„Gratwanderung“ – Jüdisch-muslimisches Theaterprojekt aus Israel

Eine Gruppe israelischer Jugendlicher reiste Mitte Oktober durch Deutschland und führte an verschiedenen Orten ein selbst geschriebenes Musical auf…

Von Dorit Felsch

Das besondere an dem Projekt: Die Gruppe bestand zur Hälfte aus jüdischen Jugendlichen aus dem Kinderheim „Neve Hanna“ in Kiryat Gat im Süden Israels und zur anderen Hälfte aus arabischen Jugendlichen aus der Beduinenstadt Rahat, einige Autominuten von Kiryat Gat entfernt. Seit über einem Jahr hat die Gruppe unter Anleitung einer Theaterpädagogin die Geschichte des Stücks selbst entwickelt und anschließend einstudiert.

Unterbrochen wurden die intensiven Proben für einige Wochen durch die Kriegsereignisse im Sommer, denn sowohl Kiryat Gat als auch Rahat waren sehr stark vom Raketenbeschuss aus Gaza betroffen. Alle Jugendlichen mussten den Sommer in Schutzräumen verbringen. Treffen und gemeinsame Proben waren in dieser Zeit nicht möglich. Mit großem Engagement aller Beteiligten gelang es aber, die verlorene Zeit anschließend wieder aufzuholen.

Das Stück bekam durch den Krieg noch einmal eine neue und drängendere Aktualität. Denn das Bühnenstück namens „Gratwanderung“ widmet sich mit viel Musik und Tanz einer Liebe im Spannungsfeld: der Liebe zwischen einer Jüdin aus frommem Elternhaus und einem Araber. Muchammad, ein junger beduinischer Araber, arbeitet im Haus der jüdischen Familie Shapira, wo er Naomi kennen lernt. Vor dem Hintergrund einer eskalierenden Sicherheitslage nimmt die Liebesgeschichte zwischen dem Beduinen und der Jüdin ihren Lauf. Als Naomis Eltern davon erfahren, weigern sie sich zunächst, die Verbindung ihrer Tochter zu akzeptieren, und die Ereignisse überschlagen sich.

Neve Hanna

Die Aufführungen in verschiedenen Kirchen und Schulen, unter anderem in Plochingen, Köln, Wuppertal und Aachen, waren allesamt gut besucht. Das Publikum folgte der Bühnengeschichte gespannt, und die jungen Darsteller wurden hinterher mit anhaltendem Applaus und teilweise Standing Ovations belohnt. Im Anschluss an jede Aufführung bestand die Möglichkeit, Fragen an die Verantwortlichen zu stellen, wobei viele interessante Gespräche zustande kamen.

Organisiert und verantwortet wurde das Projekt vom Kinderheim „Neve Hanna“ und seinem deutschen Freundeskreis „Neve Hanna Kinderhilfe e.V.“. Das Kinderheim, das dieses Jahr sein 40jähriges Bestehen feiert, bietet jüdischen Kindern aus zerrütteten Familien ein Zuhause. Seit 25 Jahren unterhält es Friedensprojekte, darunter seit zehn Jahren den jüdisch-beduinischen Tageshort „Pfad des Friedens“, in dem jüdische und muslimische Kinder gemeinsam betreut werden – zweisprachig und gleichberechtigt.

Inmitten der vielen erschreckenden Nachrichten, die in den letzten Wochen aus dem Nahen Osten zu uns kamen, brachten die Jugendlichen mit ihrem Theaterstück eine Hoffnungsbotschaft: Gelebtes Miteinander kann gelingen – und als Zeichen dafür hat auch „Gratwanderung“ ein Happy End.

Informationen zum Kinderheim „Neve Hanna“ und dem „Pfad des Friedens“ gibt es unter: www.nevehanna.de

http://www.hagalil.com/2004/10/neve-hanna.htm
http://www.hagalil.com/01/de/index.php?itemid=1260
http://www.hagalil.com/01/de/Israel.php?itemid=1248
Max Gloor (2009): Die Geschichte des Vereins Neve Hanna Schweiz