest. Sie erschafft sich eine eigene Welt, improvisiert ihre Bilder aus allem, was sie finden kann. Die Kunstschätze ihrer bewegenden Lebensgeschichte schlummern bis heute in riesigen Schubladen. Ilana ist inzwischen 90 Jahre alt, lebt im Süden Israels und sieht die Dinge immer noch „ein bisschen anders“, wie ihre Schwester sagt. Regelmäßig ertönt Raketenalarm, doch Ilana sitzt seelenruhig im Atelier hinter ihrem Haus und setzt Scherbe um Scherbe zusammen. Ihre Methode, aus Zerbrochenem großwandige Mosaike zu machen, hat ihr inzwischen weltweit Anerkennung gebracht. Und so tüftelt sie täglich an ihrem Lebenswerk: einer paradiesischen Gartenoase, in der es „nichts Böses gibt“.

Mo, 26. Jan · 21:45-22:00 · 3sat
Erbe der Menschheit: Auschwitz, Polen

Auschwitz – ein Ort in Polen, zwischen Kattowitz und Krakau gelegen. Und zugleich ein Synonym für das größte aller Verbrechen: die Ermordung der europäischen Juden. Auschwitz markiert einen Zivilisationsbruch. Es erinnert daran, dass mitten im 20. Jahrhundert die Deutschen fähig waren zu einem singulären Verbrechen, dem über fünf Millionen Juden zum Opfer fielen. Auschwitz steht stellvertretend für alle Vernichtungslager. Nach der Befreiung wurden Aufnahmen von Kindern gemacht, die den Kameras ihre eintätowierten Nummern zeigen, von den Krematorien und den Zyklon-B-Dosen. Heute ist Auschwitz eine vielbesuchte Gedenkstätte, ein Ort der Erinnerung, ein Museum – mit allen Problemen: Wie lässt sich das Undarstellbare museal repräsentieren? Die Dokumentation aus der Reihe „Erbe der Menschheit“ zeigt die museale Wirklichkeit durch die Blicke der Besucher und zitiert die bekannten Fernsehbilder, ohne sie vollständig zu zeigen. Sie werden gebrochen an den Ruinen der Krematorien in Birkenau. Sie verzichtet dabei auf jeden Kommentar sondern zitiert und montiert Aussagen der Auschwitz-Prozesse von 1964.

Mo, 26. Jan · 22:25-23:10 · 3sat
Saul Friedländer – Das versteckte Kind

Saul Friedländer, 1932 in Prag geboren, ist ein wandernder Jude, ein rastloser Mensch, der in vielen Ländern der Welt gelebt hat. Außerdem ist er Holocaustüberlebender und ein berühmter Holocaustforscher. Seine Familie musste während des Zweiten Weltkriegs aus Prag fliehen. Seine Eltern versteckten ihn bei Nonnen in einem katholischen Kloster. Während er als Internatsschüler und getaufter Katholik unter dem Namen Paul-Henri Ferland überlebte, wurden seine Eltern vermutlich 1942 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Erst wenige Tage vor der Weihe zum Jesuitenmönch erfuhr Saul Friedländer von seiner jüdischen Identität und Herkunft. Statt sich zum Priester weihen zu lassen, war er nun fest entschlossen, seine Wurzeln zu suchen. Im Alter von 14 Jahren reiste er nach Israel. Später kämpfte er im israelischen Unabhängigkeitskrieg und studierte in Tel Aviv. Mittlerweile lebt er mit seiner Familie in Los Angeles, wo er an der University of California unterrichtete. 2007 bekam er den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Die Dokumentation „Saul Friedländer – Das versteckte Kind“ begleitet den Holocaustüberlebenden auf dem Weg in seine Vergangenheit – und damit auch auf der schmerzlichen Suche nach seiner Identität.

Mo, 26. Jan · 23:45-02:05 · MDR Sachsen
Das Narrenschiff

Vor dem Hintergrund der bevorstehenden Machtübernahme der Nazis in Deutschland setzt Regisseur Stanley Kramer ein großes Drama in Szene. Anhand unzähliger Charaktere werden unglückliche Liebes- und Lebensgeschichten, große und kleine Dramen erzählt, die sich während der 27-tägigen Schiffsreise ereignen. Mit einem hochklassigen Ensemble internationaler Stars wie Oskar Werner, Simone Signoret, Heinz Rühmann, Lee Marvin und Vivian Leigh gelingt ihm so eine nuancierte, aufwühlende Gesellschaftsstudie jener Zeit. Das vielfach preisgekrönte Werk zählt heute zu den Klassikern der Filmkunst. 1933, am Vorabend des „Dritten Reichs“: Ein Passagierschiff ist auf dem Weg von Vera Cruz nach Bremerhaven. An Bord befinden sich in der 1. Klasse bunt zusammengewürfelt deutsche und internationale Passagiere, auf dem Zwischendeck reisen zusammengepfercht 600 abgeschobene spanische Plantagenarbeiter. Zu den Deutschen gehören der nationalsozialistische Verleger Siegfried Rieber (José Ferrer), der das besondere „Unglück“ hat, seine Kabine mit dem deutschen Juden Julius Löwenthal (Heinz Rühmann) teilen zu müssen, der immer noch an das Noble im Menschen glaubt und zurück nach Hause fahren will. Bei den Mahlzeiten wird Löwenthal bereits von den anderen deutschen Passagieren, die am Kapitänstisch sitzen dürfen, getrennt. Er speist mit dem Kleinwüchsigen Carl Glocken (Michael Dunn), der die Weisheit des Narren zu besitzen scheint und den Zuschauer gleich am Anfang des Filmes darüber informiert, welche kuriosen Gestalten er erleben wird. Während der Überfahrt wird auch Freytag (Alf Kjellin) an diesen Tisch „verbannt“, nachdem sich herumgesprochen hat, dass er mit einer Jüdin verheiratet ist. Zu den 1.-Klasse-Passagieren gehören weiter der gescheiterte, ständig betrunkene US-Baseballprofi Bill Tenny (Lee Marvin), der sich als Sexualprotz gebärdet und die verblühte Amerikanerin Mary Treadwell (Vivian Leigh), die ihre Frustrationen an Männern abreagiert. Eine zentrale Figur ist der sanfte Schiffsarzt Dr. Wilhelm Schumann (Oskar Werner), der schon zu Beginn der Fahrt Kapitän Thiele (Charles Korvin) erklärt, dass das seine letzte Überfahrt sein wird. Er verliebt sich an Bord in eine drogenabhängige Patientin, die rätselhafte spanische Adlige La Condesa (Simone Signoret), die nach Spanien deportiert werden soll …

