Erst gemobbt, dann gelobt

Es gibt Themen, die sind zu allen Zeiten und überall aktuell; Mobbing in der Schule ist sicherlich eines von ihnen. Der elfjährige George Amira aus Jaffa hat lange gelitten – und sich dann entschieden, sich auf kreative Art gegen die verbalen Angriffe seiner Mitschüler zu wehren…

In einem youtube-Video, das er gemeinsam mit seinem älteren Bruder gedreht hat, hält er Zettel in die Kamera, auf denen er schildert, was ihm Tag für Tag in der Schule geschieht: „Schwuchtel“, werde er genannt, „Mädchen“ oder für seine „Mädchen-Stimme“ ausgelacht. „Verurteilt mich nicht dafür, was ich bin“, steht auf dem nächsten Zettel. „Schaut mich an… und dann Euch selbst. Wir sind genau gleich.“

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Der Film wurde im Internet schnell vielfach geteilt und erreichte schließlich auch Staatspräsident Reuven Rivlin, der spontan entschied, Familie Amira in seinen Amtssitz einzuladen. „Er hat gesagt, ich sei sehr mutig“, so George nach dem Treffen gegenüber dem Internetportal ynet. Mutter Mira bezeichnete den Film vor allem auch als „Botschaft an alle Kinder, mit so etwas aufzuhören, damit es allen besser geht“. George erzählt, nachdem er den Clip veröffentlicht habe, hätten sich viele seiner Klassenkameraden bei ihm entschuldigt, das Mobbing habe aufgehört.

Von seinem Besuch bei Rubi Rivlin hat George ein besonderes Geschenk mitgebracht: In einem weiteren Film sitzen beide nebeneinander und halten diesmal abwechselnd Zettel in die Kamera. „Gewalt, Feindseligkeit, Rabaukentum, Rassismus – das ist nur ein Teil der Dinge, mit denen Menschen jeden Tag hier in Israel konfrontiert sind. Das ist nur ein Teil der Dinge, die es in unserem Staat einfach nicht geben darf. Lasst uns einander versprechen, dass wir uns in diesem Jahr für Toleranz, Empathie, Brüderlichkeit, Gleichberechtigung einsetzen. Werte, die wir in unserem Staat brauchen“, so rufen der Junge und der Präsident in dem Video auf, das mit englischen und arabischen Untertiteln auf dem präsidentiellen Youtube-Kanal zu sehen ist.

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Dass er als einfacher Bürger vom Staatspräsidenten empfangen werde, sei ein tolles Gefühl, so Vater Eduard. „Das hat mir das Gefühl gegeben, dass er sich wirklich für jeden einzelnen Bürger interessiert. Wir sind hier stellvertretend für alle Kinder und viele Erwachsene, die mich auf Facebook kontaktiert haben und mir gesagt haben, das ist meine Geschichte, aber wir haben uns damals nicht getraut, etwas zu sagen.“

Ynet, 01.10.14, Newsletter der Botschaft des Staates Israel