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Zum 80. Geburtstag von Gertrud Seehaus

Gratuliert Nadine Englhart…

„Schlimme Zeiten machen manchmal sogar große Dichter,“ ist das Zitat einer großen Schriftstellerin, die auch schlimme Zeiten durchgemacht hat. Dieses Zitat stammt aus einem Büchlein über Deine, liebe Gertrud, und Peters Kindheiten im Krieg, Opa und Oma hatten kein Fahrrad. Ich weiß noch, wie mein lesefauler Sohn dieses Büchlein verschlungen hat – und natürlich allerhand Fragen dazu hatte. Fragen, die auch jene Schulkinder ganz unbefangen stellten, die ich während einer Eurer Lesungen erleben durfte. Nach der Lesung hatte ich das Gefühl, daß diese kleinen Menschen mit einem größeren Verständnis und bereicherter hinaus in die Welt gingen, als so manch andere. Und das, finde ich, ist schon eine ganze Menge. Das wäre nicht möglich gewesen, wenn Ihr, vor allem Du, Euch nicht gegen Bedenkenträger durchgesetzt hättet, die Opa und Oma hatten kein Fahrrad am liebsten die Stacheln gezogen hätten, welche seine Qualität ausmachen: den Mut, Kindern auch unangenehme oder schmerzvolle Dinge nahezubringen. Nur eben kindgerecht.

Aber das scheint Dein Lebensmotto zu sein: Gegen alle Widrigkeiten anzukämpfen. Wer weiß, ob es ohne die Mischung, die Deine Biographie, liebe Gertrud, ausmacht, überhaupt geklappt hätte, genau dieses Buch zu schreiben: Du bist Schauspielerin, Pädagogin und Schriftstellerin. Jedesmal, wenn eine Herausforderung an Dich herangetreten ist, hast Du Dich ihr in bewundernswerter Weise gestellt, hast Dein Leben umgekrempelt, neue Wege eingeschlagen, bist Wagnisse eingegangen, bist allen Widrigkeiten zum Trotz erfolgreich gewesen.

Dein Beispiel macht Mut. Du hast in einem Alter erfolgreich zu schreiben angefangen, in dem vielen Frauen nach wie vor weisgemacht wird, kurz vor dem Ende ihrer Kreativität und Leistungsfähigkeit zu stehen. Deine Karriere als Schriftstellerin war nie so glatt, wie man es Dir von Herzen gewünscht hätte. Wir hatten so manches Gespräch darüber, aber wirklich entmutigt oder gar bitter bist Du mir dennoch nie vorgekommen. Denn Erfolg bemißt sich nicht an Auflagenstärken, an jubelnden Kritiken, an Einnahmen, sondern daran, ob es einem als Autor gelingt, hin und wieder an scheinbar festgefahrenen Überzeugungen zu sacht zu rütteln, an die Herzen und Hirne seiner Leser zu rühren, sie zu bereichern, ihrer Lebenseinstellung vielleicht einen kleinen, aber entscheidenden Schubs zu verpassen – und das ist Dir in Deiner ganzen Laufbahn – als Schauspielerin, Pädagogin und Schriftstellerin – mehr als nur einmal gelungen.

Liebe Gertrud, ich wünsche Dir zu Deinem 80. Geburtstag und zu Deinem 30. Geburtstag als Schriftstellerin alles Liebe und Gute.

Bis 120!
Nadine