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Offener Brief an die „Linke Zeitung“

Gegen die antisemitischen Kritik an Katja Kipping…

Von Max Brym

Katja Kipping ist eine der beiden Parteivorsitzenden der Partei „Die Linke“. Kritik an ihr ist selbstverständlich erlaubt, in vielen Fällen nach meinem Gusto sogar notwendig. Was nicht geht ist, dass die „Linke Zeitung“ offen antisemitische Angriffe gegen Katja Kipping fördert und abdruckt. Der Artikel „Ein paar mehr Worte zu Katja Kip­ping von der “Mossad-Fraktion” publiziert auf den Seiten der „Linken Zeitung“ ist verwerflich und offen antisemitisch. Der Schreiberling von der Seite „Parteibuch“ schmiert folgendes zusammen : „Katja Kip­ping unter­stützt die Exis­tenz des ras­sis­tis­chen Apartheid– und Besatzungs­ge­bildes “Israel” bedingungslos“. Natürlich negiert der Schreiber das Existenzrecht Israels. Es wird nicht unterschieden zwischen links und rechts in Israel. Israel einen Arphardheitsstat zu nennen ist ebenfalls daneben. Mein Nachbar ist Palästinenser mit israelischem Pass und hat an einer israelischen Universität Psychologie studiert. Dies passt nicht zu dem Begriff „Apartheidsstaat“. Bis dato ist Arabisch neben Hebräisch, offiziell die zweite Amtssprache in Israel. Die rechte Netanjahu Regierung versucht dies im Verbund mit extremen israelischen Nationalisten zu ändern. Linke Israelis wenden sich gegen diese gegenwärtige Politik von Netanjahu und seinen Bündnispartnern.

All dies interessiert den Schreiber allerdings nicht. Im Sinn der Hamas will er Israel vernichten und erklärt Katja Kipping in seinem Wahn gleich zur Mossad Agentin. Der antisemitische Irrsinn durchzieht das komplette Elaborat von der Seite „Parteibuch“. Parteibuch schreibt:“ Was Katja Kip­ping dabei übri­gens völ­lig aus­blendet, ist die tra­gende Rolle, die das zion­is­tis­che Regime und dessen mächtige Israel-Lobby in den USA und der west­lichen Welt dabei gespielt haben, die US-geführten Angriff­skriege – etwa gegen Afghanistan und den Irak – zu organ­isieren, die sie in ihrem Pam­phlet ver­harm­losend “die gegen­wär­ti­gen Ereignisse im Irak und Afghanistan” nennt.“ Dies heißt nichts anderes, als dass die Juden schuld an den Kriegen im Irak und in Afghanistan sind. Auch die Bezeichnung Zionisten ändert an dieser Feststellung nichts, der moderne Antisemit hat offiziell nichts gegen Juden, sondern er ist nur gegen die Zionisten. Dabei scheint es sich um eine ungeheure Macht zu handeln. Man drückt sich heutzutage moderner aus, wenn man der Meinung ist:“ Die Juden sind unser Unglück“.

Der Artikel in der „ Linken Zeitung“ enthält sämtliche antisemitische Bezeichnungen bezüglich der „Macht und dem Einfluss der Zionisten“ ( sprich Juden). In dem Artikel steht:“ Auf den zion­is­tis­chen Ein­fluss zur Her­beiführung der Kriege gegen Libyen 2011 und gegen Syrien ab 2011 und des recht­sradikalen Putsches in der Ukraine 2014 kon­nte Katja Kip­ping damals in dem Pam­phlet zwar noch nicht einge­hen, weil das zeitlich weit davor lag, aber dem Parteibuch ist nicht bekannt, dass diese bluti­gen Desaster die Ein­stel­lung von Katja Kip­ping zum Zion­is­mus grundle­gend geän­dert hät­ten. Im Gegen­teil: Katja Kip­ping unter­stützte diese vom zion­is­tis­chen Regime vor­angetriebe­nen Regime Changes eher, zumin­d­est, was den zion­is­tis­chen Regime-Change-Versuch in Syrien bet­rifft, ist das eindeutig.“ Tja die Zionisten beherrschen halt die Welt. Jeder Krieg hat nichts mit den Widersprüchen des kapitalistischen Systems und des Imperialismus zu tun. Hinter all dem Verderben stehen immer und überall diese „israelischen Lobbys“. Es findet sich in dem Artikel kein Wort gegen den US- Imperialismus und schon gar kein Wort gegen den deutschen Imperialismus. Das „Weltübel“ schlechthin ist für den Autor der Zionismus. Dieses „Weltübel“ macht selbst aus Frau Kipping eine Mossad Agentin. Vom Klassenkampf in Deutschland und Israel und in den USA ist in dem kompletten Artikel nicht die Rede. Der Hamas verehrende Artikel ist durchtränkt mit nationalistischen Antisemitismus. Wer die Logik des Schreibers zu Ende denkt ist unmittelbar bei Lars Mährholz. Dieser so genannte Friedensfreund meinte, dass die US Bank FED “ für alle Verbrechen seit 100 Jahren verantwortlich sei“. Damit wurde der deutsche Faschismus entlastet und es hielten esoterische, antisemitische Verschwörungstheorien Einzug bei Teilen der deutschen Friedensbewegung.

Der Artikel in der „Linken Zeitung“ zeigt, wie weit das Querfrontkonzept basierend auf antisemitischer „Kapitalismuskritik“ bereits Einzug in den Diskurs bestimmter deutscher Zeitungen und Organisationen genommen hat. Der Schreiber des antisemitischen Artikels meint im übrigen auf seiner Website, dass PEGIDA eine „Erfindung zionistischer Kreise sei“. Dem Wahnsinn scheinen keine Grenzen mehr gesetzt zu sein. Es wird Zeit mit den offenen Nationalisten und Antisemiten im Querfrontgewand deutlich zu brechen.