Di, 27. Jan · 00:25-02:15 · HR
Hanussen

Europa, während des Ersten Weltkriegs. Der österreichische Soldat Klaus Schneider wird im Feld verwundet und in ein Lazarett eingeliefert. Bei seiner Untersuchung macht der Arzt Dr. Bettelheim eine verblüffende Entdeckung: Der Patient ist in der Lage, Gedanken zu lesen und zukünftige Ereignisse vorauszusagen. Nach seiner Genesung und dem Ende des Krieges beginnt Schneider, aus seinen Fähigkeiten Kapital zu schlagen. Aber erst als er sich mit seinem gewieften Kriegskameraden Nowotny zusammentut, den glamourösen Künstlernamen Erik Jan Hanussen annimmt und den tragischen Untergang eines Ozeandampfers voraussagt, nimmt seine Karriere Fahrt auf. Nicht einmal eine Anklage wegen Hochstapelei kann seinen Aufstieg bremsen, im Gegenteil: Der vom Gericht bezeugte, triumphale Beleg seiner Fähigkeiten macht ihn endgültig zum Star. Auch international findet Hanussen in den folgenden Jahren immer größere Beachtung. Von Ruhm und Reichtum verwöhnt, kostet er mit seiner Lebensgefährtin Valery de la Mer das schöne Leben aus. In der besseren Gesellschaft Berlins ist er ein gern gesehener Gast. Den politischen Veränderungen, die sich gegen Ende der zwanziger Jahre anzukündigen beginnen, steht er zunächst gleichgültig gegenüber. Hanussen bezeichnet sich stets als unpolitischen Künstler, dennoch sagt er 1930 Adolf Hitlers Machtantritt voraus. Dies bringt ihm die Gunst des „Führers“ ein, seine Freunde hingehen reagieren entsetzt, nicht zuletzt Dr. Bettelheim, der als Jude schon bald um sein Leben fürchten muss. Seine eigene jüdische Herkunft kaschiert Hanussen kaum, er hält sich aufgrund seiner glänzenden Beziehungen für unantastbar – bis er bei einem spektakulären Auftritt mit der Vorhersage des Reichstagsbrands für einen Eklat sorgt und als Verräter bei den Nazis in Ungnade fällt.

Di, 27. Jan · 15:00-15:45 · PHOENIX
Auschwitz vor Gericht

Vor gut 50 Jahren, am 20. Dezember 1963, begann in Frankfurt das bedeutendste und größte Gerichtsverfahren der deutschen Rechtsgeschichte. 700 Seiten umfasste die in über fünf Jahren erarbeitete Anklageschrift. Sie richtete sich gegen 21 Angehörige der Waffen-SS, die alle zum Personal des Konzentrationslagers Auschwitz gehört hatten und sich wegen Mordes „in einer unbestimmten Vielzahl von Fällen“ verantworten mussten. An 183 Verhandlungstagen wurden 359 Zeugen gehört, darunter 248 Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz, die nach Frankfurt gereist waren, um unter Eid Zeugnis abzulegen. Die Dokumentation folgt äußerlich dem historischen Ablauf des großen Frankfurter Auschwitzprozesses und konzentriert sich dabei auf die Hauptakteure: Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der das Verfahren ins Rollen brachte, die Staatsanwälte Kügler und Wiese, die die Angeklagten aufspürten, sowie die SS-Männer Mulka, Boger, Capesius und Klehr, deren Taten Schlagzeilen in der Weltpresse machten. Unweigerlich aber muss der Zuschauer den Blick immer wieder nach Auschwitz richten. Denn wie im Prozess sind es die Aussagen der Überlebenden, die auch diese Dokumentation zu einem unabweisbaren und eindrucksvollen Zeugnis für die Verbrechen der Nationalsozialisten machen: Hermann Langbein, Rudolf Vrba, Mauritius Berner, Jenny Schaner und Yehuda Bacon gingen vor die Kamera. Yehuda Bacon war noch ein Kind, als er Holz in die Verbrennungsöfen schleppen, menschliche Asche auf vereiste Wege streuen und zusehen musste, wie die Körper der Ermordeten aus den Gaskammern gezerrt wurden. Darüber hinaus greifen die Filmautoren Rolf Bickel und Dietrich Wagner zurück auf die von ihnen 1992 aufgespürten und über 500 Stunden umfassenden Tonband-Protokolle des Prozesses. Diese waren, einmalig in der deutschen Justizgeschichte, wegen des großen Zeugenaufgebots eigens vom Bundesgerichtshof genehmigt worden, allerdings nur unter der Bedingung, dass sie nach der Urteilsverkündung wieder gelöscht werden. Sie blieben jedoch auf Anweisung des hessischen Justizministers erhalten und sind heute zum unverzichtbaren historischen Forschungsmaterial geworden. Nach Jahren des öffentlichen Verschweigens konfrontierte dieser Prozess die Deutschen und die Welt zum ersten Mal mit allen Einzelheiten des Völkermords an den europäischen Juden. Als am 20. August 1965 das Urteil gesprochen wurde, sagte der Vorsitzende Richter Hans Hofmeyer in seinem Schlusswort: „Zwanzig Monate lang haben wir im Geiste nochmals alle Leiden und all die Qualen erlebt, die die Menschen dort erlitten haben und die mit Auschwitz immer verbunden bleiben.“ Hermann Langbein, Gefangener in Auschwitz und Zeuge vor Gericht, erklärte, der Prozess habe wesentlich dazu beigetragen, „der Öffentlichkeit unanfechtbare Tatsachen über einen Abschnitt der deutschen Geschichte zu vermitteln, der bis dahin für allzu viele im Dunkeln lag.“ Dass die Mörder von Auschwitz erst 18 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers angeklagt werden konnten, zeigt, wie schwierig es war, überhaupt über Auschwitz Gericht zu halten. Dass es schließlich doch dazu kam, ist vor allem dem damaligen hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer zu verdanken, der im Nachkriegsdeutschland einer der wenigen entschlossen handelnden Verfolger der NS-Verbrechen war. Doch muss die Dokumentation schließlich konstatieren, dass gut 50 Jahre nach Eröffnung des historischen Prozesses unzählige Verbrechen von Auschwitz noch immer ungesühnt sind, dass Tausende Mitglieder von KZ-Wachmannschaften ungestraft davonkamen.

Di, 27. Jan · 17:00-18:20 · MGM
Zelig

Der kleine jüdische Angestellte Leonard Zelig (Woody Allen) ist ein Mann ohne Identität. Er kann sich chamäleonartig an seine Umwelt anpassen. Das geht sogar so weit, dass er die physischen Eigenschaften bestimmter Personen annehmen kann. – Woody Allens fiktive Biografie: eine brillante Persiflage auf die Gesellschaft, die Filmindustrie und Dokumentarfilme.

Di, 27. Jan · 17:15-17:30 · PHOENIX
Schalom am Rhein – Die jüdische Gemeinde Düsseldorf und der wachsende Antisemitismus

Düsseldorf hat die drittgrößte jüdische Gemeinde Deutschlands – mit eigener Kita und eigener Grundschule. Hier lernen schon die Sechsjährigen hebräisch und erfahren viel über jüdische Religion und Kultur. Seit den antisemtischen Ausfällen auf irsrael-kritischen Demonstrationen und dem Anschlag auf die Wuppertaler Synagoge steigt die Wachsamkeit auch in Düsseldorf. Gemeinde-Rabbiner Aharon Ran Vernikovsky betont zwar, dass es überall auf der Welt antisemitische Bedrohungen gibt und dies kein spezifisch deutsches Problem sei, aber Verwaltungschef Michael Szentei-Heise sieht gleichwohl Anzeichen für wachsende Judenfeindlichkeit auch bei uns. Reporter Stefan Quante hat sich in schwierigen Zeiten im faszinierenden Gemeindeleben umgesehen.

