Einen guten Appetit!

Eine Portion Auschwitz mit Adorno auf dem Teller…

Von Rainer Thiemann

In den Kinderpflegefachschulen und Erzieheranstalten in Bayern wird den Auszubildenden auch eine Polemik  der Kinder-und Jugendbuchautorin und „Tierschützerin“ Christa Ludwig vorgelegt, der in der Zeitschrift „A Tempo“ im September 2014  veröffentlicht wurde. Damit soll sich der angehende Kinderpfleger der Aufgabenstellung einer „Inhaltsangabe“ widmen.

Der Artikel mit der Bezeichnung  „Plädoyer für ein artgerechtes Menschsein“, will in polemischer Form die Massentierhaltung, das Ernährungsbewusstsein und den widersprüchlichen Umgang mit Tieren abhandeln.

Er  kann  aber die deutsche Art  des Menschseins nicht verleugnen:

„Ach, kleine Mia, wie sehr du dich irrst: Die 628 Millionen Hühner, die letztes Jahr in Deutschland geschlachtet wurden, sind nicht verunfallt. Dafür gibt es Fabriken, riesige Tötungsfabriken, besonders effiziente in Deutschland  -Halt! Stopp! Nein!  Ich habe nichts von Auschwitz gesagt. Niemals vergleiche ich auch nur irgendetwas mit Auschwitz. Aber ich darf einen zitieren, der es tat, dem man es nicht übel  nimmt,  weil  er Jude war. Theodor W. Adorno  hat  gesagt:

«Auschwitz fangt da an, wo einer auf dem Schlachthof steht und sagt: <Es sind  ja  nur Tiere.>» .

Ja, das hat er gesagt, und dabei hat er den Hühnerschlachthof im niedersächsischen Wietze mit einer Kapazität von 428000 geschlachteten Hühnern am Tag, gar nicht gekannt.“

Nicht nur der antisemitische Kontext – „er darf das wohl sagen, weil er ein Jude ist“- „Nichtjuden“ oder „Deutsche“ dürfen so etwas angeblich über Ausschwitz nicht sagen – ist in dieser Polemik auffällig, sondern die Autorin arbeitet auch noch mit  nicht belegbaren Erfindungen. Adorno hat diesen Satz niemals geschrieben. Auch würde er niemals die  industrielle Massenvernichtung von Juden und anderen Völkern und politischen Gegnern mit dem Thema der Autorin verbinden. Er hatte auch 1945 keinen Anlass in einem noch jahrelang hungernden Mitteleuropa  sich über industriell profitable Ernährungsstrategien und deren Konsequenzen Gedanken zu machen. Stattdessen reflektierte er in erster Linie über den verhungerten Geist nach dem Faschismus.

Die Fälschung, die im Übrigen seit Jahren kursiert, beruht auf folgendem Aphorismus von Adorno in seiner „Minima Moralia“ :

Die stets wiederkehrende Aussage, Wilde, Schwarze, Japaner glichen Tieren, etwa Affen, enthält bereits den Schlüssel zum Pogrom. Über dessen Möglichkeit wird entschieden in dem Augenblick, in dem das Auge eines tödlich verwundeten Tiers den Menschen trifft. Der Trotz, mit dem er diesen Blick von sich schiebt – „es ist ja bloß ein Tier“ – wiederholt sich unaufhaltsam in den Grausamkeiten an Menschen, in denen die Täter das „nur ein Tier“ immer wieder sich bestätigen müssen, weil sie es schon am Tier nie glauben konnten. (…)

Ein Kommentar zu “Einen guten Appetit!

  1. Adorno ein Jude? Ja, für Nazis (hallo Frau Ludwig!), analog ihrer „Nürnberger Gesetze“: 32 Jahre nach seiner Geburt war der als geborener Christ Anzusehende urplötzlich ein „Mischling zweiten Grades“, ein sog. „Halbjude“: Der Vater hatte sich längst taufen lassen, konvertierte damit vom Judentum zum Protestantismus, die Mutter gar blieb zeitlebens eine fromme Katholikin.

    Witz? Nee, obwohl… WIeTZe, AuschWITZ – Frau Ludwig scheint scheinbar Ähnliches zu lieben. Arme Kinder.

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