Di, 27. Jan · 21:00-21:45 · ARD-alpha
Geraubte Leben – Europa im KZ Neuengamme

Die SS deportierte zwischen 1938 und 1945 über 100.000 Menschen aus ganz Europa in das KZ Neuengamme und seine Außenlager; nur die Hälfte von ihnen hat die Lagerhaft überlebt. Das größte Konzentrationslager Nordwestdeutschlands lag im heutigen Hamburg-Neuengamme. Die Nationalsozialisten inhaftierten im Hauptlager und in den über 85 Außenlagern mehr als 100.000 Menschen aus ganz Europa. Nur die Hälfte von ihnen hat überlebt. Die Autoren suchten in ganz Europa Überlebende und interviewten sie in ihrer Muttersprache, mit Ausnahme derjenigen, die ihre Erlebnisse lieber auf Deutsch schildern wollten. Gefunden haben sie Menschen aus Frankreich, Tschechien, Israel und Russland, die während ihrer Zeit im KZ Teenager waren. Der Film berichtet von ihren Lebens- und Arbeitsbedingungen, vom Verlust der Familie, von Freundschaften im KZ und dem allgegenwärtigen Tod. Ein heute 97-jähriger, der in Hamburg geboren wurde und aufwuchs, erzählt, wie er eines der Neuengammer Außenlager als britischer Militärarzt befreite. Eine ehemalige SS-Aufseherin schildert in einem Tondokument ihre Eindrücke von der Arbeit in einem KZ. Einer der 20 Hauptzeugen in den Curiohaus-Prozessen erklärt, wie er gegen die SS-Wachleute und Hauptangeklagten aussagte und bei ihrem Anblick immer noch Angst empfand. Bislang nie gesendete Filmsequenzen, die jahrzehntelang unter Verschluss lagen, komplettieren die Dokumentation. Das Konzentrationslager Neuengamme ist das einzige Lager, dessen Geschichte noch nie in Form einer Fernsehdokumentation aufgearbeitet wurde. Eine Lücke, die das NDR Landesfunkhaus Hamburg mit der Dokumentation „Geraubte Leben – Europa im KZ Neuengamme“ schließt.

Di, 27. Jan · 21:00-21:45 · PHOENIX
Goldschmidts Kinder

Berlin 1935. Unter großen persönlichen Risiken gelingt es der Lehrerin Leonore Goldschmidt, mitten in Nazi-Deutschland eine jüdische Schule zu gründen. Sie findet ein Schlupfloch in den nationalsozialistischen Schulgesetzen und widersteht allen Repressalien durch die SA. Für viele jüdische Kinder Berlins wird die Goldschmidt-Schule zum letzten Zufluchtsort vor dem wachsenden Rassismus. Auf dem Lehrplan steht vor allem Englisch – als Voraussetzung für ein Leben im Exil. Nach der Pogromnacht 1938 eskaliert die Lage der Juden in Deutschland: Viele Goldschmidt-Schüler fliehen mit ihren Familien. Im September 1939 muss Leonore Goldschmidt die Schule schließen. Sie geht ins Exil nach England. „Goldschmidts Kinder – Überleben in Hitlers Schatten“ erzählt die bislang weitgehend unbekannte Geschichte einer mutigen und listigen Frau, die für viele jüdische Kinder Berlins zum Schutzengel wurde. Vor allem aber lässt die Dokumentation nacherleben, wie Rassismus und Antisemitismus in die Gesellschaft einsickerten und die Seelen der jüdischen Kinder peinigten: Überlebende Schüler, heute alle weit über 80 Jahre alt, berichten in berührenden Statements, wie sehr sie unter Ausgrenzung und Drangsalierungen litten. Aus allen aber spricht tiefe Dankbarkeit für eine Frau, die eine „Oase inmitten der Hölle“ schuf und „ihre“ Kinder vorbereitete auf ein neues Leben im Exil. Für die Dokumentation „Goldschmidts Kinder – Überleben in Hitlers Schatten“ hat die Familie Goldschmidt ihr Archiv mit zahlreichen Fotos, Briefen, Tagebüchern und anderen Dokumenten geöffnet. Leonore Goldschmidts Enkel David erzählt von seiner Großmutter, die 1983 verstorben ist. Außerdem können die Autoren auf einen Dokumentarfilm zurückgreifen, den der amerikanische Journalist Julian Bryan 1937 in der Goldschmidt-Schule gedreht und aus Deutschland herausgeschmuggelt hat. Er zeigt u. a. die Zeitzeugen, die in der Dokumentation zu Wort kommen. So entsteht ein dichtes und emotionales Bild vom Leben in der Goldschmidt-Schule – einer einzigartigen Institution im Schatten des Nazi-Terrors.

Di, 27. Jan · 22:15-23:30 · ZDF
Mit dem Mut der Verzweiflung

Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Truppen das Vernichtungslager Auschwitz. Der Vormarsch der Alliierten brachte die grausamsten Verbrechen Hitler-Deutschlands ans Licht, die Spuren der Todesmaschinerie ließen sich nicht mehr verwischen. Anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz richtet das ZDF in einer 75-minütigen szenischen Dokumentation den Blick auf das Menschheitsverbrechen, dem allein sechs Millionen Juden zum Opfer fielen. „Mit dem Mut der Verzweiflung“ schildert das Schicksal von Menschen, die trotz ständiger Todesangst in der Hölle der Mordfabrik Mut bewiesen, ihre Menschlichkeit bewahrten, sich für andere opferten. Nur wenige überlebten durch glückliche Umstände. Witold Pilecki ist ein Offizier der polnischen Untergrundarmee. Er lässt sich 1940 freiwillig von den Deutschen festnehmen, um in der Todesfabrik Widerstand zu organisieren und Informationen über die Vorgänge in Auschwitz aus dem Lager zu schmuggeln. „Er hat uns immer gesagt: Wenn du etwas beginnst, dann tue es gut und bringe es zu Ende“, erinnert sich der Sohn an die Haltung seines Vaters. Fredy Hirsch wächst als jüdischer Deutscher in Aachen auf. 1935 flieht er vor den Repressalien der Nazis nach Prag. Dort arbeitet er in der zionistischen Jugendbewegung, doch im März 1939 holen ihn seine Verfolger wieder ein. In den Lagern Theresienstadt und Auschwitz wird er als mutiger Beschützer zum Hoffnungsbringer vieler Kinder: „Ihm verdanke ich, dass ich noch lebe. Nicht nur ich, alle aus dem Kinderblock verdanken ihm ihr Leben“, sagt Yehuda Bacon, der heute als Maler in Israel lebt. Itzhack Birnhack und Rena Ferber lernen sich in einem NS-Lager bei Krakau kennen. Als das Lager aufgelöst wird, hat das junge Liebespaar das Glück, auf Oskar Schindlers Liste zu geraten. Doch der Zug mit den Frauen wird fehlgeleitet – nach Auschwitz. „Ich habe immer gesagt: Ich will leben! Selbst in den schlimmsten Zeiten. Ich will leben!“, erinnert sich Rena. Hans Frankenthal wird als 17-Jähriger Opfer der Judenverfolgung. Er durchleidet Zwangsarbeit, Konzentrationslager und Todesmärsche, bevor er nach der Befreiung als einer der wenigen Überlebenden in sein Heimatdorf im Sauerland zurückkehrt. Sein letztes Interview ist auch ein persönliches Vermächtnis: „Ich liebe Deutschland, ich liebe dieses Land. Es muss nur aufgepasst werden, dass dieses Land nicht wieder Dummheiten macht. Es ist zu verhindern. Glauben Sie mir.“ Gerda Leyserson ist die Mutter von Hugo Egon Balder. Sie und sein Halbbruder Peter verdanken ihr Überleben einer Fügung des Schicksals. Bei der Deportation aus Berlin werden die beiden zunächst in einen Zug nach Auschwitz gepfercht. Doch beim Kontrollieren der Namenslisten stellen die SS-Schergen fest, dass eine Namensvetterin für diesen Transport vorgesehen war. Beide werden aus dem Zug geholt und ins Lager Theresienstadt gebracht. Familienvater Walter Leyserson wird in Auschwitz ermordet. „Du kannst dir gar nicht vorstellen, was der Mensch alles ertragen kann“, immer wieder erinnert sich Hugo Egon Balder an die eindringlichen Worte seiner Mutter, die nach dem Krieg in ihre Heimat Berlin zurückkehrte. Balder ist in dieser szenischen Dokumentation nicht nur Erzähler seiner Familiengeschichte, er verbindet die geschilderten Schicksale im Film mit eigenen Gedanken, die ihn auf der Suche nach den Spuren der Vergangenheit bewegten.

Di, 27. Jan · 22:45-23:15 · RBB Berlin
Geigen gegen das Vergessen – „Violins of Hope“ in Berlin

Es sind außergewöhnliche Geigen, die am 27. Januar 2015 in der Berliner Philharmonie erklingen werden. Nicht wegen ihres Wertes oder Klanges, sondern wegen ihrer Geschichte. Denn die Instrumente waren einst im Besitz von europäischen Juden. Dass die Geigen und damit auch die Geschichten ihrer ehemaligen Eigentümer bis heute nicht vergessen sind, ist Amnon Weinstein zu verdanken. Es sind außergewöhnliche Geigen, die am 27. Januar 2015 in der Berliner Philharmonie erklingen werden. Nicht wegen ihres Wertes oder Klanges, sondern wegen ihrer Geschichte. Denn die Instrumente waren einst im Besitz von europäischen Juden. Menschen, die Opfer des Nazi-Terrors geworden sind. Dass die Geigen und damit auch die Geschichten ihrer ehemaligen Eigentümer bis heute nicht vergessen sind, ist Amnon Weinstein zu verdanken. Der Geigenbauer aus Tel Aviv sammelt die Violinen aus dem Holocaust und versucht, die dazugehörigen Geschichten aufzuspüren. „Violins of Hope“ hat er das Projekt getauft und schickt die Geigen für Konzerte um die Welt. Die Botschaft: Wir dürfen nie vergessen! Auf Initiative des langjährigen ersten Konzertmeisters der Berliner Philharmoniker, Guy Braunstein, kommen die Geigen nun erstmals nach Berlin – für ein Konzert anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Die rbb-Dokumentation „Geigen gegen das Vergessen“ erzählt die ungewöhnliche Geschichte des israelischen Geigenbauers und seiner einzigartigen Sammlung. Der Film dokumentiert die Reise der Violinen von Tel Aviv nach Berlin und die Begegnungen der Musiker mit den Instrumenten aus dem Holocaust. Welche Bedeutung solche Instrumente und die Musik für die Menschen im Konzentrationslager hatten, daran erinnert sich Anita Lasker-Wallfisch. Die heute 89-jährige war Cellistin im Mädchenorchester von Auschwitz und ist eine der letzten Zeitzeugen überhaupt.

Di, 27. Jan · 22:45-23:45 · HR
Als das Lachen verbrannte – Die Kinder von Ausschwitz und die Qual des Erinnerns

Yitzhak Taub und sein Zwillingsbruder Serach wurden 1945 aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit, zusammen mit anderen Kindern, denen man alles genommen hatte: ihre Kindheit, ihre Familie, ihre Zukunft und ihr Lachen. Der Film „Als das Lachen verbrannte“ hört den Kindern von Auschwitz zu. Shlomo Malek war 15 Jahre alt, als er befreit wurde – neun Monate zuvor hatten die Nazis ihn aus Rumänien in das Todeslager verschleppt. Miri Schönberger stammt aus Ungarn. 13 Jahre alt war sie, als der SS-Lagerarzt Dr. Joseph Mengele sie und ihre Zwillingsschwester Sarah für seine bestialischen Versuche an der „Rampe“ aussortierte. Avraham Harshalom wurde im polnischen Pruzany geboren. 1943 wurde er mit seiner Familie nach Auschwitz deportiert. Peter Grünfeld und seine Schwester Martha waren vier Jahre alt, als sie die Deutschen aus Prag abholten. Später sagte er: „Es waren nur neun Monate in Auschwitz – aber das ist wie ein ganzes Leben“. Die Kinder von Auschwitz wurden befreit, aber sie haben Auschwitz nie wirklich verlassen. In ungewöhnlich eindringlichen Bildern schildern sie die Stationen ihres Leids: das Johlen der Nachbarn, als die Juden durch Dörfer getrieben wurden, das Grauen in den Viehwaggons der Reichsbahn, den aschegrauen Himmel über den Krematorien, die Angst in den Laboratorien des Dr. Mengele und die Qual des Weiterlebens nach der Befreiung.

Di, 27. Jan · 22:45-00:05 · BR
Der weiße Rabe – Max Mannheimer

Max Mannheimer, Jahrgang 1920, ist einer der letzten Überlebenden der Shoah – und einer der wenigen, die darüber reden können. Die Filmemacherin Carolin Otto begleitete den Auschwitz-Überlebenden bei Vortragsreisen und Begegnungen. Aus dem Filmmaterial dieser Zeit und alten Super-8-Filmen der Familie montierte sie das eindringliche Porträt eines Aufklärers, der sich seit Jahrzehnten gehen das Vergessen engagiert. Max Mannheimer, Jahrgang 1920, ist einer der letzten Überlebenden der Shoah – und einer der wenigen, die darüber reden können. Die Filmemacherin Carolin Otto begleitete den Auschwitz-Überlebenden bei Vortragsreisen und Begegnungen. Aus dem Filmmaterial dieser Zeit und alten Super-8-Filmen der Familie montierte sie das eindringliche Porträt eines Aufklärers, der sich seit Jahrzehnten gehen das Vergessen engagiert. Max Mannheimer bezeichnet sich selbst als „weißen Raben“, als Seltenheit, denn heute gibt es kaum noch Überlebende der Shoah und noch viel weniger, die darüber reden können. Mannheimer, der 1920 in Nordmähren in der Tschechoslowakei als Sohn jüdischer Eltern geboren wurde, floh nach der Reichspogromnacht mit seiner Familie an die ungarische Grenze. 1943 wurde er über Theresienstadt nach Auschwitz deportiert. Seine Eltern, seine Schwester und seine Frau sah er nie wieder. Nur er und sein Bruder Edgar überlebten die Konzentrationslager Auschwitz, Warschau, Dachau und Mühldorf. Nach Kriegsende verliebte sich Mannheimer in die Deutsche Elfriede Eiselt, eine Widerstandskämpferin, die seine zweite Frau wurde und mit der er 1946 nach München zog. Als Mitte der 1980er-Jahre ein Zeitzeugenbericht Mannheimers in einer wissenschaftlichen Zeitschrift erschien, wurde die Öffentlichkeit auf sein Schicksal aufmerksam. Mannheimer begann, vor Jugendlichen und Erwachsenen Vorträge über seine Erlebnisse während des Nationalsozialismus und in den Konzentrationslagern zu halten, um Zeugnis abzulegen und über den Nazismus zu informieren. Dies tut er bis heute – als unermüdlicher und charismatischer Aufklärer. Für ihren Film hat Regisseurin Carolin Otto diese eindrucksvolle Persönlichkeit begleitet. Zur Zusammenarbeit zwischen Carolin Otto und Max Mannheimer kam es durch Zufall. Bei einem Besuch in Dachau verlor die junge Frau 1988 ihre Bankkarte auf dem Parkplatz. Mannheimer fand sie und gab sie ihr zurück. Carolin Otto brachte ihm zum Dank eine Rose mit, und Mannheimer lud sie für den Abend zu einem Vortrag ein. Aus dieser Begegnung entstand eine Freundschaft, die den Film zu einer sehr persönlichen Hommage werden lässt. Auch andere Werke Carolin Ottos wurden durch die Freundschaft zu Mannheimer beeinflusst: Bereits ihr Film „Veilchenbonbons“, den sie während des Studiums an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) im Jahr 1990 drehte, thematisiert die Shoah und ist Mannheimer gewidmet.

Di, 27. Jan · 23:15-00:15 · WDR
Die Lange Nacht der Erinnerung: Vom Wunder des Überlebens Film von Marek Pawlowski

Am 27. Januar 2015, genau vor 70 Jahren, erreichte die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz und befreite die überlebenden Inhaftierten. International ist dieser Tag dem Gedenken an die Opfer des Holocaust gewidmet. Aus diesem Anlass sendet der WDR in einer „Langen Nacht der Erinnerung“ Filme, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln Lebenswege von Menschen im NS-Terror schildern. Es sind Geschichten, die nicht in erster Linie von einer schrecklichen Zeit erzählen, sondern vom Überleben, von Hoffnung und von stillen Helden. – Vom Wunder des Überlebens Auschwitz hätte nicht der Ort der Vernichtung von Juden werden müssen, sondern hätte auch zu einem Symbol ihrer Rettung werden können. Wenn alles den geplanten Lauf genommen hätte, hätten Tausende Menschen ihr Leben retten können. Der Mann, der das behauptet, heißt Henryk Schoenker – Sohn von Leon Schoenker, dem ehemaligen Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Oswiecim/Auschwitz. Die Schoenkers waren eine angesehene jüdische Familie am Ort. Von den deutschen Militärbehörden, die bald nach Kriegsbeginn nach Auschwitz gekommen waren, erhielt Leon Schoenker im Oktober 1939 den Befehl, dort ein Büro für legale Auswanderung von Juden nach Palästina zu organisieren. Damals war noch nicht von der massenhaften Ermordung die Rede, die Naziregierung wollte die schlesischen Juden loswerden, z. B. nach Palästina oder Südamerika. Aber kein westliches Land wollte sie aufnehmen. Gerettet wurde kaum jemand. In diesem Dokumentarfilm von Marek Pawlowski, einer deutsch-polnischen Koproduktion, erzählt Henryk Schoenker, wie er als Kind zusammen mit seinen Eltern und seiner jüngeren Schwester den Holocaust erlebt und überlebt hat. Er lässt in seinen Erinnerungen die schreckliche Odyssee lebendig werden, die die Familie von ihrer Heimatstadt Auschwitz aus von Versteck zu Versteck geführt hat, in verschiedene Ghettos und schließlich ins KZ Bergen-Belsen. Plastisch und eindringlich schildert Henryk Schoenker Situationen, in denen sein Leben in höchster Gefahr schwebte. Aus seiner Sicht waren es nicht nur glückliche Zufälle, denen er sein Überleben verdankt, sondern wahrhafte Wunder – und Menschen, die durch ihr Handeln für ihn zu Engeln geworden sind.

Mi, 28. Jan · 00:00-01:25 · RBB Berlin
Ein Apartment in Berlin

Im Film „Ein Apartment in Berlin“ konfrontieren sich drei junge Israelis mit ihrer und damit der gemeinsamen deutsch-jüdischen Geschichte. Sie versuchen, die Wohnung der jüdischen Familie Adler wieder so einrichten, wie sie vor deren Deportation ausgesehen hat. Doch es zeigt sich, dass der Holocaust für sie etwas anderes bedeutet als für die deutsche Regisseurin, die sie zu der Zeitreise einlud.

Mi, 28. Jan · 00:15-01:50 · BR
Sir Nicky – Held wider Willen

Im Spätherbst 1939, kurz vor dem deutschen Einmarsch in die Tschechoslowakei, rettete der Londoner Börsenhändler Nicolas Winton in Prag 669 jüdische Kinder vor dem Tod im KZ. In seinem Heimatland fand er Pateneltern, die bereit waren, die Kinder aufzunehmen. Gut 50 Jahre lang erzählte Winton niemandem davon. Der Dokumentarfilm rekonstruiert die Rettungsaktion und erzählt das Schicksal mehrerer Kinder, die dem inzwischen über 100-jährigen Briten ihr Leben verdanken. Im Spätherbst 1939, kurz vor dem Einmarsch der Deutschen in die Tschechoslowakei, wollte der Londoner Börsenhändler Nicolas Winton wenigstens die Kinder der verfolgten Juden vor den Nazis retten. Er erstellte in Prag Listen mit Namen und suchte in England nach Pateneltern, die bereit waren, die Kinder aufzunehmen. So konnte er 669 jüdische Kinder vor dem sicheren Tod im KZ retten. Nicolas Winton ist ein bescheidener Held: Gut 50 Jahre lang schwieg er über die Ereignisse im Spätherbst 1939. Nicht einmal seine Frau wusste davon. 1988 entdeckte sie auf dem Speicher ihres Hauses ein Notizbuch mit exakten Aufzeichnungen aus dieser Zeit und brachte die Geschichte an die Öffentlichkeit. Regisseur Matej Minac rekonstruiert in dem Dokumentarfilm die dramatische Rettungsaktion und erzählt das Schicksal mehrerer Kinder, die dem inzwischen über 100-jährigen Briten ihr Leben verdanken. Präsentiert wird die Geschichte von dem bekannten, inzwischen über 80-jährigen BBC-Reporter Joe Schlesinger, der selbst als Kind von Nicky gerettet worden war. Persönliche Interviews, hochwertige Spielfilm-Szenen und authentisches Archivmaterial werden so auf packende Weise miteinander verwoben. Sir Nicolas Winton wird seit der Entdeckung seiner Geschichte weltweit als Held gefeiert: Der Dalai Lama, Vaclav Havel und Madeleine Albright würdigten ihn, Königin Elisabeth II. adelte ihn mit dem Ritterschlag. Der Filmemacher Matej Minac stieß Mitte der 90er-Jahre auf seine Geschichte und verarbeitete den Stoff zunächst im Spielfilm „Alle meine Lieben“ (1999) und dann in einem ersten kürzeren Dokumentarfilm. Unter dem Eindruck der Resonanz entschieden die beiden Filmemacher, zusätzlich einen abendfüllenden Dokumentarfilm über Nicholas Winton zu drehen. „Sir Nicky“ wurde auf dem Karlovy Vary Film Festival mit dem Publikumspreis und auf dem Montreal World Film Festival mit dem Preis für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Mi, 28. Jan · 00:15-01:00 · WDR
Auschwitz war auch meine Stadt

„Als ich mit dem Zug nach Auschwitz fuhr, da guckte ich aus dem Fenster und sah in der Ferne lauter so gestreifte Häufchen, wie Kartoffelkäfer. Bloß größer. Und das wusste ich nicht, dass das Häftlinge waren. Das war meine erste Begegnung mit Häftlingen, die in Auschwitz stationiert waren“, erinnert sich Johanna Scherzberg, die mit 19 Jahren ihr strenges Elternhaus in Thüringen verließ und 1942 als kaufmännische Angestellte der IG Farben nach Auschwitz zog. Auschwitz hieß bis Kriegsbeginn Oswiecim und war die Heimat des Juden Josef Jakubowicz. Er verbrachte hier eine unbeschwerte Kindheit, bis die Nazis kamen und der 14-Jährige als Zwangsarbeiter das Konzentrationslager Auschwitz bauen helfen musste – ohne zu ahnen, welchem Zweck es einmal dienen würde. Sein Elternhaus wurde abgerissen, weil es den Blick auf das Lager verstellt hätte, seine Familie deportiert. Josef wurde durch acht Konzentrationslager getrieben und überlebte wie durch ein Wunder. Im Nachbarhaus lebte Karol Parcer, Josefs Freund unter den Christen. Seine Familie musste ihr Haus räumen für die SS-Offiziere. Aus Brzezinka, dem Dorf, in dem die beiden Jungen zur Schule gegangen waren, wurde das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, in dem Josefs Eltern und fast seine ganze Familie ermordet werden sollten – wenige Meter von dem Ort entfernt, der einmal ihr zu Hause war. Karol hat die Schreckensherrschaft der Deutschen in Auschwitz erlebt und die Stadt nie verlassen. Für die Deutsche Johanna Scherzberg waren die Jahre in Auschwitz eine produktive Zeit, eine Aufbauzeit. Sie saß im Vorzimmer des Betriebsleiters Walter Dürrfeld und ist vermutlich die letzte Zeitzeugin, die erzählen kann, wie sich das Leben der deutschen „IG Farben“-Mitarbeiter in Auschwitz in Sichtweite zum Massenmord an den europäischen Juden im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau abgespielt hat. Aus der Perspektive dieser drei Zeitzeugen erzählt die Dokumentation, wie aus der Stadt Oswiecim, die wegen ihrer reichen jüdischen Kultur einmal als das polnische Jerusalem galt, die „deutsche Musterstadt“ Auschwitz wurde. Eine Stadt, in der tausende deutsche Siedler, SS-Angehörige und Angestellte der IG Farben in Saus und Braus lebten, während gleich nebenan millionenfach gemordet wurde. In den ganz persönlichen Lebensgeschichten von Johanna Scherzberg, Josef Jakubowicz und Karol Parcer spiegeln sich die historischen Ereignisse zwischen dem 1. September 1939, dem Tag des Überfalls auf Polen, bis zum 27. Januar 1945, dem Tag, an dem die Konzentrationslager von Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit wurden.

Mi, 28. Jan · 01:00-01:40 · WDR
Geboren im KZ

„Überall lagen die Toten“, schreibt ein US-Soldat nach der Befreiung des bayerischen Konzentrationslagers Dachau nach Hause, „doch unter den mehr als 30.000 befreiten KZ-Häftlingen befanden sich zu unserer großen Überraschung sieben jüdische Mütter mit ihren Babys!“ Die Soldaten fotografierten, was sie nicht glauben konnten: Säuglinge, die zwischen Dezember 1944 und Februar 1945 in Kaufering, einem Außenlager des KZ Dachau, zur Welt gekommen waren und überlebt hatten, inmitten des Holocaust. Eines der sieben Babys auf diesem Foto ist Marika Novaková. Aufgewachsen ist sie in einer slowakischen Kleinstadt. In ihrem Pass stand als Geburtsort „Kaufering“. Wo das war und warum sie dort und nicht in der Slowakei geboren wurde, erzählte die Mutter, Eva Fleischmanová, lange nicht. Zu schmerzhaft waren die Erinnerungen, zu deutlich auch nach der Befreiung die Ablehnung der Juden in der Slowakei. Doch dann flatterte ein Brief aus Kanada ins Haus, von Miriam Rosenthal, mit einem Foto. Sieben Mütter und ihre Babys waren da zu sehen. Eines davon Marika auf dem Arm ihrer Mutter. Ein anderes Leslie auf dem Arm seiner Mutter Miriam Rosenthal. Jetzt wollte Marika die Wahrheit erfahren, die ganze Geschichte. 1,5 Millionen jüdische Kinder wurden von den Nazis ermordet. Wie war es möglich, dass gerade sie in einem KZ geboren wurde und dort überlebte? Begleitet von den WDR-Autorinnen Eva Gruberová und Martina Gawaz geht Marika auf Spurensuche, folgt dem Weg, den sie als Ungeborene schon einmal gegangen war – nach Auschwitz, Augsburg, Dachau und Kaufering. Endlich erzählt auch ihre Mutter: wie sie als Zwanzigjährige deportiert wurde, wie sie die Schwangerschaft zu verbergen suchte, wie sie an der Rampe in Auschwitz vor dem SS-Arzt Mengele stand, der ihre Schwangerschaft – das sichere Todesurteil – nicht erkannte. Wie sie von Auschwitz in ein Augsburger Lager und schließlich nach Dachau und Kaufering kam. Wie sie immer wieder der Entdeckung entging, wie andere Frauen ihr und den anderen Schwangeren halfen, ihnen Essen zusteckten, sie schützten. Wie sie schließlich in einer der Baracken ihre Tochter gebar und die sieben Wöchnerinnen sich gegenseitig halfen.

Mi, 28. Jan · 01:25-02:17 · arte
Sonderkommando Auschwitz-Birkenau

Nach der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee im Januar 1945 wurde bekannt, dass die Nazis jüdische KZ-Insassen gezwungen hatten, sich an der Tötung von Mithäftlingen zu beteiligen. Die meisten Mitglieder der sogenannten Sonderkommandos wurden bei Aufgabe des KZs ermordet, um Zeugen des Grauens zu beseitigen. Doch einige überlebten. Ihre Aussagen und später entdeckte Aufzeichnungen vermitteln ein ebenso wahres wie erschreckendes Bild von der Vernichtung menschlichen Lebens in Auschwitz. Als die Rote Armee am 27. Januar 1945 Auschwitz-Birkenau erreichte, fand sie die vier Krematorien des Vernichtungslagers zerstört vor. Um ihre Verbrechen zu vertuschen, hatten die Nazis alle Entkleidungsräume, Gaskammern und Verbrennungsöfen in die Luft gesprengt. Über eine Million Menschen waren hier ermordet worden, die meisten von ihnen waren Juden. Zu Kriegszeiten wurden die Krematorien jedoch nicht nur von Nazis bedient. Die SS hatte für diese Aufgabe eigens das sogenannte „Sonderkommando“ eingerichtet. Es bestand aus jüdischen Häftlingen, die dazu gezwungen wurden, bei der Ermordung ihrer Mitdeportierten mitzuhelfen. Die meisten Sonderkommando-Mitglieder erlebten das Ende des Krieges nicht – die Nazis wünschten keine Zeugen ihrer Gräueltaten. Vier Überlebende, Shlomo Dragon, Henryk Tauber, Alter Feinsilber und Dr. Miklos Nyiszli, sagten jedoch vor Gericht aus. Außerdem wurden nach der Befreiung des Lagers Tagebücher und Berichte in jiddischer Sprache gefunden. Sie stammten von den Sonderkommando-Häftlingen Salmen Gradowski, Lejb Langfuß und Salmen Lewenthal, die die wichtigen Dokumente auf dem Lagergelände vergraben hatten. Gradowski war auch einer der Organisatoren des bewaffneten Sonderkommando-Aufstands von Krematorium III im Oktober 1944. Er wurde mit 451 seiner Gefährten hingerichtet. Langfuß und Lewenthal starben zwei Monate vor der Befreiung des Lagers. Die Aufzeichnungen und Zeugenaussagen vermitteln ein genaues und erschreckendes Bild vom Vernichtungsprozess in Auschwitz, der so genannten Endlösung.

Mi, 28. Jan · 20:15-21:50 · arte
Eine dunkle Begierde

Zürich um 1904: Carl Gustav Jungs neue Patientin Sabina Spielrein schreit, verkrampft sich und spielt mit Dreck – eine Gelegenheit, die neue Gesprächstherapie des Wiener Arztes Sigmund Freud an ihr auszuprobieren. Mittels der Psychoanalyse legt Jung bei Spielrein schon bald masochistische Begierden frei, die in ihrer Kindheit angelegt wurden. Die junge, intelligente Frau, eine jüdische Studentin aus gutem Hause, reagiert ungewöhnlich gut auf die neue Methode. Auf ihre Bitte hin macht Jung sie schließlich zu seiner Assistentin. Das Verhältnis zwischen Arzt und Patientin wird immer enger, bis der verheiratete Jung sich schließlich auf eine Affäre mit Spielrein einlässt. Als Jung seinen Mentor Freud einweiht, ist dieser entsetzt. Er fürchtet um den ohnehin schon zweifelhaften Ruf der Psychoanalyse und deren potenziellen Missbrauch. Es kommt zum Bruch zwischen Freud und Jung …

Do, 29. Jan · 20:15-21:45 · WDR
Tatort – Ein ganz normaler Fall

Die junge Leah Berger wird in München auf dem jüdischen Friedhof beerdigt, ganz hinten an der Friedhofsmauer, denn Leah hat Selbstmord begangen. Ihr Vater Rafael Berger steht unter Schock. Die Münchner Hauptkommissare Franz Leitmayr und Ivo Batic befinden sich in einem betriebsinternen Wettbewerb, nur einer kann „Polizist des Jahres“ werden. Dann der Anruf: Ein Toter in der neuen jüdischen Synagoge, vermutlich Fremdeinwirkung. Der zuständige Staatsanwalt mahnt „Fingerspitzengefühl“ an. Die Ermittler gehen den Fall an wie jeden anderen auch. Der Tote ist Rafael Berger. Er liegt im jüdischen Gemeindezentrum am Ende einer schmalen Treppe. Die Todesursache ist Genickbruch. Wurde er gestoßen? Die Buchstaben M O S E R sind bei der Blutlache zu erkennen. Jonathan Fränkel, ein orthodoxer Jude, fand die Leiche. Der Vorstand der Synagoge Martin Hirsch vermittelt ihnen den Kontakt zu Justiziarin Claudia Schwarz, doch die Ereignisse überstürzen sich. Aaron, der Schützling von Rabbiner Grünberg, droht von einer Empore zu springen. Aaron ist seit einer Gehirnhautentzündung leicht behindert. Er ist aufgebracht, dass durch die Anwesenheit der Polizisten seine gewohnten Abläufe durcheinander geraten. „Seinem“ Rabbi Grünberg hat man in der großen Synagoge „Asyl“ gewährt, denn Grünbergs Gebetshaus wird gerade renoviert. Zu Batic fasst Aaron Vertrauen. Die Ermittler begegnen mehr und mehr einer religiösen Welt, die ihnen nicht vertraut ist. Jonathan Fränkel, so ergeben die Nachforschungen, war abhängig und ist wegen Körperverletzung vorbestraft. Doch er konnte eine Kehrtwende in seinem Leben erreichen. Durch die engagierte Teilhabe von Rabbiner Grünberg hat er seine Frau Miriam kennengelernt, mit der er inzwischen drei Kinder hat. Weil die finanziellen Verhältnisse der Familie eingeschränkt sind, hat Leah die Familie umsonst wohnen lassen. Nach Leahs Tod schickt Vater Berger den Fränkels eine Räumungsklage: ein starkes, ein sehr starkes Mordmotiv. Die Münchner Kommissare ermitteln in alle Richtungen und finden heraus, dass Leah mit Grossmann, dem verheirateten deutschen Geschäftspartner ihres Vaters, eine Liebesaffäre hatte. Ihr Kind wäre unehelich zur Welt gekommen. Mit Hilfe Rabbi Grünbergs – den besonders Leitmayr lange im Verdacht hat, er sei der Vater von Leahs ungeborenem Kind – kommen sie dem Rätsel um Bergers Tod näher. Din Moser, das Gesetz über den „Verrat eines Juden durch einen Juden an einen Nichtjuden“ sagt, „wenn ein Jude im Begriff ist, einen anderen Juden zu verraten, darf man ihn töten“. Gilt dieses mittelalterliche Gesetz heute noch?

Do, 29. Jan · 21:00-21:45 · ARD-alpha
Das Buchenwaldkind

Für die SED-Führung spielte das ehemalige KZ Buchenwald ab Mitte der 50er Jahre eine Schlüsselrolle: Es bestand keine Hoffnung mehr auf eine deutsche Wiedervereinigung, und Buchenwald diente als eine Art Gründungsmythos der DDR. Der Mythos von der Selbstbefreiung der Häftlinge sollte Identität stiften, die Betonung des antifaschistischen Fundamentes internationale Anerkennung verschaffen. Autorin Dr. Ute Gebhardt fördert die wahre Geschichte zutage. Die Bilder sind im Gedächtnis der Menschheit eingebrannt: ausgemergelte Gestalten, dem Tode nah, Gesichter mit leeren Augen. Ob im Konzentrationslager Buchenwald oder anderen Lagern, die am Kriegsende befreit wurden, von amerikanischen oder sowjetischen Truppen. Ein Überlebender in Buchenwald war der kaum vier Jahre alte Kinderhäftling Stefan Jerzy Zweig. Die Geschichte seiner Rettung wurde in der DDR Symbol des antifaschistischen Widerstandskampfes. Kaum ein Schulkind, das die Mahn- und Gedenkstätte auf dem Ettersberg bei Weimar nicht besucht, das Buch über die Rettung des jüdischen Jungen nicht gelesen hätte. Für die SED-Führung spielte Buchenwald ab Mitte der 50er Jahre eine Schlüsselrolle: Es bestand keine Hoffnung mehr auf eine deutsche Wiedervereinigung, und Buchenwald diente als eine Art Gründungsmythos der DDR. Der Mythos von der Selbstbefreiung der Häftlinge sollte Identität stiften, die Betonung des antifaschistischen Fundamentes internationale Anerkennung verschaffen. 1958 wurde die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald eröffnet, und es erschien der Roman „Nackt unter Wölfen“ von Bruno Apitz. Er war ein literarisches Werk, aber er wurde als Tatsachenbericht rezipiert und propagiert. Auch der 1962 in Buchenwald gedrehte Film „Nackt unter Wölfen“ beanspruchte höchste Authentizität. Er blieb zwar von anderen Überlebenden nicht unwidersprochen, doch abweichende Darstellungen durften nicht erscheinen oder wurden ignoriert. Autorin Dr. Ute Gebhardt fördert die wahre Geschichte zutage – mit Zeitzeugen wie Stefan Jerzy Zweig, Armin Mueller-Stahl, Gisela Karau, Kiki Apitz. Der Film geht der Frage nach, was nach dem Ende der DDR und der Zerstörung des Buchenwald-Mythos in den 90er Jahren bleibt vom Antifaschismus. Keine Ehrenrettung, keine Anklage, sondern der Versuch der historischen Einordnung eines wichtigen deutsch-deutschen Diskurses über Täter, Opfer und nachhaltige Lehren der Geschichte.

Sa, 31. Jan · 05:10-05:40 · HR
Mittendrin – zu Besuch bei Juden

Als Hessenreporterin Antonella Berta vor ein paar Wochen die Schrift „F*** Juden“ auf der Wand einer Frankfurter Synagoge sah, war sie entsetzt und fassungslos. Im Jahr 2014, in ihrer friedlichen und multiethnischen Stadt? So etwas war für sie bis zu diesem Augenblick undenkbar. „Wie viel Judenhass gibt es bei uns, wie steht es um unsere Toleranz?“ fragt sie sich und macht sich auf die Suche nach Antworten. Sie erlebt den Alltag von orthodoxen Juden, kocht in einer koscheren Küche, feiert das Laubhüttenfest nach alttestamentarischer Tradition und erfährt, welchen Anfeindungen jüdische Schüler in Frankfurt ausgesetzt sind. Sie taucht ein in diese fremde Welt von nebenan, staunt über Unterschiede und Gemeinsamkeiten und muss sich selbst immer wieder fragen: „Wie tolerant bin ich?“

Sa, 31. Jan · 18:20-18:50 · WDR
Hier und Heute – Alles koscher in Düsseldorf

Düsseldorf hat die drittgrößte jüdische Gemeinde Deutschlands – mit eigener Kita und eigener Grundschule. Hier lernen schon die Sechsjährigen hebräisch und erfahren viel über jüdische Religion und Kultur. Schon von Kindesbeinen an stärkt die Gemeinde das Zusammengehörigkeitsgefühl durch religiöse Feste und säkulare Feiern. Zu den beliebten Übernachtungspartys etwa kommen nicht nur die gläubigen jungen Leute. Über allem wacht als religiöse Autorität, Gemeinde-Rabbiner Aharon Ran Vernikovsky. Er zelebriert den täglichen Gottesdienst, er begleitet das Entstehen eines neuen Gemeindezentrums in Leverkusen und er legt selber Hand an, damit die Küche vor dem wichtigen Pessachfest auch garantiert koscher ist. Angesichts von wachsendem Antisemitismus betont er, dass es überall auf der Welt antisemitische Bedrohungen gebe und dies kein spezifisch deutsches Problem sei. Also kein Grund auszuwandern, anders als zum Beispiel in Frankreich, wo im Jahr 2014 mehr als 5.000 Juden nach Israel gezogen sind, weil sie Angst vor antisemitischen Übergriffen haben. Reporter Stefan Quante ist in schwierigen Zeiten tief in das faszinierende Gemeindeleben eingetaucht.

Sa, 31. Jan · 18:45-18:50 · MDR Sachsen
Glaubwürdig: Justin Sonder

Der ehemalige Kriminalkommissar hat in seinem Leben viele Leichen gesehen, aber die wenigsten davon im Dienst. Justin Sonder war in Auschwitz. Die Jahre im Lager sind auch heute noch präsent, oft steht der 89-Jährige vor Schülern, berichtet und mahnt: So etwas dürft ihr nie wieder zulassen! Justin Sonder ist jüdischer Abstammung und wurde 1943 als 17-Jähriger deportiert. Dabei fühlte er sich als ganz normaler deutscher Junge, wuchs in Chemnitz auf, begann eine Lehre zum Koch. Er wurde sogar erfolgreich gemustert und ermuntert, sich freiwillig der Waffen-SS anzuschließen. Jemand hatte übersehen, dass er aus einer jüdischen Familie stammt. 22 seiner Verwandten sind ermordet worden. 1945 kehrt Justin Sonder in seine Heimatstadt Chemnitz zurück. Er wird Kriminalkommissar, gründet eine Familie und setzt sich bis heute für Antifaschismus und Aufklärung ein. Justin Sonder ist einer der wenigen Überlebenden von Auschwitz – und einer der letzten, der heute noch als Augenzeuge über die Verbrechen berichten kann.

Sa, 31. Jan · 21:45-23:20 · WDR
Hotel Lux

Berlin, 1938: Der Komiker und Stalin-Parodist Hans Zeisig muss mit falschen Papieren aus Nazi-Deutschland fliehen. Ein außerplanmäßiger Witz über Hitler kostet den Komödianten nicht nur die Theaterkarriere, sondern bringt ihn geradewegs auf die gefürchtete Schwarze Liste. Hollywood knapp verfehlt, verschlägt es Zeisig mit gefälschten Papieren nach Moskau, wo er in dem berüchtigten Hotel Lux absteigt. Der Zufluchtsort kommunistischer Funktionäre ist jedoch alles andere als ein Traumhotel: Im Lux lebt man gefährlich – willkürliche Verhaftungen und Denunziationen sind an der Tagesordnung. Weil der sowjetische Geheimdienst Zeisig jedoch mit dem abtrünnigen Leibastrologen Adolf Hitlers verwechselt, wird er nicht gleich exekutiert. Mit dieser Tarnung gerät der unpolitische Entertainer zwischen die Fronten blutiger Intrigen in Josef Stalins Machtapparat. Zu seiner Überraschung trifft Zeisig im Lux auch seinen früheren Bühnenpartner, den jüdischen Hitler-Parodisten Siggi Meyer und die niederländische Untergrundkämpferin Frida van Oorten wieder, die beide fest an das Gute im Kommunismus glauben. Als zu aller Überraschung plötzlich der echte Astrologe auftaucht, muss der Geheimdienst schnell eine Entscheidung treffen: Lieber den Stalin-Bekannten am Leben lassen oder einen Fehler zugeben? Für die drei Freunde beginnt ein Abenteuer auf Leben und Tod. Der Filmtitel bezieht sich auf das gleichnamige Hotel in Moskau, das auch heute noch existiert. Stalin und Hitler sind sich hier zwar nie persönlich begegnet, doch im Hotel Lux sind sie sich in gewisser Weise nahe gekommen. Das Exilanten-Hotel war Magnet und Zufluchtsort für kommunistische Funktionäre, die durch den Faschismus aus ihren Heimatländern vertrieben wurden. Sie erhielten Asyl in diesem „Absteigequartier der Weltrevolution“. Die größte Gruppe kam aus Deutschland, unter ihnen Walter Ulbricht, Herbert Wehner und Wilhelm Pieck. Von Hitler verfolgt, flohen sie in die Arme Stalins. Die Mehrheit hat das nicht überlebt – das Hotel Lux war eine Falle. „Hotel Lux“ gewann 2012 den Produzentenpreis beim Bayerischen Filmpreis. Es folgten drei Nominierungen für den Deutschen Filmpreis.

Sa, 31. Jan · 22:30-00:00 · PHOENIX
Bernsteinland – Ein Todesmarsch in Ostpreußen

Der Dokumentarfilm erzählt das Schicksal der Opfer des Todesmarsches an die ostpreußische Bernsteinküste im Januar 1945. Etwa 7.500 Gefangene, die meisten von ihnen junge jüdische Frauen aus Osteuropa, arbeiten in den ostpreußischen Außenlagern des KZ Stutthof, als Mitte Januar 1945 der Befehl eintrifft, alle Lager in Ostpreußen zu räumen. Auf einem Marsch durch Ostpreußen werden die Gefangenen über Königsberg bis nach Palmnicken getrieben, einem kleinem Dorf an der samländischen Bernsteinküste, wo sie in der Nacht des 31. Januar 1945 auf die zugefrorene Ostsee geführt und erschossen werden. Etwa zweihundert Menschen überleben das Massaker auf dem Eis und fliehen in die umliegenden Dörfer. Es beginnt eine von der SS veranlasste Jagd auf die Überlebenden, an der sich Einwohner und die Palmnicker Hitlerjugend beteiligen. Nur wenige überleben den Todesmarsch und noch weniger das Kriegsende – versteckt bei Anwohnern und Bauern, die die Überlebenden bei sich aufnehmen. Eine der Überlebenden ist Maria Blitz. Anhand von Marias Erinnerungen und den Berichten von weiteren Überlebenden und Zeitzeugen zeichnet der Film die historischen Ereignisse an den heutigen Originalschauplätzen in Polen und Russland nach. Der Todesmarsch nach Palmnicken ist ein Kapitel der deutschen und europäischen Geschichte, das in Vergessenheit geraten ist. Nur bei wenigen lebt die Erinnerung an diese Geschichte und an die Menschen in dieser Geschichte weiter.